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Irak am tausendsechsundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Suche nach verschleppten Briten in Sadr City - Bagdad verdächtigt
schiitische Miliz der Entführung. Neun Menschen bei Anschlag in
Falludscha getötet
Do.31.05.07 - Auf der Suche nach fünf entführten Briten haben hunderte
irakische und amerikanische Soldaten am Mittwoch das Stadtviertel Sadr
City in Bagdad durchkämmt. Vertreter der britischen Botschaft
standen in ständigem Kontakt mit irakischen Regierungsstellen, um
die Lage zu erörtern, wie das Außenministerium in London
erklärte. Ein irakischer Regierungsbeamter erklärte, hinter
der Entführung werde die schiitische Miliz Mahdi-Armee vermutet.
Die britische Außenministerin Margaret Beckett sagte am Rande
einer Konferenz in Potsdam, ihre Regierung arbeite an der schnellen und
sicheren Rückkehr der Entführten. Die rund 40 Kidnapper hatten
ihre fünf Opfer am Dienstag aus einem Büro des
Finanzministeriums in Bagdad verschleppt. Sie waren nach irakischen
Angaben als Elitepolizisten verkleidet und fuhren in weißen
Geländewagen vor, die häufig von der irakischen Polizei
benutzt werden. Anschließend fuhr die Wagenkolonne nach Angaben
aus dem Innen- und Finanzministerium in Richtung Sadr City davon.
Ein Sprecher der Sicherheitsfirma GardaWorld mit Sitz in Montreal
bestätigte, dass vier Unternehmensmitarbeiter und ein Kunde
entführt worden seien. Ein Sprecher der Beratungsfirma BearingPoint
mit Sitz im US-Staat Virginia sagte, ein Angestellter sei unter den
Entführten - offenbar der von GardaWorld erwähnte Kunde.
Kurz nach der Entführung richteten die irakischen
Streitkräfte nach Angaben von Brigadegeneral Kassim el Mussawi ein
eigenes Bataillon zur Suche nach den Vermissten ein. Er hoffe, dass
diese in den kommenden Tagen mit Hilfe des Geheimdienstes gefunden
würden. Nach Angaben von Bewohnern riegelten Truppen in der Nacht
zum Mittwoch Teile von Sadr City ab und führten Razzien durch. Die
US-Streitkräfte erklärten, fünf Aufständische und
ein mutmaßlicher Anführer einer militanten Zelle seien
festgenommen worden. Sie sollen Waffen aus dem Iran eingeschmuggelt und
Kämpfer zur Ausbildung in den Iran entsandt haben. Eine Verbindung
zu den Entführten wurde in der Erklärung nicht gezogen.
Nach Polizeiangaben wurden bei Gefechten während der Razzia zwei
Zivilpersonen getötet und vier verletzt. Die Opfer hätten auf
dem Dach ihres Hauses geschlafen, um der Hitze zu entkommen.
Ein Anschlag mit Mörsergranaten auf einen
US-Militärstützpunkt in der irakischen Stadt Falludscha
verfehlte am Mittwoch sein Ziel und traf stattdessen ein Wohnviertel.
Dabei kamen nach Polizeiangaben neun Zivilpersonen ums Leben, 15 weitere
wurden verletzt. Einschläge wurden im Gerichtsgebäude und
anderen Häusern des Viertels verzeichnet.
In der Stadt Hamsa südlich von Bagdad wurde der Konvoi eines
Polizeikommandeurs von einer Bombe getroffen. Dabei wurden zwei
Sicherheitskräfte getötet und zwei verletzt, wie aus
Polizeikreisen verlautete. Im schiitischen Viertel Sadr City in Bagdad
schlug ein Anschlag auf eine Polizeipatrouille fehl. Getötet wurde
eine Zivilperson, vier weitere wurden laut Polizei verletzt.
