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Irak am tausendvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fünf US-Soldaten getötet. Seit Kriegsbeginn kamen mindestens
3.408 amerikanische Soldaten im Irak ums Leben. Militärstützpunkt in
Bakuba von Aufständischen angegriffen
Sa.19.05.07 - Bei einem Anschlag in der irakischen Provinz Dijala sind am Freitag
drei US-Soldaten getötet worden. Nach Angaben eines amerikanischen
Militärsprechers wurde in der Provinz nordöstlich ein am
Straßenrand versteckter Sprengsatz gezündet, als die
US-Soldaten mit ihrem Fahrzeug vorbeifuhren. Am Donnerstagabend wurden
bei Razzien gegen Aufständische in Bagdad zwei US-Soldaten
getötet und neun verletzt, hieß es weiter. Nach einer
Zählung der Nachrichtenagentur AP sind seit Beginn des Krieges im
März 2003 nunmehr mindestens 3.408 US-Soldaten im Irak ums Leben
gekommen. Allein in diesem Monat wurden 58 getötet.
Rund 50 mutmaßliche Aufständische haben am Freitag einen
Stützpunkt der alliierten Truppen im Zentrum der Stadt Bakuba
angegriffen. Die irakischen Streitkräfte erklärten, das
folgenden Feuergefecht mit den amerikanischen Soldaten habe mindestens
sechs der Angreifer das Leben gekostet.
Der Angriff habe um 07.00 Uhr am Morgen begonnen, hieß es. Die
Aufständischen hätten auf das Gebäude in der Innenstadt
geschossen und dabei zwei irakische Soldaten verletzt. Eine halbe Stunde
später reagierten die US-Truppen und setzten Kampfhubschrauber
gegen die Angreifer ein. Augenzeugen sagten, über dem Stadtteil
steige dichter Rauch in den Himmel. Der gemeinsame Stützpunkt
amerikanischer und irakischer Truppen war vor zwei Monaten in einem
dreigeschossigen Verwaltungsgebäude eingerichtet worden. Aus
Kreisen der irakischen Streitkräfte verlautete, wegen der Gewalt
in der Region sei das Haus zuvor geräumt worden.
Die US-Streitkräfte erklärten unterdessen, sie hätten am
Freitag im Nordosten des Landes sechs mutmaßliche
Aufständische festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, als Mitglieder
einer Terrorzelle Waffen aus dem benachbarten Iran eingeschmuggelt zu
haben. Außerdem sollen sie Iraker in iranische Ausbildungslager
gebracht haben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 19.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanistan: Drei Tote bei Selbstmordanschlag in Kandahar
Sa.19.05.07 - Ein Selbstmordattentäter hat in Südafghanistan mit seinem
Auto einen Regierungskonvoi gerammt und drei Menschen getötet. Der
Explosion in Kandahar fielen am Donnerstag drei Zivilpersonen zum Opfer,
wie Gouverneur Asadullah Chalid erklärte. Vier Menschen
hätten Verletzungen erlitten: der Informations- und Kulturminister
Abdul Karim Churram, dessen Stellvertreter, ein Leibwächter und ein
Fahrer. Die vier hätten gemeinsam in einem der gepanzerten
Fahrzeuge gesessen. Der Konvoi wird normalerweise von dem Gouverneur
genutzt, der jedoch zum Zeitpunkt des Anschlags nicht mitfuhr. Zuvor
waren am Donnerstag bei Explosionen von zwei Bomben in kurzem Abstand
sieben Menschen getötet worden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinensische Sicherheitskräfte vereiteln angeblich
Mordanschlag auf Abbas. Mindestens acht Tote bei israelischen
Luftangriffen im Gazastreifen
Sa.19.05.07 - Die palästinensischen Sicherheitskräfte haben nach eigenen
Angaben einen Mordanschlag auf Präsident Mahmud Abbas vereitelt.
Abbas habe einen Besuch in Gaza abgesagt, weil ein mit Sprengstoff
gefüllter Tunnel entdeckt worden sei, erklärten die
Sicherheitskräfte am Abend gegenüber der Nachrichtenagentur
AFP. Der Sprengstoff habe beim Vorbeifahren des Präsidentenkonvois
gezündet werden sollen. Die Sicherheitskräfte machten die
radikalislamische Hamas für den Attentatsversuch verantwortlich.
Der Tunnel befand sich nach ihren Angaben unter der Straße von
Salaheddin, die durch den Gazastreifen verläuft.
Der Sprengstoff sei von den Essedin-el-Kassam-Brigaden dort platziert
worden. Im Büro des Präsidenten wurden die Angaben der
Sicherheitskräfte bestätigt.
Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind am Freitag
mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Israel reagierte damit auf
den anhaltenden Raketenbeschuss der Hamas, die sich weiterhin heftige
Kämpfe mit der rivalisierenden Fatah lieferte.
Kampfflugzeuge griffen ein Bürogebäude der Hamas östlich
von Gaza an. Dabei wurden nach Angaben von Ärzten fünf
Palästinenser getötet und sechs verletzt. Am Abend wurde der
Kleinbus eines Hamas-Mitglieds im Norden des Gazastreifens angegriffen.
Drei Insassen wurden palästinensischen Angaben zufolge
getötet und zwölf verletzt. Israelische Panzer feuerten
außerdem fünf Granaten auf eine Siedlung in Dschebalja ab,
fünf Bewohner wurden leicht verwundet.
Hamas-Kämpfer griffen erneut die israelische Stadt Sderot mit
Kassam-Raketen an. Drei Bewohner wurden von Splittern verletzt, drei
weitere erlitten einen Schock. Seit Mittwoch schlugen nach Angaben der
israelischen Streitkräfte etwa 90 Raketen im Süden Israels
ein, allein am Freitag waren es mindestens 13.
Die seit sechs Tagen andauernden Gefechte zwischen Kämpfern der
Hamas und der Fatah konzentrierten sich am Freitag auf die Islamische
Universität in Gaza. Mitglieder der Präsidentengarde von
Mahmud Abbas und andere Anhänger der Fatah rückten aus
mehreren Richtungen auf die Hamas-Kämpfer in der Umgebung der
Hochschule vor. Universitätspräsident Kamelen Schaath, dessen
Büro nach Darstellung der Hamas mit Raketen angegriffen wurde,
forderte ein Ende der Kämpfe. Die Universität dürfe
nicht in den Kreislauf der Gewalt hineingezogen werden, sagte Schaath.
