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Irak am tausendundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Kongress gibt Bush Milliarden für Irak-Krieg. Dutzende Tote bei
Anschlägen im Irak
Fr.25.05.07 - Im Streit um den künftigen Kurs der Irak-Politik hat sich der
US-Kongress dem Veto von Präsident George W. Bush gebeugt. Beide
Kammern des Parlaments bewilligten die von Bush beantragten Mittel
für die Fortführung des Krieges und verzichteten darauf, dies
von einem Zeitplan für den Truppenabzug abhängig zu machen.
Im Repräsentantenhaus wurde das Ausgabengesetz über 120
Milliarden Dollar (89,2 Milliarden Euro) am Donnerstag mit 280 zu 142
Stimmen angenommen. Kurz darauf folgte der Senat mit 80 zu 14 Stimmen.
Mit Blick auf den anlaufenden Wahlkampf stimmten die drei
demokratischen Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton, Barack
Obama und Christopher Dodd gegen den Kompromiss, der in langwierigen
Verhandlungen mit der Regierung erzielt wurde. «Genug ist
genug», sagte Obama. Er wolle Bush keinen «Blankoscheck
geben, um diesen desaströsen Weg fortzusetzen.»
Das Gesetz sieht auch Ausgaben für den Militäreinsatz in
Afghanistan vor. US-Präsident George W. Bush hatte am 1. Mai sein
Veto gegen ein erstes von beiden Parlamentskammern verabschiedetes
Gesetz eingelegt, das die Haushaltsmittel an die Bedingung
knüpfte, bis Anfang Oktober einen Abzug von Kampftruppen aus dem
Irak einzuleiten. Die Demokratische Partei konnte damit ihre Mehrheit
im Kongress nicht dazu nutzen, um Bush zu einer Änderung seiner
Irak-Politik zu zwingen. Um ein Veto des Präsidenten zu
überstimmen, ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.
Die Demokraten erreichten aber immerhin eine Reihe von
Zugeständnissen der Regierung in innenpolitischen Fragen. So
enthält das Gesetz auch Mittel für die Opfer des Hurrikans
«Katrina» und für den Ausgleich von
Dürreschäden in der Landwirtschaft. Außerdem setzten
die Demokraten eine Erhöhung des Mindestlohns von 5,15 Dollar
(3,80 Euro) auf 7,25 Dollar (5,40 Euro) durch.
Nach der Verabschiedung des Gesetzes bekräftigten die beiden
Oppositionsführer Nancy Pelosi und Harry Reid ihre
Entschlossenheit, weiter für einen Truppenabzug aus dem Irak
einzutreten. Entweder müssten auch die Republikaner zu einem
Kurswechsel gebracht werden, «oder wir bekommen einen neuen
Präsidenten», sagte Senator Reid mit Blick auf die Wahl im
November 2008.
Bush sagte, er hätte es vorgezogen, weniger Geld für die
Innenpolitik auszugeben. Am wichtigsten sei aber die weitere
Unterstützung für die amerikanischen Soldaten im Irak. Jetzt
sei es an der irakischen Regierung, das Engagement der USA mit
wirksamen Fortschritten zu honorieren.
Extremisten haben am Donnerstag im Irak einen Trauerzug und eine Gruppe
von Bauarbeitern angegriffen und Dutzende von Menschen getötet.
Der staatliche Fernsehsender Al-Irakija berichtete, 25 Menschen seien
bei der Explosion einer Autobombe neben einem Trauerzug in der
westlichen Aufständischen-Hochburg Falludscha getötet worden.
Zahlreiche Menschen starben bei einem Sprengstoffanschlag auf
Bauarbeiter in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City. Augenzeugen
berichteten, die Bombe sei auf einem Platz explodiert, auf dem sich
morgens Arbeit suchende Iraker versammeln. Da dort in den vergangenen
Jahren schon fünf schwere Anschläge verübt worden waren,
hat die Polizei das Gelände umzäunt.
Arabische Medien berichteten unterdessen, bei der Leiche, die am
Mittwoch südlich von Bagdad im Euphrat gefunden worden ist, handele
es sich um einen der drei amerikanischen Soldaten, die am 12. Mai
während eines Angriffes nahe der Ortschaft Al-Mahmudija
verschleppt worden waren. Dies habe eine Identifizierung durch die
US-Armee ergeben.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 25.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsechsundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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SPD-Politiker fordert Stopp von Tornado-Einsatz der Bundeswehr in
Afghanistan
Fr.25.05.07 - Nach der Tötung von drei deutschen Soldaten in Afghanistan hat der
SPD-Politiker Wolfgang Wodarg einen sofortigen Stopp des
Tornado-Einsatzes der Bundeswehr in dem Land verlangt.
Es sei notwendig, die Aufklärungs-Tornados zurückzuholen, um
eine weitere Zuspitzung der Situation zu vermeiden, sagte das Mitglied
im Entwicklungshilfeausschuss am Donnerstag in Berlin. Die Menschen in
Afghanistan könnten kaum noch trennen zwischen der humanitären
Hilfe wie der Ausbildung von Polizisten oder dem Bau von
Wasserleitungen einerseits und dem Tornado-Einsatz andererseits.
Letzterer diene vor allem im Süden des Landes indirekt dem Kampf
gegen die Taliban. "Durch unsere Mithilfe bei der fragwürdigen
Anti-Terror-Mission der USA diskreditieren wir unsere zivile Mission und
setzen sie nicht hinnehmbaren Gefahren aus", argumentierte Wodarg.
