Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendfünfundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fünf Briten im Irak entführt. Mindestens 40 Tote bei
Anschlägen in Bagdad
Mi.30.05.07 - Im Irak sind am Dienstag fünf Briten entführt worden. Die
Kidnapper waren als Elitepolizisten verkleidet und verschleppten ihre
Opfer aus dem Finanzministerium in Bagdad. Das Außenministerium
in London bestätigte die Entführung. Zuvor war in
widersprüchlichen Berichten auch die Rede von deutschen Opfern,
aber Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier
bestätigte dies nicht.
Die Kidnapper fuhren nach irakischen Angaben in einem Konvoi von
weißen Geländewagen vor dem Finanzministerium vor, wie sie
häufig von der Polizei benutzt würden. Sie hätten die
Uniform einer Kommandoeinheit der Polizei getragen.
In London trat der Krisenstab der Regierung (COBRA) zusammen; die
Informationslage galt weiterhin als unübersichtlich.
Steinmeier sprach am Rande eines Außenministertreffens in
Hamburg. Zu der Zeit kursierten bereits Berichte des britischen Senders
BBC über die Entführung eines britischen IT-Experten und von
vier Leibwächtern.
Davor hatte allerdings ein irakischer Regierungsbeamter berichtet, drei
Mitarbeiter eines deutschen IT-Unternehmens seien aus einem Büro
des Finanzministeriums in Bagdad verschleppt worden. Ein Beamter des
Ministeriums erklärte dagegen, es seien ein Deutscher und drei
Briten entführt worden. Die in den USA ansässige
IT-Beratungsfirma Bearing Point wiederum bestätigte nach einem
Bericht der «Financial Times Deutschland», dass in Bagdad
einer ihrer Mitarbeiter von seinem Arbeitsplatz verschleppt worden sei.
Zur Staatsangehörigkeit wurden keine Angaben gemacht.
Vom Auswärtigen Amt in Berlin gab es zunächst keine
Bestätigung für diese unterschiedlichen Berichte. Sie
würden geprüft, hieß es. Die Botschaft in Bagdad und
alle relevanten Stellen seien eingeschaltet und um rasche
Aufklärung bemüht. Die Nachforschungen gingen zunächst
weiter.
Bereits drei Mal wurden Deutsche Kidnapping-Opfer im Irak. Am 6.
Februar wurden die 61-jährige Hannelore Krause und ihr Sohn Sinan
in Bagdad verschleppt. Die Kidnapper hatten mit ihrer Ermordung
gedroht, falls die Bundeswehr nicht innerhalb einer inzwischen
verstrichenen Frist aus Afghanistan abgezogen wird. Am 14. März
hatte auch Bundespräsident Horst Köhler in einer
Videobotschaft an die Geiselnehmer appelliert, ihre beiden Opfer
freizulassen. Das Schicksal der beiden ist ungeklärt.
Bei der Explosion von zwei Autobomben in Bagdad sind am Dienstag
mindestens 40 Menschen in den Tod gerissen worden. Der erste Anschlag
richtete sich gegen Passanten auf dem Tajaran-Platz, wo sich zahlreiche
Geschäfte und Bushaltestellen befinden. Dort kamen nach
Polizeiangaben 23 Menschen ums Leben, 68 wurden verletzt.
Der Sprengsatz befand sich in einem abgestellten Kleinbus. Die
Explosion erfasste nach Angaben eines Augenzeugen eine Reihe von
Bussen, die auf dem Platz auf Fahrgäste warteten. Mehr als eine
Stunde später explodierte eine weitere Bombe in einem abgestellten
Auto am Rand einer Geschäftsstraße im westlichen Stadtteil
Amil. Dort kamen nach Polizeiangaben 17 Menschen ums Leben, 55 wurden
verletzt.
Am Montag, dem Memorial Day der USA, kamen mindestens zehn US-Soldaten
im Irak ums Leben. Der Mai ist damit der bislang tödlichste Monat
für die US-Truppen im Irak in diesem Jahr. Nach einer Zählung
der Nachrichtenagentur AB wurden mindestens 112 US-Soldaten
getötet. Am Memorial Day gedenken die Vereinigten Staaten ihrer
Kriegstoten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 30.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundersten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Nahost-Konflikt
UN-Experte fordert Anerkennung von Hamas-Ministern. Olmert und Abbas
wollen sich treffen
Mi.30.05.07 - Für eine erfolgreiche Friedensvereinbarung im Nahen Osten muss das
Nahost-Quartett nach Einschätzung eines Menschenrechtsexperten der
Vereinten Nationen die palästinensische Regierung vollständig
anerkennen. Auch die Minister der radikalislamischen Hamas zu
respektieren sei eine unerlässliche Voraussetzung, sagte John
Dugard am Dienstag in Genf. Die UN, die USA, Russland und die EU
müssten beide Seiten gleich behandeln, forderte Dugard.
