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Irak am tausendundvierzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Fünf US-Soldaten bei Bombenanschlägen getötet. Iran
macht USA für Gewalt im Irak verantwortlich. Debatte in den USA
über Irak-Einsatz hält an. EU fordert von Iraks
Ministerpräsident Maliki verstärkte Bemühungen zur
Aussöhnung
Sa.05.05.07 - Bei drei Bombenanschlägen und bei Gefechten in der irakischen
Provinz Anbar sind insgesamt fünf amerikanische Soldaten
getötet und elf verwundet worden, wie die US-Streitkräfte am
Freitag mitteilten. Ein Bombenanschlag ereignet sich am Freitag, die
übrigen Vorfälle bereits am Donnerstag. In der rund 100
Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Hillah wurden am
Freitag fünf Menschen bei einem Anschlag auf eine schiitische
Moschee getötet. Die Bombe detonierte in einem in der Nähe
der Moschee abgestellten Wagen. Rund 30 Menschen wurden verletzt.
Der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki hat die USA
für die Gewalt im Irak verantwortlich gemacht. Die fehlerhafte
Vorgehensweise der ausländischen Truppen sei der Grund dafür,
dass der Terror anhalte und zunehme, sagte Mottaki am Freitag auf der
internationalen Irak-Konferenz im ägyptischen Badeort Scharm el
Scheich. «Die Vereinigten Staaten müssen die Verantwortung
akzeptieren, die aus der Besetzung des Iraks erwächst.»
Die scharfe Rede verärgerte die irakische Delegation.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki bemühte sich zwar darum, ein
Treffen zwischen Mottaki und US-Außenministerin Condoleezza Rice
zu vermitteln, dies kam aber nicht zu Stande. Gespräche gab es nur
zwischen den Botschaftern beider Staaten. Es fehle noch an Vertrauen,
sagte der irakische Außenminister Hoschjar Sebari. Es sei aber im
Interesse seines Landes, dass sich die Spannungen zwischen den USA und
dem Iran legten.
Die Konfrontation zwischen dem Weißen Haus und den
oppositionellen Demokraten wegen des Kriegseinsatzes im Irak dauert an.
Führende demokratische Politiker erwägen ein Gesetz, wonach
die Finanzierung des Einsatzes vorläufig nur bis Juli
sichergestellt wäre. Danach solle kein Geld mehr bewilligt werden,
wenn die irakische Regierung nicht bestimmte Vorgaben erfülle,
verlautete in Washington. Die Präsidentschaftskandidaten der
Republikaner warnten vor einem übereilten Rückzug der
US-Truppen.
Der neue Vorschlag, der am Donnerstag in einer vertraulichen Sitzung
der Demokraten ins Spiel gebracht worden sein soll, kommt erneut einer
direkten Herausforderung des Präsidenten gleich. Demnach soll das
Repräsentantenhaus das für den Irak-Einsatz notwendige Geld
bis Juli bewilligen. Danach könnte der Kongress die weitere
Finanzierung blockieren. Beobachtern zufolge ist eine Mehrheit für
diesen Vorschlag im Senat aber äußerst unwahrscheinlich.
Die US-Senatoren Hillary Clinton und Robert Byrd kündigten
unterdessen eine Entschließung an, die Bush dazu zwingen soll,
sich eine Fortsetzung des Kriegseinsatzes im Irak über den 11.
Oktober 2007 hinaus vom Kongress genehmigen zu lassen. «Wenn der
Präsident nicht von sich aus die Realität akzeptiert, ist es
an der Zeit, dass der Kongress ihm die Realität nahe bringt»,
sagte Clinton am Donnerstag im Plenum des Senats. Die ehemalige First
Lady gilt als aussichtsreiche Anwärterin auf die
Präsidentschaftskandidatur der Demokraten.
Die Präsidentschaftsbewerber der Republikanischen Partei
erklärten dagegen, ein übereilter Abzug der US-Truppen aus dem
Irak würde den Interessen der Vereinigten Staaten schaden.
«Wir sollten niemals vor dem Terrorismus
zurückweichen», sagte der frühere New Yorker
Bürgermeister Rudolph Giuliani bei einer öffentlichen Debatte
der zehn Bewerber in Simi Valley in Kalifornien. Senator John McCain aus
Arizona erklärte, die USA seien im Irak jetzt auf dem richtigen
Weg.
Die Europäische Union hat die irakische Regierung zu
verstärkten Bemühungen für eine innere Stabilisierung des
Landes aufgefordert. Es müsse alles zur Versöhnung der
verschiedenen Religions- und Bevölkerungsgruppen im Irak getan
werden.
Das sagte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Freitag
am Rande der Irak-Konferenz in Scharm el Scheich. An Regierungschef Nuri
al-Maliki appellierte sie, ausstehende Gesetze etwa zur Verteilung der
Öl- und Gasressourcen sowie die Revision der Verfassung
voranzubringen. «Al-Maliki muss das zumindest versuchen, denn er
ist der Premier im Moment.»