Der SPD-Politiker hatte am 9.März wie 68 andere Kollegen aus
seiner Fraktion gegen den Tornado-Einsatz der Bundeswehr gestimmt. Die
Vermischung deutscher humanitärer Hilfen mit den im Rahmen der
Operation "Enduring Freedom" (OEF) laufenden militärischen
Aktivitäten sei gefährlich, bekräftigte er.
Der Tod der drei deutschen Soldaten am Samstag auf einem belebten Markt
in der nordafghanischen Stadt Kundus hat eine politische Debatte
darüber ausgelöst, ob und wie der Einsatz der Bundeswehr
fortgesetzt werden soll.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Waffenruhe im Nordlibanon gebrochen: Neue Kämpfe in
palästinensischem Flüchtlingslager. Libanesischer
Ministerpräsident will Terrorismus entwurzeln. Razzia gegen
Hamas-Politiker im Westjordanland
Fr.25.05.07 - Schweres Maschinengewehrfeuer hat am Donnerstagabend für 20
Minuten die Waffenruhe zwischen libanesischen Streitkräften und
militanten Palästinensern im Flüchtlingslager Nahr el-Bared
zerrissen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatten Kämpfer der
Fatah Islam Militärstellungen beschossen. Die Soldaten hätten
das Feuer erwidert. Die libanesischen Truppen würden ihrerseits
kein Gefecht auslösen, im Fall eines Angriffs aber
zurückschießen. Bis zum Sonnenuntergang hatten nur
sporadische Gewehrschüssen die zweitägige Waffenruhe
gestört.
Die libanesischen Streitkräfte hatten zuvor das Lager umstellt,
waren aber nicht weiter vorgerückt.
Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora hat derweil einen
entschlossenen Kampf gegen die islamischen Extremisten im Norden des
Landes angekündigt. Siniora erklärte am Donnerstag in einer
Fernsehansprache, die Fatah Islam sei eine terroristische Organisation
und versuche, aus dem Leid des palästinensischen Volkes Profit zu
ziehen. Gleichzeitig sicherte der Regierungschef zu, die
Zivilbevölkerung im Flüchtlingslager Nahr el Bared zu schonen.
«Wir werden den Terrorismus entwurzeln, aber wir werden unsere
Brüder in den Lagern schützen», sagte Siniora. An die
Palästinenser gewandt erklärte er: «Ihr seid unsere
Brüder. Wir teilen mit euch die schlechten Zeiten vor den
guten.» Einen Tag zuvor hatte Verteidigungsminister Elias Murr den
Kämpfern der Fatah Islam ein Ultimatum gestellt. Sie müssten
sich ergeben oder mit einem militärischen Angriff rechnen. Die
Fatah Islam verkündete, sie werde nicht aufgeben und jeden Angriff
zurückschlagen.
Die Waffenruhe in dem Gebiet hatte bis Donnerstagabend Bestand. Am
Rande des Lagers waren nur vereinzelt Schüsse zu hören,
während weitere Bewohner unter den Augen der Soldaten das Lager
verließen. Einer der Flüchtenden, Bakri Abdel Al, sagte, das
Haus seiner Familie sei zerstört worden. «Wir haben die
Hölle gesehen», erklärte er. Vier Krankenwagen mit
Wasser und Medikamenten durften in das Lager fahren. Nach
Schätzungen ist die Hälfte der 31.000 Bewohner bereits aus
Nahr el Bared geflohen.
Die Vereinten Nationen appellierten an die Konfliktparteien,
Mitarbeitern von Hilfsorganisationen einen Zugang zu dem umkämpften
Flüchtlingslager zu garantieren. Ein Versuch, einen Konvoi in das
Lager zu bringen, sei an heftigen Kämpfen gescheitert, sagte am
Mittwoch der UN-Koordinator für humanitäre Hilfsaktionen,
John Holmes. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte am
Mittwochabend die Angriffe der Fatah Islam im Norden des Libanons
«auf das Schärfste». Es handle sich um einen nicht
hinnehmbaren Angriff auf die Stabilität, Sicherheit und
Souveränität des Landes, erklärte das höchste
Entscheidungsgremium der UN. Die Mitglieder des Sicherheitsrats
bekundeten zugleich ihre Unterstützung für die
«legitime und frei gewählte Regierung des Libanons».
Ein Hilfskonvoi des Roten Kreuzes verließ am Mittwochabend die
jordanische Hauptstadt Amman mit Ziel Nahr el Bared. Die elf Lastwagen
seien mit 220 Tonnen Lebensmitteln für rund 10.000
Palästinenser beladen, die aus dem Lager geflüchtet seien,
erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in einer
Stellungnahme. Die Gefechte haben seit Sonntag nach offiziellen Angaben
30 libanesische Soldaten und 60 Aufständische das Leben gekostet.
Nach Angaben aus UN-Kreisen wurden 20 Leichen von Zivilpersonen aus dem
Lager geborgen.
Libanesische Truppen versenkten zwei Schlauchboote mit militanten
Islamisten, die über das Mittelmeer aus dem belagerten
Flüchtlingslager fliehen wollten. Ein ranghoher
Militärvertreter sagte am Donnerstag, alle Islamisten auf dem Boot
seien bei dem Zwischenfall am Dienstag getötet worden. Eine Zahl
nannte er nicht.
