Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakische Regierung wirbt in Washington um Unterstützung. Sunniten
töten offenbar irakische Polizisten und Soldaten. Weiterer
US-Soldat im Irak ums Leben gekommen. Reporter ohne Grenzen hilft
Familien getöteter Journalisten im Irak
Sa.12.05.07 - Angesichts der zunehmenden Rufe nach einem Abzug der US-Truppen aus dem
Irak wirbt die Bagdader Regierung in Washington um Unterstützung.
Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Barham Saleh traf
sich am Donnerstag mit mehr als 30 Mitgliedern des
Repräsentantenhauses und rund einem halben Dutzend Senatoren.
Trotzdem bewilligte das Repräsentantenhaus die von der Regierung
beantragten Mittel zur Finanzierung der Einsätze im Irak und in
Afghanistan nicht in vollem Umfang.
Saleh kam am Donnerstag unter anderem mit dem Mehrheitsführer im
US-Senat, dem Demokraten Harry Reid, sowie mit der demokratischen
Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton zusammen. «Er
weiß, dass die amerikanische Geduld zu Ende geht», sagte
Senator Norm Coleman nach einem Abendessen mit dem irakischen
Vizeregierungschef und dem irakischen Botschafter Schakir al Sumaidaie.
Saleh sagte, er wolle den Kongressmitgliedern vermitteln, dass Erfolge
im Irak zwingend notwendig seien. Der Irak sei «ein zentrales
Schlachtfeld» im Kampf gegen den Terrorismus.
Die US-Abgeordneten votierten am Donnerstag mit 221 zu 205 Stimmen
für eine Aufteilung der Milliardenkredite für die
Militäreinsätze. Das Geld soll demnach in zwei Tranchen
ausgezahlt werden: Zunächst sollen lediglich 42,8 Milliarden Dollar
(31,6 Milliarden Euro) freigegeben werden, erst Ende Juli soll
über die weitere Bewilligung von 52,8 Milliarden Dollar entschieden
werden - abhängig von der Entwicklung der Lage vor Ort. Die
Vorlage geht nun an den Senat, dessen Zustimmung allerdings als
unwahrscheinlich gilt.
US-Präsident George W. Bush lehnte den Beschluss des
Repräsentantenhauses umgehend ab. «Das kann nicht
funktionieren», sagte er, deutete jedoch auch
Kompromissbereitschaft an. Die Zeit laufe ab, erklärte Bush. Jede
weitere Verzögerung bedeute eine Belastung für die
Streitkräfte. Der US-Präsident brachte vergangene Woche mit
seinem Veto ein Gesetz zu Fall, das die Finanzierung des Irak-Einsatzes
an die Bedingung knüpfte, bis 1. Oktober den Truppenabzug
einzuleiten.
Eine bewaffnete sunnitische Gruppe im Irak hat nach eigenen Angaben
neun irakische Soldaten und Polizisten umgebracht, die sie vor wenigen
Tagen entführt hatte. Im Internet wurde ein Video
veröffentlicht, auf dem die Morde des selbst ernannten Islamischen
Gottesstaates im Irak zu sehen waren: Neun Männer knieten -
gefesselt und mit verbundenen Augen - auf dem Boden, bevor vermummte
Männer sie mit einem Genickschuss töteten. Ob das Video echt
ist, steht noch nicht fest.
Die Sunnitengruppe, die zur Terrororganisation El Kaida gehört,
hatte die Männer nach eigenen Angaben von Montag in der Provinz
Dijala entführt. Unter den Geiseln sind demnach auch ranghohe
Offiziere. Das irakische Innenministerium erklärte dagegen, keiner
seiner Männer werde vermisst. Die Entführer hatten die
Freilassung aller sunnitischen Frauen aus irakischen Gefängnissen
gefordert.
Bei einer Explosion in der irakischen Provinz Dijala ist nach Angaben
der US-Streitkräfte vom Freitag ein US-Soldat getötet worden.
Neun weitere wurden verletzt. Der Angriff ereignete sich während
Kampfhandlungen am Donnerstag. Damit wurden seit Beginn der
Militärinvasion im Irak im März 2003 dort nach einer
Zählung der Nachrichtenagentur AP mindestens 3.384 Angehörige
der US-Streitkräfte getötet.
