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Irak am tausendzweiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-Armee nimmt Iran-Kontaktmann im Irak fest. Acht US-Soldaten im Irak
getötet
So.27.05.07 - Die US-Truppen im Irak haben einen Extremistenanführer
festgenommen, der Verbindungen zum iranischen Militär haben soll.
Der Mann sei bei einem Gefecht in Bagdader Schiiten-Viertel Sadr
gefangengenommen worden, bei dem fünf Extremisten getötet
worden seien, teilte das US-Militär am Samstag mit. Er sei ein
Kontaktmann für einen Offizier der iranischen Revolutionsgarden.
Die fünf Extremisten wurden den US-Angaben zufolge bei einem
Luftangriff auf eine Ansammlung von Fahrzeugen getötet, die
für einen Angriff auf amerikanische und irakische Soldaten in
Stellung gebracht worden seien. Anwohner und Polizisten widersprachen
allerdings dieser Darstellung. Die Autos hätten in einer Schlange
vor einer Tankstelle gestanden. Wegen der Benzinknappheit sind solche
Autoschlangen in dem ölreichen Staat keine Seltenheit. Häufig
parken die Fahrer über Nacht vor den Tankstellen, um am
nächsten Tag Benzin zu bekommen.
Am Montag soll es in Bagdad zu den ersten direkten Gesprächen
zwischen den USA und dem Iran kommen. Dem iranischen
Außenministerium zufolge geht es dabei ausschließlich um die
Sicherheitslage im Irak. Die USA werfen der Regierung in Teheran vor,
Extremisten im Irak zu unterstützen und das Land seit dem
Einmarsch der US-Truppen gezielt zu destabilisieren.
Die USA haben ihre diplomatischen Beziehungen kurz nach der Islamischen
Revolution im Iran im Jahr 1979 abgebrochen, die den US-gestützten
persischen Schah stürzte. Die Spannungen zwischen beiden
Ländern haben sich in den vergangenen Jahren durch den Konflikt um
das iranische Atomprogramm verschärft, das nach Überzeugung
der USA den Bau von Atomwaffen verdecken soll.
Der US-Einsatz im Irak hat derweil weitere acht Soldaten das Leben
gekostet. Drei von ihnen wurden am Samstag bei einem Bombenanschlag auf
ihre Patrouille in der Provinz Salahuddin nördlich von Bagdad
getötet, wie die US-Streitkräfte am späten Abend
mitteilten. Ein weiterer Soldat sei südlich der Hauptstadt von
einem am Straßenrand versteckten Sprengsatz in den Tod gerissen
worden. Ein Marineinfanterist sei bei einem Kampfeinsatz in der
Unruheprovinz Anbar westlich von Bagdad ums Leben gekommen. Schon am
Freitagabend geriet ein Soldat den Angaben zufolge bei Tadschi im
Norden des Landes in einen tödlichen Hinterhalt. Zwei weitere
seien bereits am vergangenen Mittwoch im Osten Bagdads einer Bombe am
Straßenrand zum Opfer gefallen.
(Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 27.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.27.05.06 - Mindestens acht Tote bei Autobombenanschlag in Bagdad +++ Italien zieht im
Juni 1.100 Soldaten aus Irak ab +++ Iraks Außenminister Sebari warnt
Iran vor Massenvernichtungswaffen +++ Iran sagt direkte Gespräche mit
USA über Irak ab...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605270.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Nahost-Konflikt
Erneut Kämpfe im palästinensischen Flüchtlingslager im
Nordlibanon. UNICEF fordert Schutz der Flüchtlinge in Lager Nahr
el Bared. Neue israelische Luftangriffe im Gazastreifen. Mehrheit der
Palästinenser für Neuwahl in Autonomiegebieten
So.27.05.07 - Im palästinensischen Flüchtlingslager Nahr al Bared im Norden
des Libanons ist es am Samstagabend zu neuen Kämpfen gekommen. Die
libanesischen Streitkräfte und Milizionäre der Fatah Islam
lieferten sich laut Augenzeugen heftige Feuergefechte, die den vier
Tage alten offiziellen Waffenstillstand weiter aushöhlten. Immer
wieder waren demnach Schüsse aus Maschinengewehren und
Artilleriefeuer zu hören, gelegentlich wurden auch Raketen
abgeschossen. Truppenbewegungen waren den Berichten zufolge allerdings
nicht zu beobachten.
