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Irak am tausenddreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Britische Experten warnen vor Zusammenbruch des Irak. Zweiter Anschlag
auf Brücke in Bagdad innerhalb einer Woche. US-iranische
Gespräche über Irak ab 28. Mai
Fr.18.05.07 - In ihrer bislang dramatischsten Studie zur Entwicklung im Irak haben
britische Experten den Zusammenbruch und die Zersplitterung des Landes
in verfeindete Herrschaftsgebiete vorausgesagt.
Die Regierung in Bagdad sei mittlerweile gegenüber mehreren lokal
begrenzten Bürgerkriegen und Aufständen völlig machtlos,
erklärte die anerkannte außenpolitische
«Denkfabrik» Chatham House, das frühere
Königliche Institut für Internationale Angelegenheiten.
In dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, mit dem
frühere Irak-Studien fortgesetzt werden, drängen die
Politikwissenschaftler die Regierungen der USA und
Großbritanniens zu radikalen Veränderungen ihres Vorgehens.
Andernfalls werde das Auseinanderbrechen des Irak von Tag zu Tag
wahrscheinlicher. In dem Bericht mit dem Titel «Accepting
Realities in Iraq» (Die Realitäten im Irak akzeptieren)
heißt es: «Es gibt im Irak nicht "einen" Bürgerkrieg,
sondern viele Bürgerkriege und Aufstände, an denen eine
große Zahl von Gemeinden und Organisationen um Macht
kämpfen.»
Zu einem großen Teil sei die Terrororganisation El Kaida in
Aufstände, Anschläge und Kämpfe verstrickt,
erklärte der Leiter der Studie, der Nahost-Experte Gareth
Stansfield. Obwohl sie in einigen Gebieten von regionalen irakischen
Führern bekämpft werde, die eine Einmischung von außen
unterbinden wollen, hätten die Gewaltaktionen der
El-Kaida-Terroristen längst eine starke Eigendynamik bekommen.
Den USA und Großbritannien wird empfohlen, viel stärker als
bisher die Nachbarstaaten des Irak für Bemühungen um die
Befriedung des Landes zu gewinnen. Diese Länder hätten
große Möglichkeiten, die Lage im Irak zu beeinflussen.
Zugleich kritisiert der Bericht, dass die regionalen Nachbarn Iran,
Saudi-Arabien und Türkei die Zunahme der Instabilität des
Irak aus egoistischen Interessen förderten. Jedes dieser
Länder nutze dafür unterschiedliche Methoden.
Die gesamte irakische Gesellschaft sei «durch die sich
summierenden Effekte von Bombenanschlägen, Entführungen,
Morden, Drohungen und Einschüchterungen» verändert
worden. Die ohnehin nur fragilen Bande des inneren Zusammenhalts seien
dadurch der Gefahr ausgesetzt, völlig zerschlagen zu werden.
«Diese harten Realitäten müssen akzeptiert und für
neue Strategien berücksichtigt werden, wenn diese irgendeine
Chance haben sollen, den Irak vor dem Versagen und dem Zusammenruch zu
bewahren», heißt es in der Studie. Das jüngste
«Aufbäumen» der US-Truppen im Irak mit
verstärkten militärischen Aktionen hat nach Einschätzung
Stansfields nicht zur Eindämmung der Gewalt geführt, sondern
sie lediglich in andere Gebiete des Landes abgedrängt.
Zu den Lösungsvorschlägen der Experten gehört vor allem
die stärkere Einbeziehung der aufständischen Sunniten in eine
Regierung, die tatsächlich alle wichtigen Kräfte des Landes
repräsentieren müsse. Auch der radikale Schiitenprediger
Muktada al-Sadr müsse beteiligt und als legitimer politischer
Führer anerkannt werden. Zudem sei es erforderlich, die Kurden im
Norden durch die Schaffung einer klaren rechtlichen Grundlage für
eine föderative Selbstverwaltung einzubinden. Nur so würden
sie auf Dauer friedlich in einem irakischen Staat bleiben.
Zum zweiten Mal binnen einer Woche haben Aufständische in Bagdad
am Donnerstag eine Bombe in der Nähe einer Brücke zur
Explosion gebracht. Dabei wurden nach Polizeiangaben zwei Zivilpersonen
getötet und fünf verwundet. Beim ersten Anschlag am Freitag
vergangener wurde die Brücke über den Dijala, einem Zufluss
des Tigris, beschädigt. Seither war sie für den
Fahrzeugverkehr gesperrt.
Gespräche zwischen Vertretern des Irans und der USA über die
Sicherheitslage im Irak sollen am 28. Mai im Irak aufgenommen werden.
Dabei sollten auch irakische Vertreter anwesend sein, erklärte der
iranische Außenminister Manutschehr Mottaki am Donnerstag am Rande
des Jahrestreffens der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in
Islambad. Auf der Tagesordnung stehe lediglich das Thema Irak. Das
Treffen finde auf Botschafterebene statt.
(Quellen: dpa. ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 18.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertneunundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Wieder Tote bei israelischen Luftangriffen
Fr.18.05.07 - Bei zwei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind am
Freitagmorgen nach palästinensischen Angaben mindestens vier
Menschen getötet worden. Bereits am Donnerstag waren bei fünf
Luftangriffen auf mutmaßliche Stellungen militanter
Hamas-Mitglieder sechs Palästinenser getötet worden. Israel
reagiert damit nach eigener Darstellung auf den Beschuss seiner
Grenzstädte und -siedlungen mit Raketen der Hamas.