Bis Freitagabend kamen bei den jüngsten Kämpfen zwischen
Hamas und Fatah mindestens 46 Palästinenser ums Leben. Zu den
politischen Schäden gehört der faktische Kollaps der
Vereinbarung für eine gemeinsame Regierungsverantwortung. Bei
israelischen Luftangriffen wurden in der gleichen Zeit 19 Menschen
getötet.
Ministerpräsident Ehud Olmert besuchte am Donnerstagabend
demonstrativ die südisraelische Stadt Sderot. Er werde alles tun,
um die Bedrohung zu beenden, sagte Olmert, der innenpolitisch seit
Wochen unter Druck steht.
Die deutsche Regierung verurteilte die jüngsten Raketenangriffe
auf Israel. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier
habe am Vorabend in einem Telefonat mit Abbas die Angriffe auf
israelische Grenzorte vom Gazastreifen aus «auf das
Schärfste verurteilt», sagte Außenamtssprecher Martin
Jäger am Freitag in Berlin. Den Angriffen müsse Einhalt
geboten werden. Der palästinensische Ministerpräsident Ismail
Hanija müsse sich deutlich in diesem Sinne äußern.
(Quelle: afp)
Befreiungsfront gewinnt erneut Parlamentswahl in Algerien
Sa.19.05.07 - Bei der Parlamentswahl in Algerien ist die regierende Nationale
Befreiungsfront (FLN) erneut stärkste Kraft geworden. Die FLN
gewann 136 der insgesamt 389 Sitze im Unterhaus und verlor damit 36
Mandate, wie das Innenministerium in Algier am Freitag mitteilte. Zwei
mit der FLN verbündete Parteien konnten bei der Abstimmung vom
Donnerstag Zugewinne verbuchen. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben des
Ministeriums bei niedrigen 36,5 Prozent.
Die FLN bestimmt die algerische Politik seit der Unabhängigkeit
von Frankreich im Jahr 1962. Algerien befindet sich seit 1992 in einem
blutigen Konflikt mit islamischen Fundamentalisten. Damals stand die
Islamische Heilsfront (FIS) bei einer Parlamentswahl kurz davor, die
Regierungsmehrheit zu erringen. Die Wahl wurde daraufhin von den
Streitkräften für ungültig erklärt, und die
Fundamentalisten gingen in den Untergrund. Bei Anschlägen,
Überfällen und Kämpfen mit Polizei und Soldaten kamen
seitdem schätzungsweise 200.000 Menschen ums Leben. Mitte April
kamen bei zwei Terroranschlägen in Algier 30 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Sudanesische Sicherheitskräfte laut UN an Angriffen in Darfur
beteiligt
Sa.19.05.07 - An den Angriffen auf Dörfer in Darfur mit mehr als 100 Toten
Anfang des Jahres waren laut UN-Angaben auch sudanesische
Sicherheitskräfte beteiligt. Angehörige der Grenzpolizei
hätten an insgesamt acht Übergriffen des Stammes Rizeigat
Abbala gegen die rivalisierende Gruppe Tarjum teilgenommen, hieß
es in einem am Freitag in Genf veröffentlichten Bericht des
UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Dabei seien zwischen Januar und
März auch Zivilpersonen getötet worden.
Laut Augenzeugenberichten hätten hunderte schwer bewaffnete
Männer, die meisten von ihnen in Uniform, die Dörfer mit
Granaten und Maschinengewehren angegriffen, hieß es in dem
zehnseitigen Bericht. Es gebe zwar keine Hinweise darauf, dass die
Angreifer unter direktem Kommando der Regierung standen. Khartum habe
jedoch in jedem Falle nicht genug getan, um die Übergriffe zu
verhindern. Das UNHCR rief die sudanesische Regierung auf, Ermittlungen
aufzunehmen und Zivilpersonen besser zu schützen.
(Quelle: ap)
Fünf Tote bei Anschlag auf Moschee in Südindien
Sa.19.05.07 - Bei einem Bombenanschlag auf eine Moschee im indischen Hyderabad sind
am Freitag mindestens fünf Menschen getötet worden. Mehrere
weitere Menschen wurden teilweise schwer verletzt, so dass die Zahl der
Todesopfer noch ansteigen könnte, wie Polizeichef Balwinder Singh
erklärte. Die Polizei riegelte das Gebiet um die Moschee ab und
fand zwei weitere nicht detonierte Sprengsätze. Zum Freitagsgebet
in der Moschee erscheinen meist rund 10.000 Gläubige. In Hyderabad
kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen Hindus und Muslimen.
(Quelle: ap)
Über 20 Tote bei Kämpfen mit Drogenhändlern in Mexiko
Sa.19.05.07 - Bei Auseinandersetzungen zwischen der mexikanischen Polizei und
mutmaßlichen Drogenhändlern sind am Donnerstag im Nordwesten
des Landes mehr als zwanzig Menschen getötet worden. Wie die
örtlichen Behörden mitteilten, starben bei Kämpfen mit
der Polizei im Bundesstaat Sonora 15 Kriminelle. Zudem seien zwei
Zivilisten getötet worden. Zuvor hatten die Drogenhändler den
Angaben zufolge fünf Polizisten getötet. Seit Beginn des
Jahres starben rund 900 Menschen im Zusammenhang mit
Drogenkriminalität in Mexiko.
Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft des nordwestlichen Bundesstaats
mitteilte, wurden bei den Kämpfen zwischen Polizei und rund
fünfzig Bewaffneten 15 Menschen getötet. Während der
Kämpfe sei die Leiche eines entführten Polizisten gefunden
worden. Bereits am Morgen seien vier Polizisten aus Cananea getötet
worden. Zudem seien die Leichen von zwei ebenfalls am Morgen
entführten Zivilisten entdeckt worden. Vier weitere Zivilisten
seien kurz nach ihrer Verschleppung wieder freigelassen worden.
Im Kampf gegen die wachsende Drogenkriminalität im Land setzt der
mexikanische Präsident Felipe Calderon inzwischen auf die
Verstärkung der Polizeieinheiten durch das Militär. Als
Reaktion darauf haben laut Regierung kriminelle Banden ihre Angriffe auf
die Ermittler verstärkt. 2006 waren nach Angaben von Calderon
insgesamt rund 4000 Menschen Opfer des organisierten Verbrechens
geworden.
(Quelle: afp)
Weltbank-Präsident Wolfowitz gibt auf
Sa.19.05.07 - Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz tritt zum 30. Juni zurück.
