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Irak am tausendneunundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Präsident Bush bezeichnet Irak-Krieg als Schlacht gegen Al
Kaida. Zwei Millionen irakische Kinder auf der Flucht. Mehr als 20
Zivilisten verlieren bei Anschlägen ihr Leben. Aufständische
töten sieben US-Soldaten
Do.24.05.07 - Terroristenführer Osama bin Laden versucht nach den Worten von
US-Präsident George W. Bush, im Irak eine Terrorzelle für
Angriffe in den USA aufzubauen. Dies gehe aus Geheimdienstinformationen
hervor, sagte Bush am Mittwoch in einer Rede vor der Akademie der
US-Küstenwacht in New London im US-Staat Connecticut. Die USA
gehören weiter zu den vorrangigen Zielen der Terroristen.
«In den Gedanken der Al-Kaida-Führer war der 11. September
nur eine Anzahlung auf künftige Gewalttaten», sagte Bush
weiter. Die Gefahr für die Vereinigten Staaten sei nicht gebannt,
auch wenn es nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA
ruhig geblieben sei. «Hier in Amerika leben wir im Auge des
Sturms», sagte der Präsident. «Um uns herum wirbeln
gefährliche Winde, und sie können jeden Moment unsere
Küsten erreichen.»
Laut den am Dienstag von Bush freigegebenen Geheimdienstinformationen
hat die Al Kaida Anfang 2005 den Irak zur Ausgangsbasis für
Terroranschläge in aller Welt bestimmt. Mit der Bildung der
entsprechende Zelle und der Planung der Angriffe in den USA habe Bin
Laden den im Irak lebenden Al-Kaida-Führer Abu Mussab al Sarkawi
beauftragt, erklärte die Beraterin des
US-Heimatschutzministeriums, Frances Fragos Townsend, zu den bislang
vertraulichen Geheimdienstberichten. Al Sarkawi habe den Vorschlag
begrüßt und erklärt, er habe schon einige
Vorschläge. Er wurde im Juni 2006 bei einem US-Luftangriff im Irak
getötet.
Die Informationen seien jetzt veröffentlicht worden, weil alle
darin enthaltenen Hinweise ausgewertet worden seien, sagte Townsend.
Die US-Regierung hat in der Vergangenheit wiederholt gezielt solche
Informationen der Geheimdienste an die Öffentlichkeit gebracht, um
bestimmte Positionen zu unterstützen oder Kritik
zurückzuweisen. Bush, der derzeit mit den Demokraten um die
weitere Finanzierung des Irak-Kriegs ringt, werde deutlich machen,
welche Erfolge die USA bei der Abwehr terroristischer Angriffe erzielt
hätten, sagte Townsend.
Rund zwei Millionen irakische Kinder befinden sich nach Angaben des
Kinderhilfswerks Unicef auf der Flucht vor Gewalt und Terror. Mehr als
zwei Drittel der Kinder hätten derzeit keinen Zugang zu sauberem
Trinkwasser, jedes fünfte Kind sei mangelernährt, berichtete
die Organisation am Mittwoch in Köln. Bombenexplosionen,
Entführungen und Kämpfe bestimmten den Alltag in weiten Teilen
des Landes. Unicef rief zu Spenden für die irakischen Kinder auf
(Spendenkonto 300.000, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ
370 205 00, Stichwort: Irak).
«Humanitäre Hilfe für Kinder ist derzeit die
bestmögliche Investition in die Zukunft des Irak», sagte der
Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Dieter Garlichs. Trotz
der schwierigen Sicherheitslage könne man mit der
Unterstützung die meisten Kinder und Flüchtlingsfamilien
erreichen.
Insgesamt befinden sich dem Kinderhilfswerk zufolge fast 15 Prozent der
irakischen Bevölkerung auf der Flucht, also etwa vier Millionen
Menschen. Rund 1,25 Millionen von ihnen suchen demnach Zuflucht in
Syrien, etwa 750.000 leben in Jordanien. Mehr als 1,9 Millionen sind
Binnenflüchtlinge, die in anderen Gemeinden des Landes Schutz
suchen. Angesichts der weitgehend zerstörten Wasser- und
Abwassersysteme hätten nur rund 30 Prozent der Kinder sauberes
Trinkwasser zur Verfügung, hieß es. Daher befürchtet
Unicef für die bevorstehenden heißen Sommermonate eine
Cholera-Epidemie.
Ein Selbstmordattentäter hat in einem von kurdischen Schiiten
bewohnten Gebiet des Irak mindestens 20 Zivilisten mit in den Tod
gerissen. 15 Männer seien bei dem Anschlag in einem Café der
Stadt Mandali an der iranischen Grenze verletzt worden, teilten die
Sicherheitskräfte weiter mit. Drei Menschen kamen Polizeiangaben
zufolge durch einen Selbstmordanschlag in Mahawil, 65 Kilometer
südlich von Bagdad, ums Leben. 15 weitere seien durch die Explosion
der Autobombe verletzt worden.
Ein Kind starb und vier weitere wurden laut Polizei verletzt, als eine
Mörsergranate in einer Schule in Mahmudija, 30 Kilometer
südlich der Hauptstadt, einschlug.
Aufständische haben im Irak innerhalb eines Tages sieben
amerikanische Soldaten getötet. Laut US-Armee starben bei dem
folgenschwersten Angriff in Bagdad drei Soldaten, als während einer
Patrouille mehrere Bomben in ihrer Nähe explodierten. Zwei US-
Soldaten seien in der Anbar-Provinz getötet worden. Ein US-Soldat
wurde laut Armee in West-Bagdad erschossen, ein weiterer starb bei
einer Sprengstoffattacke südwestlich der Hauptstadt. Die irakische
Polizei fand südlich von Bagdad die Leiche eines US-Soldaten.