Ministerpräsident Ehud Olmert besuchte am Donnerstagabend
demonstrativ die südisraelische Stadt Sderot.
«Ich will in dieser Krise so vorgehen, dass die Gefahr so weit
wie möglich beseitigt wird», sagte Olmert. Während
seines Besuchs wurde Raketenalarm gegeben. Ein Mitarbeiter in seiner
Begleitung sagte, er wisse nicht, ob eine Rakete in Sderot
eingeschlagen sei.
Einige israelische Panzer und Soldaten stießen über die
Grenze vor. Die israelische Regierung betonte, es handele sich um
punktuelle Schläge, um erneute Raketenangriffe von
radikalislamischen Hamas-Kämpfern zu verhindern.
Den Kämpfen zwischen Anhängern der Fatah und der Hamas fielen
allein am Mittwoch 22 Menschen zum Opfer. Nach der Vereinbarung einer
Waffenruhe beruhigte sich die Lage am Donnerstag zunächst etwas.
Bewohner der Stadt Gaza nutzten dies zu Einkäufen. Am Mittag aber
flammten neue Schießereien auf, bei denen mindestens fünf
Menschen ums Leben kamen.
Der militärische Flügel der Hamas kündigte Vergeltung
für einen Angriff auf sein Verwaltungsgebäude an. In einer an
Journalisten geschickten SMS sprach Hamas-Funktionär Abu Obeida
von einem offenen Krieg Israels gegen seine Organisation. Daher seien
Vergeltungsmaßnahmen bis hin zu Selbstmordanschlägen
möglich.
(Quelle: ap)
Kolumbianischer Kriegsherr belastet US-Multis
Fr.18.05.07 - US-Konzerne wie Chiquita, Dole und Del Monte haben nach Angaben eines
kolumbianischen Kriegsherrn jahrelang rechtsgerichtete Todesschwadronen
unterstützt. Ein Anwalt der Opfer paramilitärischer Gewalt,
Jesus Vargas, teilte nach einer Vernehmung des inhaftierten Kriegsherrn
Salvatore Mancuso am Donnerstag in Bogota mit, dieser habe
erklärt, die Konzerne hätten einen US-Cent für jede
Bananenkiste gezahlt, die sie exportiert hätten. Mancusos Anwalt
Hernando Benavides bestätigte diese Angaben. Mancuso wird unter
Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen.
Mancuso nannte keine Gründe, warum die Firmen die illegalen
Milizen bezahlten. Es ist aber bekannt, dass die Todesschwadronen in
ihrem Kampf gegen linksgerichtete Guerilla-Organisationen
«Kriegssteuern» erhoben. Zudem weisen Menschenrechtsgruppen
daraufhin, dass sie oft bei der gewaltsamen Zerschlagung von
Gewerkschaftsbewegungen mitwirkten. Hunderte von Aktivisten, die
für Arbeitnehmerrechte eintraten, seien von ihnen getötet
worden.
Ein Sprecher des kalifornischen Dole-Konzerns wies die Vorwürfe
zurück. Chiquita hat eingeräumt, den Milizen über sechs
Jahre 1,7 Millionen Dollar (1,26 Millionen Euro) gezahlt zu haben.
Dafür habe man in einem Abkommen mit dem US-Justizministerium 25
Millionen Dollar (18,15 Millionen Euro) Strafe gezahlt.
Chiquita hat erklärt, es habe an die Milizen gezahlt, um die
Sicherheit seiner Arbeiter in Kolumbien zu erreichen. Die
kolumbianische Staatsanwaltschaft hat demgegenüber erklärt,
Firmen, die an Todesschwadronen gezahlt hätten, seien auch
für deren Morde mitverantwortlich.
Mancuso belastete auch andere Firmen. Die marktbeherrschenden
kolumbianischen Getränkehersteller Postobon und Bavaria
hätten ebenso «Steuern» an die Paramilitärs
gezahlt.
(Quelle: ap)
US-Regierung will Sonderspuren für umweltfreundliche Autos
freigeben
Fr.18.05.07 - Die US-Regierung will einen besonderen Anreiz für den Kauf
umweltfreundlicher Autos schaffen: Besitzer von Fahrzeugen, die im
Vergleich zu vergleichbaren Benzinmodellen 25 Prozent weniger
Treibstoff verbrauchen, sollen auf reservierten Fahrbahnen schneller
durch den Berufsverkehr kommen. Wie die Umweltschutzbehörde (EPA)
am Donnerstag in Washington mitteilte, würden sich mit nur dem
Fahrer an Bord derzeit nur Hybrid-Fahrzeuge der Marken Toyota, Honda,
Ford und Mazda sowie zwei Erdgas-Modelle von Honda und Ford für
die «High Occupany Vehicle Lanes» (HOV) qualifizieren. In
weniger effizienten Autos ist dieses in vielen US-Staaten bisher nur
erlaubt, wenn mindestens zwei oder drei Personen in dem Auto reisen.
