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Irak am tausendeinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Zehn Tote bei Selbstmordanschlag auf Rekruten bei Bagdad. US-Soldaten
und Iraker schlagen Angriff bei Falludscha zurück. Al Sawahri: Abzugsplan
des US-Kongresses beweist Scheitern im Irak
So.06.05.07 - Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Rekrutierungsbüro der
irakischen Armee sind im Westen der Hauptstadt Bagdad zehn Rekruten ums
Leben gekommen und 13 weitere verletzt worden. Der Attentäter habe
seinen Gürtel mit Sprengstoff direkt neben der Schlange der
Wartenden gezündet, sagte ein Polizist. Die irakische Armee sucht
verstärkt Sunniten zu rekrutieren. Unter den Opfern des Anschlags
befanden sich vor allem Sunniten aus den westlichen Vorstädten
Bagdads.
In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Rekrutierungsbüros
der irakischen Armee und Polizei zum Ziel von Anschlägen.
US-Soldaten und irakische Truppen haben in einem dreistündigen
Gefecht einen koordinierten Angriff Aufständischer bei Falludscha
zurückgeschlagen, wie die US-Marineinfanterie am Freitag mitteilte.
Dabei seien am Vortag elf Menschen getötet worden - sechs
Aufständische und fünf Zivilpersonen. Al-Kaida-Kämpfer
griffen den Angaben zufolge am Donnerstagmittag fast zeitgleich Posten
der US-Truppen und der irakischen Polizei in dem etwa zehn Kilometer
nördlich von Falludscha gelegenen Ort Karma an. Außerdem
wurden südöstlich von Karma amerikanische und irakische
Truppen angegriffen.
Die Nummer zwei des Terrornetzwerks Al Kaida, Ajman al Sawahri, hat den
vom US-Kongress beschlossenen Gesetzentwurf für einen Abzug aus
dem Irak als Beweis für das Scheitern Washingtons gewertet. Damit
«wird uns die Gelegenheit geraubt, die US-Truppen zu
zerstören, die wir in einer historischen Falle gefangen
haben», sagte Al Sawahri in einem am Samstag verbreiteten Video.
Der Entwurf sei der Beweis für «das Scheitern und den
Frust» der Vereinigten Staaten.
Er hoffe, dass sich die US-Streitkräfte erst nach dem Verlust von
bis zu 300.000 Mann aus dem Irak zurückziehen, sagte der
Stellvertreter von Osama bin Laden weiter. Damit solle allen, die sich
an dem Krieg im Irak beteiligt hätten, «eine unvergessliche
Lektion» erteilt werden.
Die US-Demokraten hatten den Entwurf mit ihrer Mehrheit in beiden
Parlamentskammern verabschiedet. Sie wollten mit dem Gesetz die
Finanzierung der Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan an
einen Termin für einen Truppenabzug aus dem Irak knüpfen. Der
Abzug sollte bis zum 1. Oktober beginnen. US-Präsident George W.
Bush legte gegen das Gesetz sein Veto ein. Der Kongress bemüht
sich nun um einen Kompromiss.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 06.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsiebenundsiebzigstenTag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.06.05.06 - US-Streitkräfte verbreiten Propagandafilm gegen Sarkawi +++ Drei
US-Soldaten bei Bombenexplosion im Irak getötet - Seit Kriegsbeginn
starben mehr als 2400 US-Soldaten im Irak +++ US-Senat billigt Bushs Ausgabenprogramm
für Irak und Afghanistan...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605060.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Umfrage: Popularität US-Präsidents Bush auf neuem Tiefstand
So.06.05.07 - Die Popularität von US-Präsident George W. Bush hat in der
jüngsten Umfrage unter seinen Landsleuten einen neuen Tiefstand
erreicht. Laut der vom Magazin Newsweek am Samstag online
veröffentlichten Umfrage stimmen nur noch 28 Prozent der Befragten
der Politik des Präsidenten zu. Seit 1979, als der Demokrat Jimmy
Carter im Amt war, habe ein US-Präsident nicht mehr ein so
schlechtes Ergebnis erzielt, berichtete das Magazin weiter. Der Absturz
des Präsidenten in den Meinungsumfragen schmälere die
Aussichten der republikanischen Präsidentschaftsanwärter auf
einen Wahlsieg im kommenden Jahr.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israels Verteidigungsminister Perez will wegen Libanon-Berichts
zurücktreten. Hamas lehnt US-Vorschlag für Annäherung an
Israel ab. EU sucht neue Wege für Finanzhilfen an
Palästinenser. Drei Raketen vom Gazastreifen auf Israel abgefeuert
So.06.05.07 - Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez will wegen des
vernichtenden Kommissionsberichts zum Libanon-Krieg zurücktreten,
jedoch noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Das kündigte er am
Samstag in einem Fernsehinterview an. Vermutlich werde er sein Amt nach
den Vorwahlen seiner Arbeitspartei Ende des Monats niederlegen.
