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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Senator Hagel schlägt UN-Vermittler für den Irak vor.
Sicherheitsoffensive hat kaum Auswirkungen auf Angriffe im Irak.
Mindestens 32 Tote bei Bombenanschlag in Bagdad. 19 Tote bei Gewalt in
Mossul
Do.17.05.07 - Der republikanische US-Senator Chuck Hagel fordert einen
internationalen Vermittler für den Irak. Die Vereinigten Staaten
dürften nicht länger im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen,
forderte Hagel am Dienstag (Ortszeit) in einer Rede vor dem Senat.
"Schafft Amerika aus dem politischen Prozess im Irak raus", sagte der
Republikaner, der die US-Regierung wegen des Krieges immer wieder
kritisiert hatte. "Wir verschlimmern es, wir machen das Problem noch
komplizierter." Die Menschen im Irak und im Nahen Osten hielten die USA
immer noch für eine Besatzungsmacht, betonte Hagel.
Die vor rund einem Vierteljahr gestartete Sicherheitsoffensive
US-amerikanischer und irakischer Truppen hat einer Untersuchung zufolge
kaum Auswirkungen auf die Zahl der Anschläge im Irak. Die Zahl der
durchschnittlichen Anschläge pro Tag sei von 71 im Januar 2006 auf
176 im Oktober gestiegen, erklärte der US-Rechnungshof. Im
Februar, als die Offensive begann, gab es demnach einen leichten
Rückgang auf 164 Anschläge pro Tag, im März waren es
157, im April durchschnittlich 149.
Der Bericht bezieht sich auf Angaben der US-Truppen, die Zahl der
Todesopfer oder Verwundeten wurde nicht berücksichtigt. Aus
Kreisen der Streitkräfte hieß es, die Aufständischen
hätten auf die Offensive mit noch verheerenderen
Bombenanschlägen als zuvor reagiert, die mehr Opfer gefordert
hätten.
Bei einem Bombenanschlag in einer schiitischen Enklave nordöstlich
von Bagdad wurden mindestens 32 Menschen getötet, wie wie Polizei
mitteilte. Rund 50 Menschen seien am Dienstagabend verletzt worden, als
der in einem geparkten Auto versteckte Sprengsatz in der Nähe
eines Marktes in Abu Sajda detonierte. Berichte von Ärzten, dass
möglicherweise auch Chlorgas bei dem Anschlag eingesetzt wurde,
bestätigte die Polizei nicht.
In der stark gesicherten Grünen Zone in Bagdad schlugen am
Mittwoch zehn Mörsergranaten ein. Mindestens zwei Iraker wurden
getötet und zehn weitere Menschen verletzt, wie die US-Botschaft
mitteilte. Unter den Opfern seien auch zwei Ausländer. Es handelte
sich um den zweiten derartigen Angriff in zwei Tagen. Bei dem Angriff
am Dienstag wurden nach Angaben der Botschaft neun Menschen verletzt.
In der Grünen Zone befinden sich die US-Vertretung sowie die
wichtigsten Büros der irakischen Regierung.
Nach Anschlägen und Gefechten mit mindestens 19 Toten ist in der
irakischen Stadt Mossul eine Ausgangssperre verhängt worden. Die
irakische Nachrichtenagentur Stimme des Irak berichtete unter Berufung
auf die örtliche Polizei, bei Kämpfen mit irakischen
Sicherheitskräften seien 15 Bewaffnete ums Leben gekommen.
Später explodierten sechs Autobomben. Dabei wurden vier Polizisten
getötet. 30 weitere Menschen wurden verletzt.
In der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Nasirija im Süden
des Landes kam es nach der Festnahme von zwei gesuchten
Milizionären zu einem Feuergefecht zwischen der Polizei und
anderen Milizionären der Mahdi-Armee des radikalen Predigers
Muktada al Sadr. Insgesamt neun Iraker wurden dabei getötet, 75
verwundet.
Tausende US-Soldaten suchten unterdessen weiter nach drei Kameraden,
die in der vergangenen Woche nach einem Angriff auf ihren Konvoi
entführt worden waren. Vier US- und ein irakischer Soldat wurden
bei dem Überfall, hinter dem die Terrororganisation Al Kaida
vermutet wurde, getötet. Flugzeuge warfen Flugblätter ab, in
denen um Hinweise auf die Entführten gebeten wurde.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 17.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertachtundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Mehr als 1000 Afghanen demonstrieren in Kabul gegen Pakistan
Do.17.05.07 - In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben mehr als eintausend Menschen
gegen Pakistan demonstriert, nachdem bei Kämpfen an der gemeinsamen
Grenze mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben gekommen sind. "Tod
Pakistan" und "Tod Musharraf" schrien die aufgebrachten Demonstranten
in der Nähe der pakistanischen Botschaft, wie ein Fotograf der
Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch berichtete. Ohne Zwischenfälle
zogen die Demonstranten dann weiter zu einer Moschee. Rund einhundert
Polizisten bewachten die Botschaft; die Zufahrtsstraßen zu dem
Gebäude waren gesperrt.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Machtkampf im Gazastreifen eskaliert - 14 Tote bei
Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Fatah. Tote bei israelischen
Luftangriffen im Gazastreifen
Do.17.05.07 - Die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen
Hamas und Fatah sind am Mittwochabend weiter eskaliert. Kurz nach der
Verkündung eines Waffenstillstands durch die radikalislamische
Hamas und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der Fatah
erschossen bewaffnete Männer im Flüchtlingslager Dschabalija
im nördlichen Gazastreifen nach Angaben von Ärzten einen
Fatah-Aktivisten. Ein weiterer wurde in Rafah erschossen.
Außerdem wurden in der Nähe von Dschabalija sieben
Mitglieder eines Fatah-nahen Sicherheitsdienstes verletzt. Wie
palästinensische Funktionäre mitteilten, wurden sie Opfer von
Mörsergranaten, die Mitglieder des bewaffneten Arms der Hamas
abfeuerten.
In der Stadt Gaza dauerten die Schießereien an, ohne dass
zunächst klar war, von wem sie ausgingen, wie ein AFP-Reporter
berichtete. Der vierte Waffenstillstand seit Sonntag erwies sich damit
als ebenso brüchig wie die anderen vor ihm. Allein in Gaza starben
am Mittwoch 14 Palästinenser bei den innerpalästinensischen
Gefechten, die das Ende der derzeitigen Regierung der nationalen
Einheit aus Hamas, Fatah und Parteilosen einleiten könnten.
