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Irak am tausenddreiundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Castro attackiert Bushs Irak-Politik. Razzien gegen Schiiten in Bagdad.
US-Soldaten befreien 42 von El Kaida im Irak Festgehaltene. Iraker
haben seit Monatsbeginn mehr als 100 US-Soldaten getötet
Mo.28.05.07 - Der kubanische Staatschef Fidel Castro hat US-Präsident George W.
Bush nach der Bewilligung neuer Milliardenausgaben für den
Irak-Krieg scharf kritisiert und persönlich angegriffen.
«Bush ist eine apokalyptische Person», schrieb Castro in
einer am Freitag verbreiteten vierseitigen Erklärung. Man
müsse sich nur sein Gesicht und seine Augen anschauen.
Bush prahle damit, dass er den Kampf gegen seine Gegenspieler im
Kongress gewonnen habe, erklärte Castro. Die zusätzlichen
Mittel für den Irak-Krieg würden diese Region aber nur noch
tiefer in die Krise stürzen.
Die schriftliche Erklärung Castros war bereits die 12. dieser Art
in den vergangenen Wochen. In der Öffentlichkeit wurde der
80-Jährige seit Juli vergangenen Jahres nicht mehr gesehen. Damals
musste er sich einer komplizierten Darmoperation unterziehen. Die
Regierungsgeschäfte hat Castro an seinen Bruder Raúl
übertragen.
Nach wiederholten Angriffen seitens schiitischer Extremisten im Irak
haben amerikanische und irakische Truppen am Sonntag Razzien im Bagdader
Stadtteil Sadr City durchgeführt. In der Hochburg des radikalen
schiitischen Predigers Muktada al Sadr gab es keine größeren
Zwischenfälle, lediglich ein Verdächtiger wurde festgenommen.
In Basra kam es zu Gefechten zwischen britischen Soldaten und
schiitischen Milizionären. Drei Angreifer wurden nach britischen
Militärangaben getötet.
Die Razzien erfolgten zwei Tage, nachdem Al Sadr erstmals seit Monaten
wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten war. In einer Predigt in
der heiligen Stadt Kufa forderte er am Freitag vor 6.000 Gläubigen
ein Bündnis aus Schiiten und Sunniten, um die US-Truppen aus dem
Irak zu vertreiben. Am selben Tag wurde auch ein ranghoher Kommandeur
seiner Mahdi-Miliz im Südirak getötet. Daraufhin gerieten die
britischen Truppen im Umkreis von Basra unter Granatbeschuss der
Aufständischen.
In Kut südöstlich von Bagdad kündigten 70 Polizisten am
Sonntag ihren Job und gaben ihre Dienstwaffen zurück. Zur
Begründung erklärten sie, sie hätten Angst vor Attacken
der Mahdi-Miliz.
US-Soldaten haben 42 Iraker aus den Händen des Terrornetzwerks El
Kaida befreit. Das sagte laut CNN ein US- Oberstleutnant. Demnach waren
einige der Iraker bis zu vier Monate festgehalten worden. Mehrere der
Entführten sollen Folterspuren aufgewiesen haben. Die US-Truppen
hätten einen Hinweis erhalten, wo die Iraker in der Provinz Dijala
eingesperrt gewesen seien. Die Entführungen seien offensichtlich
Teil der Einschüchterungskampagne, die das Terrornetzwerk gegen
die Bevölkerung führe.
Bei einer Reihe von Anschlägen im Irak sind in den vergangenen
Tagen mindestens zehn US-Soldaten getötet worden. Der Monat Mai
sei damit für die Truppen Washingtons einer der blutigsten seit
dem Einmarsch im Irak im Jahr 2003 gewesen, teilte die US-Armee am
Sonntag mit. Den Angaben zufolge wurden in diesem Monat mindestens 103
US-Soldaten im Irak getötet. Die Zahl der seit dem Einmarsch
getöteten Soldaten stieg damit auf mindestens 3455, wie aus
Schätzungen auf Basis der vom Pentagon herausgegebenen Zahlen
hervorgeht.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 28.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am sechshundertneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.28.05.06 - Vorwürfe gegen US-Soldaten wegen vorsätzlicher Tötung
von irakischen Zivilisten erhärten sich +++ Italien zieht Truppen bis
Jahresende ab +++ Mindestens acht Iraker bei Anschlägen nördlich
von Bagdad getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605280.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Brown will Militäreinsatz im Streit mit Iran nicht
ausschließen
Mo.28.05.07 - Der mutmaßliche britische Premierminister in spe Gordon Brown
will militärische Reaktionen im Atomstreit mit dem Iran nicht
ausschließen. Er denke, dass "mulitlateraler Druck" im Umgang mit
Teheran ein gutes Mittel sei, sagte der Finanzminister einem Bericht des
Senders BBC zufolge am Samstag. Auf die Frage von Journalisten, ob er
eine militärische Intervention ausschließe, wollte Brown
sich nicht festlegen. "Was wir nicht wollen, ist eine Situation, in der
die Kontrolle verloren geht, gegenüber Nordkorea, gegenüber
dem Iran und afrikanischen Staaten", sagte Brown.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Libanon gibt Palästinensern bis Mitte der Woche für Einigung
Zeit
Mo.28.05.07 - Der Libanon gibt den Palästinensergruppen im Land bis Mitte
kommender Woche Zeit, um eine Einigung zwischen der islamistischen
Gruppe Fatah el Islam und der libanesischen Armee auszuhandeln. Die
palästinensischen Gruppierungen sollten in den kommenden Tagen zu
einer friedlichen Lösung finden, hieß es am Sonntag in
Regierungskreisen in Beirut. Dazu gehöre, dass die Kämpfer der
Fatah el Islam sich ergeben, damit sie vor Gericht gestellt werden
könnten. Die bewaffnete Gruppe hatte sich von Sonntag vergangener
Woche bis Dienstag heftige Kämpfe mit der libanesischen Armee
geliefert, bei denen über siebzig Menschen ums Leben kamen.
