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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendeinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakische Regierung beschränkt Berichterstattung über
Anschläge. US-Präsidentschaftsbewerber Clinton und
Obama für Truppenabzug aus dem Irak bis 31. März. Japan
beschließt Verlängerung seiner Irak-Mission um zwei Jahre
Mi.16.05.07 - Die irakische Regierung hat die Berichterstattung über
Anschläge deutlich eingeschränkt. Fotografen und Kameraleute
dürften künftig keine Bilder von Anschlagsorten mehr
aufnehmen, teilte das Innenministerium mit. Die am Wochenende
beschlossene Anordnung solle unter anderem die Privatsphäre von
Opfern schützen und verhindern, dass Aufständische Beweise
für ihre Bluttaten bekämen, sagte Brigadegeneral Abdel Karim
Chalaf. Die Pressefreiheit solle dadurch aber nicht eingeschränkt
werden. Auf dem Tajaran-Platz in Bagdad wurden Foto-Reporter am
Dienstag von der Polizei an Aufnahmen nach einem Bombenanschlag
gehindert. Die Polizisten schossen dabei mehrfach in die Luft.
Die demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und
Barack Obama haben sich hinter die Senatsforderung nach einem
Truppenabzug aus dem Irak zum 31. März 2008 gestellt. Danach
würden der Regierung keine Finanzen für den
Militäreinsatz mehr bewilligt, bekräftigten die beiden
Senatoren am Dienstag in separaten Erklärungen. Für
(heutigen) Mittwoch stand im Senat eine Abstimmung über die
Irak-Mission an. Sie gilt als symbolisch bedeutend, doch hat
US-Präsident George W. Bush bereits sein Veto angekündigt.
Obama erklärte in einem Schreiben, nach 1.518 Tagen Krieg zeichne
sich im Irak immer noch keine Lösung ab. Es müsse deshalb ein
starkes Signal an die irakische Regierung, den US-Präsidenten und
die Republikanische Partei ausgesendet werden, dass es so nicht weiter
gehen könne. Clinton schloss sich später dieser
Einschätzung an. Sie werde ebenfalls für eine Kürzung
der Mittel für den Einsatz stimmen, erklärte ihr Sprecher
Philippe Reines.
Vor der Erklärung dieser beiden Präsidentschaftsinteressenten
hatte ihr Mitbewerber Chris Dodd öffentlich beklagt, dass sich
noch nicht alle demokratischen Kandidaten hinter die Abzugsforderung
des Senats gestellt hätten. Clinton und Obama lehnten es bislang
ab, sich auf einen konkreten Zeitplan festlegen zu lassen.
Die japanische Mission im Irak soll fortgesetzt werden. Das Unterhaus
in Tokio beschloss am Dienstag, den Einsatz von Transportflugzeugen
für humanitäre Lieferungen um zwei Jahre zu verlängern.
Die Stationierung von Bodentruppen zu humanitären Zwecken wurde im
Juli 2006 aufgegeben, doch sind Soldaten der Luftwaffe in Kuwait vor
Ort, um eine Luftbrücke nach Bagdad aufrecht zu erhalten.
Kampfeinsätze japanischer Truppen sind nach der Verfassung von
1947 nicht erlaubt. Am Montag beschloss jedoch das Oberhaus, dass bis
2010 ein Referendum zur Revision dieser pazifistischen Klausel
durchgeführt werden soll. Das Unterhaus hat dieselbe Vorlage schon
im vergangenen Monat gebildet. Die Abstimmungen gelten als politischer
Triumph für Ministerpräsident Shinzo Abe, der eine
stärkere Rolle der japanischen Streitkräfte bei
internationalen Einsätzen anstrebt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 16.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsiebenundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Bush ernennt US-Chefkoordinator für Kriege im Irak und Afghanistan
Mi.16.05.07 - Die US-Einsätze im Irak und in Afghanistan sollen künftig
besser koordiniert werden. Zu diesem Zweck wurde von US-Präsident
George W. Bush eine neue Stelle geschaffen, die mit Generalleutnant
Douglas Lute besetzt werden soll, wie am Dienstag aus dem
Verteidigungsministerium in Washington verlautete. Der derzeitige
Pentagon-Abteilungsleiter für Militäreinsätze wird
demnach zum Präsidentenberater und stellvertretenden nationalen
Sicherheitsberater. Militärisch erhält er den Rang eines
Drei-Sterne-Generals der Streitkräfte.
