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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 30 Tote bei Anschlag im Nordirak. 4000 US-Soldaten suchen
nach verschleppten GIs im Irak. US-Senatoren unzufrieden mit irakischer
Regierung. Iran und USA wollen über Irak beraten
Mo.14.05.07 - Bei einem Selbstmordanschlag auf das Büro der Demokratischen
Partei Kurdistans (KDP) in der nordirakischen Stadt Machmur sind am
Sonntag mindestens 30 Menschen getötet worden. Weitere 115 wurden
nach Angaben des Gesundheitsministeriums der kurdischen
Regionalregierung verletzt, darunter Bürgermeister Abdul Rahman
Delaf. Machmur liegt nicht in der autonomen Region Kurdistan, die
bislang weniger von Gewalt betroffen war als andere Landesteile. Bei dem
Autobombenanschlag wurden außer dem Parteibüro weitere nahe
gelegene Gebäude beschädigt.
Erst am Mittwoch tötete ein Selbstmordattentäter in Erbil
mindestens 15 Menschen und verletzte mehr als 100. Das 350 Kilometer
nördlich von Bagdad gelegene Erbil ist die Hauptstadt der autonomen
Region Kurdistan.
Eine El Kaida nahe stehende Terrorgruppe im Irak hat nach eigenen
Angaben drei amerikanische Soldaten verschleppt. 4000 US-Soldaten
suchten am Sonntag mit Hochdruck nach ihren Kameraden, die seit einem
Angriff am Vortag als vermisst galten.
Fünf weitere Soldaten waren bei dem Überfall am Samstag in
Al-Mahmudija südlich von Bagdad getötet worden, teilte
Armeesprecher William Caldwell mit.
Auf Webseiten, die in der Vergangenheit von Aufständischen genutzt
wurden, erklärte die Gruppe «Islamischer Staat im
Irak» nach Angaben des Nachrichtensenders CNN, ihre Kämpfer
hätten sich am Samstag Gefechte mit den «Kreuzrittern»
geliefert. Dabei seien einige getötet und einige andere gefangen
genommen worden. Die Gruppe «Islamischer Staat im Irak»
gilt als Dachorganisation mehrerer sunnitischer Terrorgruppen, darunter
El Kaida im Irak.
Caldwell betonte, die US-Armee werde ihre Suche so lange fortsetzen,
bis die Soldaten gefunden würden oder ihr Schicksal geklärt
sei. Die Region, in der die Soldaten verschleppt wurden, wird wegen der
zahlreichen Angriffe radikaler Gruppen auf Soldaten, Polizisten und
Angehörige der jeweils anderen Religionsgruppe
«Todesdreieck» genannt.
US-Vizepräsident Dick Cheney unterstrich am Sonntag bei einem
Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in
Kairo erneut die Notwendigkeit eines Verbleibs der US-Truppen im Irak.
Wie der Sprecher Mubaraks, Suleiman Awad, nach dem Treffen mitteilte,
sagte Cheney: «So lange die Koalitionstruppen im Irak sind, wird
es Widerstand geben und wenn sie jetzt sofort abziehen würden, vor
dem Wiederaufbau einer Armee und Polizei, die in der Lage sind, das
Gesetz und den Staat zu verteidigen und Ruhe und Stabilität
herzustellen, dann würde die Lage außer Kontrolle
geraten.»
Nach Kritik aus dem Parlament kündigte der irakische
Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Sonntag an, er werde mehr
Soldaten und Polizisten in die nördlich von Bagdad gelegene
Provinz Dijala schicken. Das Parlament hatte am Samstag erklärt,
es wolle den Regierungschef sowie die Minister für Inneres und
Verteidigung einbestellen, um sie zu der Verschlechterung der
Sicherheitslage in der Provinz zu befragen. In Dijala leben vorwiegend
sunnitische und schiitische Araber. Die Gewalt in der Provinz hat in
den vergangenen drei Monaten stark zugenommen. Bei zwei
Sprengstoffanschlägen in Dijala wurden am Sonntag vier Menschen
getötet.
Der Minderheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch
McConnell, hat unterdessen die irakische Regierung scharf kritisiert.