Der neue französische Außenminister Bernard Kouchner traf am
Donnerstag zu zweitägigen Gesprächen mit Vertretern aller
politischen Gruppen im Libanon ein. Kouchner sprach zunächst mit
Regierungschef Siniora, außerdem geplant war ein Treffen mit
Oppositionsführer Nabih Berri.
In einer Razzia haben israelische Soldaten am Donnerstag 33
führende Hamas-Mitglieder verhaftet. Unter ihnen sind ein Minister,
zwei Abgeordnete und drei Bürgermeister. Die Razzia im Norden des
Westjordanlands war offenbar eine Reaktion auf jüngste
Raketenangriffe von Kämpfern der islamischen Miliz.
Von den Politikern, die am frühen Morgen abgeführt wurden,
ist Bildungsminister Nasser Schaer am bekanntesten. Der als Pragmatiker
geltende Minister wurde bereits im vergangenen Jahr festgenommen. Seine
Frau sagte, die Truppen hätten auch den Computer des Ministers
mitgenommen. Die Soldaten verhafteten außerdem den ehemaligen
Minister Abdel Rahman Seidan, die Abgeordneten Hamed Bitawi und Aud Abu
Ser sowie die Bürgermeister von Nablus, Kalkilija und Beita.
Festnahmen seien besser als Blutvergießen, sagte
Verteidigungsminister Amir Peretz. Der palästinensische
Präsident Mahmud Abbas nannte die Festnahmen einen Schlag gegen die
Friedensbemühungen. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ismail
Hanija forderte die sofortige Freilassung der Männer. Im
vergangenen Juni hatte Israel rund 40 Abgeordnete der Hamas
festgenommen, fast ein Drittel des palästinensischen Parlaments.
Sie befinden sich noch immer in Gewahrsam.
Israelische Kampfflugzeuge zerstörten am Mittwochabend zwei
Geldwechselstuben und andere Geschäfte in der Stadt Gaza, die nach
Darstellung der Streitkräfte zum Finanzsystem der Hamas
gehörten. Die zerstörten Wechselstuben seien für die
Überweisung von mehreren Millionen Dollar zur Bewaffnung und
Ausbildung von Hamas-Kämpfern genutzt worden. Die Mittel seien aus
dem Iran, aus Syrien und aus dem Libanon gekommen, erklärten die
israelischen Streitkräfte. Bei den Angriffen wurden drei
Palästinenser leicht verletzt.
Ein dritter Luftangriff auf die Stadt Gaza richtete sich gegen ein
Auto, dessen Insassen vom Geräusch der Raketen gewarnt wurden und
in letzter Minute fliehen konnten. Am Donnerstag wurde ein
Palästinenser bei Beit Lahija von Schüssen aus einem
israelischen Panzer getötet, wie aus Krankenhauskreisen verlautete.
Eine Frau erlag laut Gesundheitsministeriums den Verletzungen, die sie
bei einem Luftangriff in der vergangenen Woche erlitten hatte.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte einen sofortigen
Stopp der Raketenangriffe aus den palästinensischen Gebieten auf
Israel. «Dieser Beschuss muss aufhören, er muss erneuten
Versuchen zur Vertrauensbildung Platz machen», sagte sie am
Donnerstag in einer Regierungserklärung zum G-8-Gipfel im
Bundestag. Gewalt führe zu keiner Lösung der Probleme.
Am Mittwoch trafen Abbas und Hanija erstmals seit Beginn der
Kämpfe zwischen Hamas- und Fatah-Mitgliedern wieder zu einem
Gespräch zusammen. Beide Seiten hatten am Wochenende eine
Waffenruhe vereinbart, die mit dem Treffen der beiden Politiker
gefestigt werden sollte. Jedoch schossen bewaffnete Männer am
Mittwochabend aus einem vorbeifahrenden Auto heraus auf das Haus eines
prominenten Fatah-Funktionärs in Gaza. Mindestens zwei
Leibwächter wurden verletzt.
Die EU verlängerte ihre Beobachtermission am Grenzübergang
Rafah im südlichen Gazastreifen unterdessen um ein Jahr. Die
Beobachtermission EUBAM (European Border Assistance Mission) ist seit
Dezember 2005 in Rafah im Einsatz und wurde nun vorerst bis zum 24. Mai
2008 bestätigt. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana, der
den Gazastreifen am Donnerstag besuchte, begrüßte die
Verlängerung.
(Quelle: ap)
Irans Präsident Ahmadinedschad droht Israel mit Auslöschung
Fr.25.05.07 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat Israel mit der
Auslöschung gedroht, sollte es im Sommer erneut den Libanon
angreifen. «Wenn ihr dieses Jahr den Fehler vom vergangenen Jahr
wiederholt, wird sich der Ozean der Nationen der Region empören
und das zionistische Regime mit Stumpf und Stiel ausrotten»,
sagte Ahmadinedschad auf einer Massenkundgebung in Isfahan an die
israelische Regierung gerichtet. Ahmadinedschad reagierte mit seinen
Äußerungen auf das verschärfte israelische Vorgehen
gegen Führer der radikalislamischen palästinensischen
Organisation Hamas. Bei einer Razzia wurden am Donnerstag 33
führende Hamas-Mitglieder verhaftet, darunter auch ein Minister.
Er spielte auch auf die instabile Lage im Libanon an, wo
Regierungstruppen in Kämpfe mit der radikalen
palästinensischen Gruppe Fatah Islam verwickelt sind.