«Ich habe meine Entscheidung getroffen», sagte Perez dem
Sender Channel Two. Er sei jedoch der Überzeugung, dass ein
sofortiger Rücktritt dem Land schaden werde.
Perez' Berater hatten bereits kurz nach Veröffentlichung des
Berichts zum Libanon-Krieg den Rücktritt des Verteidigungsminister
angekündigt. In dem Papier heißt es, die Regierung von
Ministerpräsident Ehud Olmert habe den Militäreinsatz im
vergangenen Sommer überhastet begonnen und keinen umfassenden Plan
zur Hand gehabt. Olmert lehnt trotz Massenprotesten einen
Rücktritt als Konsequenz aus dem Bericht ab.
Die radikalislamische Hamas hat einen neuen Vorschlag der USA für
eine Annäherung zwischen Israel und den Palästinensern
zurückgewiesen. Die Palästinenser sollten dem Plan nicht
zustimmen, im Gegenzug für Reiseerleichterungen ihre
Raketenangriffe auf Israel einzustellen, sagte der im syrischen Exil
lebende Hamas-Führer Chaled Maschaal. Militante Palästinenser
feuerten am Samstag vom Gazastreifen aus erneut drei Raketen auf Israel
ab, verletzt wurde niemand.
Israel sei nicht an Frieden oder an einer Verhandlungslösung im
Nahost-Konflikt interessiert, sondern plane eine Militäroffensive
gegen die Palästinenser, sagte Maschaal auf einer Kundgebung in
Syrien am Freitag. Auch die Hamas bereite sich auf Kämpfe vor und
erwarte «heiße Monate». «Unsere Wahl ist der
Widerstand», sagte Maschaal. Der palästinensische
Chefunterhändler Sajeb Erakat bezeichnete Maschaals
Äußerungen als voreilig.
Erakat sagte, der US-amerikanische Vorschlag sei dem
PLO-Exekutivkomitee am Samstag zur Prüfung zugegangen. Man
begrüße den Zeitplan. Ranghohe israelische
Regierungsvertreter wollten laut Rundfunkberichten am (morgigen)
Sonntag über den Plan beraten.
Der Vorschlag sieht ein Ende der palästinensischen Raketenangriffe
und des Waffenschmuggels in den Gazastreifen vor. Im Gegenzug soll
Israel zahlreiche seiner Straßensperren im Westjordanland
räumen und die Ein- und Ausreisebedingungen an den
Grenzübergängen zum Gazastreifen verbessern. Vorgesehen ist
außerdem eine Lkw-Verbindung zwischen dem Westjordanland und dem
Gazastreifen. Vor allem dieser Punkt sei vermutlich schwer umzusetzen,
teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ehud
Olmert am Samstag mit.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den
Palästinensern auf dem Weg zu mehr Stabilität die finanzielle
und politische Unterstützung der Europäischen Union
zugesichert. «Die EU steht für Mithilfe zur
Verfügung», sagte der EU-Ratspräsident am Samstag nach
einem Gespräch mit dem palästinensischen Finanzminister Salam
Fajad in Bethlehem.
Die EU-Kommission verhandele derzeit direkt mit Fajad über die
Wege der Mittelverteilung.
«Es deutet sich an, dass wir Mittel und Wege finden werden, den
Finanzfluss so zu verändern, dass er nicht nur zur unmittelbaren
Armutsbekämpfung zur Verfügung steht, sondern tatsächlich
auch genutzt werden kann, um die dringend notwendige ökonomische
Entwicklung in Gang zu bringen.» Die Gesamthilfen der EU für
die palästinensischen Gebiete beliefen sich 2006 auf 700 Millionen
Euro.
Der Minister hatte sich am Freitagabend mit Vertretern der
palästinensischen Wirtschaft getroffen. Viele Firmen hätten
den Mut und die Zuversicht nicht verloren. Notwendig seien aber Kontakte
nach Europa und in die Welt. Deswegen hätten die Unternehmer die
Bitte geäußert, bei der Herstellung dieser Kontakte zu
helfen.
