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Irak am tausendfünfundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Blair überraschend zu Abschiedsbesuch in Bagdad. Fünfzehn
Tote bei Überfall auf Dorf im Irak
So.20.05.07 - Gut einen Monat vor seinem Ausscheiden aus dem Amt hat der britische
Premierminister Tony Blair dem Irak einen Überraschungsbesuch
abgestattet. Dabei rief er die Regierung in Bagdad zu verstärkten
Bemühungen um nationale Versöhnung auf. Die Sicherheitslage
im Irak verbessere sich offenbar, sagte Blair am Samstag nach einem
Treffen mit Ministerpräsident Nuri al-Maliki und Präsident
Dschalal Talabani. Dennoch komme es noch immer täglich zu
Terrorangriffen,
Kurz nach Blairs Ankunft in Bagdad detonierten drei Mörsergranaten
oder Raketen in der stark gesicherten Grünen Zone, in der sich die
Gebäude der irakischen Regierung sowie viele ausländische
Vertretungen befinden. Ein Mensch wurde verletzt, wie die US-Botschaft
mitteilte. Eines der Geschosse traf das Gelände der britischen
Botschaft. Ob sich Blair zu dem Zeitpunkt gerade dort aufhielt, blieb
unklar. Ein viertes Geschoss landete am Rande der Grünen Zone, die
in jüngster Zeit häufig von Aufständischen angegriffen
wurde.
Später reiste Blair in die südirakische Stadt Basra weiter,
um das dort stationierte britische Kontingent der internationalen
Koalitionsstreitkräfte zu besuchen. Auch dort explodierten zwei
Mörsergranaten in unmittelbarer Nähe von Blairs
Aufenthaltsort. Zu Schaden kam niemand.
Es war der siebte Besuch Blairs im Irak. Der britische Premierminister
hatte zuvor in Washington dem amerikanischen Präsidenten George W.
Bush seinen Abschiedsbesuch abgestattet. Blair tritt am 27. Juni
zurück, sein designierter Nachfolger ist Schatzkanzler Gordon
Brown.
Auf seiner Pressekonferenz in Bagdad betonte Blair, dass der Irak
«von der schrecklichen Diktatur Saddams befreit» worden
sei. Inzwischen gebe es jedoch Versuche, das Land «auf
verschiedene Weise mit Terror und Gewalt zu unterdrücken».
Die irakischen Behörden hätten ihm jedoch versichert, dass es
auch Hoffnung und Veränderung gebe. Blair forderte die irakische
Regierung auf, zur gesellschaftlichen Versöhnung den Sunniten mehr
politische Verantwortung zuzugestehen. Seinem Sprecher zufolge erhielt
er jedoch keine Zusage baldiger Regionalwahlen, von denen sich Blair
eine Chance zur Annäherung der verfeindeten Gruppen versprochen
hätte.
Bewaffnete Angreifer in Uniform überfielen derweil ein Dorf
östlich von Bagdad und erschossen 15 Männer. Bei den Opfern
handelte es sich um schiitische Kurden, wie die Partei Patriotische
Union Kurdistans (PUK) auf ihrer Website mitteilte. Nach Angaben eines
irakischen Generals drangen die Angreifer am frühen Samstagmorgen
in die Ortschaft Hamid Schifi ein und trieben die Bewohner aus ihren
Häusern. Anschließend hätten sie die Männer von
den Frauen und Kindern getrennt und getötet. General Nasim Scherif
machte für die Tat das Terrornetzwerk Al Kaida verantwortlich.
Bei Angriffen und Kämpfen kamen erneut auch drei US-Soldaten ums
Leben. Im Nordwesten von Bagdad kosteten ein Bombenanschlag auf eine
Patrouille und ein anschließendes Feuergefecht mit
Aufständischen zwei Amerikaner das Leben, wie die
US-Streitkräfte am Samstag mitteilten. Ein dritter Soldat wurde
bei Kämpfen in der Provinz Anbar getötet. Zuvor waren am
Freitag bereits drei weitere US-Soldaten ums Leben gekommen. Nach einer
Zählung der Nachrichtenagentur AP wurden seit Beginn des Krieges
im März 2003 schon mehr als 3.400 US-Soldaten im Irak getötet.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 20.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Zwei Anschläge in Afghanistan: Drei deutsche Soldat getötet
So.20.05.07 - Beim schlimmsten Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan seit vier
Jahren sind am Samstag drei deutsche Soldaten getötet und zwei
weitere verletzt worden. Ein Selbstmordattentat auf einem belebten Markt
in der nordafghanischen Stadt Kundus riss insgesamt acht Menschen in
den Tod, wie die örtliche Polizei mitteilte. Auch 13 Zivilisten
wurden verletzt. Bei einem zweiten Anschlag gegen die Bundeswehr
außerhalb von Kundus kam offenbar niemand zu Schaden.