Das Nahost-Quartett will nur diejenigen Mitglieder der
palästinensischen Regierung anerkennen, die das Existenzrecht
Israels respektieren und der Gewalt abschwören. Sowohl Israel auch
die Palästinenser hätten in den vergangenen Tagen
Menschenrechte verletzt, erklärte Dugard weiter: Militante
Palästinenser mit dem Abschuss von Raketen auf israelisches
Territorium und Israel mit seiner militärischen Reaktion. Die
Regierung in Jerusalem unterscheide dabei nicht zwischen Kämpfern
und Zivilpersonen und setze übertrieben Gewalt ein, kritisierte
Dugard. Der Südafrikaner hatte den Umgang Israels mit den
Palästinensern im März mit der Apartheid verglichen.
Im Bemühen um eine Eindämmung der blutigen Gewalt im
Gazastreifen wollen sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
und der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert kommende Woche
treffen.
Abbas sagte am Dienstag in Gaza nach einem Treffen mit dem
Präsidenten des Europäischen Parlaments, Hans-Gert
Pöttering, das Gespräch sei für Donnerstag (7. Juni)
vereinbart. Olmerts Sprecherin Miri Eisin bestätigte, es solle
kommende Woche ein Treffen geben, das genaue Datum stehe jedoch noch
nicht fest. Israel zeigte sich jedoch skeptisch über die Chancen
auf eine Waffenruhe.
Israelische Soldaten töteten am Dienstag bei einem Vorstoß
in den Gazastreifen erneut zwei Mitglieder der radikal-islamischen
Hamas. Nach palästinensischen Angaben drangen die Soldaten in den
Morgenstunden in den Süden des Palästinensergebiets vor.
Dabei sei es zu einem Feuergefecht mit bewaffneten Palästinensern
gekommen. Später drangen Soldaten mit zahlreichen Fahrzeugen in
die Stadt Ramallah im Westjordanland vor und töteten bei einer
Verfolgungsjagd ein Mitglied der Truppe «Force 17» von
Abbas.
In einem Dorf bei Dschenin im nördlichen Westjordanland erschossen
israelische Soldaten am Dienstag ebenfalls einen militanten
Palästinenser. Nach palästinensischen Angaben handelt es sich
um ein Mitglied des militärischen Fatah-Arms, der Al-Aksa-Brigaden.
Bei der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes wurden am Dienstag
zwei Mitglieder der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad im
Flüchtlingslager Nusseirat im Gazastreifen getötet. Drei
weitere Menschen erlitten dabei Verletzungen.
Im Westjordanland nahmen israelische Soldaten zuvor einen
palästinensischen Abgeordneten fest. Am späten Montagabend
hatten israelische Kampfflugzeuge ihre Luftangriffe auf
Hamas-Einrichtungen im Gazastreifen fortgesetzt.
Abbas sagte während einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten
des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, er wolle
sich für eine Waffenruhe zwischen Israel und den militanten
palästinensischen Gruppierungen einsetzen. Seit Beginn der
jüngsten Runde der Gewalt vor zwei Wochen sind nach
Krankenhausangaben bei israelischen Militäreinsätzen 50
Palästinenser getötet worden. Zwei Israelis starben bei
palästinensischen Raketenangriffen auf die Grenzstadt Sderot.
Pöttering betonte, Friedensgespräche zwischen Israel und den
Palästinensern müssten die Bildung zweier unabhängiger
Staaten zum Ziel haben, die friedlich Seite an Seite leben. Die
Europäische Union unterstütze jeden, der sich für eine
solche friedliche Lösung einsetze.