Steinmeier besuchte am Samstag in Bethlehem die Geburtskirche, eine der
ältesten Kirchen der Christenheit, deren Ursprünge auf den
Anfang des 4. Jahrhunderts nach Christi Geburt zurückgehen. Der Ort
habe eine große Symbolik, sagte Steinmeier. Dort seien über
Jahrhunderte Aussöhnung und Ausgleich gepflegt worden. «Das
könnte Beispiel sein für andere Bemühungen in der
Region.»
Militante Palästinenser haben am Samstagmorgen vom Gazastreifen
drei Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei wurde ein Haus getroffen und
beschädigt, wie der israelische Militärrundfunk meldete. Es
habe keine Verletzten gegeben. Zu dem Angriff bekannten sich später
die Al-Kuds-Brigaden des Islamischen Dschihads. Es sei eine Vergeltung
für den Tod dreier Dschihad-Mitglieder gewesen, hieß es.
Israelische Soldaten hatten am Freitag bei Dschenin im Westjordanland
drei Palästinenser erschossen. Die drei hätten zuvor auf die
israelische Patrouille geschossen, erklärten die Streitkräfte.
(Quelle: ap)
Massengräber mit mehr als 200 Toten in Kolumbien entdeckt
So.06.05.07 - Im Süden Kolumbiens haben Ermittler Massengräber mit mehr als
200 Leichen entdeckt. Allein am Freitag sei nahe der Stadt La Hormiga
ein Grab mit den sterblichen Überresten von 105 Menschen
ausgehoben worden, sagte Staatsanwalt Mario Iguaran am Samstag. Die
Opfer wurden vermutlich zwischen 1999 und 2001 von Paramilitärs
und Rebellen getötet, einige Leichen sind verstümmelt.
Landesweit wurden nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft 10.000
Kolumbianer ermordet in nicht gekennzeichneten Gräbern beerdigt.
(Quelle: ap)
Serben gründen paramilitärische Truppe für das Kosovo
So.06.05.07 - Hunderte ehemalige serbische Kämpfer haben sich am Samstag in der
südserbischen Stadt Krusevac versammelt, um eine
paramilitärische Einheit für das Kosovo zu gründen.
Viele trugen Abzeichen der teilweise berüchtigten
paramilitärischen Einheiten aus den Balkankriegen der 90er Jahre
oder T-Shirts mit dem Bild des wegen Kriegsverbrechen gesuchten
bosnisch-serbischen Exgenerals Ratko Mladic. «Wir werden das
Kosovo niemals aufgeben, wir werden kämpfen», sagte einer
der Organisatoren, Andrej Milic.
Die Polizei nahm 27 Nationalisten fest, die T-Shirts mit Symbolen der
aufgelösten Polizei-Einheit JSO trugen. Mehrere JSO-Mitglieder
stehen wegen des Mordes an dem serbischen Ministerpräsidenten
Zoran Djindjic 2003 vor Gericht. Obwohl die Gründung
paramilitärischer Einheiten in Serbien verboten ist, war
zunächst keine Reaktion seitens der Regierung zu erkennen.
Die geplante Einheit werde den Behörden zur Verfügung stehen,
falls Serbien wegen des Kosovos einen Krieg führen wolle, sagte
Milic. Er rief zu einem «neuen serbischen Aufstand und einer
neuen Schlacht um das Kosovo» auf. Benannt werden soll die
paramilitärische Truppe nach dem Fürsten Lazar, der 1389 die
Schlacht auf dem Amselfeld gegen die osmanischen Truppen verlor.
Krusevac war Lazars Hauptstadt.
Der Vorschlag des UN-Sondergesandten Martti Ahtisaari, dem unter
Verwaltung der Vereinten Nationen stehenden Kosovo und seiner
albanischen Mehrheit eine international überwachte
Souveränität zu geben, wird von den meisten Serben abgelehnt.
Die Entscheidung über den künftigen Status der Provinz trifft
der Weltsicherheitsrat.
(Quelle: ap)
Türkische Oppositions-Parteien schmieden Bündnis - Neue
Proteste
So.06.05.07 - Vor den für Juli angesetzten Neuwahlen in der Türkei haben
sich zwei Oppositionsparteien des Mitte-rechts-Lagers
zusammengeschlossen.