Lute soll den Gewährsleuten zufolge vor allem Konflikte zwischen
dem Pentagon, dem Außenministerium und anderen Behörden
ausbügeln. In allen Fragen zu Kriegseinsätzen soll er als
Präsidentensprecher auftreten und gleichzeitig den Nationalen
Sicherheitsberater Stephen Hadley tatkräftig unterstützen.
Medienvertreter bezeichneten ihn als «Kriegszaren», auch
wenn die Regierung diesen Begriff wohl kaum verwenden dürfte.
Die Ernennung Lutes, die vorerst noch nicht amtlich ist, müsste
vom Senat bestätigt werden. Kritiker merkten an, dass ein solcher
Posten schon viel früher hätte geschaffen werden müssen.
Zum jetzigen Zeitpunkt könnte eine neue Koordination der
Militäreinsätze nur noch Verwirrung stiften.
(Quelle: ap)
Zahlreiche Tote bei Luftangriffen in Südafghanistan
Mi.16.05.07 - Bei mehreren Luftangriffen sind am Dienstag in Südafghanistan
zahlreiche mutmaßliche Aufständische getötet worden. Zur
genauen Zahl der Getöteten gab es unterschiedliche Angaben: Von
mehr als 60 sprach der Polizeichef der Provinz Kandahar, Esmatullah
Alisai, während das Verteidigungsministerium elf tote Taliban
bestätigte.
Polizeichef Alisai erklärte, die Kampfflugzeuge der NATO
hätten in der Nacht zwei Taliban-Lager im Bezirk Schari
bombardiert. Viele weitere mutmaßliche Taliban-Kämpfer seien
verletzt worden. Zivilpersonen seien nicht zu Schaden gekommen. Die
ISAF-Truppe der NATO bestätigte den Einsatz zunächst nicht,
die US-geführte Koalition erklärte, sie habe mit der Aktion
nichts zu tun.
(Quelle: ap)
24 Tote bei Selbstmordanschlag in Pakistan
Mi.16.05.07 - Ein Selbstmordanschlag auf ein Hotel der pakistanischen Stadt Peshawar
hat am Dienstag mindestens 24 Menschen das Leben gekostet. Die
Detonation ereignete sich im belebten Restaurant des Hotels in der
Altstadt. 25 weitere Menschen wurden verletzt, wie die Polizei
erklärte. Polizeichef Sharif Virk sagte, die Ermittler hätten
die Beine des mutmaßlichen Attentäters gefunden. Daran sei
eine Botschaft befestigt gewesen, nach der jeder, der Amerika
unterstütze, dasselbe Schicksal ereilen werde.
Ein Kellner erklärte, unter den Toten seien der afghanische
Besitzer des Hotels, dessen beide Söhne, zwei weitere
Angehörige sowie sieben Angestellte. Auch zwei Frauen und ein
fünfjähriger Junge, die in dem Restaurant zu Mittag
aßen, waren nach Polizeiangaben unter den Opfern. Peshawar ist die
Hauptstadt der Provinz North West Frontier, die an Afghanistan grenzt.
In der Provinz leben zahlreiche Aufständische mit Verbindungen zu
den Taliban.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas feuert Raketen auf Israel ab. Acht Tote bei Angriff von
Hamas-Kämpfern auf Fatah-Mitglieder. EU-Chefdiplomat Solana
ruft alle Seiten zur Mäßigung auf
Mi.16.05.07 - Militante Palästinenser haben am Dienstag Israel erneut vom
Gazastreifen aus mit Raketen beschossen. Eine der Raketen schlug nach
Angaben der israelischen Streitkräfte in der Stadt Sderot in einem
Wohnhaus ein. Eine Mutter sei dabei schwer verletzt worden, ihre vier
Kinder hätten leichtere Verletzungen davongetragen. Zu den
Raketenangriffen bekannte sich die radikalislamische Hamas. Sie habe
insgesamt fünf Raketen abgeschossen. Die Organisation bezeichnete
den Angriff als Vergeltung für die Tötung eines militanten
Palästinensers. Israelische Soldaten hatten den Mann Stunden zuvor
an der Grenze erschossen.