Olmerts Sprecherin Eisin erklärte, bei dem Treffen kommende Woche
solle es um Sicherheitsfragen sowie um die angestrebte Bildung eines
eigenständigen Palästinenserstaates gehen. Zu der
Möglichkeit einer Waffenruhe im Gazastreifen und im Westjordanland
äußerte sie sich jedoch skeptisch. Abbas habe im November
vergangenen Jahres bereits eine Waffenruhe mit den militanten
Palästinensergruppen ausgehandelt. «Die Palästinenser
haben sich nicht einen Tag lang daran gehalten», erklärte
sie. Hinsichtlich der Fähigkeiten von Abbas, eine Waffenruhe
durchzusetzen, habe man daher ein «Vertrauensproblem».
US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte bei einer Nahost-Reise
im März eine Serie von Treffen zwischen Olmert und Abbas angeregt.
Die beiden Politiker wollten sich etwa alle zwei Wochen treffen.
Seitdem sind sie jedoch erst einmal am 15. April zusammengekommen.
(Quellen: ap, dpa)
China gegen Verschärfung von Sanktionen gegen Sudan
Mi.30.05.07 - China hat eine Verschärfung der US-Sanktionen gegen den Sudan
wegen des Darfur-Konflikts abgelehnt. Sanktionen seien nicht hilfreich,
um den Konflikt in der westsudanesischen Unruheregion zu lösen,
sagte der chinesische Darfur-Sonderbeauftragte Liu Guijin. Vielmehr
werde dadurch eine Lösung erschwert. China unterhält enge
wirtschaftliche Beziehungen zum Sudan. Peking ist ein wichtiger
Waffenlieferant für Khartum und bezieht mehr als die Hälfte
des sudanesischen Rohöls. US-Präsident George W. Bush wollte
nach Angaben aus dem Weißen Haus am Dienstagnachmittag (MESZ) in
Washington die neuen Sanktionen bekannt geben, die noch am Dienstag in
Kraft treten sollten.
(Quelle: afp)
Nichtregierungsorganisationen: 'Die G-8-Politik ist für Afrika
eine Drohung'
Mi.30.05.07 - Vertreter von Nichtregierungsorganisationen haben die Afrika-Politik
der führenden Industrienationen scharf verurteilt. «Die
G-8-Staaten haben alle ihre Versprechungen gebrochen, substanziell gegen
die Armut und das Massensterben in Afrika zu wirken», sagte
Pedram Shahyar von Attac am Dienstag in Berlin. Dies sei der
größte Skandal der Menschheitsgeschichte. Das müsse den
Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen in Heiligendamm vor
Augen geführt werden.
Shahyar warf der deutschen Regierung vor, sie folge dem Konzept
«Wein in alten Schläuchen», indem sie in Afrika auf
Marktöffnung und Kapitalschutz dringe. Den Industrienationen gehe
es allein um den Zugang zu den Rohstoffen. Die neoliberale
Globalisierung habe in Afrika aber nicht die Armut beseitigt, sondern
nur die Zahl der Millionäre gesteigert.
Jörn Kalinski von Oxfam forderte ein stärkeres Engagement der
acht führenden Industrienationen bei der Förderung
öffentlicher Dienstleistungen in Afrika. «Ungeeignete, von
der Weltbank veranlasste Privatisierungen bei der Wasserversorgung und
Gesundheitsfürsorge haben die Fähigkeit der Regierungen der
armen Länder untergraben, grundlegende soziale Dienstleistungen
bereitzustellen», kritisierte er.
Kalinski verwies auf die Oxfam-Studie «Geld für
Gehälter», die am Donnerstag zum Frühjahrstreffen von
Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Washington
vorgestellt werden soll. Darin wird eine deutlich bessere Ausstattung
der Fachkräfte im Bildungs- und Gesundheitswesen der armen
Länder gefordert.
«Die G-8-Politik ist für Afrika kein Versprechen, sondern
eine Drohung», sagte Alexis Passadakis von der Welthandelskampagne
«Gerechtigkeit jetzt». Mit der festen Absicht der
führenden Industrienationen, die laufende WTO-Runde
abzuschließen, und dem Dringen der EU auf neue
Freihandelsverträge werde eine eigenständige Entwicklung
weiter untergraben. In den vergangenen 20 Jahren habe die
Liberalisierung des Handels den afrikanischen Staaten südlich der
Sahara einen Verlust von 271 Milliarden Dollar gebracht. Das entspreche
der Summe aller Entwicklungshilfeleistungen in diesem Zeitraum.