Die irakische Polizei fand möglicherweise die Leiche eines der
drei seit Mitte Mai vermissten US-Soldaten. Ein Mann in
US-Militäruniform sei aus dem Fluss Euphrat südlich von Bagdad
geborgen und an die US-Streitkräfte übergeben worden, teilten
die Sicherheitskräfte mit. Ein Sprecher der US-Armee konnte
zunächst nicht bestätigen, dass es sich bei der Leiche um
einen ihrer Soldaten handelte.
Drei Angehörige der US-Streitkräfte waren am 12. Mai in der
Nähe von Mahmudija mutmaßlich in einen Hinterhalt geraten und
entführt worden. In dem Überfall auf ihre Patrouille waren
zudem drei US-Soldaten und ein irakischer Übersetzer getötet
worden.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 24.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertfünfundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.24.05.06 - Gewalt hält unvermindert an - Bei Anschlagen mehr als 40 Tote +++
Bush: Neubewertung der Sicherheitslage nach Regierungsbildung im Irak +++
Neuer Prozess wegen Misshandlungen in Abu Ghraib begonnen +++ Literaturnobelpreisträger Grass
wirft den USA kriminelles Handeln vor: Der Irak-Krieg missachte die Regeln der zivilisierten
Welt und fördere den Terror...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605240.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Massenflucht aus Flüchtlingslager im Libanon. Zahl der von Israel
getöteten Palästinenser 2006 stark gestiegen
Do.24.05.07 - Die Massenflucht aus dem umkämpften palästinensischen
Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Norden des Libanon ging auch am
Mittwoch weiter. Nach inoffiziellen Schätzungen hat seit Beginn der
Feuerpause am Dienstagabend die Hälfte der rund 40 000 Bewohner
das Lager verlassen.
Wie aus Regierungskreisen in Beirut verlautete, verhandelt die
Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora inzwischen mit der
Palästinenser-Fraktion Fatah darüber, ob 300 ihrer
Kämpfer in das Flüchtlingslager geschickt werden sollen, um
dort die Milizionäre der Extremisten-Gruppe Fatah al-Islam, die
sich in dem Lager verschanzt haben, in die Enge zu treiben. Die
libanesische Armee hat zu den zwölf palästinensischen
Flüchtlingslagern im Libanon gemäß eines Abkommens
keinen Zutritt.
Palästinenser in Nahr al-Bared sagten am Mittwoch, ihre Kinder
hätten während der Kämpfe tagelang ohne Essen auskommen
müssen. Zahlreiche Zivilisten seien getötet worden.
Palästinenser, die das Lager verließen, erklärten, in
Nahr al-Bared seien Verwundete gestorben, weil keine Krankenwagen in das
Lager hätten fahren können.
Nach einem Waffenstillstandsangebot der Armee hatte Fatah al-Islam am
Dienstag eine Feuerpause aus humanitären Gründen
angekündigt. Seit Dienstagabend fiel rund um das Lager, das in der
Nähe der Stadt Tripoli liegt, kein Schuss mehr. Die staatliche
libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete, die Armee habe die
Menschen, die über einen Ausgang auf der Südseite aus dem
Lager geflohen seien, genau kontrolliert und durchsucht. Bei den
Gefechten zwischen der Armee und Milizionären der Islamisten-Gruppe
Fatah al-Islam waren seit Sonntag rund 80 Menschen getötet worden.
Israelische Soldaten haben im vergangenen Jahr nach Angaben von Amnesty
International mehr als 650 Palästinenser getötet, die
Hälfte davon unbewaffnete Zivilpersonen einschließlich rund
120 Kindern. Dies bedeute einen Anstieg um das Dreifache gegenüber
2005, erklärte Amnesty am Mittwoch in seinem jährlichen
Menschenrechtsbericht. Darüber hinaus machte die Organisation
Israel für eine Verschärfung der Armut in den
palästinensischen Gebieten verantwortlich.
Als Grund wurden das Einbehalten von Zolleinnahmen, verstärkte
Abriegelungen und weitere Beschränkungen der Bewegungsfreiheit
genannt. Soldaten und jüdischen Siedlern warf Amnesty schwere
Menschenrechtsverstöße vor. Die Zahl der von
Palästinensern getöteten Israelis sei 2006 um die Hälfte
auf 27 zurückgegangen. Darunter seien 20 erwachsene Zivilpersonen
und ein Kind. Zugleich stellte die Organisation einen «bedeutende
Zunahme» des Raketenbeschusses auf den Süden Israels vom
Gazastreifen durch militante Palästinenser fest. Der Bericht
zeige, dass der Konflikt nur mit Diplomatie und nicht mit
militärischen Mitteln gelöst werden könne, erklärte
der Direktor von Amnesty International Israel, Amnon Vidan.
Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie bemühten
sich auf das Äußerste, Unschuldige zu verschonen, «im
Gegensatz zu Terrororganisationen, die ihr Äußerstes tun,
Unschuldigen zu schaden». Der Bericht sei angefüllt mit
Ungenauigkeiten.
(Quellen: dpa, ap)
Amnesty: Regierungen schüren Angst vor Terror
Do.24.05.07 - Immer mehr Regierungen nutzen gezielt die Furcht vor Terror als Vorwand
für die Einschränkung von Menschenrechten. Zu diesem Ergebnis
kommt Amnesty International im Jahresbericht 2007, der am Mittwoch
vorgestellt wurde. «Angst ist eine treibende Kraft der Weltpolitik
geworden», sagte die Generalsekretärin von Amnesty
Deutschland, Barbara Lochbihler, in Berlin. Gleichzeitig kritisierte
sie die Maßnahmen vor dem G-8-Gipfel und die Arbeit deutscher
Geheimdienste.
Nach den Anschlägen auf das World Trade Center in den USA
hätten immer mehr Staaten und bewaffnete Gruppen «als eine
Art Trittbrettfahrer» die Gelegenheit genutzt, eigene Probleme
unter dem Deckmantel der Terrorabwehr zu lösen, sagte Lochbihler.