(Quelle: afp)
Ruandische Rebellen töten 17 Menschen im Ostkongo
Mo.28.05.07 - Ruandische Rebellen haben am Sonntag ein Dorf im Osten des Kongos
angegriffen und 17 Menschen getötet. Der Menschenrechtsaktivist
Constantin Charondagwa erklärte, weitere 28 Menschen seien
verletzt und bis zu zwölf verschleppt worden. Die Angreifer
hätten die Menschen in der Nacht mit Macheten, Speeren und
Hämmern attackiert. Charondagwa besuchte das Dorf Kanyola nach dem
Angriff und sprach dort mit Überlebenden.
Die Kämpfer gehörten den Demokratischen Kräften zur
Befreiung Ruandas (FDLR) und anderen Rebellengruppen an, sagte
Charondagwa. Seine Bürgergesellschaft von Sud-Kivu koordiniert die
Arbeit örtlicher Menschenrechtsgruppen in der Region. Die
UN-Mission im Kongo konnte den Angriff nicht bestätigten. Ein
Sprecher erklärte jedoch, mehrere Mitarbeiter seien in das Dorf
entsandt worden, um den Hinweisen nachzugehen.
Die kongolesischen Streitkräfte hatten im Januar eine Offensive
gegen ausländische Milizen im Osten des Landes gestartet. Unter
den ruandischen Rebellen dort sind Mitglieder der früheren
Streitkräfte sowie extremistische Hutu, die an dem Genozid in
Ruanda 1994 beteiligt waren. Sie wurden aus ihrem Heimatland vertrieben
und halten sich seitdem im Ostkongo auf.
(Quelle: ap)
Aborigines in Australien weiterhin unterprivilegiert
Mo.28.05.07 - Vor nunmehr 40 Jahren sprachen sich 91 Prozent der Australier in einem
Referendum dafür aus, den Aborigines die volle
Staatsbürgerschaft zu gewähren. Deren Status als
unterprivilegierte Minderheit hat sich seitdem jedoch kaum
verändert, wie diverse Redner auf Kundgebungen am Wochenende
hervorhoben. Demnach sterben die Ureinwohner rund 20 Jahre früher
als andere Australier und leiden weitaus stärker an Diabetes und
Herzerkrankungen sowie an den Folgen von Drogen- und Alkoholmissbrauch.
Die Rechte der Aborigines, sofern sie überhaupt welche hatten,
variierten vor dem Referendum von 1967 von Staat zu Staat sehr stark.
Mancherorts wurden sie sogar unter den Gesetzen zum Umgang mit Pflanzen
und wilden Tieren aufgeführt. Doch die volle Verleihung der
Bürgerrechte hat nicht verhindern können, dass die meisten der
rund 400.000 Ureinwohner weiterhin in Armut und unter
menschenunwürdigen Bedingungen leben - etwa in Slums am Rande der
Großstädte oder in abgelegenen Dörfern im australischen
Busch.
Auch Ministerpräsident John Howard räumte am Sonntag bei
einer Rede in Canberra ein, dass die beim damaligen Referendum
angestrebte verbesserte Lebensqualität der Aborigines zumeist noch
nicht verwirklicht sei. Er stellte eine Ausgabenerhöhung für
Hilfsprogramme auf 3,5 Milliarden australische Dollar (2,13 Milliarden
Euro) in Aussicht. Sprecher der Ureinwohner verlangten derweil abermals
Sonderanteile am australischen Grund und Boden, um am Gewinn aus
Landwirtschaft und Bergbau teilzuhaben. Schließlich habe das Land
einst ihnen gehört, lautet die Argumentation.