Bei einem Angriff von Hamas-Kämpfern auf eine Einheit der
rivalisierenden Fatah sind am Dienstag am Grenzübergang Karni im
Gazastreifen acht Menschen getötet worden. Ein erst am Montag
vereinbarter Waffenstillstand war damit schon wieder hinfällig. Der
Grenzübergang, die Lebensader des Gazastreifens, wurde
geschlossen. Es waren die bislang folgenschwersten Kämpfe in der
jüngsten Runde der innerpalästinensischen Gewalt, der bislang
mindestens 18 Menschen zum Opfer fielen. Daran droht auch die
palästinensische Regierung der nationalen Einheit zu scheitern, die
Fatah und Hamas gemeinsam bilden.
Der palästinensische Innenminister Hani Kawasmeh trat am Montag
endgültig zurück. Nach langem Zögern akzeptierte
Ministerpräsident Ismail Hanija sein Demissionsgesuch. Kawasmeh hat
sowohl dem Regierungschef von der Hamas als auch dem Präsidenten
und Fatah-Vorsitzenden Mahmud Abbas mangelnde Unterstützung bei
der Reform der Sicherheitskräfte vorgeworfen. Ein Sicherheitsplan
sieht eigentlich vor, dass die rivalisierenden Sicherheitskräfte
unter einem gemeinsamen Kommando agieren. Das erscheint aber immer
unwahrscheinlicher.
Wie Ahmed al Kaisi, ein Sprecher der Präsidentengarde, die den
Grenzübergang Karni kontrolliert, erklärte, griffen die
Hamas-Kämpfer auch mit Mörsern und Raketen an. In einem
Hinterhalt der Hamas seien dann acht Angehörige der
Sicherheitskräfte getötet worden. Auch die israelischen
Truppen wurden in die Auseinandersetzungen verwickelt. Sie schossen auf
zwei Bewaffnete, die sich der Grenze genähert hatten. Ein Mann sei
dabei getötet worden, hieß es. Es war offenbar Mitglied der
Präsidentengarde und wollte seinen Kameraden zu Hilfe kommen. Bei
den anhaltenden Auseinandersetzungen war schon in der Nacht zum Dienstag
ein Mann getötet worden - ein Hamas-Mitglied, wie
palästinensische Sicherheitsbeamte mitteilten.
Angesichts der schweren Kämpfe zwischen den verfeindeten
palästinensischen Gruppen rief EU-Chefdiplomat Javier Solana am
Dienstag alle Seiten zur Mäßigung auf. «Die Lage ist
sehr ernst», erklärte Solana nach einem Treffen mit dem
palästinensischen Außenminister Siad Abu Amr in Brüssel.
Vorwürfe der Arabischen Liga, die EU habe mit ihrem Finanzboykott
gegen die palästinensische Regierung das Chaos in den
Autonomiegebieten verschärft, wies Solana zurück.
Der palästinensische Außenminister Abu Amr erklärte
indes, mit einer Änderung ihrer Politik könnte die EU
«den Palästinensern helfen, ihre Probleme zu lösen und
die chaotische Sicherheitslage besonders in Gaza zu beenden». Die
EU und die internationale Gemeinschaft insgesamt müssten die
Direktzahlungen an die palästinensische Regierung wieder aufnehmen,
forderte Abu Amr. Zudem müsse die israelische Regierung die Zoll-
und Steuereinnahmen freigeben, die sie für die
Autonomiebehörde eintreibt und eigentlich an diese weiterleiten
sollte. Nach dem Wahlsieg der radikalislamischen Hamas im vergangenen
Jahr hat Israel diese Überweisungen gestoppt.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert traf unterdessen zu
Gesprächen über einen Friedensplan der arabischen Staaten
für den Nahen Osten in Jordanien ein. Israel sei bereit, sich die
arabischen Vorschläge in Ruhe anzuhören, sagte Olmert bei
seiner Ankunft.
(Quelle: ap)
Peru: Volk der Achuar verklagt Ölkonzern Oxy in den USA
Mi.16.05.07 - Wegen der Zerstörung ihres Lebensraumes in Peru hat das Volk der
Achuar-Indianer den internationalen Ölkonzern Occidental Petroleum
(Oxy) verklagt. Die Kläger werfen dem Konzern vor, drei Jahrzehnte
lang den Boden und die Wasserläufe im Nordosten Perus verseucht zu
haben, wie Vertreter der Achuar am Montag in Lima mitteilten. Die
millionenschwere Entschädigungsklage wurde demnach am 10. Mai in
Los Angeles vor dem kalifornischen Gerichtshof eingereicht.