(Quelle: ap)
16 Städte starten Initiative zur Senkung ihres Energieverbrauchs
Fr.18.05.07 - 16 Städte in aller Welt wollen ihre öffentlichen Gebäude
energie-effizient sanieren und damit den Ausstoß von
Treibhausgasen drastisch senken. Das ehrgeizige Projekt unter Leitung
der Stiftung von Ex-US-Präsident Bill Clinton sieht Finanzhilfen
verschiedener Banken in Höhe von einer Milliarde Dollar (750
Millionen Euro) für eine Reihe von Maßnahmen vor, die unter
anderem Berlin, New York, London und Tokio zugute kommen sollen.
Vorgesehen sind nach Angaben der Clinton-Stiftung unter anderem der
Austausch von Heizungen, Klimaanlagen und Beleuchtungssystemen. Zudem
sollen Dächer mit weißer oder reflektierender Farbe
gestrichen werden, um die Sonneneinstrahlung abzublocken. Damit
könne der Energieverbrauch der Gebäude um 20 bis 50 Prozent
und damit auch der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden.
Für das Projekt stellen die Finanzhäuser Deutsche Bank,
Citibank, JP Morgan Chase, UBS sowie ABN Amro jeweils eine Milliarde
Dollar (740 Millionen Euro) zur Verfügung, wie Clinton
erklärte.
Das Projekt, an dem auch vier Energieversorger beteiligt sind, wurde am
Mittwoch auf der internationalen Städte-Klimakonferenz in New York
vorgestellt. Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone sprach von
einem «bemerkenswerten Durchbruch». Damit werde es für
die Städte finanziell machbar, die Emissionen von Gebäuden
drastisch zu senken, sagte Livingstone. Die beteiligten Städte
sind: New York, Chicago, Houston, Toronto, Mexiko-Stadt, London, Berlin,
Tokio, Rom, Neu-Delhi, Karachi, Seoul, Bangkok, Melbourne, Sao Paolo
und Johannesburg.
Gebäude haben mit den größten Anteil am weltweiten
Ausstoß von Treibhausgasen. In jüngeren Städten
beanspruchen sie 50 Prozent des Energieverbrauchs, in älteren
Städten liegt der Wert bei bis zu 70 Prozent. Spitzenreiter ist New
York, wo 79 Prozent aller Emissionen auf Gebäude zurückgehen.
Los Angeles kündigte unterdessen eine Reduzierung seiner
Treibhausgas-Emissionen bis 2030 noch unter den im Kyoto-Protokoll
vereinbarten Wert an. Die Emissionen sollen dann um 35 Prozent unter dem
Wert von 1990 liegen, wie Bürgermeister Antonio Villaraigosa am
Dienstag erklärte. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen
beispielsweise mehr Bäume gepflanzt und die Haushalte mit
Energiesparlampen ausgerüstet werden. Villaraigosa will
außerdem das U-Bahn-System ausbauen - das bislang allerdings kaum
genutzt wird. Außerdem soll der Wasserverbrauch reduziert werden.
«Wir setzen einen neuen grünen Standard»,
kündigte Villaraigosa an. Los Angeles ist die Stadt mit der
größten Luftverschmutzung in den USA. Etwa die Hälfte
davon ist auf den Verkehr zurückzuführen.
(Quelle: ap)
Internationale Städte-Klimakonferenz:
http://www.nycclimatesummit.com
EU-Minister lehnen CO2-Abgabe fürs Fliegen ab
Fr.18.05.07 - Gegen einen Klimazuschlag auf Flugpreise haben sich die
Tourismus-Minister der Europäischen Union ausgesprochen. Auf einem
Treffen in Potsdam lehnten sie am Mittwoch mit großer Mehrheit
einen Antrag ab, eine Kohlendioxid-Abgabe auf Flugtickets zu erheben.
Nur Frankreich habe die Einführung einer solchen Gebühr
unterstützt, verlautete nach dem Treffen. Es sei aber das Ziel
begrüßt worden, den Ausstoß des Treibhausgases in der
EU bis 2020 um 20 Prozent zu senken.
Der Tourismusbeauftragte der deutschen Regierung, Ernst Hinsken,
erklärte, die größten Emissionsanteile im Reisesektor
hätten Auto- und Flugverkehr. Einsparungen könnten mit einer
Verjüngung der gesamten Autoflotte erreicht werden. Im Luftverkehr
könnten Warteschleifen verkürzt und Ziele direkter angeflogen
werden. Generell sollten überzogene Steuern und Gebühren
vermieden werden, sagte Hinsken.
Die EU-Verbraucherschutz-Kommissarin Meglena Kuneva wies darauf hin,
dass der Tourismus europaweit zu den am stärksten wachsenden
Branchen gehöre. Deshalb wolle ihre Verwaltung daran arbeiten,
Europa stärker als Marke im Reisemarkt zu profilieren. Nach
Einschätzung von Experten sollen sich die Reiseankünfte von
derzeit 858 Millionen weltweit bis 2017 auf zwei Milliarden erhöhen.
Hinsken erinnerte daran, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2006
der deutschen Branche ein Wachstum von zehn Prozent und mit 53 Millionen
Übernachtungen von Ausländern so viele wie nie zuvor beschert
habe. Von den im vergangenen Jahr entstandenen 50.000 befristeten Jobs
seien 20.000 in feste Stellen verwandelt werden. Prognosen gingen
außerdem davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren in
Deutschland 250.000 Arbeitsplätze im Tourismus entstehen
könnten, sagte er.
