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Irak am tausendsechsundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
Bush-Berater erwarten Kehrtwende in britischer Irak-Politik. Keine Spur
von vermissten US-Soldaten im Irak
Mo.21.05.07 - Die Berater von US-Präsident George W. Bush rechnen nach dem
Amtsantritt des wahrscheinlichen neuen britischen Regierungschefs Gordon
Brown offenbar mit einer Kehrtwende in der britischen Irak-Politik.
Sein Beraterstab habe Bush informiert, dass Brown innerhalb seiner
ersten hundert Tage im Amt den Rückzug britischer Truppen aus dem
Irak ankündigen werde, berichtet der "Sunday Telegraph" unter
Berufung auf US-Regierungskreise. Seine Mitarbeiter hätten mit
Bush über die US-Strategie nach dem britischen Rückzug aus
dem Irak beraten.
Bislang war Großbritannien unter dem scheidenden Premierminister
Tony Blair der engste Verbündete der USA im Irak-Krieg. "Wir wissen
nicht, ob er da sein wird, wenn wir ihn brauchen", sagte ein
US-Regierungsvertreter, der ungenannt bleiben wollte, über Brown:
"Wir rechnen mit einer Geste, die die Stellung der US-Regierung deutlich
schwächen wird." Der US-Abgeordnete Mark Kirk, ein Parteifreund
des Republikaners Bush, sagte über Brown: "Die amerikanische
Auffassung ist, dass er ein viel schwächerer politischer
Führer ist als Blair - in Washington herrscht Sorge, dass er kein
derart starker Verbündeter sein wird."
Aus Browns Umfeld verlautete hingegen: "Diese Ängste sind
unbegründet - Brown ist ein entschiedener Transatlantiker, der die
Beziehungen zu den USA verstärken und vertiefen will." Bei einem
Überraschungsbesuch bei den britischen Truppen im Irak hatte Blair
jüngst gesagt, er habe "keine Zweifel, dass Großbritannien in
seiner Unterstützung für den Irak unerschütterlich
bleiben wird". Auch wenn er aus dem Amt ausscheide sei er "sicher, dass
die Unterstützung weitergehen wird". Blair will am 27. Juni nach
einem Jahrzehnt im Amt als britischer Regierungschef zurücktreten.
Der bisherige Finanzminister Brown ist der einzige Kandidat für
seine Nachfolge.
Großbritannien stellt derzeit nach den USA mit 7100 Soldaten das
zweitgrößte Truppenkontingent im Irak. Allerdings soll die
Zahl der Soldaten im Laufe dieses Jahrs auf 5500 reduziert werden.
Mehr als eine Woche nach dem Überfall auf eine US-Einheit im Irak
fehlt noch jede Spur von drei seitdem vermissten Soldaten. Die mit der
Suche beauftragten Truppen durchkämmen ein 350 Quadratkilometer
großes Gebiet südlich von Bagdad. Dabei kommt es
täglich zu Feuergefechten und der Explosion von Bomben am
Straßenrand.
Oberstleutnant Randy Martin erklärte am Sonntag, er hoffe, dass
die vermissten Männer noch am Leben seien. Mit jedem Tag, der
verstreiche, sinke jedoch die Wahrscheinlichkeit dafür.
Die Soldaten wurden bei einem Überfall am 12. Mai gefangen
genommen, bei dem auch vier US-Soldaten und ein Iraker getötet
wurden. Die US-Streitkräfte nehmen an, dass die drei Männer
im Alter von 19, 20 und 25 Jahren von Rebellen der Al Kaida im Irak
verschleppt wurden.
(Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 21.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Mindestens 14 Tote bei Selbstmordanschlag in Afghanistan
Mo.21.05.07 - Einen Tag nach dem Anschlag auf eine Patrouille der deutschen Truppen
im Norden Afghanistans sollte offenbar im Osten des Landes eine
US-Einheit Ziel eines Angriffs werden. In der Stadt Gardes zündete
ein Selbstmordattentäter am Sonntag seinen Sprengsatz, kurz nachdem
eine US-Patrouille vorbeigefahren war, wie Augenzeugen berichteten.
Mindestens 14 Menschen wurden dabei getötet und 31 verletzt, zwei
von ihnen lebensgefährlich, wie die Polizei mitteilte.