Die USA hätten viel investiert, um den Irakern «eine Chance
auf eine normale Regierung nach all den Jahren mit Saddam Hussein und
seinen Gräueltaten» zu geben, sagte McConnell am Sonntag dem
Fernsehsender CNN. Dennoch habe Bagdad kaum Fortschritte gemacht. Bei
den meisten Senatoren der Partei von Präsident George W. Bush und
auch bei den Demokraten habe sich Enttäuschung über die
irakische Regierung breit gemacht. Sollte das Parlament, wie in
Berichten zu lesen gewesen sei, für die Forderung nach einem Abzug
der US-Streitkräfte stimmen, «werden wir ihrer Bitte gern
nachkommen», sagte McConnell.
Die USA und der Iran bereiten nach Angaben aus Teheran direkte
Gespräche über die Sicherheitslage im Irak vor. Die
Gespräche sollten in Bagdad stattfinden, sagte der Sprecher des
iranischen Außenministeriums, Mohammad-Ali Hosseini, am Sonntag.
Ein Sprecher von US-Vizepräsident Dick Cheney konnte die Angaben
nicht bestätigen, verwies jedoch auf Washingtons Position, dass
die Regierung zu Gesprächen mit dem Iran bereit sei, solange es
nur um den Irak gehe.
Hosseini sagte, über den genauen Termin solle in den kommenden
Tagen entschieden werden. Auch sei noch offen, auf welcher Ebene die
Gespräche geführt würden. Ziel sei die Stärkung der
irakischen Regierung. Teheran habe den Gesprächen mit dem
politischen Erzfeind USA auf Wunsch der irakischen Regierung und
schiitischer Gruppen zugestimmt, sagte Hosseini. Sie sollen auch auf
das Thema Irak beschränkt sein.
Iran und die USA haben seit der islamischen Revolution 1979 keine
direkten diplomatischen Beziehungen. Washington wirft den Iranern vor,
den internationalen Terrorismus zu unterstützen und ein geheimes
Atomwaffenprogramm zu betreiben. Teheran bezeichnet die USA als den
«großen Satan» und als einen Feind des Islams und der
Muslime in aller Welt.
(Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 14.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.14.05.06 - Sohn des höchsten irakischen Richters ermordet +++ US-Soldat bei
Bombenanschlag getötet - Seit Kriegsbeginn kamen mindestens 2.437
amerikanische Soldaten ums Leben +++ Bombenexplosion beschädigt
schiitischen Schrein nahe Bakuba...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605140.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Israel beschließt Verstärkung gezielter Tötungen.
Ägyptische Vermittler beenden innerpalästinensische
Kämpfe im Gazastreifen
Mo.14.05.07 - Israel will verstärkt mit gezielten Tötungen gegen militante
Palästinenser vorgehen. Einen entsprechenden Beschluss fasste das
israelische Sicherheitskabinett am Sonntag während einer Sitzung
zur Sicherheitslage im Gazastreifen, wie Infrastrukturminister Benjamin
Ben Elieser im Armeeradio mitteilte. "Es wurde beschlossen, dass es
vermehrt Tötungsschüsse gegen die Terroristen geben wird, und
ich denke, das wird die Schäden (durch palästinensischen
Raketenbeschuss auf Israel) begrenzen", sagte Ben Elieser. Das
Armeeradio berichtete unter Berufung auf weitere Minister, die
israelische Regierung wolle möglichst einen Einsatz von
Bodentruppen vermeiden.
Nach dem Einschreiten ägyptischer Vermittler sind die
jüngsten blutigen Kämpfe im Gazastreifen vorerst beendet
worden. Die Mediatoren hätten Vertreter der Hamas und der Fatah
zusammengebracht und eine Vereinbarung ausgehandelt, teilten die beiden
palästinensischen Parteien in der Nacht zum Montag mit. Man habe
sich darauf verständigt, seine jeweiligen Einheiten
zurückziehen und Gefangene auszutauschen. Den schwersten Gefechten
seit Bildung der Einheitsregierung im März fielen am Sonntag
fünf Menschen zum Opfer.
Wie die im Gazastreifen stationierte ägyptische
Sicherheitsdelegation rief auch der palästinensische
Informationsminister Mustafa Barghuti die rivalisierenden Kämpfer
zur Ruhe auf. Das Blutvergießen gefährde nicht nur die
Regierung, sondern «die Zukunft aller Palästinenser»,
sagte er. Seit dem Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen
kommt es dort vermehrt zu Kämpfen, Überfällen,
Entführungen und gewaltsam ausgetragenen Clan-Konflikten. Die
Regierungsbildung im März beendete die Kämpfe zwischen den
Anhängern von Hamas und Fatah zwar weitgehend, die
alltägliche Gewalt konnte bislang aber kaum eingedämmt werden.