Reporter ohne Grenzen unterstützt die Familien getöteter
Journalisten im Irak finanziell, wie die Organisation am Freitag
mitteilte. Ihr Generalsekretär Robert Ménard sei in dieser
Woche nach Bagdad gereist, um das Geld zu übergeben. Die Hilfe sei
an 20 Familien in der autonomen Kurdenregion im Norden des Iraks und
landesweit weitere 57 Familien gegangen. Bei einem Treffen mit dem
irakischen Präsidenten Dschalal Talabani rief Ménard die
Behörden auf, die Verantwortlichen für Journalistenmorde zu
bestrafen und mehr für die Pressefreiheit zu tun. Nach Angaben von
Reporter ohne Grenzen sind seit Beginn des Irak-Kriegs mindestens 123
Journalisten und 51 ihrer Mitarbeiter getötet worden.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 12.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.12.05.06 - Regierungsbildung hängt an Besetzung des Ölministeriums +++
Soldaten verhindern Verschleppung von sieben Irakern +++ Fünf Iraker
bei Bombenanschlag getötet +++ Drei US-Soldaten fallen
Bombenanschlägen zum Opfer +++ Mindestens 21 Islamisten von
Frankreich aus in den Irak gereist +++ Iran entsendet Botschafter nach Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605120.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
ISAF bestätigt zivile Opfer bei Kämpfen in Afghanistan
Sa.12.05.07 - Die Afghanistan-Schutztruppe ISAF hat zivile Opfer bei einem Gefecht
zwischen US-Truppen und Taliban-Kämpfern im Süden des Landes
bestätigt. 20 verletzte Zivilpersonen seien behandelt worden,
darunter ein Kind, das später an seinen Verletzungen gestorben sei,
hieß es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten
Erklärung. Es gebe bestätigte Berichte über zivile Opfer,
aber es sei unklar, um wie viele es sich handele. Gemeinsame
Ermittlungen von ISAF und afghanischen Stellen seien eingeleitet worden.
Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Helmand kamen bei
Luftangriffen am Dienstag 21 Zivilpersonen ums Leben, Anwohner sprachen
von einer noch höheren Opferzahl. Das Gefecht in der Region Sangin
war der dritte größere Vorfall mit zahlreichen zivilen Opfern
in den vergangenen Monaten. Der afghanische Präsident Hamid Karsai
hat wiederholt gefordert, mehr zur Vermeidung ziviler Opfer bei
Militäraktionen zu tun.
(Quelle: ap)
US-Vizepräsident Cheney warnt den Iran
Sa.12.05.07 - US-Vizepräsident Dick Cheney hat den Iran am Freitag vor einer
Blockade des Schiffsverkehrs und der Entwicklung von Atomwaffen
gewarnt. An Bord des amerikanischen Flugzeugträgers «USS
John C. Stennis» erklärte Cheney, die USA würden die
Seewegen offen halten. Außerdem werde man den Iran gemeinsam mit
den Verbündeten daran hindern, Atomwaffen zu entwickeln und die
Region zu dominieren. Rund ein Viertel der weltweiten
Öllieferungen passiert die schmale Straße von Hormus, die
den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet. Der Iran
kontrolliert die östliche Seite der Straße.
(Quelle: ap)
Studie: China muss sich auf Mangel an Arbeitern gefasst machen
Sa.12.05.07 - Auf China kommt in den kommenden Jahren einer Studie zufolge ein Mangel
an Arbeitskräften zu.
Es gebe in den ländlichen Regionen wesentlich weniger potenzielle
Wanderarbeiter als angenommen, berichtete am Freitag die Zeitung
"Beijing Times" unter Berufung auf Forscher der Chinesischen Akademie
für Sozialwissenschaften. Den jüngsten Schätzungen
zufolge leben auf dem Land lediglich etwa 52 Millionen zusätzliche
Arbeiter unter 40 Jahren. Ausgegangen wurde bislang von bis zu 150
Millionen möglichen Arbeitskräften.
Die Knappheit wird sich den Wissenschaftlern zufolge bereits bis 2009
bemerkbar machen und könnte auch die Löhne nach oben treiben.
Bereits in den vergangenen Jahren klagten einige große
Produktionszentren darüber, dass es immer schwerer werde,
Arbeitskräfte zu finden. Die Behörden in Städten wie
Peking und Shenzhen haben die Mindestlöhne mittlerweile angehoben,
um mehr Arbeiter vom Land in die Stadt zu locken.
(Quelle: rtr)
Entwurf für UN-Resolution zur Unabhängigkeit des Kosovos
Sa.12.05.07 - Die USA und die Europäische Union haben am Freitag einen Entwurf
für eine UN-Resolution über die Unabhängigkeit des
Kosovos in Umlauf gebracht. Danach soll die UN-Verwaltung der
serbischen Provinz innerhalb von 120 Tagen beendet werden, während
die EU den Übergang zur Unabhängigkeit überwacht.
NATO-Truppen sollen im Kosovo bleiben und die Sicherheit garantieren.
Der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad erklärte bereits
am Donnerstag, man verfüge über ausreichend Stimmen im
Sicherheitsrat, um die Resolution zu verabschieden. Allerdings
dürfe Russland kein Veto einlegen. Der russische UN-Botschafter
Vitaly Churkin schlug dagegen weitere Verhandlungen zwischen Serbien
und dem Kosovo vor und forderte einen besseren Schutz der serbischen
Minderheit in der Provinz.
Der UN-Gesandte Martti Ahtisaari hatte im vergangenen Monat
vorgeschlagen, dem Kosovo die Unabhängigkeit zu gewähren. Die
albanische Mehrheit begrüßte den Vorschlag, die serbische
Minderheit in der Provinz, Serbien und Russland wiesen ihn dagegen
entschieden zurück.