Einzelheiten nannte das Bundesverteidigungsministerium zunächst zu
beiden Anschlägen nicht. Auch die Zahl der Opfer wurde in Berlin
nicht bestätigt. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung
wollte am Samstagabend (18.30 Uhr) auf einer Pressekonferenz
informieren. Jung und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sowie
alle Parteien im Bundestag zeigten sich bestürzt und verurteilten
die «feigen Anschläge».
Der Norden Afghanistans, wo mehr als 3.000 deutsche Soldaten
stationiert sind, gilt im Vergleich zum umkämpften Süden als
ruhig. Allerdings häufen sich auch dort die Zwischenfälle.
Seit April starten von dort auch sechs deutsche Tornados zu
Aufklärungseinsätzen im Süden. Der bislang schlimmste
Anschlag gegen die Bundeswehr hatte sich am 7. Juni 2003 in der
Nähe von Kabul ereignet, als ein Selbstmordkommando einen deutschen
Truppenkonvoi angriff und vier Soldaten tötete. 29 wurden damals
verletzt.
Zu dem Anschlag am Samstag auf dem Markt in Kundus erklärte der
Polizeichef der Provinz, General Ajub Salangi, zwei Fahrzeuge der
Bundeswehr hätten bei einer Patrouillenfahrt gehalten, um etwas an
den Ständen zu kaufen. Als die Soldaten mit ihrem Übersetzer
ausgestiegen seien, habe der Attentäter seinen Sprengsatz
gezündet. Der Übersetzer ist unter den Verletzten. Eine
Erklärung der NATO-Schutztruppe ISAF bestätigte, dass drei
ISAF-Soldaten getötet und zwei verletzt worden seien.
Verteidigungsminister Jung erklärte: «Mit großer
Bestürzung und Betroffenheit habe ich von den feigen
Anschlägen auf unsere deutschen Soldaten und die afghanische
Zivilbevölkerung in Kundus erfahren, bei denen mehrere deutsche
Soldaten ihr Leben ließen und weitere schwer verletzt
wurden.» Er drückte den Angehörigen der Opfer sein
Mitgefühl aus. Sein Staatssekretär Peter Wichert informierte
sich vor Ort über den tödlichen Anschlag.
Außenminister Steinmeier betonte, der Anschlag zeige, dass es in
Afghanistan keine ruhigen Zonen gebe. «Der Auftrag, den die
Bundeswehr im Norden des Landes übernommen hat, ist ein zentraler
Beitrag zur Stabilisierung Afghanistans.» Die Bedeutung des
Bundeswehr-Einsatzes betonten auch Union, SPD, Grüne und FDP.
Dagegen kam von der Linken Kritik an der «Verstrickung der
Bundeswehr in den Afghanistankrieg». Der Außenpolitiker
Wolfgang Gehrke unterstrich: «Aus diesem Krieg gibt es nur einen
Ausweg: Die Kriegsteilnahme Schritt für Schritt zu beenden.»
Bereits am Freitag hatten sich rund 120 Kilometer nordöstlich von
Kabul Aufständische mit afghanischen und NATO-Truppen ein heftiges
Feuergefecht geliefert, wie die ISAF mitteilte. Dabei seien rund 20
Aufständische getötet worden. Bei einem weiteren Gefecht in
der Nähe der Grenze zu Pakistan sollen bis zu 60 aufständische
Kämpfer getötet worden sein. Beweise dafür gab es aber
nicht.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel stellt hohe Hürden für UN-Friedenstruppe in Gaza auf
So.20.05.07 - Israel hat am Freitag hohe Hürden für eine Stationierung von
Friedenssoldaten im Gazastreifen aufgestellt.