In Kerbela überfielen Bewaffnete drei Soldaten, die eine kurze
Rast eingelegt hatten, und raubten fast 500 Millionen Dinar (293.000
Euro) an Soldzahlungen. Die Soldaten sollten das Geld zu ihrer Einheit
transportieren. Sie wurden nach Militärangaben unter dem Verdacht
der Mittäterschaft festgenommen.
boa, (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 30.05.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundzweiten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.31.05.06 - Bush erfuhr angeblich erst durch die Medien von Vorgängen in
Haditha +++ Bei neuen Anschlägen verlieren im Irak insgesamt 44
Menschen ihr Leben +++ USA verstärken Truppen in irakischer
Unruheprovinz +++ Entführter arabischer Diplomat freigelassen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv8/k0605310.htm#news
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Sieben Tote bei Abschuss eines US-Hubschrauber in Afghanistan
Do.31.05.07 - Beim Abschuss eines US-Hubschraubers im Süden Afghanistans sind am
Mittwoch sieben Soldaten getötet worden, darunter fünf
Amerikaner, wie die NATO mitteilte. Zu dem Angriff auf den Hubschrauber
des Typs CH-47 Chinhook bekannten sich die radikalislamischen Taliban.
Nach ersten Ermittlungen sei die Maschine von Rakete getroffen worden,
sagte ein US-Militärsprecher. Es habe keine Überlebenden
gegeben.
Die NATO teilte mit, bei dem Absturz des Hubschraubers seien sieben
Soldaten der internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF)
getötet worden. Der Vorfall ereignete sich in der Provinz Helmand,
einer Hochburg der Taliban, in der Nähe der Ortschaft Kadschaki.
Dort liegt ein wichtiger Staudamm, an dem es in den vergangenen Monaten
zu heftigen Kämpfen kam.
ISAF-Truppen, die zum Ort des Absturzes eilten, wurden von
Talibankämpfern angegriffen. Die Soldaten forderten daraufhin
Kampfflugzeuge an, um «die feindliche Bedrohung zu
eliminieren», wie die ISAF mitteilte.
Der CH-47 Chinhook gehört zu den schweren Transporthubschraubern.
Er hat zwei Rotoren und kann rund 40 Soldaten transportieren.
Das Elektrizitätswerk am Staudamm von Kadschaki wird derzeit von
den USA repariert. Es soll einmal Kandahar mit Strom versorgen. Die in
der Region stationieren britischen Soldaten, die den Damm schützen
sollen, wurden in jüngster Zeit von den Taliban in heftige
Kämpfe verwickelt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Weltsicherheitsrat stimmt UN-Tribunal zum Hariri-Mord zu.
Nahost-Quartett weitet Friedensaktivitäten aus. Israel
schließt Waffenruhe mit Extremisten aus
Do.31.05.07 - Nach langem Tauziehen hat der Weltsicherheitsrat am Mittwoch in New
York der einseitigen Einrichtung eines UN-Tribunals zum Attentat auf
den früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri zugestimmt.
Die Resolution wurde mit zehn zu null Stimmen bei fünf
Enthaltungen angenommen. Unter den Mitgliedern, die sich enthielten,
waren Russland und China.
Die Schaffung des Tribunals ist bereits grundsätzlich zwischen der
westlich orientierten Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora
und den Vereinten Nationen beschlossen worden. Die Vereinbarung wurde
aber noch nicht vom Parlament in Beirut ratifiziert. Die Resolution
räumt dem Parlament eine Frist bis zum 10. Juni ein, um die
Einrichtung des Tribunals selbst zu beschließen. Sollte dies
nicht geschehen, tritt die Vereinbarung über die Einrichtung eines
international besetzten Gerichts außerhalb des Libanons
automatisch in Kraft.
Für den Selbstmordanschlag im Februar 2005 in Beirut, bei dem
Hariri und 22 weitere Menschen ums Leben kamen, wird vielfach der
syrische Geheimdienst verantwortlich gemacht. Die Regierung in Damaskus
hat alle Vorwürfe einer Beteiligung zurückgewiesen. Unter
internationalem Druck entschloss sich Syrien aber zu einem Abzug seiner
Truppen aus dem Nachbarland. Die Einrichtung eines internationalen
Tribunals zum Hariri-Anschlag hat einen tiefen Konflikt ausgelöst
zwischen der Regierung von Siniora und der Opposition, die von der
prosyrischen Hisbollah angeführt wird.