Das wurde am Donnerstagabend (Ortszeit) nach dreitägigen
Marathon-Beratungen des Exekutivrats der Organisation offiziell
mitgeteilt. Nach Angaben eines prominenten US-Finanzexperten ist der
scheidende britische Premierminister Tony Blair als sein Nachfolger im
Gespräch.
«Er ist klar einer der Leute, über die gesprochen
wird», sagte der Wirtschafts-Nobelpreisträger und
frühere Chefökonom der Weltbank, Joe Stiglitz, am Freitag dem
Sender BBC. Blair hatte im Mai seinen Rücktritt als Regierungschef
zum 27. Juni erklärt.
Er selbst würde sich allerdings nicht für Blair entscheiden,
sagte Stiglitz. «Ich würde die Prioritätenliste mit
jemandem beginnen, der wirklich Erfahrung in der
Entwicklungszusammenarbeit hat.» Traditionell wurde das Amt des
Weltbank-Präsidenten bislang von den USA besetzt, die
größter Kapitalgeber der Bank sind.
US-Präsident George W. Bush bedauerte den Schritt von Wolfowitz in
einer ersten Reaktion. Er hätte es lieber gesehen, wenn Wolfowitz
im Amt geblieben wäre, akzeptiere aber die Entscheidung, zitierte
der Sender CNN das Weiße Haus.
Der deutsche Exekutivdirektor der Weltbank, Eckhard Deutscher, erhob
dagegen schwere Vorwürfe gegen Wolfowitz. «Ich badauere die
Beschädigungen, die Paul Wolfowitz persönlich erlitten hat,
aber in viel stärkerem Maße die Bschädigungen, die er
der Weltbank zugefügt hat», sagte Deutscher am späten
Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington. Seinen Angaben zufolge wird
der Weltbank-Präsident nun nicht am G8-Gipfel Anfang Juni
teilnehmen.
Wolfowitz seinerseits betonte, es sei an der Zeit, einen «Weg
vorwärts» zu finden. Die Ärmsten auf der Welt vor allem
in Afrika verdienten «das Beste, was wir bieten
können». Vor diesem Hintergrund sei er zu dem Schluss
gekommen, dass es am besten wäre, wenn diese Mission unter einer
neuen Führung fortgesetzt werde.
Wolfowitz (63) war wegen Beförderung seiner ebenfalls bei der Bank
Lebensgefährtin beschäftigten Shaha Riza auf einen weitaus
höher bezahlten Posten unter schweren Beschuss vor allem der
Europäer geraten. In den vergangenen Tagen hatten sich die
US-Regierung zusammen mit dem Exekutivrat und Wolfowitz selbst um einen
Kompromiss bemüht, um einen offenen Bruch innerhalb des
Führungsgremiums zu vermeiden und dem ehemaligen
Vizeverteidigungsminister einen freiwilligen Rückzug ohne weiteren
Gesichtsverlust zu ermöglichen.
In einer am Donnerstagabend (Ortszeit) veröffentlichten
Erklärung des 24-köpfigen Exekutivrats hieß es nun,
Wolfowitz habe dem Führungsgremium versichert, dass er ethisch und
nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe. «Wir akzeptieren
dies», hieß es wörtlich. Akzeptiert werde auch, dass
andere an dem Vorgang Beteiligte ebenfalls ethisch gehandelt
hätten. Im vorliegenden Fall hätten jedoch «eine Reihe
von Einzelpersonen eine Reihe Fehler» begangen und sich die
Bankregularien als nicht robust genug für die Belastungen erwiesen,
denen sie ausgesetzt gewesen seien. Als Konsequenz müssten die
geltenden Regeln und Standards überprüft werden.
Das Gremium dankte Wolfowitz zugleich für seine Arbeit und
würdigte seine Verdienste. In den zwei Jahren seiner Amtszeit sei
viel erreicht worden, hieß es in der Erklärung unter anderem
mit Hinweis auf einen umfassenden Schuldenerlass für die armen
Länder weiter. Es sei bedauerlich, dass diese Verdienste von den
jüngsten Ereignissen überschattet worden seien.
Wolfowitz hatte bis vor Kurzem entschieden um den Verbleib auf dem
Posten gekämpft, für den ihn US-Präsident George W. Bush
2005 ausgewählt hatte. Er werde nicht «unter einer dunklen
Wolke» zurücktreten, sagte der Bank-Präsident, der zuvor
im Pentagon einer der «Architekten» des Irakkrieges gewesen
war. Gegen die Vorwürfe der Begünstigung seiner
Lebensgefährtin verteidigte er sich mit dem Argument, er habe den
Ethikausschuss der Bank vor seinem Amtsantritt über den
Interessenkonflikt informiert und dann bei dem Arrangement für Riza
auf einen informellen Rat des Gremiums hin gehandelt.
In seiner Erklärung vom Donnerstagabend sagte Wolfowitz, er sei
erfreut, dass der Exekutivrat nach Studium aller Beweismittel
«meine Versicherung akzeptiert hat, dass ich ethisch und nach
bestem Wissen gehandelt habe im Sinne dessen, was nach meiner Auffassung
im besten Interesse der Institution lag».
Deutscher betonte, Wolfowitz sei durch die Art und Weise, wie er die
Organisation geführt hat, untragbar geworden. Wolfowitz habe gegen
Ethik- und Personalvorschriften der Bank verstoßen. Der 63-
Jährige habe zudem wissentlich falsche Darstellungen in der Presse
über die Affäre gebilligt, ohne Rücksicht auf Schaden
für die Weltbank um seine Position gekämpft sowie
Vertraulichkeitsregeln des Weltbank-Exekutivrats ignoriert.
Von der Weltbank hätte Schaden abgewendet werden können,
wäre Wolfowitz dem Rat von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul (SPD) gefolgt, bereits zum Beginn der Krise
zurückzutreten, sagte Deutscher.
Die internationale Entwicklungshilfeorganisation OXFAM forderte
unterdessen neue Prozeduren bei der Bestimmung des Nachfolgers
gefordert. Der nächste Präsident der Bank müsse in einer
«angemessenen offenen und verantwortlichen» Weise
gewählt werden, hieß es in einer am Donnerstagabend
veröffentlichten Erklärung. «Das bisherige ungerechte
Arrangement, dem zufolge die USA das Recht zur Bestimmung der
Weltbank-Führung haben und die Europäer über die Spitze
der Internationalen Währungsfonds entscheiden, muss enden.»