In Beit Lahija im Norden des Gazastreifens erschossen Bewaffnete am
Sonntag einen Kommandeur der Al-Aksa-Brigaden, die der Fatah von
Präsident Mahmud Abbas nahe stehen, sowie seinen Leibwächter.
Die Fatah machte die Hamas für die Tat verantwortlich, was diese
zurückwies. Bei einer Schießerei in Gaza wurde später
ein weiterer Mann getötet, zehn Personen wurden verletzt.
Nach dem Abendgebet entführten Unbekannte in Gaza einen
prominenten Religionslehrer der Hamas, wie seine Familie und Kollegen
mitteilte. Die Hamas beschuldigte die Fatah. Auf beiden Seiten wurden
daraufhin mindestens zehn Menschen verschleppt.
(Quellen: afp, ap)
Peking: UN-Marsch gegen den Hunger unter Kindern wegen hoher
Beteiligung abgesagt
Mo.14.05.07 - Wegen unerwartet hoher Beteiligung haben die chinesischen Behörden
den in Peking geplanten Abschnitt eines weltweiten Marschs gegen den
Hunger unter Kindern abgesagt. Zu der Veranstaltung in einem Park der
chinesischen Hauptstadt, bei der Geld für Projekte zur
Hungerbekämpfung in Kambodscha gesammelt werden sollte, waren etwa
1.000 Teilnehmer erwartet worden. Als jedoch mehr als 2.000 Menschen
erschienen, wies die Polizei die Organisatoren an, den Marsch
abzusagen, wie ein Sprecher des Logistikunternehmens TNT sagte, einem
der Mitorganisatoren. Es gehe um die Sicherheit der Menschen, sagte
Sprecher Iman Stratenus. Der Marsch war im Rahmen einer Reihe solcher
Veranstaltungen des Welternährungsprogramms (WFP) geplant, die
innerhalb von 24 Stunden in mehreren Ländern stattfinden sollten.
(Quelle: ap)
Papst geißelt Marxismus und ungezügelten Kapitalismus
Mo.14.05.07 - Mit einem Kampfaufruf gegen Marxismus, aber auch gegen
ungezügelten Kapitalismus hat Papst Benedikt XVI. seinen Besuch in
Lateinamerika beendet. Beide Ideologien seien für die vielen
Probleme auf dem Kontinent verantwortlich, sagte Benedikt am Sonntag
zur Eröffnung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz im
brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida. Nach seiner dortigen Ansprache
kehrte das Oberhaupt der Katholiken per Hubschrauber nach Sao Paulo
zurück und bestieg dann ein Flugzeug zurück nach Rom.
Wenn immer der Marxismus seinen Weg in die Regierung gefunden habe,
habe er nicht nur ein trauriges Vermächtnis von ökonomischer
und ökologischer Zerstörung hinterlassen, sondern auch den
Geist des Menschen zerstört, sagte der Papst. Er nannte keine
Länder, auf die seine Aussage zutreffen könnte. In
Lateinamerika wurden in letzter Zeit jedoch mehrfach linksgerichtete
Regierungen ins Amt gewählt, insbesondere in Venezuela, Bolivien,
Ecuador und Nicaragua.
Der Papst geißelte allerdings auch ungezügelten Kapitalismus
sowie die Globalisierung. Auch diese hätten zur Degradierung der
menschlichen Würde geführt mit der Folge von Drogen, Alkohol
und irrigen Vorstellungen des Glücks. Ebenso kritisierte Benedikt
abermals Empfängnisverhütung und Abtreibung. Diese bedrohten
die lebenswichtige Institution der Familie und damit die Zukunft der
Menschen in Lateinamerika.
Angesichts dieser Gefahren brauche die Region mehr gläubige
Katholiken in Führungspositionen der Politik sowie in den Medien
und Hochschulen, erklärte der Papst weiter. In einem Land mit so
vielen getauften Christen sei es erstaunlich, dass diese in den
gesellschaftlichen Schlüsselpositionen kaum vertreten seien. Hier
sei mehr Engagement erforderlich.
Benedikt rief die Bischöfe zur Verteidigung der führenden
Rolle der katholischen Kirche in der Region auf. Angesichts des
wachsenden Einflusses von protestantisch-evangelikalen
Religionsgemeinschaften in Lateinamerika, wo rund die Hälfte der
Katholiken auf der Welt lebt, forderte er von den Priestern
«wahrhaft missionarischen Eifer, um Glaube und Hoffnung zu
verbreiten». Den protestantisch-evangelikalen Freikirchen warf
der Papst eine aggressive Missionstätigkeit vor.