EU-Ratspräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, von der Konferenz
in dem ägyptischen Badeort dürften «keine Wunder»
erwartet werden. Die Zusammenkunft habe aber gezeigt, dass die Nachbarn
des Iraks an einem Dialog über die Zukunft des Zweistromlandes
interessiert seien. Vielleicht sei es auch ein kleines Zeichen der
Hoffnung, dass es am Donnerstag ein Treffen zwischen
US-Außenministerin Condoleezza Rice und dem syrischen
Außenminister Walid al-Moallem gegeben habe.
Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sieht neben der
internationalen Staatengemeinschaft und den Nachbarn des Iraks die
Regierung in Bagdad gefordert, wenn es um eine Verbesserung der
Sicherheitslage geht. «Es ist sehr wichtig, dass die Regierung
alles unternimmt, damit die Menschen im Irak versöhnt
werden.» Derzeit sei der Grad der Unsicherheit im Irak sehr hoch.
Deshalb sei es außerordentlich schwer, internationale Hilfe
umzusetzen. Unabdingbar sei auch die Unterstützung der
Nachbarstaaten. «Unglücklicherweise ist aber nicht jeder
Nachbar des Iraks ein Teil der Lösung.»
An der internationalen Konferenz nehmen mehr als 30 Delegationen teil.
Am Donnerstag hatten die Teilnehmer nach dem Vorbild des
Afghanistan-Pakts ein Fünf-Jahres-Programm für den Irak auf
den Weg gebracht. Darin werden bis 2013 Ziele für den Wiederaufbau
des Landes sowie zur Verbesserung der Sicherheitslage formuliert. Im
Gegenzug für weit reichende politische, wirtschaftliche, soziale
und sicherheitspolitische Reformen wird dem Irak ein Ausbau der
Zusammenarbeit in Aussicht gestellt.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 05.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsechsundsiebzigstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nur Hälfte von US-Soldaten würde Misshandlung von Zivilisten
anzeigen
Sa.05.05.07 - Nur etwa die Hälfte der im Irak stationierten US-Soldaten
würden einen Kameraden nach der Tötung oder Verwundung einer
Zivilperson anzeigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine interne
Untersuchung des US-Verteidigungsministeriums, wie
Militärvertreter am Freitag bekannt gaben. Demnach würden 40
Prozent der Marineinfanteristen und 55 Prozent der Heeressoldaten
Bericht erstatten.
Lediglich ein Drittel der Marineinfanteristen und etwa die Hälfte
der Soldaten äußerten der Studie zufolge die
Überzeugung, dass nicht in Kämpfe verwickelte Personen mit
Würde zu behandeln seien. Mehr als 40 Prozent der US-Truppen
erklärten den Ergebnissen zufolge, dass Folter erlaubt sein solle,
um das Leben von Soldaten zu retten.
Ein Militärsprecher betonte, die Befunde der Untersuchung
würden sehr ernst genommen. Es war die erste von bislang vier
Studien, die gezielt auch ethische Einstellungen und Verhalten
untersuchte. Lange und wiederholte Stationierung verstärkt nach
Erkenntnissen der Militärexperten mentale Probleme der Soldaten im
Irak-Einsatz.
(Quelle: ap)
NATO untersucht Berichte über zahlreiche zivile Opfer in
Afghanistan
Sa.05.05.07 - Die NATO geht Berichten über zahlreiche zivile Opfer bei
Kämpfen im Westen Afghanistans nach. Der Chef der
ISAF-Schutztruppe, General Dan McNeill, betonte allerdings, nur
Aufständische, die geschossen hätten, seien Ziel der Angriffe
gewesen. Die US-geführten Truppen hatten erklärt, bei den
Kämpfen im Serkoh-Tal in der vergangenen Woche seien 136
mutmaßliche Taliban getötet worden. Nach afghanischen Angaben
kamen 51 Zivilpersonen ums Leben. Der Sprecher der Vereinten Nationen
in Afghanistan, Adrian Edwards, erklärte am Freitag, eine
Untersuchung habe ergeben, dass bis zu 49 Zivilpersonen getötet
worden seien. 900 Familien seien vor den Kämpfen geflohen.
(Quelle: ap)
Sudan und Tschad einigen sich auf Wiederversöhnung
Sa.05.05.07 - Die Nachbarstaaten Sudan und Tschad wollen ihre Spannungen beilegen.
Die Präsidenten beider Länder, Omar el Beschir und Idriss Deby
Itno, unterzeichneten am Donnerstag in Saudi-Arabien eine Vereinbarung
zur Wiederversöhnung, wie saudische Medien berichteten. Das
Abkommen unter der Schirmherrschaft des saudi-arabischen König
Abdullah ist das Ergebnis eines Treffens der drei Staatschefs auf
Abdullahs Landgut in Janadrijah, 40 Kilometer nordöstlich von
Riad. Es sieht unter anderem vor, dass Sudan und Tschad
Aufständische im jeweils anderen Land nicht mehr
unterstützen, was die Hauptursache der Spannungen zwischen den
afrikanischen Nachbarn war.