Die EU-Tourismusminister trafen sich anlässlich der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft in Potsdam. Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos sollte die Konferenz ursprünglich leiten, sagte aber
kurzfristig ab.
(Quelle: ap)
Klimaschutz schafft Ausbildungsplätze
Fr.18.05.07 - Für den Klimaschutz werden immer mehr Spezialisten gesucht. Allein
im Bereich der erneuerbaren Energien sind in Deutschland über
200.000 Arbeitsplätze entstanden. «Das ist eine Zahl, die
sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, manche sagen,
verdreifachen wird», erklärt die parlamentarische
Staatssekretärin im deutschen Umweltministerium, Astrid Klug.
«Das bietet große Chancen für Jobs, das bietet auch
große Chancen für Ausbildung.»
In diesem Jahr bildet die Erneuerbare-Energien-Branche bereits 12.000
junge Menschen aus. Im kommenden Jahr sollen es noch einmal 5.000
Ausbildungsplätze mehr werden. Dann würde die Ausbildungsquote
auf 7,5 Prozent steigen und damit deutlich über dem
Bundesdurchschnitt von 4,8 Prozent liegen.
«Erneuerbare Energien sind unendlich - qualifizierter Nachwuchs
nicht», sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands
Solarwirtschaft, Carsten Körnig. Der Verband hat die Anregung von
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel aufgegriffen und wirbt für die
Schaffung neuer Ausbildungsplätze. Gabriel hatte die Initiative
«Umwelt schafft Perspektiven» ins Leben gerufen.
Zunächst 29 Firmen verpflichteten sich, 5.000 zusätzliche
Ausbildungsplätze zu schaffen.
Gabriels Staatssekretärin Klug sagt, die Unternehmen investierten
«in ihren eigenen Nachwuchs, auf den sie angewiesen sein werden,
um die Expansionschancen auch wirklich nutzen zu können».
Einen besonderen Bedarf gebe es in den Ingenieurberufen. Bundes- und
branchenweit können derzeit 22.000 offene Ingenieurstellen nicht
besetzt werden. Da zeichne sich bereits der Fachkräftemangel ab,
sagte die SPD-Politikerin. «Deshalb ist es wichtig, auch bei
jungen Leuten für solche Berufe zu werben, und zwar nicht nur bei
den Jungs, sondern auch bei den Mädels.»
Aber die künftigen Klimaschützer müssen nicht unbedingt
studiert haben. «Es gibt auch große Möglichkeiten im
Ausbildungsbereich, und zwar von der technischen Ausbildung wie
Elektriker und Mechatroniker bis hin zu kaufmännischen
Bereichen», sagt Klug. «Das sind die Techniker, die zum
Beispiel gebraucht werden, um eine Windkraftanlage zu bauen. Das sind
die klassischen Handwerksunternehmen, die die Solaranlagen aufs Dach
bauen.»
Aus den USA kommt die Meldung, dass dort die Nachfrage nach Experten
für den Handel mit Emissionsrechten rasant ansteigt. Aufgabe der
Broker ist es, einem Unternehmen, das mehr klimaschädliches
Kohlendioxid ausstößt als erlaubt, einen Handelspartner zu
vermitteln, der noch Emissionszertifikate übrig hat und sie
verkaufen kann. Klug erklärt, der Emissionsrechtehandel sei in
Deutschland ein Bereich, der noch in den Kinderschuhen stecke, aber
wachse. «Das ist ein zusätzliches Geschäftsfeld für
bisherige Banker.»
Bei den Weiterbildungsangeboten ist Klimaschutz bereits ein Renner.
Für Akademiker bot die Fachhochschule Eberswalde mit
Unterstützung des Naturschutzbunds NABU, der Münchner
Rück und des Potsdamer Klimainstituts PIK zum Wintersemester 2006
das viersemestrige Aufbaustudium Global Change Management an. Ziel ist
es, Spezialisten auszubilden, die effektiv zur Verhinderung oder
Minderung der bedrohlichen Auswirkungen des globalen Umweltwandels
beitragen können.
Wie in den eigenen vier Wänden Klimaschutz betrieben werden kann,
erfahren Hausbesitzer von Energieberatern. Ingenieure, Techniker und
Meister können sich beispielsweise bei der TÜV Süd
Akademie zum Vor-Ort-Energieberater ausbilden lassen. Das 15-tägige
Seminar kosten mehr als 2.000 Euro. Laut TÜV wurden 2006
bundesweit rund 250 Teilnehmer ausgebildet. Sie können nun zum
Beispiel darüber informieren, was die Energiesparverordnung
über die Gebäudehülle aussagt.
Auch im Sport gibt es inzwischen eine Nachfrage nach
Klimaschützern. Deshalb bot der Landessportbund Hessen Ende 2006
zum zweiten Mal eine Ausbildung zum Umwelt- und Klimaberater an.
Veraltete Anlagen und steigende Energiepreise haben bei den Vereinen zu
einem neuen Klimabewusstsein geführt.