Das Nahost-Quartett weitet derweil seine Friedensaktivitäten aus.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am
Mittwoch nach einem Treffen des Gremiums in Berlin, im Juni werde sich
das Quartett zusammen mit Vertretern Israels und der Palästinenser
sowie der Arabischen Liga zusammensetzen. Er appellierte an die
Konfliktparteien, die Waffen niederzulegen.
Die Außenminister Russlands und der USA, Sergej Lawrow und
Condoleezza Rice, unterstrichen, dass mit dem Juni-Treffen die
Aktivitäten ausgeweitetet würden, um der Gewalt Einhalt zu
gebieten und den Weg zurück zu Verhandlungen auf der Grundlage des
Friedensplans Roadmap zu ermöglichen. Lawrow sagte, derzeit
verbringe das Quartett den Löwenanteil seiner Arbeit damit, auf
aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Wenn die tägliche Gewalt
nicht eingeschränkt werde, dann verschlimmere dies die Situation
insgesamt.
Rice hob hervor, die Situation habe sich derart verschärft, dass
ein Abwarten auf eine Besserung der Lage nicht mehr möglich sei.
Ebenso wie Steinmeier unterstrich sie, dass niemand anders als Israelis
und Palästinenser den Dialog untereinander führen
könnten.
Das Quartett ist sich nach den Worten Steinmeiers einig, dass die
Spirale von Gewalt und Gegengewalt beendet werden müsse. Die Lage
gebe Anlass zu ernsthafter Sorge.
In einer gemeinsamen Erklärung verlangte das Quartett ein Ende der
Beschießung Israels mit Kassam-Raketen von palästinensischer
Seite aus, die Freilassung des israelischen Soldaten Gilat Shalit sowie
des gekidnappten BBC-Journalisten Alan Johnston und ein Ende der
«Aufrüstung von Hamas und anderen terroristischen Gruppen in
Gaza». Israel wurde aufgefordert, sich mit arabischen Beschwerden
über die Ausweitung von Siedlungen und über illegale
Außenposten von Siedlungen auseinander zu setzen. Dies werde auch
in der Roadmap verlangt.
Ein kurzes Geplänkel zwischen Rice und Lawrow ergab die Frage nach
US-Waffenlieferungen an den Libanon. Lawrow erklärte, die
Lieferstaaten wüssten genau, was zur Destabilisierung der Lage
beitrage. Rice konterte, die Lieferungen auch von französischer
Seite unterstützten die libanesische Armee, damit diese ihrem
Auftrag nachkommen könne, die Grenzen des Libanons zu verteidigen
und in den von der Hisbollah beherrschten Süden vorzudringen. Die
Waffenhilfe diene nicht dazu, von außen etwas anstelle der
libanesischen Institutionen zu erreichen.
Gegen Mittag hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der an dem
Quartett-Treffen teilnahm, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel
aufgesucht und im Zusammenhang mit Nahost von vorsichtigem Optimismus
gesprochen. Es bedürfe aber der gemeinsamen Arbeit der
Staatengemeinschaft mit der arabischen und der israelischen Seite, um
die Vision von zwei nebeneinander in Frieden lebenden Staaten für
Israelis und Palästinenser umzusetzen.
Das als Quartett bezeichnete Gremium, das mit UN-Mandat den
Nahost-Friedensprozess vorantreiben soll, besteht aus USA, EU, UN und
Russland. Es hatte sich zuletzt informell am 4. Mai in Ägypten
getroffen. Merkel hatte auf ihrer dreitägigen Nahost-Reise Anfang
April deutlich gemacht, dass die EU nur jene Mitglieder der
palästinensischen Einheitsregierung aus Hamas und Fatah
stärken werde, die zum Friedensprozess stünden.
Israel hat eine Waffenruhe mit den radikalislamischen Gruppen im
Gazastreifen ausgeschlossen. Israel verhandele nicht mit Terroristen,
hieß es in einer am Mittwoch verbreiteten Stellungnahme aus dem
Büro von Ministerpräsident Ehud Olmert. Die seit zwei Wochen
anhaltende Militäraktion sei relativ erfolgreich gewesen, um die
Raketenangriffe der Palästinenser zu reduzieren. Deshalb werde sie
fortgesetzt.