Shahyar warf Teilen von Medien und Politik vor, den Protest gegen den
G-8-Gipfel bewusst zu kriminalisieren. «Es gibt eine schriftlich
festlegte Vereinbarung, dass es von unserer Seite keine Eskalation der
Gewalt geben wird», sagte der Attac-Vertreter. «Die
Eskalation, die zuletzt zu beobachten war, geht ganz klar von der
Politik und Teilen der Medien aus.» Ziel sei es, die
Globalisierungsgegner einzuschüchtern und die Stimmung zu vergiften.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.attac.de
http://www.oxfam.de
http://www.gerechtigkeit-jetzt.de
Vor G-8-Gipfel keine Annäherung beim Klimaschutz in Sicht
Mi.30.05.07 - Gut eine Woche vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm scheinen die
Verhandlungen über eine gemeinsame Erklärung zum Klimaschutz
festgefahren. Während die deutsche Regierung auf konkrete
Festlegungen dringt, wollen die USA nur allgemein gehaltene Appelle
für mehr Energieeffizienz akzeptieren. "Es gibt unterschiedliche
Ansichten diesseits und jenseits des Atlantiks über die
verbindliche Vereinbarung von konkreten Grenzwerten und Benchmarks",
räumte der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) ein. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) steht
damit vor der Wahl, zentrale Vorschläge der deutschen
G-8-Präsidentschaft für das Abschlussdokument aufzugeben oder
es auf einen Eklat in Heiligendamm ankommen zu lassen.
Nach dem Willen der deutschen Regierung sollten sich die Staats- und
Regierungschefs der G-8-Staaten darauf festlegen, dass die
Erderwärmung zwei Grad nicht überschreiten darf. Zudem sollten
die G-8-Staaten sich verpflichten, die Treibhausgasemissionen bis 2050
um 50 Prozent verglichen mit dem Stand von 1990 zu senken. Die
Energieeffizienz soll demnach bis 2020 um 20 Prozent zunehmen. Erreichen
will die Deutschlands Regierung auch einen Ausbau des
Emissionshandelssystems, das bisher weitgehend auf Europa
beschränkt ist.
Vorbild sind dabei für die deutsche Regierung die klaren Vorgaben
des EU-Gipfels vom März, wenn auch mit Rücksicht auf die
Haltung der USA, Russlands und wichtiger Schwellenländer nur in
abgeschwächter Form. Angesichts des starken Widerstands aus
Washington hat die deutsche Regierung offenbar auch angeboten, auf die
Festschreibung des Zwei-Grad-Ziels zu verzichten und stattdessen einen
breiteren Temperaturkorridor anzugeben. Auch andere vorgeschlagene
Formulierungen sollen vorsichtiger formuliert worden sein.
Die USA lehnen jedoch Zielvorgaben für Erderwärmung,
CO2-Ausstoß und den Ausbau erneuerbarer Energien
grundsätzlich ab. Auch von einem weltweiten Emissionshandel will
die Regierung in Washington nichts wissen. Sie plädiert stattdessen
für einen Aufruf zur Nutzung moderner Technologien, um die
Energieeffizienz zu steigern. Argumentiert wird dabei auf US-Seite
allerdings weniger mit dem Klimaschutz als mit notwendiger
Energiesicherheit und größerer Unabhängigkeit von
Rohstoffimporten. Nicht akzeptieren will die US-Regierung auch einen
Passus, der den Vereinten Nationen eine Schlüsselrolle im Kampf
gegen den Klimawandel zuweisen würde.
Die Kompromissbereitschaft der US-Regierung scheint dabei eng begrenzt
zu sein. In internen Papieren wird in ungewöhnlich harschem Ton auf
"rote Linien" hingewiesen, die Merkel mit ihren Vorschlägen klar
überschreite. Angesichts der Tatsache, dass sich die Regierung von
US-Präsident George W. Bush bis vor kurzem noch grundsätzlich
weigerte, den Klimawandel überhaupt als Problem anzuerkennen, wird
in Washington offensichtlich jeder Hinweis auf Maßnahmen zum
Schutz des Weltklimas bereits als Zugeständnis betrachtet. Gern
wird von US-Seite auch darauf hingewiesen, dass durch den Einsatz
moderner Technik in jüngster Zeit Erfolge beim CO2-Ausstoß
erreicht worden seien, während im vermeintlichen Klima-Musterland
Deutschland die CO2-Emissionen zuletzt sogar wieder anstiegen seien.