Diese Forderung hat Howard zurückgewiesen. Die Aborigines sollten
sich nicht auf entlegenem Landbesitz vom Rest der australischen
Gesellschaft abschotten, sondern die Integration suchen. Andernfalls
würden sie nie aus der Armutsfalle herauskommen. Howard
stößt mit dieser Haltung auf viel Kritik unter den
Aborigines. Seine Rede am Sonntag wurde denn auch von Zwischenrufen
unterbrochen, in denen ihm Völkermord an den Ureinwohnern
vorgeworfen wurde.
(Quelle: ap)
Ukraine: Präsident Juschtschenko und Regierungschef
Janukowitsch legen Machtkonflikt bei
Mo.28.05.07 - In der Ukraine haben die politischen Kontrahenten mit einer Einigung
auf Parlamentsneuwahlen am 30. September den zuletzt dramatisch
zugespitzten Machtkonflikt gelöst: «Wir haben eine gute
Botschaft zum Pfingstfest zu verkünden.»
Dies sagte der prowestliche Präsident Viktor Juschtschenko nach
einem Verhandlungsmarathon am frühen Sonntagmorgen in Kiew. Der
von der Ostukraine unterstützte Regierungschef Viktor Janukowitsch
sagte, man habe aus den jüngsten Ausschreitungen innerhalb der
bewaffneten Staatsmacht gelernt. Das Innenministerium beorderte seine
alarmierten Sondertruppen wieder zurück in die Kasernen.
Fast zwei Monate nach der Auflösung des Parlaments durch
Präsident Juschtschenko bekräftigten die Konfliktparteien
ihre Bereitschaft zu einer Verfassungsreform, um ein Machtvakuum in
Zukunft zu verhindern. «Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir
keinen Druck mehr auf die Justiz und die Sicherheitskräfte
ausüben werden», sagte Regierungschef Janukowitsch bei der
gemeinsamen Erklärung. Darüber hinaus einigten sich beide
Seiten auf ein Maßnahmenpaket, um bereits bei der Parlamentswahl
die massiven Manipulationsversuche der vergangenen Jahre
auszuschließen.
Beim Gang vor die Presse zeigten sich die politischen Widersacher aus
den Tagen der Orangenen Revolution von Ende 2004 optimistisch.
«Die Ukraine geht gestärkt aus dieser Krise hervor»,
sagte Juschtschenko. Janukowitsch erklärte, beide seien nach
jüngsten Eskalation zur Besinnung gekommen. «Wir werden
alles tun, um so etwas nicht zu wiederholen. Nicht die Fehler und nicht
die Emotionen, die es gab», erklärte der Regierungschef.
Auch der sozialistische Parlamentsvorsitzende Alexander Moros hatte an
der Kompromisslösung mitgewirkt. Die Fraktion der
Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko begrüßte die
Einigung auf Neuwahlen am 30. September. Juschtschenko und Janukowitsch
wollten am Sonntagabend gemeinsam im Kiewer Fußballstadion das
ukrainische Pokalfinale zwischen dem Hauptstadtverein Dynamo Kiew und
Schachtjor Donezk aus Janukowitschs Heimatstadt Donezk anschauen.
In den Tagen vor der Einigung auf vorgezogene Wahlen hatte sich der
Dauerkonflikt dramatisch zugespitzt. Beim Streit um die Kontrolle
über die Generalstaatsanwaltschaft kam es erstmals in der
Geschichte der unabhängigen Ukraine zu gewalttätigen
Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Sondertruppen der
Staatsmacht. Bei den Prügeleien wurde aber offenbar niemand
ernsthaft verletzt. Am Samstag hieß es noch, tausende bewaffnete
Einsatzkräfte des Innenministeriums seien aus den Regionen nach
Kiew beordert worden.
Die EU begrüßte die Einigung auf Neuwahlen. Zugleich wurde
in einer am Sonntagabend in Berlin verbreiteten Erklärung der
deutsche Ratspräsidentschaft an beide Seiten appelliert, diesen
politischen Kompromiss nun Schritt für Schritt umzusetzen. Zuvor
hatte bereits der Europarat Juschtschenko und Janukowitsch gelobt. Mit
der Lösung des Konflikts hätten beide «ihre
Verantwortung für die Zukunft des Landes demonstriert»,
sagte der Präsident der parlamentarischen Versammlung des
Europarates, René van der Linden. Der Generalsekretär des
Europarates, Terry Davis, sagte, die Ukrainer sollten stolz darauf
sein, die Einigung alleine, ohne Schlichtung durch ausländische
Regierungen oder internationale Organisationen erreicht zu haben.
Das von Juschtschenko am 2. April aufgelöste Parlament soll am 29.
und 30. Mai noch einmal zu Sondersitzungen zusammenkommen, um die
für Neuwahlen notwendigen Entscheidungen zu treffen. Die
Parlamentsmehrheit um Janukowitsch hatte sich bis zuletzt der
Auflösung der Werchowna Rada widersetzt. In den vergangenen Wochen
war von Präsident und Regierungschef bereits mehrfach ein Ende der
Konfrontation verkündet worden, ohne dass sich beide Seiten auf
ein konkretes Datum für die Neuwahlen einigen konnten.