Als Reaktion auf anhaltenden palästinensischen Raketenbeschuss
haben die israelischen Streitkräfte am Mittwoch zwei Luftangriffe
im Gazastreifen geflogen und mindestens fünf Palästinenser
getötet. 16 weitere wurden nach palästinensischen Angaben
verletzt. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert ordnete
Militäraktionen gegen militante Palästinenser an. Israel
könne sich nicht länger zurückhalten, «wenn seine
Bürger getroffen werden», und habe daher eine entsprechende
Reaktion beschlossen, erklärte Olmerts Büro.
Ein israelischer Hubschrauber feuerte nach Angaben
palästinensischer Sicherheitskreise mindestens drei Raketen auf
die Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen ab, dabei kamen
mindestens vier Menschen ums Leben. 14 weitere erlitten Verletzungen.
Mehrere Menschen seien unter Trümmern verschüttet,
erklärten Rettungskräfte. Die Hamas erklärte, ein
Gebäude ihrer Sicherheitskräfte sei getroffen worden. Die
Organisation hat in den vergangenen beiden Tagen rund zwei Dutzend
Raketen auf den Süden Israels abgefeuert. Die israelischen
Streitkräfte bestätigten, dass Hubschrauber Schüsse auf
den südlichen Gazastreifen abgegeben hätten.
Später griff die Luftwaffe eine Gruppe Hamas-Kämpfer im
nördlichen Gazastreifen an, dabei wurde nach Angaben von
Rettungskräften eine Person getötet. Zwei weitere hätten
Verletzungen erlitten.
In der südisraelischen Grenzstadt Sderot ist es am späten
Mittwochabend nach einem palästinensischen Raketenangriff zu einem
Stromausfall gekommen. Die Rakete habe einen Transformator getroffen,
teilten die Streitkräfte mit. Bei dem Angriff sei niemand verletzt
worden.
Der britische UN-Diplomat Michael Williams soll neuer Sondergesandter
der Vereinten Nationen für den Nahen Osten werden. Dies
erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Dienstag in einem
Schreiben an den Weltsicherheitsrat. Dieser muss die Ernennung noch
bestätigen, was jedoch als Formsache gilt. Williams ist bei den UN
zurzeit schon spezieller Berater in Fragen des Friedensprozesses im
Nahen Osten. Zuvor war der einstige Berater der britischen
Außenminister Robin Cook und Jack Straw für Blauhelmmissionen
in Kambodscha und im ehemaligen Jugoslawien zuständig. Als
Nahost-Gesandter wird er Nachfolger von Alvaro de Soto, der in den
Ruhestand getreten ist.
(Quellen: ap, afp)
Tote und Verletzte bei Anschlag auf AU-Friedenstruppe in Somalia
Do.17.05.07 - Bei einem Anschlag auf die Friedenstruppe der Afrikanischen Union in
Somalia sind vier ugandische Soldaten getötet worden.
Fünf weitere hätten Verletzungen erlitten, teilte ein
AU-Sprecher am Mittwoch mit. In der Altstadt in der Nähe des Hafens
sei neben einem Konvoi der Truppe ein Sprengsatz am Straßenrand
explodiert.
Die 1600 Soldaten aus Uganda sind die bislang einzigen einer
beschlossenen AU-Friedenstruppe für Somalia, die dort zu einem Ende
der Gewalt zwischen islamistischen Aufständischen und den von
äthiopischen Soldaten unterstützten Regierungstruppen
beitragen sollen. Nach zwei Wellen schwerer Kämpfe in den
vergangenen Wochen war in der somalischen Hauptstadt zuletzt relative
Ruhe eingekehrt. Bei den Gefechten, die ganze Wohnviertel in Schutt und
Asche legten, waren 1300 Menschen getötet und etwa 365.000 in die
Flucht getrieben worden.
(Quelle: rtr)
Rockstars fordern G-8-Staaten zur Einhaltung ihrer Versprechungen auf
Do.17.05.07 - Gut drei Wochen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm haben die
Sänger Herbert Grönemeyer, Bob Geldof und Bono die Regierungen
aufgefordert, ihre Versprechungen gegenüber Afrika einzuhalten.
Zugleich warnten sie am Dienstag in Berlin vor einer Radikalisierung
der G-8-Gegner. Laut eines Berichts der Afrika-Organisation DATA ist
die Entwicklungshilfe der G-8-Länder bei weitem nicht so hoch wie
2005 beim Gipfel in Gleneagles versprochen.
Demnach hätten die G-8-Länder zwischen 2004 und 2006 ihre
Entwicklungshilfe jährlich um 5,4 Milliarden Dollar (3,99
Milliarden Euro) steigern müssen. Sie hätten aber nur eine
Steigerung von 2,3 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) erzielt. Um
wieder auf den richtigen Kurs zu kommen, müssten die
G-8-Länder die Entwicklungshilfe 2007 um 6,2 Milliarden Dollar (4,6
Milliarden Euro) steigern. Laut Haushaltsplanungen könnten jedoch
in diesem Jahr nur Steigerungen von bis zu 2,3 Milliarden Euro
vorhergesagt werden.
Von allen Ländern planen dem Bericht zufolge nur die USA eine
ausreichende Steigerung. Allein Deutschland müsste seine
Entwicklungshilfe um 704 Millionen Dollar erhöhen, um wieder auf
Kurs zu kommen. Der DATA-Bericht prüft, inwieweit die G-8-Staaten
ihre Versprechungen gegenüber Afrika einhalten.
Wenn die Politiker ihre gegenüber Afrika gemachten Versprechungen
nicht einhielten, könnten die Menschen immer aggressiver werden,
warnte Grönemeyer. Menschen in ihrer Ohnmacht fingen irgendwann an,
wütend zu werden. Die Politiker sollten «gefälligst
ihren Job machen» und einfach ihre Versprechen einhalten. Der
G-8-Gipfel in Gleneagles vor zwei Jahren hatte einen Schuldenerlass
für Afrikas ärmste Länder und weitere
Entwicklungshilfe-Zusagen gebracht.