(Quelle: ap)
EU-Kommission will Galileo-Rettung Steuerzahlern aufbürden
Fr.18.05.07 - Die EU-Kommission will die Milliardenkosten für die Rettung des
Satelliten-Navigationssystems Galileo zunächst komplett den
Steuerzahlern aufbürden. Dies sei die "vorteilhafteste
Lösung", teilte EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot in Brüssel
mit. Danach soll die öffentliche Hand alle 30 geplanten
Galileo-Satelliten finanzieren, was den EU-Haushalt bis zum Jahr 2013
mit 2,4 Milliarden Euro zusätzlich belasten würde. Das
Projekt sei, so die Kommission, "am Scheideweg" angekommen. Eine
Entscheidung müssen nun die EU-Verkehrsminister im Juni treffen.
Nachdem die Verhandlungen mit dem Betreiberkonsortium, dem auch der
Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und die Deutsche Telekom angehören,
vergangene Woche im Eklat endeten, ist das Projekt gefährdet. In
einem Bericht an die Regierungen räumte die Kommission ein, dass
gemessen an den ursprünglichen Plänen fünf Jahre schon
beinahe verloren seien und beachtliche Mehrkosten entstünden.
Weitere Verzögerungen dürfe es nicht geben, sagte Barrot.
Galileo ist eines der ehrgeizigsten Weltraumprojekt weltweit: Es soll
ab Beginn des kommenden Jahrzehnts metergenaue Ortsbestimmungen für
Autos, Schiffe und Flugzeuge ermöglichen und damit eine deutlich
präzisere Ortsangabe ermöglichen als das bereits bestehende
US-Systems GPS.
Fristen und Kosten des Projekts können nach Ansicht der Kommission
mit einer öffentlichen Finanzierung besser kontrolliert werden.
Anbietern von Anwendungen des Ortungssystems könnten dabei
verlässlichere Zusicherungen gegeben werden, ab wann Galileo
Ortungssignale senden könne. Planung und Finanzierung der gesamten
Infrastruktur durch den öffentlichen Sektor sei "die
vorteilhafteste, realistischste und langfristig kostengünstigste
Lösung", warb die Behörde für das neue Konzept.
Bisher war Galileo im EU-Haushalt mit gut einer Milliarde Euro
veranschlagt. Bis zum Jahr 2030 dürften die Kosten nun auf neun
oder zehn Milliarden Euro steigen. Die Kommission geht davon aus, dass
durch die kommerzielle Nutzung des Systems etwa acht Milliarden Euro
wieder zurückfließen werden.
(Quelle: afp)
Armutslöhne widersprechen laut EU-Kommissar Spidla Sozialmodell
Fr.18.05.07 - EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla hat den Trend zu Dumpinglöhnen
kritisiert. Wenn der Lohn trotz Arbeit nicht reiche und die Menschen
zum Sozialamt gehen müssten, dann stehe dies im krassen
Widerspruch zum europäischen Sozialmodell, sagte Spidla der
«Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». «Arbeit muss
sich lohnen, das heißt, man muss davon leben können»,
sagte Spidla.
Zurückhaltend äußerte sich der EU-Kommissar zur
deutschen Debatte über die Einführung eines gesetzlichen
Mindestlohns. Jedes Land müsse dies selbst entscheiden.
«Aber in Großbritannien sank nach der Einführung des
Mindestlohns die Arbeitslosigkeit und die Erwerbsquote stieg»,
wird der EU-Kommissar zitiert.
(Quelle: ap)
Parteienbündnis gegen das religiöse Lager in der Türkei
Fr.18.05.07 - Die Republikanische Volkspartei der Türkei hat nach wochenlangen
Verhandlungen ein Bündnis mit der Linkspartei vereinbart, um bei
der Wahl im Juli ein gemeinsames Gegengewicht gegen das religiöse
Lager zu bilden. Beide Parteien wollten eng zusammenarbeiten, sagte der
Vorsitzende der Volkspartei (CHP), Deniz Baykal, am Donnerstag nach
Gesprächen mit dem Generalsekretär der Partei der
Demokratischen Linken (DSP), Zeki Sezer.
Die CHP führt die Opposition gegen die Regierung von
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und dessen islamischer
Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) an. «Die
säkulare Demokratie, die Republik ist in Gefahr», sagte
Sezer. Das Bündnis sei die Reaktion darauf. Es wolle sich bei der
Wahl als ernsthafte Regierungsalternative anbieten. Das Abkommen sieht
vor, dass Kandidaten der DSP auf die Liste der CHP aufgenommen werden.
Beide Parteien reagieren mit ihrer Zusammenarbeit auf den Druck der
Basis. In den vergangenen Wochen haben sich mehrere hunderttausend
Menschen an Demonstrationen gegen die AKP beteiligt.
(Quelle: ap)
Blair-Nachfolger Brown will an Irak-Politik festhalten
Fr.18.05.07 - Die Labour-Fraktion im britischen Unterhaus hat Schatzkanzler Gordon
Brown als Nachfolger von Premierminister Tony Blair bestätigt. 313
der 353 Abgeordneten sprachen Brown am Donnerstag ihre
Unterstützung aus. Der einzige Gegenkandidat John McDonnell vom
linken Flügel erklärte bereits am Mittwochabend seinen
Verzicht auf die Führung der Labour Party. Die endgültige
Wahl erfolgt auf einer Parteiversammlung am 24. Juni, drei Tage vor dem
geplanten Einzug in den Amtssitz des Premierministers.
