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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bei Anschlägen dänische und US-Soldaten getötet.
Islamstaat im Irak warnt USA vor Suche nach entführten Soldaten.
US-Soldat gewinnt Preis für Irak-Tagebuch im Internet
Di.15.05.07 - Bei Anschlägen im Irak sind am Montag ein dänischer Soldat
und vier US-Soldaten getötet worden. Zwei von ihnen wurden auf
einem Patrouillengang bei Bagdad erschossen, die beiden anderen
US-Soldaten kamen nach amerikanischen Angaben bei Bombenexplosion in
der irakischen Hauptstadt ums Leben.
Nahe Basra wurde ein Sprengsatz gezündet, als eine dänische
Militärkolonne vorbeifuhr, wie die Streitkräfte in Kopenhagen
mitteilten. Ein Soldat wurde getötet.
Bei der Suche nach drei offenbar verschleppten US-Soldaten erschossen
amerikanische und irakische Truppen südlich von Bagdad zwei
mutmaßliche sunnitische Aufständische. Vier weitere Rebellen
wurden bei dem Feuergefecht in der Nähe der Ortschaft Jussifija
verletzt, wie ein irakischer Offizier mitteilte.
Die zu Al Kaida gehörende Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak
hat nach eigenen Angaben die drei vermissten US-Soldaten nach einem
Überfall am Samstag bei Mahmudija in ihre Gewalt gebracht. Am
Montag warnte die Gruppe die USA, die Suche nach ihnen fortzusetzen.
An der Suche beteiligen sich nach US-Angaben rund 4.000 amerikanische
Soldaten, die irakischen Truppen und Flugzeugen aus der Luft
unterstützt werden. Die bei Mahmudija gelegene Ortschaft Jussifija
wurde am Sonntag von Soldaten eingekesselt. Die Bewohner wurden
über Lautsprecher aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben.
Anschließend durchsuchten die Truppen jedes einzelne Gebäude.
Bei der Explosion einer Autobombe wurden in dem vorwiegend von Schiiten
bewohnten Bagdader Stadtteil Karrada drei Menschen getötet und
zwei verletzt. Bei mehreren anderen Anschlägen und Angriffen in
verschiedenen Landesteilen wurden mindestens acht weitere Menschen
getötet, darunter mehrere Polizisten.
Für die ergreifende Schilderung seines Einsatzes im Irak ist der
US-Soldat Colby Buzzell am Montag mit dem diesjährigen Lulu
Blooker Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wird für Bücher
verliehen, die auf Internettagebüchern basieren. Buzzels Buch "My
War: Killing Time in Iraq" ("Mein Krieg: Zeit des Tötens im Irak")
besteht aus den Blog-Einträgen, die er 2004 während seines
Irak-Einsatzes acht Wochen lang veröffentlichte. Darin schilderte
er unverblümt, detailreich und mit vielen Schreibfehlern den
militärischen Alltag der Truppen, wie er in den offiziellen
Verlautbarungen der US-Armee niemals vorkommt. Die Organisatoren der
Preisverleihung verglichen seinen Stil mit dem des inzwischen
verstorbenen, legendären Journalisten und Autors Hunter S.
Thompson.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 15.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.15.05.06 - Mehr als 30 Tote bei neuer Welle der Gewalt +++ Zwei britische Soldaten
bei Anschlag in der Nähe von Basra getötet +++ Ringen um
Regierungsbildung geht weiter +++ Mütter demonstrieren vor Weißem
Haus für Frieden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605150.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Generalstreik nach blutigen Unruhen in Karachi
Di.15.05.07 - Mit einem Generalstreik haben die Pakistaner am Montag gegen die
blutigen Unruhen in der Hafenstadt Karachi protestiert. Der Streik legte
das öffentliche Leben in Karachi und anderen
Großstädten ganz oder teilweise lahm. Die Unruhen der
vergangenen Tage haben mindestens 41 Menschen das Leben gekostet.
Regierung und Opposition machten sich gegenseitig für die
schwersten politischen Ausschreitungen seit Jahren verantwortlich.
Die seit Wochen andauernden Proteste wurden durch die Absetzung des
Obersten Richters Iftikhar Mohammed Chaudhry Anfang März
ausgelöst. Die Regierung wirft dem Richter Amtsmissbrauch vor,
seine Anhänger betrachten die Absetzung dagegen als politisch
motiviert. Präsident Pervez Musharraf rief die Bevölkerung zur
Ruhe auf. Die Verhängung des Ausnahmezustands lehnte er ab.