Eine für Israel akzeptable Friedenstruppe müsse ernsthaft
gegen Terroristen und Waffen in dem Gebiet vorgehen, betonte
Außenministerin Zipi Liwni bei einem Treffen mit westlichen
Diplomaten am Freitag. Einem Gesprächsteilnehmer zufolge kommt die
Aussage der Ministerin einem höflichen "Nein" gleich. Israel
widersetzt sich seit längerem palästinensischer Forderungen
nach der Stationierung von UN-Blauhelm-Soldaten im Gazastreifen und im
Westjordanland. Der jüdische Staat sieht seine
Sicherheitsinteressen durch eine solche Truppe gefährdet.
Einem Diplomaten zufolge würden europäische Länder den
Bedingungen Israels für eine Friedenstruppe, die auch andere
exekutive Aufgaben wahrnehmen soll, nicht zustimmen. Im Gazastreifen ist
die Gewalt zuletzt eskaliert. Dort kämpfen Anhänger der
radikal-islamischen Hamas und der gemäßigteren Fatah um die
Vorherrschaft. Zudem hat Israel nach Hamas-Beschuss seine Luftangriffe
auf palästinensische Extremisten wieder aufgenommen.
(Quelle: rtr)
G-8-Aktionsprogramme zu Gunsten armer Länder
So.20.05.07 - Die reichen Industrieländer wollen Afrika vor neuen Schuldenbergen
bewahren und darüber hinaus Entwicklungs- und Schwellenländern
beim Aufbau lokaler Anleihemärkte helfen.
Das sehen zwei Aktionsprogramme vor, die von den Finanzministern der
sieben führenden Industrieländer und Russlands (G-8) am
Samstag auf ihrer zweitägigen Konferenz in Werder bei Potsdam
beschlossen werden sollten. Entwürfe der Programme wurden kurz vor
dem Ende der Konferenz bekannt.
Mit den Finanzministern aus fünf ausgewählten Ländern
Afrikas hatten die G-8-Minister schon am Vorabend das von der deutschen
Präsidentschaft vorgelegte Aktionsprogramm diskutiert. Es setzt
Kriterien für eine verantwortungsvolle Finanzpolitik. Ein Kernziel
ist, nach dem umfassenden Schuldenerlass für viele afrikanische
Länder in den vergangenen Jahren zu vermeiden, dass diese in neue
Schuldenprobleme geraten. Viel Kritik hatte sich in jüngster Zeit
gegen China gerichtet, das die Sicherung seiner Rohstoffinteressen in
Afrika mit großzügiger Kreditvergabe flankiert. Anders als
von der deutschen G-8-Präsidentschaft in einem Arbeitspapier
formuliert, wird China aber im Text nicht ausdrücklich genannt. Die
G-8 unterstützt die Entwicklung einer "Charta für
verantwortungsvolle Kreditvergabe" und will dabei mit anderen
Ländern zusammenarbeiten.
Zum Thema gute Finanzpolitik in Afrika heißt es in dem
G-8-Programm, viele Länder Afrikas seien nach dem Schuldenerlass
der letzten Jahre und wegen höherer Rohstoff-Einnahmen nun in der
Lage, mehr Mittel für die Armutsbekämpfung aufzuwenden. Sie
dürften nicht in neue Schulenberge geraten. Kreditgeber sollten
sich an einem Rahmen zur Schuldentragfähigkeit von IWF und Weltbank
halten, der länderspezifische Schulden-Grenzen setze.
Unter anderem wollen die reichen Ländern Afrika bei der
Stärkung seiner Steuersysteme unterstützten. Nötig seien
mehr Rechenschaftspflichten, etwa zur Verwendung von Rohstoffeinnahmen,
und mehr Haushaltskontrolle. Darüber hinaus müssten die
Schulden für die Länder tragfähig bleiben. Insgesamt
sollten die afrikanischen Länder Reformen auf der Einnahme- wie der
Ausgabenseite der Haushalte vornehmen.
Ein zweites Aktionsprogramm dient dem verstärkten Aufbau lokaler
Anleihemärkte in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Dies
wollen die G-8-Staaten mit ihrer Expertise, mit technischer Hilfe und
generell mehr Kooperation unterstützen. Damit sollen die
betreffenden Länder unter anderem unabhängiger von
Auslandskapital gemacht werden. Gleichzeitig verringern entwickelte
Anleihemärkte die Gefahr von Währungskrisen.
