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Irak am tausendeinundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Schiiten-Führer Al-Sadr wieder aufgetaucht. Al Kaida geht offenbar
gegen ihre irakischen Gegner vor. Sechs US-Soldaten im Irak
getötet. US-Präsident Bush bereitet amerikanische
Bevölkerung auf weitere Verluste vor. US-Regierung war schon vor
dem Irak-Krieg vor drohendem Chaos gewarnt
Sa.26.05.07 - Nach mehr als drei Monaten im Untergrund ist der radikale irakische
Schiiten-Führer Muktada al-Sadr wieder aufgetaucht.
In einer Freitagspredigt in der großen Moschee von Kufa im
Zentralirak forderte er vor Tausenden von Anhängern «den
Abzug der US-Armee oder zumindest einen Zeitplan für den
Abzug». An die Adresse der irakischen Sunniten sagte er:
«Ich bin bereit, ihnen die Hand zu reichen.»
Al-Sadr, dessen Bewegung 30 der insgesamt 275 Parlamentsabgeordneten
stellt, war Anfang Februar von der Bildfläche verschwunden. Kurz
darauf hatten die amerikanischen und britischen Truppen im Südirak
und in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City eine Offensive gegen seine
Miliz, die so genannte Mahdi-Armee, begonnen. Die US-Armee hatte damals
erklärt, Al-Sadr sei in den Iran geflohen, was die iranische
Führung und die Sadr-Anhänger im Irak bestritten.
Bei einem Bombenanschlag auf die Trauerprozession eines
Al-Kaida-Gegners sind in der irakischen Stadt Falludscha mindestens 26
Menschen getötet worden. Der Zwischenfall vom Donnerstag gilt als
Teil einer massiven Einschüchterungskampagne des Terrornetzwerks
gegen seine irakische Opposition. Der sunnitische Restaurantbesitzer
Alaa Suwaid war am selben Tag erschossen worden. Er gehörte einem
sunnitischen Stamm an, der mit anderen Stammesführern eine Allianz
gegen Al Kaida im Irak gebildet hatte.
Insgesamt wurden am Donnerstag 87 Menschen bei Anschlägen und
Angriffen getötet, darunter sechs US-Soldaten. Damit stieg die Zahl
der getöteten US-Soldaten in diesem Monat auf mindestens 88. Im
vergangenen Monat waren im Irak 104 amerikanische Soldaten ums Leben
gekommen.
US-Präsident George W. Bush bereitete die amerikanische
Bevölkerung auf weitere Verluste vor. Im Zuge der US-geführten
Sicherheitsoffensive in Bagdad und Umgebung könnte der August zu
einem verlustreichen Monat werden, sagte er. «Die irakische
Regierung muss im Gegenzug für Amerikas andauerndes Engagement und
Opfer wirkliche Fortschritte machen», forderte er.
Amerikanische Geheimdienstexperten haben das Weiße Haus schon vor
der Invasion im Irak vor massiven Problemen bei der Gestaltung einer
Nachkriegsordnung gewarnt. Dies geht aus zwei Dokumenten hervor, mit
denen sich am Freitag der Geheimdienstausschuss des Senats
beschäftigte.
In den Berichten heißt es nach Angaben von Senatoren, das
Terrornetzwerk Al Kaida werde die Situation im Irak ausnutzen, um seine
Aktionen auszuweiten. Außerdem wurde davor gewarnt, dass der Iran
versuchen werde, die Entwicklung im Nachbarland zu beeinflussen. Daher
sei die Errichtung einer stabilen Demokratie im Irak eine langwierige
und turbulente Herausforderung.
Die Regierung von US-Präsident George W. Bush habe diese Warnungen
ignoriert und sich nicht darauf vorbereitet, kritisierte der
Ausschussvorsitzende, der demokratische Senator Jay Rockefeller. Dies
habe tragische Konsequenzen gezeitigt, für die die USA jetzt einen
schrecklichen Preis zahlen müssten. Der Ausschuss legte dem Plenum
mit zehn zu fünf Stimmen einen 229 Seiten umfassenden Bericht
über den Umgang der Regierung mit den Geheimdienstanalysen vor.
Bei der Abstimmung schlossen sich die republikanischen Senatoren
Olympia Snowe und Chuck Hagel den Demokraten an.
Bush sagte, er stehe zu seinem Entschluss, das Regime von Saddam
Hussein militärisch zu stürzen. Die Regierung habe damals
viele Warnungen erhalten. Einige seien eingetreten, andere nicht. Er
habe die Risiken abgewogen und seine Entscheidung getroffen.
In Bagdad bat derweil Ministerpräsident Nuri al-Maliki das
Parlament um Bestätigung für sechs neue Minister. Sie sollen
Kabinettsmitglieder ersetzen, die auf Geheiß von al Sadr im April
ihren Rücktritt erklärt hatten. Al Sadr reagierte damit auf
die Weigerung al-Malikis, für einen Zeitplan zum Abzug der
US-Truppen aus dem Irak einzutreten.
(Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 26.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Ausländische Hilfe für libanesische Streitkräfte. Neuer
Resolutionsentwurf für Tribunal zum Hariri-Attentat
Sa.26.05.07 - Im Kampf gegen islamische Extremisten erhält die libanesische
Regierung Unterstützung aus dem Ausland. In der Hauptstadt Beirut
landeten am Freitag fünf Transportmaschinen mit Hilfsgütern
für die Streitkräfte, wie mehrere Augenzeugen erklärten.
In der Umgebung des Flüchtlingslagers Nahr el-Bared kam es erneut
zu vereinzelten Feuergefechten, während die Regierungstruppen
weitere Verstärkung erhielten.