Unterdessen wurde am Montag ein hoher Beamter des Obersten Gericht in
seinem Haus in der Hauptstadt Islamabad getötet. Über die
Hintergründe der Bluttat war zunächst nichts bekannt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Arabische Liga kritisiert EU-Nahostpolitik. Waffenruhe zwischen Hamas
und Fatah hält nicht - Erneut blutige Kämpfe
Di.15.05.07 - Die Arabische Liga hat die Politik der EU gegenüber der
palästinensischen Einheitsregierung als «unfair und
ungerechtfertigt» kritisiert. Die Europäische Union
dürfe den Kontakt zu Ministern der radikalislamischen Hamas nicht
länger verweigern, erklärte der Generalsekretär der
Arabischen Liga, Amr Mussa, am Montag nach einem Treffen mit den
EU-Außenministern in Brüssel.
Zur Begründung verwies Mussa auf die Koalitionsvereinbarung
zwischen der Hamas und der gemäßigteren Fatah-Bewegung.
«Dies ist eine Regierung der nationalen Einheit, mit einem
Programm für Verhandlungen und dem Ziel, Frieden zu
erreichen», sagte Mussa. «Es ist jetzt an der Zeit, die
Einschränkungen aufzuheben».
Die EU hat bislang nur zu einzelnen Mitgliedern der
palästinensischen Regierung Kontakt aufgenommen, die entweder der
Fatah angehören oder unabhängig sind. Der unabhängige
palästinensische Außenminister Siad Abu Amr nahm am Montag
an dem Treffen in Brüssel teil.
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner rief die Mitglieder
der Arabischen Liga zu finanzieller Unterstützung für die
Palästinenser auf. Es gebe «ermutigende Signale» der
Koalition aus Hamas und Fatah, sagte Ferrero-Waldner. Diese
Entwicklungen müssten honoriert werden. Sie forderte zudem Israel
erneut auf, die eingefrorenen Steuergelder der Palästinenser
freizugeben.
Nach Angaben der EU-Außenkommissarin könnten die
Finanzhilfen der Union künftig an das palästinensische
Finanzministerium fließen. Gegenwärtig erhält die
palästinensische Regierung von der EU gar kein Geld, Zahlungen an
bedürftige Familien, Krankenhäuser und andere Einrichtungen
werden über Hilfsorganisationen wie die Weltbank in die
Palästinensergebiete geschickt.
Finanzminister Salam Fajjad wird von der EU jedoch als Partner
akzeptiert, weil er nicht der Hamas angehört und sich zum
Existenzrecht Israels bekennt. Ferrero-Waldner erklärte, sie wolle
den EU-Außenministern bei deren nächsten Sitzung im Juni die
Einrichtung eines neuen Fonds unter Aufsicht von Fajjad vorschlagen.
Der palästinensische Innenminister Hani al-Kawasmi ist am Montag
wegen eines neuen Ausbruchs der Gewalt im Gazastreifen
zurückgetreten. Das Büro des Ministerpräsidenten Ismail
Hanija (Hamas) teilte in Gaza mit, der Regierungschef habe den
Rücktritt des nicht fraktionsgebundenen Kawasmi akzeptiert.
Zuvor waren nach Monaten der relativen Ruhe bei neuer
innerpalästinensischer Gewalt sieben Menschen binnen 24 Stunden
getötet worden. Kawasmi hatte angesichts der unsicheren Lage im
Gazastreifen und mangelnder Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden
bereits mehrfach mit Rücktritt gedroht.
Mitglieder der radikal-islamischen Hamas erschossen am Montag in Gaza
einen Leibwächter der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sowie einen Passanten. Bei
dem Zwischenfall wurden sechs weitere Menschen verletzt.
Hamas-Aktivisten hätten das Haus eines Fatah-Sprechers angegriffen
und das Feuer eröffnet, meldete der palästinensische Rundfunk.
Bereits am Sonntag waren bei Zusammenstößen zwischen Fatah
und der radikal-islamischen Hamas vier Menschen getötet worden.
Zudem kam bei gewaltsamen Konfrontationen zwischen zwei verfeindeten
Familien ein Jugendlicher ums Leben.
In der Nacht zum Montag bemühten sich die rivalisierenden Gruppen
vergeblich um eine Beruhigung der Lage und verständigten sich auf
eine Waffenruhe. Es waren die blutigsten Zusammenstöße seit
Bildung der Einheitsregierung aus Fatah und Hamas im März. Seitdem
war es nur noch sporadisch zu Scharmützeln gekommen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Mehr als 50 Tote bei Überfall im Südsudan
Di.15.05.07 - Bewaffnete haben Medienberichten zufolge bei einem Überfall auf
ein Dorf im Südsudan mindestens 54 Menschen getötet, die
meisten davon Frauen und Kinder. Die englischsprachigen Zeitungen
«Khartoum Monitor» und «Sudan Tribune»
berichteten am Montag, schwer bewaffnete Stammeskämpfer
hätten nahe der Grenze zu Kenia 49 Frauen und Kinder sowie
fünf Männer getötet und zahlreiche weitere verletzt.