U2-Sänger Bono sagte, bei den Protesten gegen den G-8-Gipfel in
Genua 2001 habe es bereits einen Toten gegeben. Die Menschen seien
ärgerlich. «Ich kann mich der Wut nur
anschließen.» Auf jeden Fall dürfe nicht so getan
werden, als ob die Gewalttäter nur Hooligans seien. «Es gibt
wirklich Wut und Ärger», sagte der irische Rockstar. Die
Regierungen müssten aufpassen, nicht in eine
Glaubwürdigkeitskrise zu schlittern. Er gehe aber davon aus, dass
Deutschland seine Versprechen einhalte.
Bono wies darauf hin, dass der Bericht auch zeige, dass die
Entwicklungszusammenarbeit mit armen Ländern wirke und das Leben
von Millionen Menschen verbessere. Durch die Unterstützung globaler
Gesundheitsprogramme würden täglich 1.450 an Aids erkrankte
Afrikaner mit lebensrettenden Medikamenten versorgt. Infolge von
Schuldenerlassen und gesteigerter Entwicklungshilfe gingen weitere 20
Millionen Kinder in Afrika zum ersten Mal in ihrem Leben in Schulen.
Der 47-Jährige kämpft seit fast zwei Jahrzehnten gegen Aids
und Armut in Afrika und unterstützt auch die Initiative
«Deine Stimme gegen Armut», die sich für die Umsetzung
der Millennium-Entwicklungsziele einsetzt. Dazu zählt vor allem die
Halbierung der Armut und des Hungers in der Welt bis 2015.
Unterstützer der Kampagne ist auch Grönemeyer.
Grönemeyer sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse beim
Gipfel die Regierungen auffordern, Rechenschaft für ihre
Versäumnisse und gebrochenen Versprechen abzulegen. Er kritisierte,
gerade Deutschland liege bei seinen Zusagen «ganz extrem
zurück, obwohl die Wirtschaft boomt». Afrika versuche
«extremst auf die Beine zu kommen». Deutschland müsse
beispielhaft vorangehen, damit die Ziele bis 2015 erreicht würden.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.data.org/
http://www.deine-stimme-gegen-armut.de/
Diese Politik provoziert Gewalt
Afrika-Hilfe: G-8-Staaten erfüllen eigene Versprechungen nicht
Herbert Grönemeyer warnt vor dem G-8-Gipfel: "Wenn die Menschen
aggressiver werden, liegt das auch in der Verantwortung der Politik"
"Politiker haben die Verantwortung, sich dem Protest zu stellen. Es
sind unsere Vertreter, und sie haben zuzuhören, was wir sagen. Wenn
die Menschen aggressiver werden, ist das auch ihre Verantwortung."
Derbert Grönemeyer (51), Sänger, Musiker, Schauspieler
"Ich bin sehr besorgt, dass es Gewalt auf den Straßen geben
könnte. Es gibt eine wirkliche Wut. Und ich fühle sie selbst,
wenn ich in ein Krankenhaus komme und sehe dort die Menschen Schlange
stehen, um zu sterben." Bono (47), Sänger von U2
"Auf dem G-8-Gipfel in Gleneagles haben wir dieser Wut über die
Lebensumstände von 900 Millionen Menschen eine positive Plattform
politischer Ideen entgegengesetzt. Wenn Merkel das damalige Versprechen
bricht, dann verrät sie Stolz, Ehre und Würde der Deutschen.
Und sie tötet Menschen." Bob Geldof (55), Solo-Musiker
Quelle: taz 16.05.2007
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Zugverbindung zwischen Nord- und Südkorea eröffnet
Do.17.05.07 - Nach mehr als einem halben Jahrhundert gibt es zwischen Nord- und
Südkorea wieder eine Zugverbindung: Die ersten beiden Züge
fuhren am Donnerstag zu einer Testfahrt ab. Die Gleise durch die schwer
bewachte entmilitarisierte Zone wurden bereits 2003 restauriert, der
Bahnverkehr aber erst jetzt wieder aufgenommen. Der südkoreanische
Vereinigungsminister Lee Jae Joung sprach im südkoreanischen Ort
Munsan von einem historischen Tag. Auch der nordkoreanische
Regierungsberater Kwon Ho Ung sagte in der zwölf Kilometer
südlich der entmilitarisierten Zone gelegenen Stadt, beide Seiten
sollten ohne Zögern weiter in Richtung Wiedervereinigung gehen.
Korea wurde nach dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 geteilt, in dem die
Nord-Süd-Bahnverbindungen zerstört wurden.
(Quelle: ap)
EU-Russland-Gipfel in zentralem Punkt gescheitert
Do.17.05.07 - Die Bemühungen des deutschen EU-Vorsitzes zur Rettung des
EU-Russland-Gipfels sind in einem zentralen Punkt gescheitert.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechne nicht mehr damit, bei dem
Gipfel am Freitag die Verhandlungen über ein neues
Partnerschaftsabkommen mit Russland auf den Weg bringen zu können,
hieß es am Mittwoch in Berlin. Auch eine Krisenmission von
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstag in
Moskau habe den Streit nicht lösen können. Ob die
Verhandlungen mit Russland damit noch wie geplant bis zum Ende der
deutschen EU-Präsidentschaft am 30. Juni aufgenommen werden
können, ist offen.
(Quelle: afp)
US-Demokraten streichen Geld für Raketenabwehrstation in Polen
Do.17.05.07 - Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus wollen den
Raketenabwehrplänen von Präsident George W. Bush in Polen den
Geldhahn zudrehen. Die Vorsitzende des
Streitkräfte-Unterausschusses für Strategische
Streitkräfte, Ellen Tauscher, erklärte am Mittwoch, sie sei
zwar für das Konzept einer Raketenabwehr in Europa, halte aber das
in Polen geplante Projekt für technologisch noch nicht ausreichend
getestet. Ihr Ausschuss empfehle, die 764 Millionen Dollar (563
Millionen Euro) für die in Polen geplante Anlage zu streichen. Die
Mittel für die in Tschechien geplante Anlage wurden bewilligt.