Die Organisation, die in mehr als 100 Ländern rund 3000 Projekte
unterstützt, beklagt im einzelnen, dass die bisherige Praxis ohne
Konsultationen die armen Länder benachteiligt habe, die die
Hauptklienten der Bank und des IWF seien. Wenn die Bank eine effektive
internationale Institution sein wolle, müsse Wolfowitz' Nachfolger
ein Präsident für alle Staaten sein.
(Quelle: dpa)
UNO nimmt Regierungen nach Klimakonferenz in die Pflicht
Sa.19.05.07 - Zum Abschluss einer zweiwöchigen Klimakonferenz in Bonn hat der
Chef des UN-Klimarahmensekretariats (UNFCCC), Yvo de Boer, die
internationale Gemeinschaft in die Pflicht genommen. "Die Regierungen
haben keine Entschuldigungen mehr, nicht zu handeln", sagte der
UNFCCC-Präsident. Schließlich stünden sowohl
wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel wie auch Technologien zu
seiner Eindämmung zur Verfügung. Der klimaschutzpolitische
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, sieht die
Verantwortung nun vor allem bei den G-8-Ländern. China fordert
mehr Technologie-Transfer.
Rund 1800 Teilnehmer aus 191 Staaten berieten in Bonn unter anderem
über den Transfer umweltschonender Technologien in
Entwicklungsstaaten und über Maßnahmen gegen den Klimawandel
sowie gegen die Abholzung der Wälder. Die vertretenen
Entwicklungsländer betonten laut de Boer, dass das Problem der
Verschmutzung der Erdatmosphäre durch Treibhausgase "vom Norden
verursacht wurde und nicht auf den Süden abgewälzt werden
sollte". Sie bestünden auf ihrem Recht auf Wirtschaftswachstum und
Armutsbekämpfung.
Mit Blick auf die UN-Klimaschutzkonferenz im kommenden Dezember auf
Bali, sagte de Boer, es müsse eine "grundsätzliche
Architektur" zum Kampf gegen den Treibhauseffekt entwickelt werden. Bei
dem Gipfel soll über ein Nachfolgeabkommen für das 2012
auslaufende Kyoto-Protokoll verhandelt werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, müsse ein "klares Signal" vom
G-8-Gipfel in Heiligendamm ausgehen, erklärte Schwabe. Es
müsse klar werden, "dass die G-8 bei der Unterstützung der
Entwicklungs- und Schwellenländer ihren Versprechungen auf dem
vergangenen G-8-Gipfel in Gleneagles jetz endlich auch Taten folgen
lassen", hieß es in einer Mitteilung des SPD-Politikers. Von den
USA und China erwarte er in Heiligendamm eine Verpflichtung zu "einem
wesentlich effizienteren Umgang mit Energie".
China fordert dafür von den Industrieländern mehr
Bereitschaft zum Technologie-Transfer. "Die Industrienationen sind ein
wenig zögerlich", kritisierte der chinesische
Regierungsbeauftragte für Klimafragen, Ji Zou. Die Nutzung neuer,
umweltfreundlicher Technologien müsse Schwellen- und
Entwicklungsländern schnell und konkret zugänglich gemacht
werden. Ji hat im Namen der "Gruppe der 77", in der sich innerhalb der
Vereinten Nationen 130 Entwicklungsländer zusammengeschlossen
haben, eine neue Organisationsform für die Weitergabe moderner,
sauberer Industrieverfahren vorgeschlagen.
(Quelle: afp)
Heftige Turbulenzen beim EU-Russland-Gipfel
Sa.19.05.07 - Heftige Turbulenzen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem
russischen Präsidenten Wladimir Putin haben den EU-Russland-Gipfel
überschattet. Auf einer von ungewöhnlicher Heftigkeit
geprägten Pressekonferenz brach sich am Freitag im
südrussischen Samara offensichtlich angestauter Ärger
über russische Demokratiedefizite und die Ausgrenzung des
EU-Mitglieds Polens durch Moskau Bahn. Dennoch wollen EU und Russland
ihre strategische Partnerschaft vertiefen.
Merkel kritisierte das Anreiseverbot für Oppositionsführer
Garry Kasparow, der in Moskau festgehalten wurde. Sie sagte, sie habe
jedes Verständnis für die Festnahme von Gewalttätern.
«Aber wenn jemand nichts gemacht hat, sondern nur auf dem Weg zu
einer Demonstration ist, ist das aus meiner Sicht nochmal eine andere
Sache,» fügte sie hinzu.
Der Deutsche Journalisten-Verband protestierte gegen die
vorübergehende Festsetzung eines Mitarbeiters des Magazins
«Focus» in Samara. Boris Reitschuster habe über einen
Protestmarsch am Rande des Gipfels aus Samara berichten wollen.
DJV-Vorsitzender Michael Konken nannte die russische Erklärung
unglaubwürdig, dabei habe es sich um ein Missverständnis
gehandelt.
Der ehemalige Schachweltmeister Kasparow erklärte in einem
Radiointerview, Sicherheitsorgane hätten ihm am Flughafen von
Moskau Pass und das Flugticket ohne Begründung
«gestohlen». Auch etwa ein weiteres Dutzend führender
Köpfe der Opposition durfte nicht wie geplant in die Stadt an der
Wolga fliegen. Nach der Abreise Merkels fand auf einem Platz in Samara
fern des Tagungsorts des Gipfels eine Demonstration von mehr als 100
Menschen statt. Ihre Losungen waren «Russland ohne Putin»
und «Wir brauchen ein anderes Russland». Zuvor hatte die
Polizei vier Demonstrationen von Dissidenten auseinandergetrieben.
Putin verteidigte seine Politik und wies auf die Razzia gegen
Globalisierungsgegner in Hamburg hin. Viele Demonstranten provozieren
nach seinen Worten die Polizei, damit diese Gewalt einsetze. In Hamburg
habe die Polizei sogar 147 Personen festgenommen. In Anspielungen auf
westliche Kritik an Gewalteinsätzen estnischer Polizisten
während des Denkmalstreits in Tallinn erklärte er, ein
prorussischer Demonstrant sei «vorsätzlich» durch
unterlassene Hilfeleistung getötet worden.
Emotional reagierte Putin auch auf Nachfragen nach den Morden an der
Journalistin Anna Politkowskaja und dem Ex-Spion Alexander Litvinenko
und wie sich diese mit dem Wunsch nach einer strategischen
Partnerschaft mit der EU verbinde. Er sagte, die Morde seien Sache der
Justiz. Die Partnerschaft mit den USA wolle auch niemand in Europa in
Frage stellen, obwohl es dort die Probleme Guantanamo und Todesstrafe
gebe. Russland werde sich nicht an den Pranger stellen lassen.