In einem Video, das der Fernsehagentur APTN in Tripoli zugespielt
wurde, erklärte der Chef der Fatah Islam, Schaker Jussef al Absi,
seine Kämpfer würden sich den Soldaten auf keinen Fall
ergeben. Vielmehr seien sie bereit, im Namen Gottes zu sterben - als
sunnitische Speerspitze gegen den Zionismus und die USA. Letztere
ließen der libanesischen Regierung weitere Unterstützung im
Kampf gegen die islamistischen Milizionäre zukommen.
Die Vereinten Nationen haben zum Schutz der Bewohner des
palästinensischen Flüchtlingslagers Nahr el Bared im Libanon
aufgerufen. Dort säßen mehr als 10.000 Menschen fest, die nur
sporadisch versorgt werden könnten, teilte das UN-Kinderhilfswerk
UNICEF mit. "Die Kinder, die in Nahr el Bared leben, haben
unaussprechliches Leid durchgemacht." Sie hätten gesehen, wie ihre
Häuser zerstört und ihre Angehörigen getötet oder
verletzt wurden. "Die Sicherheit der Kinder und Familien, die immer
noch in dem Lager leben, muss für alle Seiten oberste
Priorität haben", forderte UNICEF.
In dem Lager hatten sich die libanesischen Armee und Kämpfer der
islamistischen Gruppe Fatah el Islam zu Wochenanfang Gefechte geliefert.
Dabei starben 78 Menschen. Infolge der Kämpfe verließen
tausende Menschen das Lager. Seit Freitag verhinderten allerdings
Heckenschützen die Flucht. Am Samstagvormittag gelang es einer
kleinen Gruppe, das Lager zu verlassen.
Die libanesische Armee wirft der Islamistengruppe Fatah el Islam vor,
die Menschen in dem Lager als Geiseln zu halten, um sie bei einem
möglichen Sturm auf Nahr el Bared als menschliche Schutzschilde
benutzen zu können. Die Armee selbst bestreitet, die
Flüchtlinge am Verlassen des Lagers zu hindern.
Die israelische Luftwaffe hat am späten Samstagabend erneut
Angriffe im Gazastreifen geflogen. Nach palästinensischen Angaben
wurden dabei Sicherheitsposten der Hamas im Norden und im Süden
des Autonomiegebiets getroffen. Die israelischen Streitkräfte
bestätigten die Angriffe bei Dschebalija und Rafah. Berichte
über Verletzte gab es nicht. Zuvor waren am Samstag mindestens
fünf Palästinenser bei Luftangriffen ums Leben gekommen.
Israel will mit den Attacken ein Ende des Beschusses seines
Territoriums mit Raketen erreichen.
Die Palästinenser sind laut einer Umfrage mehrheitlich für
einen Rücktritt ihrer Regierung und für Neuwahlen. Rund 60
Prozent sprachen sich in der am Samstag veröffentlichten Erhebung
des Instituts Neareast Consulting für die Demission des
derzeitigen Einheitskabinetts aus Hamas und Fatah aus. 50 Prozent der
800 Befragten erklärten, Präsident Mahmud Abbas solle baldige
Wahlen anberaumen. Gleichzeitig sagten allerdings 52 Prozent, dass sie
in keine der beiden großen Parteien Vertrauen hätten.