Grundlegende Freiheitsrechte seien dabei teils massiv eingeschränkt
worden. Diese «Politik der Angst» werde geschürt und
schaffe eine gefährlich polarisierte Welt.
Zwei Wochen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm sagte Lochbihler, der
Gipfel werde sich daran messen lassen müssen, was er konkret
für die Verbesserung der Lage in Afrika tue. Konflikte wie der in
Dafur würden nicht zuletzt durch unkontrollierten Waffenhandel
befördert. «Die G-8 als die weltweit größten
Waffenlieferanten müssen sich selbst in die Pflicht nehmen und
aktiv an einem völkerrechtlich verbindlichen Waffenkontrollabkommen
mitarbeiten», sagte Lochbihler.
Mit Blick auf den Gipfel-Gastgeber Deutschland kritisierte Lochbihler,
die Kriterien für die angekündigten Grenzkontrollen seien
ebenso unklar wie die für eine vorbeugende Inhaftierung
mutmaßlicher Gipfel-Gegner. Zusammen mit anderen Organisationen
werde Amnesty außerdem die Gefangenen-Sammelstellen auf dem Gipfel
auf mögliche Menschenrechtsverletzungen überprüfen.
Schwere Vorwürfe erhob Lochbihler gegen deutsche Geheimdienste.
Bei deren Arbeit spielten Menschenrechte offenbar keine Rolle, sagte die
Amnesty-Generalsekretärin. «Wir brauchen eine stärkere
menschenrechtliche Kontrolle der Geheimdienste, zum Beispiel durch
einen Menschenrechtsbeauftragten in der so genannten Sicherheitsrunde
im Kanzleramt.»
Erhebliche Menschenrechtsdefizite gibt es dem Bericht zufolge in China.
Dort bestehe dringender Handlungsbedarf, um die Rechte auf Bildung und
Gesundheitsvorsorge zu stärken, sagte Lochbihler. Ein Jahr vor den
Olympischen Spielen sei das Land weit von der Zusage entfernt, die
Spiele würden zur Verbesserung der Menschenrechtslage beitragen.
Lochbihler sagte weiter, Russland sei nach wie vor «ein Staat, wo
uns die Menschenrechtssituation große Sorge macht». Das
Klima gegenüber Nicht-Regierungsorganisationen sei sehr viel
bedrohlicher geworden. Rassistisch motivierte Straftaten hätten
zugenommen.
(Quelle: ap)
Iran weitet laut IAEA Programm zur Urananreicherung aus
Do.24.05.07 - Der Iran missachtet einem Bericht der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge weiterhin die Forderung des
UN-Sicherheitsrats nach einem Stopp seines Programms zur
Urananreicherung. Stattdessen habe Teheran das Programm sogar
ausgeweitet, heißt es in dem am Mittwoch in Wien von
IAEA-Generalsekretär Mohamed ElBaradei vorgelegten Bericht.
Bemühungen der IAEA, die verdächtigen Aktivitäten zu
untersuchen, würden behindert.
Daher könnten keine Garantien für eine ausschließlich
friedliche Nutzung des Atomprogramms abgegeben werden. In dem nur
vierseitigen Bericht wird Besorgnis darüber geäußert,
dass bestimmte Aspekte des Programms trotz der seit vier Jahren
andauernden Untersuchungen immer undurchsichtiger würden.
Die Regierung in Teheran wies den Bericht zurück. Der Iran habe
den IAEA-Inspektoren hinreichend Zugang zu den Atomeinrichtungen des
Landes gewährt, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA den
Vizepräsidenten der iranischen Atomenergieorganisation, Mohammad
Saidi.
Der Chefdelegierte der USA bei der IAEA, Gregory Schulte, zog erneut
die iranische Darstellung in Zweifel, das Atomprogramm diene nur
friedlichen Zwecken. Wie könne die Welt das glauben, wenn die
iranische Führung zunehmend Informationen vorenthalte und nicht
ausreichend mit der IAEA zusammenarbeite.
Wegen der Uranreicherung hat der UN-Sicherheitsrat schon zwei Mal
Sanktionen gegen Teheran verhängt. Nach dem neuen Bericht der IAEA
über den Stand der Zusammenarbeit Teherans mit der internationalen
Staatengemeinschaft im Atomstreit ist nun eine dritte Phase von
Sanktionen möglich.
Der Iran beharrt auf seinem Recht als Unterzeichnerstaat des
Atomwaffensperrvertrags, die Atomkraft friedlich zur Stromgewinnung
nutzen zu können und dabei auch Uran zur Herstellung von
Brennstäben anzureichern. Im Westen wird aber vermutet, dass die
Regierung letztlich den Bau einer Atombombe anstrebt.
(Quelle: ap)
Boliviens Präsident nennt Kapitalismus den 'schlimmsten Feind der
Menschlichkeit'
Do.24.05.07 - Auf einer Konferenz von Intellektuellen hat der bolivianische
Präsident Evo Morales die kapitalistische Wirtschafts- und
Gesellschaftsordnung als «schlimmsten Feind der
Menschlichkeit» bezeichnet. Die Konkurrenz internationaler
Konzerne um die Akkumulation des Kapitals erzeuge immer wieder neue
Konflikte, sagte Morales am Dienstag in La Paz. Der linksgerichtete
Politiker hat im vergangenen Jahr die Öl- und Erdgasvorkommen des
Landes verstaatlicht.
Morales kündigte auf der fünften «Welttreffen zur
Verteidigung der Menschheit» an, dass die geplante neue Verfassung
in Bolivien den Andenstaat zu einer pazifistischen Nation erklären
werde. «Anstatt mehr Waffen und Kugeln herzustellen, müssen
wir uns darauf konzentrieren, mehr Nahrungsmittel zu erzeugen»,
sagte Morales.
