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Irak am tausendvierundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fünfundvierzig Tote bei Anschlag im irakischen Kufa. Flüchtlingshilfswerk
gegen Abschiebung von Irakern
Mi.09.05.07 - Bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen Stadt Kufa sind am
Dienstag 45 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 80 Menschen wurden
verletzt, als der Attentäter sein mit Glas beladenes Fahrzeug in
einem Marktviertel der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt in die
Luft sprengte.
Die Explosion ereignete sich in der Nähe einer Schule. Kufa liegt
etwa 170 Kilometer südlich von Bagdad und ist eine Hochburg der
Anhänger des radikalen Schiiten-Führers Muktada al-Sadr.
Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak berichtete unterdessen, in der
Provinz Dijala habe ein Selbstmordattentäter am Dienstag vor einer
Polizeistation einen Sprengstoffgürtel gezündet. Er riss nach
Polizeiangaben drei Polizisten mit in den Tod. Elf weitere Menschen
wurden bei dem Anschlag in der Ortschaft Dschalula verletzt.
Laut Aswat al-Irak hatten Extremisten in einer Grundschule in Dijala am
Montag ein Lehrerehepaar vor den Augen der Schüler und des
Kollegiums ermordet. Wie die Agentur unter Berufung auf die Polizei
meldete, drangen die Mörder bereits am Montag in die Grundschule in
Chalis ein, fesselten die beiden Lehrer und erschossen sie.
Die Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) hat
angesichts der instabilen Lage im Irak dazu aufgerufen, keine irakischen
Flüchtlinge abzuschieben. In einem am Dienstag in Berlin
veröffentlichten Positionspapier forderte das UNHCR, Asylsuchende
aus dem mittleren und südlichen Irak als Flüchtlinge im Sinne
der Genfer Flüchtlingskonvention anzuerkennen. Bereits anerkannte
Flüchtlinge sollten ihren Schutzstatus behalten.
Die Lage im Irak sei durch «allgegenwärtige, extreme Gewalt
im Zentralirak und signifikante Instabilität in den südlichen
Landesteilen gekennzeichnet», heißt es in einem heute
veröffentlichten Irak-Positionspapier der UN-Organisation.
Im kurdisch dominierten Norden des Landes sei die Sicherheitslage zwar
derzeit ruhiger, bleibe aber dennoch «weiterhin angespannt und
unvorhersehbar». Für Personen aus dem Nordirak, die unter
keinem Gesichtspunkt schutzbedürftig seien, sei deshalb eine
Rückkehr lediglich im Einzelfall und auch nur dann möglich,
wenn die Betroffenen durch die Familie oder die Aufnahmegemeinde wieder
integriert werden könnten.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 09.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanische Abgeordnete wollen Dialog mit den Taliban
Mi.09.05.07 - Die Abgeordneten des afghanischen Oberhauses haben einen Dialog mit
einheimischen Taliban-Kämpfern gefordert. In einem Gesetzentwurf,
der am Dienstag verabschiedet wurde, hieß es, man müsse
unterscheiden zwischen Kämpfern aus Afghanistan, aus Pakistan und
Anhängern von Al Kaida. In Verhandlungen solle versucht werden,
die afghanischen Taliban-Kämpfer davon zu überzeugen, die
Zentralregierung in Kabul zu akzeptieren.
In dem Entwurf wurden die internationalen Besatzungstruppen
aufgefordert, ihre militärischen Operationen einzustellen. Sie
sollen nur aktiv werden, wenn sie zuerst angegriffen werden oder sich
zuvor mit den afghanischen Streitkräften beraten. Das Unterhaus
muss dem Entwurf noch zustimmen. Damit das Gesetz in Kraft treten kann,
muss auch Präsident Hamid Karsai es unterzeichnen. Karsai hat sich
in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, Verhandlungen mit den
afghanischen Mitgliedern der Taliban aufzunehmen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelischer Plan für Pufferzone zum Gazastreifen
Mi.09.05.07 - Die israelischen Streitkräfte haben einen Plan für eine 300
Meter breite Pufferzone zum Gazastreifen entwickelt. Dies sei eine von
mehreren Optionen, um die fortgesetzten Raketenangriffe von
Palästinensern zu stoppen, teilten Offiziere am Dienstag mit. Der
Plan wurde der Regierung von Ministerpräsident Ehud Olmert
vorgelegt, die in der nächsten Woche darüber beraten will.
