Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der
formellen Souveränität
US-Demokraten rücken von Forderung nach Zeitplan für
Irak-Abzug ab - Kompromiss zur weiteren Finanzierung des US-Einsatzes im
Irak. Mehr als 40 Tote bei Anschlägen
Mi.23.05.07 - Nach langem Tauziehen zwischen der US-Regierung und dem Kongress
zeichnet sich ein Kompromiss zur weiteren Finanzierung des
Irak-Einsatzes ab. Dabei verzichten die Demokraten offenbar auf ihre
Forderung nach Festlegung eines Termins für einen
Truppenrückzug. Vertreter beider Seiten verständigten sich
dem Vernehmen nach am Dienstag bereits im Grundsatz auf den
Kompromissentwurf. Einzelheiten müssten jedoch noch geklärt
werden, hieß es.
Trotz der Zugeständnisses seiner Partei betonte der demokratische
Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, vor Journalisten, dass Bush
mit der Gesetzesvorlage kein Blanko-Scheck ausgestellt werde.
Einen vom Kongress verabschiedeten Gesetzentwurf, der die Finanzierung
des Irak-Kriegs an einen Termin für den Truppenabzug knüpfte,
wurde am 1. Mai von Präsident Bush mit seinem Veto zu Fall
gebracht. Bush hatte damit gedroht, jedes weitere Gesetz, das einen
Abzugstermin enthält, erneut zu blockieren.
Der Kompromissentwurf hat nach Angaben von Gewährsleuten ein
Volumen von 120 Milliarden Dollar (89 Milliarden Euro). Darin sind auch
einige Milliarden für Inlandsprojekte vorgesehen, die bei den
Demokraten Priorität haben - so etwa Hilfen für die Opfer des
Hurrikans Katrina oder für von Dürre betroffene Landwirte.
Im Irak fielen am Dienstag mehr als 40 Menschen Anschlägen zum
Opfer. Die Explosion einer Autobombe hat auf einem belebten Markt in
Bagdad 25 Menschen in den Tod gerissen und 60 weitere verletzt. Der
Sprengsatz war in einem geparkten Fahrzeug versteckt, das im
schiitischen Stadtteil Amil abgestellt war. Landesweit verloren durch
Gewalt mindestens 16 weitere Menschen ihr Leben.
Bei dem Anschlag in Amil wurde ein nahe gelegenes Gesundheitszentrum
beschädigt, mehrere Fahrzeuge gerieten in Brand. Einige Einwohner
versuchten, die Feuer zu löschen, andere suchten in den
Trümmern nach Überlebenden.
«Ich habe meinen Sohn verloren, ich habe keine Ahnung, was aus
ihm geworden ist», sagte die 25 Jahre alte Sami Hussein, die an
den Beinen und im Gesicht verletzt wurde. Krankenhausmitarbeiter
teilten mit, dass der Fünfjährige bei der Explosion
getötet wurde.
Im benachbarten Stadtteil Chadra erschossen Unbekannte aus Fahrzeugen
heraus zwei Zivilfahnder und verletzten einen dritten Beamten. Ein
weiterer Polizist kam bei einer Bombenexplosion im Osten der irakischen
Hauptstadt ums Leben, wie die Polizei mitteilte.
In dem sunnitischen Viertel Wasirija errichteten als Soldaten getarnte
Aufständische eine Straßensperre, stoppten einen Kleinbus
mit jugendlichen Schülern und töteten acht von ihnen. Sieben
weitere erlitten laut Polizei Verletzungen. Fünf weitere Menschen
kamen bei Gewalttaten in Bagdad ums Leben.
US-Präsident George W. Bush telefonierte am Montag mit dem
irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und sprach ihm nach
Angaben des Weißen Hauses sein Vertrauen aus. Al-Maliki habe Bush
über den aktuellen Stand bei der Umsetzung zweier zentraler
US-Forderungen unterrichtet: eine bessere Verteilung der
Öl-Einnahmen und eine Verfassungsreform. Aus irakischen Kreisen
verlautete, Bush habe Al-Maliki gewarnt, dass Washington rasche und
konkrete Fortschritte sehen wolle.
In US-Regierungskreisen hieß es am Montag, man könne die
Unterstützung überdenken, wenn bis zum Herbst keine
grundlegenden Reformen umgesetzt worden seien.