(Quelle: ap)
Prowestlicher Politiker Dulic neuer serbischer Parlamentspräsident
Do.24.05.07 - Nach wochenlangem Tauziehen hat das serbische Parlament einen
prowestlichen Politiker zu seinem neuen Präsidenten gewählt.
Für Oliver Dulic von der reformorientierten Demokratischen Partei
(DS) stimmten am Mittwoch 136 der 250 Abgeordneten, 98 votierten gegen
den 32-Jährigen. Dulic wird Nachfolger des nur kurzzeitig
amtierenden Nationalisten Tomislav Nikolic von der Serbischen Radikalen
Partei (SRS). Dessen Wahl vor zwei Wochen hatte im In- und Ausland
Proteste ausgelöst und Befürchtungen geweckt, Anhänger
des ehemaligen Präsidenten Slobodan Milosevic könnten ihre
Macht weiter ausbauen. Die Radikale Partei gewann bei der Wahl am 21.
Januar die meisten Sitze im Parlament, erreichte aber nicht die Mehrheit
zur Regierungsbildung.
(Quelle: ap)
Britische Regierung setzt beim Klimaschutz auf Atomkraft
Do.24.05.07 - Die britische Regierung will mit einer neuen Generation von
Atomkraftwerken die Klimaziele zur Senkung der Kohlendioxid-Emissionen
erreichen. Industrieminister Alistair Darling forderte am Mittwoch bei
der Vorstellung einer Energiestrategie im Parlament noch für
dieses Jahr eine Entscheidung über den Bau neuer Atomkraftwerke,
auch wenn diese nicht vor 2020 ans Netz gehen könnten. Zuvor hatte
sich bereits der scheidende Premierminister Tony Blair in einem Artikel
der Londoner Zeitung «The Times» für eine neue
Atomkraftwerksgeneration stark gemacht.
Darling machte keine Angaben dazu, wie viele neue Atomkraftwerke gebaut
werden müssten. In Großbritannien gibt es 23 Atomkraftwerke,
die rund 20 Prozent des britischen Stroms produzieren. Bis auf eines
sollen alle bis 2023 abgeschaltet werden. Die neue Energiestrategie
sieht auch die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien vor. Sie
sollen bis 2015 fünfzehn Prozent des Energiebedarfs decken, das
ist das Dreifache des jetzigen Anteils.
Blair schrieb in seinem Artikel: «Es ist nur richtig, dass wir
Atomkraft als Unterstützung unserer Sicherheit bei der
Energieversorgung erwägen, ohne unsere Abhängigkeit von
fossilen Brennstoffen zu erhöhen.» Die Klimaziele seien nur
erreichbar, wenn man im Voraus denke, kompromisslose Entscheidungen
über neue Windkraftanlagen treffe «und ernsthaft über
Atomkraft nachdenkt».
Die Energieversorgung stelle für Großbritannien eine
besondere Herausforderung dar: Während zur Zeit noch 80 Prozent
der benötigten Energie aus eigenen Brennstoffen gewonnen
würden, müssten bis 2020 fast das gesamte Erdgas und mehr als
die Hälfte des benötigten Öls eingeführt werden,
schrieb Blair.
(Quelle: ap)
Niederlande: Ministerpräsident Balkenende stellt Substanz des
EU-Verfassungsvertrags in Frage
Do.24.05.07 - Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende
hat seinen Widerstand gegen den EU-Verfassungsentwurf bekräftigt
und stattdessen einen grundlegend neuen Vertrag gefordert. Man
müsse nicht nur den Titel «Verfassung»
überdenken, sondern auch die Substanz des Dokuments, erklärte
Balkenende am Mittwoch vor dem Europaparlament in Straßburg. Der
niederländische Regierungschef wandte sich damit gegen das
Vorhaben der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, an der Substanz des
Verfassungsvertrags festzuhalten.
Balkenende bekräftigte, in dem neuen Vertrag müsse die Rolle
der nationalen Parlamente in der EU weiter gestärkt werden. Zudem
sollte auf den Namen «Verfassung» und auf einen
EU-Außenminister verzichtet werden. Aufgenommen werden sollten
dafür strengere Kriterien für die Erweiterung der EU, sagte
der niederländische Ministerpräsident. Viele
Niederländer hätten den Eindruck, dass die EU bei der
Aufnahme neuer Mitgliedstaaten ihre eigenen Regeln nicht ernst nehme.
Dies sei einer der Gründe dafür gewesen, dass die
Niederländer 2005 gegen den Verfassungsentwurf stimmten, sagte
Balkenende. Außerdem fürchteten viele Bürger, beim
EU-Integrationsprozess «die Kontrolle zu verlieren und ihre
Identität zu opfern.»
Kritisch äußerte sich Balkenende vor diesem Hintergrund auch
dazu, dass der Verfassungsentwurf einen weiteren
Souveränitätsverzicht der Nationalstaaten zu Gunsten der EU
vorsieht. Zwar müssten die EU-Mitglieder im Kampf gegen den
Klimawandel, den internationalen Terrorismus, in der Energie- und
Einwanderungspolitik enger zusammenarbeiten, sagte der
niederländische Ministerpräsident. «Wir müssen
aber anerkennen, dass einige Mitgliedstaaten Angst davor haben, ihre
Vetorechte aufzugeben.»
Der Verfassungsentwurf sieht eine Ausweitung der
Mehrheitsentscheidungen auf EU-Ebene vor, damit die Gemeinschaft nicht
länger durch das Veto eines einzelnen von 27 Staaten blockiert
werden kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel will in ihrer Rolle als
Ratspräsidentin in einem Monat einen Vorschlag zur Lösung der
seit zwei Jahren andauernden Verfassungskrise vorlegen.