Der politische Führer der Hamas-Bewegung, Chaled Maschaal, drohte
daraufhin mit Vergeltungsschlägen. Die Palästinenser unter
israelischer Besatzung könnten sich nur mit bescheidenen Mitteln
zur Wehr setzten. Diese aber würden voll eingesetzt, erklärte
Maschaal in Damaskus.
Seit Beginn der jüngsten Gewaltwelle vor rund zwei Wochen sind
schon mehr als 50 Palästinenser bei israelischen Luftangriffen ums
Leben gekommen. Zwei Mitglieder des militärischen Flügels der
Hamas wurden in der Nacht zum Mittwoch im nördlichen Gazastreifen
getötet, wie die Organisation mitteilte. Bei rund 270
Raketenangriffen der Palästinenser wurden zwei Israelis
getötet und rund ein Dutzend verletzt.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas bemüht sich
seit Tagen um eine Waffenruhe in dem Konflikt. Demnach sollen die
extremistischen Gruppen zunächst einen Monat lang keine Raketen
mehr auf Israel abfeuern. In dieser Zeit soll dann ein umfassender
Waffenstillstand unter Einbeziehung des Westjordanlandes vereinbart
werden. Die jüngsten Äußerungen aus Olmerts Büro
schienen diesem Vorhaben jedoch eine Abfuhr zu erteilen. Abbas und
Olmert wollen in der kommenden Woche zu einem Gipfeltreffen
zusammentreffen.
boa, (Quelle: ap)
40 Jahre ergebnislose Suche nach Frieden im Nahen Osten
Seit dem Sechs-Tage-Krieg vor 40 Jahren hat es im Nahen Osten immer
wieder Bemühungen um Frieden gegeben. Zum Erfolg haben sie bis
heute nicht geführt. Dies dokumentiert folgende Chronik der
wichtigsten Entwicklungen seit dem Juni 1967:
5. bis 10. Juni 1967 - Sechs-Tage-Krieg: Israel erobert von
Ägypten die Sinai-Halbinsel und den Gazastreifen, von Jordanien
das Westjordanland einschließlich des Ostteils von Jerusalem und
von Syrien die Golan-Höhen.
6. Oktober 1973 - Jom-Kippur-Krieg: Am jüdischen Feiertag Jom
Kippur starten Ägypten und Syrien einen Überraschungsangriff
Anzeige
auf Israel. Nach äußerst verlustreichen Kämpfen kommt
es am 22./24. Oktober zum Waffenstillstand ohne
Gebietsveränderungen.
19. November 1977 - Der ägyptische Präsident Anwar al Sadat
besucht Israel und leitet damit eine Tauwetterperiode ein.
17. September 1978 - Camp-David-Abkommen: Sadat und der israelische
Ministerpräsident Menachim Begin einigen sich unter US-Vermittlung
auf einen Separatfrieden.
26. März 1979 - Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten
wird unterzeichnet.
6. Oktober 1981 - Sadat wird von einem Islamisten ermordet.
April 1982 - Die letzten israelischen Truppen verlassen die
Sinai-Halbinsel.
Dezember 1987 - Beginn der ersten Intifada, des Aufstands der
Palästinenser in den besetzten Gebieten.
30. Oktober 1991 - Madrider Nahost-Konferenz: Damit wird der
Friedensprozess von Oslo in die Wege geleitet.
13. September 1993 - Unterzeichnung des Autonomie-Abkommens für
den Gazastreifen und Jericho (Oslo I) in Washington. Bei der Zeremonie
im Weißen Haus reichen sich PLO-Chef Jassir Arafat und der
israelische Ministerpräsident Jizchak Rabin die Hand.
26. Oktober 1994 - Der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien
wird unterzeichnet.
28. November 1995 - Unterzeichnung des Abkommens Oslo II. Darin wird
ein Rückzug Israels aus dem größten Teil des
Westjordanlands in mehreren Phasen vereinbart.
4. November 1995 - Rabin wird von einem rechtsextremen jüdischen
Fanatiker ermordet.
25. Juli 2000 - Der Nahost-Gipfel zwischen Arafat und dem israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Barak in Camp David scheitert am Streit
über Jerusalem und das Rückkehrrecht für
palästinensische Flüchtlinge.