(Quelle: rtr)
Flüchtlinge starten Protest-Tour zum G8-Gipfel
So.20.05.07 - Mit der Karawane Tour 2007 haben Flüchtlinge, Migranten und
Deutsche am Samstag einen Protestzug gegen die Politik der G8-Staaten
durch Deutschland gestartet. Auftakt war in Neuburg an der Donau, wo
sich die größte Flüchtlingsunterkunft Südbayerns
befindet. Ziel ist der G8-Gipfel in Heiligendamm. Dort wollen sich die
Aktivisten am 2. Juni an der geplanten Großdemonstration
beteiligen.
«Mit der Tour wollen wir zeigen, dass wir hier sind, weil die
Weltwirtschaftsordnung der G8 unsere Heimatländer direkt oder
indirekt zerstört hat», sagte Karawane-Tour-Sprecher Debru
Zewdie Ejeta. Er ist aus Äthiopien geflohen und lebt jetzt in
Neuburg.
Mit der Reise durch 16 Städte protestiere man gegen Ausgrenzung,
Unterdrückung und Abschiebung. «Wir wollen vor Ort auf die
schlechten Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Deutschland
aufmerksam machen», betonte Ejeta. In den kommenden Tagen macht
die Karawane unter anderem Zwischenstopp in Nürnberg, Frankfurt am
Main, Düsseldorf, Dortmund und Bremen.
(Quelle: ddp)
Mehrere tausend Teilnehmer bei Warschauer Gleichheitsparade
So.20.05.07 - Unter dem Motto "Liebe Deinen Nächsten" haben in Warschau mehrere
tausend Menschen an einer Parade für die Gleichberechtigung
sexueller Minderheiten teilgenommen. Bei strahlendem Sonnenschein und
Discomusik rollten Festwagen in den Farben des Regenbogens und Europas
durch die Straßen der polnischen Hauptstadt. Unter den
zahlreichen ausländischen Gästen der Demonstration waren auch
rund 25 Abgeordnete aus den Parlamenten anderer Länder und der EU
sowie die schwedische Europaministerin Cecilia Malmström. Aus
Deutschland waren unter anderem die Grünen-Politiker Claudia Roth
und Volker Beck gekommen.
Dies sei ein "Tag der Solidarität", sagte die
Grünen-Parteichefin Roth. "Wir sind zusammen hier, um für
Demokratie zu kämpfen, gegen jede Form von Diskriminierung und
Homophobie." Die niederländische Europa-Abgeordnete Sophie Int
Veld erklärte, Homophobie gebe es überall. Aber in Polen
schüfen prominente Mitglieder der Regierung ein Klima des Angst
und des Hasses gegen Homosexuelle, inbesondere Bildungsminister Roman
Giertych.
Nach Angaben der Polizei nahmen rund 2500 Menschen an dem Festzug teil.
Viele Plakate und Spruchbänder der Gleichheitsparade richteten
sich gegen die nationalkonservative polnische Regierung und vor allem
gegen Giertych. Der Vizeministerpräsident von der
ultrakatholischen Liga Polnischer Familie hatte diese Woche einen
Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem er jede Aufklärung über
Homosexualität in den Schulen verbieten will. So etwas werde das
europäische Parlament nicht zulassen, versprach Int Veld den
Demonstranten.
Dieses Jahr konnte die Warschauer Gay Pride zum ersten Mal ohne
Probleme vorbereitet werden. In den vergangenen Jahren war sie teils
verboten, teils behindert worden. Die neue liberalkonservative
Warschauer Oberbürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz war nach
Angaben der Veranstalter sehr kooperativ, ganz im Gegensatz zur ihrem
Vorgänger Lech Kaczynski, der heute Staatschef ist. Wegen
Kaczynskis Verbot der Gleichheitsparade 2005 war Polen Anfang Mai vom
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt worden.
Im traditionell katholischen Polen ist Homosexualität auch heute
noch ein großes Streitthema. Einer aktuellen Umfrage der
Gesellschaft GfK Polonia zufolge betrachten 53 Prozent der Polen
Homosexualität als Sünde, 57 Prozent denken, Homosexuelle
sollten sich nicht öffentlich zu erkennen geben. 58 Prozent der
Befragten erklärten, Homosexuelle sollten nicht die
Möglichkeit zu öffentlichen Kundgebungen haben.