(Quelle: dpa)
Russland: Grünen-Abgeordneter Beck in Moskau vorübergehend
festgenommen
Mo.28.05.07 - Die russische Polizei hat am Sonntag den Grünen-Abgeordneten
Volker Beck und mehrere weitere Personen festgenommen. Sie wollten eine
Petition zur Versammlungsfreiheit im Bürgermeisteramt abgeben,
wurden dabei von Gegendemonstranten mit Eiern und Tomaten beworfen und
dann in Polizeiwagen gezwängt. Beck und der italienische
Europa-Abgeordnete Marco Cappato wurden bis zum Mittag wieder frei
gelassen, drei russische Staatsangehörige sitzen noch in Haft.
Beck bat die Bundesregierung, sich für sie einzusetzen.
Die Petition aus Anlass des Verbots der ebenfalls für Sonntag
vorgesehenen, aber verbotenen Demonstration
«Gay-Pride-Parade» für die Rechte Homosexueller war
von 40 europäischen Parlamentariern unterzeichnet. Beck ist zum
zweiten Mal Opfer von Anti-Schwulen-Aktionen in Russland geworden. Vor
einem Jahr wurde er bei der ebenfalls nicht genehmigten Demonstration
von Rechtsradikalen angegriffen und verletzt.
Beck sagte am Nachmittag im Telefonat mit Associated Press, er werde
die Bundesregierung in aller Form um eine Intervention für die
drei Russen ersuchen. Die Namen gab er mit Nikolai Alexejew, Nikolai
Khramow und Sergej Konstantinow an. Er könne sich nicht
vorstellen, was ihnen vorgeworfen werde, sagte er. «Was wir
gemacht haben, war keine Kundgebung. Sie (die drei Russen, Red.) haben
uns lediglich begleitet, als wir die Petition beim
Bürgermeisteramt abgeben wollten.»
Die russischen Beamten hätten beim Ergreifen von Beck und den
anderen bestritten, dass es sich um eine Festnahme handele, sagte der
Bundestagsabgeordnete. Sie hätten es als «Maßnahme zu
ihrer Sicherheit» bezeichnet. Allerdings hätten sie
Schläge verteilt und ihnen die Pässe abgenommen. Dem Wunsch,
sich entfernen zu dürfen, sei nicht stattgegeben worden.
Schließlich seien Beck und einige Begleiter von Angehörigen
der französischen Botschaft, die vor Ort gewesen seien, zu ihren
Hotels gebracht worden.
Cappato wurde von einem Gegendemonstranten getreten, als er mit
Journalisten sprach. Als er rief: «Wo ist die Polizei?»,
wurde er von Polizisten abgeführt. Die Beamten griffen rund ein
Dutzend Teilnehmer aus der Protestversammlung heraus und zwangen sie in
einen bereit stehenden Bus. Die Polizei äußerte sich erst
Stunden nach dem Vorfall. Es seien insgesamt 31 Menschen festgenommen
worden, sagte Polizeisprecher Jewgeni Gildejew. Die meisten von ihnen
seien wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Deutscher sei von
der Polizei weggebracht worden, um ihn vor Übergriffen zu
schützen, sagte der Sprecher weiter.
Gegen die Gegendemonstranten ging die Polizei nicht vor. «Wir
haben friedlich versucht, einen Brief zu übergeben. Das ist kein
Grund, um Menschen festzunehmen», sagte die niederländische
Europa-Abgeordnete Sophie IntVeld. Der einzige russische Abgeordnete,
der Unterstützung bekundete, war der Ultranationalist Alexej
Mitrofanow. «Wie können wir so reagieren, wenn wir ein Teil
Europas sein wollen?» sagte er laut einem Bericht der
Nachrichtenagentur Interfax.
Die Grünen protestierten scharf gegen das Vorgehen der
Behörden und forderten Kanzlerin Angela Merkel auf, beim Gipfel in
Heiligendamm das G-8-Mitglied Russland wegen Missachtung der
Menschenrechte zu rügen. Es habe «sich wieder gezeigt, dass
in Putins Russland Menschen- und Grundrechte systematisch verletzt
werden», erklärte Parteichefin Claudia Roth. Die
Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn sprachen von einem
«gravierenden internationalen Zwischenfall, der nicht akzeptiert
werden kann».
(Quelle: ap)
Stoiber und Koch attackieren Tschechien
Mo.28.05.07 - Unions-Politiker und Sudetendeutsche haben die tschechische Regierung
scharf attackiert und ihr mangelnde Dialogbereitschaft vorgeworfen.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und sein hessischer
Amtskollege Roland Koch (CDU) riefen Tschechien auf dem 58.
Sudetendeutschen Tag in Augsburg dazu auf, sich dem Dialog mit den
vertriebenen Deutschen nicht länger zu verweigern. Der
Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt,
bekräftigte die Forderung der Vertriebenen nach einem Heimatrecht.