Laut «Sudan Tribune» ereignete sich die Bluttat am 4. Mai.
Erst 2004 beendete ein Friedensabkommen im Südsudan einen zwei
Jahrzehnte dauernden Konflikt, der mehr als zwei Millionen Menschen das
Leben gekostet.
(Quelle: ap)
Gewalt nach Wahl auf den Philippinen geht weiter
Di.15.05.07 - Auch nach Abschluss der Wahl auf den Philippinen geht die Gewalt in dem
Inselstaat weiter. Bei der Stimmenauszählung kamen am heute Morgen
zwei weitere Menschen ums Leben. Laut Polizei handelte es sich um
Lehrer, deren Schule in Brand gesteckt wurde, weil dort Wahlurnen
deponiert waren. Während der Wahl vom Montag kam es wiederholt zu
Unruhen, denen mindestens acht Menschen zum Opfer fielen. Gleichwohl
bezeichnete der nationale Polizeichef die Abstimmung als relativ
friedlich.
Da die Stimmen per Hand ausgezählt werden, wird mit ersten
offiziellen Ergebnissen erst in einigen Tagen gerechnet. Zu bestimmen
waren zwölf der insgesamt 24 Senatoren, alle 236 Abgeordneten der
ersten Parlamentskammer sowie fast 17.500 Gouverneure,
Bürgermeister und Kommunalvertreter. Es gab mehrere Beschwerden
wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Insgesamt kamen bei
Unruhen während des Wahlkampfs seit Januar mehr als 120 Menschen
ums Leben.
(Quelle: ap)
Offene Krise zwischen EU und Russland
Di.15.05.07 - Der EU-Russland-Gipfel am Freitag droht ein Debakel zu werden:
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier räumte am
Montagabend ein, dass die EU bei dem Spitzentreffen im russischen
Samara ihre wichtigsten Ziele wohl nicht erreichen wird.
Voraussichtlich könnten dort weder die Verhandlungen über ein
neues Partnerschaftsabkommen eröffnet noch ein jahrzehntelanger
Streit um Überflugrechte beigelegt werden, sagte Steinmeier nach
Beratungen der EU-Außenminister in Brüssel.
Der deutsche Ressortchef und EU-Ratsvorsitzende will heute zu
Krisengesprächen nach Moskau reisen. Er werde
«Gespräche mit dem russischen Außenminister und sehr
wahrscheinlich auch mit dem Präsidenten» Wladimir Putin
führen, sagte Steinmeier in seiner Abschlusspressekonferenz.
Zugleich machte der SPD-Politiker jedoch deutlich, dass er keine
großen Erwartungen in diese Gespräche setzt: «Ich kann
ihnen nicht sagen, ob es in einzelnen Fragen Fortschritte geben wird,
aber auch wenn man es nicht weiß, darf man den Versuch dennoch
nicht unterlassen.»
Der Gipfel in Samara, wo die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als
amtierende EU-Ratspräsidentin mit Putin zusammentreffen wird,
bleibe trotz aller Probleme wichtig, betonte Steinmeier. «Wir
werden hoffentlich zu Verabredungen kommen, die auch aus der
Perspektive der EU wichtig sind. Das sind Fragen des Klimaschutzes, der
Energieversorgung und Fragen der Zusammenarbeit im Bereich Bildung und
Forschung», sagte der Außenminister.
Mit einem neuen EU-Russland-Abkommen könnten allerdings die
Zusammenarbeit in allen diesen Bereichen auf eine neue und dauerhafte
Basis gestellt werden. Steinmeier machte keinen Hehl daraus, dass er
sich die Eröffnung von Verhandlungen sehr gewünscht
hätte. Die polnische Regierung hielt am Montag jedoch an ihrem
Veto gegen die Aufnahme der Verhandlungen fest. Hintergrund ist ein
russisches Einfuhrverbot für Landwirtschaftsprodukte aus Polen.
Die polnische Außenministerin Anna Fotyga sprach sich in
Brüssel zudem dafür aus, vor Verhandlungen über ein
neues Partnerschafts- und Kooperationsabkommens von Russland Garantien
zur Sicherheit der europäischen Energieversorgung zu verlangen.
Steinmeier äußerte Verständnis für die polnischen
Sorgen, warnte aber, die EU werde «diese Sicherheit in
Energiefragen nicht durch einseitige europäische Resolutionen
erreichen». Vielmehr sei gerade auch dafür eine dauerhafte
Partnerschaft mit Moskau erforderlich.