Die Streitkräfte bereiteten sich entweder auf eine Erstürmung
des Flüchtlingslagers vor oder wollten die Belagerung
verstärken, um die Extremisten zur Aufgabe zu zwingen. Die
Islamisten von der Fatah Islam drohten für den Fall eines Angriffs
mit einem Flächenbrand der Gewalt. Der stellvertretende Führer
Abu Hureira sagte der arabischen Zeitung «Al Hajat»
telefonisch, Schläferzellen in anderen Flüchtlingslagern und
anderen Landesteilen warteten nur auf das Kommando für eine
«gewaltsame Antwort».
Bis Freitagnachmittag landeten insgesamt fünf
Militärmaschinen mit Hilfslieferungen für die libanesischen
Streitkräfte in Beirut: eine der amerikanischen Luftwaffe, zwei der
Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate und zwei der jordanischen
Luftwaffe. Die Vereinigten Staaten hatten zuvor erklärt, sie
wollten zur Unterstützung der Regierungstruppen zügig
Ausrüstungsgegenstände und Munition nach Beirut liefern. Aus
US-Kreisen verlautete, die Hilfe sei bereits vor der Krise um das
Flüchtlingslager vereinbart worden.
Nach zähen Verhandlungen über die Einrichtung eines
UN-Tribunals zum Attentat auf den früheren libanesischen
Regierungschef Rafik Hariri haben die USA, Frankreich und
Großbritannien einen neuen Entwurf vorgelegt. Dieser räumt
dem libanesischen Parlament eine Frist bis zum 10. Juni ein, um die
Bildung des Tribunals zu billigen.
Falls die Abgeordneten in Beirut sich nicht dazu bereit finden, soll
das Tribunal ohne Votum des Parlaments und nur mit Unterstützung
der libanesischen Regierung eingerichtet werden. Der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen will am kommenden Dienstag über den am Freitag
vorgestellten Entwurf beraten. Eine Abstimmung könne in den Tagen
danach folgen, sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen,
Zalmay Khalilzad, der zurzeit den Vorsitz im Rat innehat.
Für den Selbstmordanschlag im Februar 2005 in Beirut, bei dem
Hariri und 22 weitere Menschen ums Leben kamen, wird vielfach der
syrische Geheimdienst verantwortlich gemacht. Die Regierung in Damaskus
hat alle Vorwürfe einer Beteiligung zurückgewiesen. Unter
internationalem Druck entschloss sich Syrien aber zu einem Abzug seiner
Truppen aus dem Nachbarland. Die Einrichtung eines internationalen
Tribunals zum Hariri-Anschlag hat einen tiefen Konflikt ausgelöst
zwischen der westlich orientierten Regierung von Ministerpräsident
Fuad Siniora und der Opposition, die von der prosyrischen Hisbollah
angeführt wird.
(Quelle: ap)
UN-Forum fordert Anerkennung der Rechte von indigenen Völkern
Sa.26.05.07 - Die Teilnehmer eines zweiwöchigen UN-Forums haben die
Vollversammlung der Vereinten Nationen aufgerufen, eine mehrfach
verschobene Erklärung zu den Rechten indigener Völker endlich
zu verabschieden. Ihr Sprecher Wilton Littlechild sagte am Freitag zum
Abschluss einer zweiwöchigen Konferenz in New York, die
Deklaration solle «das Überleben und die Würde der
indigenen Völker» sicherstellen.
Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf hat die
Erklärung bereits im Juni vergangenen Jahres angenommen. Die
UN-Vollversammlung meldete dann aber Bedenken an und verschob die
Abstimmung darüber. Littlechild, der seit mehr als 20 Jahren im
Ständigen Forum für Indigene Fragen (UNPFII) mitwirkt, machte
vor allem die afrikanischen Staaten dafür verantwortlich. Den USA,
Kanada, Australien und Neuseeland warfen Mitglieder des Forums vor, die
afrikanischen Staaten in ihrer ablehnenden Haltung zu unterstützen.
Ein Berater der UN-Botschaft von Gabun, Franklin Makanga, sagte dazu:
«Ich denke nicht, dass die indigenen Völker Afrikas
Selbstbestimmung brauchen. Sie sind Bürger von Staaten.»
Makanga wandte sich auch gegen eine Bestimmung der Deklaration, die es
Staaten untersagen soll, das Land von indigenen Völkern ohne deren
Zustimmung für militärische Zwecke zu verwenden. Gabun hat
zurzeit den Vorsitz der afrikanischen Staatengruppe innerhalb der
Vereinten Nationen.
Littlechild erklärte, die Angehörigen der indigenen
Völker seien bisher von der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte ausgeschlossen. Die geplante Entschließung solle
ihnen endlich diejenigen Rechte garantieren, die für alle anderen
längst selbstverständlich seien. Die Erklärung fordert
die UN-Mitgliedsstaaten auf, Zwangsumsiedlungen von Angehörigen
indigener Völker ebenso zu verhindern wie die Beschlagnahme ihres
Landes oder die erzwungene Integration in eine andere Kultur. Sie
garantiert den indigenen Völkern außerdem die Kontrolle
über ihre religiösen und kulturellen Stätten und billigt
ihnen das Recht auf ein eigenes Bildungssystem zu. An der Konferenz des
Forums nahmen 1.500 Vertreter indigener Völker, 30 Abgeordnete und
70 Regierungsvertreter von Mitgliedsstaaten teil.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.un.org/esa/socdev/unpfii/
Staatskrise in der Ukraine verschärft sich weiter - Präsident
Juschtschenko unterstellt Truppen des Innenministeriums unter sein
Kommando
Sa.26.05.07 - In der innenpolitischen Krise in der Ukraine zeichnet sich keine
Entspannung ab. Präsident Viktor Juschtschenko unterstellte am
Freitag die Truppen des Innenministeriums unter sein persönliches
Kommando. Das Innenministerium in Kiew wies diese Anordnung als illegal
zurück. Ministeriumssprecher Konstantin Stognij betonte dazu, die
Ausführung illegaler Befehle sei ein Verbrechen. Juschtschenko
sagte wegen der Krise seine Teilnahme am Treffen osteuropäischen
Staatspräsidenten in der tschechischen Stadt Brünn ab.