28. September 2000 - Besuch des israelischen Oppositionsführers
Ariel Scharon auf dem Jerusalemer Tempelberg. Dies ist Auslöser
für die zweite Intifada.
6. Februar 2001 - Scharon gewinnt die Ministerpräsidentenwahl in
Israel.
3. Dezember 2001 - Arafats Hauptquartier in Gaza wird unter Beschuss
genommen. Der Amtssitz des palästinensischen Präsidenten in
Ramallah wird in der Folgezeit belagert.
September 2002 - «Road Map» des Nahost-Quartetts.
1. Oktober 2003 - Das israelische Kabinett stimmt einem Ausbau des
Grenzwalls zu den palästinensischen Gebieten zu.
11. November 2004 - Arafat stirbt in einem Militärkrankenhaus bei
Paris. Nachfolger wird Mahmud Abbas.
8. Februar 2005 - Abbas und Scharon treffen sich im ägyptischen
Badeort Scharm-el-Scheich und vereinbaren einen Waffenstillstand.
September 2005 - Israel zieht sich aus dem Gazastreifen und vier
Siedlungen des Westjordanlands zurück.
4. Januar 2006 - Scharon erleidet einen Schlaganfall und liegt seitdem
im Koma. Nachfolger wird Ehud Olmert.
25. Januar 2006 - Aus Parlamentswahlen in den Autonomiegebieten geht
die radikalislamische Hamas als Siegerin hervor. Ihre Regierung wird
international boykottiert.
25. Juni 2006 - Radikale Palästinenser aus dem Gazastreifen
entführen den israelischen Soldaten Gilad Schalit. Die Folge ist
eine Militäroffensive Israels.
12. Juli 2006 - Die schiitische Hisbollah-Miliz entführt zwei
israelische Soldaten in den Libanon. Es kommt zum Krieg, der mit einem
Waffenstillstand am 14. August endet. In Israel gilt der Feldzug als
Debakel.
8. Februar 2007 - Nach wochenlangen Gefechten vereinbaren Hamas und
Fatah unter saudischer Vermittlung in Mekka die Bildung einer
Einheitsregierung. Die Kämpfe im Gazastreifen gehen jedoch weiter.
29. März 2007 - Auf dem Gipfel der Arabischen Liga in Riad wird
ein saudischer Friedensplan aus dem Jahre 2002 wiederbelebt, der eine
Anerkennung Israels vorsieht, wenn die 1967 eroberten Gebiete
geräumt werden.
15. Mai 2007 - Nach wiederholtem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen
verstärkt Israel seine Luftangriffe auf das Autonomiegebiet.
5. Juni 2007 - 40. Jahrestag des Sechs-Tage-Kriegs.
Quelle: ap, 31.05.2007
Rückblick auf die Geschichte des israelisch-palästinensischen
Konflikts soll Weg in die Zukunft weisen
«Jeder redet hier nur über Probleme, aber nie über
Lösungen.» Adip Salim, Koordinator am Internationalen
Zentrum für Frieden und Kooperation (IPCC) in Ost-Jerusalem, ist
überzeugt, dass es so nicht weiter gehen kann. Deshalb beteiligt
er sich an einem deutschen Friedensprojekt, das den Dialog im Nahen
Osten fördern will. «Wir dürfen nicht nur die
Hindernisse sehen, sondern müssen uns der Herausforderung stellen,
sie zu überwinden», betont der Palästinenser, der auch
in der Jugendorganisation der Fatah von Präsident Mahmud Abbas
aktiv ist.
Das Projekt «Land und Identität» wurde vom Bonner
Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) ins Leben gerufen, einer
anerkannten Entsendeorganisation für zivile
Friedensfachkräfte. Angestrebt wird eine Aufarbeitung der
Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts und der
konträren Sichtweise beider Seiten. Kritisch ist hierbei das Jahr
1948. Damals wurde der jüdische Staat gegründet, was für
Israelis alljährlich ein Grund zum Feiern ist. Bei den
Palästinensern indessen gilt dieses Ereignis als
«Nakba», als Katastrophe. Viele von ihnen wurden seinerzeit
aus ihren Wohngebieten vertrieben. Auch ihre Nachkommen leben oft noch
heute in Flüchtlingslagern und können ihr Schicksal nicht
selbst bestimmen.