Zudem sollte die Abwehr möglicher iranischer Kurz- und
Mittelstreckenraketen, die Europa, Russland und die USA bedrohten,
kooperativ gelöst werden, sagte sie in einem Interview. «Ich
habe vorgeschlagen, dies innerhalb der NATO und zusammen mit Russland
auszuarbeiten, weil wir eine gemeinsame Bedrohung haben.»
Bushs Republikanische Partei reagierte mit scharfer Kritik auf den
demokratischen Vorstoß, über den das
Repräsentantenhaus-Plenum demnächst berät. «Seit
wann erlauben wir der NATO darüber zu entscheiden, was für
die USA das Beste ist?» fragte der republikanische Abgeordnete
und Mitglied in Tauschers Ausschuss, Trent Franks. Der Parteisprecher
für Raketenabwehr, Eric Cantor, sagte, die Raketenabwehr werde
alle Verbündeten der USA einschließlich Russlands vor
Raketen aus dem Iran, China und Nordkorea schützen.
Bush kann gegebenenfalls das Geld für das Raketenabwehrprojekt in
Polen neu beantragen, wenn Warschau der Stationierung offiziell
zustimmt. Neben dem Repräsentantenhaus stimmt der Senat gesondert
über die Finanzierung ab. Sollten beide Häuser
unterschiedlich entscheiden, geht die Vorlage in die Vermittlung.
(Quelle: ap)
Kurdischer Politikerin droht in Türkei Haftstrafe
Do.17.05.07 - Der prominenten kurdischen Politikerin Leyla Zana droht in der
Türkei eine Haftstrafe, weil sie den inhaftierten
Rebellenführer Abdullah Öcalan in einer Rede im März als
einen Führer der Kurden bezeichnet hat. Staatsanwalt Süleyman
Kaya beantragte am Mittwoch bei einem Gericht in der
südosttürkischen Stadt Diyarbakir, Zana wegen Propaganda
für eine separatistische Gruppe zu fünf Jahren Haft zu
verurteilen. Ein Prozesstermin ist noch nicht anberaumt.
Die ehemalige Parlamentsabgeordnete saß bereits mehrere Jahre im
Gefängnis. 1995 wurde der Menschenrechtsaktivistin der
Sacharow-Preis des Europaparlaments zugesprochen, den sie aber erst
neun Jahre später nach der Entlassung aus dem Gefängnis
entgegennehmen konnte.
(Quelle: ap)
Greenpeace warnt mit Arche Noah vor Folgen des Klimawandels
Do.17.05.07 - Mit einem Nachbau der Arche Noah will die Umweltschutzorganisation
Greenpeace auf dringend notwendige Maßnahmen im Kampf gegen die
globale Erwärmung hinweisen. Freiwillige aus Deutschland und der
Türkei bauen das hölzerne Schiff auf dem Berg Ararat im Osten
der Türkei nach, wie Greenpeace am Mittwoch mitteilte. Am 31. Mai
soll die Arche, die nach biblischer Überlieferung auf dem Ararat
landete, fertig gestellt sein.
Sollte die internationale Politik nicht rasch etwas unternehmen, werde
die Menschheit in den kommenden Jahrzehnten ein Elend erfahren,
«wie wir es in modernen Zeiten noch nicht erlebt haben»,
sagte die Greenpeace-Aktivistin Hilal Atici. Die Arche solle als
«deutliche Botschaft im Namen aller Bürger der Welt»
dienen.
Der tschechische Präsident Vaclav Klaus warnte unterdessen vor
Hysterie bei der Debatte über den Klimawandel. Die Diskussion
müsse sich wieder um Fakten und darum drehen, ob die Menschheit
überhaupt etwas gegen die globale Erwärmung unternehmen
könne, erklärte Klaus bei der Vorstellung seines Buches
«Der blaue, nicht der grüne Planet» in Prag. Das Thema
hätten statt Wissenschaftlern inzwischen andere Gruppen besetzt,
und eifrige Umweltschützer feuerten die Hysterie an, kritisierte
Klaus. Umweltschützer wollten mit der Natur ähnlich umgehen
wie der Marxismus mit wirtschaftlichen Gesetzen, heißt es im Buch
des Staatschefs: Sie versuchten «Spontaneität bei der
Evolution der Welt (und der Menschheit) durch eine globale Planung der
Entwicklung der Welt ersetzen».
(Quelle: ap)
Sarkozy als französischer Präsident eingesetzt
Do.17.05.07 - Nicolas Sarkozy ist neuer französischer Präsident. Der
52-Jährige wurde zehn Tage nach seinem Wahlsieg im Pariser
Elysée-Palast offiziell in sein Amt eingeführt. Sarkozy war
zur Amtsübergabe mit seinem Vorgänger Jacques Chirac
zusammengetroffen. Der 74-jährige Chirac empfing seinen 22 Jahre
jüngeren Nachfolger im Ehrenhof des Pariser Elysée-Palastes
mit einem Händedruck. Anschließend zogen sich beide zu einem
auf etwa eine halbe Stunde angesetzten Gespräch zurück.
In dem Gespräch sollte Sarkozy unter anderem die Codes erhalten,
die zum Abfeuern der französischen Atomraketen erforderlich sind.
Chirac verließ den Elysée-Palast anschließend unter
Applaus: Die Mitarbeiter des Präsidialamtes spendeten dem
74-jährigen lange Beifall, als er an der Seite Sarkozys über
den roten Teppich im Ehrenhof des Palastes schritt. Auch Sarkozy
applaudierte.
Zahlreiche Ehrengäste waren im Elysée-Palast dabei, unter
ihnen die Familie des neuen Staatschefs, Spitzenpolitiker und
Würdenträger. Die Amtsübergabe zwischen Chirac und
Sarkozy ist erst die dritte seit Bestehen der 1958 gegründeten
Fünften Republik. 1981 hatte es eine entsprechende Zeremonie
zwischen Valéry Giscard d'Estaing und François Mitterrand
gegeben, 1995 dann zwischen Mitterrand und Chirac.
(Quelle: afp)
Frankreichs neuer Präsident drängt in Berlin zur Eile bei
Lösung der EU-Probleme
Do.17.05.07 - Der neue französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy will
nach seiner Amtsübernahme zusammen mit Deutschland bei der
Lösung der drängenden EU-Probleme rasch vorankommen.
«Europa wartet darauf, dass wir die Initiative ergreifen»,
sagte Sarkozy bei seinem ersten Auslandsbesuch am Mittwochabend in
Berlin.