Stoiber beklagte, die ausgestreckte Hand Bayerns und der
Sudetendeutschen sei von der tschechischen Politik bislang leider nicht
ergriffen worden. Bayern werde seine Position nicht aufgeben, dass
Vertreibung Unrecht und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei.
Die Benes-Dekrete seien mit dem Recht, dem Geist und der Kultur Europas
nicht vereinbar. Die Erlasse bildeten nach dem Zweiten Weltkrieg die
Grundlage für die Vertreibung und Enteignung von Deutschen aus dem
Sudetenland und gehen auf den früheren tschechoslowakischen
Präsidenten Eduard Benes (1884-1948) zurück.
Ein offizieller Staatsbesuch in der Tschechischen Republik komme
für ihn grundsätzlich nur in Frage, wenn er von Vertretern
der Sudetendeutschen Landsmannschaft begleitet werde, betonte Stoiber,
der auch Schirmherr der Sudetendeutschen ist. Der
Ministerpräsident kündigte zudem an, der Freistaat werde
weiter Druck machen für eine schnelle Verwirklichung eines
Zentrums gegen Vertreibungen. Auch Koch versicherte seine
Unterstützung für dieses Projekt. Hessen werde als erstes
Bundesland eine Patenschaft bei der Stiftung Zentrum gegen
Vertreibungen übernehmen und damit auch einen finanziellen Beitrag
leisten.
Posselt sagte, nicht Verdrängung, sondern die «umfassende
Verwirklichung der Menschenrechte» sei die einzige Basis, auf der
die Völker, und damit auch die Tschechen und Sudetendeutschen,
dauerhaft zusammenarbeiten könnten. Dazu zähle auch
«die Verwirklichung des Rechtes auf die Heimat und die
Beseitigung aller Unrechtsdekrete, die nach wie vor in Kraft
sind». Auch Koch betonte, die der Vertreibung zugrunde liegenden
Benes-Dekrete passten nicht in eine gesamteuropäische
Rechtsordnung und müssten aufgehoben werden.
Koch war zum Auftakt des Sudetendeutschen Tags am Samstag mit dem
Europäischen Karlspreis der Landsmannschaft ausgezeichnet worden.
Der Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, Bayerns früherer
Landtagspräsident Johann Böhm (CSU), sagte bei der Ehrung,
Koch habe sich mit seinem Einsatz für die Verständigung
zwischen den Völkern und für die Rechte von Volksgruppen und
Minderheiten große Verdienste erworben. Der Europäische
Karlspreis ist die höchste Ehrung der Landsmannschaft.
Zu dem zweitägigen Vertriebenentreffen unter dem Motto «Wir
Sudetendeutschen - Brücke zur Heimat» kamen nach
Schätzungen der Veranstalter rund 40 000 Menschen. Am Rande des
traditionellen Pfingsttreffens wurde ein 50 Jahre alter Mann aus
Baden-Württemberg festgenommen, weil er an zwei Messeständen
eine gülleartige Flüssigkeit ausgegossen und damit Prospekte
und Fahnen beschädigt hatte. Die Hintergründe der Tat waren
laut Polizei zunächst unklar. Posselt sprach von einem
«Anschlag auf unser friedliches Fest» und der Tat eines
Rechtsextremisten.
(Quelle: ddp)
Umweltverbände machen vor G8-Gipfel Druck
Mo.28.05.07 - Rund eine Woche vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm wird der
Ruf von Umweltorganisationen nach einem klaren Signal für den
Klimaschutz lauter. Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte
Behrens warnte in einem ddp-Interview vor «wachsweichen
Kompromissen». Notwendig sei eine konkrete Verständigung
über die Verringerung der Treibhausgase.
Ähnlich äußerte sich der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND). Dessen Geschäftsführer Gerhard
Timm mahnte, die G8-Staaten müssten sich zu dem Ziel bekennen, den
globalen Temperaturanstieg auf unter zwei Grad gegenüber
vorindustriellen Werten zu begrenzen. Hierfür sei eine
Verpflichtung nötig, die CO2-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent und
bis 2050 um 80 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken.
Timm fügte hinzu: «Wenn dies auf dem G8-Gipfel nicht
erreicht werden kann, dann sollte man sich überlegen, ob man lieber
gar kein Abschlussdokument hat.» Er glaube zwar, dass
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter Druck auf die USA machen
werde. Die Frage sei aber: «Inwieweit ist die amerikanische
Regierung in der Lage, sich zu bewegen?»
Behrens forderte, Deutschland als Gastgeber müsse eine
Vorreiterrolle übernehmen und die C02-Emissionen um 40 Prozent bis
2020 senken. Die Greenpeace-Geschäftsführerin betonte:
«Sollte es nicht zu konkreten Ankündigungen über
Reduktionen der Treibhausgase kommen, also 30 Prozent G8 und 40 Prozent
Deutschland, dann ist der Gipfel aus unserer Sicht gescheitert.»