(Quelle: ap)
EU-Kommission begrüßt Bericht über Einigung in Serbien
Sa.12.05.07 - EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hat Berichte über eine Einigung
auf eine neue Regierung in Serbien begrüßt. «So wie ich
es verstehe, werden zu den Prinzipien dieser Regierung das Streben nach
einem EU-Beitritt, eine Vervollständigung der Zusammenarbeit mit
dem internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und weitere
Wirtschatsreformen gehören», erklärte Rehn in einer in
Brüssel veröffentlichten Pressemitteilung. Der EU-Kommissar
hielt sich am Freitag in Zagreb auf.
Wenn die künftige serbische Regierung sich zu diesen
Grundsätzen bekenne, könnten die Verhandlungen über ein
Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU wieder aufgenommen
werden, erklärte Rehn. Die Gespräche über dieses
Abkommen, das als erster Schritt zu einem möglichen EU-Beitritt
gilt, waren im Mai 2006 ausgesetzt worden, weil Brüssel Belgrad
eine unzureichende Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal in
Den Haag vorwarf.
Bereits im Februar hatten die EU-Außenminister Serbien die
Wiederaufnahme der Verhandlungen für den Fall in Aussicht gestellt,
dass eine neue Regierung sich zur Kooperation mit dem
Kriegsverbrechertribunal bekennt und «konkrete und effektive
Schritte für eine volle Zusammenarbeit unternimmt». Ein
Abschluss der Verhandlungen sei aber erst dann möglich, wenn die
vollständige Zusammenarbeit erreicht sei, betonte
Erweiterungskommissar Rehn am Freitag.
(Quelle: ap)
UN-Konferenz über Klima und saubere Energie endet mit Eklat
Sa.12.05.07 - Eine UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung, bei der es um
klimafreundliche Energie für alle Welt ging, ist in New York mit
einem Eklat zu Ende gegangen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
verweigerte dem Schlussdokument im Namen der Europäischen Union
seine Zustimmung. Der Text schwäche frühere Vereinbarungen ab
und sende ein falsches Signal in alle Welt, begründete Gabriel die
Ablehnung der Europäer. Die Schweiz schloss sich der EU an und
erklärte das Ergebnis der Sitzung für «wertlos».
(Quelle: dpa)
Deutschland
Wirtschaftsminister Glos bremst angeblich umweltfreundliche Kraftwerke
Sa.12.05.07 - Trotz der Verpflichtung Deutschlands zur massiven Reduktion
klimaschädigender Treibhausgase bremst Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) angeblich den Ausbau der umweltfreundlichen
Energieerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Wie die
«Berliner Zeitung» (Samstagausgabe) unter Berufung auf
einen Gesetzentwurf zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) berichtete,
sollen künftig nur kleinere Anlagen mit einer elektrischen
Leistung von maximal zehn Megawatt gefördert werden.
Größere Kraftwerke wie etwa Fernwärme- oder
Industrieanlagen sollten dagegen ohne Förderung bleiben.
Glos gibt nach Angaben des Blattes in dem Entwurf außerdem die
bisherigen Ausbau- und Klimaschutzziele der Bundesregierung bei der
Kraft-Wärme-Kopplung auf. Während in dem derzeit
gültigen Gesetz noch das Ziel vorgegeben werde, durch die
Förderung der Anlagen bis zum Jahr 2010 mindestens 20 Millionen
Tonnen Kohlendioxid einzusparen, fehle dies in der Novelle von Glos.
Stattdessen heiße es nur vage: «Zweck des Gesetzes ist es,
einen Beitrag zur Minderung der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen
zu leisten.» Der CSU-Politiker verzichtet laut «Berliner
Zeitung» ferner darauf, konkrete Ausbauziele für die Zeit
nach 2010 zu formulieren.
In der SPD wurde der Gesetzentwurf laut «Berliner Zeitung»
heftig kritisiert. «Das KWK-Gesetz hätte der erste
ernsthafte Beitrag von Herrn Glos zum Klimaschutz sein können.
Doch der Minister versagt völlig», sagte der
stellvertretende SPD-Fraktionschef Ulrich Kelber. Glos habe offenbar
das Ziel, die Kraft-Wärme-Kopplung möglichst klein zu halten.
Durch die Fördergrenze von zehn Megawatt seien die meisten
für den Klimaschutz relevanten größeren Kraftwerke
nicht förderungswürdig.
(Quelle: ap)
Grüne wollen Verwendung von Biokunststoffen fördern
Sa.12.05.07 - Die Grünen wollen Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
fördern: Die Bundestagsfraktion brachte in der Nacht einen Antrag
ein, die anstehende Novelle der Verpackungsverordnung dafür zu
nutzen, Verpackungen aus Biokunststoff stärker zu fördern als
bisher. Die Umgestaltung der Verpackungsverordnung wäre "ein erster
Hebel, den man umlegen muss", sagte die Grünen-Abgeordnete Sylvia
Kotting-Uhl. Sie plädiert zudem für eine weit reichendere
Förderung der Branche: Es sei "absolut sinnvoll", diesen
wachstumsstarken Zukunftsmarkt vorübergehend zu subventionieren,
bis eine Vielzahl von Biokunststoff-Produkten marktfähig sei.