Der Umfrage zufolge genießt Abbas von der Fatah mit 59 Prozent
wesentlich mehr Unterstützung als der Hamas-Ministerpräsident
Ismail Hanija mit 41 Prozent. 45 Prozent erklärten allerdings,
unter den palästinensischen Politikern gebe es zurzeit
überhaupt keine geeignete Führungskraft. Sie begründeten
dies vor allem damit, dass beide Seiten ihre extremistischen
Kräfte nicht kontrollieren könnten. Diese werden für die
jüngsten blutigen Auseinandersetzungen im Gazastreifen
verantwortlich gemacht.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Keine Einigung auf Kosovo-Status beim Osteuropa-Gipfel
So.27.05.07 - Ohne konkrete Ergebnisse ist das Gipfeltreffen von 15 mittel-,
süd- und osteuropäischen Staaten in der tschechischen Stadt
Brünn (Brno) zu Ende gegangen. Die anwesenden Präsidenten
konnten insbesondere zum künftigen Status des Kosovos am Samstag
keine einheitliche Linie finden. Während einige Länder den
UN-Plan für eine international überwachte Unabhängigkeit
der serbischen Provinz unterstützten, bekräftigte der
serbische Präsident Boris Tadic seine kategorische Ablehnung.
Auch die Pläne der USA für einen neuen Raketenschild in
Osteuropa blieben bei dem alljährlich stattfindenden
dreitägigen Gipfel umstritten. Polen und Tschechien, wo zehn
Abwehrraketen stationiert beziehungsweise eine Radarstation errichtet
werden sollen, rückten nicht von ihrer positiven Haltung ab.
Andere Länder stellten sich indessen auf die Seite Russlands, das
massive Kritik an dem amerikanischen Vorhaben geäußert hat.
Es gab die Forderung, dass Polen und Tschechien bei ihrer
endgültigen Entscheidung anderen europäischen Ländern
ein Mitspracherecht einräumen sollten.
(Quelle: ap)
Tschechen protestieren gegen US-Raketenschild
So.27.05.07 - Hunderte Tschechen haben in Prag gegen die geplante Stationierung von
Teilen des umstrittenen US-Raketenschilds in ihrem Land protestiert.
Auf den Transparenten der Demonstranten war "Kein US-Stützpunkt in
Tschechien!" und "Wir wollen keine US-Besatzer mit ihrem Radarsystem!"
zu lesen. Den Organisatoren zufolge nahmen rund 2000 Menschen an der
Kundgebung teil, die Polizei sprach von rund tausend. Die Regierung von
Ministerpräsident Mirek Topolanek unterstützt die
US-Raketenabwehrpläne, Umfragen zufolge sind aber rund zwei
Drittel der tschechischen Bevölkerung gegen das Projekt.
"Wir kämpfen hier wie David gegen Goliath", sagte einer der
Organisatoren: "Die Regierung ignoriert die öffentliche Meinung
und alle Argumente gegen den Stützpunkt", fügteer hinzu und
forderte, die Regierung abzusetzen. Josef Hala, der Bürgermeister
der Ortschaft Jince, wo der US-Stützpunkt stationiert werden soll,
sagte: "Wir wollen eine Volksabstimmung." Für den 4. Juni, wenn
US-Präsident George W. Bush zu einem Kurzbesuch in Prag erwartet
wird, ist eine weitere Protestkundgebung geplant.
Die USA wollen ihre Raketenabwehr in Großbritannien und
Grönland um ein Radarsystem in Tschechien und die Stationierung
von zehn Abfangraketen in Polen erweitern. Washington rechtfertigt die
Pläne mit verbessertem Schutz gegen mögliche Angriffe aus
Ländern wie dem Iran. Die russische Regierung hat sich indes
scharf gegen die Stationierung des US-Raketenschilds ausgesprochen und
wiederholt erklärt, sie fühle sich dadurch bedroht.
(Quelle: afp)
Ukrainische Konfliktparteien einigen sich auf Wahltermin
So.27.05.07 - Im Machtkampf in der Ukraine haben die Kontrahenten eine Einigung
erzielt. Präsident Viktor Juschtschenko und Regierungschef Viktor
Janukowitsch kamen überein, die Parlamentswahlen am 30. September
dieses Jahres abzuhalten. Damit sei die zuletzt zugespitzte
Konfrontation beigelegt, erklärten beide Seiten laut Agentur
Interfax. Juschtschenko hatte das Parlament vor zwei Monaten
aufgelöst. Er dementierte Berichte, wonach Sondertruppen der
Polizei für den Einsatz bei inneren Konflikten in Kiew seien.