Steinmeier zeigte sich schon erleichtert darüber, dass bei dem
Treffen mit seinen EU-Kollegen «niemand mit dem Vorschlag
aufgewartet ist, den Gipfel abzusagen». Unbestätigten
Berichten zufolge soll Estland Anfang vergangener Woche eine
Verschiebung des Gipfels gefordert haben. Zwischen Estland und Russland
gab es in den vergangenen Wochen heftigen Streit über die
Umsetzung eines sowjetischen Weltkriegsdenkmals in Tallinn.
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, sie hoffe trotz aller
Probleme auf einen Erfolg des EU-Russland-Gipfels. «Ich hoffe,
dass wenigstens der Gipfel doch deutlich macht, dass wir an einer engen
strategischen Partnerschaft mit Russland interessiert sind»,
sagte sie in Berlin.
Russland sei ein Nachbar der EU und ein Energielieferant. «Und
bei allen offenen Worten auch zu Themen wie Menschenrechte, wie
Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger, ist es wichtig, eine
strategische Partnerschaft mit Russland zu haben», betonte Merkel.
(Quelle: ap)
Großbritannien: Brown will in der Außenpolitik den
Leitlinien Blairs folgen
Di.15.05.07 - Der Kandidat für die Nachfolge von Tony Blair im Amt des
britischen Premierministers, Gordon Brown, setzt in der
Außenpolitik auf Kontinuität. Als Regierungschef wolle er die
Politik Blairs fortsetzen, in der Großbritannien als Brücke
zwischen Europa und den USA agiere, sagte Brown bei einem Treffen der
Labourpartei. Zu den USA werde es immer eine "starke und besondere
Beziehung" geben, da beide Staaten die gleichen freiheitlichen Werte
teilten, sagte der Finanzminister. "Und ebenso wird es eine starke
Beziehung zwischen jeder britischen Regierung und der EU geben."
Mit Blick auf die in Großbritannien heftig umstrittene
Irak-Politik Blairs sagte Brown, es wäre "falsch", die 7100 im Irak
stationierten britischen Soldaten sofort abzuziehen. "Im Moment wollen
uns das irakische Volk und die irakische Regierung dort haben", sagte
Brown, der demnächst die Truppen im Irak besuchen will. Blair wird
sein Amt nach zehn Jahren am 27. Juni niederlegen.
(Quelle: afp)
Daimler verkauft Chrysler an US-Investor Cerberus
Di.15.05.07 - Neun Jahre nach der Fusion hat sich Daimler wieder von Chrysler
getrennt: Der US-Finanzinvestor Cerberus übernimmt die
angeschlagene US-Tochter für 5,5 Milliarden Euro. Wenn die
Aktionäre dem auf einer außerordentlichen Hauptversammlung
im Herbst zustimmen, soll der schwäbische Autobauer dann nur noch
Daimler heißen. Daimler muss die defizitäre US-Tochter
komplett schuldenfrei übergeben. Unter dem Strich dürfte bei
dem Geschäft deshalb ein Verlust stehen. Der ehemalige
Daimler-Chef Jürgen Schrempp hatte 1997 rund 36 Milliarden Dollar
für Chrysler bezahlt.
Der Konzern biete nicht den optimalen Rahmen, um Chrysler wieder fit zu
machen", sagte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, der einst selbst
Chrysler-Chef war. Der Verkauf von Chrysler sei ihm daher
"persönlich nicht leicht gefallen". Die Möglichkeiten der
Zusammenarbeit und das Einsparpotenzial seien aber begrenzt und
ausgeschöpft, räumte er ein. Die gemeinsamen Projekte, wie
die Entwicklung alternativer Antriebe, sollen jedoch fortgesetzt werden.
Cerberus will gut 80 Prozent der angeschlagenen US-Sparte kaufen,
DaimlerChrysler behält den Rest. Von dem Kaufpreis von 5,5
Milliarden Euro fließen 4,5 Milliarden Euro in eine neue
Tochter-Gesellschaft von Cerberus, die Chryslers Auto- und
Finanzdienstleistungsgeschäft betreiben soll. Die zuletzt oft
drückenden Verpflichtungen für Pensionen und
Gesundheitsleistungen der Mitarbeiter in den USA bleiben bei Chrysler.
Die verbleibende Milliarde erhalten die Stuttgarter. Der Verkauf wird
in der Bilanz von DaimlerChrysler einen Verlust von drei bis vier
Milliarden Euro hinterlassen.