(Quelle: afp)
Venezuela: Präsident Chávez droht mit Verstaatlichung von
Stahlindustrie und Banken
Sa.05.05.07 - Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat am Donnerstag
damit gedroht, nach der Öl- auch die Stahlindustrie und die Banken
zu verstaatlichen. In einer Fernsehansprache sagte er, der
internationale Stahlkonzern Sidor werde verstaatlicht, wenn er seine
Produkte weiter ins Ausland und nicht auf dem heimischen Markt verkaufe.
Die Preise für den Verkauf im Inland müssten unter den
Weltmarktpreisen liegen, forderte Chávez.
(Quelle: afp)
Brasilien setzt sich über Patent von Aids-Medikament hinweg
Sa.05.05.07 - Nach gescheiterten Preisverhandlungen setzt sich Brasilien erstmals
über das Patent für ein Aids-Medikament hinweg.
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva setzte am Freitag eine
Anweisung in Kraft, mit der sein Land künftig Generika des
Arzneimittels Efavirenz des US-Pharmariesen Merck & Co. herstellen
oder erwerben kann.
Das brasilianische Gesundheitswesen versorgt Aids-Kranke kostenlos mit
Arzneimitteln. Efavirenz wird von rund 75.000 der insgesamt 180.000
Patienten eingenommen. Derzeit zahlt die Regierung für das
Medikament jährlich umgerechnet etwa 430 Euro pro Patient.
Brasilien hatte von Merck gefordert, die Kosten von 1,57 Dollar (1,15
Euro) pro Pille auf 0,65 Dollar (0,47 Euro) zu senken - der Preis, zu
dem auch Thailand das Arzneimittel erwirbt. Merck hatte einen
30-prozentigen Nachlass angeboten.
Brasilien hatte bereits wiederholt einen solchen Schritt angedroht,
bislang hatte ein Durchbruch bei den Preisverhandlungen aber immer in
letzter Minute eine so genannte Zwangslizenz abgewendet. Eine solche
Maßnahme ist nach brasilianischem Recht und den Regeln der
Welthandelsorganisation (WHO) in Gesundheitsnotlagen oder bei
missbräuchlichen Preisvorgaben erlaubt.
Merck & Co. zeigte sich enttäuscht. Als
zwölftgrößte Volkswirtschaft könne Brasilien eher
für seine Aids-Medikamente zahlen als ärmere und stärker
von der Krankheit betroffene Länder, hieß es in einer
Erklärung des Unternehmens.
(Quelle: ap)
Dritter Teil des Weltklimaberichts: UN-Experten fordern rasches Handeln
Sa.05.05.07 - In spätestens acht Jahren muss der Ausstoß von
Treibhausgasen weltweit gesenkt werden, um eine Klimakatastrophe zu
verhindern. Zu diesem Schluss kommen UN-Experten in ihrem dritten Teil
des Weltklimaberichts, der in Bangkok am Freitag veröffentlicht
wurde. Nur wenn der Ausstoß des Klimakillers CO2 ab 2015 sinke,
könne die Erderwärmung bei bis zu 2,4 Grad stabilisiert
werden. Zwischen 2015 und 2050 müssten die CO2-Emissionen um
mindestens 50 Prozent unter den Ausstoß im Jahr 2000 gesenkt
werden, forderte das Expertengremium IPCC.
Die kommenden 20 bis 30 Jahre werden nach Ansicht von Experten
entscheidend für den Kampf gegen den Klimawandel sein. Die
Anstrengungen in diesem Zeitraum würden eine große Auswirkung
auf die Möglichkeiten haben, möglichst niedrige Werte
für den Treibhausgas-Ausstoß zu erreichen, schreiben die
Autoren in einer Zusammenfassung des dritten Teils des
Welt-Klimaberichts, der heute der Öffentlichkeit vorgestellt werden
soll.
Dem Bericht zufolge existiert ein "erhebliches wirtschaftliches
Potenzial für die Minderung der weltweiten
Treibhausgas-Emissionen". Damit könnten die Zunahme des
Ausstoßes ausgeglichen oder die Emissionen sogar unter das
aktuelle Niveau gesenkt werden.
Die Teilnehmer der Klima-Verhandlungen in der thailändischen
Hauptstadt Bangkok nahmen den dritten und letzten Teil des neuen
Klimaberichts des Weltklimarates IPCC nach Angaben von Delegierten am
Morgen an. In dem Dokument präsentieren die Experten
Maßnahmen zur Begrenzung des Kohlendioxidausstoßes. Die
erste und die zweite Arbeitsgruppe des Weltklimarates, die sich mit
wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel beziehungsweise mit den
Folgen für Natur, Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt
hatten, hatten ihre Berichte im Februar beziehungsweise April
veröffentlicht.