Nach der Entscheidung in der Fraktion kündigte Brown eine
Fortführung der bisherigen Außenpolitik und der engen
Beziehungen zu den USA an. Er sei sich bewusst, dass es in der
Irak-Politik eine tiefe Spaltung in der öffentlichen Meinung gebe,
räumte Brown ein. Er denke aber, «dass wir nun in einer
neuen Phase sind, in der die Menschen in diesem Land unsere
Verpflichtung gegenüber einer neu gewählten irakischen
Regierung anerkennen». Zum Nahostkonflikt kündigte Brown
neue Initiativen in Abstimmung mit den Verbündeten an. In der
Innenpolitik habe die Reform des Gesundheitswesens Vorrang, sagte
Brown. Sein Lieblingsthema aber sei die Bildungspolitik.
Der chancenlose Labour-Abgeordnete McDonnell gratulierte dem
56-jährigen Brown, bedauerte aber, dass der künftige
Parteichef ohne programmatische Aussprache und Abstimmung bestimmt
werde. Obwohl Brown jetzt der einzige Kandidat ist, will er sich auf
einer Wahlkampftour vorstellen. Auch sechs Kandidaten für das Amt
des Vizepremierministers wollen um Unterstützung werben.
Blair und Brown waren die Architekten für die Hinwendung von
Labours zu einem pragmatischen Kurs unter dem Schlagwort «New
Labour». In den letzten Jahren kühlte ihr Verhältnis
ab, da Brown immer deutlicher seinen Anspruch auf das Amt des
Regierungschefs anmeldete. Ursprünglich wollte Blair seine dritte
Amtszeit vollständig absolvieren, gab dann aber dem parteiinternen
Druck nach, zwei Jahre früher abzutreten. In der vergangenen Woche
kündigte er seinen Abschied aus Downing Street 10 zum 27. Juni an
und bekundete erstmals öffentlich seine Unterstützung
für Brown.
(Quelle: ap)
Frankreichs Präsident Sarkozy macht Fillon zum Premierminister
Fr.18.05.07 - Einen Tag nach seinem Amtsantritt hat der französische
Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstag den früheren Sozial-
und Bildungsminister François Fillon zum Premierminister ernannt
und ihn mit der Regierungsbildung betraut.
In seiner ersten Ansprache als Regierungschef versprach Fillon,
Frankreichs Identität in einer globalisierten Welt zu verteidigen
und Sarkozys Regierungsprogramm vollständig umzusetzen. Der
53-jährige soziale Gaullist hatte Sarkozys Wahlkampf geleitet und
dessen Programm entscheidend mitformuliert.
Die Vorstellung des Kabinetts wird für diesen Freitag erwartet.
Als Außenminister ist der Sozialist Bernard Kouchner im
Gespräch, der sich als Gründer der Hilfsorganisation
«Ärzte ohne Grenzen» und als UN-Verwalter des Kosovos
einen Namen gemacht hat. Der frühere Premierminister Alain
Juppé soll dem Vernehmen nach eine zentrale Rolle als Minister
für nachhaltige Entwicklung bekommen. Verteidigungsministerin
Michèle Alliot-Marie dürfte ins Innenressort wechseln. Das
Finanz- und Wirtschaftsministerium soll geteilt werden. Der bisherige
Regierungssprecher Jean-François Copé bekam nach eigenen
Angaben von Sarkozy die Leitung der UMP-Fraktion angetragen.
Schon am Mittwochabend hatte Sarkozy seine wichtigsten Mitarbeiter im
Élyséepalast benannt. Der 62-jährige frühere
Polizeichef Claude Guéant soll als Generalsekretär über
die Arbeit der Regierung wachen. Sarkozys «Sherpa» für
internationale Konferenzen wurde der 60-jährige Jean-David
Levitte, der Anfang des Jahrzehnts als Botschafter bei den Vereinten
Nationen und in Washington Frankreichs Widerstand gegen die
amerikanischen Irakkriegspläne vertreten hatte.
Sarkozy will einen Premierminister, der «die Arbeit der Regierung
koordiniert» und nicht leitet. Fillon erscheint damit als ideale
Besetzung für den Posten. Er tritt für ein starkes
Präsidialsystem ein und plädierte 2006 dafür, das Amt des
Premierministers abzuschaffen. In den 90er Jahren war Fillon Gegner des
Maastrichter EU-Vertrages, mit dem unter anderem der Euro
eingeführt wurde.
Bei der Opposition stieß Fillons Wahl auf Kritik.
«François Fillon ist alles, nur kein neuer Mann»,
sagte Sozialistenchef François Hollande. «Seine Arbeit war
jedes Mal von schmerzlichen Konflikten begleitet.» Fillon hatte
2002 bis 2006 als Minister Renten- und Bildungsreformen betrieben, die
von der Linken heftig bekämpft wurden. Nach dem Scheitern der
EU-Verfassung war er bei der Regierungsumbildung 2005 vom jetzt
ausgeschiedenen Regierungschef Dominique de Villepin aus dem Kabinett
gedrängt worden und hatte sich dessen Rivalen Sarkozy angeschlossen.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Gewerkschaften fordern nationale Aufsichtsregeln für
Finanzinvestoren
Fr.18.05.07 - Vor dem Treffen der G8-Finanzminister am heutigen) Freitag in Potsdam
haben Gewerkschaftsvertreter die Bundesregierung zu entschlossenem
Handeln bei der Regulierung von Finanzinvestoren aufgefordert.