Auf beiden Seiten haben sich seitdem viele Mythen um die Geschichte
gerankt. In Gesprächen mit Israelis und Palästinensern wird
klar, dass unterschiedliche Bewertungen schnell zu heftigen
Gefühlsausbrüchen führen, die einen Dialog ungemein
erschweren. Ohne eine Aufarbeitung der historischen Fakten scheinen
jedoch auch tiefere Analysen der gegenwärtigen Probleme
unmöglich. Der Weg in eine bessere Zukunft bleibt damit versperrt.
«In der israelischen Gesellschaft, selbst bei den Linken, ist
jede Auseinandersetzung mit der 'Nakba' über Jahre hinweg
beharrlich vermieden worden. Stattdessen hat man die eigene Wahrheit
als die allein gültige hingestellt», sagt Efrat Even-Zur von
Sochrot, was «Erinnert Euch» bedeutet. Die jüdische
Organisation will erreichen, dass Israel seinen Teil der Verantwortung
für das Flüchtlingselend der Palästinenser akzeptiert
und daraus politische Konsequenzen zieht - einschließlich der
Gewährung eines Rückkehrrechts. Ferner werden gleiche Rechte
für alle Menschen auf israelischem Territorium gefordert.
Sochrot aus Tel Aviv und das IPCC aus Ost-Jerusalem sind zwei der
Partnerorganisationen im Projekt «Land und Identität».
Sie vertreten darin die israelische Seite beziehungsweise die
Palästinenser aus den besetzten Gebieten. Ebenfalls beteiligt ist
eine Organisation der israelischen Araber, also der
palästinensischen Minderheit innerhalb Israels, und
schließlich eine Gruppe Exil-Palästinenser aus Jordanien.
Die Gesamtkoordination liegt bei Anne Schober, einer nach Jerusalem
entsandten Friedensfachkraft des forumZFD.
Für das aus EU-Mitteln finanzierte Projekt wählen die
Teilnehmerorganisationen jeweils bis zu 20 gesellschaftlich engagierte
Jugendliche aus, die in Workshops ihre Sicht der Geschichte seit 1948
aufarbeiten sollen. Im Mittelpunkt steht der Streit um Land, das
Israelis und Palästinenser gleichermaßen beanspruchen, weil
sie darin einen Teil ihrer Identität sehen. Die vier Gruppen
arbeiten räumlich isoliert voneinander, da die
Reisebeschränkungen im Nahen Osten häufige Begegnungen
unmöglich machen. Hier kommt der Koordinatorin Schober, die als
Deutsche ungehindert umher reisen kann, eine wichtige
Brückenfunktion für den Meinungsaustausch zu.
Die Ergebnisse der Workshops werden zunächst intern
präsentiert. Erst abschließend sollen sie im kommenden Jahr
auch den anderen Gruppen zugänglich gemacht werden, vermutlich
über das Internet. Zieldatum ist der Monat Mai, in den der 60.
Jahrestag der israelischen Staatsgründung beziehungsweise der
«Nakba» fällt. Für August ist dann ein
gemeinsames Treffen aller Gruppen in Jordanien vorgesehen.
Bis dahin sollen alle Beteiligten gelernt haben, ihre vorgefassten
Meinungen zu hinterfragen und ihre damit verbundenen Emotionen zu
verarbeiten. Dies kann sehr schmerzlich sein, wie Schober betont. Zudem
birgt das geplante Gruppentreffen in Amman viel politische Brisanz in
sich. Selbst auf Versöhnung ausgerichtete Juden und
Palästinenser scheuen sich davor, gemeinsam mit der jeweils
anderen Seite in der Öffentlichkeit aufzutreten. Zu tief sitzt das
gegenseitige Misstrauen, ferner grassiert die Angst vor Repressalien
innerhalb der eigenen Bevölkerungsgruppe.