(Quelle: ap)
Afrikanischer Staatenbund will Ende 2008 Zollunion starten
Fr.25.05.07 - 19 Staaten Afrikas wollen bis Ende kommenden Jahres eine gemeinsame
Zollunion aufbauen und damit ihre Wirtschaft beleben. Darauf haben sich
die Staatschefs der Länder des Gemeinsamen Marktes für das
Südliche und Östliche Afrika (COMESA) am Mittwoch in Nairobi
verständigt. Es sei wichtig, dass die Länder Afrikas den
Handel mit ihren Produkten forcierten, sagte der Präsident von
Simbabwe, Robert Mugabe, als neuer Vizepräsident der Organisation:
"Hilfe von außen kann eine helfende Rolle spielen, letztlich
entscheiden aber unsere eigenen Anstrengungen darüber, ob wie eine
echte und nachhaltige Entwicklung erreichen."
(Quelle: afp)
Kolumbien: Eine Million Menschen protestieren in Bogotá gegen
Regierung
Fr.25.05.07 - In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá haben fast eine Million
Menschen gegen ein Freihandelsabkommen mit den USA und
Regierungspläne zu Kürzungen im Bildungsbereich demonstriert.
"Die Bilanz ist ausgezeichnet", sagte der Vizepräsident der
größten Gewerkschaft CUT, Fabio Arias. An dem Protestmarsch
nahmen demnach neben Mitgliedern der Arbeiterbewegung, Lehrern und
Studenten auch Bauern und Indianer teil. Rund eine Million Menschen aus
verschiedenen Schichten hätten sich zu einem "entschlossenen, aber
friedlichen Marsch" und einer der größten Protestkundgebung
der vergangenen 15 Jahre zusammengefunden, sagte Arias weiter.
Der Gewerkschaftsführer bekräftigte, die Lehrer der
staatlichen Schulen würden so lange streiken, bis die Regierung von
Präsident Alvaro Uribe ihren umstrittenen Gesetzentwurf aufgebe.
Darin sind Kürzungen für die Kommunen bei Bildungs-,
Gesundheits- und Sanierungskosten vorgesehen.
(Quelle: afp)
Mindestlohn für Billigarbeit in den USA wird erhöht -
Kennedy: 'Stolzeste Leistung dieses Kongresses'
Fr.25.05.07 - Der gesetzliche Mindestlohn für schlecht bezahlte Arbeiten in den
USA wird erstmals seit zehn Jahren erhöht. Die Anhebung des
Stundensatzes von 5,15 Dollar (3,80 Euro) auf 7,25 Dollar (5,40 Euro)
ist Teil eines Pakets, das die Regierung mit der Kongressmehrheit der
Demokraten ausgehandelt hat, um die weitere Finanzierung des
Irak-Kriegs zu sichern. Dieses Gesetz wurde am Donnerstag vom Kongress
verabschiedet.
Die Erhöhung des Mindestlohns erfolgt in drei Schritten. Der Satz
steigt in diesem Sommer um 70 Cent. Weitere 70 Cent folgen im
nächsten Jahr, und die letzte Stufe in gleicher Höhe im
Sommer 2009. Mehr als zwei Dutzend US-Staaten haben schon jetzt
Mindestlöhne, die das vom Bund festgelegte Niveau übersteigen.
Mindestlohnbezieher in den USA sind meist junge, alleinstehende Frauen,
vielfach Schwarze oder «Hispanics», also Einwanderer aus
Lateinamerika. Das Economic Policy Institute in Washington
schätzt, dass 5,6 Millionen Arbeiter oder vier Prozent aller
Beschäftigten weniger als 7,25 Dollar die Stunde verdienen und
somit von der neuen Regelung profitieren.
Jahrelang haben sich die Republikaner von Präsident George W. Bush
einer Erhöhung des Mindestlohns widersetzt. Erst die
Paketlösung mit der Finanzierung der Auslandseinsätze hat
jetzt die Entscheidung ermöglicht.
Der demokratische Senator Edward Kennedy würdigte die Anhebung des
Mindestlohns als «stolzeste Leistung dieses neuen
Kongresses». Die letzte Anhebung des Satzes erfolgte 1997 unter
Bill Clinton, damals von 4,75 auf 5,15 Dollar. Eingeführt wurde
der Mindestlohn in den USA bereits 1938.
(Quelle: ap)
Polen und USA verhandeln über Raketenabwehrsystem
Fr.25.05.07 - Polen und die USA haben am Donnerstag ihre Verhandlungen über das
umstrittene Raketenabwehrsystem in Osteuropa fortgesetzt. Bei den
Gesprächen in Warschau sollte es um die Auswirkungen des Schilds
auf die Sicherheit in Polen gehen. Der US-Staatssekretär John Rood
wollte sich nach dem Treffen mit dem stellvertretenden polnischen
Außenminister Witold Waszczykowski in einer Pressekonferenz
äußern.
Russland lehnt das System weiterhin strikt ab. Erst am Mittwoch
erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, ein solches
Raketenschild werde nur zu einem neuen Wettrüsten führen.
Washington argumentiert, das System könnte weite Teile Europas
gegen Langstreckenraketen aus dem Iran oder anderen Teilen des Mittleren
Ostens schützen. Es sei nicht gegen Russland gerichtet und biete
außerdem auch keinen Schutz gegen das russische Arsenal.