Behrens fügte hinzu: «Die Entwürfe des
G8-Abschluss-Dokuments, die herumgeistern, verheißen nichts
Gutes.« Demnach beiße Merkel bei den USA auf Granit. Die
Kanzlerin müsse »für diese Blockade durch die
Bush-Regierung eine Lösung finden".
Eine «klare Absage» erteilte die
Greenpeace-Geschäftsführerin dem Wunsch der Union nach
Korrekturen am geplanten Atomausstieg. Behrens betonte: «Auch ohne
längere Laufzeiten, ja sogar mit einem noch schnelleren Ausstieg
als er zur Zeit vorgesehen ist, lassen sich die CO2-Emissionen in
Deutschland um 40 Prozent reduzieren.» Im Übrigen dürfe
nicht vergessen werden, «dass Energieerzeugung mit Atomkraft eine
Hochrisiko-Technologie ist, die uns radioaktiv strahlenden Abfall
hinterlässt, von dem niemand weiß, wohin damit».
Auch Timm mahnte: «Die Gefahren der Atomkraft sind durch den
Klimawandel nicht kleiner geworden.» Deshalb dürften die
Laufzeiten der Kernkraftwerke auf keinen Fall verlängert werden.
Hierfür gebe es zudem «unter Klimagesichtspunkten keine
Notwendigkeit». Studien zufolge könnten vielmehr die
CO2-Reduktionsziele auch ohne Atomkraft erreicht werden.
Timm warnte ferner vor überzogenen Sicherheitsvorkehrungen beim
G8-Gipfel. Er betonte: «Man muss die Kirche im Dorf lassen.»
Sonst werde möglicherweise «durch übertriebene
Prävention auch provoziert und damit Gewalt erst
heraufbeschworen».
(Quelle: ddp)
ASEM-Gegner scheitern an Bundesverfassungsgericht
Mo.28.05.07 - Niederlage für linke Demonstranten: Ein Protestzug gegen das
Treffen der europäischen Außenminister mit ihren asiatischen
Amtskollegen (ASEM) am (heutigen) Montag in Hamburg darf nicht direkt
an der Tagung vorbeiführen. Das Bundesverfassungsgericht habe
einen entsprechenden Eilantrag abgelehnt, sagte der Sprecher eines
globalisierungskritischen Protestbündnisses, Andreas Blechschmidt.
Demnach kommen die Demonstranten maximal 500 Meter an die
Konferenzteilnehmer heran.
Blechschmidt kritisierte, dass diese Entfernung in der Innenstadt weder
Sicht- noch Hörweite sei. «Das finden wir absolut
versammlungsfeindlich», sagte er. Das Bündnis werde sich
aber der Entscheidung unterwerfen und die Frage später im normalen
Rechtsweg klären.
Für den Pfingstmontag werden laut Polizei etwa 5.000 Teilnehmer
bei der Kundgebung erwartet. Die Veranstalter halten sogar 10.000
Teilnehmer für möglich. Die Demonstration soll um 12.00 Uhr
im Stadtteil St. Pauli beginnen und dann in die Innenstadt führen.
Die Polizei geht davon aus, dass fast die Hälfte der Demonstranten
zur Gewalt neigt und will mit einem Großaufgebot gegen
Randalierer vorgehen. Dazu wurden zusätzliche Einheiten aus
anderen Bundesländern in der Hansestadt zusammengezogen. Der
Hamburger Polizeipräsident Werner Jantosch hatte von einem sehr
schweren Einsatz gesprochen.
(Quelle: ap)
Offenbar zunehmende Zweifel in Union und SPD an Rente mit 67
Mo.28.05.07 - Die Rente mit 67 wird möglicherweise gar nicht eingeführt.
Bei Union und SPD wachse die Bereitschaft, eine Ausstiegsklausel zu
nutzen, die in letzter Minute in das jüngst verabschiedete Gesetz
eingefügt worden sei, berichtete der "Spiegel". Danach müsse
die Bundesregierung im Jahr 2010 überprüfen, ob es "die
Entwicklung der Arbeitsmarktlage sowie die wirtschaftliche und soziale
Situation älterer Arbeitnehmer" überhaupt zuließen, die
Altersgrenze heraufzusetzen. CSU-Vize Horst Seehofer plädiere
intern dafür, von der Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen, schreibt
das Blatt.
Die Rente mit 67 erlaube nur geringe Beitragssenkungen von weniger als
einem halben Prozentpunkt, habe Seehofer in kleinem Kreis kritisiert.
Dafür lohnten die sozialen Verwerfungen nicht, die der Beschluss
mit sich bringe. Auch in der SPD-Fraktion mehrten sich laut "Spiegel"
die Zweifel. Dort werde nun ein Programm entwickelt, das die Folgen der
Reform mildern soll. Danach würde die Altersteilzeit in einer neuen
Variante fortgeführt, der Gesundheitsschutz Älterer am
Arbeitsplatz verbessert sowie der Zugang zur Erwerbsminderungsrente
erleichtert. Nur wenn die Koalition entsprechende Beschlüsse fasse,
erklären jetzt zahlreiche Sozialdemokraten ihrem Vorsitzenden Kurt
Beck, würden sie dem Vorhaben endgültig zustimmen.