Nach der Veröffentlichung des dritten Teils wird im November im
spanischen Valencia das Gesamtdokument verabschiedet. Der insgesamt
vierte IPCC-Bericht wird Grundlage für die Verhandlungen über
das Vorgehen nach dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll sein.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Die wichtigsten Punkte des IPCC-Berichts
Der Weltklimarat (IPCC) bündelt alle fünf bis sechs Jahre im
Weltklimabericht die weltweiten Forschungsergebnisse zur Erwärmung
der Erde. Das Gremium veröffentlichte in der thailändischen
Hauptstadt Bangkok den dritten und letzten Teil seines neuen
Klimaberichts. Darin geht es um Möglichkeiten und konkrete
Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels. Die Nachrichtenagentur
AFP dokumentiert die wichtigsten Punkte:
TREIBHAUSGASAUSTOß
Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen hat zwischen 1970 und
2004 um 70 Prozent zugenommen. Von 1990 bis 2004 betrug die Steigerung
trotz aller Klimaschutzanstrengungen 28 Prozent. Der CO2-Ausstoß,
der mehr als Dreiviertel der Treibhausgase ausmacht, hat seit 1970 um
80 Prozent zugenommen. Fortschritte bei der Energieeffizienz wurden
durch die wachsende Weltbevölkerung und das steigende weltweite
Einkommen größtenteils wieder zunichte gemacht. Sollte die
derzeitige Entwicklung anhalten, könnte der
Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Jahr
2000 um 25 bis 90 Prozent zunehmen.
NOTWENDIGE MAßNAHMEN
Der Ausstoß von Treibhausgasen muss spätestens in acht
Jahren weltweit gesenkt werden, um eine Klimakatastrophe zu verhindern.
Nur wenn der Ausstoß des Klimakillers CO2 ab 2015 sinke,
könne die Erderwärmung bei bis zu 2,4 Grad stabilisiert
werden, schreiben die Experten. Dies gilt als Grenze, deren
Überschreiten vermutlich zu einem extremen Klimawandel führen
würde. Zwischen 2015 und 2050 müssten die CO2-Emissionen um
zwischen 50 und 85 Prozent unter den Ausstoß im Jahr 2000 gesenkt
werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, empfiehlt der IPCC den verstärkten
Rückgriff auf erneuerbare Energien wie Solarenergie, Wind- und
Wasserkraft. Auch die bis zuletzt umstrittene Atomenergie wird als
Option für Staaten erwähnt, um den Klimawandel zu begrenzen.
Allerdings führen die Experten einschränkend
Sicherheitsbedenken und das Problem der Atommüllendlagerung an.
Einen Schwerpunkt legen die IPCC-Experten auf die Kosten für
Kohle: Diese müssten deutlich erhöht werden, um den Beitrag
von Kohle zum Kohlenstoffdioxidausstoß zu senken. Der Preis
müsse den Umweltschaden durch Kohle widerspiegeln, argumentiert
das Gremium. Dies könne durch einen Regulierungsansatz, durch
Steuern und Zuschläge sowie durch die Schaffung eines Kohlemarktes
geschehen.
KOSTEN
Für die Verringerung des CO2-Ausstoßes existiert nach
Ansicht der IPCC-Experten ein "erhebliches wirtschaftliches Potenzial".
Je schneller und stärker der Treibhausgasausstoß reduziert
werden solle, desto höher seien die Kosten, hießt es in dem
Bericht. Die Rechnung könne aber dennoch relativ niedrig
ausfallen, wenn existierende oder in der Entwicklung fortgeschrittene
Technologien genutzt werden. Die Kosten eines sofortigen Handelns
müssten zudem gegen die Kosten einer Verzögerung auf mittlere
und lange Sicht gerechnet werden. Für eine Begrenzung der
Erderwärmung um 2,0 bis 2,4 Grad würden die Kosten einer
Reduzierung des weltweiten Wirtschaftswachstums um weniger als 0,12
Prozentpunkte vom Jahr 2030 an entsprechen.
Quelle: afp, 04.05.2007
|
UN dringen auf neues Klimaabkommen
Sa.05.05.07 - Die Vereinten Nationen sehen die neuen Erkenntnisse des UN-Klimarats
IPCC als entscheidenden Impuls für ein neues internationales
Klimaabkommen. «Es gibt ein sehr ermutigendes Signal: Wir
können das Thema anpacken, ohne die Weltwirtschaft zu
zerstören», sagte der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo
de Boer, am Freitag in Berlin. Er hoffe auf wachsenden Schub für
die Verhandlungen über ein neues Abkommen für die Zeit nach
2012, die beim nächsten UN-Klimagipfel auf Bali im Dezember
beginnen sollen, sagte de Boer.