Südlich von Bagdad ging am Dienstag die Suche nach drei vermissten
US-Soldaten weiter. Generalmajor Rick Lynch sagte CNN: «Wir
glauben, dass unsere Soldaten noch leben.» Offiziere
erläutern, die Suche mit tausenden Soldaten zwinge die
Entführer möglicherweise, ihre Geiseln häufig an einen
anderen Ort zu bringen. Deshalb hätten sie noch keine Bilder im
Internet veröffentlichen können.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 23.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertvierundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Elf Tote bei Kämpfen im Süden Afghanistans
Mi.23.05.07 - Bei Kämpfen im Süden Afghanistans sind zehn Taliban und ein
Polizist getötet worden, wie die Behörden am Dienstag
mitteilten. Die Rebellen griffen am Montagabend einen Kontrollpunkt der
Polizei in der Provinz Pandschwaji an. Anschließend kam es den
Angaben zufolge zu einem zweistündigen Gefecht, in dessen Verlauf
zwei weitere Polizisten verletzt wurden. In der benachbarten Provinz
Sabul erschoss die Polizei nach Behördenangaben einen
Taliban-Führer.
(Quelle: ap)
In Deutschland werden Bedenken über
Verhältnismäßigkeit von 'Enduring Freedom' lauter
Mi.23.05.07 - In der deutschen Regierungskoalition ist indirekte Kritik an der
«Operation Enduring Freedom» im Süden Afghanistans
lauter geworden. Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung
und Unionsfraktionschef Volker Kauder bekannten sich am Dienstag zwar
zur Terrorbekämpfung. Jung nannte es aber auch wichtig, dass man
vor Ort «verhältnismäßig und angemessen»
reagiere. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier
versicherte bei einem Besuch in Kundus, wo am Samstag ein
Selbstmordattentäter drei Soldaten und acht Zivilisten
getötet hatte, dass die Bundeswehr ihren Einsatz fortsetzen werde.
Jung betonte, die Zivilbevölkerung dürfe nicht in
Mitleidenschaft gezogen werden. Um dies sicher zu stellen, befinde man
sich gerade in Abstimmung. Ähnlich äußerte sich Kauder.
Die gemeinsame Aufgabe des Wiederaufbaus und der Terrorbekämpfung
sei noch nicht erreicht. Es gebe Hinweise, dass manche Aktionen nicht
richtig abgestimmt seien und die Form der Zusammenarbeit geprüft
werden müsse.
Steinmeier erneuerte das Versprechen, die «Menschen in Kundus und
anderswo in Afghanistan» auch künftig beim Wiederaufbau
ihres Landes unterstützen.» Kundus war die erste Station
einer dreitägigen Reise, die ihn auch nach Pakistan führen
soll. Er traf am Morgen Bundeswehrsoldaten und Mitglieder eines von
Deutschland geführten Wiederaufbauteams.
In der Hauptstadt Kabul wollte Steinmeier Präsident Hamid Karsai
treffen. Am (heutigen) Mittwoch reist er nach Pakistan weiter, wo er
Präsident Pervez Musharraf treffen will. In Anwesenheit
Steinmeiers wurde eine Vereinbarung mit der Aga Khan Foundation zur
Schaffung alternativer Einkommen für Drogenbauern in Afghanistan
unterzeichnet. Das Auswärtige Amt will 740.000 Euro für die
Wiederaufforstung mit Pistazienwäldern zur Verfügung stellen.
Der Forderung nach einer grundlegenden Strategiedebatte über den
internationalen Bundeswehreinsatz schlossen sich führende
Unionspolitiker an. Schon vor dem Attentat sei klar gewesen, dass man
«über die weitere Gestaltung des Einsatzes» reden
müsse, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der
Unionsfraktion, Norbert Röttgen. CSU-Landesgruppenchef Peter
Ramsauer meinte: «Wir stehen solche Einsätze auf Dauer
politisch nur durch, wenn es dafür hinreichenden Rückhalt in
der Öffentlichkeit gibt.» Forderungen des
Bundeswehrverbandes nach einer klaren Perspektive für den Abzug
wies er zurück.
Der deutsche Bundestag will am Donnerstagmorgen der Opfer des
Anschlages gedenken. Am (heutigen) Mittwochabend sollen sie am
Flughafen Köln-Wahn mit militärischem Zeremoniell empfangen
werden, wie die Luftwaffe mitteilte. Jung und Generalinspekteur
Wolfgang Schneiderhan werden an der Trauerfeier teilnehmen.
Führende Politiker von Koalition, FDP und Grünen warfen
Linksfraktionschef Oskar Lafontaine Verantwortungslosigkeit vor.
Auslöser für die scharfe Kritik war die ARD-Sendung
«Sabine Christiansen», in der der frühere SPD-Chef die
Bundeswehr beschuldigt hatte, sie sei in Afghanistan durch den
Tornado-Einsatz im Süden des Landes «mittelbar in
terroristische Aktionen verwickelt».
FDP-Chef Guido Westerwelle und Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate
Künast verlangten eine Entschuldigung Lafontaines.