Merkel und Putin sprachen sich dennoch für den Ausbau der
strategischen Partnerschaft zwischen EU und Russland aus. Polen
verhindert mit einem Veto die Aufnahme der Verhandlungen über ein
neues Partnerschaftsabkommen, weil Russland seit über einem Jahr
Fleischimporte aus Polen wegen angeblicher hygienischer Bedenken
untersagt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso
sagte, für das russische Importverbot gebe es keinen Grund. Putin
warf Polen vor, sich seit einem Jahr jedem Gespräch zu verweigern.
Merkel räumte ein, dass auf dem Gipfel «aufgehäufte
Probleme» angestanden hätten
(Quelle: ap)
Frankreich: Staatspräsident beruft schlankes 'Kabinett der
Öffnung'
Sa.19.05.07 - Mit acht Ministern und sieben Ministerinnen will der französische
Staatspräsident Nicolas Sarkozy seine Reformagenda umsetzen. Zwei
Tage nach der Amtsübernahme Sarkozys verkündete der
Élysée-Palast am Freitag die Ernennung des schlanken
«Kabinetts der Öffnung». An dessen Spitze steht
Premierminister François Fillon. Zum Außenminister berief
der Konservative den populären Sozialisten und Gründer von
Ärzte ohne Grenzen, Bernard Kouchner.
Das Kabinett muss in den kommenden Monaten die Reformvorhaben Sarkozys
in Gesetzestexte gießen. Schon im Juli sollen erste Gesetze auf
einer außerordentlichen Parlamentssitzung verabschiedet werden.
Ganz oben auf der Agenda stehen Steuersenkungen, härtere Strafen
für Wiederholungstäter und eine weitere Begrenzung der
Einwanderung.
Zum einzigen Staatsminister und damit zur Nummer zwei der Regierung
berief Sarkozy Expremier Alain Juppé. Er leitet das neue
Schlüsselressort für nachhaltige Entwicklung mit den
Bereichen Umwelt, Verkehr und Energie. Juppé kehrt damit
zweieinhalb Jahre nach seiner Verurteilung wegen illegaler
Parteifinanzierung auf die Pariser Politikbühne zurück. Zum
Superminister für Wirtschaft, Finanzen und Beschäftigung
machte Sarkozy den bisherigen Sozialminister Jean-Louis Borloo.
An dritter Stelle in der protokollarischen Reihenfolge steht die
bisherige Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie. Die
60-Jährige hegte selbst Ambitionen auf die
Präsidentschaftskandidatur, stellte sich dann aber hinter Sarkozy.
Im Wahlkampf bekundete sie ihr Interesse am Premierministerposten, den
aber der pragmatische Sarkozy-Berater und frühere Sozialminister
Fillon zugesprochen bekam. «MAM», wie Alliot-Marie in
Frankreich genannt wird, erhielt das Innenministerium. Es gehört
zu den wichtigsten Ressorts für die rechte Politik Sarkozys, in
der die innere Sicherheit eine Priorität sein soll. Eine weitere
starke Frau holte der Präsident mit Rachida Dati in die Regierung.
Die 41-jährige Juristin arbeitet seit fünf Jahren als
Beraterin und zuletzt als Sprecherin für Sarkozy, nun wird sie
Justizministerin.
Um den Bruch mit dem starren System seines Vorgängers Jacques
Chirac zu realisieren, hatte Sarkozy schon im Wahlkampf einen
wesentlich schlankeren Regierungsapparat angekündigt. Das
scheidende Kabinett bestand aus 31 Ministern. Durch die Einbindung von
Persönlichkeiten jenseits seiner rechtsbürgerlichen UMP will
Sarkozy zudem die Akzeptanz für seine Politik verbreitern.
Dafür steht neben dem früheren linken Gesundheitsminister
Kouchner - der großen Überraschung auf der Kabinettsliste -
auch Hervé Morin, bisheriger Fraktionschef der Zentrumspartei
UDF. Morin wurde zum Verteidigungsminister ernannt.
Sarkozys langjähriger Vertrauter Brice Hortefeux leitet das neue
Ministerium für Einwanderung, Integration und nationale
Identität. Sarkozys Initiative zu dem Ministerium hatte ihm im
Wahlkampf heftige Kritik eingebracht.
Das Versprechen des neuen Staatsoberhauptes, die Hälfte seiner
Posten mit Frauen zu besetzen, löste Sarkozy fast ein. Allerdings
sind alle vier Staatssekretäre Männer. Die Regierung wird
nach der Parlamentswahl am 10. und 17. Juni mit weiteren
Staatssekretären vervollständigt, deren Zahl ist noch nicht
bekannt.
(Quelle: ap)
Sarkozy holt 'french doctor' Kouchner ins Außenministerium
Sa.19.05.07 - Mit der Berufung von Bernard Kouchner zum Außenminister ist dem
französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ein echter Coup
gelungen. Der Sozialist und Gründer von Ärzte ohne Grenzen ist
einer der beliebtesten Politiker Frankreichs. Durch seinen
jahrzehntelangen Einsatz für die Verfolgten und Not Leidenden der
Welt wurde er weit über Frankreich hinaus als «french
doctor» berühmt.
Der 67-Jährige war schon immer ein unbequemer Querdenker der
Linken, dennoch saß er noch bis vor zwei Wochen im Wahlkampfteam
der Sozialistin Ségolène Royal. Der Quai d'Orsay, der Sitz
des französischen Chefdiplomaten, ist Kouchners Lebenstraum. Seine
eigene politische Familie wollte ihm diesen jedoch nicht erfüllen.
Unter Präsident François Mitterrand war Kouchner 1993 ein
Jahr lang Gesundheitsminister, PS-Premier Lionel Jospin berief ihn 2001
für zwei Jahre zum beigeordneten Minister für Gesundheit.
Sarkozy macht den Linken nicht ohne Hintergedanken zum
Außenamtschef: Kouchner soll die «Regierung der
Öffnung» verkörpern, die der konservative Präsident
versprochen hatte, um eine breite Grundlage für seine Politik zu
schaffen. Seine Ernennung ist zudem ein geschickter Schachzug, um den
Sozialisten drei Wochen vor der Parlamentswahl Wind aus den Segeln zu
nehmen. Davon zeugt das Wutschnauben von PS-Parteichef François
Hollande: «Man wird nicht Sozialist mit Mitterrand und
Sarkozianer mit Sarkozy», sagte er.