Der Branchenverband European Bioplastics schätzt den
Gesamtverbrauch von Biokunststoffen in Deutschland auf derzeit gut 5000
Tonnen. Die Hersteller herkömmlicher Kunststoffe auf Basis von
Erdöl erzeugten dagegen im vergangenen Jahr laut ihrem Verband
Plastics Europe 18,5 Millionen Tonnen hierzulande.
Kotting-Uhl verwies auf die Chancen der Biokunststoffe in Zeiten
steigender Ölpreise. "Wenn das Erdöl ausgegangen oder nicht
mehr bezahlbar ist, müssten bis zu hundert Prozent der Kunststoffe
aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden." Ein rechtzeitiger
Umstieg sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern sichere
Arbeitsplätze und sorge dafür, dass Deutschland bei dieser
Entwicklung nicht den Anschluss verliere.
(Quelle: afp)
Fiskus kann mit Steuer-Plus von rund 180 Milliarden Euro rechnen
Sa.12.05.07 - Bund, Länder und Gemeinden können mit dem größten
zusätzlichen Steuersegen in der bundesdeutschen Geschichte
rechnen. Bis zum Jahr 2011 werden für die öffentlichen Kassen
zusätzliche Steuereinnahmen gegenüber früheren Planungen
von knapp 180 Milliarden Euro erwartet.
Das gab der Arbeitskreis «Steuerschätzung» nach
viertägigen Beratungen im sächsischen Görlitz bekannt.
Allein der Bund kann sich dank des Wirtschaftsaufschwungs auf ein Plus
von 87 Milliarden Euro im Vergleich zur Mittelfristplanung freuen.
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) kündigte an, die
Neuverschuldung des Bundes nun bis spätestens 2011 auf Null zu
reduzieren. Zuletzt gab es einen ausgeglichenen Bundesetat vor fast
vier Jahrzehnten.
Die unverhofften Milliarden sollen aber nicht nur in die
Etatkonsolidierung fließen, sondern auch in zusätzliche
Ausgaben. Steinbrück will die «finanzpolitischen
Spielräume» nutzen für weitere Investitionen von
jährlich rund zwei Milliarden Euro. «Es ist nicht
Weihnachten», sagte Steinbrück. Es gebe aber
«Zukunftsbereiche» wie Bildung und Forschung, Familie,
Klimaschutz, Infrastruktur, Entwicklungshilfe sowie innere und
äußere Sicherheit, die «ausgewogen und
nachhaltig» gestärkt werden müssten. Die Koalition
wolle konsolidieren, aber auch Impulse geben.
Nach Einschätzung der EU-Kommission hat Deutschland sein
Defizitproblem dauerhaft in den Griff bekommen. Deshalb könne das
seit 2003 laufende Defizit-Strafverfahren eingestellt werden,
heißt es in einem der dpa in Brüssel vorliegenden Entwurf
für die Kommissionssitzung am Mittwoch. Das Staatsdefizit werde
2007 auf 0,6 und 2008 auf 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken.
Steinbrück bekräftigte, das um Konjunktur- und Einmaleffekte
bereinigte «strukturelle Defizit» von Bund, Ländern,
Kommunen und Sozialkassen insgesamt bis spätestens 2010 auf Null
zurückfahren zu wollen. «Das ist eine historische
Trendwende: Der Einstieg in den Abbau des aufgelaufenen Schuldenbergs
von über 1500 Milliarden Euro wäre endlich
möglich.» Die erfreuliche Entwicklung ändere aber
nichts an den Problemen dieser Republik, sagte mit Blick auf die
Schulden.
Die 2008 geplante Unternehmenssteuerreform wurde noch nicht bei der
neuen Prognose berücksichtigt. Durch die von 2008 an geplante
Milliarden-Entlastung der Wirtschaft wird sich das in der
Schätzung ermittelte Steuerplus laut Finanzministerium zwischen
2008 und 2011 um insgesamt 25,3 Milliarden Euro (Bund: 12,1 Mrd.)
vermindern.
Haushaltspolitiker von Union und SPD dringen darauf, dass der Bund
bereits bis 2009 einen ausgeglichenen Etat vorlegt. Joachim Poß,
Jörg-Otto Spiller, und Carsten Schneider von der SPD warnten, die
Steuermehreinnahmen seien kein «Gewinn», den der Staat
erziele und der frei verteilt werden könnte. Die Mehreinnahmen
müssten zuerst zum Abbau der Neuverschuldung genutzt werden.
CDU-Experte Steffen Kampeter mahnte, Steuerschätzungen ersetzten
keine Reformen. Vom Ziel der Haushaltskonsolidierung sei man noch weit
entfernt.