SPD-Fraktionschef Peter Struck sprach von «gnadenlosem
Populismus». Jung und Kauder erklärten, die deutschen
Soldaten riskierten Leib und Leben, um den Aufbau des Landes
voranzutreiben. Die Äußerungen zeigten, dass Lafontaine
überhaupt kein Verantwortungsgefühl mehr habe. Kauder
erklärte, wer solche Sprüche mache, stelle sich
endgültig außerhalb derer, die demokratische Verantwortung
zu tragen hätten. Lafontaine selbst sprach von
«erbärmlicher Verdrehung» seiner Worte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Kein Abflauten der Kämpfe im Libanon. Staaten der Arabischen Liga
stellen sich mehrheitlich hinter libanesische Regierung. Schiitische
Hisbollah solidarisiert sich mit libanesischen Streitkräften
Mi.23.05.07 - Bei den Kämpfe im Norden des Libanons hat sich auch am dritten Tag
in Folge kein Ende abgezeichnet. Ein von Milizionären
verkündeter neuer Waffenstillstand im Flüchtlingslager Nahr
el Bared hielt am Dienstag nur etwa eine Stunde, dann bestimmten wieder
Artillerie- und Maschinengewehrfeuer die Lage. Die libanesische
Regierung gab den Streitkräften freie Hand im Kampf gegen die
palästinensische Fatah Islam. Deren Kämpfer drohten mit einem
Bürgerkrieg im ganzen Land, falls die militärische Belagerung
nicht eingestellt werde.
Das libanesische Kabinett beschloss ein hartes Vorgehen gegen die
islamistische Miliz, der Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida
nachgesagt werden. Man müsse «das terroristische
Phänomen beenden, das den Werten und der Natur des
palästinensischen Volkes fremd ist», sagte
Informationsminister Ghasi Aridi nach einer Krisensitzung am
Montagabend.
Wegen anhaltender Gefechte gelang es dem UN-Hilfswerk für
palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) am Dienstagmorgen nicht,
Vorsorgungsgüter nach Nahr el Bared am Stadtrand von Tripoli zu
transportieren. Am Nachmittag gelangte ein Konvoi bis zum Eingang des
Lagers und wurde prompt von Querschlägern getroffen. Einem
UNRWA-Sprecher zufolge wurde dabei mindestens ein Mensch verletzt. Im
Lager selbst wurden dem Hilfswerk zufolge bei den neuen Kämpfe
mindestens 15 Zivilpersonen getötet oder verwundet. Mehrere
Häuser seien zerstört und ihre Einwohner unter den
Trümmern begraben worden.
Die Unruhen drohten auf weitere palästinensische
Flüchtlingslager überzugreifen. Im größten Lager
Ein el Hilweh nahe der südlichen Hafenstadt Sidon wurden
Autoreifen in Brand gesetzt. Zu ähnlichen Unruhen kam es im nahe
gelegenen Lager Raschidijeh. Insgesamt gibt es im Libanon zwölf
solche Lager, in denen mehr als 215.000 der insgesamt 400.000
palästinensischen Flüchtlinge unter zum Teil
menschenunwürdigen Bedingungen leben.
Ein Sprecher der Fatah Islam, Abu Salim Taha, erklärte: «Es
ist ein Kampf auf Leben und Tod. Sie wollen die Fatah Islam
auslöschen. Wir werden antworten, und wir wissen, wie wir
antworten werden.» Die Fatah Islam ist ein Ableger der
prosyrischen Organisation Fatah-Aufstand, die sich Anfang der 80er
Jahre von der palästinensischen Fatah abspaltete. Letztere Partei
von Präsident Mahmud Abbas hat sich ausdrücklich von der
Fatah Islam distanziert.
Die Staaten der Arabischen Liga stellten sich mehrheitlich hinter die
libanesische Regierung und ließen ihr zum Teil sogar Waffen zur
Bekämpfung der Islamisten zukommen. Auch die schiitische Hisbollah
solidarisierte sich mit den Streitkräften gegen die sunnitische
Fatah Islam. Beobachter fanden dies umso bemerkenswerter, als die
Hisbollah die Regierung des Sunniten Fuad Siniora zu Fall bringen will.
Damit hat die verworrene politische Lage im Libanon eine neue Dimension
erhalten.
Bei den Kämpfen im Lager Nahr el Bared wurden bis
Dienstagnachmittag mindestens 29 Soldaten und etwa 20 Milizionäre
getötet. Hinzu kommt eine unbekannte Anzahl ziviler Opfer. Mufti
Salim Lababidi, das sunnitische Oberhaupt der Palästinenser im
Libanon, erklärte, rund 100 Zivilisten seien bislang getötet
oder verwundet worden.
Zu Gesprächen mit der libanesischen Regierung traf der
EU-Außenbeauftragte Javier Solana am Dienstag in Beirut ein.