"Wir müssen sicherstellen, dass die Angehörigen
hochbelasteter Industrieberufe nicht wegen der Rente mit 67 zu
Hartz-IV-Empfängern werden", verlangte der SPD-Rentenexperte Anton
Schaaf. Auch Beck habe von Arbeitsminister Franz Müntefering
substantielle Zugeständnisse gefordert. Das im April verabschiedete
Gesetz sieht vor, ab dem Jahr 2012 die Altersgrenze für die Rente
schrittweise heraufzusetzen. 2029 soll sie schließlich bei 67
Jahren liegen
Einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge fordert auch die
saarländische SPD von der Bundesregierung Nachbesserungen bei der
Rentenreform. Für ältere Arbeitnehmer müsse ein
öffentlich geförderter sozialer Arbeitsmarkt geschaffen
werden, heiße es in einem Antrag, den die Landesgruppe auf ihrem
Parteitag am kommenden Wochenende verabschieden will. Auch solle die
Anhebung des Rententeintrittsalters im Jahr 2012 ausgesetzt werden, wenn
die Beschäftigungsquote der über 50-Jährigen zu diesem
Zeitpunkt unter 60 Prozent läge, berichtete das Blatt.
(Quelle: afp)
GfK erwartet Konsumparty
Mo.28.05.07 - Der kräftige Aufschwung und die Aussicht auf steigende Löhne
versetzt die Deutschen zunehmend in Kauflaune.
Das GfK-Konsumklima für Juni kletterte überraschend deutlich
auf 7,3 Punkte von 5,7 im Mai, wie die Gesellschaft für
Konsumforschung (GfK) am Freitag mitteilte. Sie verdoppelte daraufhin
ihre Prognose für das Wachstum des privaten Verbrauchs von 0,5 auf
1,0 Prozent. "Alle Zeichen stehen darauf, dass in Deutschland eine
kleine Konsumparty beginnt, die bis 2008 anhält", sagte
GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst zur Nachrichtenagentur Reuters.
Die 2000 Befragten schätzten die Konjunkturaussichten so
optimistisch ein wie noch nie seit Beginn der Umfrage 1980. Gleichzeitig
schraubten sie ihre Einkommenserwartungen auf ein Sechs-Jahres-Hoch.
Die Kaufbereitschaft nahm zum dritten Mal in Folge zu.
"Die Konjunkturstimmung der Bundesdeutschen eilt momentan von einem
Rekord zum nächsten", hieß es. Grund dafür seien positiv
gestimmte Unternehmen und die stark sinkende Arbeitslosigkeit. Das
Ifo-Geschäftsklima hält sich seit April nahe dem
Wiedervereinigungs-Rekord. Die Zahl der Beschäftigten stieg im
ersten Quartal so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die meisten
Experten sagen deshalb voraus, dass die Wirtschaft bis 2008 ähnlich
kräftig wächst wie im Boomjahr 2006.
Das schürt die Hoffnung der Konsumenten auf spürbar steigende
Einkommen. "Die bislang vorliegenden Tarifabschlüsse bestärken
sie darin", betonte die GfK. So erhalten die Beschäftigten der
Metall- und Elektroindustrie ab Juni 4,1 Prozent mehr Geld plus
Einmalzahlungen. Wegen der guten Konjunktur- und Einkommensaussichten
sind die Verbraucher zunehmend zu größeren Ausgaben bereit.
Die mehrwertsteuerbedingte Schwächephase sei damit
überwunden, schrieben die Forscher. "Folglich werden die
Verbraucher künftig wieder eher bereit und in der Lage sein, ihren
Geldbeutel für den Konsum großzügiger zu öffnen."
Die Einzelhändler bleiben trotz des besseren Konsumklimas
zurückhaltend. "Einen Kaufrausch können wir weit und breit
nicht erkennen", sagte Hubertus Pellengahr vom Branchenverband HDE.
Grund sei die Mehrwertsteuererhöhung. "Ohne sie würde es die
Konsumparty geben." Im ersten Quartal hatte die Zurückhaltung der
Verbraucher den Aufschwung merklich gebremst. Ihre Konsumausgaben lagen
preisbereinigt um 1,4 Prozent unter dem Niveau des Vorquartals.
(Quelle: rtr)
Trotz Aufschwung: Jeder zehnte Erwachsene überschuldet
Mo.28.05.07 - Trotz Konjunkturaufschwungs in Deutschland wächst nach
Experten-Angaben die Zahl der privaten Überschuldungen und
Verbraucherinsolvenzen.