In der Forderung nach mehr Energieeffizienz sind sich die Regierungen
in Berlin und Washington denn auch weitgehend einig. Auch Deutschlands
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht in technischen Lösungen
zumindest einen der Schlüssel zur Reduzierung der Treibhausgase.
Gemeinsam setzen Deutschland und die USA offenbar auch auf
Unterstützung für Entwicklungsländer, die bereit sind,
das Abbrennen ihrer Wälder zu stoppen. Allein dies könnte 20
Prozent der weltweiten CO2-Emissionen vermeiden.
Ein völliger Verzicht auf sonstige konkrete Vorgaben wäre
gleichwohl für Merkel eine Niederlage. Schließlich gehen
Deutschland und die Europäer davon aus, dass eine Vorreiterrolle
der Industriestaaten die Voraussetzung dafür ist, Entwicklungs- und
Schwellenländer beim Kampf gegen die Erderwärmung mit ins
Boot zu holen. Letzteres aber ist auch Voraussetzung für einen
Erfolg der UN-Klimakonferenz im Dezember in Bali. Gibt es auch dort
keine Fortschritte, stünde der Kyoto-Prozess aus Sicht vieler
Experten vor dem Scheitern.
(Quelle: afp)
G8-Protest: 'Eine andere Welt ist möglich'
Mi.30.05.07 - Veranstalter der G8-Protestdemonstration «Eine andere Welt ist
möglich» am Samstag in Rostock rechnen weiterhin mit rund 100
000 Teilnehmern. Täglich kämen neue Anmeldungen von Bussen
und Einzelanreisenden, teilten Sprecher unter anderem von Deutschem
Gewerkschaftsbund, dem Rostocker G8-Bündnis, Attac und dem
Entschuldungsbündnis erlassjahr am Dienstag mit. Man rechne mit
einer friedlichen und bunten Veranstaltung mit politischen Appellen,
aber auch mit viel Musik und Kultur. «Es gibt weder von uns noch
von der Polizei eine Gefährdungsprognose», sagte Sabine
Zimpel vom Entschuldungsbündnis am Dienstag im Rostock.
Auf zwei Demonstrationszügen werden die G8-Kritiker durch die
Rostocker Innenstadt in den Stadthafen ziehen. Zu Beginn und Abschluss
gibt es Kundgebungen, auf denen unter anderem der alternative
Nobelpreisträger Walden Bello, Vertreter von Greenpeace und Attac,
von Kirchen und Parteien sprechen werden. In den Pausen und am Abend
sind außerdem Konzerte mit Juli, Wir sind Helden, Madsen und
weiteren Bands aus dem In- und Ausland geplant.
Der Protesttag gegen die Politik der G8-Staaten sei in diesem Jahr so
umfangreich und weit gefächert wie in keinem Jahr zuvor, sagte
Monty Schädel vom Rostocker G8-Bündnis. Erstmals hätten
sich Kritiker aus vielen Organisationen und gesellschaftlichen Bereichen
zusammengefunden. Es sei ein gemeinsames Programm aufgestellt worden,
dass Menschen von «links bis Kirche, von Gewerkschaft bis
Friedensgesellschaften» anspreche. Auch Dörte Harder,
DGB-Koordinatorin der Großdemonstration, unterstrich die
große Solidarität in der Zusammenarbeit der Veranstalter. Es
gehe um die Hauptbotschaft «Eine andere Welt ist
möglich», das mache es vielen Bürgern leicht, sich an
friedlichen Protesten in Rostock zu beteiligen, sagte Harder.
(Quelle: ddp)
Globalisierungsgegner befürchten Kampagne
Mi.30.05.07 - Globalisierungskritische Organisationen haben Teilen von Medien und
Politik vorgeworfen, den Protest gegen den G-8-Gipfel bewusst zu
kriminalisieren. «Es gibt eine schriftlich festlegte Vereinbarung,
dass es von unserer Seite keine Eskalation der Gewalt geben
wird», sagte Pedram Shahyar von Attac am Dienstag in Berlin.
«Die Eskalation, die zuletzt zu beobachten war, geht ganz klar
von der Politik und Teilen der Medien aus.»