Auch der deutsche Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner,
sprach von einem «weiteren wichtigen Meilenstein». Eine
Kernaussage des Reports sei, dass erhebliche Einsparungen bei den
Treibhausgasen zu leisten seien, ohne dass es die Volkswirtschaft
belaste. Falls sich die internationale Gemeinschaft hingegen nicht zum
Handeln durchringe, sei bis 2030 ein Zuwachs bei den Treibhausgasen von
25 bis 90 Prozent zu erwarten. «Dies ist ein Preis, den wir uns
niemals leisten können zu zahlen», sagte Steiner.
Den G-8-Gipfel in Heiligendamm im Juni bezeichnete Steiner als
«enorm wichtigen Meilenstein» auf dem Weg zu weiteren
Klimaabkommen. Der G-8-Prozess sei keine Alternative zu den
UN-Verhandlungen, doch müssten sich die großen
Industrieländer als treibende Kraft verstehen. Die deutsche
Präsidentschaft bei G-8 und in der EU verdiene «sehr viel
Lob» für die Bemühungen, den Klimaschutz zum Topthema
zu machen.
(Quelle: ap)
Neuwahlen sollen ukrainischen Machtkampf beenden
Sa.05.05.07 - In der Ukraine haben sich die verfeindeten politischen Lager auf
Neuwahlen geeinigt und damit einen wochenlangen Machtkampf beendet.
«Wir haben heute prinzipiell eine Neuwahl vereinbart»,
sagte der prowestliche Präsident Viktor Juschtschenko nach einem
Treffen mit Regierungschef Viktor Janukowitsch.
Der von der Ostukraine unterstützte Janukowitsch bestätigte
die Einigung, ohne einen Wahltermin zu nennen. Es habe keinen anderen
Ausweg aus der Krise gegeben, sagte er. Präsident Juschtschenko
hatte Anfang April das Parlament aufgelöst und das Land damit in
eine Verfassungskrise gestürzt. Die EU reagierte betont
zurückhaltend auf die Einigung.
Juschtschenko hatte zuletzt den 24. Juni als Wahltermin vorgegeben.
Beobachter erwarteten die Wahl nun frühestens im Herbst. Eine
Arbeitsgruppe solle am Wochenende die Details des Kompromisses
klären, damit das Parlament Neuwahlen beschließen
könne, sagte Juschtschenko. Es gab keine Hinweise darauf, dass die
Einigung auch vorgezogene Präsidentenwahlen einschließt, wie
es Janukowitschs Parlamentsmehrheit gefordert hatte.
Die ukrainische Börse reagierte mit einem Allzeithoch auf die
Beilegung der Krise, die zuletzt das Wirtschaftswachstum zu
drücken drohte. Janukowitschs Koalitionspartner aus der
Kommunistischen Partei drohten, aus Protest gegen die Einigung das
Regierungsbündnis zu verlassen. Lobende Worte kamen dagegen aus
dem Umfeld der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko, die bei
Neuwahlen auf Stimmengewinne für ihr prowestliches
Parteienbündnis hofft.
Die EU-Kommission erklärte zu der Einigung: «Wir freuen uns,
falls dies ein erster Schritt zur Lösung der innenpolitischen
Probleme sein sollte.»Zunächst wolle man jedoch genau
prüfen, wie die Einigung im Detail aussehe und was sie politisch
bedeute.
Nach der Orangenen Revolution Ende 2004 hatte sich Juschtschenko schon
einmal mit seinem Widersacher Janukowitsch auf einen Kompromiss zur
Beilegung einer schweren Krise geeinigt. Die Koalition der beiden
politischen Schwergewichte hielt im Vorjahr nur zwei Monate.
Der Präsident kündigte an, das von ihm aufgelöste
Parlament nun doch wieder für eine Sitzung einzuberufen. Die
Oberste Rada müsse eine Reihe von Beschlüssen zur
Durchführung der Wahl verabschieden, begründete der
Präsident diesen Schritt. Danach könne innerhalb von 60 Tagen
gewählt werden.
Nach der Einigung mit dem Präsidenten gab sich Regierungschef
Janukowitsch vor Anhängern auf dem Unabhängigkeitsplatz in
Kiew zuversichtlich. «Wir werden diejenigen besiegen, die
Neuwahlen gefordert und die Situation im Land destabilisiert
haben», sagte Janukowitsch. Die politische Krise im Land habe die
Chance auf Wirtschaftswachstum und mehr Wohlstand für die Ukraine
geschmälert.
Juschtschenko und Janukowitsch hatten seit Anfang April über den
Präsidentenerlass zur Auflösung des Parlaments gestritten.
Juschtschenko begründete seine Entscheidung damit, dass die
regierende Koalition aus Janukowitschs Partei der Regionen, den
Kommunisten und Sozialisten durch die Aufnahme von
Oppositionsabgeordneten gegen die Verfassung verstoßen habe.