Bislang rücken israelische Truppen von Zeit zu Zeit in die
Randgebiete des Gazastreifens vor. Diese Militärpräsenz soll
nach dem Vorschlag der Streitkräfte ausgeweitet werden.
(Quelle: ap)
Präsident des Jüdischen Weltkongresses tritt zurück
Mi.09.05.07 - Der langjährige Präsident des Jüdischen Weltkongresses,
Edgar Bronfman, tritt von seinem Amt zurück. Bronfman gab seine
Entscheidung am Montag in New York bekannt, wie die Organisation
erklärte. Der 77 Jahre alte Milliardär hatte den
Jüdischen Weltkongress (WJC) seit 1979 geleitet. In jüngster
Zeit hatten interne Machtkämpfe und ein Finanzskandal den Ruf der
Organisation beschädigt.
So hatte Bronfman seinen langjährigen Stellvertreter Israel Singer
entlassen. Singer wird vorgeworfen, Geld aus der Kasse des WJC für
persönliche Zwecke verwendet zu haben. Die New Yorker
Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall, erhob aber bisher keine
Anklage. Bronfman legt sein Amt im Juni nieder, über einen
Nachfolger ist noch nicht entschieden. Der 1936 gegründete
Jüdische Weltkongress setzt sich für die Entschädigung
von Holocaust-Opfern und die Bekämpfung des Antisemitismus in der
Welt ein.
(Quelle: ap)
Jüdischer Weltkongress:
http://www.worldjewishcongress.org
Nigerianische Rebellen verüben Anschläge auf Ölpipelines
Mi.09.05.07 - Die größte Rebellenbewegung im nigerianischen
Ölfördergebiet hat nach eigenen Angaben drei
Bombenanschläge auf Pipelines in der Region verübt.
Kämpfer der Bewegung für die Emanzipation des Nigerdeltas
(MEND) hätten die Ölleitungen in der Nacht angegriffen und
zerstört, hieß es am Dienstag in einer E-Mail-Erklärung
der Organisation. Eine private Sicherheitsfirma teilte mit, auf einem
Fluss breite sich ein großer Ölteppich aus.
Die Angriffe auf Pipelines, Bohrplattformen und Versorgungsschiffe
würden fortgesetzt, kündigte MEND an. Die Rebellen fordern
eine stärkere Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an den
Gewinnen aus der Ölförderung und die Freilassung von zwei
Anführern, die wegen Hochverrats und Korruption vor Gericht stehen.
Nigeria ist der größte Ölexporteur Afrikas.
(Quelle: ap)
Amnesty wirft China und Russland Waffenlieferungen an den Sudan vor
Mi.09.05.07 - China und Russland liefern nach Erkenntnissen von Amnesty International
weiterhin Waffen in den Sudan und verstoßen damit gegen ein
Embargo der Vereinten Nationen. Die Menschenrechtsorganisation
bezeichnete den Waffenhandel am Dienstag in einem Bericht als
unverantwortlich und erklärte, auf diese Weise werde die Gewalt in
der Krisenregion Darfur weiter angeheizt. China und Russland wiesen den
Bericht umgehend zurück. Die sudanesische Regierung bezeichnete
ihn als falsch.
In dem Bericht hieß es, der größte Teil der Waffen
stamme aus China und Russland, aktuelle Zahlen wurden aber nicht
genannt. Amnesty erklärte, Peking und Moskau müssten sich
bewusst sein, dass ihre militärische Ausrüstung für
Angriffe und Zivilpersonen in Darfur eingesetzt werde. Besonders
besorgt zeigte sich die Menschenrechtsorganisation über den
Einsatz von russischen Hubschraubern des Typs Mi-24 in Darfur.
Das chinesische Außenministerium erklärte zu dem Bericht,
die chinesischen Waffenlieferungen nach Afrika seien begrenzt.
Ministeriumssprecherin Jiang Yu wollte sich jedoch nicht dazu
äußern, ob auch der Sudan zu den Abnehmern chinesischer
Waffen gehöre. Sie betonte jedoch, China verkaufe keine Waffen an
Regionen, die mit einem UN-Embargo belegt seien. Das russische
Außenministerium erklärte in einer Stellungnahme, es seien
keine russischen Waffen nach Darfur geliefert worden. Die
militärische und technische Zusammenarbeit mit anderen
Ländern entspreche internationalen Regeln.