SPD-Chef Kurt Beck erklärte: «Wir sollten mal erkennen,
bevor wir hochmütig werden, mit dieser Steuerschätzung kommen
wir wieder auf die Basis, die wir vor fünf Jahren als
Steuerschätzung hatten.». Der nordrhein-westfälische
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte, er
unterstütze ausdrücklich den Konsolidierungskurs
Steinbrücks.
Die FDP forderte wie die Wirtschaftsverbände, neben dem Abbau der
Neuverschuldung auch Bürger bei Steuern und Abgaben zu entlasten
sowie zusätzliche Ausgaben in Milliardenhöhe abzulehnen. Aus
Sicht des Fraktionschefs der Linkspartei, Oskar Lafontaine, müssen
«nun endlich auch Arbeitnehmer und Kleinbetriebe»
profitieren. Dazu sollte der Spitzensteuersatz erhöht werden.
Die Steuerschätzzahlen sind Grundlage für die
Haushaltsplanungen von Bund und Ländern. In diesem Jahr werden die
Steuereinnahmen für den Staat unterm Strich wahrscheinlich um 20,2
Milliarden Euro höher ausfallen. Davon entfallen 11,1 Milliarden
auf den Bund. 2008 ist mit Mehreinnahmen gegenüber der letzten
Schätzung von 47,9 Milliarden Euro zu rechnen, für 2009 von
53,7 Milliarden. Im Jahr 2010 klettern die erhofften Mehreinnahmen
für den Staat auf 57,4 Milliarden. Die Länder haben bereits
angekündigt, die zusätzlichen Einnahmen für einen
schnelleren Abbau der Neuverschuldung zu nutzen.
(Quelle: dpa)
Innenminister Schäuble droht G8-Gegnern mit Vorbeugehaft
Sa.12.05.07 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnet mit einer
erhöhten Gefährdungslage in Deutschland anlässlich des
G8-Gipfels Anfang Juni in Heiligendamm. «Wenn sich einige der
wichtigsten politischen Führer der Welt treffen, gibt es eine
erhöhte Gefahr», sagte Schäuble der «Neuen
Presse» (Freitag) in Hannover.
«Wir werden alles Erdenkliche für ihre Sicherheit tun und
entsprechende Vorkehrungen treffen.» Schäuble erinnerte in
diesem Zusammenhang daran, dass sich während des G8-Treffens in
Gleneagles in Schottland 2005 die Terroranschläge von London
ereignet hätten.
Schäuble drohte gewaltbereiten Störern des Gipfels mit
vorbeugender Haft. Er sagte der «Bild»-Zeitung: «Die
Polizeigesetze der Länder sehen den so genannten
Unterbindungsgewahrsam vor.» Danach können Störer je
nach Bundesland bis zu 14 Tage in Polizeigewahrsam genommen werden, wenn
es tatsächliche Anhaltspunkte für geplante Straftaten gibt.
Schäuble erinnerte daran, dass der so genannte
Unterbindungsgewahrsam nicht nur für Hooligans sondern auch
für gewaltbereite Chaoten gelte.
Gleichzeitig sprach sich Schäuble angesichts der zahlreichen
innenpolitischen Differenzen in der großen Koalition für
deren Ende nach der Bundestagswahl 2009 aus. «Wir haben uns diese
Koalition nicht ausgesucht. Der Respekt vor dem Souverän gebietet
es aber, dass wir uns zusammenreißen und einigen. 2009 werden wir
dieses Dilemma beenden», sagte Schäuble der «Passauer
Neuen Presse» (Freitag).
Den heftig umstrittenen Einsatz der Bundeswehr zur Terrorabwehr im
Innern bezeichnete Schäuble in einem weiteren Interview als
alternativlos. «Wir brauchen eine Verfassungsänderung, damit
wir die Fähigkeiten der Bundeswehr gegen diese Gefahren nutzen
können», sagte der Innenminister den Dortmunder «Ruhr
Nachrichten» (Freitag). «Wir sollten das Mögliche an
Sicherheit im Rahmen unserer verfassungsmäßigen Ordnung
leisten, damit Terroranschläge verhindert werden.»
Dass es bisher bei Großereignissen wie dem Weltjugendtag oder der
Fußball-WM in Deutschland keine Terroranschläge gegeben habe,
sei keine Garantie, dass «wir davon verschont bleiben»,
sagte Schäuble der «Neuen Presse». Die Gefahr von
Terroranschlägen sei nicht nur abstrakt, sondern sei auch schon
sehr konkret gewesen. «Das haben wir bei den Kofferbomben
erfahren, die glücklicherweise nicht funktioniert haben.»
In der Diskussion um die ehemaligen RAF-Terroristen und ihre Taten
kritisierte Schäuble eine mögliche Umdeutung der Geschichte.
«Die Debatte wird zur Zeit leider so geführt, als handele es
sich bei diesen brutalen menschenverachtenden Mördern um halbe
Märtyrer», betonte er in der «Passauer Neuen
Presse». «Die Attentäter der RAF, die bis heute keine
Reue zeigen und keinen Beitrag zur weiteren Aufklärung leisten,
sind keine Popstars, sondern Killer.» Es werde zu wenig über
die Opfer und zu viel über die Täter geredet.