Bezeichneten sich 1980 noch 89 Prozent der Brasilianer als Katholiken,
so waren es 2000 nur noch 74 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs der
Anteil der Anhänger evangelikaler Gruppen von sieben auf 15
Prozent.
(Quelle: ap)
Eine Million demonstrieren in Izmir für säkulare Türkei
Mo.14.05.07 - Zehn Wochen vor den Neuwahlen in der Türkei haben am Sonntag eine
Million Menschen gegen die islamisch- konservative Regierung und
für eine Beibehaltung der Trennung von Staat und Religion
demonstriert.
Bei der Massenkundgebung in der ägäischen Hafenstadt Izmir
verwandelte die Menge die Uferstraßen über Kilometer in ein
Fahnenmeer aus roten Landesflaggen mit Stern und Halbmond. Auch von
Schiffen und Booten wurden Fahnen geschwenkt. Mit Musik und Liedern
erinnerte der Massenprotest an ein großes Volksfest.
Türkische TV-Sender schätzten die Zahl der Teilnehmer auf
eine Million oder mehr und sprachen von einem «historischen
Tag».
Nachdem am Vortag bei einem Bombenanschlag auf einen Wochenmarkt in
Izmir ein Mensch getötet und 14 weitere verletzt worden waren,
verlief die Kundgebung am Sonntag ohne Zwischenfälle. «Die
Türkei ist laizistisch (Laizismus: Bewegung, die sich für
Trennung von Staat und Religion einsetzt) und wird es bleiben»,
lautete eine der Parolen. Die Kundgebungstribüne wurde von einem
Porträt des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk
überragt. Nach vorangegangenen Massenprotesten in Ankara und
Istanbul war die Kundgebung in Izmir bereits die dritte
Großdemonstration von Gegner der islamisch geprägten
Regierung innerhalb eines Monats.
Der Protest hatte sich daran entzündet, dass die Regierungspartei
AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Außenminister
Abdullah Gül im Parlament zum Staatspräsidenten wählen
lassen wollte. Nach dem Scheitern der Wahl, zu der maßgeblich das
türkische Militär mit einer scharfen Warnung vor einer
Islamisierung des Staates beigetragen hatte, hatte das türkische
Parlament Neuwahlen für den 22. Juli beschlossen. Laut Umfragen
könnten Erdogan und seine regierende AKP von der Krise profitieren
und erneut als stärkste Kraft aus den vorgezogenen
Parlamentswahlen hervorgehen. Mit einer in der vergangenen Woche
verabschiedeten Verfassungsänderung will die Regierungspartei
zudem durchsetzen, dass der Staatspräsident künftig vom Volk
gewählt wird.
Durch die Explosion auf einem Wochenmarkt in Izmir waren am Samstag 15
Menschen durch herumfliegende Metallteile verletzt worden. Ein
41-jähriger Mann erlag später im Krankenhaus seinen schweren
Verletzungen. Der an einem Fahrrad befestigte Sprengsatz war
explodiert, als die Händler am Morgen gerade ihre Stände
aufgebaut hatten. Weil es noch früh war, waren kaum Besucher auf
dem Markt. Durch die Explosion waren Marktstände verwüstet
worden, Scheiben umliegender Häuser und geparkter Autos zu Bruch
gegangen.
(Quelle: dpa)
Serbischer Parlamentspräsident Nikolic tritt zurück
Mo.14.05.07 - Wenige Tage nach seiner Wahl zum Parlamentspräsidenten ist der
serbische Ultranationalist Tomislav Nikolic zurückgetreten und hat
damit nach monatelangem Ringen den Weg für eine Regierungsbildung
geebnet. "Ich trete vom Posten des Parlamentspräsidenten
zurück", sagte der Vorsitzende der Serbischen Radikalen Partei
(SRS) vor den Abgeordneten des Belgrader Parlaments. Nikolic kam damit
seiner Abwahl zuvor. Die Spitzen der demokratischen Parteien hatten
sich am Freitag auf die Bildung einer Regierung unter Ausschluss der
Ultranationalisten geeinigt. Am Sonntag hatten sie über einen
neuen Parlamentspräsidenten abstimmen wollen.