Sechs der Opfer waren nach Angaben von Ärzten sofort tot, weitere
acht erlagen später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Ein
NATO-Sprecher bestätigte den Angriff und erklärte, es habe
offenbar Verletzte unter den Soldaten gegeben. Der Anschlag ereignete
sich auf einem belebten Markt. Die Explosion zerstörte dort auch
rund 30 Geschäfte, wie der stellvertretende Provinzpolizeichef
Ghulam Dastagir erklärte. Mindestens sieben Verletzte seien in
einem kritischen Zustand, hieß es.
Erst tags zuvor waren bei einem ähnlichen Anschlag auf die
deutsche Bundeswehr in der nordafghanischen Stadt Kundus insgesamt zehn
Menschen getötet worden, darunter drei deutsche Soldaten.
Bei einem Gefecht in der Provinz Ghasni töteten NATO- und
afghanische Soldaten 30 Taliban-Kämpfer, wie die Provinzregierung
am Sonntag mitteilte. 18 Aufständische seien dabei am Samstag
verletzt und elf weitere festgenommen worden.
(Quelle: ap)
SPD-Politiker für Ausstieg aus Afghanistan-Mission Enduring Freedom
Mo.21.05.07 - Verteidigungsexperten der SPD-Bundestagsfraktion drängen weiter
auf einen Ausstieg der Bundeswehr aus der US-geführten
Afghanistan-Mission Operation Enduring Freedom (OEF). «Es
zeichnet sich ab, dass man den Afghanistan-Teil von OEF auslaufen
wird», sagte der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels dem
«Kölner Stadt-Anzeiger» (Montagausgabe). Deutschland
übernehme in Afghanistan Verantwortung für etwas, «das
es politisch nicht beeinflussen kann».
Der SPD-Verteidigungsexperte Jörn Thießen sagte: «Wir
werden OEF nicht verlängern.» Er betonte: «Die Gruppe
der Kritiker in der Fraktion wächst.» Das Kommando
Spezialkräfte (KSK) könne statt dessen im Rahmen der
Internationalen Schutztruppe ISAF nach Afghanistan gehen. Es werde ein
verändertes ISAF-Mandat geben.
Sowohl Bartels als auch Thießen plädierten jedoch für
eine Fortsetzung des deutschen Engagements in Afghanistan und sprachen
sich für einen stärkeren zivilen Beitrag aus.
Beim schwersten Anschlag seit knapp vier Jahren gegen die Bundeswehr in
Afghanistan waren am Samstag drei deutsche ISAF-Soldaten getötet
worden.
Die deutsche Beteiligung an der Operation Enduring Freedom war zuletzt
am 10. November 2006 um ein Jahr verlängert worden. Das Mandat
erlaubt der Regierung den Einsatz von bis zu 100 KSK-Soldaten in
Afghanistan. Damals hatten 26 Abgeordnete der großen Koaliton
gegen das Mandat votiert.
(Quelle: ddp)
Nahost-Konflikt
39 Tote bei Kämpfen mit Islamisten im Libanon. Israels
Ministerpräsident Olmert droht Hamas mit härterem Vorgehen.
Ausnahmezustand in Südisrael verhängt
Mo.21.05.07 - Heftige Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und militanten
Islamisten haben in der nordlibanesischen Hafenstadt Tripoli und einem
angrenzenden Flüchtlingslager mindestens 39 Menschen das Leben
gekostet. Sicherheitskräfte sprachen am Sonntag von den schwersten
Gefechten in der Stadt seit zwei Jahrzehnten: 22 Soldaten und 17
Islamisten seien getötet worden.
19 Soldaten und 14 Polizisten seien verletzt worden. Ein Sprecher der
Gruppe Fatah Islam berichtete von zwei getöteten und fünf
verletzten Extremisten im palästinensischen Flüchtlingslager
Nahr el Bared. Zahlreiche Häuser seien dort zerstört worden,
sagte Abu Salim. Anwohner in der Nähe berichteten, in dem Lager
seien mindestens zwölf Zivilpersonen getötet oder verletzt
worden. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst jedoch
nicht.
Unter dem Beifall hunderter Schaulustiger beschossen Panzer am
Nachmittag das Hauptquartier der Fatah Islam in Nahr el Bared. Unter
den Getöteten befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch
ein ranghohes Mitglied der Gruppe.
Die Kämpfe begannen, nachdem Polizisten auf der Suche nach
Bankräubern die Wohnung eines Islamisten in Tripoli gestürmt
hatten. Kämpfer der Fatah Islam besetzten anschließend
Stellungen der libanesischen Armee am Eingang zum
Flüchtlingslager. Die Soldaten forderten Verstärkung an und
lieferten sich heftige Feuergefechte mit den Islamisten.