In einer auf der Webseite des Präsidialamts am Freitag
veröffentlichten Erklärung wurde die Maßnahme mit der
Notwendigkeit begründet, einen Einsatz der
Innenministeriumstruppen «durch einige politische
Kräfte» zu verhindern, die die nationale Sicherheit der
Ukraine bedrohten. Die 32.000 Soldaten des Innenministeriums stehen
unter dem Kommando von General Oleksandr Kihtenko, der als
Verbündeter Juschtschenkos gilt. Die Nachrichtenagentur Interfax
zitierte einen Berater des Präsidenten mit den Worten, Kihtenko
habe Juschtschenkos Order akzeptiert. Dies konnte zunächst jedoch
nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.
Juschtschenko hatte am Donnerstag mit der Entlassung von
Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun einen weiteren Machtkampf mit
Ministerpräsident Viktor Janukowitsch ausgelöst. Janukowitsch
bezeichnete den Präsidenten am Donnerstagabend in einer
Fernsehansprache als Diktator. Die Regierung werde keine Anarchie oder
Bürgerkrieg dulden, sagte Janukowitsch. Er hatte zuvor seinen
Urlaub auf der Krim abgebrochen und war nach Kiew zurückgekehrt,
um eine Krisensitzung seines Kabinetts zu leiten. Juschtschenko
wiederum berief die Leiter von Polizei- und Sicherheitsdiensten zu
einer Dringlichkeitssitzung ein. Er rief die Sicherheitsdienste auf,
sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Am Freitagabend kamen die beiden
Widersacher gemeinsam mit anderen Spitzenpolitikern zu einem
Gespräch zusammen.
Generalstaatsanwalt Piskun reichte bei einem Bezirksgericht in Kiew
Beschwerde gegen seine Entlassung ein. Am späten Freitagabend
erklärte er, das Gericht habe ihn wieder in sein Amt eingesetzt.
«Die Ukraine hat heute einen Generalstaatsanwalt. Es ist
Piskun», sagte er vor Journalisten.
Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus erklärte, die
angespannte politische Situation in der Ukraine habe Juschtschenko zur
Absage seiner Brünn-Reise gezwungen. Nähere Einzelheiten
nannte er nicht. Die jährliche Gesprächsrunde von 15 mittel-,
süd- und osteuropäischen Staatspräsidenten tagt noch bis
Samstag in der nach Prag zweitgrößten tschechischen Stadt.
(Quelle: ap)
Türkischer Staatschef legt gegen Direktwahl des Präsidenten
Veto ein
Sa.26.05.07 - Der türkische Staatspräsident Ahmed Necdet Sezer hat wie
erwartet ein Veto gegen die geplante Direktwahl seines Nachfolgers
durch das Volk eingelegt. Die Entscheidung vom Freitag ist ein
Rückschlag für die islamisch-konservative Regierung von
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, die am 22. Juli sowohl
Parlaments- als auch Präsidentenwahlen abhalten wollte.
Sezer bezeichnete die geplante Verfassungsänderung als
überhastet und erklärte, diese sei nicht mit dem
demokratischen System der Türkei vereinbar und gefährde die
Neutralität des Präsidentenamtes.
Das Parlament in Ankara hatte am 11. Mai auf Initiative der Regierung
die Änderung verabschiedet, wonach das Staatsoberhaupt
künftig nicht mehr vom Parlament, sondern vom Volk gewählt
werden sollte. Zuvor war der Kandidat von Erdogans Partei für
Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), Außenminister Abdullah
Gül, am Widerstand der säkularen Opposition in der
Nationalversammlung gescheitert.
Erdogan hat angekündigt, er werde das Gesetz nach einem Veto
Sezers vermutlich in der kommenden Woche erneut ins Parlament
einbringen. Der stellvertretende AKP-Chef Irfan Gündüz
erklärte, dies werde möglicherweise bereits am Montag
geschehen. Im Fall einer neuerlichen Verabschiedung muss der
Präsident die Änderung entweder akzeptieren oder das Volk per
Referendum darüber entscheiden lassen.
Die Wahlrechtsreform sieht ferner vor, die Amtszeit des
Staatsoberhaupts von sieben auf fünf Jahre zu verkürzen, dem
Präsidenten ein zweites Mandat zu ermöglichen und die
Legislaturperiode auf vier Jahre zu verkürzen.
(Quelle: ap)
Frankreich prüft Verbot von Monsanto-Genmais
Sa.26.05.07 - Frankreich prüft ein Verbot des auch in Deutschland umstrittenen
Genmaises MON 810 der Firma Monsanto. Die Verbreitung des von der
Pflanze produzierten Giftes zur Vernichtung von Schädlingen erfolge
"nicht unter genau den Bedingung, die man erwartet hat", sagte
Umweltminister Alain Juppé der Zeitung "Le Parisien". Er bezog
sich dabei ausdrücklich auf die jüngste Debatte um ein
vorübergehendes Anbauverbot in Deutschland. Der durch Gentechnik
veränderte Monsanto-Mais soll die Pflanzen vor bestimmten
Schädlingen wie dem Maiszünsler schützen. Er hat in
Deutschland seit 1998 eine Zulassung.
Das Berliner Bundesamt für Verbraucherschutz hatte Monsanto am 9.
Mai aufgefordert, einen Plan zur Beobachtung der Umweltauswirkungen
vorzulegen. Davon nicht betroffen war bereits an Landwirte abgegebenes
Saatgut. Monsanto hatte darauf erklärt, der Anbau von MON 810
für 2007 bleibe laut Bundesamt "im vollen Umfang und
uneingeschränkt erlaubt". Schon jetzt betreibe Monsanto "ein
Monitoring-Programm, das den zukünftig geforderten Auflagen voll
und ganz entspricht". In Frankreich sind rund 30.000 Hektar mit dem Mais
bebaut.