(Quelle: ap)
Frankreichs Präsident Sarkozy wirbt für 'vereinfachten
EU-Vertrag'
Do.24.05.07 - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy strebt eine rasche
Reform der EU auf Grundlage eines kurzen und einfachen neuen Vertrags
an. «Dieser vereinfachte Vertrag kann keine neue Verfassung
sein», betonte Sarkozy am Mittwoch bei einem Antrittsbesuch bei
der EU-Kommission in Brüssel. Er wolle sich aber entschlossen
für eine Lösung der Krise einsetzen, die vor zwei Jahren
durch das Nein der Franzosen zum EU-Verfassungsentwurf ausgelöst
wurde.
«Glauben Sie nicht, dass das ein französisches Problem
ist», warnte Sarkozy. Um die Bürger wieder für die EU
zu gewinnen, müsse diese sich ändern: «Europa muss
schützen, anstatt zu beunruhigen. Europa muss als Antwort auf die
Globalisierung betrachtet werden und nicht als ihr Trojanisches
Pferd», erklärte der konservative Politiker.
In diesem Zusammenhang sprach sich Sarkozy erneut für eine
konjunkturpolitische Ausrichtung der Europäischen Zentralbank
(EZB) aus. Er kündigte eine Initiative für eine «echte
wirtschaftspolitische Führung» der Euro-Zone an. Die
Unabhängigkeit der EZB wolle er nicht einschränken, er wehre
sich aber gegen die Vorstellung, das sich etwa zu
Leitzins-Entscheidungen der Bank «keine gewählte Person
äußern» dürfe.
Zuallererst gelte es aber die Verfassungskrise zu lösen:
«Wir haben schon viel Zeit verloren, es muss jetzt schnell
gehen», sagte der Staatspräsident. Der bisherige
Verfassungsentwurf müsse auf einen «vereinfachten
Vertrag» reduziert werden, der im Wesentlichen die geplanten
institutionellen Reformen enthalten solle. Besonders sei die
Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips in Bereichen wie der
Einwanderungspolitik, sagte Sarkozy: «Mit dem
Einstimmigkeitsprinzip gibt es immer ein Land, das blockiert. Ich ziehe
ein handlungsfähiges Europa vor».
Sarkozy räumte ein, der Titel «Mini-Vertrag», unter
dem er sein Konzept im vergangenen Jahr erstmals vorgestellt hatte, sei
unglücklich. Auch habe er nichts dagegen, in den kurzen
Reformvertrag Verweise auf das bisherige, im Vertrag von Nizza
zusammengefasste EU-Recht einzubauen. Im Ergebnis brauche man eine
Neufassung des Nizza-Vertrags, «aber eine effektivere»,
sagte Sarkozy.
EU-Kommissionspräsident Barroso lobte, mit seiner Idee habe
Sarkozy der Debatte über den Ausweg aus der Verfassungskrise einen
wichtigen Impuls gegeben. Dass der bisherige Verfassungsentwurf
vereinfacht werden müsse, sei auch bei seinen Gesprächen mit
der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im portugiesischen Sintra
Mitte Mai Konsens gewesen, betonte der EU-Kommissionschef.
Seine Kritik an den Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei
stellte Sarkozy am Mittwoch vorerst zurück. «Ich sehe keinen
Grund diese Frage jetzt anzusprechen, wo genug andere Probleme auf dem
Tisch liegen», sagte er. Langfristig sei eine Debatte über
die Aufnahme der Türkei in die EU aber «unvermeidbar».
«An meinen Überzeugungen hat sich nichts
geändert», betonte Sarkozy.
Einen Verzicht auf den Standort Straßburg für das
EU-Parlament lehnte er entschieden ab. Der Parlamentssitz im Elsass sei
in den Gründungsverträgen der EU festgeschrieben und
«nicht verhandelbar», sagte Sarkozy. Die 785
EU-Abgeordneten, die ihre Büros ansonsten in Brüssel haben,
ziehen einmal im Monat für die Plenarsitzung nach Straßburg.
(Quelle: ap)
Gewerkschaften können im Kampf gegen Sozialdumping auf EuGH hoffen
Do.24.05.07 - Die Gewerkschaften können im Kampf gegen Sozialdumping auf
Unterstützung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hoffen. Der
Generalanwalt des EuGH verteidigte am Mittwoch in Luxemburg die
Blockade von Baustellen in Schweden, auf denen lettische Arbeiter
unterhalb der schwedischen Tarife beschäftigt waren. In einem
zweiten Fall vertrat der Generalanwalt die Auffassung, Gewerkschaften
könnten auch Schritte gegen die Standortverlagerung einer
Gesellschaft in einen EU-Staat mit niedrigerem Lohnniveau ergreifen.
Ein Urteil steht in beiden Verfahren noch aus. Die Stellungnahmen der
Generalanwälte sind für den EuGH nicht bindend, in vielen
Fällen folgen die Richter aber ihren Empfehlungen.
Im ersten Fall ging es um eine lettische Baufirma namens Laval, die zur
Renovierung eines Schulgebäudes Mitarbeiter in die schwedische
Stadt Vaxholm entsandte. Die schwedische Bauarbeitergewerkschaft
bemühte sich zunächst auf dem Verhandlungsweg, Laval zur
Annahme des Bautarifvertrags zu bewegen. Nach dem Scheitern der
Gespräche rief die Gewerkschaft zur Blockade sämtlicher
Baustellen von Laval auf.
Generalanwalt Paolo Mengozzi erklärte, solche Maßnahmen
seien mit EU-Recht vereinbar, sofern sie Zielen von allgemeinem
Interesse wie dem Arbeitnehmerschutz und dem Kampf gegen Sozialdumping
dienten.
Der zweite Fall befasst sich mit der Klage eines finnischen
Fährunternehmens, das eine zwischen Helsinki und Tallinn
verkehrende Fähre umflaggen und in Estland registrieren lassen
wollte. Auf diese Weise hätte das Unternehmen eine estnische
Besatzung auf deutlich niedrigerem Lohnniveau anheuern können.