Die Mutterlandspartei ANAP und die Partei des Rechten Weges
kündigten am Samstag an, künftig als Demokraten-Partei
auftreten zu wollen. Für den Einzug ins Parlament gilt bei den am
22. Juli anstehenden Wahlen eine Zehn-Prozent-Hürde, die die neue
Partei zu überspringen hofft. Mit der Bündelung der
Kräfte könnte die Opposition gegenüber der regierenden
AK-Partei von Ministerpräsident Tayyip Erdogan an Gewicht zunehmen.
Einzeln kamen die ANAP und die Partei des Rechten Weges bislang auf 20
beziehungsweise vier Sitze im Parlament, das insgesamt 550 Abgeordnete
zählt.
Die Regierung hatte sich für Neuwahlen entschieden, um die
Staatskrise in dem EU-Anwärterstaat zu beenden. Diese hat sich an
der Wahl des Präsidenten entzündet: Die AKP will
Außenminister Abdullah Gül in das höchste Staatsamt
bringen, was das säkulare Lager und die Armee aber ablehnen. Sie
warnen vor einer schleichenden Islamisierung des Landes.
Derweil gab es auch am Samstag wieder Massenproteste gegen die
Kandidatur Güls. In der westtürkischen Stadt Manisa gingen
zehntausende Menschen auf die Straße. Mit der türkischen
Flagge in den Händen riefen sie etwa "Die Türkei ist
säkular und wird säkular bleiben!" Einige Demonstranten
hielten auch Bilder des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk
hoch, der als Symbolfigur des Säkularismus gilt. Es ist bereits die
dritte Massenkundgebung in dem Land: Am vergangenen Sonntag ging in
Istanbul etwa eine Million Türken auf die Straße; vor drei
Wochen waren es in Ankara Hunderttausende. Eine vierte Veranstaltung war
in Canakkale geplant.
(Quelle: rtr)
EU-Kommission gegen Bau neuer Kohlekraftwerke
So.06.05.07 - Nach der Vorstellung des dritten Weltklimaberichts hat die
EU-Kommission eindringlich vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke in
Deutschland gewarnt. «Braunkohle ist, was die Treibhausgase
angeht, die ungünstigste Wahl», sagte EU-Umweltkommissar
Stavros Dimas der «Bild am Sonntag».
«Wer heute noch neue Kohlekraftwerke baut, muss sich im Klaren
sein, dass eine solche Politik uns alle langfristig teuer zu stehen
kommt. Auf mittlere Sicht sollten nur noch Kohlekraftwerke mit
klimaverträglichen Technologien - etwa der Kohlestoff-Abscheidung -
betrieben werden.»
Dimas erinnerte daran, dass die EU-Staaten unter Führung von
Bundeskanzlerin Merkel beschlossen hätten, die Treibhausgase bis
2020 um mindestens 20 Prozent zu senken. In Deutschland sollen nach
Plänen der Energiekonzerne in den kommenden Jahren mindestens 26
neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen. Dimas forderte die Bundesrepublik
zu besonderen Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung auf.
Als Wirtschaftsmacht sollte Deutschland «auch beim Klimaschutz
seine Führungsrolle noch weiter ausbauen», sagte der
griechische Kommissar. «Neue, Energie sparende Produkte und eine
effizientere Produktion sind die Weltmarktchancen der Zukunft. Ich bin
zuversichtlich, dass Deutschland diese Chancen nutzen und sich nicht
abhängen lassen will.»
(Quelle: dpa)
Schavan steckt 40 Millionen Euro zusätzlich in Atomforschung
So.06.05.07 - Bundesforschungsministerin Annette Schavan steckt in den nächsten
vier Jahren 40 Millionen Euro zusätzlich in die Atomforschung. Das
sagte ihre Sprecherin Katrin Hagedorn am Samstag der Nachrichtenagentur
AP und bestätigte damit einen entsprechenden
«Spiegel»-Vorabbericht. Die zusätzlichen Millionen
sollten vor allem jungen Wissenschaftlern helfen, Sicherheits- und
Endlagerfragen zu erforschen. Es solle verhindert werden, dass das auch
für den beschlossenen Atom-Ausstieg weiter notwendige Know-how
verloren gehe, weil es keine Nachwuchswissenschaftler in dem Gebiet gebe.
«Wir dürfen in international gefragten Forschungsbereichen
nicht auf Kompetenzen des Nachwuchses verzichten, sonst verlieren wir
weltweit den Anschluss», sagte Schavan dem Blatt zufolge. Bislang
unterstützt ihr Ministerium die Sicherheits- und Endlagerforschung
mit rund 30 Millionen Euro jährlich. Sie fließen an die
Forschungszentren Karlsruhe, Jülich und Rossendorf.