Die französische Sektion der Umweltschutzorganisation Greenpeace
begrüßte das von Juppé in Aussicht gestellte Verbot.
Die Risiken von MON 810 seien "mit Blick auf die Nahrungskette und
Ökosysteme vollkommen offen", sagte Gen-Experte Arnaud Apoteker.
Bisherige Studien dazu seien "vollkommen unzureichend".
Der Verband der Mais-Produzenten (AGPM) zeigte sich besorgt und sprach
von einer "politischen Affäre", für die es keine rationale
Grundlage gebe. Juppé hatte das Interview gegeben, nachdem ein
Bienenzüchter in der von ihm als Bürgermeister geleiteten
Stadt Bordeaux am Donnerstag mit einer Klage gegen ein Feld mit MON 810
gescheitert war. In Deutschland hatte Anfang Mai in Augsburg ein Imker
erfolgreich geklagt. Bayern als Eigner einer staatlichen
Gen-Versuchsanlage wurde durch einen Eilentscheid verpflichtet, den
Honig des Mannes vor Verunreinigung mit Gen-Pollen zu schützen.
(Quelle: afp)
Merkel will G-8 auf gemeinsamen Kampf gegen Klimawandel einschwören
Sa.26.05.07 - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will beim G-8-Gipfel in
Heiligendamm eine breite Allianz gegen den Klimawandel schmieden und die
Hilfe für Afrika weiter voran treiben. Die Globalisierungsgegner
forderte sie am Donnerstag in einer Regierungserklärung vor dem
Bundestag zum Gewaltverzicht auf, äußerte aber
Verständnis für friedliche Proteste. Gleichzeitig verteidigte
sie die umfassenden Sicherheitsvorkehrungen.
Zwei Wochen vor dem Gipfel präsentierte die Kanzlerin den
Parlamentariern ihre sieben Punkte umfassende Agenda für das
Spitzentreffen der führenden Industrienationen. Der Klimaschutz
wird bei der zweitägigen Konferenz voraussichtlich im Mittelpunkt
stehen. «Die führenden Industrieländer müssen in
dieser Frage voran schreiten, ansonsten werden wir den Klimawandel nicht
bekämpfen können», sagte Merkel im Bundestag.
Die G-8-Präsidentin bekräftigte das Ziel der
Europäischen Union, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu
begrenzen. Sie wies aber auch auf die Schwierigkeit hin, die ehrgeizigen
europäischen Ziele auf die G-8 zu übertragen. «Auf
internationaler Ebene ist die Interessenlage deutlich
widersprüchlicher», sagte die Kanzlerin.
Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte für
den G-8-Gipfel eine Initiative an, die eine Halbierung des
Ausstoßes der Treibhausgase bis 2050 vorsieht. Das entspricht den
EU-Zielen. Es gilt aber als nahezu ausgeschlossen, dass sich die USA bei
dem Treffen auf ein solches Ziel festlegen lassen.
Den afrikanischen Staaten versicherte Merkel, dass die G-8 zu ihrem
zwei Jahre alten Versprechen stünden, die Entwicklungshilfe bis
2010 zu verdoppeln: «Wir werden diese Zusagen einhalten, ich sage
das ganz deutlich.» Dazu müsse man auch neue Wege
einschlagen, betonte die Kanzlerin. Sie schlug vor, den Klimaschutz und
die Entwicklungshilfe zu verknüpfen. Die Einnahmen aus der
geplanten Versteigerung von Rechten zum CO2-Ausstoß könnten
für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern verwendet
werden.
Die Proteste gegen den Gipfel spielten in der Bundestagsdebatte am
Rande eine Rolle. «Wer zu Gewalt greift, der macht Dialog
unmöglich», sagte Merkel. «Wer friedlich protestiert,
dessen Anliegen ist nicht nur legitim, sondern der findet auch unser
Gehör.»
Oppositionsführer Guido Westerwelle unterstützte Merkels
Aufruf zum Gewaltverzicht. «Es ist völlig
selbstverständlich, dass auch Staatschefs beim G-8-Gipfel es
ertragen müssen, dass gegen sie demonstriert wird», sagte der
FDP-Vorsitzende. «Aber eines muss auch klar sein: Wer meint, er
hätte ein Recht auf Widerstand, das auch Gewalttätigkeit
rechtfertigt, der setzt sich ins Unrecht.»
(Quelle: ap)
Klimaschutz-Streit mit USA eskaliert
Sa.26.05.07 - Eine Einigung beim Klimaschutz mit den USA wird auf dem G8-Gipfelin
Heiligendamm immer schwieriger. Bei der Vorbereitung möglicher
Gipfel-Ergebnisse zwischen den Regierungen ist Ärger aufgekommen.
Der Nachrichtenagentur dpa wurde von heftigen Vorwürfen aus der
US-Administration an die deutsche Regierung berichtet. Die US-Position
zur Vorbereitung des G8-Abschlussdokuments heißt demnach: Die
Behandlung des Klimawandels laufe den allgemeinen Position der USA
zuwider und überschreite rote Linien.
(Quelle: dpa)
Weiter heftiger Streit um Sicherheit bei G-8-Gipfel
Sa.26.05.07 - Der heftige Streit um die Sicherheitsmaßnahmen beim G-8-Gipfel in
Heiligendamm dauert an. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
verteidigte die Vorkehrungen und sprach von «hysterischer
Aufregung». Sein bayerischer Amtskollege Günther Beckstein
plädierte für einen massiven Polizeieinsatz. Kardinal Karl
Lehmann verteidigte dagegen das Demonstrationsrecht. Attac warf der
Bundesregierung vor, gegen ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu
verstoßen.