«Wir müssen da Vorreiter sein», sagte
IG-Metall-Vorstand Wolfgang Rohde dem Berliner
«Tagesspiegel» (Freitagausgabe). «Wenn wir
ständig warten, bis der letzte Nachzügler überzeugt ist,
dann warten wir Jahrzehnte.»
Auch ver.di-Vorstand Uwe Foullong forderte nationale Aufsichtsregeln
für Finanzinvestoren. «In Deutschland wird jede kleine
Sparkasse beaufsichtigt», sagte er der Zeitung. Nur
Finanzinvestoren seien von der Aufsicht ausgeschlossen. Die
Bundesregierung müsse deshalb entsprechende Regeln in ihren
Gesetzentwurf für die Branche aufnehmen. Finanzinvestoren
müsse verboten werden, Schulden auf die von ihnen gekauften Firmen
zu übertragen, forderte er. «Wenn sie Unternehmen
übernehmen wollen, müssen sie das aus eigener Kraft
machen», sagte der ver.di-Vorstand.
Mit den Potsdamer Beratungen wollen sich die Finanzminister der
G-8-Staaten auf den Gipfel in Heiligendamm vorbereiten.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will dort die Debatte
über mehr Transparenz bei Geschäften mit Hedge Fonds
vorantreiben. Vor allem in den USA und Großbritannien gibt es
Widerstände gegen die deutsche Initiative zur besseren
Überwachung der hochspekulativen Anlagen.
(Quelle: ap)
BKA-Chef Ziercke verteidigt Sicherheitsmaßnahmen vor G-8-Gipfel
Fr.18.05.07 - Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, hat das
Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen militante
Globalisierungsgegner vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm verteidigt.
«Es ist unser Ziel, dass wir Militanz verhindern wollen. Wir
müssen ausschließen, dass es zu Ausschreitungen und
Anschlägen kommt und die Konferenz dadurch gestört
wird», sagte der BKA-Chef der Tageszeitung «Die
Welt». Er könne nicht erkennen, dass gezielte
Maßnahmen wie die Razzien vergangene Woche zur Eskalation
beitrügen, sagte Ziercke.
Ziercke warnte vor einem Klima der Gewalt in Heiligendamm: «Wer
durch eine Vielzahl von Brandanschlägen gegen Häuser und
Autos Angst und Schrecken verbreiten will und dabei nicht
ausschließen kann, dass auch Menschen gefährdet werden,
terrorisiert seine Mitmenschen», sagte der Leiter des
Bundeskriminalamts.
Der BKA-Präsident äußerte sich besorgt darüber,
dass die Sicherheitsbehörden seit Anfang des Jahres eine
verstärkte Zunahme von Straftaten aus einem linksextremistischen,
militanten Umfeld registrierten: «Wir können nicht zulassen,
dass sich diese Lageentwicklung weiter verschärft.» Eine
extreme politische Radikalisierung der Protest-Szene sieht der BKA-Chef
indes nicht: «Ich sehe derzeit keinen Vergleich zur früheren
RAF».
(Quelle: ap)
Sorge vor Zusammengehen von Rechtsextremisten und Islamisten
Fr.18.05.07 - Führende Koalitionspolitiker haben vor einer Vernetzung von
Rechtsextremisten und Islamisten in Deutschland gewarnt.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte der "Netzeitung", er
halte "ein zumindest punktuelles Zusammenwirken von Rechtsradikalen und
Islamisten" für keineswegs ausgeschlossen. Von Antisemitismus und
AntiamerikanisBeide Gruppierungen verbinde nicht nur der "Kampf gegen
unsere staatliche Ordnung", sie hätten "auch im Antisemitismus
Gemeinsamkeiten". mus als den "inhaltlichen Brücken" zwischen
Rechtsextremisten und Islamisten sprach auch der SPD-Innenpolitiker
Dieter Wiefelspütz.
Das Problem sei nicht nur auf Deutschland beschränkt, sagte
Wiefelspütz weiter. Es bestehe die "Gefahr einer internationalen
Vernetzung". Obwohl der Staat gegen diese Gefahr gut gerüstet sei,
werde er sich "nicht selbstgefällig zurücklehnen". Die
Sicherheitsgesetze würden stets auf ihre Anforderungen hin
überprüft. Gegebenenfalls werde nachgebessert.
(Quelle: afp)
Deutscher Ärztetag: Ärztepräsident Hoppe im Amt
bestätigt
Fr.18.05.07 - Die Deutsche Ärztetag hat den Präsidenten der
Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, im Amt
bestätigt. Bei der Wahl am Donnerstag in Münster stimmte die
Mehrheit der 250 Delegierten für den 66-Jährigen, der ohne
Gegenkandidaten antrat.
Von 241 gültigen Stimmen entfielen 202 auf Hoppe, der der
Bundesärztekammer seit 1999 vorsteht. Als vordringliche Aufgaben
seiner bevorstehenden weiteren vierjährigen Amtszeit bezeichnete
Hoppe unter anderem die Verbesserung der Patientenversorgung und den
Kampf um die ärztliche Freiberuflichkeit.