Sarkozy hatte erst um den sozialistischen Exaußenminister Hubert
Védrine geworden, doch anders als Kouchner erteilte dieser dem
neuen Staatsoberhaupt eine Absage. Einen zweiten Korb wollte sich
Sarkozy auf keinen Fall holen, darum gab er Kouchner auch die
Zuständigkeit für die EU. Ursprünglich wollte er diese
einem nationalen Sicherheitsberater zuordnen.
Kouchner wurde 1939 in Avignon geboren, seine Großeltern kamen im
Konzentrationslager ums Leben. Er studierte Medizin in Paris und
gründete 1971 die Ärzte ohne Grenzen. Sein Leitmotiv: Die
Pflicht zur Einmischung und die Pflicht, die Welt über das Leiden
aufmerksam zu machen. Kritiker warfen ihm stets eine Publicity-Sucht
vor. Ihnen hält er entgegen, dass nur die Kamera das Entsetzen
über das Elend wach rüttele. «Das ist das Gesetz von
Spektakel und Skandal.»
Zur Legende wurde Kouchner 1979 als Initiator der Aktion «Ein
Schiff für Vietnam»: Er mobilisierte ein Hospitalschiff, dass
2.500 Kranke in Malaysia und Indonesien aufnahm, 900 «Boat
People» im Südchinesischen Meer rettete und 1.050 Tonnen
Nahrungsmittel den Mekong hinauf nach Phnom Penh brachte. In 30 Jahren
beteiligte er sich persönlich an humanitären Missionen in mehr
als 15 Krisenregionen der Erde. Als eine Auszeichnung für sein
Engagement wurde er 1999 für zwei Jahre als UN-Zivilverwalter
für den Kosovo eingesetzt.
Durch diplomatische Zurückhaltung fiel der neue
Außenminister bislang nicht auf, mehrfach scherte er weit aus er
offiziellen Linie des Staates aus: 1993 forderte er zum Unmut des
Verteidigungsministeriums ein Eingreifen gegen die serbischen
Expansionskriege. Anfang 2003 erklärte er, ein Angriff auf den Irak
hätte eine Berechtigung. Präsident Jacques Chirac
gehörte zu den entschiedensten Gegnern des Krieges.
Die Vorliebe für das offene Wort teilt Kouchner mit Sarkozy.
Überhaupt gibt es vom Charakter hat viele Ähnlichkeiten: Beide
sind auf Ergebnisse fixiert, wollen schnell ans Ziel kommen und halten
nichts von eingefahrenen Wegen. Von ihrer Sozialisation her
könnten sie indes unterschiedlicher kaum sein.
Sarkozy, der dem Vernehmen nach selbst bei seinem Wahlsieg keinen
Champagner anrührte, macht die 68er und ihre Erben für einen
moralischen Relativismus verantwortlich. Den Kampf für Werte wie
Autorität und Respekt hat er sich auf die Fahne geschrieben.
Kouchner gehörte zu der 68ern. Ende der 90er Jahre wollte er als
Staatssekretär weiche Drogen legalisieren, 2001 sprach er sich
für den therapeutischen Einsatz von Cannabis aus. Der energische
Blondschopf und Medienliebling ist in zweiter Ehe mit der Journalistin
Christine Ockrent verheiratet, er hat vier Kinder.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundesregierung plant offenbar Milliardenpaket für Afrika
Sa.19.05.07 - Die Bundesregierung will Afrika beim G-8-Gipfel einem Zeitungsbericht
zufolge zusätzliche Entwicklungsgelder Deutschlands von zwei bis
drei Milliarden Euro für die kommenden vier Jahre zusagen. Auf dem
Treffen der führenden Wirtschaftsnationen Anfang Juni in
Heiligendamm solle eine "Botschaft des Vertrauens" nach Afrika gesandt
werden, berichtete das "Handelsblatt". Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) habe mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und
Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) bereits entsprechende
Gespräche geführt. Auch SPD-Chef Kurt Beck unterstütze
den Vorstoß, hieß es in dem Bericht.
Mit dem Hilfspaket wolle die G-8-Präsidentin Merkel sicherstellen,
dass Deutschland - wie in der Europäischen Union vereinbart - seine
öffentlichen Aufwendungen für Entwicklungshilfe bis zum Jahr
2010 auf 0,51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhe. Derzeit
liegt die Quote bei 0,36 Prozent. Zudem hatten die G-8-Staaten beim
Gipfel im schottischen Gleneagles vor zwei Jahren eine Verdoppelung der
Afrika-Hilfe bis 2010 versprochen. Wunsch der Kanzlerin sei es, dass
nicht nur Deutschland, sondern auch die übrigen G-8-Staaten ein
Zeichen der Solidarität mit den ärmsten Ländern der Welt
setzten, schrieb das Blatt weiter. Demnach solle der deutsche
G-8-Sherpa Bernd Pfaffenbach die übrigen G-8-Staaten für eine
Aufstockung ihrer Entwicklungshilfe gewinnen.
(Quelle: afp)
DGB fordert zehn Prozent mehr Bafög
Sa.19.05.07 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert eine sofortige Anhebung
der Bafög-Sätze um mindestens zehn Prozent. «Damit
würden wenigstens die inflationsbedingten Verluste der
Studierenden ausgeglichen», sagte die stellvertretende
DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Freitag in Berlin.
Da die Sätze seit sechs Jahren nicht mehr angehoben worden seien,
ergebe sich bis 2006 ein Nachholbedarf bei den Fördersätzen
von 10,3 Prozent und bei den Freibeträgen von 8,7 Prozent. Nur
durch eine spürbare Anhebung könne das Bafög seine
sozialpolitische Funktion wieder wahrnehmen und für eine
höhere Studentenquote sorgen, betonte Sehrbrock: «Ansonsten
droht das Bafög auszubluten mit schlimmen negativen Folgen vor
allem für Studierende aus unteren und mittleren
Einkommensschichten.»
Auch das Deutsche Studentenwerk (DSW) und der Beirat für
Ausbildungsförderung der Bundesregierung halten eine Anpassung des
BAföGs an die Preis- und Einkommensentwicklung für notwendig.
Der Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages
beschäftigt sich am Montag in einer öffentlichen
Anhörung mit diesem Thema.
Laut SPD-Bildungsexperte Jörg Tauss können sich die gut 500
000 Bafög-Empfänger in Deutschland auf eine Anhebung ihrer
Bezüge «um acht bis zehn Prozent» im kommenden Jahr
einstellen. SPD-Fraktionschef Peter Struck bezifferte den finanziellen
Mehrbedarf auf 290 Millionen Euro.