Solana äußerte Verständnis vor das Vorgehen der
Streitkräfte gegen die Islamisten, die er als
«terroristische Gruppe» bezeichnete. Zugleich forderte er
aber Armee und Regierung dazu auf, die Sicherheit der Zivilpersonen in
den umkämpften Lagern zu garantieren.
(Quelle: ap)
Türkei: Sechs Tote bei Bombenanschlag in Ankara
Mi.23.05.07 - Bei einem Bombenanschlag in einem Geschäftsviertel von Ankara sind
sechs Menschen getötet und etwa 80 verletzt worden.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan besichtigte am späten
Dienstagabend den Tatort. Für die Bombe wurde nach einem Bericht
des Fernsehsenders NTV Plastiksprengstoff verwendet, was als Hinweis
auf kurdische Täter gewertet wurde.
Der Anschlag ereignete sich während einer internationalen Messe
für Rüstungsgüter in Ankara, an der rund 400 Unternehmen
teilnehmen. Betroffen ist der Stadtteil Ulus, das historische Zentrum
von Ankara. «Hier spielen sich schreckliche Szenen ab»,
sagte Bürgermeister Melih Gökçek.
(Quelle: ap)
Frankreich für privilegierte EU-Partnerschaft mit Türkei
Mi.23.05.07 - In der Frage einer möglichen EU-Mitgliedschaft der Türkei
will die neue französische Regierung offenbar hart bleiben: Der
Staatssekretär für EU-Angelegenheiten, Jean-Pierre Jouyet,
warb am Dienstag für eine privilegierte Partnerschaft zwischen
Brüssel und Ankara. Der konservative Staatspräsident Nicolas
Sarkozy, der vor einer Woche das Amt von Jacques Chirac übernommen
hatte, will die Türkei nicht zum EU-Mitglied machen.
«Diesbezüglich haben wir die gleiche Position», sagte
Jouyet, der aus dem linken politischen Lager kommt. Was die Grenzen
Europas anbelangt, «können wir nicht ins unendliche
gehen», fügte er hinzu. Die Türkei solle die Rolle einer
Brücke zwischen der EU und einer neuen Mittelmeerunion
übernehmen.
(Quelle: afp)
USA und Tschechien setzten Gespräche über Raketenschild fort
Mi.23.05.07 - Die USA und Tschechien haben ihre Verhandlungen über den geplanten
US-Raketenschild auf tschechischem Boden fortgesetzt. Nach Angaben des
stellvertretenden Außenministers Tomar Pojar, der für
Tschechien die Verhandlungen führt, will die Regierung einen
tschechischen Armeevertreter bei dem US-Radarsystem stationieren. "Wir
rechnen damit, dass wir jemanden von unserer Armee an dem
Stützpunkt stationiert haben". Die Radarbilder sollten der
tschechischen Armee zugeleitet werden, forderte Pojar in der Zeitung
"Hospodarske Noviny".
Die USA wollen ihre Raketenabwehr in Großbritannien und
Grönland durch neue Anlagen in Polen, Tschechien und dem Kaukasus
erweitern. Bis spätestens 2013 sollen in Polen zehn Abfangraketen
stationiert und in Tschechien ein Radarsystem eingerichtet werden.
Während die USA das System vor allem als Schutz gegen mögliche
Angriffe des Iran sehen, fühlt sich Russland in seiner Sicherheit
bedroht und leistet massiven Widerstand. Am Montagabend kündigten
Polen und Tschechien an, sich in den Verhandlungen über den
Raketenschild eng abzustimmen.
(Quelle: afp)
Italiens Ministerpräsident Prodi warnt vor faulem Kompromiss bei
EU-Verfassung
Mi.23.05.07 - Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi hat in der Debatte
über die EU-Verfassung vor faulen Kompromissen gewarnt. Den
Verfassungsgegnern drohte der frühere Präsident der
EU-Kommission am Dienstag mit einem Europa der zwei Geschwindigkeiten:
Sollten einzelne EU-Mitglieder ihren Widerstand gegen wichtige
Reformelemente des Vertragsentwurfs nicht aufgeben, so müssten die
reformbereiten Staaten allein voranschreiten, forderte Prodi im
Europaparlament in Straßburg. «Eine Gruppe von
Ländern, die die Triebkraft wäre, könnte dann die beste
Lösung sein.»