(Quelle: dpa)
USA sperren sich gegen G-8-Beschlüsse zu Klimawandel
So.27.05.07 - Die US-Regierung sperrt sich gegen konkrete G-8-Beschlüsse zum
Klimaschutz. Der Widerstand richte sich auch gegen neue, bereits
abgeschwächte Vorschläge der deutschen
G-8-Präsidentschaft für den Gipfel in Heiligendamm,
hieß es in der "Washington Post" und der "Süddeutschen
Zeitung". "Die Behandlung des Klimawandels widerspricht unserer
Grundposition und überschreitet mehrere rote Linien in Punkten,
denen wir einfach nicht zustimmen können", zitierte die
"Washington Post" aus einem internen Papier von US-Unterhändlern.
Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warf der US-Regierung
Unbeweglichkeit vor.
In der "Washington Post" hieß es, während alle anderen
geplanten G-8-Statements bereits zwischen den Delegationen abgestimmt
seien, sei beim Thema Klimaschutz keine Annäherung erkennbar. Der
Widerstand der US-Regierung richtet sich demnach gegen vier zentrale
Punkte im deutschen Resolutionsentwurf. Dabei gehe es um die
Zielvorgabe, wonach die Erderwärmung zwei Grad nicht
überschreiten dürfe, eine Reduzierung der
Treibhausgasemissionen um 50 Prozent bis 2050 verglichen mit dem Stand
von 1990, eine Erhöhung der Energieeffizienz um 20 Prozent bis
2020 und eine Formulierung, wonach der UN-Klimaprozess ein geeignetes
Forum sei, um über das weitere, weltweite Vorgehen zu verhandeln.
Laut "Süddeutscher Zeitung" wollen die USA dagegen durchsetzen,
dass sich die G-8-Staaten auf einen allgemeinen Aufruf für
"saubere Technologien" beschränken. "Die Vorschläge in den
Abschnitten ,Bekämpfung des Klimawandels' und
,Kohlenstoffmärkte' sind fundamental unverträglich mit der
Herangehensweise des Präsidenten an den Klimawandel", heißt
es demnach in einem US-Papier zu den Verhandlungen über das
Schlussdokument. Medienberichten zufolge hatte die Bundesregierung
bereits angeboten, auf die Festschreibung des Zwei-Grad-Ziels zu
verzichten und stattdessen einen breiteren Temperaturkorridor anzugeben.
"In den zentralen Fragen des Klimaschutzes scheinen bisher vor allem
die Amerikaner nicht bewegungsbereit zu sein", kritisierte Gabriel in
der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Haltung der
US-Regierung. "Die Verhandlungen werden mehr als schwierig",
äußerte er Zweifel an den Erfolgschancen des Gipfels.
Die deutsche Grünen-Chefin Claudia Roth appellierte in den
"Nürnberger Nachrichten" an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU),
den Versuchen der US-Regierung zur Aufweichung der angestrebten
Klima-Beschlüsse nicht nachzugeben. Wenn die G-8-Staaten sich
nicht auf verbindliche Maßnahmen einigten, "wie bitte will man
dann zu den Schwellenländern sagen, dass diese sich verpflichten
sollen, am Klimaschutz teilzunehmen"? fragte die Grünen-Chefin.
(Quelle: afp)
Bundesregierung mahnt Gewaltfreiheit der G-8-Proteste an
So.27.05.07 - Eineinhalb Wochen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm zeigt sich die
Bundesregierung bemüht, den Protesten Zehntausender
Globalisierungskritiker die Schärfe zu nehmen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel rief am Samstag zum Gewaltverzicht auf.
Sie begrüßte zugleich, dass viele Menschen durch Aktionen und
Proteste ihr Interesse an einer gerechten Globalisierung deutlich
machten. Auch Innenminister Wolfgang Schäuble nannte es
begrüßenswert, wenn Bürger deutlich machten, "dass es so
nicht mehr weitergehen kann mit Afrika oder der Klimapolitik". Der
SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz kritisierte indes
Schäubles Sicherheitskonzept. Die angestrebten Versammlungsverbote
seien völlig überdimensioniert.