(Quelle: afp)
Ureinwohner Lateinamerikas empört über
Papst-Äußerungen
Mi.16.05.07 - Nach der Brasilienreise von Papst Benedikt XVI. haben Ureinwohner
empört auf dessen Äußerungen zur Kolonialzeit reagiert.
"Der Papst war sehr arrogant", sagte der Vorsitzende eines Verbandes von
Amazonas-Völkern, Gesinaldo Satere Mawe, am Montag. Benedikt XVI.
hatte während seines Besuchs gesagt, das Christentum sei den
Urvölkern Lateinamerikas nicht auferlegt worden. Vielmehr sei
Christus der Retter gewesen, den sich die Indianer im Stillen
herbeigewünscht hätten. Das Wiederaufleben vorkolumbianischer
Religionen bezeichnete der Papst als einen "Rückschritt".
"Viele Menschen nahmen das Christentum an, aber es wurde gewaltsam
durchgesetzt", sagte Marcio Meira, Vorsitzender einer Nationalen
Stiftung für Ureinwohner in Brasilien. "Seine Äußerungen
sind lächerlich", erklärte Roberto Olivares, Vorsitzender
eines Interessenverbandes der Ureinwohner im mexikanischen Oaxaca. Der
Direktor der Organisation der Ureinwohner Kolumbiens (ONIC), Luis
Evelis Andrade, erklärte: "Wir können es nicht akzeptieren,
dass die Kirche ihre Verantwortung für die Vernichtung unserer
Kultur und unserer Identität nicht anerkennt."
Im Zuge der von der Katholischen Kirche unterstützten
Kolonialisierung Südamerikas wurden Ureinwohner millionenfach
versklavt, ermordet oder durch eingeschleppte Krankheiten getötet.
Der Vorgänger von Benedikt XVI., Papst Johannes Paul II., hatte bei
einem Besuch 1992 um Vergebung für die Rolle gebeten, welche die
europäischen Christen bei der Eroberung Amerikas spielten.
(Quelle: afp)
Arbeitsteilung soll EU-Entwicklungshilfe effizienter machen
Mi.16.05.07 - Mit einer besseren Arbeitsteilung bei der Entwicklungshilfe will die EU
in Zukunft sicherstellen, dass kein bedürftiges Land leer ausgeht.
Die Entwicklungshilfeminister der 27 EU-Staaten einigten sich am
Dienstag auf einen entsprechenden Verhaltenskodex. «Wir wollen
Schluss machen mit der Situation, dass in manchen Ländern acht
EU-Geberländer tätig sind und manchmal im gleichen
Bereich», während andere Staaten kaum Hilfe bekämen,
erklärte die deutsche Esentwicklungsministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul in Brüssel.
EU-Kommissar Olli Rehn sagte, bislang gebe es «Geberlieblinge und
Geberwaisen». Der Verhaltenskodex sollte dazu beitragen, dass
mehr Hilfe in die Entwicklungsländer gelange, «die bislang
durch das Netz der Geldgeber gefallen sind». Dazu müsse der
freiwillige Kodex aber auch mit Leben gefüllt werden, betonte
Rehn: «Wir müssen alle unsere Botschaften und Vertretungen
auffordern, diesen Verhaltenskodex allen Ernstes umzusetzen.»
(Quelle: ap)
EU-Familienminister-Gipfel: Europa soll Rollenklischees überwinden
Mi.16.05.07 - Zum Auftakt eines Treffens der EU-Familienminister im Weserbergland
haben Deutschland, Portugal und Slowenien den umfassenden Abbau von
Rollenklischees in der Gesellschaft gefordert. Die deuttsche
Familienministerin Ursula von der Leyen unterzeichnete am Dienstag in
Bad Pyrmont mit ihren Ressortkollegen eine entsprechende Erklärung
im Namen der drei Staaten, die jetzt und in den nächsten beiden
Halbjahren die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union
stellen.