Bei einer ersten Gesprächsrunde amerikanischer und polnischer
Vertreter war es in der vergangenen Woche um rechtliche Fragen bei der
geplanten Stationierung von zehn US-Abwehrraketen in Polen gegangen. Der
polnische Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski hat sich zustimmend
zu der Anfrage der USA geäußert, Abwehrraketen in Polen und
das Radarsystem in Tschechien stationieren zu wollen.
(Quelle: ap)
Großbritannien : Blair will erneut Anti-Terror-Gesetze
verschärfen
Fr.25.05.07 - In Großbritannien bahnt sich ein neuer Streit über die
Verschärfung der Sicherheitsgesetze an, nachdem drei unter
Hausarrest gestellte Terrorverdächtige geflüchtet sind. Der
scheidende Premierminister Tony Blair kündigte am Donnerstag einen
neuen Vorstoß an, um die Inhaftierung Terrorverdächtiger
ohne Prozess zu ermöglichen. «Dies wäre der beste
Schutz für das britische Volk», sagte Blair in seinem
Amtssitz zu Journalisten.
Der Premierminister, der seit Amt am 27. Juni niederlegt, dürfte
damit erneut auf Widerstand von Bürgerrechtsgruppen, Richtern und
politischen Widersachern stoßen. Er war schon 2005 im Parlament
mit dem Versuch gescheitert, Terrorverdächtige ohne formelle
Beschuldigung 90 Tage lang festzuhalten. Das Gesetz scheiterte auch am
Widerstand von Abgeordneten seiner Labour Party. Es war Blairs erste
große innenpolitische Niederlage als Regierungschef.
Die jetzige Regelung, die für Terrorverdächtige eine Art
Hausarrest mit elektronischer Überwachung vorsieht, war
eingeführt worden, nachdem das höchste Gericht
Großbritanniens 2004 die Inhaftierung Verdächtiger ohne
Prozess für unzulässig erklärt hatte.
Drei Terrorverdächtige flohen am Montag aus dem Hausarrest, der
von einigen Ministern schon vorher als zu locker kritisiert worden war.
Dies sei keine wirksame Methode, um die betreffenden Personen unter
Kontrolle zu halten, sagte Blair am Donnerstag. Um das Land zu
schützen, seien schärfere Maßnahmen notwendig. Die drei
Flüchtigen planten nach Angaben von Innenminister John Reid
Terroranschläge im Ausland. Der Chef von Scotland Yard, Ian Blair
sagte, es gebe keine Garantie, dass von ihnen keine Gefahr für das
Vereinigte Königreich ausgehe.
(Quelle: ap)
Japan präsentiert Klimaschutz-Initiative auf G-8-Gipfel
Fr.25.05.07 - Japan will auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm eine Initiative zur
weltweiten Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen bis 2050
starten. «Wir müssen einen neuen Rahmen schaffen, der
über das Kyoto-Protokoll hinausgeht», sagte der japanische
Ministerpräsident Shinzo Abe am Donnerstag in Tokio.
Entwicklungsländer und reiche Industriestaaten sollten bei der
Verwirklichung des Ziels eng zusammenarbeiten, mit dem nach Ablauf der
Klimaschutzvorgaben des Kyoto-Protokolls 2013 begonnen werden sollte.
Aus japanischen Regierungskrisen verlautete ergänzend, Abes
Initiative habe eher den Charakter eine Vision als eines verbindlich zu
einem bestimmten Zeitpunkt zu erreichenden Ziels. Abe erklärte,
zunächst gehe es darum, arme und reiche Staaten,
Entwicklungsländer und etablierte Industrienationen auf das
gemeinsame Ziel der Schadstoffreduktion einzuschwören, um die vom
UN-Klimabericht prognostizierten katastrophalen Folgen eines weltweiten
Temperaturanstiegs zu verhindern. Seine Initiative setze auf die
Einbeziehung der dem Kyoto-Protokoll nicht beigetretenen USA sowie den
davon nicht erfassten Boom-Nationen China und Indien. Diese drei
gehören zu den größten Umweltverschmutzern weltweit.
Mit einem speziellen Fonds für Entwicklungsländer will Japan
konkrete Hilfe bei der Verbesserung von Energie-Effizienz und
technologischen Innovationen leisten. So sollen Möglichkeiten zum
Einsatz von Sonnenenergie und anderen erneuerbaren Energien in
Entwicklungsländern gefördert werden. Zugleich will Japan
weltweit auf Atomenergie zur Verringerung der Treibhausgasemissionen
setzen.
Abe nannte in seiner programmatischen Rede keine Details zur konkreten
Umsetzung seiner Initiative. So gab er kein Ausgangsjahr vor, von dem an
mit der Halbierung der Treibhausgase bis 2050 begonnen werden solle. Er
nannte auch keinen Sockelbetrag für den japanischen Fonds zur
Unterstützung der Entwicklungsländer beim Klimaschutz.
Abe sagte, der Klima-Nachfolgepakt für Kyoto sollte flexibel sein
und ein Gleichgewicht zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum
herstellen. Die angestrebte Halbierung der Treibhausgasemissionen bis
2050 entspricht Vorstellungen der Europäischen Union. Die
Diskussion über die Initiative kann im Rahmen des G-8-Gipfels vom
6. bis 8. Juni in Heiligendamm erfolgen.
Japan erfüllt derzeit nicht seine Verpflichtungen aus dem
Kyoto-Protokoll, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2012 auf
fünf Prozent unter die Menge von 1990 zu drücken. Zur Zeit
liegt es 14 Prozent über diesem Ziel. Abe verwies aber darauf, dass
Japan in den vergangenen 30 Jahren die Energie-Effizienz um 37 Prozent
verbessert habe. Zudem sei der Ölverbrauch um acht Prozent
zurückgegangen, obwohl sich das Bruttosozialprodukt verdoppelt habe.