«Jeder zehnte Erwachsene in Deutschland ist inzwischen
überschuldet», sagte Michael Eham als
Geschäftsführer der Schuldnerhilfe Köln in einem
Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «In Haushalte
umgerechnet bedeutet das, dass 3,4 Millionen Haushalte bundesweit nicht
mehr in der Lage sind, ihre Schuldverpflichtungen zu bedienen»,
sagte Eham unter Berufung auf mehrere Studien.
In den «aussichtslosen Fällen» komme es zu
Verbraucher- Insolvenzverfahren, die deutlich zugenommen hätten.
Gibt es mit den Gläubigern keine außergerichtliche Einigung,
so wird im Insolvenzverfahren geklärt, nach welchem Schlüssel
der Schuldner über sechs Jahre seine pfändbaren Werte an die
Gläubiger abzustottern hat. «Bundesweit sind die
Verbraucher-Insolvenzen im letzten Jahr um 34,8 Prozent gestiegen - auf
92 844 Fälle», sagte der Experte. «Man geht davon aus,
dass die durchschnittliche Schuldenhöhe bei 25 000 bis 30 000 Euro
liegt.» Aber auch eine vierstellige Schuldensumme könne etwa
für einen Hartz-IV-Empfänger schon zur unüberwindlichen
Hürde werden.
Die Ursachen für die steigende Verschuldung sind Eham zufolge
vielfältig: «Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen
Jahre ist eindeutig eine gravierende Ursache, und es gibt unstrittig die
so genannten Armutsschuldner, die wegen Arbeitslosigkeit oder sinkenden
Einkommens ins Schleudern geraten.» Bisher noch zu wenig beachtet
werde aber der Wandel im Konsumverhalten. «Die Bedeutung von
Konsum auch für die soziale Anerkennung hat deutlich zugenommen.
Da wird Urlaub gemacht auf Pump oder das neue Auto wird in Raten
gezahlt.»
Zudem fehle vielen Jugendlichen wie auch Erwachsenen die finanzielle
Übersicht. «Ich kann nur raten, im Elternhaus bereits den
Kinder den Umgang mit dem Geld beizubringen.» Auch die Schule sei
gefragt, die jahrgangs- und fächerübergreifend etwa
Zinses-Zins- Berechnung oder die Rolle des Konsums behandeln solle. Es
gebe zu wenig Schuldner-Beratung, nur rund 12 Prozent des Bedarfs
könnten gedeckt werden, betonte Eham. «Meistens finanzieren
die Kommunen die Schuldnerberatungen, und die sind ja selbst völlig
überschuldet.» Auch seien schwarze Schafe unterwegs, die
sich an den einzelnen Finanzmiseren noch bereicherten. «Offenbar
gibt es 400 000 Kunden, die im letzten Jahr auf solche Betrüger
hereingefallen sind.»
Ein auf drei Jahre angelegtes Pilotprojekt in Köln bietet Eham
zufolge erstmals bundesweit per Telefon oder Internet nicht-
kommerzielle Beratung an. «Nach sechs Monaten Schulden-Hotline und
1000 Ratsuchenden habe wir sehr gute Erfahrungen gemacht.» Vor
allem von Menschen mit großen Hemmschwellen und auch Älteren
werde das Angebot oft genutzt. In 58 Prozent der Fälle konnten die
Probleme bereits durch Tipps und Informationen gelöst werden.
(Quelle: dpa)
Projekt der Uni Mainz soll Medienkompetenz der Menschen stärken
Mo.28.05.07 - Die Medienwissenschaftler der Universität Mainz wollen die
Kompetenz der Menschen im Umgang mit neuen Medien stärken. Mit dem
Projekt «Medienintelligenz» des Interdisziplinären
Arbeitskreises (IAK) Medienwissenschaften sollen Medientheorie und
-praxis miteinander verzahnt werden, sagte Projektleiterin Susanne
Marschall am Freitag in Mainz. Man wolle eine kreative
Auseinandersetzung mit neuen Medien wie Internet, Videohandys oder
Videokameras anstoßen.
Unter anderem sind Workshops für so genannte
Bürger-Journalisten - zum Beispiel Blogger oder Leserreporter - und
für Studenten, aber auch in Schulen und anderen
Bildungseinrichtungen vorgesehen. Das Projekt wird vom
Bildungsministerium mit 175 500 Euro unterstützt.
Laut Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) soll das neue Projekt die
Menschen darin schulen, mit traditionellen und neuen Medien «mit
Verstand und Klugheit umzugehen». Man müsse die Chancen und
Möglichkeiten neuer Medien nutzen. Videoplattformen oder Blogs im
Internet würden jedoch auch Gefahren bergen. Hier gelte es
«einen ethisch vertretbaren Umgang mit den aktuellen
Medienströmungen» zu entwickeln. Das Projekt leistet laut
Ahnen einen «aktiven Beitrag zur Medienkompetenz». Das sei
wichtig, weil neue Medien nicht nur im Berufs-, sondern auch im
Privatleben eine immer wichtigere Rolle spielten.
(Quelle: ddp)