Die Entschließung ruft die 27 EU-Mitglieder auf, «allen
Formen von Rollenstereotypen in Bildung und Ausbildung, in Kultur, den
Medien, auf dem Arbeitsmarkt und auf der Ebene der Entscheidungsfindung
zu beseitigen». Von der Leyen, ihre slowenische Kollegin Marjeta
Catman und der portugiesische Staatssekretär Jorge Lacão
Costa riefen daher dazu auf, die Beschäftigung von Frauen in
Führungsposition zu steigern, die Ungleichheit bei den Einkommen
abzuschaffen sowie Frauen aus Einwandererfamilien in allen Bereichen der
Gesellschaft zu fördern.
Um das Bewusstsein für diese Ziele mehr als bisher zu verbreiten,
planen Deutschland, Portugal und Slowenien bis Mitte 2008 eine Reihe von
Konferenzen und Aktionsprogrammen. Die Gleichstellungspolitik sei
«ein unverzichtbares Mittel für sozialen Zusammenhalt,
wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand und
Wettbewerbsfähigkeit».
Bei ihrem informellen Treffen wollen sich die Ministerinnen und
Minister in dem niedersächsischen Kurbad zwei Tage lang der Frage
widmen, welche Rahmenbedingungen im Familien- und Sozialrecht die
Politik gestalten kann, um dem Wandel im Rollenverständnis von
Müttern und Vätern Rechnung zu tragen. Zwei Tage vor dem
vielfach als «Vatertag» begangenen Feiertag Christi
Himmelfahrt beschäftigen sich die Teilnehmer des informellen
Treffens in Berlin auch mit «neuen Herausforderungen für
Männer». Weitere Themen sind nach Angaben des
Familienministeriums die Förderung einer familienfreundlichen
Arbeitswelt durch Unternehmen sowie die Situation von Kindern und Frauen
in Migrantenfamilien.
(Quelle: ap)
Krawalle am Kopenhagener 'Freistaat Christiania'
Mi.16.05.07 - Bei nächtlichen Krawallen mit Barrikadenbau und ausgebrannten
Autos vor der Kopenhagener Alternativ-Kommune Christiania hat die
dänische Polizei in der Nacht zum Dienstag knapp 60 junge Leute
festgenommen. Fünf von ihnen sollen einem Haftrichter
vorgeführt werden.
Weiter hieß es, bei den Straßenkämpfen hätten
sich Autonome aus dem Umkreis des Anfang März hart umkämpften
und am Ende abgerissenen Kopenhagener «Jugendhauses»
(«Ungdomshuset») mit kriminellen Haschischhändlern aus
dem «Freistaat Christiania» zusammengetan.
Auslöser der erneuten Unruhen war der von den Behörden
erstmals zwangsweise durchgeführte Abriss eines Hauses in
Christiania. Auf dem seit 1971 besetzt gehaltenen Kasernengelände
fünf Minuten von Dänemarks Parlament und im Herzen von
Kopenhagen leben etwa 800 Bewohner, die mit der Regierung im Streit
über den juristischen Status ihres «Freistaates»
liegen.
Polizeichef Per Larsen sagte in der Zeitung
«Jyllands-Posten» über Hintergründe für die
Krawalle: «Für die schwarzgekleideten Autonomen ist der
Kampf um die Bewahrung von Christiania eine politische Angelegenheit.
Für die Haschischhändler geht es um Geld.» Auch
Sprecher von Christiania-Bewohnergruppen äußerten sich
kritisch über die Gewaltanwendung durch Außenstehende. Sie
kritisierten aber auch den zwangsweisen Abriss des Holzhauses
«Zigarrenkiste», das am Dienstag provisorisch neu errichtet
wurde.
Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen will in
Christiania die Anwendung der sonst üblichen Bau- und
Vergabebestimmungen für Wohnraum durchsetzen. Bisher entscheiden
die Anwohner darüber autonom.
(Quelle: dpa)
Deutschland
SPD-Mitglieder fühlen sich in großer Koalition verraten
Mi.16.05.07 - Bei den SPD-Mitgliedern wächst der Unmut über die große
Koalition. Eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 1.003
Sozialdemokraten ergab nach einem Bericht des Hamburger Magazins
«Stern» eine dramatisch schlechte Stimmung an der Basis. So
urteilten 58 Prozent der befragten Genossen, dass die SPD in der
Zusammenarbeit mit der Union sozialdemokratische Prinzipien verraten
habe. 52 Prozent sagten, die Arbeit in der großen Koalition schade
der Partei.