Zum Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden
Industrienationen und Russlands (G-8) vom 6. bis 8. Juni im Ostseebad
Heiligendamm haben zahlreiche Organisationen zu Demonstrationen
aufgerufen. Die größte Kundgebung soll am 2. Juni in Rostock
stattfinden, wo die Veranstalter bis zu 100.000 Teilnehmer erwarten. Zum
Schutz des Gipfels haben die Behörden starke Einschränkungen
für Demonstrationen in der Nähe des Sicherheitszauns um den
Tagungsort verhängt. Diese waren am Freitag zum Teil vom Gericht
aufgehoben worden, wogegen die Polizei umgehend Beschwerde einlegte.
Aufgeheizt wurde die Debatte zudem durch Hausdurchsuchungen bei
G-8-Gegnern und Berichte, die Ermittlungsbehörden hätten von
Verdächtigen Geruchsproben genommen und private Post
überwacht.
In ihrer wöchentlichen Video-Botschaft betonte Merkel, Gewalt
dürfe kein Mittel sein zur Durchsetzung politischer Ziele. "Deshalb
müssen wir sicherstellen, dass es zu keinen Gewaltanwendungen
kommt." Sie bitte alle, die sich für eine menschliche
Globalisierung engagierten, zu einem friedlichen Ablauf der Proteste
und zur Vermeidung von Gewaltanwendung beizutragen. Schäuble sagte
der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht: "Die Demonstrationen sind von
der Bundesregierung grundsätzlich erwünscht." Der von der
Globalisierung profitierende wohlhabende Teil der Welt habe die
Pflicht, sich um die Benachteiligten zu kümmern.
Schäuble verteidigte die Sicherheitsmaßnahmen und nannte die
Debatte darüber hysterisch. Auch der bayerische Innenminister
Günther Beckstein nannte den massiven Polizeieinsatz notwendig, da
mit Ausschreitungen durch Autonome zu rechnen sei. "Veranstaltungen der
G-8-Kritiker ... sind eben keine Kirchentage. Es kommt
regelmäßig zu erheblichen Ausschreitungen, und deswegen ist
leider ein derartig massiver Polizeieinsatz notwendig", sagte der
CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse".
Wiefelspütz forderte Schäuble auf, zur Deeskalation
beizutragen und stärker für die Rechte von Demonstranten
einzutreten. Die Versammlungsverbote rund um das Tagungshotel in
Heiligendamm entsprächen nicht dem verfassungsmäßigen
Recht auf Demonstrationsfreiheit, sagte der SPD-Innenexperte der "Welt
am Sonntag". "Das entspricht nicht unserem Grundgesetz. Es ist aber noch
Zeit, dies zu korrigieren", sagte Wiefelspütz.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann,
mahnte die Freiheit des Demonstrationsrechts an. "Ich verteidige das
Demonstrationsrecht soweit es nur geht", sagte Lehmann der "Berliner
Zeitung". Zugleich rief er die Globalisierungskritiker zur
Gewaltfreiheit auf. Er verstehe, dass viele den G-8-Gipfel als eine
Schauveranstaltung bewerteten. Lehmann forderte die Regierung auf, ihre
Versprechungen einzuhalten und 0,7 Prozent vom deutschen
Bruttoinlandsprodukt für Entwicklungshilfe aufzuwenden.
Als Gastgeberin des G-8-Gipfels stellte Merkel erneut ihre
Themenschwerpunkte vor. Es gehe darum, Wachstum aufrecht zu erhalten und
gleichzeitig soziale und ökologische Standards zu sichern. Im
Kampf gegen die Erderwärmung und den daraus folgenden
Klimaverschiebungen müssten die Industrieländer vorangehen.
Bei der Hilfe für Afrika komme es darauf an, dass die
Industrieländer ihre Verpflichtungen zur Bekämpfung von Armut
einhielten. Die afrikanischen Staaten müssten im Gegenzug
Korruption stärker bekämpfen und so sicherstellen, dass ihre
Bürger an der Hilfe anderer auch wirklich teilhaben könnten.