Die Gewerkschaft Finnischer Seeleute (FSU) alarmierte daraufhin ihren
Dachverband, die International Transport Workers' Federation (ITF).
Letztere drohte daraufhin in einem Rundschreiben an alle ihre Mitglieder
jeder Gewerkschaft mit dem Ausschluss, die gegen den Willen der FSU
Verhandlungen mit Viking Lines aufnehmen sollte. Damit hatte das
Fährunternehmen praktisch keine Möglichkeit, mit einer
estnischen Gesellschaft zu verhandeln. Generalanwalt Miguel Poiares
Maduro erklärte, kollektive Maßnahmen, die sich nur
einschränkend auf die Niederlassungsfreiheit von Unternehmen
auswirkten, seien rechtens.
(Quelle: ap)
Deutschland
SPD-Fraktion befürwortet Verlängerung der
Afghanistan-Einsätze
Do.24.05.07 - Die SPD will bei der Diskussion um die Verlängerung der deutschen
Afghanistan-Einsätze Wert darauf legen, dass die deutschen
Vorstellungen über die Verbindung von Terrorbekämpfung und
Staatsaufbau Gemeingut aller Partner werden. «Dann werden wir eine
Verlängerung durchsetzen können», sagte
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Olaf Scholz am Mittwoch in
Berlin. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erneuerte die
Kritik am Vorgehen der «Enduring-Freedom»-Soldaten im
Süden des Landes.
Der Zeitplan für eine groß angelegte Diskussion im Bundestag
vor der im Oktober anstehenden Entscheidung steht Scholz zufolge
bereits. Scholz sagte zwar: «Wir werden eine Fraktionsmeinung
haben», und ließ keinen Zweifel daran, dass er und
Fraktionschef Peter Struck eine Verlängerung befürworteten.
Aber es komme darauf an, dass jeder Abgeordnete selbst entscheiden
können müsse. Ferner sollte klar gestellt werden, «dass
es keine Zusammenlegung der Mandate gibt». Die Bundesrepublik
könne darauf stolz sein, dass die Verbindung von militärischer
und Entwicklungshilfe funktioniere.
Verteidigungsminister Jung wiederholte seine indirekte Kritik an dem
Vorgehen der US-Soldaten bei der Terrorismusbekämpfung in
Afghanistan. Es müsse alles vermieden werden, dass die
Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen werde. Das habe
contraproduktive Wirkung, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im
ZDF-Morgenmagazin. Denn damit gewinne man nicht das Vertrauen. «Da
sind wir auch mit unseren amerikanischen Freunden im gemeinsamen
Gespräch.»
«Wir müssen darauf achten, dass Kollateralschäden und
Schäden bei der Zivilbevölkerung» vermieden würden.
«Es gab Vorfälle in der Vergangenheit, wo es Punkte gab, wo
wir zur Verbesserung kommen müssen.» Jung bekräftigte,
die Operation «Enduring Freedom» bei der
Terrorismusbekämpfung sei weiterhin nötig. «Aber wir
müssen auch in diesem Bereich angemessen und
verhältnismäßig reagieren.»
Mit Blick auf die Debatte über Auslandseinsätze der
Bundeswehr sagte Jung, er sei dankbar für den Einsatz der Soldaten,
«den sie auch für unsere Sicherheit gerade in Afghanistan
leisten».
Am Mittwochabend sollten die drei am Samstag bei einem
Selbstmordanschlag in Afghanistan getöteten
Bundeswehrangehörige nach Deutschland zurück gebracht werden.
Am (heutigen) Donnerstagvormittag will Bundestagspräsident Norbert
Lammert zu Beginn der parlamentarischen Beratungen Gedenkworte für
die Opfer sprechen. Scholz sagte, man habe diese Lösung statt einer
politischen Debatte gewählt, «weil niemand den toten
Soldaten und ihren Hinterbliebenen die Ausfälle von Oskar
Lafontaine zumuten will». Der Fraktionschef der Linkspartei hatte
im Zusammenhang mit den deutschen Einsätzen erklärt, die
Bundeswehr sei etwa durch die Tornado-Aufklärungsflüge
«mittelbar in terroristische Aktionen verwickelt».
In einer repräsentativen Forsa-Umfrage des Hamburger Magazins
«stern» plädierten 63 Prozent der Befragten dafür,
dass die Bundeswehr ihren Einsatz in Afghanistan beendet. 35 Prozent
sprachen sich dafür aus, dass die deutschen Truppen dort bleiben.
Zwei Prozent der Befragten antworteten mit «weiß
nicht», wie das Magazin am Mittwoch in Hamburg mitteilte.
Für die Umfrage wurden am Montag 1.002 repräsentativ
ausgewählte Bundesbürger befragt.
(Quelle: ap)
Sicherheit bei G8-Gipfel: Abnahme von Geruchsproben löst bei
Ostpolitikern Entsetzen aus
Do.24.05.07 - Die Abnahme von Körpergeruchsproben bei Globalisierungsgegnern hat
bei früheren DDR-Bürgerrechtlern Entsetzen ausgelöst.
Auch ostdeutsche Politiker der CDU sowie SPD, Grüne, FDP und
Linkspartei lehnten am Mittwoch die von der Stasi bekannte
Ermittlungsmethode ab. Dagegen verteidigten Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble, die Polizeigewerkschaft GdP und die
Bundesanwaltschaft das Vorgehen gegen G-8-Gegner, das am Dienstag
bekannt geworden war.
«Eine solche Praxis erinnert mich an Stasi-Methoden», sagte
der ostdeutsche Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD). Er
warnte im Zusammenhang mit dem Vorgehen gegen die G-8-Gegner vor
Hysterie, «die zu Polizeistaatsmethoden à la DDR
führen».
Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler,
erklärte, es sei eines Rechtsstaates unwürdig,
«heimlich intimste Daten über seine Bürgerinnen und
Bürger zu sammeln und zu speichern». Der frühere
DDR-Bürgerrechtler Richard Schröder sagte: «Diese
Methode mit den Geruchsproben ordnet jeder ehemalige DDR-Bürger
der Stasi zu.»