Vor allem die Rente mit 67 und die geplante Unternehmenssteuerreform
werden von einer deutlichen Mehrheit der SPD-Mitglieder - jeweils 62
Prozent - kategorisch abgelehnt; für einen Abzug der Bundeswehr aus
Afghanistan sprachen sich 51 Prozent aus. Fast zwei Drittel - 63
Prozent - der SPD-Basis meinen, dass der SPD eine Zeit in der Opposition
gut tun würde, um wieder zu sich selbst zu finden. Die Wahl 2009
hat das sozialdemokratische Parteivolk bereits aufgegeben. Nur 22
Prozent glauben, dass die SPD die nächste Bundestagswahl gewinnen
kann.
Weit verbreitet ist unter den SPD-Mitglieder auch die Skepsis, ob Kurt
Beck der geeignete Kanzlerkandidat ist. Nur 23 Prozent halten ihren
Vorsitzenden für den Bewerber mit den größten
Erfolgsaussichten. Damit liegt Beck zwar noch auf Platz eins, aber nur
knapp vor Außenminister Frank-Walter Steinmeier (20 Prozent).
Altkanzler Gerhard Schröder nannten acht Prozent - genauso viele
wie Franz Müntefering und Klaus Wowereit.
Becks Arbeit als Parteichef bewertet nicht einmal die Hälfte der
Basis als gut (43 Prozent) oder sehr gut (fünf Prozent). Und 56
Prozent der befragten Sozialdemokraten zweifeln daran, dass Beck die
Partei aus der gegenwärtigen Krise führen könne.
Das größte Ansehen unter den SPD-Ministern genießt bei
den Parteifreunden Steinmeier. 77 Prozent sagten, dass die Arbeit des
Außenministers der SPD nutze; trotz der Kurnaz-Affäre glauben
nur zehn Prozent, dass Steinmeier der Partei schade - der absolute
Topwert. An zweiter Stelle folgt Finanzminister Peer Steinbrück
(72 Prozent: nutzt; 15 Prozent: schadet). Dagegen findet die
Hälfte der Genossen, dass Gesundheitsministerin Ulla Schmidt der
SPD schade. Auch Vizekanzler Franz Müntefering schneidet eher
bescheiden ab (53 Prozent: nutzt; 27 Prozent: schadet).
Fast ein Drittel der SPD-Mitglieder - 29 Prozent - haben laut
«Stern»-Umfrage in jüngster Zeit darüber
nachgedacht, ihr Parteibuch zurückzugeben. Vier Prozent stehen
sogar kurz vor ihrem Austritt aus der SPD. Und fast jeder zehnte
Sozialdemokrat - neun Prozent - kann sich vorstellen, zur Linkspartei zu
wechseln.
Allerdings gaben auch 58 Prozent der Parteimitglieder an, dass sie sich
momentan aktiv für die SPD im Wahlkampf engagieren würden. Und
62 Prozent glauben, dass die SPD die Bürgerschaftswahl in Hamburg
Anfang nächsten Jahres gewinnen kann - anders als die
Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen. Dort rechnet eine Mehrheit
mit einer Niederlage.
(Quelle: ap)
Zahl rechtsextremer Straftaten deutlich gestiegen
Mi.16.05.07 - Die Zahl rechtsextremer Straftaten in Deutschland ist im vergangenen
Jahr erneut stark gestiegen: Die Zahl der politisch rechts motivierten
Delikte erhöhte sich um 14,6 Prozent auf rund 18.100 Delikte. Das
geht aus dem von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
vorgestellten Verfassungsschutzbericht 2006 hervor. Die Zahl der
rechten Gewaltdelikte stieg um 9,3 Prozent. Er äußerte
zugleich die Sorge vor Anschlägen linker Gruppen zum
bevorstehenden G-8-Gipfel in Heiligendamm. Die "gravierendste
Bedrohung" in Deutschland sei aber der islamistische Terrorismus.
Schäuble sagte, den Rechtsextremen gelinge es, mit
Freizeitangeboten oder Hausaufgabenbetreuung mehr und mehr in "die
Mitte der Gesellschaft" vorzudringen. "Dieser alarmierenden Entwicklung
müssen wir entschieden entgegegentreten." Bei der rechtsextremen
NPD sei ein wachsender Einfluss von Neonazis zu beobachten. Sie seien
in elf der 16 Landesvorstände vertreten und stellten sogar
einzelne Landesvorsitzende. Ablehnend äußerte sich
Schäuble aber zu einem neuen Verbotsantrag gegen die NPD.