Er unterstütze die deutsche Ratspräsidentschaft in ihrem
Bemühen, einen Ausweg aus der Verfassungskrise zu finden, betonte
Prodi. «Gleichzeitig weiß Italien aber nur zu gut, dass ein
Kompromiss kein Selbstzweck ist. Wenn ein Kompromiss uns nicht
überzeugen sollte, werden wir ihm nicht zustimmen.» Italien
gehört zu den 18 EU-Staaten, die den Verfassungsentwurf bereits
ratifiziert haben. In Frankreich und den Niederlanden fiel der Entwurf
bei Volksabstimmungen durch, sieben weitere Länder verzichteten
danach vorerst auf eine Ratifizierung.
Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Prodi lieferte ein
leidenschaftliches Plädoyer für die Reformbestimmungen in dem
umstrittenen Verfassungsentwurf ab. Auf zentrale Elemente wie eine
Stärkung der EU-Außenpolitik dürfe nicht verzichtet
werden - dies wäre «unverantwortlich gegenüber der
Geschichte». Schon jetzt zeige sich bei den Konflikten im Nahen
Osten und anderen Krisengebieten, «was wir alles haben opfern
müssen dadurch, dass wir keinen EU-Außenminister
haben», sagte Prodi.
Zudem sei es im Interesse der Europäer selbst, gegenüber
aufstrebenden Mächten wie China und Indien mit einer Stimme zu
sprechen, betonte der italienische Ministerpräsident. Europa
wäre sonst irgendwann nur noch «ein kleiner Anhang eines
großen Kontinents, der Asien heißt». «Wir
würden unsere Zukunft ein für alle Mal verdammen»,
warnte Prodi.
(Quelle: ap)
EU-Parlament kritisiert geplante Verordnung für Öko-Produkte
Mi.23.05.07 - Das Europaparlament hat die Vorgaben der EU-Kommission für
Öko-Produkte als zu lasch kritisiert. Ein als ökologisch
gekennzeichnetes Produkt dürfe keine genetisch veränderten
Organismen enthalten, erklärten die Abgeordneten in einem am
Dienstag in Straßburg verabschiedeten Bericht. Der Grenzwert
für eine versehentliche Verunreinigung mit gentechnisch
veränderten Pflanzen oder Zutaten müsse daher auf 0,1 Prozent
festgelegt werden. Die EU-Kommission schlägt einen Grenzwert von
0,9 Prozent vor.
Der Grünen-Europaabgeordnete Friedrich Wilhelm Graefe zu
Baringdorf kritisierte zudem den Vorschlag, unter bestimmten
Umständen auch chemische Zusätze zu Öko-Lebensmitteln zu
erlauben. Das EU-Parlament hat in der Landwirtschaftspolitik allerdings
kein Mitspracherecht. Die neue EU-Verordnung für Öko-Landbau,
die voraussichtlich 2009 in Kraft treten soll, wird daher allein von
den EU-Regierungen mit der Kommission ausgehandelt. Besonders
Frankreich und Großbritannien dringen nach Angaben von Graefe zu
Baringdorfs Büro darauf, in Ausnahmefällen chemische oder
genetisch veränderte Zusatzstoffe zuzulassen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Zuversicht der Finanzmarktprofis steigt abermals im Mai
Mi.23.05.07 - Wegen des stabilen Aufschwungs sind die Finanzmarktprofis so
optimistisch wie seit fast einem Jahr nicht mehr.
Das monatliche Konjunkturbarometer des Mannheimer Zentrums für
Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kletterte im Mai von 16,5
auf 24,0 Punkte, wie das ZEW am Dienstag mitteilte. Das ist der sechste
Anstieg in Folge und höchste Stand seit elf Monaten. Dennoch blieb
der Indikator unter seinem langjährigen Durchschnitt von 33,0
Zählern. Für die kommenden Monate rechnen Experten mit einem
weiteren Anstieg.
Die größere Zuversicht beruht vor allem auf dem Vertrauen
der Finanzmarktprofis in die robuste Konjunktur. "Der
Wirtschaftsaufschwung in Deutschland zeigt sich von der Erhöhung
der Mehrwertsteuer und der Wachstumsverlangsamung in den Vereinigten
Staaten wenig beeindruckt", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu
der monatlichen Umfrage unter rund 300 professionellen Anlegern und
Analysten. Die Nachfrage nach Investitionen steige wieder stärker.
Auch der private Konsum dürfte im kommenden Halbjahr wieder
anziehen, schrieben die Forscher. Grund sei die sinkende
Arbeitslosigkeit. Im April war die Zahl der Erwerbslosen unter die
Vier-Millionen-Grenze gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit
rund viereinhalb Jahren. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet
für 2007 mit einem dauerhaften Unterschreiten der Marke.
Fachleute hatten im Schnitt genau diesen Anstieg des ZEW auf 24 Punkte
erwartet und zeigten sich zuversichtlich. "Für die deutsche
Wirtschaft ist mehr drin als gedacht", sagte Andreas Scheuerle von der
DekaBank. Zudem hätten sich die Aktienmärkte weiter erfreulich
entwickelt, und der Eurokurs sei nicht noch weiter gestiegen. Er
rechnet mit einem weiteren Anstieg des ZEW-Indikators. Die aktuelle
Lage schätzten die Befragten erneut besser ein als im Vormonat.