«Europa muss aus der Lähmung heraus (...) Es ist wirklich
Eile geboten.» Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel empfing
Sarkozy im Kanzleramt demonstrativ als guten Freund.
Die Kanzlerin kündigte eine «sehr, sehr enge
Abstimmung» mit Sarkozy zur Lösung der Verfassungskrise in
der Europäischen Union (EU) an. Bis zum Jahr 2009 solle die EU auf
eine neue vertragliche Grundlage gestellt werden. Merkel bezeichnete
die deutsch- französische Freundschaft als ein
«Wunder». Sie griff damit ein Wort Sarkozys auf, das dieser
nach seiner Amtsübernahme in Paris beim Besuch einer
Erinnerungsstätte für Widerstandskämpfer gegen die Nazi-
Besetzung ausgesprochen hatte.
«Ich möchte der deutschen Regierung und dem deutschen Volks
sagen, dass für Frankreich die deutsch-französische
Freundschaft heilig ist und dass nichts diese Freundschaft in Frage
stellen kann», sagte Sarkozy. Als besondere Geste der
Freundschaft hatte Sarkozy unmittelbar nach seiner Amtsübernahme
Deutschland besucht. Er wurde vor dem Kanzleramt mit militärischen
Ehren empfangen. Merkel und Sarkozy kennen sich seit Jahren aus der
Zusammenarbeit in der Europäischen Volkspartei. Beide führten
ein erstes Arbeitsgespräch, bei dem es um die EU-Verfassung und
internationale Fragen ging.
Sarkozy hatte zuvor in einer prunkvollen Zeremonie im
Élyséepalast das Amt des Staatspräsidenten
übernommen. Der 52-jährige Konservative löste Jacques
Chirac (74) ab, der zwölf Jahre lang im Amt war und besonders enge
Beziehungen zu Deutschland pflegte.
Unions-Vize-Fraktionschef Andreas Schockenhoff (CDU) rechnet mit einem
neuen «deutsch-französischen Motor» für die EU.
«Jetzt wird es deutlich mehr Dynamik geben», sagte er der
Deutschen Presse-Agentur dpa. «Es kann im größer
gewordenen Europa nur Fortschritte geben, wenn Frankreich und
Deutschland sich nicht nur einig sind, sondern gemeinsam Initiativen
ergreifen.»
(Quelle: dpa)
EU-Kommission empfiehlt Einstellung des deutschen Defizitverfahrens
Do.17.05.07 - Die EU-Kommission hat am Mittwoch die Einstellung des Defizitverfahrens
gegen Deutschland empfohlen. Zur Begründung verwies die
Brüsseler Behörde darauf, dass die Neuverschuldung 2006 mit
1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts die im Stabilitätspakt
festgelegte Grenze von drei Prozent unterschritten habe und in diesem
Jahr weiter auf 0,6 Prozent sinken dürfte. Für die
endgültige Einstellung des Defizitverfahrens ist ein Beschluss der
EU-Finanzminister erforderlich, die am 5. Juni in Luxemburg
zusammentreten. Neben Deutschland sollen nach der Empfehlung der
Kommission auch Griechenland und Malta aus dem Defizitverfahren
entlassen werden.
(Quelle: ap)
G8-Gipfel in Heiligendamm: Verfassungsschutzpräsident erwartet
Anschläge
Do.17.05.07 - Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz
Fromm, rechnet vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm mit neuer Gewalt durch
Linksextremisten. «Die Behörden müssten besonders
für Berlin, Hamburg und den norddeutschen Raum insgesamt weitere
Anschläge einkalkulieren», sagte Fromm der «Passauer
Neuen Presse» (Donnerstagausgabe) unter Hinweis auf die
Aktivitäten von Linksextremisten in der Vergangenheit.
«Die militante Kampagne, die wir schon seit 2005 sehen, hat zu
einer Vielzahl von Straftaten und bis heute zu 20 Brandanschlägen
mit teils erheblichen Schäden geführt», sagte er.
Beim Gipfel selbst sei mit Stör- und Blockadeaktivitäten zu
rechnen. Es besteht die Gefahr, dass etwa bei der
Großdemonstration in Rostock am 2. Juni «aus der Mitte der
Teilnehmer von einer Minderheit Gewalt ausgeübt wird».
Auch in der rechtsextremistischen Szene sieht Fromm eine
verstärkte Neigung zur Gewalt. Dies lasse sich daraus ableiten,
dass zwar die Anzahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten gleich
geblieben sei, während sich die Zahl der rechtsextremistischen
Gewalttaten erhöht habe.
Auch die Gefahr, islamistischer Anschläge sei weiter erheblich und
real». Fromm betonte: Es gibt die Sorge, dass es aktuell
entsprechende Planungen gibt. Die USA haben bekanntlich vor
Anschlägen auf amerikanische Einrichtungen in Deutschland gewarnt.
Das ist weiterhin relevant»
(Quelle: ap)
Abhöraktion gegen Anwalt von El Masri war verfassungswidrig
Do.17.05.07 - Die Abhöraktion der Staatsanwaltschaft München gegen den
Anwalt des mutmaßlich von CIA-Agenten entführten
Deutsch-Libanesen Khaled El Masri hat gegen das Grundgesetz
verstoßen. Das entschied das Bundesverfassungsgericht in einem am
Mittwoch veröffentlichten Beschluss. Die Telefonüberwachung
bei El Masris Anwalt Manfred Gnjidich habe dessen Fernmeldegeheimnis und
Berufsausübungsfreiheit verletzt.
Im Januar 2006 hatte das Amtsgericht München auf Antrag der
Staatsanwaltschaft die Überwachung des Telefon- und Faxanschlusses
der Kanzlei von Gnjidic sowie seines Handys und des Handys seiner
Ehefrau angeordnet. Zur Begründung hieß es, aufgrund der
Medienberichterstattung über den Fall müsse damit gerechnet
werden, dass die Entführer telefonisch mit El Masri oder seinem
Anwalt in Verbindung träten, um eine «Lösung des
Falles» zu diskutieren.
In Presseberichten wurde etwa der Erhalt von Schweigegeld diskutiert.