(Quelle: rtr)
Globalisierungsgegner wollen Gerichtsbeschwerde einlegen
So.27.05.07 - Mit einer Gerichtsbeschwerde wollen Globalisierungsgegner eine weitere
Lockerung des um den G-8-Tagungsort Heiligendamm verhängten
Demonstrationsverbots erreichen. Die Organisatoren eines Sternmarsches,
der den Plänen zufolge am 7. Juni bis zum Tagungshotel führen
soll, legten am Samstag Beschwerde gegen eine Entscheidung des
Verwaltungsgerichts Schwerin ein, wie das Netzwerk Gipfelsoli im Auftrag
des Sternmarsch-Bündnisses mitteilte.
Das Verwaltungsgericht hatte am Freitag ein großräumiges
Demonstrationsverbot der Polizei weitgehend gekippt. Laut der
Entscheidung ist nur ein Versammlungsverbot von 200 Metern vor dem
Sperrzaun um das Seebad rechtmäßig. Die Polizei wollte
dagegen Versammlungen kilometerweit vor dem Zaun untersagen.
Die Globalisierungsgegner erklärten, sie hielten weiter an der
geplanten Demonstration zum Tagungshotel der G-8-Delegierten fest und
würden den verfügten Abstand zum Zaun von 200 Metern nicht
akzeptieren: «Die Notwendigkeit einer 'Pufferzone von 200 m' ist
nicht hinreichend begründet», wurde der Anwalt Carsten
Gericke zitiert. Das Argument des Gerichts, die Anwesenheit von 11.000
Demonstranten innerhalb des Sperrzauns würde einen
«polizeilichen Notstand» bedeuten, wolle man zudem mit einer
Reduzierung der Teilnehmerzahl auf 600 entgegnen.
Das Bündnis kritisierte der Mitteilung zufolge auch, dass derzeit
an geplanten Versammlungsorten Zäune aufgestellt und damit
Einschränkungen des Demonstrationsrechts vorweggenommen
würden. Auch die Polizeisondereinheit für den Gipfel will
Beschwerde gegen das Urteil einlegen.
(Quelle: ap)
G-8-Alternativgipfel
Der Gipfel der acht reichsten und mächtigsten Staaten der Welt
findet 2007 in Heiligendamm bei Rostock statt. Die Politik der G-8
stößt seit langem weltweit auf Kritik und Protest. Auch bein
Gipfel 2007 wird dies in vielfältigen Formen sichtbar werden. Ein
wichtiges Element ist dabei der Alternativgipfel vom 5. bis 7. Juni in
Rostock. Neben zehn Podiumsveranstaltungen finden auf dem
Alternativgipfel rund 140 Workshops statt. Dabei stehen Themen wie die
Zukunft der Arbeit, Klima-und Energiepolitik, Krieg und Globaliserung,
Migration, globale Gerechtigkeit u.v.m. zur Diskussion. Jean Ziegler,
Vandana Shiva, Susan George, Walden Bello, Elma Altvater und John
Holloway haben ihre Teilnahme zugesagt...
Mehr unter:
http://www.g8-alternative-summit.org
Gericht bestätigt Verbot von Kundgebung für NS-Opfer
So.27.05.07 - Das Bundesverfassungsgericht hat einen Eilantrag gegen das Verbot einer
Kundgebung für NS-Opfer im bayerischen Mittenwald
zurückgewiesen. Das teilten die Anwälte der Veranstalter der
geplanten Kundgebung, der Hamburger Arbeitskreis Distomo, in
Garmisch-Partenkirchen mit. Die für das Pfingstwochenende geplante
Kundgebung sollte an die Opfer deutscher Gebirgstruppen im Zweiten
Weltkrieg erinnern. Das zuständige Landratsamt hatte sein Verbot
der Veranstaltung damit begründet, dass die Kundgebung auf
Bundeswehrgelände stattfinden sollte.
Die Veranstalter protestierten dagegen, dass ihre Kundgebung verboten
wurde, während gleichzeitig eine traditionelle Versammlung des
Kameradenkreises der Gebirgstruppe an selber Stelle stattfinden
dürfe. Diesem Kameradenkreis wurde vorgeworfen, er wolle am
Ehrenmal der Gebirgsjäger inmitten eines Truppenübungsplatzes
der Bundeswehr auf dem Hohen Brendten bei Mittenwald ein
"militaristisches Spektakel" abhalten.