Die Kämpfe unterstreichen die derzeitige Instabilität des
Libanons. Eine politische Krise, in der sich eine westlich orientierte
Regierung und eine prosyrische Opposition gegenüberstehen,
lähmt seit Monaten das Land. Die Gefechte zeigten auch, welche
Schwierigkeiten die Regierung hat, ihren Einfluss im ganzen Land
geltend zu machen, wo seit dem Ende des Bürgerkriegs von 1975 bis
1990 immer noch bewaffnete Milizen in vielen Bereichen die Kontrolle
haben.
Syrien schloss wegen der Gefechte zwei Grenzübergänge zum
Nordlibanon, wie das Innenministerium in Damaskus laut einer Meldung
der amtlichen Nachrichtenagentur Sana mitteilte. Grund für die
vorübergehende Schließung der Grenzübergänge Al
Aridha und Al Dabussjah in Nordsyrien seien Sicherheitsbedenken.
Die Gruppe Fatah Islam ist eine Abspaltung der prosyrischen Fatah
Aufstand, die sich Anfang der 80er Jahre von der palästinensischen
Befreiungsorganisation Fatah abgespalten hatte. Die Ausrichtung der
Fatah Islam ist aber unklar. Während ihr einige Vertreter aus
libanesischen Sicherheitskreisen Verbindungen zur Terrororganisation Al
Kaida oder zumindest eine ähnliche Struktur und Doktrin nachsagen,
halten andere sie für eine Frontorganisation des syrischen
Militärgeheimdienstes, der das Land destabilisieren wolle.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat unterdessen der
in den Palästinensergebieten regierenden radikalislamischen
Hamas-Bewegung mit noch härteren Militärschlägen gedroht:
«Die Hamas-Mitglieder zahlen schon heute und werden in Zukunft
einen noch höheren persönlichen Preis zahlen.»
Das sagte Olmert am Sonntag während der wöchentlichen
Kabinettssitzung in Jerusalem. Sollte Hamas das israelische Grenzgebiet
weiter mit Raketen angreifen, werde die israelische Armee noch
schärfer gegen die militante Organisation vorgehen. Die israelische
Regierung werde alles unternehmen, um die Einwohner der Grenzstadt
Sderot und ihrer Umgebung zu schützen, so Olmert.
Zuvor hatte die israelische Luftwaffe bei neuen Luftangriffen im
Gazastreifen in der Nacht zum Sonntag vier Palästinenser
getötet. Eine Armeesprecherin bestätigte am Sonntagmorgen,
insgesamt seien im Verlauf der Nacht sechs Ziele angegriffen worden.
Dennoch feuerten militante Palästinenser am Morgen erneut Raketen
in das israelische Grenzgebiet.
Im Norden des Gazastreifens wurden drei Palästinenser, die mit
einem Auto unterwegs waren, durch einen Raketentreffer getötet. Die
Wucht der Detonation beweise, dass das Fahrzeug voller Sprengstoff
gewesen sei, erklärte das israelische Militär. Bei einem
anderen Luftschlag wurde in Dschabalia ein 15-jähriger
Palästinenser getötet, wie ein Rettungsdienst mitteilte.
Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, militante
Palästinenser hätten insgesamt vier Raketen auf Israel
abgeschossen. Zwei seien davon in der Grenzstadt Sderot eingeschlagen.
Die rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah hatten
sich am Samstag nach blutigen Kämpfen im Gazastreifen erneut auf
eine neue Waffenruhe geeinigt. Zunächst wurden am Sonntag keine
neuen Zwischenfälle gemeldet.
Wegen der anhaltenden Raketenangriffe radikaler Palästinenser hat
Israels Verteidigungsminister Amir Peretz den Ausnahmezustand im
Süden des Landes verhängt. Das teilte sein Ministerium am
Sonntag mit. Laut israelischem Militärrundfunk betrifft die
Anweisung die israelischen Siedlungen und Städte in bis zu sieben
Kilometer Entfernung vom Gazastreifen. Von dort aus werden immer wieder
Raketen auf südisraelisches Territorium abgefeuert. Mit der
Verhängung des Ausnahmezustandes ist der israelischen Armee die
Polizeigewalt übertragen worden. Sie kann nun im Notfall unter
anderem Schulen und andere öffentliche Einrichtungen
schließen und Straßen sperren.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Rumänen stimmen gegen Amtsenthebung ihres Präsidenten
Mo.21.05.07 - Die Rumänen haben die vom Parlament angestrebte Amtsenthebung
ihres Staatspräsidenten Traian Basescu in einer Volksabstimmung
klar abgelehnt. Fast drei Viertel der Wähler stimmten nach stabilen
Hochrechnungen für Basescus Verbleib im Amt.