Das Nachrichtenmagazin «Focus» hatte berichtet, bei den
Ermittlungsakten zu El Masri befinde sich ein Vermerk über eine
Entschädigung, von der US-Botschafter Daniel Coats im Mai 2004 den
damaligen Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) unterrichtet haben soll.
El Masri war am 31. Dezember 2003 in Mazedonien wegen Terrorverdachts
festgenommen und mutmaßlich vom US-Geheimdienst im Januar 2004
nach Afghanistan verschleppt worden. Dort wurde er bis Mai 2004
festgehalten und nach eigenen Angaben auch gefoltert.
Das Landgericht München I hatte die Überwachungsanordnung des
Amtsgerichts bestätigt. Das Verfassungsgericht bewertete den
Eingriff in das Fernmeldegeheimnis jedoch als
«unverhältnismäßig». Die Wahrscheinlichkeit,
dass El Masri von den Tätern kontaktiert werden würde, sei
von vornherein gering gewesen. Es habe sich nur um wenig konkrete
«Vermutungen» der Ermittler gehandelt. (AZ: 2 BvR 2151/06 -
Beschluss vom 30. April 2007)
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Laut KiGGS-Studie sozial benachteiligte Kinder häufiger krank
Do.17.05.07 - Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien werden
häufiger krank als bessergestellte Gleichaltrige. Das geht aus
einer bundesweiten Studie des Robert-Koch-Instituts hervor, die
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Mittwoch in Berlin
vorgestellte. Demnach sind sozial benachteiligte Kinder häufiger
von chronischen Krankheiten und Unfällen betroffen, treiben
weniger Sport und gehen seltener zum Arzt.
Das Institut hatte im Auftrag der Bundesregierung zwischen 2003 und
2006 knapp 18 000 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren
untersucht.
«Im Großen und Ganzen geht es Kindern in Deutschland
gut», bilanzierte Schmidt, «aber es gibt eben auch das
Gegenteil.» So haben chronische Krankheiten der Studie zufolge
zugenommen. Jeweils rund 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden
an Bronchitis beziehungsweise Neurodermitis. Mehr als 11 Prozent der
Mädchen und fast 18 Prozent der Jungen weisen
Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Probleme auf.
«Anlass zur Sorge» bereitet laut Schmidt, dass in allen
Krankheits- und Risikofeldern sozial schwächere beziehungsweise
Kinder mit Migrationshintergrund Spitzenreiter seien. «Diese
Chancenungleichheit dürfen wir nicht zulassen», betonte die
Gesundheitsministerin. Aufklärung und Beratung müsse
«bis in den letzten Stadtteil» verbreitet werden.
Kinder berufstätiger Eltern sind der Studie zufolge seltener
verhaltensauffällig als Gleichaltrige, die zu Hause betreut
werden. «Gesundheit hat viel mit Bildung und Erziehung zu
tun», betonte Schmidt mit Blick auf den Koalitionsstreit zur
Kleinkinderbetreuung. Ein «Betreuungsgeld» für Eltern,
die ihre Kinder zu Hause betreuen lehnte sie ab.
Weiter ergab die Studie, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen
Übergewicht haben. Bei den Mädchen im Teenageralter sind es
sogar fast 30 Prozent. Ein Großteil der Untersuchten treibt
regelmäßig Sport. Die deutlichsten Bewegungsdefizite weisen
Mädchen mit niedrigem Sozialstatus und Migrationshintergrund auf.
Jeder fünfte Jugendliche raucht. Am höchsten ist der
Raucheranteil an Hauptschulen in den neuen Bundesländern.
(Quelle: ddp)
Gesundheitsrisiko Armut
Das Robert-Koch-Institut hat am Mittwoch in Berlin die Basisergebnisse
seiner Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS vorgestellt. Einige
Resultate waren in den vergangenen Monaten schon veröffentlicht
worden. Jetzt liegt die gesamte Auswertung dieser international
einmaligen Untersuchung vor, für die von Mai 2003 bis Mai 2006
fast 18.000 Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland befragt wurden.
Die Nachrichtenagentur AP hat einige der wichtigsten Ergebnisse
zusammengestellt.
RISIKOFAKTOR RAUCHEN: Gut 20 Prozent der Jugendlichen im Alter von elf
bis 17 Jahren rauchen. Vor allem Jungen und Mädchen aus sozial
schwachen Familien greifen zur Zigarette. So rauchen zum Beispiel
Hauptschüler fünf Mal häufiger als Gleichaltrige aus dem
Gymnasium.
RISIKOFAKTOR ALKOHOL und DROGEN: Beim Alkohol- und Drogenkonsum spielen
soziale Unterschiede kaum eine Rolle. Ein Drittel der Jungen und ein
Viertel der Mädchen trinken nach eigenen Angaben mindestens einmal
pro Woche Alkohol. Neun Prozent der Jungen und sechs Prozent der
Mädchen geben an, in den letzten zwölf Monaten Haschisch oder
Marihuana konsumiert zu haben. Zu Drogen wie Ecstasy oder Speed greifen
der Studie zufolge weniger als ein Prozent der Elf- bis
17-Jährigen.
CHRONISCHE ERKRANKUNGEN: sind deutlich auf dem Vormarsch. Am
häufigsten leiden Kinder und Jugendliche in Deutschland unter
Bronchitis (13,3 Prozent), Neurodermitis (13,3 Prozent) und
Heuschnupfen (10,7 Prozent). Mehr als fünf Prozent haben eine
Wirbelsäulenverkrümmung, knapp fünf Prozent leiden unter
Asthma, 3,6 Prozent unter Krampfanfällen.
ALLERGIEN haben ebenfalls massiv zugenommen. Bei Bluttests reagierten
40 Prozent der Jungen und Mädchen auf mindestens eines von 20
Allergenen positiv. Auffällig ist, dass die Allergierate in
Ostdeutschland inzwischen genauso hoch ist wie im Westen. Vor der
deutschen Einheit war sie dort noch signifikant niedriger.
ÜBERGEWICHT 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren
gelten als übergewichtig, 6,3 Prozent sogar als fettleibig. Das
Problem verstärkt sich, je älter die Kinder werden. Klare
Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen oder Ost und West sind
nicht zu erkennen, wohl aber soziale Risikofaktoren. So sind Kinder aus
Familien mit niedrigem Sozialstatus oder Migrationshintergrund deutlich
stärker gefährdet als andere. Das gilt auch für
Heranwachsende, deren Mütter übergewichtig sind.