Der Konflikt in Darfur kostete seit 2003 mehr als 200.000 Menschen das
Leben. Damals erhoben sich afrikanisch-stämmige Rebellen gegen die
arabisch-dominierte Zentralregierung in Khartum. Der Regierung wird
vorgeworfen, im Gegenzug die Dschandschawid-Miliz bewaffnet zu haben.
(Quelle: ap)
China erwartet knapp elf Prozent Wirtschaftswachstum
Mi.09.05.07 - Die chinesische Wirtschaft wird im Frühjahr amtlichen Prognosen
zufolge um fast elf Prozent zulegen.
Das Staatliche Informationszentrum, ein Forschungsinstitut der
wichtigsten wirtschaftlichen Planungsbehörde des Landes,
prognostizierte am Dienstag in Schanghai ein Wachstum von 10,8 Prozent
für das zweite Quartal gegenüber dem Vorjahr. Im gesamten
ersten Halbjahr werde sich das Wachstum damit auf elf Prozent belaufen,
nachdem die Wirtschaft zu Jahresanfang dank des Exporterfolgs und
massiver Investitionen einen Sprung um 11,1 Prozent hinlegte.
China ist damit weiter auf Kurs, bereits im kommenden Jahr Deutschland
als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen. Das
rasante Wachstum bereitet nicht nur der kommunistischen
Staatsführung Kopfzerbrechen, deren Bremsversuche bislang nur wenig
Wirkung gezeigt haben. Auch an den weltweiten Aktienbörsen geht
immer wieder die Angst um, dass die asiatische Wachstumslokomotive
heiß läuft.
Um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden, raten die
Forscher zu weiteren Zinserhöhungen und einer Weiterentwicklung der
Kapitalmärkte. Die Außenhandelsbehörden sollten zudem
einen zu starken Anstieg des Handelsüberschusses verhindern.
Außerdem spricht sich das Institut für öffentliche
Investitionen in die Infrastruktur aus. Die Inflation wird in den
Monaten von April bis Juni den Prognosen zufolge jedoch nur
geringfügig zulegen. Das Institut erwartet eine Preissteigerung von
drei Prozent nach 2,7 Prozent zu Jahresanfang.
(Quelle: rtr)
EU will Türkei-Verhandlungen mit unvermindertem Tempo fortsetzen
Mi.09.05.07 - Trotz der aktuellen politischen Unsicherheit in der Türkei will
die EU die Beitrittsverhandlungen mit Ankara in unvermindertem Tempo
fortsetzen. Bei einem Treffen mit dem türkischen
Chefunterhändler Ali Babacan am Dienstag bekräftigte
Erweiterungskommissar Olli Rehn nach Angaben seiner Sprecherin das
Ziel, bis zum Ende der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 30.
Juni drei weitere Verhandlungskapitel zu öffnen.
Bislang wurden erst zwei der insgesamt 35 Kapitel eröffnet: Im
Juni 2006 das Kapitel «Wissenschaft und Forschung» und Ende
März das Kapitel «Industrie und Unternehmenspolitik».
Für die Ratspräsidentschaft gab damals auch
Bundesaußenminister Steinmeier das Ziel aus, bis zum 30. Juni
noch «einige Kapitel in den Verhandlungen mit der Türkei zu
öffnen».
Am weitesten gediehen sind laut EU-Kommission die Vorbereitungen
für Verhandlungen über die Themen Wirtschafts- und
Währungspolitik, Statistik und Finanzaufsicht.
(Quelle: ap)
Ultranationalist wird Parlamentspräsident in Serbien
Mi.09.05.07 - Der Vorsitzende der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei
(SRS), Tomislav Nikolic, ist zum Präsidenten des Parlaments in
Belgrad gewählt worden. Für Nikolic stimmten 142 der 244
anwesenden Abeordneten im insgesamt 250 Mandate zählenden
Parlament. Nikolic verdankte seinen Sieg der Unterstützung durch
die Demokratische Partei Serbiens (DSS) des amtierenden
Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica. Zuvor hatte die
gemäßigt nationalistische DSS vergeblich versucht, in
Verhandlungen mit der Demokratischen Partei (DS) des
pro-europäischen Präsidenten Boris Tadic und der neoliberalen
Partei G17 Plus zu einer neuen Regierung zu kommen.
Mit seiner Wahl zum Parlamentsvorsitzenden avancierte Nikolic zur
zweitstärksten Figur in Serbien nach Staatspräsident Tadic,
den er gemäß der Verfassung bei dessen Unfähigkeit zur
Amtsführung oder in Notfällen ersetzt. Aus der Parlamentswahl
im Januar war die SRS des vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den
Haag angeklagten Ultranationalisten Vojislav Seselj als stärkste
Kraft hervorgegangen.