(Quelle: afp)
Studie: Politische und soziale Internetzensur nimmt weltweit zu
So.20.05.07 - Die politische und soziale Zensur von Internetseiten nimmt einer
internationalen Studie zufolge zu. Besonders den Menschen in Asien, dem
Nahen Osten und Nordafrika werde der Zugang zu politischen, kulturellen,
religiösen und sexualitätsbezogenen Informationen versperrt,
heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Das
Forschungsprojekt von Experten der Universitäten Oxford,
Cambridge, Harvard und Toronto soll den Auftakt für eine
jährliche Untersuchung der so genannten OpenNet Initiative werden.
Die Wissenschaftler machten sechs Staaten aus, die besonders intensiv
politische Informationen zensierten: Birma, China, Iran, Syrien,
Tunesien und Vietnam.
Iran, Oman, Saudi Arabien, Sudan, Tunesien, die Vereinigten Arabischen
Emirate und der Jemen filterten besonders im sozialen Bereich aus.
Während Südkorea nur bei einem Thema zensiere, nämlich
Nordkorea, stehe bei anderen Ländern wie Iran, China und
Saudi-Arabien eine ganze Reihe von Themen auf dem Index. "Die
Untersuchung zeigt, dass die Internetzensur weltweit zunimmt", sagte
John Palfrey, geschäftsführender Direktor des Berkmann Centers
für Internet und Gesellschaft. Zudem würden vielfach nicht
nur einzelne Webseiten gesperrt, sondern ganze Anwendungen wie YouTube
außer Kraft gesetzt. Allerdings gebe es auch einige Staaten, die
entgegen weit verbreiteten Annahmen nicht zensierten, wie Afghanistan,
Irak, Israel, Russland und Malaysia.
(Quelle: afp)
Deutschland
Zweifel in der SPD an Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan
So.20.05.07 - Nach dem tödlichen Anschlag auf Bundeswehr-Soldaten in
Nordafghanistan rechnet der SPD-Politiker Rolf Mützenich mit
Schwierigkeiten bei der Mandatsverlängerung im Oktober. «Wenn
es um eine Verlängerung des Afghanistan-Mandats geht, wird
natürlich auch ein solch schrecklicher Anschlag Einfluss auf den
Entscheidungsprozess haben», sagte der SPD-Außenpolitiker
Mützenich der «Welt am Sonntag». «In der
SPD-Fraktion war die Diskussion darüber ohnehin schwierig.»
Bei der Bundestags-Entscheidung zur Entsendung von
Aufklärungs-Tornados im März hatten 69 SPD-Abgeordnete mit
Nein gestimmt. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion,
Rainer Arnold, forderte eine gesellschaftliche Debatte über die
Auslandseinsätze. Die SPD wolle noch im Juni eine Bundestagsdebatte
zum 15. Jahrestag der ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr
anberaumen.
Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff sagte der Zeitung,
Afghanistan sei insgesamt ein gefährliches Pflaster. Dennoch
müsse das zivile wie militärische Engagement fortgesetzt
werden. Schockenhoff betonte, bei Erteilung des Mandats sei jedem
bewusst gewesen, dass es mit Risiken für Leib und Leben der
deutschen Soldaten verbunden sei. Nach dem Selbstmordanschlag dürfe
nicht der Eindruck entstehen, als sei eine neue Situation entstanden.
(Quelle: ap)
Aufschwung bringt keine Lehrstellen
So.20.05.07 - Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs bleibt die Lage auf dem
Lehrstellenmarkt ernst. Wie die «Bild am Sonntag» vorab
unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit berichtete, gibt es
derzeit ein Lücke von 210.000 Ausbildungsplätzen. «Was
uns Sorge bereitet, ist die große Zahl von Altbewerbern»,
zitiert die Zeitung einen ranghohen BA-Mitarbeiter. Im Moment seien
mehr als die Hälfte der Bewerber junge Leute, die schon mindestens
ein Jahr auf eine Lehrstelle warteten.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan appellierte eindringlich an
die Unternehmen in Deutschland, den Wirtschaftsaufschwung für
zusätzliche Lehrstellen zu nutzen. «Die positive
Konjunkturentwicklung zeigt zunehmend auch Wirkung am
Beschäftigungsmarkt. Jetzt sind die Unternehmen gefordert, mehr
Ausbildungsplätze zu schaffen», sagte Schavan der «Bild
am Sonntag».
Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks
(ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer bekräftigte derweil im
Deutschlandradio Kultur seine Forderung nach einer nationalen
Bildungsinitiative. Die berufliche Qualifikation sei eine
Schicksalsfrage Deutschlands, sagte Schleyer. Eine ganzheitliche
Bildungsinitiative schließe frühkindliche Betreuung und
Förderung sowie die Modernisierung der beruflichen Bildung mit ein,
betonte Schleyer. Insbesondere setzte er sich für ein
verpflichtendes Vorschuljahr ein.
(Quelle: ap)
WASG stimmt bei Urabstimmung klar für Fusion mit Linkspartei
So.20.05.07 - Die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) hat sich
mit deutlicher Mehrheit für eine Fusion mit der Linkspartei
ausgesprochen. In einer Urabstimmung votierten 83,9 Prozent der
Mitglieder für den am 16. Juni geplanten Zusammenschluss zur Partei
Die Linke, wie der WASG-Bundesvorstand am Samstag in Fürth
mitteilte. Die Beteiligung an der Befragung lag bei 49,8 Prozent.
Erforderlich war eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
WASG-Vorstandsmitglied Klaus Ernst sagte zu dem Ergebnis: «Das
ist eine tolle Bestätigung für die Arbeit der letzten zwei
Jahre. Die Parteibildung ist unter breiter Beteiligung der
Mitgliedschaft erfolgt.» Zusammen mit dem Bremer Wahlergebnis sei
dies «ein guter Start für die neue Partei», fügte
er hinzu.
Für die Linksparteil will der Bundesgeschäftsführer
Dietmar Bartsch am Nachmittag (16.00 Uhr) in Berlin zu den
Abstimmungsergebnissen Stellung nehmen. Vom 30. März bis zum
Freitag konnten die insgesamt 72 000 Mitglieder in parallelen
Urabstimmungen über die Fusion zur Partei Die Linke entscheiden.
Am 16. Juni soll die Vereinigung auf einem Gründungsparteitag in
Berlin formal vollzogen werden. Programmeckpunkte, Satzung und Statut
der neuen Partei waren bereits im März von Bundesparteitagen beider
Seiten mit großer Mehrheit angenommen worden.
Die Linkspartei bringt etwa 60 400 Mitglieder ein, gut fünf Mal
mehr als die WASG mit rund 11 600 Mitgliedern. Die bisherigen
Mitgliedschaften übertragen sich automatisch auf die neue Partei.
Abzüglich von Doppelmitgliedschaften wäre Die Linke mit rund
70 000 Mitgliedern drittstärkste Partei in Deutschland. Seit Ende
2005 stellen Linkspartei und WASG bereits eine gemeinsame
Bundestagsfraktion.
(Quelle: ddp)
G-8-Kritiker demonstrieren vor Bundesanwaltschaft
So.20.05.07 - Knapp 600 Demonstranten haben am Samstag in Karlsruhe gegen die
Durchsuchungsaktion der Bundesanwaltschaft gegen G8-Gegner protestiert.
Die Behörde hatte vor einer Woche rund 40 Büros und Wohnungen
wegen des Verdachts der Bildung zweier terroristischer Vereinigungen
durchsuchen lassen.
Ein Aktionsbündnis, das zu der Protestveranstaltung in Karlsruhe
aufgerufen hatte, nannte die Vorwürfe unwahr. Ziel der
Großrazzia sei es vielmehr gewesen, die Widerstandsbewegung gegen
den G-8-Gipfel in Heiligendamm zu kriminalisieren und auszuforschen.
Der Protestzug in Karlsruhe wurde von einem massiven Polizeiaufgebot
begleitet.
Auch das Gebäude der Bundesanwaltschaft, an dem die Demonstration
vorbei führte, war von Polizeikräften abgeriegelt. Die
dreistündige Protestaktion verlief friedlich. Lediglich zu Beginn
hatte es ein Gerangel zwischen Polizisten und einzelnen Demonstranten
gegeben.
Für Verunsicherung der Geschäftsleute hatte ein Fax der
Polizeibehörde gesorgt. Drei Tage vor der Demonstration wurden sie
vor einem großen Gewaltpotenzial linksautonomer Teilnehmer
gewarnt. Zwei Tage später wurde dann Entwarnung gegeben.
(Quelle: ap)