(Quelle: dpa)
Verluste für Labour -Partei bei Regional- und Kommunalwahlen
Sa.05.05.07 - Die Labour-Partei des britischen Premierministers Tony Blair hat bei
den Regional- und Kommunalwahlen in Schottland und Wales Verluste
hinnehmen müssen. Insbesondere die nach einer Unabhängigkeit
Schottlands strebende Schottische Nationalpartei konnte sich ersten
Auszählungen zufolge in wichtigen Wahlkreisen durchsetzen. Dazu
gehörten Dundee West und Central Fife, die Heimat des
wahrscheinlichen Blair-Nachfolgers, Finanzminister Gordon Brown. Im
Regionalparlament von Wales wird Labour vermutlich weiterhin die
größte Fraktion stellen, dürfte dort aber die absolute
Mehrheit verlieren.
Auch in anderen Landesteilen Großbritanniens war gewählt
worden. In Wales wurde ein neues Parlament bestimmt. Bei den
Kommunalwahlen in England, vor allem im Süden, Südwesten und
Osten, waren rund 10.500 Gemeinderatsmandate neu zu verteilen.
Aussagekräftige Ergebnisse werden für den Lauf des Tages
erwartet.
Die Regional- und Kommunalwahlen gelten als wichtiges
Stimmungsbarometer für die Parlamentswahlen im Jahr 2010. Die
Auseinandersetzung zwischen Labour und SNP in Schottland stand im
Mittelpunkt des Wahlkampfes, da sich die schottischen Nationalisten
für ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands
vom Vereinigten Königreich bis 2010 aussprechen.
(Quelle: afp)
Sarkozy legt im Rennen um französische Präsidentschaft zu
Sa.05.05.07 - Der frühere französische Innenminister Nicolas Sarkozy geht
mit einem wachsenden Vorsprung in den Schlussspurt zur
französischen Präsidentenwahl am Sonntag.
Nach einer am Freitagmorgen veröffentlichten Umfrage des Instituts
TNS-Sofres konnte der Konservative seinen Abstand auf die Sozialistin
Ségolène Royal binnen weniger Tage um fünf
Prozentpunkte auf 54,5 Prozent ausbauen. Royal käme nach dieser
Erhebung für den «Figaro» und RTL auf 45,5 Prozent.
Sarkozy konnte demnach vor allem bei Anhängern des
Zentrumspolitikers François Bayrou Boden gut machen.
Das Institut CSA-Cisco ermittelte für die Zeitung «Le
Parisien» (Freitag) ebenfalls einen Zugewinn für Sarkozy, der
jedoch geringer ausfiel. Danach kann Sarkozy einen Punkt auf 53 Prozent
gewinnen, während Royal einen Punkt auf 47 Prozent verliert.
(Quelle: dpa)
Nokia Siemens baut massiv Stellen in Deutschland und Finnland ab
Sa.05.05.07 - Einen Monat nach dem Start der Netzwerk-Kooperation von Nokia und
Siemens hat das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks einen
massiven Stellenabbau angekündigt.
In Deutschland sollen bis 2010 demnach 2.800 bis 2.900 der insgesamt
13.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Auch Finnland ist stark
betroffen. Hier sollen 1.500 bis 1.700 von 10.000 Arbeitsplätzen
wegfallen.
Weltweit will Nokia Siemens Networks 9 000 von bisher 60 000 Stellen
abbauen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Helsinki ankündigte.
Vor allem Deutschland liegt damit deutlich über der vom Unternehmen
bereits angekündigten Abbauquote von zehn bis 15 Prozent des
Beschäftigtenstandes. Als Grund für die Stellenstreichungen
nannte Konzernchef Simon Beresford-Wylie die «Notwendigkeit zur
Konkurrenzfähigkeit auch in Zukunft».
(Quelle: dpa)
Einigung im Metall-Tarifstreit - 4,1 Prozent mehr Geld
IG Metall spricht von 'Ergebnis mit Augenmaß'
Sa.05.05.07 - Die mehr als drei Millionen Beschäftigten in der Metall- und
Elektroindustrie können sich auf ein sattes Gehaltsplus freuen. Im
Pilotbezirk Baden-Württemberg einigten sich die Tarifparteien
darauf, dass die Einkommen ab Juni um 4,1 Prozent steigen sollen. Nach
zwölf Monaten sollen sie um weitere 1,7 Prozent steigen. Für
April und Mai erhalten sie je eine Einmalzahlung von 400 Euro. Der
Gesamtmetall-Vorstand empfahl seinen Mitgliedern die Übernahme des
Abschlusses in Baden-Württemberg für die bundesweit 3,4
Millionen Beschäftigten.