Laut serbischer Verfassung haben die Parteien bis zum 14. Mai Zeit,
eine neue Regierung zu bilden. Sollte dies nicht gelingen, müssen
Neuwahlen ausgeschrieben werden. Nach dem Scheitern der bisherigen
Koalitionsverhandlungen könnte Kostunica nunmehr versuchen, eine
Regierung zusammen mit der Radikalen Partei und der Sozialistischen
Partei (SPS) des verstorbenen früheren Präsidenten, Slobodan
Milosevic, zu bilden.
(Quelle: afp)
Paisley und McGuinness zu Regierungschefs in Nordirland gewählt
Mi.09.05.07 - Der protestantische Politiker Ian Paisley und der stellvertretende
Führer der IRA-nahen Sinn Fein, Martin Guinness, sind am Dienstag
zu den neuen Regierungschefs in Nordirland gewählt worden. Paisley
und McGuinness leiten eine Allparteienkoalition in Belfast. Möglich
wurde diese Regierung erst, nachdem die radikalen Democratic Unionists
(DUP) von Paisley im März ihren Widerstand gegen eine
Zusammenarbeit mit der Sinn Fein aufgegeben hatte, die als politischer
Arm der Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) gilt.
(Quelle: ap)
Friedensnobelpreisträger Yunus fordert strukturelle Reformen des
Weltwirtschaftssystems
Mi.09.05.07 - Friedensnobelpreisträger Muhammed Yunus hat von den G8-Nationen im
Hinblick auf ihr Treffen strukturelle Reformen gefordert. «Wir
sollten das Wirtschaftssystem in unserer Welt verändern»,
sagte der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch am Rande des
«Trendtages» am Dienstag in Hamburg. Yunus forderte von der
Politik Rahmenbedingungen für eine soziale Geschäftswelt, in
der soziale Unternehmen Platz finden, die ausschließlich auf
humane Ziele ausgerichtet sind und nicht auf Profit und Dividenden.
Gerade in Bezug auf den afrikanischen Kontinent, der beim G8-Gipfel im
Juni in Heiligendamm im Mittelpunkt steht, sei es besser, soziale
Unternehmen aufzubauen statt nur ausländische Investitionen in die
Länder zu bringen. Konkret heiße dies: «Welches
Geschäft wir auch immer mit ihnen machen, die Erträge bleiben
in dem Land und wachsen dort», sagte Yunus. Beispielsweise sollten
die Gewinne aus Bodenschätzen in den Ländern bleiben.
«Das ist ein Versprechen, das wir geben müssen.»
Yunus hatte 2006 den Friedensnobelpreis für die von ihm in
Bangladesch gegründete Grameen Bank erhalten. Die Bank vergibt
Mikrokredite an Arme, um die Wirtschaftskraft in den
Entwicklungsländern zu fördern.
(Quelle: ap)
EU-Beratungen über Hedgefonds treten auf der Stelle
Mi.09.05.07 - In ihrem Bemühen um einen Verhaltenscodex für Hedgefonds hat
die deutsche Ratspräsidentschaft beim EU-Finanzministertreffen am
Dienstag keine greifbaren Fortschritte erzielt. In ihrer
Abschlusserklärung betonten die 27 Minister lediglich die mit den
Geschäften von Hedgefonds verbundenen Risiken und riefen
Kreditgeber und Anleger auf, «wachsam zu bleiben».
Großbritannien und andere EU-Staaten haben offenbar Zweifel, ob
der von dem deutschen Finanzminister Peer Steinbrück
gewünschte Verhaltenscodex notwendig ist.
Steinbrück äußerte sich nach dem Treffen in
Brüssel dennoch zuversichtlich, sein Ziel bis zum Jahresende zu
erreichen. Die Erklärung der Finanzminister nannte er «eine
gute Grundlage für weitere Beratungen» innerhalb der Gruppe
der führenden Industriestaaten (G-7). Zudem habe er im Kreise der
EU-Finanzminister «keinen Widerspruch gehört, dass es auf
der Ebene eines freiwillig, selbst reglementierten und überwachten
Code of Conduct der Hedgefonds-Industrie - dass das nicht als
erstrebenswert angesehen wird.»