Die mächtige US-Autogewerkschaft UAW und der Gesamtbetriebsrat
begrüßten den Deal. "Der Verkauf an Cerberus wird den
Interessen unserer Mitglieder, der Chrysler Group und von Daimler am
besten gerecht", erklärte UAW-Chef Ron Gettelfinger. "Wir denken,
dass die Belegschaften auf beiden Seiten des Atlantiks in eine
gesicherte Zukunft gehen können", erklärte Betriebsratschef
Erich Klemm. Die Vereinigung Kritische Aktionäre DaimlerChrysler
widersprach. "Der Verkauf an die Heuschrecke Cerberus wäre ein
Schlag ins Gesicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", zürnte
Sprecherin Beate Winkler-Pedernera. Sie fürchte weitere
Entlassungen und Werksschließungen.
Die DaimlerChrysler-Aktie schoss nach Bekanntgabe der Trennung an der
Frankfurter Börse bis zu 7,8 Prozent nach oben.
(Quelle: afp)
Post spart bis zu 1000 Stellen
Di.15.05.07 - Mit der Zusammenlegung ihrer Paket- und Briefsparte spart die Post 800
bis 1000 Arbeitsplätze ein. Ein Post-Sprecher in Bonn
bestätigte einen entsprechenden Bericht des
«Handelsblatts» (Dienstagsausgabe).
Von den Stellenstreichungen seien Mitarbeiter im Verwaltungsbereich
betroffen. Der Abbau erfolge sozialverträglich, etwa durch
Jobangebote im Konzern. Subunternehmer der Post-Tochter DHL erhalten
nach ebenfalls bestätigten Informationen des Blatts künftig
bis zu 20 Prozent weniger für die Auslieferung von Paketen und
Päckchen.
Betroffen sind nach Branchenschätzungen knapp 100 Subunternehmen
in den 880 Zustellbezirken, in denen die Post Dritte für die
Auslieferung einsetzt. Die Einsparmaßnahmen seien gemeinsam mit
den Partnern geprüft und vereinbart worden.
(Quelle: dpa)
Post-Beschäftigte protestieren gegen Ende des Briefmonopols
Di.15.05.07 - Mehr als 20.000 Post-Beschäftigte aus ganz Deutschland
demonstrierten in Berlin gegen das Auslaufen des Briefmonopols zum
Jahresende. Die Gewerkschaft Verdi hat zu dem Protest aufgerufen, weil
Deutschland seinen Postmarkt schon 2008 und damit früher als
andere EU-Länder öffnen will. Die Gewerkschaft
befürchtet, dass bei der Post dadurch 32.000 Arbeitsplätze
verloren gehen könnten und dass bei Post-Konkurrenten schlecht
bezahltere Jobs entstehen könnten.
(Quelle: afp)
Keine Einigung über gesetzlichen Mindestlohn - Koalition will
Geringverdiener von Sozialabgaben befreien
Di.15.05.07 - Die Einführung eines Mindestlohnes bleibt weiter Streitthema in
der großen Koalition. Die Spitzen von Union und SPD konnten sich
am Montagabend erwartungsgemäß nicht auf einen Kompromiss
verständigen. Beide Seiten hätten lediglich ihre
«grundsätzlich unterschiedlichen Positionen» nochmals
ausgetauscht, sagte SPD-Chef Kurt Beck nach dem fünfstündigen
Treffen.
Die SPD will an der Einführung einer gesetzlichen Lohnuntergrenze
festhalten. Die Union ist strikt dagegen und befürchtet den
Wegfall von Arbeitsplätzen.
Als Zwischenschritt bezeichneten beide Seiten eine Ausweitung des
Arbeitnehmer-Entsendegesetzes, das bislang hauptsächlich für
das Baugewerbe und die Reinigungsbranche gilt. CSU-Chef Edmund Stoiber
sagte, dass allen Branchen vorgeschlagen werden solle, bis zum 31.
März 2008 zu entscheiden, ob sie in das Entsendegesetz aufgenommen
werden wollen. Mit diesem Kompromissvorschlag gehe die Union über
die Vereinbarungen des Koalitionsvertrages hinaus, sagte er.
Keine Einigkeit besteht allerdings darüber, ob die Erklärung
der Allgemeinverbindlichkeit über den Weg einer Rechtsverordnung
oder im Tarifausschuss geregelt werden solle. Stoiber deutete
Kompromissmöglichkeiten an, die noch beraten werden müssten.
Am 19. Juni wollen sich die Spitzen von Union und SPD wieder im
Koalitionsausschuss treffen.
Erleichterungen soll es für Arbeitnehmer geben, die mit einem
Vollzeit-Job unter Hartz-IV-Niveau liegen: Wer zwischen 800 und 1.300
Euro brutto verdient, soll künftig von Sozialbeiträgen
befreit werden. Diese Aufstocker sollten nicht mehr darauf angewiesen
sein, ihr Einkommen durch Arbeitslosengeld II erhöhen zu
müssen, erläuterte Beck. «Da gibt es eine
Grundübereinstimmung, die jetzt in eine gesetzliche Regelung
gegossen werden soll.» In Deutschland sind davon rund 500.000
Menschen betroffen.