Mit der Einigung wurde der erste Streik in der Metallbranche seit
fünf Jahren in letzter Sekunde abgewendet. Arbeitgeber und
Gewerkschaft hatten in Sindelfingen fast 20 Stunden lang verhandelt.
Neben Lohnerhöhungen und Einmalzahlungen einigten sie sich zudem
auf einen Konjunkturbonus, der ab dem 1. Juni 2008 fünf Monate
lang gezahlt werden kann. Metallfunktionäre aus verschiedenen
Bezirken kündigten an, den Kompromiss übernehmen zu wollen.
Die Verhandlungsführer beider Seiten zeigten sich zufrieden mit
dem Ergebnis.
«Das ist ein Ergebnis mit Augenmaß, das in die Zeit
passt», sagte IG-Metall-Südwest-Bezirksleiter Jörg
Hofmann am Freitag in Sindelfingen. Das Ergebnis sei gut und passe in
die wirtschaftliche Lage. Es stehe eine "ordentliche Vier vor dem
Komma", und es gebe mit zusätzlichen 400 Euro "eine satte
Einmalzahlung".Die Verhandlungen seien schwierig gewesen und
hätten zeitweise Spitz auf Knopf gestanden. Ohne die massiven
Warnstreiks wäre der Abschluss nicht möglich gewesen
IG-Metall-Chef Jürgen Peters erklärte, es sei gelungen,
für ein "reales Plus im Portemonnaie" der Mitglieder zu sorgen und
"die Menschen am Aufschwung, den sie erarbeitet haben, dauerhaft zu
beteiligen". Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Chef von
Südwestmetall, Jan Stefan Roell, bezeichnete den Abschluss als
ausgewogen und vertretbar.
Einige Mitglieder von Südwestmetall sprachen aber von einem Sieg
der Gewerkschaft. "Die IG Metall war diesmal am längeren Hebel.
Nicht alle Betriebe werden die Vier vor dem Komma ohne weiteres
wegstecken können", kritisierte ein Arbeitgeber. Verschiedene
Bezirke der IG Metall kündigten bereits an, den Abschluss
übernehmen zu wollen. Für Hessen, Rheinland-Pfalz und
Saarland werde bereits am kommenden Montag im hessischen
Mörfelden-Walldorf verhandelt, teilte die IG Metall-Bezirksleitung
in Frankfurt mit. Für Thüringen sei die
Übernahmeverhandlung für Dienstag in Weimar vereinbart.
(Quellen: afp, ap)
In Deutschland leben mehr als 15 Millionen Migranten
Sa.05.05.07 - In Deutschland leben mittlerweile 15,3 Millionen Menschen, die aus
anderen Ländern zugewandert sind. Nach den am Freitag vom
Statistischen Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichten Daten sind
von den Migranten und ihren Nachkommen mit 7,3 Millionen jedoch nur
knapp die Hälfte Ausländer, weil die anderen 8,0 Millionen
mittlerweile eingebürgert wurden. Insgesamt beträgt der Anteil
der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung
18,6 Prozent.
Aus der zum ersten Mal vorgenommenen Erhebung geht ferner hervor, dass
die meisten der eingebürgerten und nicht eingebürgerten
Zuwanderer in der früheren Bundesrepublik beheimatet sind: Mit 14,7
Millionen leben 96 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe in
Westdeutschland und nur vier Prozent in den neuen Ländern. Vor
allem in Großstädten ist der Anteil der Personen mit
Migrationshintergrund besonders hoch. Er beträgt beispielsweise in
Stuttgart 40 Prozent, in Frankfurt am Main 39,5 und in Nürnberg 37
Prozent.
Fast 62 Prozent der nach Deutschland migrierten Menschen stammen aus
Europa. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei mit
14,2 Prozent aller Zugewanderten, Russland (9,4), Polen (6,9), Italien
(4,2), Rumänien, Serbien und Montenegro (je 3,0), Bosnien und
Herzegowina (2,3) sowie Griechenland mit 2,2 Prozent.
Die Wiesbadener Statistiker stellten ferner fest, dass die
Zugewanderten geringer qualifiziert sind als die alteingesessenen
Bürger: Fast zehn Prozent haben keinen Schulabschluss und 51
Prozent keinen beruflichen Abschluss gegenüber 1,5 Prozent
beziehungsweise 27 Prozent der Ursprungsbevölkerung. Menschen mit
Migrationshintergrund sind darüber hinaus seltener
erwerbstätig als die angestammte Bürgerschaft (62
gegenüber 73 Prozent), häufiger arbeitslos (13 gegenüber
7,5 Prozent), und sie stehen dem Arbeitsmarkt häufiger (25
gegenüber 19,5 Prozent) überhaupt nicht zur Verfügung.
Schließlich sind zugewanderte Erwerbstätige doppelt so
häufig als Arbeiter und Arbeiterinnen tätig als diejenigen
ohne Migrationshintergrund (48,5 gegenüber 24 Prozent).