Der CDU-Politiker Schäuble sagte der «Welt am
Sonntag»: Die fast schon hysterische Aufregung um
Sicherheitsfragen erinnert mich in ihrer Penetranz an die Zeit vor der
Fußball-WM 2006 in Deutschland.» Die
Sicherheitsbehörden hätten damals umfangreich und
professionell gehandelt, und man habe ein friedliches
Sommermärchen» erleben dürfen. Und auch jetzt
träfen die Sicherheitsbehörden Vorsorge, um Rechtsbruch zu
vermeiden. Dabei habe der Schutz der Gipfelteilnehmer die gleiche
Bedeutung wie der Schutz der friedlichen Demonstrationen.
Der bayerische Innenminister Beckstein (CSU) sagte der «Passauer
Neuen Presse», er rechne mit heftigen Auseinandersetzungen am
Rande des G-8-Treffens. Es sei damit zu rechnen, dass unter der
großen Zahl der friedlichen Demonstranten auch eine nennenswerte
Zahl von Autonomen sei, denen es um Gewalttaten gehe. Schließlich
habe es bereits im Vorfeld «eine erhebliche Anzahl von
Straftaten» gegeben. Beckstein verteidigte auch die Verwendung
von Geruchsproben. Es sei richtig, sie zur Aufklärung schwerster
Straftaten zu machen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann,
mahnte in der «Berliner Zeitung» die Einhaltung des
Demonstrationsrecht beim G-8-Gipfel an. Er rief die
Globalisierungsgegner aber zugleich zur Gewaltfreiheit auf. Lehmann
fügte kritisch hinzu, er erschrecke über den Metallzaun in
Heiligendamm. «Man hat schon den Eindruck, dass die für die
Sicherheit verantwortlichen derzeit außerordentlich nervös
sind und sensibel reagieren», wird der katholische Geistliche
weiter zitiert.
Zum G-8 ermahnte Lehmann die Bundesregierung auch, wie versprochen 0,7
Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe
zur Verfügung zu stellen. «Wenn die entfesselten Kräfte
einer Marktwirtschaft nicht gebunden und begrenzt werden, dann kommt
man zu groben Formen des Kapitalismus ohne sozialen Ausgleich»,
warnte der Kardinal. Zudem äußerte er die Hoffnung, dass der
Papst eine Enzyklika über die Globalisierung schreiben werde. Die
Konzerne erinnerte der Kardinal an ihre gesellschaftliche
Mitverantwortung. Sie dürften nicht nur Gewinne abschöpfen.
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac warf der Bundesregierung
vor, mit ihren Sicherheitsvorkehrungen für den G-8-Gipfel ein
Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu missachten. Die Karlsruher
Richter hätten den Demonstranten ausdrücklich zugestanden,
dass die diejenigen, gegen die sich ihre Aktionen richten, auch die
Proteste spüren müssten, sagte das Mitglied des bundesweiten
Attac-Koordinierungskreises, Detlev von Larcher, der Chemnitzer
«Freien Presse».
Die bislang geltenden Versammlungsverbote entsprächen nicht dem
verfassungsmäßigen Recht auf Demonstrationsfreiheit. Der
frühere SPD-Bundestagsabgeordnete rief die G-8-Kritiker auf, die
Zufahrtswege zum Tagungsort friedlich zu blockieren. Auch dabei handele
es sich um ein von Karlsruhe garantiertes Recht.
(Quelle: ap)
Versammlungsverbot um Heiligendamm in Teilen gekippt
Sa.26.05.07 - Globalisierungskritiker dürfen bei Demonstrationen während
des G8-Gipfels im Juni nun doch bis auf 200 Meter an den Sicherheitszaun
um Heiligendamm heran. Das Verwaltungsgericht Schwerin schränkte
am Freitag ein wesentlich weiträumigeres Versammlungsverbot der
Behörden für die Zeit des Gipfeltreffens vom 6. bis 8. Juni
ein.
Die Polizeidirektion Rostock hatte als zuständige
Versammlungsbehörde für die Zeit vom 5. Juni an ein
allgemeines Verbot für Aktionen im Umkreis von fünf bis zehn
Kilometern um den Zaun erlassen. Dagegen hatten die Organisatoren eines
für den 7. Juni geplanten Sternmarsches nach Heiligendamm geklagt.
Die Richter entschieden nun (AZ: 1B 243/07), dass das Versammlungsverbot
nur für den eingezäunten Versammlungsort Heiligendamm und die
200 Meter breite Pufferzone gilt.
Der Sternmarsch kann damit wie geplant stattfinden. Eine Beschwerde vor
dem Oberverwaltungsgericht ist möglich.
(Quelle: dpa)
Zeitung lässt Post-Durchsuchung rechtlich prüfen
Sa.26.05.07 - Die «Hamburger Morgenpost» lässt die polizeiliche
Durchsuchung der Post in einem Briefzentrum der Hansestadt rechtlich
prüfen. «Wir sehen in der Aktion des Staatsschutzes eine
Gefährdung der Pressefreiheit, eine
Verhältnismäßigkeit der Mittel ist überhaupt nicht
ersichtlich», sagte Chefredakteur Matthias Onken am Freitag in
Hamburg. Die Aktion zielte nach Informationen der Zeitung auf an
Redaktionen gerichtete Bekennerschreiben zu den jüngsten
Brandanschlägen von militanten G-8-Gegnern.
«Insbesondere unsere Redaktion war in der Vergangenheit mehrfach
Adressatin solcher Schreiben. Einer Durchsuchung der
Redaktionsräume hätte das Redaktionsgeheimnis
entgegengestanden», sagte Onken. Es dränge sich daher der
Verdacht auf, dass diese rechtliche Hürde mit der Durchsuchung bei
der Post gezielt umgangen werden sollte. «Ein solches Vorgehen
ist nach unserer Auffassung rechtswidrig. Es gefährdet den
Informantenschutz und damit einen Kernbereich der grundrechtlich
geschützten Pressefreiheit», betonte er. Zuvor war bekannt
geworden, dass der Staatsschutz auf der Suche nach Bekennerschreiben
auch Post durchsuchte.