Aus britischen Diplomatenkreisen verlautete indes: «Unser
Eindruck ist, dass es keinen Konsens über den Bedarf für
einen Verhaltenscodex gibt.» Ähnlich äußerte sich
zuständige EU-Kommissar Charlie McCreevy: «Wenn die Branche
sich auf einen Verhaltenscodex verpflichten will, ist das ihre
Angelegenheit», sagte der Ire in einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Steinbrück.
Der deutsche Finanzminister betonte, die Debatte habe gerade erst
begonnen. Auch bei den Notenbanken und sogar den Managern einiger
Hedgefonds bestehe Interesse, mehr Licht in die spekulativen
Geschäfte der Investmentgesellschaften zu bringen. «Uns
allen ist klar, dass das Volumen, das von Hedgefonds bewegt wird, im
Augenblick exponentiell wächst», sagte der SPD-Politiker.
Kritik übte Steinbrück am Entwurf für den EU-Haushalt
2008. Der von der EU-Kommission vorgelegte Ausgabenansatz von 121,6
Milliarden Euro liege 5,3 Prozent über dem Budget für das
laufende Jahr, sagte der Bundesfinanzminister. «Ich vermute mal,
die Kommission würde auf der nationalstaatlichen Ebene eine
Steigerung des Bundeshaushalts von 5,3 Prozent ziemlich kritisch
sehen.»
EU-Währungskommissar Joaquín Almunia kündigte
unterdessen an, er werde in der kommenden Woche die Einstellung des
Defizitverfahrens gegen Deutschland empfehlen. Das im Januar 2003 wegen
Verstößen der Bundesrepublik gegen den
Euro-Stabilitätspakt eingeleitete Verfahren dürfte dann auf
dem nächsten Finanzministertreffen im Juni endgültig beendet
werden. Deutschland hat im vergangenen Jahr mit einem Haushaltsdefizit
von 1,7 Prozent erstmals wieder das Maastricht-Kriterium von drei
Prozent unterschritten, in den kommenden Jahren dürfte das Defizit
weiter sinken.
(Quelle: ap)
Deutschland
Wieder weniger Firmenpleiten - Verbraucherinsolvenzen ziehen an
Mi.09.05.07 - Die Zahl der Firmenpleiten ist auch im Februar zurückgegangen,
während die Verbraucherinsolvenzen weiter kräftig zugelegt
haben.
Rund 2340 Unternehmen meldeten sich zahlungsunfähig oder
überschuldet, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.
Das waren gut 15 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der
Wirtschaftsaufschwung hatte die Zahl der Firmenpleiten bereits im
vorigen Jahr auf rund 30.500 purzeln lassen, den niedrigsten Stand seit
2000.
Allerdings stiegen die Verbraucherinsolvenzen kräftig um mehr als
22 Prozent auf etwa 8.200. Damit lag die Zahl in den Monaten Januar und
Februar um ein Viertel über dem Vorjahresniveau. Seit
Einführung der Verbraucherinsolvenz können sich Privatpersonen
innerhalb von sechs Jahren entschulden.
Zusammen mit den Insolvenzen von anderen privaten Schuldnern
erhöhte sich die Gesamtzahl im Februar auf 13.118. Das waren gut
zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist.
Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger beliefen sich den
Statistikern zufolge in den ersten beiden Monaten des Jahres auf 6,1
Milliarden Euro. Obwohl die Unternehmensinsolvenzen nur knapp ein
Fünftel aller Insolvenzfälle ausmachen, entfielen auf sie rund
zwei Drittel aller Forderungen.
(Quelle: rtr)
CDU will soziale Marktwirtschaft zum Exportschlager machen
Mi.09.05.07 - Die CDU will die soziale Marktwirtschaft in Deutschland zu einem
Exportschlager machen. Wenn ein Umbau des deutschen Wirtschafts- und
Gesellschaftssystems gelinge, könne es zu einem Vorbild in Europa
und in der ganzen Welt werden, sagte Generalsekretär Ronald Pofalla
am Dienstag bei der Vorstellung des Entwurfs für ein neues
CDU-Grundsatzprogramm in Berlin. «Die Globalisierung ist als
Chance zu begreifen, unsere Werte zu verbreiten.»
Der Entwurf war am Montag nach einjährigen Beratungen von einer
69-köpfigen Parteikommission einstimmig beschlossen worden. In den
nächsten Wochen will Pofalla die Vorschläge mit den
Landesverbänden diskutieren und gegebenenfalls noch Änderungen
vornehmen. Anfang Juli will der Parteivorstand das Programm auf einer
Klausurtagung beschließen. Das letzte Wort hat im Dezember der
Bundesparteitag.