Die Bundesanwaltschaft hatte Geruchsproben von fünf
verdächtigen Globalisierungsgegnern genommen. Damit sollen Spuren
abgeglichen werden, etwa auf Bekennerbriefen, wie ein Sprecher sagte.
Mit Hilfe der Proben sollen abgerichtete Hunde feststellen können,
ob einer der Verdächtigen das Schreiben berührte. Die Proben
werden demnach aufgehoben, so lange das Ermittlungsverfahren
läuft. Eine langfristige Speicherung sei nicht geplant.
Der CDU-Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, lehnt
die vorsorgliche Sicherung und Speicherung von Geruchsproben in
Vorbereitung auf den G-8-Gipfel ab. Das habe es in seinem Land nicht
gegeben und werde es auch nicht geben.
Dagegen verteidigte Schäuble erneut das Vorgehen: «Es ist
völliger Unsinn, wenn vermutet wird, dass die Geruchsproben
präventiv und im Hinblick auf Demonstranten beim G-8-Gipfel in
Heiligendamm genommen wurden», erklärte der CDU-Politiker.
Er wolle, dass rund um den Gipfel friedlich protestiert und
demonstriert werden könne.
Die Abnahme von Geruchsproben sei von der Strafprozessordnung gedeckt
und daher nicht als Stasi-Methode zu bezeichnen, erklärte der
GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg. «Wer hier von einem
'Schnüffelstaat' spricht, macht sich einer unverantwortlichen
Polemik schuldig.» Schäubles Parteikollege Wolfgang Bosbach
findet dagegen wenig Verständnis für die Geruchsfahndung: Das
Ganze sei «eine etwas kuriose Veranstaltung».
Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele sprach von einem
«Schnüffelstaat in Perfektion». Der stellvertretende
Fraktionschef erinnerte daran, dass bereits in den 80er Jahren das
Bundesamt für Verfassungsschutz Geruchsproben von mutmaßlich
gefährlichen Personen gesammelt habe. Nach öffentlichem
Protest sei diese Praxis aufgegeben worden. Es sei
«unappetitlich, dass unsere Sicherheitsbehörden jetzt
Methoden anwenden, die schon die Stasi praktiziert» habe.
Der FDP-Politiker Max Stadler sprach von unverständlichen
Methoden, die vermutlich «ins Blaue hinein» gesammelt
würden. Die stellvertretende Parteivorsitzende Katina Schubert von
der Linkspartei forderte die Vernichtung der Proben. Der
SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sprach von einer
«bizarren Ermittlungsmethode».
(Quelle: ap)
Bundesverfassungsgericht beanstandet Benachteiligung Unverheirateter
bei Unterhalt
Do.24.05.07 - Dass unverheiratete Mütter einen deutlich kürzeren
Unterhaltsanspruch als geschiedene Mütter haben,
verstößt gegen die Verfassung. Das hat das
Bundesverfassungsgericht in einer am Mittwoch veröffentlichten
Entscheidung erklärt. Die unterschiedliche Behandlung von nur
maximal drei gegenüber acht Jahren Unterhaltsanspruch verletze die
Gleichstellung von nichtehelichen und ehelichen Kindern.
Der Gesetzgeber muss bis zum 31. Dezember 2008 eine Neuregelung
schaffen, befand das Gericht in seinem schon am 28. Februar
gefällten Beschluss. Bis zum Inkrafttreten der Neuregelung kommen
die bestehenden Regelungen weiter zu Anwendung.
Nach derzeitiger Rechtslage kann ein geschiedenes Elternteil nach
§ 1570 BGB von dem früheren Ehegatten Unterhalt verlangen,
solange und soweit von ihm wegen der Pflege oder Erziehung eines
gemeinschaftlichen Kindes eine Erwerbstätigkeit nicht erwartet
werden kann. Übereinstimmend geht die Rechtsprechung davon aus,
dass bis zum Alter eines Kindes von acht Jahren beziehungsweise bis zum
Ende seiner Grundschulzeit für den betreuenden Elternteil keine
Erwerbsobliegenheit besteht, wie die Richter erklärten.
Demgegenüber ist laut Bundesverfassungsgericht der in § 1615
l BGB festgelegte Anspruch eines Elternteils, der ein nichteheliches
Kind betreut und deshalb einer Erwerbstätigkeit nicht nachgeht,
deutlich schwächer ausgestaltet. Die Verpflichtung des anderen
Elternteils zur Gewährung von Unterhalt an den betreuenden
Elternteil endet nämlich gemäß § 1615 l Abs. 2 Satz
3 BGB im Regelfall spätestens drei Jahre nach der Geburt des
Kindes. «Diese unterschiedliche Regelung der Dauer des
Unterhaltsanspruchs eines kinderbetreuenden Elternteils ist mit dem
Grundgesetz nicht vereinbar. Sie verstößt gegen das in Art. 6
Abs. 5 GG an den Gesetzgeber gerichtete Gebot, nichtehelichen Kindern
gleiche Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung zu
schaffen wie ehelichen Kindern», erklärte der Erste Senat
des Bundesverfassungsgerichts auf eine Vorlage des Oberlandesgerichts
Hamm. Die Entscheidung erging mit sieben zu einer Stimme.