(Quelle: ap)
BGH grenzt Unterstützung terroristischer Vereinigungen ein
Sa.26.05.07 - Der Bundesgerichtshof hat den Straftatbestand der Unterstützung
terroristischer Vereinigungen eingeschränkt. Nach einer am Freitag
in Karlsruhe veröffentlichten Entscheidung können Täter
mit dem entsprechenden Paragrafen nicht verurteilt werden, wenn sie
für Organisationen wie Al Kaida werben, ihre Ziele rechtfertigen
oder ihre Taten verherrlichen. Solche Fälle könnten nur noch
als Werben um Mitglieder oder Unterstützer solcher Vereinigungen
bestraft werden, heißt es in dem Beschluss. Damit sinkt das
maximale Strafmaß von zehn auf fünf Jahre. Das gelte
unabhängig davon, wie menschenverachtend die Werbung sei.
Konkret hatte der Dritte Strafsenat in einem vom Generalbundesanwalt
betriebenen Ermittlungsverfahren über die Fortdauer der
Untersuchungshaft gegen einen Beschuldigten zu befinden, der dringend
verdächtig ist, Internetwerbung für die Al Kaida betrieben zu
haben. Ihm wird vorgeworfen, in den Jahren 2005 und 2006 über das
Internet in einem islamistisch ausgerichteten Chatroom in 40
Fällen Audio- und Videobotschaften verbreitet zu haben, in denen
mehrere Al-Kaida-Anführer - darunter Osama bin Laden - zur
Teilnahme am Dschihad sowie zur Tötung von Gegnern aufriefen oder
bereits begangene terroristische Anschläge rechtfertigten.
Auch wenn der beschuldigte Mann nicht wegen der Unterstützung
einer terroristischen Vereinigung belangt werden kann, bleibt er aber
wegen des Werbens für eine terroristische Organisation weiter in
Haft. Die beschränkte Strafbarkeit ist den Richtern zufolge
zwingende Folge von Änderungen der Strafvorschriften in den Jahren
2002 und 2003.
(Quelle: ap)
Bundestag beschließt Milliardenerleichterungen für
Unternehmen
Sa.26.05.07 - Die Unternehmen in Deutschland können sich auf Steuerentlastungen
in Milliardenhöhe einstellen. Der Bundestag beschloss am Freitag
die seit Monaten heftig umstrittene Unternehmensteuerreform. Sie soll am
1. Januar 2008 in Kraft treten. Die Steuerlast für
Kapitalgesellschaften sinkt dann von derzeit rund 39 auf knapp unter 30
Prozent. Ab 2009 wird eine Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge von
25 Prozent eingeführt. Gleichzeitig brachte die große
Koalition eine Reform der Erbschaftsteuer auf den Weg.
Das Gesetz soll den Unternehmen eine Entlastung von fünf
Milliarden Euro jährlich bringen. Für die Reform stimmten 391
von 557 Abgeordneten. Es gab 149 Gegenstimmen und 17 Enthaltungen. Die
noch ausstehende Zustimmung des Bundesrates gilt als sicher.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wertete die Reform als
«großen Wurf» der großen Koalition. «Diese
Unternehmensteuerreform sorgt dafür, dass der Investitionsstandort
Deutschland für alle attraktiver wird, die hier investieren
wollen», sagte der SPD-Politiker. Mit der Senkung der
Steuersätze komme Deutschland mit seiner Steuerbelastung
«wieder ins europäische Mittelfeld».
Der CDU-Finanzexperte und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael
Meister sprach von einer «wesentlichen Strukturreform», die
ein nachhaltiger Beitrag für mehr Beschäftigung und Wachstum
in Deutschland sei. Man werde «zeitnah evaluieren, ob wir das
Richtige tun», sagte Meister.
Für die Linksfraktion sprach der Fraktionsvorsitzende Oskar
Lafontaine von einem «Milliardensegen für die
Großkonzerne», der absolut unvertretbar sei. Der
FDP-Finanzexperte Carl-Ludwig Thiele warf der Bundesregierung vor, es
sei ein Kardinalfehler, durch die Reform nicht alle Unternehmen und alle
Bürger in Deutschland zu entlasten. Die neue Zinsschranke treffe
viele Unbeteiligte in Deutschland.
Die Grünen-Haushaltsexpertin Christine Scheel bezeichnete das
Gesetz als Stückwerk, das unkalkulierbare Auswirkungen auf die
Unternehmen und die Steuereinnahmen berge. Es werde bestimmt in zwei,
drei Jahren die ersten Korrekturen geben, sagte Scheel.
Industrie und Handel reagierten mit teils scharfer Kritik. Die
beschlossene Steuersatzsenkung müsse von den Unternehmen teuer
erkauft werden, erklärte BDI-Präsident Jürgen Thumann.
Ähnlich äußerte sich der Bundesverband des Deutschen
Groß- und Außenhandels. Der Einzelhandelsverband forderte
dringende Nachbesserungen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach von
«Bonbons für die Wirtschaft», die der Arbeitnehmer
bezahlen müsse.
Auf Wunsch der Sozialdemokraten wurde parallel ein
Entschließungsantrag zur Erbschaftsteuerreform verabschiedet, mit
dem die SPD eine höhere Belastung großer Vermögen
erreichen will. Einzelheiten werden noch verhandelt. Damit sollen auch
Forderungen des Verfassungsgerichts umgesetzt werden, das die
Steuerbemessung im November als verfassungswidrig eingestuft hatte.
Scheel kritisierte, der Entschließungsantrag schaffe keine
Rechtssicherheit und sei deshalb «eine politische Frechheit».
Die große Koalition hatte unter der Federführung von
Steinbrück und dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch
(CDU) anderthalb Jahre an der Reform gearbeitet. Auch aus den eigenen
Reihen hatte es zwischenzeitlich Kritik gegeben.