(Quelle: dpa)
Telekom-Streik: Bundesweit 11 100 im Ausstand
Vorstands-Chef Obermann droht Streikenden mit Verkauf von Service-Sparten
Sa.12.05.07 - Telekom-Chef René Obermann hat sich angesichts des Streiks in
seinem Unternehmen unnachgiebig gezeigt und mit dem Verkauf von
Service-Sparten gedroht. "Wenn es zu keiner Lösung mit der
Gewerkschaft kommt, könnten wir zu Verkäufen von
Service-Sparten gezwungen sein, um die Kosten in den Griff zu kriegen",
sagte Obermann der "Bild am Sonntag". Zugleich versicherte der
Telekom-Chef, die Tür für Gespräche bleibe offen.
"Wir wollen eine gemeinsame Lösung mit Verdi", sagte Obermann. Er
verwies aber darauf, dass das Unternehmen wegen des Preisverfalls in
der Branche allmonatlich "Tausende von Kunden" verliere. Die
wirtschaftliche Lage der Telekom bereite ihm "einige schlaflose
Nächte". Doch komme er immer zu demselben Ergebnis: "Wir haben
keine Alternative zum Reformkurs", betonte Obermann.
Mehr als 11.000 Mitarbeiter der Deutschen Telekom waren am Freitag in
den Streik getreten. Der erste Arbeitskampf seit der Privatisierung des
Konzerns vor zwölf Jahren soll in der kommenden Woche noch
verschärft werden. Streikberechtigt sind laut Verdi rund 22.000
Beschäftigte der Festnetz-Sparte.
Nach Angaben der Telekom hatten die Arbeitsniederlegungen zunächst
keine Auswirkungen für die Kunden. Durch die Proteste werde es auf
jeden Fall zu Verzögerungen im Betriebsablauf kommen, sagte
ver.di- Streikleiter Ado Wilhelm. Betroffen seien vor allem Service,
Call Center und Betriebe des technischen Kundendienstes, hieß es
bei ver.di. Die Gewerkschaft stellte sich bereits auf einen
monatelangen Streik ein.
In Nordrhein-Westfalen befanden sich nach Angaben der Gewerkschaft 3000
Telekom-Beschäftigte im Ausstand. In Bayern gingen nach den
Angaben 1000 Mitarbeiter auf die Straße, in Niedersachsen und
Bremen rund 1400, in Hamburg, Schleswig-Holstein und
Mecklenburg-Vorpommern rund 1300, in Hessen 1400, in Berlin rund 1000
und Rheinland-Pfalz rund 700. Die Proteste sollten auch am Wochenende
fortgesetzt werden.
Nach den Angaben soll beispielsweise die Annahme und Bearbeitung von
neuen Aufträgen sowie die Entstörung behindert werden.
«Solange der Kunde telefonieren kann, merkt er gar nichts»,
sagte der Arbeitskampfleiter im Münsterland, Michael Hartweg. Erst
wenn Störungen aufträten und die Techniker nicht
ausrückten, würden sich die Streikauswirkungen zeigen. Durch
den Ausstand gebe es Verzögerungen bei der Montage und
Störungsannahme, hieß es in Bayern. Ein Ende des
Arbeitskampfes sei nicht abzusehen: «Wir haben monatelang
Zeit», sagte Susanne Becker von ver.di.
»Die Stimmung ist frustriert und gereizt», sagte Jörg
Pfeiffer von ver.di Sachsen. Der Ausstand der Mitarbeiter in den
Call-Centern sei zunächst unbefristet. In der kommenden Woche
sollten auch die Service-Techniker in den Arbeitskampf miteinbezogen
werden. «Wenn bei der Telekom keine Vernunft einkehrt, werden wir
die Daumenschrauben anziehen», sagte der für Sachsen
zuständige ver.di-Fachbereichsleiter Achim Fischer.
Der Protest der Telekom-Beschäftigten richtet sich gegen die
geplante Auslagerung von rund 50 000 Beschäftigte in neue
Gesellschaften unter dem Namen T-Service. Dort sollen die betroffenen
Mitarbeiter länger arbeiten und weniger Geld erhalten, was ver.di
als eine Zumutung bezeichnet. «Wir sind ja bereit, eine
zusätzliche Kröte zu schlucken», sagte ein Streikender
vor der Technischen Niederlassung West in Düsseldorf.
Schließlich werde nicht für mehr Geld gestreikt wie bei den
Metallern. Nach Gewerkschaftsangaben zahlt die Telekom den
Beschäftigten eine Prämie von 300 Euro, wenn sie sich nicht
an den Streiks beteiligen.