Das teilte das Zentrale Wahlbüro am Sonntag in Bukarest am Sonntag
mit. Basescu hatte bereits am Samstagabend von einem
«Vertrauensvotum» gesprochen.
Das Referendum war vom Parlament angesetzt worden, das den
Präsidenten auch suspendiert hatte. Eine große Mehrheit von
322 Parlamentariern aus Regierung und Opposition hatte das Referendum
mit der Begründung beschlossen, Basescu habe durch seine
Einmischung in die Regierungspolitik gegen die Verfassung
verstoßen. Dem hatte das Verfassungsgericht allerdings
widersprochen.
Basescu warf seinen Gegnern vor, ihn wegen seines Engagements gegen die
Korruption absetzen zu wollen, um damit die Wirtschaftsmafia zu
schützen. Zu dem Konflikt zwischen Basescu und Parlament war es
durch den Dauerstreit des Staatschefs mit Ministerpräsident Calin
Popescu Tariceanu gekommen.
Nach ihrer Niederlage beim Amtsenthebungsreferendum erwägt die
Nationalliberale Partei (PNL) von Ministerpräsident Tariceanu nun
den Rückzug aus der Regierung. Der stellvertretende PNL-Vorsitzende
Ludovic Orban sagte am Sonntag, er werde dies dem gesamten
Parteivorstand vorschlagen.
Basescu sagte, er habe um rund eine Million Stimmen mehr bekommen als
bei der letzten Präsidentenwahl 2004. Dies sei ein Beweis
dafür, dass das Volk hinter seinen Plänen für eine
Justizreform stehe. «Die Rumänen wollen Gerechtigkeit»,
sagte Basescu. Ferner sei nun klar, dass die Mehrheit des Volkes hinter
seinen Vorstellungen von einer «Reform der politischen
Klasse» stehe. Basescu rief das Parlament auf, in diesem Sinne
mit ihm zusammenzuarbeiten.
(Quelle: ap)
Spanien schiebt mehr als 750 afrikanische Flüchtlinge ab
Mo.21.05.07 - Die spanische Regierung hat in der vergangenen Woche mehr als 750
afrikanische Flüchtlinge abgeschoben, darunter 30 Kinder. Knapp
600 der insgesamt fast 800 Flüchtlinge stammten aus dem Senegal,
wie Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba am Sonntag in der
nordwestspanischen Stadt Vigo mitteilte. Die Abschiebungen seien eine
«unmissverständliche Botschaft» an Menschenschmuggler.
Über die Herkunft der übrigen Flüchtlinge, die auf den
Kanarischen Inseln aufgegriffen wurden, machte er keine Angaben. Im
vergangenen Jahr wurden mehr als 30.000 zumeist aus Westafrika
stammende Flüchtlinge bei dem Versuch gestoppt, auf die Kanaren
und damit in die Europäische Union zu gelangen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Große Koalition in Bremen zu Ende: SPD für rot-grün,
CDU geht in die Opposition
Mo.21.05.07 - Nach zwölf Jahren ist die bundesweit älteste große
Koalition in Bremen zu Ende: Die SPD-Landesspitze sprach sich am
Sonntag für einen Wechsel zu Rot-Grün aus.
Die Entscheidung für eine entsprechende Empfehlung an den
Parteitag zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen sei im
Landesvorstand einstimmig gefallen, sagte der SPD-Landesvorsitzende Uwe
Beckmeyer. Am kommenden Donnerstag muss nun noch der Parteitag
entscheiden. Stimmt die Basis dem Vorschlag des Vorstandes zu,
wäre es das erste rot-grüne Bündnis seit dem Scheitern
der Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
2005. Mit einer rot-grünen Regierung in Bremen würden CDU und
SPD im Bundesrat ihre Zweidrittelmehrheit verlieren.
Unmittelbar vor der Bekanntgabe der Entscheidung des SPD-Vorstands
hatte bereits die CDU erklärt, dass sie für eine
Regierungsbildung mit der SPD in Bremen nicht mehr zur Verfügung
steht. «Wir haben uns entschieden, den Weg in die Opposition zu
gehen», sagte der Sprecher des CDU-Landesverbands, Carsten Meier.