Für die Beseitigung des verfassungswidrigen Zustands stehen dem
Gesetzgeber den Karlsruher Richtern zufolge mehrere Möglichkeiten
zur Verfügung. So könne er eine Gleichbehandlung durch eine
Änderung eines der jeweiligen Gesetze oder durch eine Neuregelung
beider Sachverhalte vornehmen. «Dabei hat er nur in jedem Fall
einen gleichen Maßstab hinsichtlich der Dauer des
Betreuungsunterhalts bei nichtehelichen und ehelichen Kindern zu Grunde
zu legen», urteilten die Richter. (Aktenzeichen:
Bundesverfassungsgericht 1 BvL 9/04)
(Quelle: ap)
Kabinett billigt Reform des GmbH-Rechts
Do.24.05.07 - Die Bundesregierung hat am Mittwoch die Reform des GmbH-Rechts
beschlossen. Die Gründung von Gesellschaften mit beschränkter
Haftung soll dadurch erleichtert werden. Gleichzeitig soll das Gesetz
Missbrauch besser verhindern. «Das neue GmbH-Recht gibt
Gründern und Investoren den nötigen rechtlichen Rahmen, um
ihre unternehmerischen Ideen schnell und unkompliziert in die Tat
umzusetzen», sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD)
in Berlin.
Gleichzeitig werde die Unternehmensform GmbH fit für den
internationalen Wettbewerb gemacht. Bestehende Nachteile wie
gegenüber der englischen Limited werden ausgeglichen, die Vorteile
blieben. Zudem werde der Schutz der Gläubiger in Fällen der
Krise und der Insolvenz verbessert. Das Gesetz soll in der ersten
Hälfte 2008 in Kraft treten. Laut Justizministerium handelt es sich
um die umfassendste Reform des GmbH-Gesetzes aus dem Jahr 1892.
(Quelle: ddp)
Kulturrat fordert Verknüpfung naturwissenschaftlicher und
kultureller Bildung
Do.24.05.07 - Der Deutsche Kulturrat hat sich für eine stärkere Verzahnung
von naturwissenschaftlicher und kultureller Bildung in den Schulen
ausgesprochen. So sollten beispielsweise Künstler für eine
neue Unterrichtsgestaltung nicht nur im Fach Kunsterziehung, sondern
auch in Geographie oder Physik eingesetzt werden, schlug der Vorsitzende
des Kulturrats, Max Fuchs, am Mittwoch in Berlin vor. Durch die
Verknüpfung der beiden Sphären entstünden neue
Spannungsbereiche und die Chance neuer Erkenntnisse.
Angesichts von Forderungen, immer neue Fächer wie zum Beispiel
Ernährung in den Lehrplan aufzunehmen, müsse für die
Relevanz künstlerischer Fächer gekämpft werden, sagte
Fuchs auf einer Pressekonferenz zum 100. Jubiläum der
Fachzeitschrift «Mikrokosmos». Die Schulen seien nur allzu
oft bereit, sich Probleme anzunehmen, für die sie gar nicht
zuständig seien.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Training ist ein 'genetischer Jungbrunnen' für ältere Menschen
Do.24.05.07 - Körperliches Training ist für ältere Menschen eine Art
genetischer Jungbrunnen. Das berichten Forscher um Mark Tarnopolsky vom
McMaster University Medical Center in Hamilton (Kanada) im Journal
«PLoS One» (online veröffentlicht).
Die Aktivität der Gene von durchtrainierten Senioren ähnelt
derjenigen von jüngeren Menschen. Das Forscherteam hatte die
Erbanlagen in den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien untersucht,
heißt es in einer Mitteilung der Wissenschaftler.
Mitochondrien haben ein eigenes, wenngleich sehr kleines Erbgut.
Tarnopolsky und seine Kollegen verglichen die Aktivität dieser Gene
in älteren Menschen vor und nach einer sechsmonatigen
Trainingseinheit. Nach den Übungen glich das Aktivitätsmuster
in den Mitochondrien der älteren Menschen (Altersdurchschnitt: 70
Jahre) wieder deutlich jenem in den Mitochondrien einer jüngeren
Vergleichsgruppe (Altersdurchschnitt: 26 Jahre).
Die Studie maß zudem die Muskelstärke der älteren
Probanden. Zu Beginn waren ihre Muskeln um 59 Prozent schwächer als
jene der Jüngeren. Nach sechs Monaten mit wöchentlich zwei
Übungseinheiten auf gewöhnlichen Fitnessgeräten waren
die Älteren nur noch 38 Prozent schwächer als die jungen
Erwachsenen.
«Wir waren von den Resultaten sehr überrascht», sagte
Co-Autor Simon Melov. «Wir hatten erwartet, dass das
Aktivitätsmuster der Gene in den älteren Erwachsenen gleich
bleiben würde.» Die Änderung in der Aktivität der
Erbanlagen zeuge von einer «Umkehr der Alterung». Dies
zeige, dass es niemals zu spät sei, um mit dem Training zu
beginnen, ergänzte sein Kollege Tarnopolsky. Weitere Untersuchungen
sollen zeigen, ob sich die Aktivität von Erbanlagen durch das
Training auch in anderen Geweben des Körpers verändert.
(Quelle: dpa)
Östrogene in Gewässern bedrohen wild lebende Fischarten
Do.24.05.07 - Schon kleine Mengen Östrogen in Gewässern führen zur
Verweiblichung von männlichen Fischen und können zum
Aussterben ganzer Bestände führen. Zu diesem Ergebnis kommt
eine am Dienstag veröffentlichte Studie von Forschern des
kanadischen Fischereiministeriums und der US-Umweltschutzbehörde.
Über sieben Jahre hatten die Wissenschaftler in einen
künstlich angelegten See (0491.HK - Nachrichten) im Norden der
Provinz Ontario Mengen des weiblichen Sexualhormons gegeben wie sie auch
durch Rückstände der Antibaby-Pille in den Abwässern
großer kanadischer Städte vorkommen.
Dabei beobachteten die Forscher, dass die männlichen Goldelritzen,
eine oft als Köder genutzte Fischart, in dem künstlichen See
weniger zeugungsfähig waren. Teilweise wurden sogar Eizellen in den
Hoden der Fische gefunden. Dieselben Effekte wurden auch bei
größeren Fischen beobachtet, die sich von den Goldelritzen
ernährten.
(Quelle: afp)