Die vor Monaten begonnenen Gespräche zur Regierungsbildung waren
zuletzt endgültig in die Sackgasse geraten. Daraufhin gaben am
vergangenen Dienstag einige Abgeordnete der gemäßigt
nationalistischen Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von
Ministerpräsident Vojislav Kostunica bei der Wahl zum
Parlamentspräsidenten Nikolic. Die Wahl des Ultranationalisten
löste im Westen Sorge vor einer Rückkehr Serbiens in die
Isolation aus.
Nikolic übte in seiner Rücktrittserklärung deutliche
Kritik am Westen: "Ich wurde vom serbischen Volk zum
Parlamentspräsidenten gewählt, während ihr Brüssel
und Washington um Hilfe bitten musstet, um mich abzusetzen", sagte er
zu seinen Gegnern im Parlament.
Die DSS will nun mit der pro-europäischen Demokratischen Partei
(DS) und dem neoliberalen Block G17 Plus eine Regierung unter
Ausschluss der SRS bilden. Das Parlament verschob seine
ursprünglich für Sonntag geplante Debatte über die
Regierungsbildung auf Montag.
(Quelle: afp)
Deutschland
Landtagswahl in Bremen - SPD mit schweren Verlusten dennoch Wahlsieger
- Spektakulärer Erfolg für Grüne und Linke
Mo.14.05.07 - Bei der Landtagswahl in Bremen sind die Parteien der großen
Koalition in Bund und Land am Sonntag abgestraft worden. Die SPD
erhielt aber trotz massiver Verluste einen neuerlichen
Regierungsauftrag.
Bei der einzigen Landtagswahl dieses Jahres in Deutschland erlitten
sowohl die SPD als auch die CDU deutliche Einbußen. Obwohl sie
bei den Sozialdemokraten mit minus 5,5 Prozentpunkten noch etwas
größer ausfielen als bei der Unionspartei, blieb die SPD
klar stärkste Partei. Sie stellt mit Jens Böhrnsen weiter den
Bürgermeister und hat jetzt die Wahl zwischen CDU und Grünen
als künftigem Regierungspartner. Die Grünen legten in Bremen
deutlich zu, die Linkspartei zog mit fast neun Prozent erstmals in ein
westdeutsches Landesparlament ein.
Die seit 1995 in der Hansestadt in einer großen Koalition mit der
CDU regierenden Sozialdemokraten sanken nach dem vorläufigen
amtlichen Endergebnis von 42,3 auf nur noch 36,8 Prozent. Das ist das
zweitschlechtestes Ergebnis der SPD im kleinsten Bundesland, reicht
aber dennoch zum Weiterregieren.
Böhrnsen, der vor zwei Jahren zum Nachfolger des langjährigen
Regierungschefs Henning Scherf gewählt wurde, kündigte an,
die SPD werde auch künftig den Senat führen. Die Linken
kämen als Koalitionspartner nicht in Frage. Aber in
Gesprächen mit den anderen Parteien werde die SPD in Ruhe
ausloten, in welcher Konstellation am besten sozialdemokratische
Politik durchgesetzt werden könne. Auch SPD-Chef Kurt Beck sagte,
er habe keine Präferenz für CDU oder Grüne.
Die Unionspartei kam auf 25,6 Prozent nach 29,8 Prozent vor vier
Jahren. Ihr Spitzenkandidat, der Bremer Innensenator Thomas
Röwekamp, warf der SPD vor, einen unklaren Kurs in der
Koalitionsfrage gefahren zu haben. Jetzt hoffe er, dass sie in den
kommenden Tagen «wieder zur Besinnung komme» und sich dazu
entschließe, die große Koalition fortzusetzen. Auch
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla forderte die Bremer SPD zur
Fortführung des Bündnisses auf und warnte vor einem
«Rückschritt in einer Koalition mit den Grünen».
Die Grünen selbst verbesserten sich deutlich von 12,8 auf 16,4
Prozent - ihr bisher bestes Landtagswahlergebnis in Deutschland
überhaupt. Spitzenkandidatin Karoline Linnert und die
Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth forderten die SPD
nachdrücklich zur Bildung einer rot-grünen Koalition im
Rathaus auf. In diesem Fall würde die große Koalition im
Bundesrat ihre Zwei-Drittel-Mehrheit verlieren.
Einen spektakulären Erfolg verbuchte auch die Linkspartei mit
ihrer gemeinsamen Liste aus ehemaliger PDS und WASG. Mit 8,4 Prozent
zog sie erstmals in die Bremer Bürgerschaft ein. Der aus der WASG
kommende Spitzenkandidat der Linkspartei, Peter Erlanson, sprach von
einem «historischen Sieg für die Linke». «Wir
haben auch einen Auftrag bekommen, und der heißt Unruhe»,
sagte er.