Gleichwohl ist Adip Salim vom Nutzen des Projekts überzeugt. Die
Aufarbeitung der Geschichte werde den Teilnehmern dabei helfen, sich
über ihre eigene Identität klar zu werden. Diese
aufschlussreiche Erfahrung könnten sie dann an andere weitergeben,
sagt der Palästinenser. Solche kleinen Schritte seien notwendig,
um überhaupt erst einmal eine Kultur des Friedens zu etablieren.
Es seien Schritte von unten, die letztlich eher zur Bewältigung
des Konflikts führen könnten als von oben aufgezwungene
Lösungen.
Efrat Even-Zur hofft, dass über dieses Projekt mehr jüdische
Israelis dazu gebracht werden, die Wurzeln des Nahost-Konflikts zu
verstehen und ihren Teil der Verantwortung dafür zu
übernehmen. Dies könnte einen erweiterten gesellschaftlichen
Dialog und schließlich mutige politische Entscheidungen nach sich
ziehen. Die Chancen für eine gerechte Lösung in der Zukunft
würden sich damit verbessern.
Quelle: ap, 31.05.2007
Mehr zum Thema unter:
http://www.forumZFD.de
http://www.ipcc-jerusalem.org
http://www.nakbainhebrew.org
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Global Peace Index: Norwegen ist das friedlichste Land der Welt
Do.31.05.07 - Norwegen ist einer Studie zufolge das friedlichste Land der Welt - der
Irak rangiert auf dem letzten Platz. Der so genannte Global Peace Index
der Economist Intelligence Unit (EIU) bewertet 121 Länder nach
insgesamt 24 Kriterien, darunter der Zahl der Inhaftierten und der
Militärausgaben. Deutschland rangiert auf Platz zwölf der
Liste. Während die meisten europäischen Staaten in der oberen
Hälfte der Liste auftauchen, kommen die USA erst auf Platz 96,
Russland auf Platz 118 fast ganz am Ende.
Israel liegt einen Platz dahinter auf Rang 119. "Dies ist ein Weckruf
für Politiker auf der ganzen Welt", sagte der der leiter der Studie
eine Woche vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm weiter. Insgesamt zeigt
die Studie, dass kleine, stabile Länder, die Teil eines regionalen
Blocks wie beispielsweise der EU sind, am ehesten als friedlich
einzuschätzen seien. Einkommen und Bildung seien dabei
entscheidende Maßstäbe für die Friedfertigkeit.
Der Index wird von Prominenten wie dem Dalai Lama, Erzbischof Desmond
Tutu, Ex-US-Präsident Jimmy Carter und Königin Nuur von
Jordanien unterstützt. Der Dalai Lama begrüßte die
Veröffentlichung der Liste, die seiner Meinung nach dazu beitragen
kann, dass sich andere Staaten an den entscheidenden Faktoren
orientieren, um den Status ihres Landes zu verbessern. Der erstmals
erstellte Friedensindex soll in den kommenden beiden Jahren jeweils
einmal erscheinen, danach werde über die Häufigkeit
endgültig entschieden.
(Quelle: afp)
Heftiger Streit in der G8 um Kosovo und Raketenabwehr
Do.31.05.07 - Auch eine Woche vor dem Gipfeltreffen in Heiligendamm gibt es zwischen
den G8-Staaten noch heftigen Streit in wichtigen internationalen
Fragen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte nach
einem Treffen am Mittwoch in Potsdam scharf die US-Pläne für
eine Raketenabwehr in Tschechien und Polen.
Er kündigte indirekt ein russisches Veto im UN-Sicherheitsrat an,
falls dort - wie vom Westen gewünscht - über eine
Unabhängigkeit des Kosovo unter internationaler Aufsicht
abgestimmt werden sollte. Die G8-Außenminister drohten dem Iran
mit einer Verschärfung der UN-Sanktionen im Atomstreit.
Afghanistan und Pakistan, deren Außenminister ebenfalls nach
Potsdam gekommen waren, kündigten eine enge Zusammenarbeit im
Kampf gegen die radikalislamischen Taliban an.