Grundsätzliche Einigkeit erzielten die Koalitionsspitzen auch
über ein Verbot von sittenwidrigen Löhnen. Das betrifft
Löhne, die ein Drittel oder ein Viertel unter der
ortsüblichen Entlohnung liege. Allerdings solle dies keine
Untergrenze für die Entlohnung von Arbeitnehmern sein, sagte Beck.
Das sei für die SPD inakzeptabel.
(Quelle: ap)
Rechtsanspruch auf Krippenplatz ab 2013
Di.15.05.07 - Die große Koalition will 2013 einen Rechtsanspruch auf
Krippenbetreuung für Kleinkinder einführen. Darauf haben sich
die Spitzen von Union und SPD am Montagabend im Kanzleramt
verständigt. Keine Einigung erzielten sie dagegen im Streit
über die Einführung gesetzlicher Mindestlöhne. Am 19.
Juni will der Koalitionsausschuss seine Beratungen fortsetzen.
Mit dem Kompromiss im Krippenstreit rückte die SPD von ihrer
Forderung ab, den Rechtsanspruch bereits für das Jahr 2010
festzuschreiben. Die Union hatte einen solchen Schritt zunächst
generell abgelehnt. Die Einigung läuft darauf hinaus, dass ein
Krippenplatz erst dann einklagbar wird, wenn für rund 35 Prozent
der Kinder unter drei Jahren ein Betreuungsangebot bereit steht.
SPD-Chef Kurt Beck sprach nach dem fünfstündigen Treffen von
einem «Durchbruch», der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber von
einem «guten Kompromiss». Der Koalitionsausschuss
bestätigte, dass das Betreuungsangebot für Kinder zwischen
einem und drei Jahren bis 2013 auf 750.000 Plätze verdreifacht
werden soll. Ein Drittel der auf zwölf Milliarden Euro
geschätzten Kosten will der Bund übernehmen, und zwar nicht
nur Investitions-, sondern auch dauerhafte Betriebskosten.
Die Einführung eines Rechtsanspruches im Jahr 2013 sei der Union
«nicht ganz leicht gefallen», sagte Stoiber. Für
Familien, die ihre Kinder lieber Zuhause betreuen, wurde als Ausgleich
eine Art «Erziehungsbonus» ins Auge gefasst. Die
Entscheidung darüber werde aber erst 2013 fallen, betonte Beck.
Stoiber bezeichnete eine Höhe von 150 Euro als vorstellbar.
Offen blieb zunächst, auf welchem Wege sich der Bund am Ausbau der
Krippen beteiligt und wo das Geld herkommen soll. Da
Bundeszuschüsse zu den Betriebskosten verfassungsrechtlich
problematisch sind, soll die Einrichtung einer Stiftung geprüft
werden, über die der Ausbau finanziert werden könnte.
(Quelle: ap)
Bei mehr als der Hälfte der Paare mit Kindern arbeiten beide
Partner
Di.15.05.07 - Bei mehr als der Hälfte der Familien mit Kindern in Deutschland
sind beide Partner erwerbstätig. Wie das Statistische Bundesamt in
Wiesbaden zum heutigen Internationalen Tag der Familie mitteilt,
arbeiteten im Jahr 2005 bei 51 Prozent der Ehepaare mit Kindern Mutter
und Vater. Bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften waren es mit 54
Prozent noch etwas mehr, wie die Statistiker unter Berufung auf die
Ergebnisse des Mikrozensus, der größten jährlichen
Haushaltsbefragung in Europa berichteten.
Betrachtet wurden 5,5 Millionen Ehepaare und 605.000 nichteheliche
Lebensgemeinschaften, bei denen beide Partner im erwerbsfähigen
Alter sind und mindestens ein Kind unter 15 Jahren lebt. Zu den Kindern
zählen dabei - neben leiblichen Kindern - auch Stief-, Pflege- und
Adoptivkinder.
Die Ergebnisse des Mikrozensus zeigten demnach weiter, dass bei 37
Prozent der Ehepaare ausschließlich der Vater erwerbstätig
war. Bei 7 Prozent der Ehepaare übte keiner der Partner eine
Erwerbstätigkeit aus (einschließlich vorübergehend
Beurlaubte) und bei 5 Prozent war ausschließlich die Mutter
erwerbstätig.
Deutlich niedriger als bei Ehepaaren lag bei Lebensgemeinschaften mit
26 Prozent der Anteil der Paare, bei denen ausschließlich der
Vater Erwerbstätiger war. Gleichzeitig war der Anteil der Paare,
bei denen keiner der Partner eine Erwerbstätigkeit ausübte,
bei Lebensgemeinschaften mit 13 Prozent nahezu doppelt so hoch wie bei
Ehepaaren. Bei 7 Prozent der Lebensgemeinschaften ging
ausschließlich die Mutter einer Erwerbstätigkeit nach.