(Quelle: ap)
Deutschland und China wollen Beziehungen ausbauen
Fr.25.05.07 - Deutschland und China wollen ihre Beziehungen ausbauen. Ohne auf die
Spannungen wegen Menschenrechtsfragen im Vorfeld des Besuches
einzugehen, vereinbarten der deutsche Bundespräsident Horst
Köhler und Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao am Donnerstag
in Peking, die Zusammenarbeit im Umwelt- und Ressourcenschutz, im
Energiebereich und in anderen Wirtschaftsfeldern zu intensivieren.
Köhler sah hier «viel Potenzial für Kooperation».
In dem Gespräch ging der Bundespräsident nur
«allgemein» auf Menschenrechtsfragen ein, berichteten
Teilnehmer. Jüngste Proteste Chinas gegen deutsche Kritik seien
dabei «überhaupt nicht» erwähnt worden. Im
TV-Sender N24 warnte Köhler am Donnerstag davor, das Land in
Menschenrechtsfragen vom Westen aus belehren zu wollen.
Bei seinem ersten Besuch als Bundespräsident in China rückte
Köhler den Klimaschutz, Energieeffizienz und Umweltschutz in den
Mittelpunkt, wo Deutschland besondere Kompetenzen anbieten könne.
Beide Präsidenten übernahmen die Schirmherrschaft für
eine dreijährige Serie von kulturellen und wissenschaftlichen
Veranstaltungen, mit denen sich Deutschland in China präsentieren
wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll voraussichtlich im August bei
einem Besuch in China die Veranstaltungsreihe feierlich eröffnen,
wurde inoffiziell bekannt. Beide Präsidenten sprachen sich
für eine Ausweitung des Austausches in Wissenschaft und Kultur aus.
Zum Klimaschutz äußerte Köhler seine Hoffnung, dass es
auf dem G8- Gipfel der sieben führenden Industrienationen und
Russlands im Juni in Heiligendamm auch Fortschritte gibt, ohne China
aber direkt zu mehr Anstrengungen aufzufordern, wie Delegationskreise
berichteten. Zur Afrikapolitik unterstrich der Bundespräsident,
wie wichtig es ihm sei, dass die Menschen auf dem schwarzen Kontinent
auch «Anteil an den Einnahmen durch die Rohstoffe haben».
Offenbar als Reaktion auf westliche Kritik insbesondere an der
chinesischen Kreditvergabe erläuterte Präsident Hu Jintao
Chinas Interesse an Afrika, das Chancen habe und die Unterstützung
der Weltgemeinschaft brauche.
Chinas Präsident hob trotz der chinesischen Missstimmung über
die jüngste Bundestagsresolution, die Arbeitslager und
Umerziehungshaft in China kritisiert hatte, die «sehr gute
Entwicklung» der Beziehungen zu Deutschland hervor, wie
Delegationskreise erläuterten. Köhler wies auf die
Verankerung der Menschenrechte in Chinas Verfassung hin, sprach aber
von «Fehlern und Problemen» bei der Umsetzung. Da stehe
«noch viel Arbeit aus». Jeder Staat brauche das Vertrauen
der Bürger, das wiederum durch Vertrauen in Menschenrechte
gestärkt werde, sagte Köhler.
Dem TV-Sender N24 sagte Köhler: «Man muss mit ihnen (den
Chinesen) reden. Bei uns zum Beispiel haben wir auch Schlussfolgerungen
gezogen aus den Menschenrechtsverletzungen aus der Nazizeit in unserem
Grundgesetz.» Köhler verwies auf den andauernden Dialog mit
China: «Es gibt eben nicht nur wirtschaftliche Verbesserung, es
gibt sie auch im sozialen und politischen Bereich.»
Natürlich versuche die Führung, alles unter Kontrolle zu
halten: «Aber Sie stellen sich dem Dialog, also sollten wir ihn
auch führen, mit Offenheit, wie es unter Partnern - und ich denke
sogar, dass zwischen China und Deutschland eine freundschaftliche
Partnerschaft besteht - üblich ist. Wir sollten nicht als
Oberlehrer oder Zensoren auftreten, sondern schlicht berichten, welche
Erfahrungen wir gemacht haben, wovon wir überzeugt sind, und dann
wird das auch Wirkung entfalten.»
Köhler, der seit 1985 die Volksrepublik in unterschiedlichen
Funktionen besucht hatte, würdigte die Fortschritte des Landes. Er
sehe aber auch «große Probleme», die noch zu
bewältigen seien. «Ich denke, es ist wesentlich einfacher,
Bundespräsident von 80 Millionen als Staatspräsident von 1,3
Milliarden Menschen zu sein.» Bei dem Besuch wurden auch eine
deutsch-chinesische Kooperation zum Aufbau einer Freundschaftsklinik in
Schanghai mit einem Umfang von 100 Millionen Euro sowie Abkommen
für den Kulturaustausch zwischen Museen unterzeichnet.
(Quelle: dpa)
OECD sieht für Deutschland weiter 'starken Aufschwung'
Fr.25.05.07 - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) sieht Deutschland weiter in einem "starken
Aufschwung", auch wenn sich das Wachstum 2008 etwas verlangsamen wird.