Die Grünen erklärten am Sonntag, es sei «gut für
Bremen und Bremerhaven, wenn endlich der überfällig
Schlussstrich unter das viel zu lange Kapitel große Koalition
gezogen wird». Die grüne Sondierungskommission werden dem
Landesvorstand am Montag empfehlen, der Aufnahme von
Koalitionsverhandlungen mit der SPD zuzustimmen.
Bremens SPD-Regierungschef Jens Böhrnsen sagte, Knackpunkt
für einen Wechsel des Bündnispartners sei die Sozialpolitik
gewesen. «Für eine Politik für mehr soziale
Gerechtigkeit sehe ich, dass wir mit den Grünen mehr gemeinsam
haben als mit der CDU.» Er wolle sich nicht abfinden mit einer
hohen Kinderarmut. Bei der CDU habe er nicht wahrgenommen, dass es
außer einem «Weiter so» neue Ansätze gebe.
Die CDU hatte im Wahlkampf auch die Sozialpolitik als ein Hauptthema
aufgegriffen und die Sozialdemokraten teils scharf attackiert. Das SPD
geführte Sozialressort war nach dem Tod des kleinen Kevin massiv
in die Kritik geraten. Ein Untersuchungsausschuss stellte fest, dass es
bei der Betreuung des Kindes schwerwiegende Fehler gab. Kevin war im
Oktober tot im Kühlschrank seines drogenabhängigen Ziehvaters
entdeckt worden.
«Ich habe vor der Wahl und auch am Wahlabend gesagt, es kann
keinen Automatismus geben für die Fortsetzung der großen
Koalition», erklärte Böhrnsen. Die große
Koalition habe wichtige Dinge für das Land vorangebracht. Bei den
wichtigen Feldern der Stärkung der Wirtschaftskraft oder bei der
Finanzpolitik hätte man mit der CDU die gemeinsame Politik
fortsetzen können. Doch auch die Grünen hätten bei den
Sondierungsgesprächen vergangene Woche in diesen beiden Fragen
hinter der SPD gestanden. Mit der CDU habe man die Klage beim
Bundesverfassungsgericht auf Finanzspritzen des Bundes auf den Weg
gebracht. «Die Grünen haben gesagt, dass sie zu diesem Weg
stehen», sagte Böhrnsen.
Die CDU-Spitze bezeichnete die Sondierungsgespräche der SPD als
«unaufrichtig gegenüber der CDU». Sie hätten
lediglich als «Alibi für einen Ausstieg aus der
Koalition» gedient. Vieles deutet darauf hin, das
Bürgermeister Thomas Röwekampf die CDU in der Opposition
führen wird. Beckmeyer und Böhrnsen wiesen die Kritik
zurück. «Wir haben in der letzten Woche ernsthafte
Sondierungsgespräche geführt», sagte Beckmeyer. Es sei
ein faires Verhandeln gewesen.
Die SPD hatte sich in der vergangenen Woche sowohl mit der CDU also
auch mit den Grünen zu Sondierungsgesprächen getroffen. Nach
der Bürgerschaftswahl am 13. Mai war sowohl Rot-Schwarz als auch
Rot- Grün denkbar gewesen. SPD und CDU hatten bei der Wahl
Verluste erlitten, während die Grünen deutlich dazu gewannen.
(Quelle: ddp)
Weitgehend friedliche Proteste gegen G-8-Gipfel
Mo.21.05.07 - Mehrere tausend Menschen haben am Wochenende an Protestveranstaltungen
gegen den bevorstehenden G-8-Gipfel in Heiligendamm teilgenommen. Am
Samstag protestierten knapp 600 Demonstranten in Karlsruhe gegen die
Durchsuchungsaktion der Bundesanwaltschaft bei G-8-Gegnern. Damit wolle
man die Widerstandsbewegung gegen den G-8-Gipfel kriminalisieren und
ausforschen, kritisierten sie. Die dreistündige Protestaktion unter
massiver Polizeipräsenz verlief bis auf vereinzelte Rangelein
friedlich.
Unter dem Motto «Göttingen ist nicht Heiligendamm - uns doch
egal!» protestierten am Samstagabend laut Polizei rund 250
Angehörige der linken Szene in der Göttinger Innenstadt. Zu
einem Zwischenfall kam es, als einige Demonstranten eine
Polizeiabsperrung durchbrechen wollten. Um dies zu verhindern, setzten
die Beamten Schlagstöcke ein. Zu weiteren Zwischenfällen kam
es nicht.