ESSSTÖRUNGEN Fast 22 Prozent der Jugendlichen von elf bis 17
Jahren leiden unter Essstörungen. Mädchen sind besonders
gefährdet. Von ihnen zeigen 29 Prozent entsprechende Symptome,
unter den Jungen liegt der Anteil bei 15 Prozent. Besonders groß
ist das Problem bei Kindern aus armen Familien, die fast doppelt so
häufig betroffen sind wie ihre Altersgenossen aus wohlhabenderen
Familien. Essstörungen gehören der Studie zufolge zu den
häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen im Kindes- und
Jugendalter. Auffällig ist, dass die Betroffenen mehr rauchen als
andere und häufiger über Erfahrungen sexueller
Belästigung berichten.
PSYCHISCHE STÖRUNGEN Fast 18 Prozent der Jungen und zwölf
Prozent der Mädchen bis 17 Jahren zeigen
Verhaltensauffälligkeiten, vor allem Verhaltensprobleme,
emotionale Schwierigkeiten und Hyperaktivität. Jeder zehnte Junge
(10,8 Prozent) zeigt der Untersuchung zufolge Anzeichen für
Hyperaktivität. Bei Mädchen liegt der Anteil bei knapp
fünf Prozent. Unter den Kindern aus sozial schwachen Familien
leiden sogar 23 Prozent unter psychischen Probleme oder zeigen
zumindest Anzeichen dafür.
Quelle: ap, 16.05.2007
Mehr unter:
http.//www.kiggs.de
Kinder- und Jugendgesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts
(KiGGS-Studie)
KiGGS, die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie des
Robert-Koch-Instituts, ist die bisher umfassendste Untersuchung zum
Gesundheitszustand junger Menschen in Deutschland. Die Daten für
dieses international beispiellose Projekt wurden von Mai 2003 bis Mai
2006 erhoben. In dieser Zeit besuchten Teams des Robert-Koch-Instituts
bundesweit 167 Städte und Gemeinden und richteten für die
«Feldarbeit» eigens Studienzentren ein.
In den drei Jahren wurden insgesamt 17.641 Jungen und Mädchen im
Alter bis zu 17 Jahren medizinisch untersucht und - teils über die
Eltern - befragt. Erhoben wurden Angaben zu Ernährung, Bewegung,
Drogen- und Alkoholkonsum ebenso wie zum Impfstatus und zum
Vorsorgeverhalten. Diese Daten ermöglichten erste Hinweise auf
Risikofaktoren und besonders betroffene Gruppen. Erstmals wurden auch
Heranwachsende mit Migrationshintergrund entsprechend ihres
Bevölkerungsanteils beteiligt, bundesweit insgesamt 2.590 Kinder
und Jugendliche.
Seit dem Sommer 2006 wurden die Ergebnisse ausgewertet, erste Resultate
sind bereits veröffentlicht. Schon sie haben bestätigt, dass
Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozialen Status in
fast allen untersuchten Bereichen gesundheitlich benachteiligt sind.
Die breit angelegten Basisergebnisse wurden am Mittwoch in Berlin von
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Vertretern des
Robert-Koch-Instituts vorgestellt.
Quelle: ap, 16.05.2007
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Abwechslungsreiches Leben hält Gehirn fit
Do.17.05.07 - Verschiedene Umweltfaktoren können das menschliche Gehirn auch im
Alter noch stark beeinflussen. Das haben Wissenschaftlern der Scuola
Normale Superiore und des Istituto di Neuroscienze in Pisa in einer
Versuchsreihe herausgefunden. Dabei führten sie mit Mäusen und
Ratten Aktivitäten wie Spielen, Sport und Erkundungen durch.
Laut der italienischen Studie hat ein an physischen, intellektuellen,
sozialen und gefühlsmäßigen Anregungen reiches Leben
positive Auswirkungen auf das Gehirn. Kognitive Fähigkeiten bei
Lernprozessen werden spürbar verbessert und Alterungsvorgänge
- einschließlich Alzheimer-Symptome - deutlich abgeschwächt.
Die Forscher meinen, dass sogar die viel verbreitete Amblyopie, eine im
Jugendalter auftretende Sehstörung, durch eine gezielte Kombination
von Stimulanzien geheilt werden kann.
Nach Ansicht der italienischen Wissenschaftler biete ihre Entdeckung
einen natürlichen Therapieansatz für viele Formen von
Gehirnerkrankungen. Invasive Eingriffe wie beispielsweise das
Einspritzen von Pharmasubstanzen in die betroffenen Gehirnregionen
könnten durch diese Methode vermieden werden.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)
Fruchtfliegen haben 'freien Willen'
Do.17.05.07 - Selbst ein scheinbar so einfaches Lebewesen wie die Fruchtfliege
verfügt Hamburger Forschern zufolge über eine gehörige
Portion freien Willen. Die Fliegen seien in der Lage, spontane
Entscheidungen zu treffen, denen kein einfacher
Ursache-Wirkung-Mechanismus zu Grunde liege.
Das schreiben die Forscher im Fachblatt «PLoS ONE» (Bd. 2,
Nr. 5, Artikel e443). «Selbst Fliegen-Gehirne sind mehr als reine
Input-Output-Systeme.»
Die Forscher um den Computerwissenschaftler Alexander Maye von der
Universität Hamburg hatten die winzigen Fliegen in weißen
Boxen an dünnen Fäden aufgehängt - sie konnten so nicht
von äußeren Faktoren beeinflusst werden. Die Flugmanöver
von insgesamt etwa 40 Tieren - nach rechts, nach links, im Kreis -
wurden jeweils eine halbe Stunde lang aufgezeichnet und mit einem
ausgeklügelten Rechenprogramm analysiert. Das Ergebnis: Statt der
erwarteten zufälligen Verteilung ließen die
«Flugprotokolle» eine klare Struktur erkennen. Das Gehirn
der Fliegen müsse also eine Funktion beinhalten, die es ihnen
ermögliche, spontan und ohne äußere Ursache ihren Flug
zu variieren, schreiben die Forscher.