Wie 2006 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr
voraussichtlich um 2,8 Prozent zunehmen, erklärte die OECD in ihrem
halbjährlichen Wirtschaftsausblick. Für 2008 sieht die OECD
ein Wachstum von 2,5 Prozent. Damit liegen die Vorhersagen über
denen der Bundesregierung, die von 2,3 und 2,4 Prozent in diesem und im
kommenden Jahr ausgeht.
Triebfeder des Wachstums waren zuletzt die Industrieinvestitionen, wie
es in dem Bericht hieß. Die OECD geht aber davon aus, dass nach
dem vorübergehenden Dämpfer durch die
Mehrwertsteuererhöhung zu Beginn des Jahres auch der Konsum das
Wachstum stützen wird. Grund sei die sich weiter bessernde Lage am
Arbeitsmarkt und erwartete Lohnsteigerungen, die bei den Haushalten das
verfügbare Einkommen erhöhten. Die Zahl der Arbeitslosen wird
bis Ende 2008 nach den international vergleichbaren OECD-Daten von 7,1
Prozent auf sechs Prozent verringern, was einem Rückgang um eine
halbe Million Erwerbslose gleichkommt.
Bei der Haushaltssanierung sieht die OECD Deutschland auf gutem Wege:
Das Budgetdefizit des Staates werde in diesem Jahr "unter ein Prozent"
fallen und im kommenden Jahr dann nur noch bei 0,5 Prozent liegen. Wie
die Organisation betonte, bietet der Aufschwung "eine goldende
Gelegenheit, zusätzliche Reformen umzusetzen, um das langfristige
Wachstumspotenzial zu erhöhen". Auf dem Arbeitsmarkt empfiehlt die
OECD eine weitere Senkung der Sozialabgaben und eine Stärkung der
Anreize für Langzeitarbeitslose, eine Arbeit anzunehmen.
(Quelle: afp)
DGB-Chef Sommer warnt vor Unternehmensteuerreform
Fr.25.05.07 - Unmittelbar vor der abschließenden Beratung im Bundestag hat
DGB-Chef Michael Sommer die Abgeordneten aufgefordert, gegen die
Unternehmensteuerreform zu stimmen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass
die öffentliche Hand «durch unzureichende Einnahmen auf Grund
weiterer Geschenke an den Unternehmenssektor» ihre Aufgabe nicht
mehr ausreichend erfüllen könne, heißt es in einem
Brief Sommers, wie die «Frankfurter Rundschau» am
Donnerstag berichtete. Die Reform soll am Freitag verabschiedet werden.
In dem der Zeitung vorliegenden Schreiben warnt Sommer zusammen mit den
DGB-Bezirksvorsitzenden davor, dass Deutschland im internationalen
Vergleich schon jetzt zu wenig für Bildung und Erziehung sowie
für die öffentliche Infrastruktur ausgebe. Die steuerliche
Entlastung der Unternehmen um fünf Milliarden Euro sei auch
deswegen nicht zu rechtfertigen, weil deutsche Unternehmen im
internationalen Vergleich «tatsächlich nicht
übermäßig besteuert» würden.
«Aus den genannten Gründen fordern wir sie deshalb
eindringlich auf, der geplanten Senkung der Unternehmensteuern nicht
zuzustimmen», zitierte die Zeitung weiter.
Kritik an der geplanten Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf
Kapitaleinkünfte übte demzufolge der Chef der Deutschen
Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek. Der Gesetzgeber schaffe ein
Zweiklassenrecht, das Kapitalbesitzer privilegiere und er verzichte
zudem auf eine echte Kontrolle. «Jeder Arbeitnehmer, der
Lohnsteuer abführt, wird genau kontrolliert. Bei Kapitalbesitzern
verzichtet der Gesetzgeber darauf.»
(Quelle: ap)
Bundestag verabschiedet neues Passgesetz
Fr.25.05.07 - Nach monatelangem Streit hat der Bundestag das neue Passgesetz
beschlossen. Die mit den Stimmen der großen Koalition
verabschiedete Regelung legt die Aufnahme digitalisierter Fotos sowie
von Fingerabdrücken in die neuen elektronischen Pässe fest.
Die drei Oppositionspartein FDP, Grüne und die Linke stimmten
gegen das Gesetz. Nach längerer Kontroverse hatten sich SPD und
Union vor zwei Wochen darauf verständigt, die Fingerabdrücke
nicht dauerhaft zu speichern. Sie müssen in den Ämtern nach
Erstellung der Pässe gelöscht werden.
Die Neuregelung erlaubt auch den Online-Zugriff auf die in den
Passbehörden gespeicherten Fotos, legt dafür aber enge
Grenzen fest. So muss eine Eilbedürftigkeit vorliegen,
außerdem muss die betreffende Behörde geschlossen sein. In
Deutschland wird seit November 2005 der elektronische Reisepass (ePass)
ausgestellt. Er enthält das digitale Passfoto als erstes
biometrisches Merkmal im Chip. Ab November 2007 wird der ePass der
zweiten Generation ausgegeben, bei dem zusätzlich zwei
Fingerabdrücke im Chip gespeichert sind.