(Quelle: ap)
Bundestag verabschiedet heftig diskutiertes Gewebegesetz
Sa.26.05.07 - Der Bundestag hat nach monatelangen Beratungen das so genannte
Gewebegesetz verabschiedet, das den Umgang mit menschlichen Zellen und
Geweben wie Augenhornhäuten, Herzklappen, Haut, Knochen oder
Stammzellen regelt. Die Abgeordneten gaben dem Gesetzentwurf
mehrheitlich ihre Zustimmung. Die Bundesregierung will die
Transplantation und Verwendung von menschlichem Gewebe damit sicherer
und transparenter machen. Nachdem der ursprüngliche
Regierungsentwurf bei Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen
auf massive Kritik gestoßen war, hatte die Koalition die Vorlage
zuvor in mehr als 50 Punkten geändert.
Die Hauptkritik zahlreicher Experten und Verbände wie der
Bundesärztekammer und der Deutschen Transplantationsgesellschaft
richtete sich gegen das Vorhaben, Gewebe künftig teilweise dem
Arzneimittelgesetz zu unterstellen. In einer Anhörung des
Gesundheitsausschusses im März warnten sie davor, dass Gewebe damit
zu einem kommerziellen Gut werde und die Zahl der Organspenden
zurückgehen könnte. Der Handel mit Organen ist laut
Transplantationsgesetz verboten.
In dem nun verabschiedeten Gesetz ist nunmehr ausdrücklich
klargestellt, dass der Organspende und Organtransplantation Vorrang vor
der Entnahme nur einzelner Teile von Organen und Geweben eingeräumt
wird. Klargestellt wurde auch, dass menschliche Samen- und Eizellen
keine Arzneimittel sind. Gestrichen wurde entgegen ursprünglichen
Plänen die Regelung, dass nicht einwilligungsfähige Personen,
also beispielsweise Behinderte, unter bestimmten Bedingungen als
Knochenmarkspender herangezogen werden können.
Restriktiver als zunächst vorgesehen fallen auch die Regelungen
bei der Knochenmarkspende bei Minderjährigen aus. Diese wird auf
Verwandte ersten Grades, also Eltern und Geschwister, begrenzt. Mit dem
Gesetz wird die EU-Geweberichtlinie von 2004 in deutsches Recht
umgesetzt.
(Quelle: afp)
Koalitionsspitzen uneins über Beschlüsse zu Kinderbetreuung
Sa.26.05.07 - Zwei Wochen nach dem Koalitionsbeschluss zur Krippenbetreuung streiten
die Spitzen von Union und SPD weiter darüber, was genau sie
vereinbart haben. Während die CSU den von ihr verlangten
Erziehungsbonus für daheim betreute Kinder mit einem
Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz untrennbar verbunden sieht,
erklärte SPD-Chef Kurt Beck, ein Junktim gebe es
«natürlich nicht». Familienministerin Ursula von der
Leyen (CDU) versicherte am Freitag, ihr Gesetzentwurf werde beides
enthalten.
«Meldungen, der Erziehungsbonus würde nicht umgesetzt, sind
hanebüchen», erklärte sie. «Die Aussagen aus dem
Koalitionsausschuss sind für mich bindend und werden sich im
Gesetzentwurf wiederfinden.» Ein Sprecher von CSU-Chef Edmund
Stoiber äußerte sich zufrieden über diese Klarstellung.
Stoiber sei sich mit der Ministerin einig, «dass der im
Koalitionsausschuss vereinbarte Erziehungsbonus im Gesetzentwurf
zusammen mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz
festgeschrieben wird».
Beck sagte in einem «Spiegel»-Interview, es gebe
«überhaupt keine Unklarheit» über die
Koalitionsbeschlüsse. Bei der Betreuungsprämie sprach er von
einer Soll-Regelung, die besage, «dass die Bedingungen für
die Prämie 2013 zu prüfen sind». Der von der SPD
erstrittene Rechtsanspruch ab 2013 soll nach seinen Worten bereits
jetzt gesetzlich fixiert werden, «die Betreuungsprämie
nicht. Das ist völlig unstrittig.»
Die «Berliner Zeitung» hatte berichtet, von der Leyen wolle
zwar den Rechtsanspruch, nicht aber das Betreuungsgeld in ihren
Gesetzentwurf aufnehmen. Die Ministerin beteuerte dagegen, sie werde
«genau diese Eckpunkte» des Koalitionsausschusses
einfließen lassen. «Das bedeutet, unser gemeinsames Ziel
ist der Ausbau der Kinderbetreuung für die
Unter-Drei-Jährigen, und dann perspektivisch ab 2013 die
Einführung eines Rechtsanspruchs und eines
Erziehungsbonusses», erklärte sie am Rande eines Treffens
der EU-Jugendminister in Brüssel. «Diese beiden Dinge sind
im politischen Zusammenhang.» Entscheidend sei vorher der Ausbau
der Betreuung.
Betreuungsgutscheine wären nach Ansicht von Unionsfraktionschef
Volker Kauder «ein möglicher Weg», Rechtsanspruch und
Betreuungsbonus umzusetzen. Es gebe aber auch noch andere Wege, sagte
er im ZDF-Morgenmagazin. CDU und CSU wollten das Thema in einer der
nächsten Fraktionssitzungen erörtern. Nach einem Bericht des
«Tagesspiegels» haben sich von der Leyen und
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auf eine Gutscheinlösung
in Anlehnung an die Familienförderung in Frankreich
verständigt. Die Eltern sollen die Gutscheine entweder bei den
Kommunen für Betreuung einlösen oder andere
familienpolitische Hilfen dafür in Anspruch nehmen können.
Ein Sprecher von der Leyens versicherte, es werde eine gute Lösung
geben auch für Kinder, die zu Hause betreut würden. Auf einen
Zeitplan für den Gesetzentwurf wollte er sich noch nicht
festlegen. Ziel sei, dass zum 1. Januar 2008 die rechtlichen
Voraussetzungen für den Ausbau der Betreuungsplätze
geschaffen seien.