«Mit dem Entwurf ist es gelungen, unsere Werte und die
veränderte Lebenswirklichkeit zusammenzubringen», sagte
Pofalla. «Das macht uns als die Volkspartei der Mitte
stark.» Der 91-seitige Programmentwurf bestimmt in 360 Punkten die
Grundwerte der CDU. Es enthält den umstrittenen Begriff Leitkultur
und beschreibt Deutschland als Integrationsland.
Das Familienbild wird mit dem Programm liberalisiert. Die Ehe wird zwar
weiterhin als Leitbild und als «die beste und verlässlichste
Grundlage für das Gelingen von Familie» beschrieben. Andere
Formen der Partnerschaft werden aber respektiert. «Wir erkennen
an, dass auch in solchen Beziehungen Werte gelebt werden, die
grundlegend für unsere Gesellschaft sind», heißt es in
dem Papier. «Dies gilt auch auch für gleichgeschlechtliche
Partnerschaften.»
An konkreten Maßnahmen enthält der Entwurf unter anderem die
Beitragsfreiheit von Kindergartenplätzen und ein Familiensplitting
statt eines Ehegattensplittings.
(Quelle: ap)
Kanzlerin Merkel spricht sich gegen Mindestlohn aus
Mi.09.05.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt auch nach einer Unterredung mit
der DGB-Spitze bei ihrer klaren Ablehnung eines gesetzlichen
Mindestlohns. Dennoch wurden nach dem Treffen mit dem
Gewerkschaftsvorstand am Dienstag in Berlin auch Übereinstimmungen
deutlich, denn sowohl die CDU-Vorsitzende als auch DGB-Chef Michael
Sommer bekannten sich zur Tarifautonomie. Sommer sagte, die Forderung
nach einem gesetzlichen Mindest-Stundenlohn von 7,50 Euro gelte für
Fälle, «wo die Tarifautonomie versagt».
Das Gespräch mit Merkel nannte Sommer «streitig, aber
trotzdem konstruktiv». Die Kanzlerin nahm rund eine Stunde an der
DGB-Vorstandssitzung teil. Das Treffen diente der Vorbereitung auf den
Gipfel der G-8-Staaten im Juni in Heiligendamm, auf dem die Staats- und
Regierungschefs der acht wirtschaftsstärksten Länder auch die
sozialen Folgen der Globalisierung erörtern wollen.
Merkel erklärte, sie befürworte die Stärkung der
Tarifautonomie und sie verwies auf
Allgemeinverbindlichkeitserklärungen, wie sie in
Nordrhein-Westfalen im Gastronomiebereich erreicht worden seien. In
Einzelfällen wie bei den Gebäudereinigern, könne man auch
über Festlegungen von Löhnen im Verordnungswege über das
Entsendegesetz sprechen. Zunächst aber solle man unterschiedliche
Entlohnungsstrukturen «nicht aufgegeben und damit
Arbeitsplätze in Gefahr bringen», meinte sie.
Sommer signalisierte ein gewisses Entgegenkommen mit dem Hinweis, dass
die Tarifautonomie sowohl für Gewerkschaften als auch für die
Regierung «eine hohe Bedeutung» habe. Er fügte hinzu:
«Unser Problem liegt dort, wo die Tarifbindung nachlässt, zum
Beispiel in den neuen Bundesländern, oder wo die
Tarifvertragsparteien einfach zu schwach sind. Da brauchen wir
Lösungen und die liegen unserer Auffassung nach bei einem
einheitlichen, gesetzlichen Mindestlohn, der eine deutliche Untergrenze
setzt.»
Vor dem Gespräch mit Merkel hatte Sommer erklärt, die
Kanzlerin stehe vor der Situation, «dass wenn sie weiterregieren
will, irgendwann einmal, und wir die Grenzen öffnen für
ausländische Arbeitnehmer, wir die Mindestlöhne brauchen,
sonst geht hier in Deutschland das Lohndumping los, und das wird die
Union nicht wollen».