Ziel sei es, die Globalisierungsgegner einzuschüchtern und die
Stimmung zu vergiften. Vertreter von Attac, Oxfam und dem Bündnis
«Gerechtigkeit jetzt» bekräftigten, dass ihre
Organisationen auf friedliche Proteste gegen den Gipfel in Heiligendamm
setzen. «Ich hoffe, dass das Thema Gewalt keine Rolle spielen
wird», sagte Jörn Kalinski von Oxfam. Andernfalls bestehe die
Gefahr, dass die zentralen Anliegen der Globalisierungsgegner kein
Gehör fänden, warnte Alexis Passadakis von
«Gerechtigkeit jetzt».
(Quelle: ap)
Vorbeugendes Einsperren von Blockierer rechtswidrig
Mi.30.05.07 - Sechs Jahre nach der vorbeugenden Ingewahrsamnahme des
Anti-Atom-Aktivisten Jochen Stay bei einem Castor-Transport nach
Gorleben hat das Landgericht Lüneburg das Vorgehen der Polizei
für rechtswidrig erklärt. Das Gericht habe ihm Freitag vor
Pfingsten ein Urteil zugestellt, demzufolge die dreitägige
vorbeugende Inhaftierung im März 2001 insgesamt rechtswidrig
gewesen sei, sagte Stay am Dienstag. Der Sprecher der Initiative
«X-tausendmal quer» war 2001 einen Tag vor der Ankunft des
Castor-Transports in der Region festgenommen und drei Tage in Gewahrsam
gehalten worden.
Das Urteil des Landgerichts stelle klar, dass die Teilnahme an
Blockadeaktionen nur eine Ordnungswidrigkeit sei und dass daraus keine
erhebliche Gefährdung der Allgemeinheit resultiere, sagte Stay
weiter. Die Richter hätten auch festgestellt, dass der bloße
Aufenthalt in Demonstrationsverbotszone nicht geeignet sei, «das
Merkmal einer erheblichen Gefährdung der Allgemeinheit zu
bejahen». Das Urteil habe auch Bedeutung für die geplanten
Blockadeaktionen beim G-8-Gipfel in Heiligendamm, betonte Stay. Den
dreitägigen Unterbindungsgewahrsam des Aktivisten im Jahr 2001
hatte die Polizei mit einer erheblichen Gefahr begründet, die von
ihm angeblich ausgehe.
(Quelle: ap)
Gerangel um Milliarden aus Emissionshandel
Mi.30.05.07 - In der Koalition ist ein Gerangel um die künftigen
Milliarden-Einnahmen aus der Versteigerung von Emissionsrechten
ausgebrochen. Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen der
hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel und der Energieexperte der
Union im Bundestag, Joachim Pfeiffer, die neue Einnahme zur Senkung der
Stromsteuer einsetzen, wie die «Financial Times Deutschland»
am Dienstag berichtete. Merkel hatte angedeutet, dass mit den Einnahmen
die Entwicklungshilfe aufgestockt werden könnte.
Der hessische Wirtschaftsminister Rhiel (CDU) erklärte dem Blatt,
der Emissionshandel habe bei den Verbrauchern einen Kollateralschaden
ausgelöst. Denn er habe es den großen Energiekonzernen
ermöglicht, ihren Kunden Kosten für Rechte in Rechnung zu
stellen, die die Unternehmen kostenlos vom Staat erhalten hätten.
«Diese 'windfall profits' wollen wir an die Verbraucher
zurückgeben», sagte Rhiel. Am besten geschehe das über
eine Senkung der Stromsteuer.
Der CDU-Energieexperte Pfeiffer riet davon ab, die neuen Einnahmen im
Bundeshaushalt verschwinden zu lassen. «Das Geld steht nicht dem
Staat zu. Es darf keine Steuererhöhung durch die Hintertür
geben», erklärte Pfeiffer. «Die 'windfall profits'
sollten an die zurückfließen, die abgezockt wurden.»
Windfall profits sind unverhoffte Gewinne, die Unternehmen ohne eigenes
Zutun erzielen.
Kritik an der Stromsteuer-Idee meldeten laut «FTD»
SPD-Umweltpolitiker an. Der SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte:
«Hier wird ein Denkfehler gemacht. Die Monopolstrukturen im
Strommarkt würden dazu führen, dass eine Steuersenkung nicht
bei den Verbrauchern ankommt.»
In den Jahren 2008 bis 2012 rechnen Experten mit bis zu 900 Millionen
Euro Einnahmen jährlich aus der Versteigerung von Emissionsrechten.
Ab 2013 wird dieser Betrag voraussichtlich auf mehrere Milliarden Euro
jährlich steigen.