Die Koalitionsspitzen hatten am 14. Mai die Finanzierungsbeteiligung
des Bundes daran, gleichzeitig aber auch den Rechtsanspruch und das von
Kritikern als «Herdprämie» bezeichnete Betreuungsgeld
beschlossen. Regierungssprecher Thomas Steg sprach von einem
«politischen Ergebnis». Über Finanzierungsmodelle wie
eine Stiftung oder auch Gutscheine werde in den nächsten Wochen
noch beraten. Die Koalitionsrunde am 18. Juni werde sich dann mit dem
Stand beschäftigen.
(Quelle: ap)
126 Pannen in deutschen Atomkraftwerken
Sa.26.05.07 - In den 17 deutschen Atomkraftwerken hat es im vergangenen Jahr 126
Pannen gegeben. Die Zahlen basieren auf dem Jahresbericht des
Bundesumweltministeriums über meldepflichtige Ereignisse an den
Bundestag, wie ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin sagte.
Sämtliche dieser Ereignisse hätten jedoch «nur geringe
sicherheitstechnische Bedeutung». Das Ministerium sehe sich jedoch
bestätigt, sehr genau zu prüfen, ob es tragbar sei,
Laufzeiten von jüngeren auf ältere Kraftwerke zu
übertragen.
Es falle auf, dass mehr als die Hälfte der meldepflichtigen
Ereignisse in Reaktoren vorgefallen seien, «die sehr alt
sind» und teilweise vor 1980 in Betrieb gegangen seien. «Uns
ist sehr daran gelegen, dass solche Laufzeitenübertragungen nicht
zu Lasten der Sicherheit gehen», sagte der Sprecher.
Der «Spiegel» meldete unter Berufung auf den Jahresbericht,
die meisten «meldepflichtige Ereignisse» - nämlich 15 -
habe es im Kernkraftwerk Krümmel bei Hamburg gegeben. Auf Platz
zwei folge der hessische Meiler Biblis B mit 14 Meldungen, auf Platz
drei das Kraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein mit elf
Pannen. Meldepflichtig seien in Atomkraftwerken auch schon kleine
Zwischenfälle wie der zeitweilige Ausfall von Pumpen oder
Stromsystemen.
(Quelle: ap)
Pro Asyl fordert Abschiebestopps
Sa.26.05.07 - Knapp eine Woche vor Beginn der Innenministerkonferenz in Berlin hat
die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl Abschiebestopps für Sri
Lanka, Irak, Afganistan, Kosovo und Tschetschenien gefordert. Es
bedürfe endlich klarer Regelungen, teilte die Organisation am
Freitag in Frankfurt mit.
«Es ist unverständlich, dass die Bundesregierung mit
Unterstützung der Innenminister Verhandlungen über die
Abschiebung irakischer Flüchtlinge mit der irakischen Regierung und
der Regionalregierung Nordkurdistans führt», kritisierte Pro
Asyl. Vor allem in den Regionen, die an den kurdischen Norden grenzen,
sei eine Verschlechterung der Sicherheitslage festzustellen. Neben dem
Beschluss eines Abschiebestopps sei daher auch die Übernahme
irakischer Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten im Rahmen eines
europäisch abgestimmten Programms dringend nötig, forderte
die Organisation.
Unzureichend sei auch der teilweise Abschiebestopp, den das
Bundesinnenministerium für Sri Lanka empfohlen habe, hieß es
weiter. Er gelte etwa nicht für Tamilen, bei denen eine
Existenzsicherung bei der Rückkehr auf Grund noch vorhandener
Familienstrukturen gesichert scheine. «Das Problem liegt aber
selten bei der Existenzsicherung, sondern häufig beim Risiko, nach
der Ankunft in Colombo oder auf dem Weg in die Heimatorte ohne
richterliche Überprüfung von den Sicherheitskräften
inhaftiert zu werden», erklärte Pro Asyl.
(Quelle: ap)
Korruptionssumpf in Sachsen? Ermittlungen beginnen
Sa.26.05.07 - Der sächsische Verfassungsschutz hat am Freitag erste
Informationen zur Aufklärung eines mutmaßlichen Netzwerks
Organisierter Kriminalität im Freistaat freigegeben. Nach Angaben
des Innenministeriums wurden sie am Vormittag zunächst den
Geheimdienstkontrolleuren des Landtags vorgelegt.
Am Nachmittag sollten sie an die Staatsanwaltschaft gehen. Die
Verfassungsschutzunterlagen enthalten angeblich Hinweise auf die
Verstrickung hochrangiger Politiker und Justizbeamter in Straftaten wie
Korruption, Amtsmissbrauch und Kinderprostitution.
Da auch Staatsanwälte oder Richter aus Sachsen in den kriminellen
Netzwerken mitgewirkt haben könnten, geht eine Kopie der
Geheimdienstinformationen an Generalbundesanwältin Monika Harms. Ob
sie sich mit den Fällen beschäftigen wird, war zunächst
allerdings unklar. Sachsens Generalstaatsanwalt Jörg Schwalm hat
bereits ein Spezial-Team aus Experten der Anti-Korruptionseinheit INES
für die Ermittlungen zusammengestellt. Mit der
Aufklärungsarbeit soll sofort nach der Übergabe der
Unterlagen begonnen werden.
Ob die Verfassungsschutz-Daten an die Staatsanwaltschaft weitergegeben
werden dürfen, war zunächst umstritten. Nach einem Urteil des
sächsischen Verfassungsgerichts durfte der Geheimdienst zuletzt nur
noch in Ausnahmefällen Daten über Organisierte
Kriminalität zusammentragen - dann, wenn sie die freiheitlich-
demokratische Grundordnung bedroht. Sachsens oberster Datenschützer
Andreas Schurig hatte das bei den diskutierten Fällen nicht
gesehen. Innenminister Albrecht Buttolo (Buttolo) setzte sich jedoch
über sein Votum hinweg.
(Quelle: dpa)