Das Telekom-Management unterstrich unterdessen seine Bereitschaft zu
neuen Verhandlungen. Doch Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick hat alle
Hoffnungen auf eine schnelle Einigung mit ver.di begraben. «Der
Streik ist für uns ein klares Signal, dass ver.di derzeit nicht zu
Gesprächen bereit ist», sagte er. Für die Streiks von
ver.di sieht sich die Telekom gut vorbereitet. «Wir haben ein
Kontrollzentrum eingerichtet, um flexibel reagieren zu
können», betonte Eick, der als kommissarischer Personalchef
die Verhandlungen mit ver.di geführt hatte. Die
Beeinträchtigung für die Kunden sollten so gering wie
möglich gehalten werden.
Eick rechnet auch mit negativen Folgen für die Konkurrenten der
Telekom: «Streik ist sicher nicht das Mittel, um unsere
Wettbewerbsfähigkeit draußen zu stärken», sagte
er. Aber auch für die Wettbewerber sei der Streik nicht
vorteilhaft, da viele das Netz der Deutschen Telekom nutzten:
»Von daher ist das ein Thema, was wahrscheinlich nicht nur uns
betreffen wird, je nachdem, welche konkreten Maßnahmen ergriffen
werden.» Das Unternehmen will den Konzernumbau nun im Alleingang
durchziehen. Ende Mai sollen die betroffen Mitarbeiter nach Angaben des
Managers ein konkretes Angebot erhalten. Der Wechsel zu T-Service
könnte dann wie geplant zum 1. Juli stattfinden.
In einer Urabstimmung hatten sich 96,5 Prozent der befragten
ver.di-Mitglieder für einen Ausstand bei der Telekom
ausgesprochen. Fünf Verhandlungsrunden zwischen ver.di und dem
Management waren ergebnislos verlaufen waren.
(Quellen: ap, afp)
Mehr als die Hälfte der Deutschen online
Sa.12.05.07 - Es gibt zurzeit rund 41 Millionen Internetanschlüsse: Der Anteil
der Internetnutzer an der deutschen Bevölkerung beträgt damit
62,7 Prozent, das entspricht einer Steigerung um 6,5 Prozent in den
letzten zehn Jahren. Diese Zahlen gehen aus der aktuellen
repräsentativen ARD/ZDF-Online-Studie 2007 hervor.. Danach ist die
Zahl der Internetnutzer im Lauf der vergangenen zwölf Monate um 2,2
Millionen gestiegen.
Vor allem Frauen und Über-50-Jährige haben diesen Zuwachs zu
verantworten - Bevölkerungsgruppen, die dem Online-Medium bislang
eher distanziert gegenüberstanden. So sind im vorigen Jahr 1,6
Millionen Surferinnen dazukommen, damit haben inzwischen 57 Prozent
(2006: 52,4 Prozent) der Frauen eine Möglichkeit, im Internet zu
surfen. Von den Über-50-Jährigen sind jetzt 64,2 Prozent
online (2006: 60 Prozent), von den Über-60-Jährigen sind es
25,1 Prozent beziehungsweise 5,1 Millionen (2006: 20,3 Prozent). Zum
Vergleich: Von den 14- bis 19-jährigen Jugendlichen haben "nur" 4,9
Millionen einen Internetzugang.
Weil 59 Prozent alle Nutzer inzwischen über einen Breitbandzugang
(DSL, Kabel, Satellit) ins Internet verfügen (2006: 48 Prozent),
laden sich auch immer mehr Surfer datenintensive Multimediadateien
herunter oder nutzen sie im Online-Streaming. 16 Prozent schauen sich
ein Mal pro Woche Videos online an - doppelt so viele wie noch im Jahr
zuvor. 21 Prozent hören sich Audiodateien an, elf Prozent davon
hören Web-Radio.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Vernichtendes Urteil über Jugendmedienschutz
Sa.12.05.07 - Die unionsregierten Länder haben gefordert, die Herstellung und
Verbreitung von Killerspielen unter Strafe zu stellen. Sie berufen sich
auf eine neue Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts
Niedersachsen (KFN) zu Gewalt verherrlichenden Computerspielen, die zu
einem vernichtenden Urteil über den aktuellen Jugendmedienschutz
kommt. Jeder zweite zehnjährige Junge habe Erfahrungen mit
Killerspielen, die erst ab 16 oder 18 freigegeben seien, sagte der
Leiter des Instituts, Christian Pfeiffer, am Freitag in Wiesbaden.
Bei den 14- bis 15-jährigen Jungen spiele ein Drittel diese
Computerspiele regelmäßig, heißt es weiter in der
Studie. Das KFN hat nach eigenen Angaben 6.000 Schüler der Klasse
vier und weitere 17.000 Schüler der Klasse neun befragt. Das 2003
novellierte Jugendschutzgesetz habe nicht die erhoffte Wirkung
entfaltet, sagte Pfeiffer, der früher Justizminister von
Niedersachsen war. In der Studie wird eine Reform der
Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) gefordert, die im Auftrag
der Industrie die Alterfreigabe von Computerspielen festlegt. Die
Bewertungen der USK seien mit häufig wiederkehrenden Mängeln
behaftet. Bei rund 40 Prozent von 62 untersuchten Spielen sei die von
ihr vorgenommene Alterseinstufung aus Sicht des Kriminologischen
Instituts zweifelhaft oder unangemessen.