Auch die FDP kommt mit einem Zuwachs von 4,2 auf 5,9 Prozent zum ersten
Mal seit Jahren wieder in Fraktionsstärke in die Bremer
Bürgerschaft, in der sie zuletzt nur noch mit einem in Bremerhaven
gewählten Abgeordneten vertreten war.
Die rechtsextremistische DVU konnte mit 2,7 Prozent nur minimal zulegen
und behält ihrerseits den einen Sitz aus Bremerhaven, wo sie auf
5,4 Prozent kam. Bei der Landtagswahl in Bremen gelten getrennte
Fünf-Prozent-Hürden für die Städte Bremen und
Bremerhaven. Dort fehlte der aus der Schill-Partei hervorgegangenen
rechte Liste «Bürger in Wut» nur eine Stimme, um
ebenfalls in den Landtag einzuziehen.
In der neuen Bürgerschaft ergibt sich damit folgende
Sitzverteilung: SPD 33, CDU 23, Grüne 14, Linkspartei 7, FDP 5,
DVU 1. Die Wahlbeteiligung sank am Sonntag auf ein Rekordtief von nur
noch 57,5 Prozent nach 61,3 Prozent vor vier Jahren.
(Quelle: ap)
Volksparteien verlieren laut Experten weiter an Bedeutung
Mo.14.05.07 - Die beiden Volksparteien sind nach Ansicht von Politik-Experten die
großen Verlierer der Bremer Landtagswahl. «Der
Erosionsprozess der Volksparteien geht weiter», sagte Forsa-Chef
Manfred Güllner am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Das Ergebnis
sei ein Zeichen für den weiteren Vertrauensverlust bei den
Bürgern. Es sei zu einer Ausfransung des Parteiensystems gekommen.
Sowohl die SPD als auch die CDU hatten in dem Stadtstaat deutliche
Verluste erlitten.
Die Signale deuten nach Ansicht vieler Forscher derzeit eher auf eine
rot-grüne Koalition als auf die Fortsetzung des bisherigen
Regierungsbündnisses hin. Die Bundespolitik hatte demnach kaum
Einfluss auf die kommunal geprägte Wahl zur Bremer
Bürgerschaft.
Die große Koalition in dem Stadtstaat ist aus Expertensicht aber
der klare Verlierer der Landtagswahl. «In der auf die Mitte
ausgerichteten Politik waren zuletzt keine Konfliktlinien mehr
erkennbar», sagte der Berliner Politikwissenschaftler Richard
Stöss. Die Koalition aus SPD und CDU habe einfach nicht mehr
dieses positive Image gehabt. Dies hätten die kleineren Parteien
für sich genutzt. Der Ausgang der Wahl sei nicht verwunderlich. In
dem starken Ergebnis der Grünen sieht Stöss Signale für
eine künftige rot-grüne Koalition im kleinsten Bundesland.
Der Experte der Freien Universität in Berlin sieht mit dem Einzug
der Linkspartei in die Bürgerschaft einen Durchbruch für die
Partei. «Dies könnte die Tür für weitere
Landesparlamente in Westdeutschland geöffnet haben», betonte
Stöss. Das Ergebnis werde voraussichtlich eine Sogwirkung
entfalten: «Die Linkspartei wird diesen Erfolg jetzt für
sich nutzen.» Sie habe in Bremen den Nachweis erbracht, auch im
Westen Fuß fassen zu können, betonte auch der Bremer
Politologe Lothar Probst. Dies sei mehr als nur ein Achtungserfolg. Die
Partei könnte ihr Ergebnis als Türöffner nutzen.
Die Bundespolitik hat aus Sicht Güllners für Bremen keine so
große Rolle gespielt. Die Wahl zur Bürgerschaft in dem
Bundesland sei eher kommunal geprägt gewesen. Nach ersten
Berechnungen habe vor allem die SPD unter der vergleichsweise geringen
Wahlbeteiligung gelitten, sagte er.
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte
ist das Ergebnis «typisch für Wahlen im Windschatten einer
großen Koalition». Es seien Lähmungserscheinungen
entstanden, die die kleinen Parteien für sich genutzt hätten,
sagte der Experte, der an der Universität Duisburg-Essen lehrt.
Der Erfolg der Grünen ist aus Sicht Kortes dadurch zu
erklären, dass sich die Partei in Bremen als bürgerliche
Alternative präsentiert hat und nicht als fundamentale Opposition.