Das zusätzliche Programm richtet sich nach Angaben Hagedorns im
Gegensatz dazu erstmals an Projektgruppen und nicht an Institutionen.
Die Atomkraft-Befürworterin Schavan wolle mit dem Programm den
wissenschaftlichen Nachwuchs und die Wettbewerbsfähigkeit der
deutschen Atomtechnologie sichern, berichtete der «Spiegel».
(Quelle: ap)
Noch mehr Steuereinnahmen als erwartet
So.06.05.07 - Die Steuermehreinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden
dürften noch beträchtlich höher ausfallen als bislang
erwartet. Nach Angaben von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
(SPD) ergaben die laufenden Berechnungen Mehreinnahmen allein für
den Bund von 90 Milliarden Euro bis 2011. Für den Gesamtstaat,
also Bund, Länder und Gemeinden, sei mit zusätzlichen
Einnahmen von insgesamt rund 200 Milliarden Euro zu rechnen.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte, einen Teil der
Steuermehreinnahmen für die Ausweitung des Verteidigungs- und des
Innenetats zu nutzen. Einzelne Bundesministerien haben bereits
Ansprüche erhoben. Angeblich haben sich die Koalitionsspitzen auf
zusätzliche Ausgabenprogramme speziell für 2008 vorfestgelegt.
Übereilten Forderungen erteilte Steinbrück aber eine Absage:
«Man darf jetzt nicht besoffen werden und die Bodenhaftung
verlieren». Allein 13 Milliarden Euro seien bereits fest
verplant, 40 Milliarden im Haushalt noch nicht gegenfinanziert. Vorrang
habe ohnehin die Entschuldung: «Was jetzt ansteht, ist die
Nettokreditaufnahme auf Null zu bringen und ein Einstieg in die
Entschuldung». Laut «Spiegel» plant der Minister
einen schuldenfreien Bundeshaushalt für das Jahr 2011.
Nach einem Bericht der «Leipziger Volkszeitung»
(Montagausgabe) unter Berufung auf Regierungskreise gilt innerhalb der
Koalition als ausgemacht, dass 300 Millionen Euro im kommenden Jahr
für die eigentlich ausgesetzte Bafög-Anpassung bereit
gestellt werden. Auf die öffentlichen Gebäude ausgedehnt
werden solle darüber hinaus das vom Bund finanzierte
CO2-Gebäudesanierungsprogramm aus dem Ressort von
Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Dafür sollen den
Angaben nach 500 Millionen Euro zusätzlich eingesetzt werden.
Mit rund 1,3 Milliarden Euro sollen zudem insbesondere die Kasernen in
Westdeutschland saniert werden. Rund 500 Millionen Euro mehr sei
für den weiteren Ausbau der inneren Sicherheit vorgesehen.
Über die zusätzlichen Ausgaben soll dem Bericht zufolge
voraussichtlich beim Koalitionsausschusses am 14. Mai beraten werden.
Kauder sagte, der «ganz überwiegende Teil» der
Mehreinnahmen müsse zwar für die Konsolidierung des Haushalts
genutzt werden. Darüber hinaus müsse aber in einige
«notwendige Bereiche» investiert werden. Neben mehr Geld
für Innen- und Verteidigungsressort müsse man die
Beiträge zur Arbeitslosenversicherung senken. «Bis zum Ende
des Jahres könnten wir auf unter vier Prozent kommen.»
Der Arbeitskreis Steuerschätzung tagt in der kommenden Woche in
Görlitz. Von Dienstag bis Freitag werden sich die Finanzexperten
mit den bis zum Jahr 2011 erwarteten Steuereinnahmen von Bund,
Ländern und Gemeinden befassen. Dem Arbeitskreis gehören
Experten des Bundesfinanzministeriums wie auch der
Länderministerien, der Bundesbank, der Kommunen und der
Wirtschaftsforschungsinstitute an. Die Runde kommt zwei Mal im Jahr
zusammen. Auf ihre Ergebnisse stützen Finanzminister und
Kämmerer ihre Etatplanung.
(Quelle: ddp)
Kanzlerin Merkel will Zuwanderer zum Deutschlernen verpflichten
So.06.05.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel will Zuwanderer im geplanten
Integrationsplan zum Deutschlernen verpflichten.
Es sei besonders wichtig, dass diejenigen, die hier zu Lande ihre
Chance ergreifen wollten, auch die deutsche Sprache beherrschten, sagte
sie am Samstag in ihrer wöchentlich verbreiteten Videobotschaft.