Der Zeitumfang der Erwerbsbeteiligung von Ehepaaren und
Lebensgemeinschaften mit Kindern und mit zwei erwerbstätigen
Partnern unterscheidet sich deutlich: Bei 73 Prozent der betrachteten
Ehepaare stufte sich der Vater bei der Befragung als vollzeit- und die
Mutter als teilzeiterwerbstätig ein. Auch die Paare, die in
Lebensgemeinschaft lebten, gingen mit 53 Prozent dieser
Arbeitszeitkombination nach. Bei 23 Prozent der Ehepaare übten
beide Elternteile einer Vollzeittätigkeit aus, bei den
Lebensgemeinschaften betrug dieser Anteil mit 41 Prozent fast das
Doppelte. Andere mögliche Arbeitszeitaufteilungen spielten im Jahr
2005 eine eher untergeordnete Rolle.
(Quelle: ap)
Ärzteverbände wollen gegen Gesundheitspolitik mobil machen
Di.15.05.07 - Mehrere große Ärzteverbände wollen einem Bericht
zufolge mit einem eigenen Fernsehprogramm in Wartezimmern gegen die
Gesundheitspolitik der Bundesregierung mobil machen. Wie die
«Bild»-Zeitung schreibt, ist das Programm ein Vorhaben von
Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und
freien Ärzteverbänden. Demnach soll allen Praxen eine Art
Gesundheits-TV angeboten werden, das von Nachrichtenblöcken
unterbrochen wird.
Bundesärztekammer-Sprecher Alexander Dückers bestätigte
am Montagabend auf Anfrage den Bericht nicht im Detail. Er sagte aber,
das Programm in Wartezimmern sei eine denkbare Form, über die auf
dem Deutschen Ärztetag in Münster diskutiert werde. Es gehe
darum, mit modernen Medien direkt zu informieren. «Man muss dem
Patienten die ganze Wahrheit sagen, wenn es um die Versorgung in
Deutschland geht.» Auch die Kassenärztliche
Bundesvereinigung hatte am Montag auf der Konferenz in Münster vor
einer Zwei-Klassen-Medizin gewarnt.
(Quelle: ap)
Grüne schließen langfristig Zusammenarbeit mit Linken nicht
aus
Di.15.05.07 - Die Grünen schließen nach dem Einzug der Linken in die
Bremer Bürgerschaft langfristig eine Zusammenarbeit mit der Partei
nicht aus. «Wir wollen uns prinzipiell für alle Parteien
öffnen, und deswegen würde ich nicht von vornherein und
für alle Zeit Nein zur Linkspartei sagen», sagte
Grünen-Chefin Claudia Roth der «Hannoverschen Allgemeinen
Zeitung» laut Vorabmeldung.
Voraussetzung sei, dass die Linkspartei sich bei der Klima-, Sozial-
und Friedenspolitik noch deutlich bewege, sagte Roth. Zwar liege die
SPD den Grünen deutlich näher. «Aber es gibt keine
ewige Zweckehe.»
Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit warnte
unterdessen die SPD davor, das gute Abschneiden der Linkspartei in auf
die leichte Schulter zu nehmen. Wenn sich in Zeiten des
wirtschaftlichen Aufschwungs eine Partei links von den Sozialdemokraten
etablieren könne, müsse das ernst genommen werden, sagte der
SPD-Politiker der Chemnitzer «Freien Presse». Die
Sozialdemokraten müssten Wähler zurückgewinnen. Die
über acht Prozent der Linkspartei seien Stimmen der SPD gewesen.
(Quelle: ap)
Aktionstraining für den G8-Gipfel
Di.15.05.07 - Wenn Anfang Juni der G8-Gipfel in Heiligendamm zusammenkommt, wird es
auch für die Attac-Sympathisantin Hannie Gramann ernst. Sie werde
auf jeden Fall nach Rostock fahren, um gegen das Treffen zu
protestieren, sagt sie. Bei einem Aktionstraining, das die Kampagne
Block G8 am Wochenende in Hannover organisierte, hat sich die
62-Jährige gemeinsam mit rund drei Dutzend Gleichgesinnten schon
mal darauf vorbereitet. Dabei ging es zum Beispiel darum, eine
Polizeikette zu «durchbrechen» oder im «Paket»
weggetragen zu werden.
Rund 60 solcher Aktionstrainings seien seit März bundesweit
veranstaltet worden, sagt die Sprecherin der Kampagne, Frauke Banse. Die
G8-Gegner sollen dort gewaltfreie Techniken des Widerstands lernen.