Die geringe Wahlbeteiligung von etwa 58 Prozent ist aus Sicht von
Stöss nicht verwunderlich. «Die großen Partei konnten
ihre Wähler nicht richtig mobilisieren», sagte er. Dies habe
eben auch daran gelegen, dass der großen Wechsel nicht erkennbar
gewesen sei.
(Quelle: ap)
Koalitionsexperten wollen höhere Steuern auf ungesunde Lebensmittel
Mo.14.05.07 - Ungesunde Lebensmittel wie Schokolade und Chips sollen nach Plänen
von Politikern der großen Koalition höher besteuert werden.
In ihrem Kampf gegen Übergewicht wollen die Fachpolitiker die
Mehrwertsteuer auf Fettes und Süßes von 7 auf 19 Prozent
erhöhen, wie die «Bild am Sonntag» berichtete. Bislang
gilt für die meisten Nahrungsmittel der ermäßigte Satz.
Derweil sprachen sich Ärzteverbände dafür aus, die
früher üblichen Pflichtuntersuchungen in der Schule wieder
einzuführen, um Fettleibigkeit bei Kindern möglichst früh
zu bekämpfen.
Die ernährungspolitische Sprecherin der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ursula Heinen, sagte dem Blatt: «Dass
auf Naschzeug nur sieben Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, ist
nicht nachvollziehbar.» Die Liste der unterschiedlichen
Steuersätze auf Lebensmittel müsse dringend komplett
überarbeitet werden. Ähnlich äußerte sich auch
SPD-Gesundheitsexpertin Elvira Drobinski-Weiß: «Ein
ungesundes Essverhalten sollte auch finanziell unattraktiver gestaltet
werden. Deswegen sollte für Knabberzeug und Süßigkeiten
die volle Mehrwertsteuer gelten.»
Die Pläne stoßen auch in der FDP-Opposition auf Zustimmung.
«Es gibt keinen Grund, warum für Trüffel und
Gänsestopfleber die Steuerermäßigung gilt, und für
Mineralwasser nicht», zitiert das Blatt den
ernährungspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael
Goldmann.
Der Kampf gegen Fettleibigkeit muss nach Ansicht von
Ärzteverbänden schon in der Schule beginnen: Sie wollen eine
Rückkehr zu den früher üblichen flächendeckenden
Pflichtuntersuchungen. Der Präsident der Bundesärztekammer,
Jörg-Dietrich Hoppe, kündigte vor Beginn des Deutschen
Ärztetages am kommenden Dienstag in der «Rheinischen
Post» eine entsprechende Forderung an die Politik an.
Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sprach sich
für eine Wiedereinführung aus. «Kinder mit
Übergewicht könnten so früher identifiziert und behandelt
werden. Und zwar bevor es zu ernsten Gesundheitsproblemen kommt»,
sagte Verbandspräsident Andreas Köhler der «BamS».
Zudem hätten immer mehr Kinder psychische Störungen,
erklärte Hoppe mit Blick auf eine Studie, die auf dem Ärztetag
vorgestellt werden soll. Danach leiden immer mehr Kinder an
Wahrnehmungs- oder Konzentrationsstörungen oder versinken in
Träumer-Zustände. Während ihrer Schulzeit sollten Kinder
seiner Ansicht nach drei Mal, Gymnasiasten vier Mal untersucht werden.
Mit Blick auf den Sport an den Schulen schlug FDP-Generalsekretär
Dirk Niebel vor, Trendsportarten wie Beach-Volleyball oder
Inline-Skating in das Programm der Bundesjugendspiele aufzunehmen. Die
Bundesjugendspiele müssten mehr die Freude und weniger die
Punktetabellen in den Mittelpunkt stellen, sagte Niebel der
«BamS». Er kenne niemanden, «der durch die
Bundesjugendspiele seine Liebe zum Schlagballwerfen entdeckt hat».
Am vergangenen Mittwoch hatte die Bundesregierung den Aktionsplan
«Fit statt fett» vorgestellt. Mit dem Fünf-Punkte-Plan
will die Regierung die Ernährung und das Bewegungsverhalten der
Deutschen bis 2020 nachhaltig verbessern und vor allem den Trend zum
Übergewicht bei Kindern stoppen.