Zur Prüfung ließen die Wissenschaftler in immer komplexeren
Computer-Modellen mögliche Zufalls-Flugbahnen berechnen - kamen
aber nie auf ein Ergebnis, das der Realität ähnelte. Sie
wiesen damit erstmals nach, dass Abweichungen im Verhalten von
Drosophila melanogaster nicht zufällig sein können, sondern
auf spontane Entscheidungen zurück gehen müssen. «Ich
hätte niemals vermutet, dass einfache Fliegen, die in anderen
Situationen immer wieder gegen das selbe Fenster knallen, die
Fähigkeit zu nicht zufälliger Spontanität
besitzen», schreibt Maye in dem Magazin.
Zuvor seien abweichende Reaktionen von Wissenschaftlern meist als
statistische Zufallsfehler interpretiert worden. «Tiere und vor
allem Insekten werden für gewöhnlich als komplexe Roboter
angesehen, die lediglich auf äußere Reize reagieren»,
zitiert «PLoS» den Mitautor Björn Brembs von der Freien
Universität Berlin. Der nun entdeckte Mechanismus sei
wahrscheinlich auch bei anderen Tieren zu finden und könne die
Basis dessen sein, was die Menschheit allgemein als «freien
Willen» bezeichne, heißt es in dem Bericht weiter.
Nun müssten die genetischen Grundlagen der spontanen
Entscheidungen ergründet werden, schreiben die Forscher. Diese
könnten möglicherweise zur Entwicklung von Robotern
führen, die sich eigenen spontanen Ideen folgend verhalten. Zudem
lasse sich so vielleicht mehr über die Ursachen von Krankheiten wie
Depressionen oder Schizophrenie heraus finden.
(Quelle: dpa)
Studie: Auch Affenweibchen töten Nachwuchs konkurrierender
Stämme
Do.17.05.07 - Auch Schimpansenweibchen können zu Kindsmörderinnen werden.
Die bisher nur Affenmännchen zugeschriebene Neigung, die Nachkommen
konkurrierender Stämme durch Tötungen zu dezimieren,
entdeckten schottische Wissenschaftler bei Schimpansenweibchen in
Uganda, wie eine am Dienstag in der Zeitschrift "Current Biology"
veröffentlichte Studie ergab. Die Forscher der Universität
St. Andrews beobachteten, wie Schimpansinnen mehrere kleine
Äffchen ihren Müttern entrissen und sich auch nicht von den
zur Hilfe eilenden Affenmännchen beeindrucken ließen. Ein
Schimpansenkind wurde vor den Augen der Wissenschaftler getötet.
Die Forscher stießen zudem auf Hinweise, dass es weitere
ähnliche Fälle gegeben haben müsse.
Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass nur Affenmännchen die
Nachkommen anderer Stämme töten, um ihrem eigenen Stamm einen
Vorteil zu verschaffen. In den 70er Jahren hatte eine Affenforscherin
zwar in Tansania beobachtet, wie Affenweibchen zwei Äffchen
töteten und verspeisten. Doch war dieses Verhalten als pathologisch
und keineswegs üblich interpretiert worden. Die jüngsten
Beobachtungen in Uganda könnten belegen, dass die Tötungen
durch Affenweibchen viel verbreiteter sind als bisher angenommen. Das
könnte besonders dann der Fall sein, wenn - wie bei dem Stamm in
Uganda - die Anzahl der Männchen sehr gering sei, schrieben die
Wissenschaftler. Dann fühle sich das "schwache Geschlecht" in der
Pflicht, das Überleben des eigenen Stammes zu sichern.
(Quelle: afp)
'Hubble' kartiert mysteriöse Dunkle Materie im All
Do.17.05.07 - Das Weltraumteleskop «Hubble» hat einen der bislang
stärksten Beweise für die Existenz der mysteriösen
Dunklen Materie im All geliefert. In einem fünf Milliarden
Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen entdeckten Forscher mit dem
Teleskop einen Ring aus der rätselhaften Substanz.
Dies berichtete das europäische «Hubble»-Zentrum am
Dienstag in Garching bei München. Dunkle Materie, deren
Zusammensetzung völlig unbekannt ist, findet sich im Universum
mindestens fünf mal häufiger als gewöhnliche Materie, aus
der Sterne und Planeten aufgebaut sind. Sie lässt sich allerdings
nicht direkt beobachten, sondern verrät sich nur durch ihre
Schwerkraft.
Die Forscher um James Jee von der Johns-Hopkins-Universität in
Baltimore nahmen den Galaxienhaufen ZwCl0024+1652 im Sternbild Fische
ins Visier. Dabei entdeckten sie eigentümliche Verzerrungen, die
sie zunächst für Abbildungsfehler hielten. Die genaue Analyse
zeigte dann, dass die Verzerrungen von der Schwerkraft eines riesigen
Rings Dunkler Materie verursacht werden, der vermutlich in einer
gigantischen Kollision zweier Galaxienhaufen entstanden ist.
«Obwohl unsichtbare Materie schon in anderen Galaxienhaufen
gefunden wurde, ist sie noch nie so stark getrennt von den Galaxien und
dem heißen Gas der Galaxienhaufen aufgespürt worden»,
sagte Jee.
Der Ring aus Dunkler Materie verzerrt mit seiner großen
Schwerkraft das Licht dahinter liegender Galaxien. Die Astronomen
vergleichen das mit dem verzerrten Abbild von Kieselsteinen am Boden
eines Teichs, in den ein Steinchen geworfen wurde. Eine ähnliche
Beobachtung hatten andere Forscher im vergangenen Jahr bei einer
weiteren Galaxienhaufenkollision gemacht. Bei dieser Kollision, die von
der Erde aus von der Seite zu sehen ist, trennte sich das heiße,
gewöhnliche Gas beider Galaxienhaufen von den Galaxien und der
Dunklen Materie.
In der jetzt beschriebenen Kollision, die genau von vorne zu sehen ist,
entstand ein offensichtlich isolierter Ring aus reiner Dunkler Materie.
Die Forscher hoffen nun, aus der Beobachtung mehr über das
Schwerkraftverhalten der rätselhaften Substanz zu erfahren.
«Die Natur macht ein Experiment für uns, das wir nicht im
Labor machen können», sagte Jees Universitätskollege
Holland Ford.
(Quelle: dpa)