(Quelle: ddp)
Polizei macht 'Hausbesuche' bei G8-Gegnern
Sa.19.05.07 - In Niedersachsen stattet die Polizei gewalttätigen
Globalisierungsgegnern vor dem G8-Gipfel Hausbesuche ab. Sie
würden vor einer Reise nach Heiligendamm gewarnt, sagte ein
Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums. «Den
Leuten wird signalisiert, dass wir sie im Visier haben.»
Innenstaatssekretär August Hanning sagte in der ARD, man wisse von
Aktionen, die zumindest gefährdenden Charakter haben, auch wenn
der überwiegende Teil der Demonstrationen friedlich verlaufen
werde. Verfassungsschutz-Präsident Heinz Fromm rechnet ebenfalls
mit Stör- und Blockadeaktionen. Laut ZDF-Politbarometer meinen 38
Prozent der Bundesbürger, dass für den G8-Gipfel zu viele
Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. 48 Prozent halten sie
für genau richtig.
Trotz eines Demonstrationsverbots sind nach den Worten von Kanzlerin
Angela Merkel (CDU) Protestaktionen während des G8-Gipfels Anfang
Juni in Heiligendamm jedoch möglich. «Es gibt überhaupt
nicht die geringste Besorgnis, dass Demonstrationen nicht auch
abgehalten werden können», sagte Merkel am Freitag bei einem
Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Samara.
Friedliche Demonstrationen «sind bei uns möglich». Die
Organisatoren eines geplanten Sternmarsches zum Tagungsort Heiligendamm
kündigten unterdessen Klage gegen das weiträumige
Demonstrationsverbot an. Eine Alternativ- Demonstration in Rostock
wurde genehmigt.
Die globalisierungskritische Organisation Attac sprach von einer
Unterhöhlung der Demonstrationsfreiheit. Der abgeschirmte Gipfel
der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G8) treibe in
Richtung «russische Verhältnisse», sagte
Attac-Vertreter Peter Wahl unter Anspielung auf das harte Vorgehen der
russischen Polizei gegen Demonstranten. Attac wolle friedlich
demonstrieren, versicherte Wahl. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg
sagte in Berlin, die Entscheidungen zu Heiligendamm würden in
Mecklenburg-Vorpommern getroffen. «Die Bundesregierung hat darauf
keinen Einfluss genommen.» Die Regierung habe hohen Respekt vor
dem Engagement und dem Idealismus der vielen jungen Menschen.
Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler,
künftiges Mitglied von Attac, warnte vor zu weitgehenden
Einschränkungen. «Wenn die Polizeiführung das
Demonstrationsrecht so einschränkt, dass die Adressaten der
Demonstration davon gar nichts mehr mitbekommen, dann wird das
Demonstrationsrecht natürlich ad absurdum geführt»,
sagte er der Hörfunkagentur dpa/Rufa. Die Kritik müsse auch
vernehmbar sein. Geißler sagte er, wolle mit seiner
Attac-Mitgliedschaft das Recht auf gewaltfreie Demonstration
unterstützen.
Nach dem Verbot sind wegen einer «andauernden
Bedrohungssituation» vom 30. Mai bis 8. Juni in einer
200-Meter-Zone vor dem Sicherheitszaun um das Ostseebad alle
Versammlungen und Aufzüge verboten. In einem fünf bis zehn
Kilometer breiten Gürtel um den Ort sind in dieser Zeit
unangemeldete Proteste verboten. Vom 5. Juni an sind auch in dieser
Zone keine öffentlichen Versammlungen mehr erlaubt.
Der vom Organisationsbündnis für einen Sternmarsch
beauftragte Hamburger Anwalt Carsten Gericke kündigte einen
Eilantrag beim Schweriner Verwaltungsgericht an. Es gebe keine
Anhaltspunkte für Gefahren, die vom Sternmarsch am 7. Juni unter
dem Motto «Den Protest nach Heiligendamm tragen» ausgingen.
Die Voraussetzung für ein allgemeines Demonstrationsverbot, ein
polizeilicher Notstand, sei für ihn angesichts von rund 16 000
Polizisten, die das Treffen schützen sollten, nicht
nachzuvollziehen, sagte Gericke der Deutschen Presse- Agentur dpa.
Notfalls wollen die Organisatoren bis zum Bundesverfassungsgericht
gehen.
Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) räumt Klagen
gute Chancen ein. Das «Brokdorf-Urteil» des
Bundesverfassungsgerichts von 1985 besage, dass das Demonstrationsrecht
auch dann stark bleibe, wenn mit Ausschreitungen zu rechnen sei, sagte
er in der ARD.
(Quelle: ddp)
Attac: Demonstrationsverbot mobilisiert G-8-Gegner
Sa.19.05.07 - Nach dem Verbot von Demonstrationen am Metallgitterzaun in Heiligendamm
und den Razzien gegen Globalisierungsgegner hat das Netzwerk Attac eine
starke Mobilisierung der linken Szene ausgemacht. Der Verkauf von
Bustickets nach Heiligendamm sei enorm angestiegen, sagte Attac-Aktivist
Sven Giegold am Freitag in Berlin. Viele Menschen hätten sich neu
angemeldet. Insgesamt rechne man mit mehr als 100.000 Demonstranten.
Zugleich kündigte Attac an, sich an einer Klage gegen das
Demonstrationsverbot zu beteiligen.
«Wir werden vor Gericht klagen und gehen davon aus, dass wir vor
Gericht auch Recht bekommen», sagte Attac-Aktivist Peter Wahl. Das
Verbot sei «eine kalte Unterhöhlung des
Demonstrationsrechts, das wir nicht akzeptieren. Wir werden juristische
Maßnahmen unterstützen.»
Giegold sagte, man rechne mit einem friedlichen Verlauf der Proteste.
Er gehe davon aus, dass das Demonstrationsverbot keinen Bestand haben
werde und verwies auf das Brokdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts
zu den Castor-Transporten von 1985. Demnach müsse
gewährleistet sein, dass die Proteste auch von denjenigen
gehört würden, gegen die sie gerichtet seien. «Die
G-8-Regierungschefs müssen die Proteste der Menschen hören
können.»
Die Polizeidirektion Rostock hatte am Dienstagabend eine
Allgemeinverfügung über eine räumliche und zeitliche
Beschränkung des Versammlungsrechts erlassen. Danach sind vom 30.