(Quelle: ap)
Ärztepräsident: Immer mehr Kinder haben psychische
Störungen
Mo.14.05.07 - Der Gesundheitszustand der Kinder in Deutschland wird offenbar immer
schlechter. "Immer mehr Kinder haben psychische Störungen", sagte
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe der "Rheinischen
Post". Zu diesem Ergebnis komme eine Studie, die auf dem am Dienstag
beginnenden Ärztetag vorgestellt wird. Auch Jugendliche stehen
offenbar unter einem zunehmenden Druck und reagieren darauf dem
Jugendforscher Klaus Hurlemann zufolge mit Alkohol- und Drogenexzessen
sowie steigender Gewalt.
Laut Hoppe leiden immer mehr Kinder an Wahrnehmungs- oder
Konzentrationsstörungen oder versinken in
Träumer-Zuständen. "Der Ärztetag wird die Politik
auffordern, wieder verpflichtende ärztliche Untersuchungen in der
Schule einzuführen", kündigte Hoppe an. Ähnliches habe es
früher schon einmal gegeben. Kinder sollten während ihrer
Schulzeit drei bis vier Mal auch auf ihrer Reife untersucht werden,
sagte der Ärztepräsident.
Jugendforscher Hurlemann zufolge kommen inzwischen etwa zehn bis 15
Prozent der Jugendlichen, darunter vor allem junge Männer, mit den
Anforderungen in der Schule, in der Familie und in gleichaltrigen
Gruppen nicht zurecht. "Diese Gruppe wird leider immer
größer", erklärte der Leiter der "Shell -Jugendstudie
2006" im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse". Bei den
Jugendlichen entsteht laut Hurlemann durch die Überforderung ein
Gefühl der "Ohnmacht". Sie suchten dann über Aggressionen und
Gewalt nach dem Kick, der ihnen sonst im Leben fehlt", erklärte der
Sozialwissenschaftler der Universität Bielefeld.
(Quelle: afp)
Schulen mit vielen Ausländerkindern sollen mehr Lehrer erhalten
Mo.14.05.07 - Schulen mit vielen Ausländerkindern sollen künftig mehr
Lehrer erhalten. Für solchen Schulen sollten auch mehr
Pädagogen rekrutiert werden, die selbst Einwanderer sind,
berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf ein
Papier der Integrationspolitiker der Länder. Außerdem
einigten sich die Politiker auf frühe Sprachtests in
Kindergärten und die Förderung der Herkunftssprache an
Schulen. Außerdem sollten erwachsene Einwanderer künftig
besser bei Existenzgründungen beraten werden und die Altenpflege
besser auf die Bedürfnisse von Migranten abgestimmt werden.
Die Länder-Politiker seien solche Selbstverpflichtungen unter
Leitung von Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet
(CDU) und Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD)
eingegangen. Die Selbstverpflichtungen sollen im Juni von den
Ministerpräsidenten genehmigt werden. Sie sollen schließlich
der Beitrag der Ländern zum von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
für Juli geplanten Integrationsgipfel werden.
(Quelle: afp)
Theaterintendant Claus Peymann: Bundespräsident Köhler hat
sich bei Gnadenentscheid beeinflussen lassen
Mo.14.05.07 - Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, hat sich
enttäuscht über das gescheiterte Gnadengesuch des
Ex-RAF-Terroristen Christien Klar gezeigt. Bundespräsident Horst
Köhler habe wahrscheinlich keine wirklich freie Entscheidung
treffen können, weil er unter dem «wahnsinnigen Druck»
einer teils absurden öffentlichen Diskussion gestanden habe, sagte
Peymann dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Zugleich
widersprach er der Darstellung, Klar habe keine Reue gezeigt.
Er kenne Briefe an den Bundespräsidenten und an ihn selbst, in
denen Klar all das bekenne, was in den vergangenen Wochen
öffentlich eingefordert worden sei. «Da bereut er, da
versteht er den Schmerz der Angehörigen, da sind die Scham und die
Reue zu finden, die alle verlangten, das ist alles da drin»,
unterstrich Peymann. Klar wolle nur «kein Heuchler sein, er will
keinen öffentlichen Kniefall vollführen». Köhler
wisse das genau.
Der Intendant hatte sich wiederholt für eine Begnadigung Klars
ausgesprochen und dem Ex-Terroristen ein Praktikum in seinem Theater
angeboten. Köhler hatte eine Begnadigung Klars, der wegen
Beteiligung an zahlreichen Morden und Mordversuchen eine mehrfach
lebenslängliche Haftstrafe verbüßt, in der vergangenen
Woche ohne Angabe von Gründen abgelehnt.
(Quelle: ddp)