(Quelle: afp)
Kanzleramt wirft G-8-Gegnern Eskalationstaktik vor
Fr.25.05.07 - Kanzleramtschef Thomas de Maizière hat Gegnern des G-8-Gipfels
in Heiligendamm vorgeworfen, die Polizei zu einer Eskalation der
Sicherheitsmaßnahmen zu drängen. «An dem Anschein
einer Eskalation haben diejenigen ein Interesse, die mit ihrer
Mobilisierung unzufrieden sind und uns in eine Eskalation treiben
wollen», sagte de Maizière der «Berliner
Zeitung» laut Vorabmeldung. Darauf werde sich der Staat aber
nicht einlassen. «Wir wollen gute Gastgeber sein.» Der Zaun
um den Gipfelort Heiligendamm und die Demonstrationsverbote seien
erforderlich, um Gewalttäter daran zu hindern, das Treffen zu
stören.
(Quelle: ap)
Justizministerin Zypries verteidigt Geruchsproben und attackiert Medien
Fr.25.05.07 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat Geruchsproben von
Straftätern verteidigt. «Die Aufgeregtheit der Debatte ist
durch die Medien verursacht», sagte Zypries am Donnerstag in
München. Zur Aufklärung eines Brandanschlags seien von
fünf Beschuldigten Geruchsproben genommen worden, um sie mit Spuren
auf einem Bekennerschreiben zu vergleichen. Die Strafprozessordnung
ermögliche das. Die Proben würden anschließend
vernichtet. Eine Verbindung mit Demonstranten gegen den G-8-Gipfel
herzustellen, sei «an den Haaren herbeigezogen», sagte die
SPD-Politikerin auf einer Pressekonferenz beim G-8-Innen- und
Justizministertreffen.
Am Vortag hatte Zypries noch gesagt, die Entnahme von Geruchsproben
hätten bei ihr ein «sehr ungutes Gefühl»
hinterlassen. Innenminister Wolfgang Schäuble stellte erneut klar:
«Es gibt keine Geruchsproben zur Prävention - das ist
schlicht eine Erfindung der Medien!» Der Fall zeige einmal mehr,
«wie man aus nichts Aufregung machen kann».
Die Sicherheitsvorkehrungen rund um den G-8-Gipfel in Heiligendamm
verteidigte Schäuble: «Es gibt die international
übereinstimmende Beurteilung, dass dies die notwendigen,
angemessenen Maßnahmen sind», sagte der CDU-Politiker.
Kollegen hätten ihn gefragt, ob die Sicherheit der Gipfelteilnehmer
gewährleistet sei, und er habe das bejaht.
(Quelle: ap)
Suche nach militanten G-8-Gegnern: Polizei kontrolliert offenbar Post
in Hamburger Briefzentrum
Fr.25.05.07 - Polizisten kontrollieren nach einem Bericht der Tageszeitung «taz
nord» auf der Suche nach G8-Gegnern in einem Hamburger
Briefzentrum systematisch bestimmte Postsendungen. Wie das Blatt
berichtet, arbeiten Ermittler des Landeskriminalamtes im Briefzentrum
Mitte in einem dafür eingerichteten Raum.
Dabei würden auch Briefe geöffnet. Der Sprecher der Hamburger
Polizei, Ralf Meyer, sagte auf Anfrage der «taz» und der
Deutschen Presse-Agentur dpa, zu polizeitaktischen Fragen mache er aus
grundsätzlichen Erwägungen keine Angaben.
Dem Bericht zufolge fangen die Ermittler verdächtige Postsendungen
ab und öffnen sie. Die Aktion laufe unter der Federführung
des Bundeskriminalamtes (BKA), die Ausführung habe das
Landeskriminalamt (LKA) übernommen. Ein Dutzend LKA-Beamte sei im
Einsatz. Besonders im Visier seien die Szenestadtteile Altona, St.
Pauli und Eimsbüttel sowie das Schanzen- und das Karoviertel. Das
BKA verwies auf dpa- Anfrage auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.
Von dort war eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Das Ausmaß der Aktion sei bisher nicht genau bekannt, schreibt
die Zeitung. Es gehe aber nicht nur darum, mögliche Bekennerbriefe
an die Medien frühzeitig abzufangen. Postkasten-Entleerern
bestimmter Touren seien sogar Briefe aus dem Beutel heraus abgenommen
und direkt der LKA-Briefkontrolle zugeführt worden, bevor sie in
die Verteilung gelangten.
Hamburgs Datenschutzbeauftragter Hartmut Lubomierski äußerte
in der Zeitung erhebliche Zweifel, dass es für derartige
Maßnahmen eine rechtliche Grundlage gebe. Der Staatsrechtler und
Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion, Norman Paech, sagte dem Blatt:
«Sollte dies durch einen gerichtlichen Beschluss gedeckt sein,
dann haben die Richter jedes Maß für Grundrechtsschutz
verloren.»
(Quelle: dpa)
450 Menschen protestieren in Leipzig gegen G8-Gipfel
Fr.25.05.07 - Rund 450 Globalisierungsgegner haben am Donnerstagabend in Leipzig
gegen den Anfang Juni stattfindenden G8-Gipfel im Ostseebad
Heiligendamm demonstriert. Zu Ausschreitungen oder Störungen kam
es dabei nicht, wie eine Polizeisprecherin auf ddp-Anfrage sagte.
Anlass des Protestes in der Innenstadt war eine informelle Tagung der
europäischen Bau- und Stadtentwicklungsminister am Donnerstag im
Leipziger Bundesverwaltungsgericht. Aufgerufen zu den Protesten hatte
der Leipziger Stadtverband der Linkspartei.PDS. In der vergangenen
Woche hatte die linke Szene in Leipzig vermehrt spontan gegen den
Gipfel mobil gemacht.
(Quelle: ddp)