Notwendig sei ein eigener Tatbestand im Strafgesetzbuch, um die Nutzung
von Killerspielen einzudämmen, sagte der hessische Innenminister
Volker Bouffier (CDU). Verstöße gegen den Jugendschutz
müssten künftig zudem mit bis zu 500.000 Euro statt bislang
maximal 50.000 Euro geahndet werden. Nur ein strafrechtliches Verbot
schrecke ausreichend ab und gebe eine wirksame Handhabe, entsprechende
Angebote auch von den Servern von Internetfirmen zu verbannen.
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte, die
US-Armee setze ähnliche Computerspiele bei ihren Soldaten ein, um
die Tötungshemmung herabzusetzen. Die Soldaten würden vor
Kriegseinsätzen nur wenige Stunden mit derartigen Killerspielen
trainiert. Viele Jugendliche setzten sich diesen Reizen aber Tag
für Tag aus.
«Eine Gesellschaft ist krank, die solche Spiele auf den Markt
lässt», sagte Pfeiffer: «Ein Staat, der da mitspielt,
untergräbt seine moralische Glaubwürdigkeit.» Der
Kriminologe warnte eindringlich vor den Folgen für die
Schullaufbahn vieler Jungen. Der in den vergangenen 15 Jahren zu
beobachtende Leistungsabfall der Schüler im Vergleich zu den
Schülerinnen sei nahezu ausschließlich auf die exzessive
Nutzung von Gewalt verherrlichenden Computerspielen zurück zu
führen. Die Wirkung auf das Kurzzeitgedächtnis vor allem
jüngerer Schüler sei verheerend.
Pfeiffer kritisierte eine zu große Nähe der USK zur
Softwareindustrie. Die Selbstkontrolle habe ihre
Öffentlichkeitsarbeit über Jahre hinweg darauf
beschränkt, für die Akzeptanz von Computerspielen in der
Öffentlichkeit zu werben. Sinnvoll sei eine verstärkte
Zusammenarbeit der USK mit der Bundesprüfstelle für
jugendgefährdende Schriften, mit dem Ziel, Killerspiele umgehend
auf den Index zu setzen. Eine Indizierung habe sich als wirksamer
Jugendschutz erwiesen.
Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. wies die
Forderung der Unionsminister zurück. Es herrsche allgemeiner
Konsens, dass die bestehenden Jugendschutzmechanismen besser und
effektiver kommuniziert werden müssten, um die Akzeptanz der
Jugendschutzsysteme zu verbessern. Außerdem äußerte
der Verband Zweifel an der Seriosität der KFN-Studie.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher entwickeln Krebs-Behandlung ohne schwere Nebenwirkungen
Sa.12.05.07 - Australische Wissenschaftler haben eine Methode zur Krebsbehandlung
entwickelt, bei der die üblichen Nebenwirkungen wie Übelkeit
und Haarausfall ausbleiben sollen. Die neue Methode beruhe auf der
Nanotechnologie und greife Krebszellen gezielt mit einer "tödlichen
Ladung" von Wirkstoffen an, ohne den ganzen Körper mit giftigen
Chemikalien zu belasten, sagte die Forscherin Jennifer MacDiarmid am
Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Laut MacDiarmid fallen bei der
neuen Therapie keine Haare aus. Es gabe auch "keine ständige
Übelkeit mehr" wie bei der herkömmlichen Chemotherapie, die
nach ihren Worten "manchmal an sich schon lebensgefährlich" ist.
Nach Angaben der Forscherin entwickelten die Wissenschaftler aus einer
Bakterienzelle eine so genannte Nanozelle, die nur ein Fünftel so
groß sei wie eine normale Zelle. Sie könne jeden
chemotherapeutischen Wirkstoff tragen und werde mit Antikörpern
ausgestattet, die von Krebstumoren angezogen würden. Sobald die
Nanozelle auf die Krebszellen treffe, setze sie ihren Wirkstoff frei.
"Es gibt kein anderes System, bei dem man soviel Wirkstoff in ein so
kleines Paket packen kann", sagte MacDiarmid, die für die
Biotechnikfirma EnGeneIC in Sydney arbeitet.
Bei Tierversuchen zeigte sich, dass sich Tumore mit der neuen Technik
verringern lassen, ohne dass die üblichen Nebenwirkungen entstehen,
wie die US-Fachzeitschrift "Cancer Cell" diese Woche berichtete. Die
Methode komme mit einer sehr kleinen Wirkstoffmenge aus. Laut
MacDiarmid könnte die Behandlung möglicherweise bei allen
festen Tumoren angewandt werden, wie zum Beispiel bei Brust-,
Eierstock- und Lungenkrebs. Versuche am Menschen sollen noch in diesem
Jahr beginnen.
(Quelle: afp)