"Niemand sollte eingeschult werden, der nicht auch in der Lage ist,
seine Lehrer zu verstehen und damit dem Schulstoff folgen zu
können." Außerdem könne zu Recht von den Zuwanderern
erwartet werden, dass sie sich den Werten des Grundgesetzes verpflichtet
fühlten.
Merkel räumte ein, das Thema Integration sei zu lange
vernachlässigt worden. Dies habe dazu geführt, dass sich
einige Zuwanderer abgeschottet hätten und die gesamte Gesellschaft
die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Zuwanderer nicht
ausreichend nutzen könne.
Der Integrationsplan soll im Juli verabschiedet werden. Nach dem
Integrationsgipfel der Regierung im Juli vergangenen Jahres waren
Arbeitsgruppen mit der Vorbereitung beauftragt worden. Ein Expertenteam
hatte bereits Sprachkurse mit obligatorischen Abschlusstests verlangt.
Zudem soll die Zahl der Kursteilnehmer auf unter 25 begrenzt werden und
die Qualität der Kurse stärker kontrolliert werden.
Die Integrationskurse, die sich in rund 600 Stunden Sprachkurs und
einen 30-stündigen Orientierungskurs zu Geschichte, Politik und
Kultur Deutschlands aufteilen, sind das Kernstück der
Integrationsanstrengungen der Regierung. Seit In-Kraft-Treten des
Zuwanderungsgesetzes 2005 nahmen rund 250.000 Zuwanderer an knapp 17.000
Integrationskursen teil.
(Quelle: rtr)
Bundesagentur für Arbeit attackiert Müntefering
So.06.05.07 - Die Bundesagentur für Arbeit hat Arbeitsminister Franz
Müntefering Missachtung der gemeinsamen Selbstverwaltung von
Arbeitgebern und Gewerkschaften vorgeworfen. Der Vorsitzende des
Verwaltungsrats der Agentur, Peter Clever, wird in der neuesten Ausgabe
des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» mit den Worten
zitiert, Müntefering behandele «die Arbeitsagentur wie ein
Anhängsel seines Ministeriums».
So habe Müntefering seine Kompetenzen klar
überschritten», als er vorige Woche vor Agenturchef
Frank-Jürgen Weise die Arbeitslosenzahlen bekannt gegeben habe. Die
offizielle Verkündung in Nürnberg war auf den 2. Mai
angesetzt. Müntefering, der wie einige andere Regierungsmitglieder
vorab über die Zahlen informiert wird, hatte aber bereits am
Vortag, dem Tag der Arbeit, darüber berichtet.
Dies sei eine «Missachtung der Bundesagentur», meinte
Clever. Zudem wehre er sich gegen Münteferings Vorgehen im Streit
um die Aussteuerungsbeträge. Das sind Strafzahlungen der Agentur an
den Bund, die fällig werden, wenn ein Arbeitsloser zum
Hartz-IV-Empfänger wird. Der Verwaltungsrat hatte ein Gutachten in
Auftrag gegeben, ob die Regelung verfassungsgemäß sei.
Müntefering untersagte daraufhin, dieses aus Agenturmitteln zu
zahlen, wogegen der Verwaltungsrat klagte. Nun stellten
Münteferings Anwälte fest, dass der Verwaltungsrat dazu nicht
befugt sei. Dagegen Clever: «Es ist ein einmaliger Vorgang, dass
der Minister der Selbstverwaltung den Rechtsweg beschneiden will.»
(Quelle: ap)
Verdi bekräftigt Lohnforderungen für Einzelhandel
So.06.05.07 - Nach der Tarifeinigung in der Metallbranche sieht sich die
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in ihrer Forderung nach spürbaren
Lohnzuschlägen im Einzelhandel bestärkt.
"Die Beschäftigten im Einzelhandel haben in den letzten Jahren die
Zeche für den ruinösen Preiskampf ihrer Arbeitgeber und
für die schwache Binnenkonjunktur gezahlt. Damit muss jetzt endlich
Schluss sein", sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret
Mönig-Raane der "Frankfurter Rundschau" von Samstag. Deshalb
fordere Verdi spürbare Erhöhungen der Einkommen in diesem
Jahr.
Die Gewerkschaft verlangt für Beschäftigte im Einzelhandel
bis zu 5,5 Prozent mehr Geld und einen Mindestlohn von 1500 Euro im
Monat.