Am 2. Juni geht es los. Dann ist eine Großdemonstration in
Rostock geplant. Vom 6. bis zum 8. Juni sollen die Zufahrtsstraßen
nach Heiligendamm dann mit mehr als 20 000 Menschen Tag und Nacht
blockiert werden. Neu an der Organisation des Widerstands sei, dass
sich erstmals mehr als 110 Gruppen zusammengeschlossen hätten,
darunter beispielsweise Aktivisten der Anti-Atomkraftbewegung, Kirchen,
Gewerkschaften und Antifaschistischer Gruppierungen, erläutert
Banse.
«Ziel des Aktionstrainings ist es, Eskalationen zu vermeiden und
die Absichten und Methoden der G8-Gegner offen zu kommunizieren»,
sagt sie. Die Trainingsteilnehmer sollten ein Gefühl dafür
erhalten, wie es sich anfühlt, von der Polizei weggetragen zu
werden oder wie es funktioniere, wenn in der Kleingruppe
verlässliche Absprachen getroffen werden.
«Es ist wichtig, eine Bezugsgruppe zu haben und dort schnelle
Entscheidungen treffen zu können», berichtet Karin Walther,
die mit Andreas Traupe das Aktionstraining leitet. «Unser Ziel ist
es, direkte körperliche Auseinandersetzungen mit der Polizei zu
vermeiden», schärft Walther den Teilnehmern ein. Es gehe
nicht darum, direkt auf die Polizei zuzugehen, sondern eine Lücke
zu finden, die um sie herumführt. Jeder Polizist könne nur
einen Demonstranten festhalten - der zweite gehe einfach weiter.
Es sei den Widerständlern klar, dass sie den G8-Gipfel nicht
verhindern könnten, betont Walther. Wohl aber sei es möglich,
Zufahrtsstraßen zum Gipfel zu blockieren. Damit gerate der Tross
von Diplomaten, Übersetzern und Versorgungsfahrzeugen ins Stocken.
«Wir wollen mit unserem Protest ein deutliches Nein gegen den
G8-Gipfel formulieren und unsere Stimme für eine gerechtere und
sozialere Welt erheben», unterstreicht Traupe.
Attac-Sympathisantin Gramann sieht sich am Ende des Aktionstrainings
jedenfalls in ihrer Protestbereitschaft bestärkt. Sie wolle sich
aber einer Gruppe anschließen, «die ruhig und
rücksichtsvoll ist». Einschüchtern lassen wolle sie sich
jedoch auf keinen Fall.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft und Technik
Regensburger Ärzte setzen neuartige künstliche Lunge ein
Di.15.05.07 - Ärzte der Regensburger Universitätsklinik haben nach eigenen
Angaben weltweit erstmals eine neuartige künstliche Lunge
eingesetzt. Im Unterschied zu bislang verwendeten Systemen
übernehme das Gerät dauerhaft alle Funktionen der Lunge, sagte
der Mediziner Franz-Xaver Schmid.
Herkömmliche Herz-Lungen-Maschinen könnten dies zwar auch,
bei ihnen würden jedoch wegen der höheren mechanischen
Belastung nach einigen Tagen Blutbestandteile wie die
Blutkörperchen und Gerinnungsfaktoren zerstört.
Das Gerät werden an der Lungenschlagader und am linken Herzvorhof
angeschlossen, erklärte Schmid, Leitender Oberarzt der Klinik
für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie des
Regensburger Uni- Klinikums. Das System benötigt keine
zusätzliche Pumpe, sondern nutzt lediglich den natürlichen
Druck des Blutes - und ist deshalb schonender.
An der Uniklinik wurde das Gerät einer 38 Jahre alten Frau
implantiert, deren Lunge komplett versagt hatte. Dank des neuen
Verfahrens habe sich der Zustand der Frau mittlerweile stabilisiert,
hieß es weiter. Rund zwei Monate nach der Operation könne sie
bereits wieder selbstständig wenige Schritte gehen. Die zwölf
mal zwölf Zentimeter große künstliche Lunge trägt
die Patientin außen auf dem Brustkorb. Das System war bereits vor
rund drei Jahren an der Universitätsklinik Regensburg entwickelt
worden, aber bisher nur zur Unterstützung einer noch teilweise
funktionierenden Lunge eingesetzt worden.
Mehr als hundert Lungenpatienten sterben bislang pro Jahr in
Deutschland, weil sie die Zeit bis zu einer möglichen
Organtransplantation nicht überleben. Diesen Menschen und auch
Lungenkranken, für die eine Transplantation nicht in Frage kommt,
könnte mit dem neuen Verfahren geholfen werden, sagte Schmid.
(Quelle: dpa)