Entsprechend selten sind unter Ausländern und Eingebürgerten
Angestellte oder Beamte anzutreffen. Besonders häufig arbeiten
Zuwanderer in Industrie und Handel sowie in der Gastronomie.
Bei den Frauen in der Altersgruppe der 25- bis 65-Jährigen sind
die Unterschiede der zwei Gruppen besonders deutlich ausgeprägt. So
sind nur 52 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund
berufstätig, aber 67 Prozent der Frauen ohne Migrationshintergrund.
Von den nicht berufstätigen Frauen kümmern sich deutlich mehr
Migrantinnen um die Familie: 37 Prozent erziehen Kinder oder pflegen
Angehörige. Bei den nicht-erwerbstätigen Frauen ohne
Migrationshintergrund sind dies nur 26 Prozent.
Weil keine Vergleichszahlen verfügbar sind, lässt sich nicht
darstellen, wie sich die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund in
Deutschland seit 1950, dem von den Statistikern ausgewählten
Stichjahr, verändert hat. Das Bundesamt wies lediglich darauf hin,
dass die Zuwanderungsbewegung in mehreren Wellen erfolgte: in den 60er
Jahren die der Gastarbeiter, in den 80ern der Zustrom von rund einer
Million Polen und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Ankunft von
hunderttausenden Russen.
In einer weiteren Statistik des Bundesamtes heißt es jedoch, dass
sich Zahl der Einbürgerungen von Zugewanderten in den letzten
Jahren spürbar verringert hat. So erhielten 2003 noch 140.700
Migranten die deutsche Staatsbürgerschaft, 2004 waren es 127.000
und 2005 nur noch 117.200. Zuletzt kamen unter anderen knapp 33.000
Eingebürgerte aus der Türkei, 13.000 aus dem ehemaligen
Jugoslawien, fast 7.000 aus Polen und rund 5.000 aus Russland.
(Quellen: afp, ap)
Ein Drittel der Kleinkinder haben Migrationshintergrund
Sa.05.05.07 - Knapp ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren in Deutschland hat
einen Migrationshintergrund. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte,
lag im Jahr 2005 in sechs Städten der Anteil dieser Kinder sogar
über 60 Prozent. An der Spitze stand demnach Nürnberg mit
einem Anteil von 67 Prozent, gefolgt von Frankfurt (65 Prozent) und
Düsseldorf und Stuttgart (jeweils 64 Prozent). Insgesamt
zählten die Statistiker 15,3 Millionen Menschen mit
Migrationshintergrund. Von diesen haben acht Millionen die deutsche
Staatsbürgerschaft.
(Quelle: afp)
Türkische Imame erhalten Grundkurs 'Deutschkunde'
Sa.05.05.07 - Mit einem Grundkurs zur deutschen Sprache und Landeskunde sind mehrere
Dutzend islamische Geistliche in der Türkei auf ihren Einsatz in
der Bundesrepublik vorbereitet worden. Der deutsche Botschafter in
Ankara, Eckart Cuntz, lobte das Projekt als "hervorragendes Beispiel
für gelungene deutsch-türkische Zusammenarbeit bei der
Integration", wie die Botschaft mitteilte. Insgesamt haben 54 Imame die
fünfmonatige Ausbildung durchlaufen, die vom deutschen
Auswärtigen Amt und dem staatlichen Religionsamt der Türkei
finanziert wird.
Unter den Geistlichen sind auch zwei Frauen. Die Imame sollen vier
Jahre lang in türkischen Moscheen in Deutschland arbeiten.
Vorbereitungskurse für Imame vor ihrer Dienstzeit in Deutschland
hatten erstmals im Jahr 2002 stattgefunden. Seitdem sind rund 350
Geistliche auf diese Weise ausgebildet worden. Neben dem Sprachlehrgang
gehören zu der Ausbildung auch Vorträge, in denen die
Teilnehmer über Staatsaufbau, Medien, Behörden, Wirtschaft,
Gesundheits- und Bildungswesen, die religiöse Landschaft und
andere Aspekte Deutschlands informiert werden. Botschafter Cuntz
betonte, mit diesem Rüstzeug könnten die Imame als
"Brücke zwischen Muslimen und Christen fungieren und den Dialog
zwischen den Religionen und Kulturen fördern".
Die aus der Türkei nach Deutschland entsandten Imame gehören
zum staatlichen Religionsamt und sind deshalb Beamte. Sie werden in den
etwa 800 Moscheen eingesetzt, die von der Vertretung des
türkischen Religionsamtes in Deutschland betrieben werden. In der
Vergangenheit wurde den türkischen Imamen in Deutschland oft
vorgeworfen, die Ghetto-Bildung der Minderheit in der Bundesrepublik zu
verfestigen, weil nur wenige der Geistlichen die deutsche Sprache
beherrschten und die Kultur der Bundesrepublik kannten.
(Quelle: afp)