Mai bis 8. Juni im Umkreis von 200 Metern um den Sicherheitszaun in
Heiligendamm alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel
verboten. Außerdem sind einige umliegende Orte betroffen, wie der
Flugplatz Rostock-Laage.
Zur Begründung hieß es, globalisierungskritische Kreise
hätten wiederholt öffentlich dazu aufgerufen, den G-8-Gipfel
real und effektiv zu blockieren und von seiner Infrastruktur
abzuschneiden. Repräsentanten von Aktionsgruppen hatten bereits
angekündigt, Klage gegen die Verfügung des
Polizeipräsidiums Rostock einzulegen. Ein Anwalt wollte einen
Widerspruch am Freitag als Eilantrag dem Schweriner Landgericht vorlegen.
(Quelle: ap)
Das Recht der Zaungäste
Als die G-8-Gipfel noch Jubelveranstaltungen der westlichen Welt waren,
trauten sich die Staatschefs noch in die Metropolen: London, Tokio,
Köln. Doch seitdem sich die kritischen Stimmen mehren und es nicht
mehr allen einleuchtet, warum acht Staatschefs allein die Weichen
für Weltwirtschaft und Entwicklung stellen, gilt das Prinzip
Abschottung: eine kleine Insel vor der US-amerikanischen Küste, die
Einsamkeit eines kanadischen Wintersportorts, ein Golfplatz im
schottischen Hochland. Und jetzt das beschauliche Heiligendamm. Seit den
Protesten von Genua 2001 versuchen die G 8, sich vor ihren Kritikern zu
verstecken.
Nichts als Ostseerauschen und Vogelgezwitscher soll die Beratungen der
Staatschefs stören. Die Protestrufe der Kritiker werden
ausgelagert. Die Demonstranten dürfen allenfalls in Rostock eine
Runde drehen oder sich fernab vom Gipfel beim Grönemeyer-Konzert
amüsieren. Der Tagungsort selbst ist tabu - er wird weiträumig
abgesperrt durch einen zwölf Kilometer langen Zaun. Und als wenn
das nicht genug wäre, erklärt die Polizei jetzt auch das
Symbol der Abschottung selbst zur No-go-Area. In einer kilometerbreiten
Sicherheitszone rund um den Zaun ist jede spontane Versammlung verboten.
Aus Sicht der Bundesregierung ist die Bannmeile verständlich: Es
sind einfach keine vorteilhaften Bilder, die da um die Welt gehen
könnten: bunt gekleidete Aktivisten vor einem Stacheldrahtzaun,
gepanzerte Polizisten, die die Regierungschefs beschützen.
Die Bundesregierung hat diesen Zaun gebaut. Jetzt muss sie auch mit den
Bildern vor dem Zaun leben. Denn die Gipfelkritiker haben einen
gewichtigen Verbündeten: den Rechtsstaat. Jeder sollte sich das
Brokdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1985 ausdrucken und
mit auf die Demo nehmen. Dort steht: Die Demonstranten dürfen ihr
Anliegen an den Ort des Geschehens tragen. Staatschefs, die über
die Geschicke der Menschheit entscheiden wollen, müssen auch die
Proteste ihrer Kritiker ertragen. Man darf gespannt sein, wer die neue
Bannmeile zuerst kippt: die Demonstranten vor Ort oder die Gerichte, die
jetzt entscheiden müssen, ob das Brokdorf-Prinzip auch in
Heiligendamm gilt.
Quelle: taz vom 18.5.2007, S. 1
http://www.taz.de/dx/2007/05/18/a0065.1/text
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Haus von Industrie-Manager mit Steinen und Farbbehältern beworfen
Sa.19.05.07 - Ein Haus in Hamburg-Niendorf ist in der Nacht zu Freitag mit Steinen
und mit Farbe gefüllten Gläsern beworfen worden. Die Polizei
gehe von einer politisch motivierten Tat aus, teilte ein Polizeisprecher
am Freitag in Hamburg mit. Die Staatsschutzabteilung des Hamburger
Landeskriminalamtes ermittele. Nach unbestätigten Angaben handelt
es sich bei dem Besitzer des Hauses um einen hochrangigen
Industrie-Manager.
Nach Polizeiangaben wurde der Sohn des 56-jährigen Hausbesitzers
von den Geräuschen der Würfe geweckt. Er alarmierte sofort die
Polizei. Die Täter entkamen unerkannt. Mehrere Scheiben an der
Rückseite des Hauses seien beschädigt worden, teilte der
Sprecher weiter mit.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Südlicher Ozean nimmt wegen Klimawandel weniger CO2 auf
Sa.19.05.07 - Auf Grund der Erderwärmung nimmt der Südliche Ozean weniger
Treibhausgas auf als bislang angenommen. Dies ist nach Ansicht eines
internationalen Forscherteams der erste Beleg dafür, dass der
Klimawandel sich selbst verstärkt.
Bislang haben natürliche Senken wie Wälder und Meere die
Hälfte des menschengemachten Kohlendioxids aufgenommen und damit
die Erderwärmung ganz deutlich gebremst. Nun könnte der
Anstieg des Kohlendioxids in Zukunft größer werden als
vorhergesagt, schreiben die Forscher um Corinne Le Quéré
vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena im Fachjournal
«Science» (Online-Ausgabe).
Seit 1981 nimmt der Südliche Ozean pro Jahrzehnt 5 bis 30 Prozent
weniger Kohlendioxid auf, als von den Forschern vorausgesagt. Ursache
seien die zunehmenden Winde, die wiederum vom Klimawandel und der
sinkenden Ozonkonzentration in der Stratosphäre in 10 bis 50
Kilometern Höhe ausgelöst würden. Durch die Winde
würden tiefere, kohlendioxidreiche Wasserschichten an die
Oberfläche gewirbelt, die dann Kohlendioxid in bestimmten
Fällen sogar abgäben, erläuterte der Direktor am
Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Martin Heimann.
Der Südliche Ozean nehme zwar noch Kohlendioxid auf, aber nicht so
viel wie vermutet. «Man sieht, dass die Rückkopplung des
Klimawandels in der Tat existiert», sagte Heimann. Die Forscher
nehmen an, dass der Südliche Ozean in den kommenden 25 Jahren immer
weniger effektiv Kohlendioxid aufnehmen wird. Insgesamt hatten sie
Daten von 11 Stationen im Südlichen Ozean und 40 Stationen an
anderen Stellen ausgewertet. Der Südliche Ozean ist das Meer um die
Antarktis herum.
(Quelle: dpa)