Der Teilindex kletterte überraschend deutlich auf 88,0 nach 76,9
Punkten und erreichte abermals ein Rekordhoch.
Um den starken Aufschwung zu drosseln, müsste der Gegenwind von
der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgesprochen stark sein, sagte
ZEW-Volkswirt Matthias Köhler. "Der Leitzins müsste weit
über vier Prozent steigen, um das Wachstum zu bremsen." Die EZB hat
ihren Leitzins seit Ende 2005 von zwei auf 3,75 Prozent angehoben, um
den Preisauftrieb während des Aufschwungs zu dämpfen.
Für Juni hat sie einen weiteren Zinsschritt auf vier Prozent
signalisiert.
Für die Euro-Zone sind die Finanzmarktprofis ebenfalls
optimistischer. Der Indikator stieg um 11,6 auf 22,3 Punkte.
(Quelle: rtr)
Attac erwartet 100.000 Teilnehmer bei Anti-G-8-Demo
Mi.23.05.07 - Die Globalisierungskritiker rechnen mit bis zu 100.000 Teilnehmern bei
der Großdemonstration gegen den G-8-Gipfel am 2. Juni in Rostock.
"Die Mobilisierung läuft sehr gut", sagte der Mitinitiator Werner
Rätz vom Netzwerk Attac in Berlin. Die Demonstration werde ein
buntes und kämpferisches, aber auch friedliches Bild abgeben,
betonte Rätz. Er verwies darauf, dass seit den Razzien gegen die
G-8-Gegner und dem Demonstrationsverbot das Interesse an den
Protestaktionen gestiegen sei.
So würden inzwischen deutlich mehr Tickets für die
Sonderbusse zu den Veranstaltungen verkauft. Nach den Worten von
Rätz gibt es keine Hinweise auf mögliche Ausschreitungen bei
der Demonstration am 2. Juni. Sollte es dennoch dazu kommen, würden
die Organisatoren mit eigenen Ordnern versuchen, möglicherweise
auftretende Probleme zu lösen.
(Quelle: afp)
Polizei nimmt Geruchsproben von G-8-Gegnern
Mi.23.05.07 - Die Polizei hat bei mehreren G-8-Gegnern Körpergeruchs-Proben
genommen. «Das ist bei einzelnen Beschuldigten passiert»,
sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Dienstag der
Nachrichtenagentur AP. Mit Hilfe der Geruchsproben sollen besonders
abgerichtete Hunde Tatverdächtige wiedererkennen. Bei wie vielen
Personen Proben genommen wurden, teilte die Bundesanwaltschaft nicht
mit. Die Abnahme von Geruchsproben war bisher als
Überwachungsmethode der ehemaligen
DDR-Staatssicherheitsbehörde (Stasi) im Fall von Dissidenten
bekannt.
Nach einem Bericht der «Hamburger Morgenpost» mussten
allein in der Hansestadt zwei Verdächtige Proben abgeben. Das
Vorgehen der Behörde sei «ein schwerer Eingriff in die
Grundrechte», zitiert die Zeitung den Anwalt eines Betroffenen.
Laut Bericht wird die Probe mit einem langen Metallrohr abgenommen, das
die Betroffenen drücken müssen.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist der Beweiswert der
Geruchsproben ungeklärt. «Einen Beweiswert im klassischen
Sinn haben sie nicht. Wir sind aber der Meinung, dass sie einen
Indizwert hat und in eine Gesamtwürdigung eingestellt werden
kann», sagte der Sprecher der Karlsruher Behörde. Nach seinen
Angaben ist die Polizei in Nordrhein-Westfalen führend bei der
Abnahme von Geruchsproben.
Vor zwei Wochen hatte die Bundesanwaltschaft auf der Suche nach
gewaltbereiten Globalisierungsgegnern 40 Objekte der linken Szene
durchsuchen lassen. Gegen mehr als 20 mutmaßliche Extremisten
wurden Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer terroristischen
Vereinigung eingeleitet. Schwerpunkt der Aktion war Hamburg.
(Quelle: ap)
Serie von Anschlägen auf Autos und Häuser reißt nicht ab
Mi.23.05.07 - Die Serie von Anschlägen auf Autos und Häuser reißt
auch zwei Wochen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm nicht ab: Auf das
Privatfahrzeug von «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann wurde
am Dienstag ein Brandanschlag verübt. Unbekannte setzten laut
Polizei den Mercedes vor seinem Haus in Hamburg in Flammen. Ermittler
halten einen Zusammenhang mit dem Gipfel für wahrscheinlich.