(Quelle: ap)
Breite Zustimmung zu Rentenversicherungspflicht von Selbstständigen
Mi.30.05.07 - Die Forderung nach einer Rentenversicherungspflicht für
Selbstständige ist in den Koalitionsfraktionen auf Zustimmung
gestoßen. Deutschland würde damit endlich eine
europäische Normalität vollziehen, sagte die stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Elke Ferner, der
«Financial Times Deutschland» (Mittwochausgabe).
Ähnlich äußerte sich der CDU-Rentenpolitiker Peter
Weiß.
Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert
Rische, hatte sich dafür ausgesprochen, Selbstständige zu
einer eigenen Altersvorsorge zu zwingen. Dazu sagte Ferner, die heutige
Trennung zwischen einer Versicherungspflicht für Arbeitnehmer und
der völligen Versorgungsfreiheit Selbstständiger sei in einer
dynamischen Wirtschaft mit Phasen abhängiger und unabhängiger
Beschäftigung nicht mehr zeitgemäß.
Weiß erklärte, das Thema stehe nicht auf der aktuellen
Tagesordnung. Wenn aber immer mehr Menschen zwischen abhängiger
Arbeit und Selbstständigkeit hin und her wechselten, «dann
müssen wir auch für die unstetigen Erwerbsverläufe in
der Alterssicherung eine Lösung finden».
(Quelle: ap)
Mieterbund beklagt Verkauf kommunaler Wohnungen an Investoren
Mi.30.05.07 - Die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds, Anke Fuchs, hat den
Verkauf kommunaler Wohnungen an Investoren scharf kritisiert. Zuletzt
seien eine Million Wohnungen «verscherbelt» worden, mit
denen einkommensschwache Haushalte gefördert werden sollten, sagte
Fuchs zum Auftakt des Mietertags in Stuttgart den «Stuttgarter
Nachrichten» (Mittwochausgabe). Fuchs betonte: «Sie wurden
an internationale Kapitalanleger verkauft wie beim Monopoly. Die
interessiert weder, ob der Wohnraum bezahlbar ist oder wie die
Städte gestaltet sind. Die Kommunen haben eine soziale
Verantwortung, die sie nicht mitverscherbeln sollten.»
Die frühere SPD-Bundesgeschäftsführerin dringt zudem auf
bessere gesetzliche Regelungen zur Klärung der Frage, ab wann
Wohnraum für Arbeitslosengeld-II-Empfänger unangemessen
groß ist. «Wir brauchen Regelungen und konkrete Vorgaben,
wie die Höhe der angemessenen Wohnkosten bestimmt werden kann,
wann Schönheitsreparaturen zu zahlen sind, was mit
Warmwasserkosten ist. Hier könnte eine bundeseinheitliche
Verordnung mehr Rechtssicherheit schaffen.»
Die Mieterbundpräsidentin warnte Vermieter davor, Kosten für
energiesparende Modernisierungen voll an die Mieter weiter zu geben:
«Die Nebenkosten nehmen inzwischen ein Drittel der Mietkosten ein,
weil Heizung und Warmwasser teurer geworden sind. Es gibt
Förderprogramme, so dass sich die Modernisierung nicht voll auf
die Miete niederschlagen muss.» Idealerweise sei die
Modernisierung kostenneutral.
(Quelle: ddp)
Gründung von Akademie der Wissenschaften steht bevor
Mi.30.05.07 - Nach jahrelangem zähem Ringen könnte Deutschland schon bald
eine nationale Akademie der Wissenschaften bekommen. Möglicherweise
falle bereits auf der nächsten Ausschusstagung der
Bund-Länder-Kommission am 21. Juni der Beschluss zur Gründung
einer Deutschen Akademie der Wissenschaften, berichtete die
"tageszeitung". "Die DFG ist zuversichtlich, dass die Wissenschaft der
Politik noch vor der Sommerpause ein abgestimmtes Papier vorlegen kann
und es damit in Kürze zu einem positiven Ergebnis kommen wird",
sagte die Sprecherin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Eva-Maria
Streier.
Eine nationale Akademie soll die deutsche Wissenschaft im Ausland
vertreten - etwa beim European Research Council ERC, der
EU-Fördergelder für exzellente Forschungsprojekte vergibt. Die
deutsche Forschung hofft, durch eine nationale Akademie mehr Geld
einwerben zu können.
(Quelle: afp)