Im Tarifstreit der Metallindustrie hatten IG Metall und Arbeitgeber am
Freitag in letzter Minute einen Arbeitskampf abgewendet. Im
traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg verständigten sie
sich auf zweistufige Einkommenserhöhungen mit einer Gesamtlaufzeit
von 19 Monaten. Die Löhne für die 800.000 Beschäftigten
werden ab Juni zunächst um 4,1 Prozent erhöht und steigen
zwölf Monate später um weitere 1,7 Prozent. Hinzu kommt im
nächsten Jahr ein Bonus, der auf fünf Monate gerechnet bei
3,5 Prozent liegt. Der Tarifabschluss läuft Ende Oktober 2008 aus.
(Quelle: rtr)
Justizministerin Zypries zweifelt an Notwendigkeit von
Online-Durchsuchungen
So.06.05.07 - Im Koalitionskonflikt um schärfere Sicherheitsgesetze hat
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) erneut Vorbehalte gegen
zentrale Forderungen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) geltend gemacht. Mit Blick auf die von Schäuble
befürworteten Online-Durchsuchungen von Computern durch das
Bundeskriminalamt (BKA) sagte Zypries der "Welt am Sonntag", es reiche
ihr nicht, wenn die Behörden diese Ermittlungsmethode als dringend
notwendig bezeichneten. "Ich will wissen, was genau und wofür sie
es brauchen. Detalliert", betonte Zypries.
Schäuble will laut "Welt" mit dem Anti-Terror-Gesetz dem BKA mehr
Kompetenzen einräumen. Dazu gehören dem Bericht zufolge
verdeckte Online-Durchsuchungen von Computern, bundesweite
Rasterfahndungen und akustische Wohnraumüberwachungen. Dies stehe
in Schäubles Gesetzentwurf "zur Abwehr von Gefahren des
internationalen Terrorismus durch das Bundeskriminalamt", den er
ungeachtet der Kritik des Koalitionspartners jetzt Zypries
übermittelt habe.
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums betonte allerdings,
Schäuble habe kein neues Anti-Terror-Gesetz vorgelegt. Vielmehr
berieten Innen- und Justizressort "seit Monaten" auf Arbeitsebene
über die gesetzliche Umsetzung einer Verfassungsänderung, die
Union und SPD im vergangenen August beschlossen hatten. Darin
seien dem BKA "Gefahrenabwehrbefugnisse" im Anti-Terror-Kampf
zugewiesen worden. Die Regelungen müssten nun präzise im
BKA-Gesetz definiert werden.
Zypries sagte zu der umstrittenen Online-Ausspähung von PCs, es
gebe aus ihrer Sicht noch eine Reihe technischer und
verfassungsrechtlicher Fragen zu klären. "Dabei spielen auch die
Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts eine Rolle, das den Kernbereich
privater Lebensführung schützt." Auf Festplatten würden
heute "oft höchstpersönliche Dinge" gespeichert. "Das
müssen wir berücksichtigen." Auch die von Schäuble
geplante Verfassungsänderung, die das Abschießen
entführter Flugzeuge und den Einsatz der Bundeswehr im Inneren
ermöglichen soll, lehnte Zyries ab.
FDP-Chef Guido Westerwelle warnte in der "Bild am Sonntag", die
Freiheit der Menschen könne nicht geschützt werden, "indem
man sie aufgibt". Die Vize-Vorsitzende der Linksfraktion, Petra Pau,
warf Schäuble vor, einen "Systemwechsel" anzustreben, "weg vom
demokratischen Rechtsstaat, hin zum präventiven Sicherheitsstaat".
Dagegen helfe "nur eine neue, wache und engagierte
Bürgerrechtsbewegung".
(Quelle: afp)
Bundespräsident Köhler traf Klar vor Entscheidung über
Begnadigung
So.06.05.07 - Bundespräsident Horst Köhler hat sich mit dem früheren
RAF-Terroristen Christian Klar getroffen und will in den nächsten
Tagen seine Entscheidung über dessen Gnadengesuch bekanntgeben.
Das erklärte Köhlers Sprecher Martin Kothé am Samstag
auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP und bestätigte damit einen
«Spiegel»-Vorabbericht.
Einzelheiten zu den Umständen des Treffens nannte der Sprecher
nicht. Dem «Spiegel» zufolge kam es auf Wunsch des
Bundespräsidenten am Freitag in Süddeutschland zustande. Es
sei die letzte Station bei der Prüfung des Gnadengesuches gewesen.