Globalisierungsgegner forderten unterdessen die Einstellung aller
Verfahren gegen G-8-Kritiker nach den bundesweiten Razzien Anfang Mai.
Der brennende Wagen Diekmanns wurde laut Polizei von einem Zeugen
gemeldet. Als die Feuerwehr am Tatort eintraf, schlugen aus dem
Fahrzeug bereits hohe Flammen. Der Mercedes, in dem sich drei
Kindersitze und ein Kinderwagen befanden, brannte völlig aus.
Trotz umfangreicher Fahndung konnten der oder die Täter
zunächst nicht ermittelt werden. Hamburgs Bürgermeister Ole
von Beust verurteilte die Tat.
In den letzten Tagen hatte es bereits zwei Farbanschläge auf ein
Hotel und das Haus eines Managers in Hamburg gegeben. Die Berliner
Polizei zählte allein von Samstag bis Dienstag fünf
angezündete Autos, ein politischer Hintergrund der Taten ist nicht
ausgeschlossen.
(Quelle: ap)
Kultur
'Kempowskis Lebensläufe'
Mi.23.05.07 - Erstmals wird ein umfassender Einblick in das Schaffen Walter
Kempowskis gewährt. Seit dem Wochenende zeigt die Akademie der
Künste in Berlin die Ausstellung «Kempowskis
Lebensläufe». Der 78-jährige Schriftsteller sagte in
einem Zeitungsinterview seiner Krebserkrankung zum Trotz: «Das
sind jetzt die glücklichsten Tage meines Lebens». Diese Schau
«ist die Endvorstellung, darüber geht nichts hinaus.»
Bundespräsident Horst Köhler nannte Kempowski bei der
Ausstellungseröffnung am Samstagabend einen Volksdichter. Er habe
wie kein anderer das Volk selbst zum Sprechen gebracht.
Die Schau zeigt die literarischen und persönlichen Archive sowie
die Fotosammlung des in Rostock geborenen und in Nartum bei Bremen
lebenden Schriftstellers. Die Akademie stellt eine Auswahl der 500
laufenden Meter Aktenordner aus, die der 78-Jährige dem Haus 2005
übergeben hatte. Zu sehen sind 1600 Exponate, die über den
Autor und sein Werk hinaus rund 100 Jahre deutsche Geschichte darstellen.
Aufgrund seiner Erkrankung konnte Kempowski nicht persönlich zur
Eröffnung kommen, wurde aber von seiner Frau Hildegard vertreten.
Köhler sagte: «Wir alle sind traurig, dass die Hauptperson
des heutigen Tages, Walter Kempowski, jetzt nicht bei uns sein
kann.» Kempowski habe seit seiner Entlassung aus Bautzen all das,
was er sich vorgenommen habe, in die Tat umgesetzt. Sein großes
Werk habe er weitgehend im Alleingang bewältigt. Es habe ihn weder
eine Universität noch eine Stiftung noch eine staatliche
Institution unterstützt. Kempowski sei ein «Ein- Mann-
Geschichts- und- Erinnerungskultur- Unternehmen», wie es in
Deutschland kein zweites gebe.
Der Schriftsteller will sich im Sommer die Schau ansehen. Er hoffe, im
Juni wieder nach Hause zu kommen, um anschließend doch noch nach
Berlin reisen zu können, sagte Kempowski. Derzeit befindet er sich
im Diakoniekrankenhaus in Rotenburg an der Wümme. «Ich
fühle mich nicht so, dass ich morgen umkippe», beschreibt der
Dichter seinen Gesundheitszustand.
Kempowski ist überzeugt: «Die Hauptsache ist erledigt, aber
ich habe noch viele Pläne.» Im Krankenhaus hat er
«Somnia» redigiert, ein Tagebuch des Jahres 1991: «Es
ist eine Freude, sich mit der Nachwelt unterhalten zu können. Wer
Tagebuch führt, behält Recht».
Hildegard Kempowski antwortete auf die Frage, ob es schwierig sei, mit
einem ebenso empfindsamen wie eigenwilligen Mann verheiratet zu sein:
«Jede Ehe ist schwierig. Eine Ehe mit einem Säufer ist
bestimmt schwieriger. Doch auch Schreiben kann eine Sucht sein. Für
meinen Mann ist Schreiben wie eine Religion.»