Dagegen wollte der Arbeitskreis Distomo nach eigenen Angaben an
Massaker an der Zivilbevölkerung durch Gebirgsjäger und an
die Beteiligung der Soldaten am Holocaust während der NS-Zeit
hinweisen. Diese Veranstaltung soll nun im fünf Kilometer
entfernten Mittenwald stattfinden.
(Quelle: afp)
Parteienstreit über weiteres deutsches Engagement in Afghanistan
hält an - Gabriel attackiert Lafontaine: 'Helfershelfer der
Taliban'
So.27.05.07 - Eine Woche nach dem jüngsten Selbstmordanschlag auf
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hält der Parteienstreit
über das weitere deutsche Engagement an. Links-Fraktionschef Oskar
Lafontaine forderte am Samstag erneut einen Abzug der deutschen
Soldaten. Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin verteidigte
dagegen die deutsche Beteiligung am ISAF-Einsatz. Zugleich machte er
sich für ein Ende der US-geführten «Operation Enduring
Freedom» (OEF) in dem Land stark. Der CDU-Verteidigungsexperte
Karl A. Lamers mahnte derweil einen stärkeren Schutz der
Zivilbevölkerung in Afghanistan an.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warf Lafontaine vor, den
Bundeswehreinsatz am Hindukusch «in die Nähe von Terrorismus
gerückt» zu haben. «So einer» sei ein
«Helfershelfer der Taliban, dem es egal ist, ob die Leute in
Afghanistan gefoltert und unterdrückt werden», fügte
Gabriel an die Adresse des ehemaligen SPD-Chefs hinzu.
Trittin betonte, ein ISAF-Abzug wäre «eine Katastrophe
für das Land». Afghanistan würde in den
Bürgerkrieg der 90er Jahre zurückfallen und «erneut zum
Objekt von Kriegsherren und ausländischen Mächten wie
Pakistan werden». Dagegen stelle ISAF keine Fremdherrschaft dar,
sondern «den Versuch der Befähigung der Afghanen zur
Selbstregierung im Rahmen ihrer jungen Verfassung». Dieser
Versuch komme noch nicht ohne militärische Komponente aus. Es gebe
in Afghanistan keine Entwicklungs- und Wiederaufbauhilfe ohne
polizeiliche und militärische Absicherung.
Ohne eine «Strategiebereinigung» werde die Befriedung
Afghanistans jedoch scheitern, fügte der Grünen-Politiker
hinzu. Angeblich dienten die Kommandoaktionen im OEF-Rahmen und anderer
Spezialkräfte dem Kampf gegen den Terror, doch seien «durch
diese Ramboaktionen während der letzten Monate Hunderte Zivilisten
ums Leben gekommen». Das Vorgehen der USA spiele den
oppositionellen Milizen in die Hände, untergrabe die Akzeptanz der
NATO-Mission und gefährde ihre Soldaten. «Wenn OEF nicht
beendet wird, wenn die zivile Hilfe nicht verstärkt wird, dann
kann ISAF scheitern» und damit «der Versuch, Afghanistan
den Afghanen zu geben», unterstrich Trittin.
Lamers zeigte sich überzeugt, dass die militärischen Aktionen
gegen die Taliban so angelegt werden können, dass die Menschen der
Region stärker als bisher geschützt werden. Durch die hohen
Verluste, die es zum Teil bei der Zivilbevölkerung gebe,
entstünden auch für die Soldaten vor Ort größere
Probleme. «Da müssen wir darauf achten, dass wir die
Menschen in unser Konzept mit einbinden», mahnte der
CDU-Politiker. Sie dürften aus der Terrorismusbekämpfung
nicht als Verlierer hervorgehen.
Lafontaine kritisierte indes, mit den «NATO-Bombardierungen im
Süden Afghanistans» werde der Grundsatz verletzt, dass
Gewalt kein Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele sein könne.
Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diesen Grundsatz
gegenüber den G8-Gegnern vertrete, habe sie zwar
grundsätzlich Recht, messe aber offenbar «mit zweierlei
Maß».