Die Forderung Sommers schlug sich allerdings auch nur in relativierter
Form in den Ergebnissen der Vorbereitungskonferenz der Arbeitsminister
der G-8-Staaten nieder, die nach dreitägiger Dauer in Dresden zu
Ende ging. In der Abschlusserklärung heißt es einerseits,
Mindestlöhne seien erforderlich, um einem «Fortschreiten der
Lohnungleichheit Einhalt zu gebieten». Weiter heißt es:
«Dennoch sind Mindestlöhne kein Allheilmittel gegen unsichere
Arbeitsplätze und Ungleichheit.» Die Regierungen wurden
aufgefordert, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die mit
Lohnzuschüssen einhergingen, «mit menschenwürdigen
Mindestlöhnen zu verknüpfen». Dies solle verhindern,
dass Einkommenszuschüsse durch Niedriglöhne untergraben
würden.
Merkel wies auch die DGB-Forderung nach einer Ausbildungsabgabe
zurück. Sie habe auf dem Treffen aber deutlich gemacht, dass
Regierung und Gewerkschaften im Rahmen des Ausbildungspaktes «mit
der Wirtshaft darum ringen werden, jedem jungen Menschen am Jahresende
ein Angebot» machen zu können. Dabei sollen auch diejenigen
berücksichtigt werden, die im vergangenen Jahr keinen
Ausbildungsplatz bekommen hätten.
(Quelle: ap)
Teilzeitbeschäftigte haben Anspruch auf Verlängerung der
Arbeitszeit
Mi.09.05.07 - Will ein Teilzeitbeschäftigter seine vertragliche Arbeitszeit
ausweiten, muss der Arbeitgeber ihn bevorzugt behandeln, wenn eine
entsprechende Stelle neu ausgeschrieben wird. Das geht aus einem Urteil
des Bundesarbeitsgerichts vom Dienstag hervor. Damit entschied der
Neunte Senat zu Gunsten eines Disponenten, der bei einem Automobilclub
in der Pannenhilfe mit 20 Stunden wöchentlich beschäftigt war
und gegen den Club geklagt hatte.
Der Arbeitgeber hatte den Angaben zufolge im August 2005 vier neu zu
besetzende Disponentenstellen in Vollzeit ausgeschrieben. Darauf
verlangte der Kläger eine Verlängerung seiner
regelmäßigen vertraglichen Arbeitszeit auf 36 Stunden,
hilfsweise 40 Stunden wöchentlich. Dies habe jedoch der
Arbeitgeber mit der Begründung abgelehnt, die Verträge
für die neuen Arbeitsplätze sollten «tariffrei»
mit einer regelmäßigen Arbeitszeit von 40 Stunden
wöchentlich geschlossen werden.
Die Erfurter Richter entschieden, dass der Kläger Anspruch auf
eine Verlängerung seiner vertraglichen Arbeitszeit habe. «Da
der Arbeitgeber einen entsprechenden Arbeitsplatz als Disponent in
Vollzeit besetzen wollte, hätte er den Wunsch des Klägers
bevorzugt berücksichtigen müssen», hieß es zur
Begründung.
Das Verfahren wurde an das Landesarbeitsgericht Düsseldorf
zurückverwiesen, weil noch zu klären sei, ob die
ausgeschriebenen Disponentenstellen einen Beschäftigungsumfang von
36 oder 40 Stunden wöchentlich haben sollten. Zuvor hatte das
Bundesarbeitsgericht den Beklagten verurteilt, das Angebot des
Klägers zur vertraglichen Verlängerung der Arbeitszeit auf 36
Stunden wöchentlich anzunehmen. Das Landesarbeitsgericht hatte die
Klage abgewiesen. (Aktenzeichen: Bundesarbeitsgericht Erfurt 9 AZR
874/06)
(Quelle: ap)
Jugendgewalt in Deutschland nimmt zu
Mi.09.05.07 - Trotz einer insgesamt sinkenden Zahl an Straftaten nimmt die
Jugendgewalt in Deutschland immer stärker zu. Bei
Körperverletzungsdelikten verzeichneten die Behörden einen
Anstieg um 2,7 Prozent auf knapp 67.000 Fälle, wie aus der am
Dienstag in Berlin veröffentlichten Polizeilichen
Kriminalitätsstatistik 2006 hervorgeht. Insgesamt sank die Zahl an
Delikten um 1,4 Prozent auf 6,3 Millionen Fälle. Innenminister
Wolfgang Schäuble hielt an der Forderung nach mehr Befugnissen
für die Polizei fest.