In Potsdam kamen nach Angaben der Organisatoren rund 1.500 Menschen zu
einem Open-Air-Festival gegen den dort am Wochenende stattfindenden
Gipfel der G-8-Finanzminister und den bevorstehenden Gipfel in
Heiligendamm zusammen.
(Quelle: ap)
Videoplattform G-8-TV: Alternative Nachrichten rund ums Gipfeltreffen
in Heiligendamm
Ein anderes Fernsehen ist möglich - Ab Ende Mai bietet die
Videoplattform G-8-TV alternative Nachrichten rund ums Gipfeltreffen in
Heiligendamm...Mehr unter
http://www.taz.de/dx/2007/05/19/a0237.1/text
http://g8-tv.org
Linksfraktion will gegen Beobachtung durch Verfassungsschutz klagen
Mo.21.05.07 - Die Linksfraktion im Bundestag will gegen die Überwachung von
Abgeordneten durch den Verfassungsschutz klagen. «Wir werden
diese rechtswidrige Behandlung einer Gruppierung im Bundestag zum Thema
machen und bereiten eine Klage dagegen vor, die wir bis Ende Juni beim
Bundesverfassungsgericht einreichen werden», kündigte der
Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine in der «Bild am
Sonntag» an. «Nur in Diktaturen werden Abgeordnete durch
Geheimdienste bespitzelt», sagte er.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hatte kürzlich
erklärt, die Linkspartei werde auch künftig vom
Verfassungsschutz beobachtet. «Wenn Herr Schäuble die
Spitzelei rechtfertigt, ist er ein Verfassungsfeind», sagte
Lafontaine dazu. Der Verfassungsschutz begründe die Beobachtung
damit, dass die Linkspartei eine andere Wirtschaftsordnung wolle.
«Der Heuschrecken-Kapitalismus ist aber nicht Bestandteil des
Grundgesetzes», kommentierte Lafontaine.
Unterdessen berichtete das Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel», dass nach Ansicht des Bundesinnenministeriums bis heute
Theorien von Lenin und Stalin die Strategie der Linkspartei
prägten. Das Magazin bezieht sich auf einen Schriftsatz, den
Anwälte des Ministeriums beim Verwaltungsgericht Köln
eingereicht haben. Dort klagt der stellvertretende Chef der
Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, gegen die Beobachtung.
In dem Schriftsatz werde der Linkspartei vorgeworfen, sie trete
für eine umfassende Umgestaltung der Eigentums- und
Machtverhältnisse ein und propagiere die sozialistische
Revolution. Trotz der Versuche der vergangenen Jahre, «die
traditionelle marxistisch-leninistische Terminologie zu
vermeiden», seien namentlich die Feindbilder und das
Klassendenken erhalten geblieben», zitierte der
«Spiegel». Die Mitarbeit in der parlamentarischen
Demokratie sei hingegen nur ein «wichtiges Mittel zur Verfolgung
des Endziels».
Ramelow wies die Vorwürfe den Angaben zufolge als vollkommen
unsinnig zurück.
(Quelle: ap)
Bildungsministerin Schavan will Kahlschlag bei Lehrberufen
Mo.21.05.07 - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will die berufliche
Bildung neu ordnen und die Zahl der anerkannten Lehrberufe um bis zu 300
reduzieren. «350 Ausbildungsberufe sind eindeutig zu viel»,
sagte Schavan der «Bild am Sonntag».
Sie sei dafür, «einzelne Berufsfelder zu bündeln, um
die Zahl der Berufe wieder überschaubar zu machen. Eine
vernünftige Größenordnung wären 50 bis maximal 100
Berufsgruppen». Derzeit könnten die Berufsschulen «kein
optimales Angebot sicherstellen».
Die neue Ausbildungsordnung soll nach dem Willen Schavans in
spätestens zwei Jahren gelten. Welche Berufsbilder abgeschafft
werden, will die Ministerin mit Wirtschaftsverbänden und
Gewerkschaften im so genannten Innovationsrat Berufliche Bildung
festlegen. Nach ihren Vorstellungen sollen seltene Berufe wie
Schirmmacher, Revolverdreher, Schiffszimmerer, Tapetendrucker oder
Handschuhmacher komplett wegfallen. Andere Lehrberufe sollen zu
gemeinsamen Ausbildungsgängen zusammengelegt werden.
(Quelle: dpa)