Klar sitzt seit 1982 in Haft. Ohne Begnadigung kann er frühestens
2009 entlassen werden. Nach dem Bericht des «Spiegels»
erhöhen CSU-Politiker deswegen den Druck auf Köhler und
drohen, seine Wiederwahl zu blockieren.
Mehrere CSU-Politiker hatten zuvor Köhler vor einem Treffen mit
Klar gewarnt. «Schlimm genug, dass Klar jetzt Freigänger
ist, aber eine Privataudienz beim Bundespräsidenten sollte man ihm
nicht gewähren», sagte CSU-Generalsekretär Markus
Söder der «Passauer Neuen Presse». Der Justizpolitiker
Norbert Geis wurde mit den Worten zitiert: «Ich habe dem
Bundespräsidenten keine Ratschläge zu erteilen. Aber mit
einer Privataudienz würde Herrn Klar zu viel Ehre erwiesen.»
Dies würde auch die Bevölkerung nicht verstehen.
Unionsfraktionschef Volker Kauder sprach sich nach dem Treffen erneut
gegen eine Begnadigung aus. Klar habe an der Aufklärung der
Verbrechen der Roten-Armee-Fraktion nicht mitgewirkt, sagte der
CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». «Ich bin mir
sicher, dass dies die Mehrheit der Bevölkerung auch so
sieht.» Allerdings sei Köhler in seiner Entscheidung frei.
Über die Freilassung früherer RAF-Terroristen gibt es seit
Monaten hitzige Diskussionen. Nach 24 Jahren in Haft war im März
Klars frühere Komplizin Brigitte Mohnhaupt aus dem Gefängnis
entlassen worden. Sie wurde wegen mehrerer Mordanschläge wie Klar
zu lebenslanger Haft verurteilt und saß ihre Mindesthaftzeit ab.
Klar hatte vor knapp zwei Wochen einen Rechtsstreit mit dem
baden-württembergischen Justizministerium über
Hafterleichterungen gewonnen. Landesjustizminister Ulrich Goll (FDP)
hatte diese Erleichterungen gestrichen, nachdem eine
kapitalismuskritische Grußadresse des ehemaligen RAF-Mitglieds an
die Berliner Rosa-Luxemburg-Konferenz bekannt geworden war. Der
Minister scheiterte damit aber vor Gericht, das Klar die
Hafterleichterungen doch gewährte.
Häftlinge werden üblicherweise zwei Jahre vor dem
Entlassungstermin bereits auf das Leben in Freiheit vorbereitet. Zu den
Erleichterungen gehören unter anderem Freigänge,
Sonderurlaube und offener Vollzug.
Klar wurde unter anderem für den Mord an Generalbundesanwalt
Siegfried Buback 1977 verurteilt. Die Bundesanwaltschaft hatte vor zwei
Wochen ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren RAF-Terroristen
Stefan Wisniewski eingeleitet, weil dieser nach Aussage seines
früheren Komplizen Peter-Jürgen Boock die tödlichen
Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter abgegeben haben
soll. Allerdings handelt es sich nur um einen Anfangsverdacht. Bislang
wurde Wisniewski nicht mit der Tat in Verbindung gebracht.
(Quelle: ap)
Stichwort: Begnadigung
Bundespräsidenten haben wiederholt «Gnade vor Recht»
ergehen lassen. Ihre Zuständigkeit ergibt sich aus Artikel 60 des
Grundgesetzes. Bei Begnadigungen von Straftätern heben sie die
Rechtsfolgen eines Urteils auf oder mildern sie. Dabei handeln sie als
«Gnadenherr» nach eigenem Ermessen. Der Antragsteller
selbst hat kein Recht auf einen Gnadenerweis.
Wegen der föderalen Gliederung Deutschlands übt der
Bundespräsident das Begnadigungsrecht jedoch nur bei bestimmten
Delikten aus - etwas Spionage und Terrorismus. Wenn ein Landesgericht
das Urteil gesprochen hat, liegt auch das Recht zur Begnadigung bei den
Ländern. Ausgeübt wird es dann meist vom
Ministerpräsidenten. Ausnahmen sind Hamburg, Bremen und Berlin.
Dort spricht der Senat Begnadigungen aus, im Saarland der Ministerrat.
Acht linksextreme verurteilte Ex-Terroristen wurden in Deutschland seit
1988 begnadigt - sechs von einem Bundespräsidenten, zwei von einem
Ministerpräsidenten.
Quelle: dpa, 05.05.2007
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