Kempowski wurde 1929 in Rostock geboren. 1948 verurteilte ihn ein
sowjetisches Militärtribunal wegen angeblicher Wirtschaftsspionage
zu 25 Jahren Zuchthaus, von denen er acht Jahre in Bautzen
verbüßte. Nach seiner Entlassung zog er in den Westen und
arbeitete jahrelang als Dorfschullehrer in Niedersachsen, bevor er sich
ganz dem Schreiben widmete. Zu seinen bekanntesten Werken zählen
Romane wie «Tadellöser & Wolff» (1971), «Aus
großer Zeit» (1978) und «Herzlich Willkommen»
(1984) sowie die «Echolot»-Bücher mit Erinnerungen aus
dem Zweiten Weltkrieg.
(Quelle: ddp)
Der Epochenpanoramiker
Als Kind wollte Walter Kempowski 'Archiv' werden. Nun widmet die
Akademie der Künste dem Schriftsteller und seiner riesigen Sammlung
von Biografien und Alltagszeugnissen eine Ausstellung... Mehr in der
taz vom 19.05.07:
http://www.taz.de/dx/2007/05/19/a0230.1/text
Wissenschaft
Kennedy-Mörder war möglichweise doch kein Einzeltäter
Mi.23.05.07 - Die Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy im texanischen
Dallas im Jahr 1963 ist laut einer neuen Studie möglicherweise doch
nicht das Werk eines Einzeltäters gewesen. Neue ballistische
Untersuchungen unter Rückgriff auf moderne Methoden der Statistik
und der chemischen Analyse zeigten, dass Lee Harvey Oswald damals unter
Umständen nicht der einzige Schütze gewesen sei, hieß es
in der jüngsten Ausgabe der "Annals of Applied Statistics".
Laut dem Hauptautor der Studie, William Tobin, halten die seinerzeit
von den damaligen Expertern angeführten Belege, wonach die
Möglichkeit eines zweiten Mörders ausscheide, den Tatsachen
nicht stand. Die neuerliche Analyse habe ergeben, dass die am Tatort
gefundenen Kugelfragmente von mindestens drei unterschiedlichen Kugeln
stammen könnten. Wenn dies zutreffe, sei die Möglichkeit eines
zweiten Schützen, der Kennedy getrofffen haben könne, nicht
mehr auszuschließen. Deshalb sei es wissenschaftlich geboten, die
fünf Kugelfragmente erneut untersuchen zu lassen.
Tobin, ein angesehener Kriminalist und früherer Agent der
US-Bundespolizei FBI, leitete mehr als 20 Jahre lang das FBI-Labor zur
Analyse von Metallen. Er wurde in die Ermittlungen zur Aufklärung
zahlreicher spektakulärer Anschläge eingeschaltet,
beispielsweise des Sprengstoffattentats in Oklahoma City 1995 oder der
Sprengung einer Boeing der TWA über Long Island, die von New York
nach Paris unterwegs war.
Nach seiner Pensionierung hatte Tobin durch zahlreiche Studien
nachgewiesen, das die vom FBI jahrzehntelang praktizierte Beweisfindung
durch chemische Analyse von Geschossen eine hohe Fehlerquote aufweisen
kann. Dass FBI verzichtete daraufhin nach 2003 auf diese Methode.
(Quelle: afp)
Neue Hinweise für Existenz von Wasser auf dem Mars
Mi.23.05.07 - US-Wissenschenschaftler haben einen neuen Hinweis dafür gefunden,
dass es auf dem Mars Leben gegeben haben könnte. Ein Roboter habe
ein Stück Erde vom Mars untersucht und dabei hohe Mengen an
Silizium gefunden, teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA mit. Dies
bedeute, dass es auf dem Planeten Wasser gegeben haben müsse.
Dieser Fund sei ein zwingender Beweis dafür, dass es zu
früheren Zeiten auf dem Mars Bedingungen gegeben habe, die Leben
möglich gemacht hätten.
"Das ist eine bemerkenswerte Entdeckung", sagte Steve Squyres von der
Universität Cornell. Es sei nun die Frage, was es auf dem Mars
sonst noch alles zu entdecken gebe. Die siliziumhaltige Erde wurde von
dem NASA-Roboter Spirit bei einer Mars-Expedition mithilfe eines
hochsensiblen Röntgenspektrometers in den Bergen nahe dem
Gusev-Krater entdeckt. "Es ist einer der besten Beweise für die
Existenz von Wasser, die Spirit jemals beim Gusev-Krater gefunden hat",
sagte der NASA-Geochemiker Albert Yen.
Ende vergangenen Jahres hatte die NASA bei der Auswertung von Fotos
deutliche Hinweise auf Wasser auf dem Mars entdeckt. Die Bilder der
Sonde Mars Global Surveyor zeigten Ablagerungen in zwei Rinnen, die auf
fließendes Wasser in den vergangenen sieben Jahren hindeuteten.
Die These ist jedoch umstritten. Der heute eisige Mars war einst warm
und hatte ein feuchtes Klima.
(Quelle: afp)