Dafür müsste nach der Einstellung des ersten
Verbotsverfahrens durch das Bundesverfassungsgericht zuvor die
Beobachtung der Partei mit nachrichtendienstlichen Mitteln eingestellt
werden.
Bei den linksextrem motivierten Straftaten verzeichnet der Bericht
einen Anstieg von 2,8 Prozent. Die Zahl der Gewaltdelikte ging hier
aber um 3,8 Prozent zurück. Schäuble äußerte die
Sorge, es könne im Zuge der Proteste gegen den G-8-Gipfel zu
gewaltsamen Aktionen kommen. Auch Verfassungsschutzpräsident Heinz
Fromm sagte, es sei nicht auszuschließen, dass einige
Protestaktionen gegen den Gipfel in Gewalt ausarteten.
Schäuble verwies im Zusammenhang mit dem islamistischen Terror auf
den vereitelten Kofferbombenanschlag vom vergangenen Jahr und die im
Internet verbreitete Anschlagsdrohung. Diese Videobotschaft in
deutscher Sprache sei "beunruhigend". Beide Vorgänge zeigten,
"dass auch Deutschland mit einer neuen Qualität terroristischer
Aktivitäten rechnen muss". Schäuble verteidigte dabei die von
ihm geplanten neuen Sicherheitsgesetze, insbesondere zur heimlichen
Online-Durchsuchung.
Grünen-Chefin Claudia Roth warf Schäuble vor, den
Rechtsextremismus in dem Bericht auf die "hinteren Plätze"
verwiesen und das Thema "nicht ernst genug" genommen zu haben. Die
FDP-Innenexpertin Gisela Piltz forderte "ein ganzheitliches Konzept zur
Bekämpfung von Extremismus".
(Quelle: afp)
Demonstrationsverbot für G-8-Gegner
Mi.16.05.07 - Die Polizeidirektion Rostock hat Demonstrationen von G-8-Gegnern in
Nähe des eingezäunten Gipfeltagungsortes Heiligendamm
verboten. Die Behörde erließ am Dienstagabend eine
entsprechende Allgemeinverfügung über eine räumliche und
zeitliche Beschränkung des Versammlungsrechts im Bereich um
Heiligendamm und den Flugplatz Rostock-Laage. Danach sind im Zeitraum
30. Mai bis 8. Juni alle öffentlichen Versammlungen und
Aufzüge unter freiem Himmel untersagt.
Globalisierungskritische Kreise hätten wiederholt öffentlich
dazu aufgerufen, den G8-Gipfel real und effektiv zu blockieren und von
seiner Infrastruktur abzuschneiden, hieß es zur Begründung.
Zudem sei offensichtlich die gewaltsame Erstürmung des durch eine
technische Sperre gesicherten Tagungsraumes erklärtes Ziel
gewaltbereiter Globalisierungsgegner. Damit sei eine andauernde
Bedrohungssituation für alle Gipfelteilnehmer und kritische
Demonstranten erzeugt worden, hieß es zur Begründung des
Verbots. Zwingend notwendige Rettungsmaßnahmen wären
gegebenenfalls nicht mehr durchführbar. Eine solche Störung
der Arbeitsfähigkeit der Gipfeltagung mit seinen zahlreichen
Delegationen würde die internationalen Interessen Deutschlands
nachhaltig schädigen. Das wolle man verhindern.
Mit dem Verbot bestätigten sich Befürchtungen der
Globalisierungsgegner. «Alle Anmelder von Demonstrationen wurden
monatelang getäuscht», warfen sie der Polizei vor. Betroffen
von der Allgemeinverfügung seien vor allem der geplante
Sternmarsch am 7. Juni sowie mehrere kleinere Kundgebungen am Zaun in
Heiligendamm.
Die Gipfelgegner kündigten an, zügig Widerspruch beim
Verwaltungsgericht einzulegen und notfalls den Weg durch alle Instanzen
zu gehen. «Das Recht darauf, am Adressat des Protestes zu
demonstrieren, ist vom Bundesverfassungsgericht mehrfach bestätigt
worden», erklärte die Infogruppe mit Hinweis auf das
Brokdorf-Urteil zu den Castor-Transporten von 1985.
(Quelle: ap)