Zum neuen Vizepräsidenten wählte der Ärztetag den
Vorsitzenden des Klinikärzteverbands Marburger Bund, Frank Ulrich
Montgomery. Als Vizepräsidentin im Amt bestätigt wurde die
Allgemeinärztin Cornelia Goesmann.
An seinem vorletzten Veranstaltungstag hat der 110. Deutsche
Ärztetag außerdem mehr Anstrengungen für eine
Verbesserung der Kindergesundheit angemahnt. Derzeit seien rund 15
Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, ein
Fünftel leide unter Essstörungen. Außerdem sei eine
Zunahme von Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis zu
beobachten, teilte die Bundesärztekammer mit.
«Kindergesundheit ist eine gesellschaftliche Aufgabe»,
hieß es. Vor diesem Hintergrund sprachen sich die Delegierten
für mehr Sportunterricht an den Schulen aus, für den
mindestens vier Wochenstunden angesetzt werden sollten. Bund und
Länder müssten außerdem die Alkoholwerbung ähnlich
wie beim Tabak begrenzen.
Außerdem forderte der Ärztetag verbindliche
Vorsorgeuntersuchungen für Kinder. Dazu soll nach Willen der
Delegierten ein gesetzlich verankertes Meldewesen auf den Weg gebracht
werden. Damit könnten Eltern, die ihr Kind nicht zu den
Früherkennungs-Untersuchungen schickten, zur Teilnahme
aufgefordert werden, hieß es weiter.
Als besorgniserregend werteten die Teilnehmer des Ärztetages die
sich häufenden Fälle von Misshandlung und
Vernachlässigung von Kindern. Nach Schätzungen lebten bereits
fünf Prozent aller Kinder in Deutschland in Familien, in denen
wegen der Lebensumstände das Risiko für eine gravierende
Vernachlässigung besonders hoch sei.
Kindesmisshandlung und -vernachlässigung hätten zumeist mit
Sucht oder psychischen Erkrankungen sowie sozialer Isolation der Eltern
zu tun, erläuterte Bundesärztekammer-Vorstandsmitglied Rudolf
Henke. Daher sollte die Gesundheitsversorgung von Kindern aus
unterprivilegierten Gruppen über Netzwerke von Ärzten,
Gesundheitsämtern sowie Schulen und Jugendhilfe-Einrichtungen
ausgebaut werden.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Ungewöhnliche Schneeschmelze in der Antarktis beobachtet
Fr.18.05.07 - In der Antarktis sind offenbar erstmals großflächige
Auswirkungen der Klimaerwärmung beobachtet worden: Satelliten haben
im Jahr 2005 eine außergewöhnliche Schneeschmelze in einem
Gebiet der Größe des US-Bundesstaates Kalifornien
beobachtet. Das teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA mit. Es handle
sich um die großflächigste Abschmelzung seit drei
Jahrzehnten. Das Phänomen sei dabei auch in weit im Landesinnern
liegenden, höheren Lagen entdeckt worden, wo eine
größere Schmelze bislang für unwahrscheinlich gehalten
wurde.
"In der Antarktis hat es in der jüngsten Vergangenheit mit
Ausnahme der Antarktischen Halbinsel wenig bis gar keine Erwärmung
gegeben, aber jetzt zeigen große Gebiete die ersten Anzeichen der
Auswirkungen von Erwärmung", sagte Konrad Steffen, Leiter eines
Umweltforschungsinstituts der Universität von Colorado. Eine
verstärkte Schneeschmelze wie die 2005 könnte nach Ansicht der
Wissenschaftler langfristig zum Abbau der antarktischen Eisdecke
beitragen.
(Quelle: afp)
Artenvielfalt in der Tiefsee
Fr.18.05.07 - In den Tiefen des antarktischen Südpolarmeeres hat ein
Forscherteam mehr als 700 bislang unbekannte Lebewesen entdeckt.
Die Gruppe um Angelika Brandt, Professorin am Zoologischen Institut der
Universität Hamburg, fand 585 verschiedene Asselarten und zudem
bislang unbekannte Fleisch fressende Schwämme,
Meerborstenwürmer sowie diverse Weichtiere. Das Team beschreibt die
Artenvielfalt in der Tiefsee in der britischen Fachzeitung
«Nature» (Bd. 447, S. 307). Die Wissenschaftler hatten von
2002 bis 2005 Proben in der antarktischen Weddel-See aus Tiefen zwischen
774 und 6348 Metern entnommen.
«In der südpolaren Tiefsee ist ein besonderer Lebensraum
gegeben», sagte Brandt am Mittwoch in Hamburg. Die Artenvielfalt
nehme zu höheren Breiten hin ab. Grund sei unter anderem, dass die
Nahrungsversorgung in der antarktischen Tiefsee besser sei, als in
anderen Tiefengewässern.
«Zudem haben wir Indizien dafür, dass die südpolare
Tiefsee die Wiege einiger Tiergruppen ist», ergänzte die
Naturwissenschaftlerin. So sei es wahrscheinlich, dass einige Lebewesen,
die inzwischen auch in Tiefgewässern der Nordhemisphäre
beheimatet sind, ihre Ursprünge im Südpolarmeer hätten.
«Die Tiergruppen wurden mit dem polaren antarktischen
Tiefenwasser über den Atlantik in nordpolare Gewässer
getrieben.»
(Quelle: dpa)