(Quelle: ddp)
Raumfahrt
NASA sucht nach Regeln für Tod und Krankheit im All
So.27.05.07 - Was geschieht mit dem Leichnam eines Astronauten, der während
einer dreijährigen Mission zum Mars stirbt? Wann sollten bei einem
kranken Raumfahrer lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt werden,
die wichtigen Sauerstoff verbrauchen? Sollte die NASA DNA-Tests
einsetzen, um vor Langzeitflügen krankheitsanfällige
Astronauten auszusortieren? Mit solchen praktischen und ethischen Fragen
muss sich die US-Raumfahrtbehörde für ihre in 30 Jahren
geplante Mars-Mission nun erstmals auseinander setzen.
In einem Ethik-Papier, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt, werden
mögliche Probleme künftiger Mars- und Mondflieger
durchgespielt. NASA-Ärzte und -Wissenschaftler hoffen, mit Hilfe
unabhängiger Bioethiker und Mediziner in den kommenden Jahren
Regeln dafür zu finden. «Wie man sich vorstellen kann, ist
das nichts, worüber die Leute gerne sprechen», sagt Richard
Williams, bei der Raumfahrtbehörde zuständig für
Gesundheitsfragen. «Wir versuchen, einen ethischen Rahmen zu
entwickeln, mit dessen Hilfe Kommandanten und Missions-Manager
künftig solche schwierigen Entscheidungen treffen
können.»
Ein Thema, das für die NASA lange Zeit ein völliges Tabu war,
wird auch in dem Ethikpapier vorerst ausgespart: Sex im All. Früher
oder später müsse man sich aber auch damit beschäftigen,
räumt NASA-Berater Paul Root Wolpe ein, Bioethiker an der
Universität von Pennsylvania. «Es muss eine Entscheidung
über gemischt-geschlechtliche Crews getroffen werden, und
darüber wird es heftige Debatten geben.»
Auf einige Gesundheitsfragen findet die NASA in dem Papier bereits
konkrete Antworten. So dürfen etwa Astronauten auf Allflügen
höchstens einer Strahlung ausgesetzt werden, die das Krebsrisiko
während ihrer Laufbahn um drei Prozent erhöhen würde. Die
maximale Wochenarbeitszeit wird auf 48 Stunden festgeschrieben.
Vor allem mit Blick auf den Umgang mit Tod und Krankheit heißt es
hingegen lediglich, dass die NASA dafür noch Richtlinien braucht.
«Es könnte eine Zeit geben, in der ein Risiko für Leib
und Leben gegen den Erfolg der Mission abgewogen werden muss»,
sagte Wolpe. «Der Gedanke, dass wir das Wohlergehen eines Menschen
stets über den Erfolg der Mission setzen werden, klingt gut, aber
Entscheidungen müssen nicht immer notwendigerweise so gefällt
werden.»
Wenn derzeit ein Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS
schwer krank wird oder sich schwer verletzt - was im übrigen noch
nie vorkam -, kann er innerhalb weniger Stunden mit einer Sojus-Kapsel
zur Erde zurückgebracht werden. In einer lebensbedrohlichen
Situation auf dem Mars wäre das nicht möglich. Auch auf rasche
Anweisungen der Missionskontrolle könnten die Astronauten in
diesem Fall nicht bauen: Es würde fast eine halbe Stunde dauern,
über Funk eine Frage zu stellen und eine Antwort darauf zu
erhalten.
Bislang musste die NASA noch nie wegen gesundheitlicher Probleme eine
Mission abbrechen. In der damaligen Sowjetunion hingegen kam das drei
Mal vor. Kritiker sind der Meinung, dass die USA bislang nicht
ausreichend auf die Möglichkeit von Todesfällen im All
vorbereitet sind. «Ich glaube nicht, dass sie in der Vergangenheit
gut darin waren, mit diesen Fragen umzugehen», sagt der
frühere Astronaut und studierte Mediziner Story Musgrave, der an
sechs Raumflügen teilnahm. «Aber es ist sehr gut, dass sie
sich jetzt Gedanken darüber machen.»
(Quelle: ap)