Bei Heranwachsenden gibt es laut Statistik bei Gewalttaten sogar einen
Anstieg um 4,6 Prozent. Schäuble kündigte an, die Ursachen
dafür wissenschaftlich aufarbeiten zu wollen. Unbekannt sei
bislang, wie hoch die Dunkelziffer jugendlicher Gewalttäter sei.
Daher werde das Innenministerium mit dem Kriminologischen
Forschungsinstitut Niedersachsen eine «repräsentative
Dunkelfelderhebung» durchführen. Die ersten Ergebnisse
werden Ende des Jahres erwartet.
Nach Schäubles Einschätzung bedeutet der Anstieg der
Fallzahlen nicht zwangsläufig einen tatsächlichen Anstieg der
Kriminalität. Vielmehr gehe der Anstieg zumindest zu einem
erheblichen Teil auf eine erhöhte Bereitschaft in der
Bevölkerung zurück, Körperverletzungsdelikte anzuzeigen.
Die Gewaltkriminalität nahm auch insgesamt zu: Die Behörden
registrierten mit über 215.000 Fällen 1,2 Prozent mehr als
2005. Dies sei vor allem auf den Anstieg in den Bereichen der schweren
Körperverletzung auf knapp 151.000 Fälle (plus 2,6 Prozent)
sowie von Mord und Totschlag um drei Prozent auf knapp 2.500 Fälle
zurückzuführen.
(Quelle: ap)
Aachener Friedenspreis für Bauern in Kolumbien
Mi.09.05.07 - Der Aachener Friedenspreis geht in diesem Jahr an das kolumbianische
Friedensdorf San José de Apartado und den Gründer des
Aachener Kinderzirkusses "Pinocchio", Jupp Steinbusch. Mit der
Auszeichnung soll das Engagement der Preisträger gegen Gewalt und
für vom Krieg bedrohte Menschen gewürdigt werden, wie die
Preisverleiher in Aachen mitteilten. Im Gegensatz zum internationalen
Aachener Karlspreis sollen mit der Auszeichnung Engagement und
Zivilcourage von Menschen gewürdigt werden, die ohne
öffentliche Ämter für den Frieden arbeiten.
Die Bewohner des kolumbianischen Friedensdorfes werden stellvertretend
für die insgesamt 50 Friedensgemeinden ausgezeichnet, mit denen
sich Bauern in dem südamerikanischen Staat gegen ihre Vertreibung
zur Wehr setzen. San José de Apartado wurde nach Angaben der
Preisverleiher 1997 gegründet, um seinen Bewohnern eine
Überlebenschance in dem von Gewalttaten erschütterten Land zu
eröffnen.
Bei ihren nahezu täglichen Kämpfen verfolgten Militärs,
paramilitärische Einheiten, Guerilla-Kämpfer und kriminelle
Banden eine "Politik der verbrannten Erde" mit dem Ziel, die
umkämpften Gebiete unbewohnbar zu machen. Wehrlose Bauern
würden der Zusammenarbeit mit der Guerilla bezichtigt und für
vogelfrei erklärt. Zu den Prinzipien des Friedensdorfes gehört
demnach der Verzicht auf jegliche Kooperation mit bewaffneten
Konfliktparteien und das Bekenntnis zum gewaltfreien Widerstand.
Steinbusch erhält den Preis für seine Zirkus-Gastspiele in
früheren Kriegsgebieten auf dem Balkan, aber auch im russischen St.
Petersburg und in Nordirland. Der 64-Jährige zieht den
Preisverleihern zufolge seit 1996 alljährlich in den Sommerferien
mit seinem Zirkus "Pinocchio" durch ehemalige Kriegsgebiete in Bosnien,
Kroatien und Serbien. Dabei versucht der Sozialarbeiter mit
Unterstützung wechselnder ehrenamtlicher Helfer, Kindern und
Erwachsenen Wege zu einem friedlichen Miteinander aufzuzeigen.
Der Aachener Friedenspreis wurde 1988 von einem Bündnis aus
Parteien, Gewerkschaften und Bürgergruppen ins Leben gerufen. Im
vergangenen Jahr ging der traditionell zum Antikriegstag am 1. September
verliehene Preis an den Verein "Hilfe für Menschen in
Abschiebehaft Büren". Zu den früheren Preisträgern
zählen die deutsche Schauspielerin Hanne Hiob, der US-Jesuitenpater
Roy Bourgeois, die türkische Anwältin Eren Keskin und die
Initiative Petersburger Soldatenmütter.
(Quelle: afp)
Aachener Friedenspreis:
http://www.aachener-friedenspreis.de