Lawrow wies eine Aufforderung des Gastgebers, Deutschlands
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, nach Zustimmung zu
einer Entscheidung über den Status des Kosovo im UN-Sicherheitsrat
zurück. «Dies ist eine Frage, bei der unsere Position
diametral entgegengesetzt ist», sagte Lawrow. «Da sehe ich
keine Chance einer Annäherung.» Russland bestehe darauf,
dass die Einigung über den Status der mehrheitlich von Albanern
bewohnten serbischen Provinz Kosovo von beiden Seiten ausgehandelt und
akzeptiert werde. Darüber könne nicht von der UNO entschieden
werden. «Ich hoffe, das wird nicht nötig sein», sagte
er auf die Frage nach einem Moskauer Veto gegen eine
Kosovo-Entscheidung. «Ich sehe nicht, dass der Sicherheitsrat
eine Entscheidung gegen den Willen einer der Parteien trifft. Das wird
nicht geschehen.»
Steinmeier hatte hingegen gesagt: «Ohne
Sicherheitsratsentscheidung werden wir im westlichen Balkan und im
Kosovo nicht weiterkommen.» Im Kreis der G8-Staaten gebe es
«noch unterschiedliche Auffassungen». Die Suche nach einer
Einigung dürfe aber nicht aufgegeben werden. Steinmeier
plädierte für eine rasche Wiederaufnahme der eingefrorenen
Verhandlungen über eine Annäherung Serbiens an die EU.
Serbien habe Interesse an Europa gezeigt und wolle mit dem
UN-Kriegsverbrechertribunal zusammenarbeiten. «Damit ist auch ein
Zeitpunkt erreicht, wo wir den europäischen Weg für Serbien
glaubwürdig ausarbeiten sollten.»
Die US-Pläne für eine Raketenabwehr wurden von Moskau massiv
abgelehnt. «Das ist eine ganz ernsthafte Bedrohung, weil das
wieder zur Aufrüstung führt», sagte Lawrow. «Die
strategische Stabilität wird untergraben.» Das sei nicht
«lächerlich», sagte Lawrow unter Bezug auf eine
Äußerung von US-Außenministerin Condoleezza Rice, die
die Moskauer Sorgen als «lächerlich» bezeichnet hatte.
Rice sagte, die Raketenabwehr sei gegen Nordkorea und den Iran
gerichtet und keine Bedrohung der strategischen Abschreckungsstrategie
Russlands. Zudem habe Russlands Präsident Wladimir Putin selbst
gesagt, das Abwehrsystem sei gegen neue russische Raketen machtlos und
könne von diesen zerstört werden. Darauf antwortete Lawrow
mit ernster Miene: «Ich hoffe nicht, dass wir beweisen
müssen, dass Condoleezza Recht hat.»
Steinmeier sprach von «freundschaftlich offenen»
Beratungen, die «durchwegs konstruktiv» gewesen seien. Bei
der Bekämpfung des Klimawandels gebe es allerdings
«unterschiedliche Philosophien». Die Europäer seien
eher für feste Zielwerte zur Begrenzung des Ausstoßes von
Treibhausgasen, «andere» seien eher für technologische
Lösungen. Rice sagte: «Es gibt vieles, wo wir einer Meinung
sind.» Allerdings hielten die USA die Atomenergie für ein
gutes Mittel gegen CO2-Emissinen. «Wir sind an Atomenergie
interessiert. Es mag in verschiedenen Ländern verschiedene
Lösungen geben.»
Pakistan und Afghanistan kündigten gemeinsam «die
Bekämpfung aller Formen von Extremismus und Terrorismus» an.
Dies schließe die dazu gehörenden Finanz-, Ausbildungs- und
Ideologiezentren» ein. Dabei werde es ein «gegenseitig
vereinbartes und abgestimmtes Handeln» geben. Die
Außenminister Pakistans und Afghanistans, Khurshid Kasuri und
Rangeen Dadfar Spanta, hatten zeitweilig an dem G8-Treffen
teilgenommen. Kasuri bekräftigte das Interesse seines Landes an
Stabilität in Afghanistan.
Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner kündigte eine
Darfur-Initiative der G8 an. Der politische Druck auf die Regierung in
Khartum müsse erhöht werden, um die Verfolgung der
afrikanischen Bevölkerung in der Westprovinz Darfur zu beenden.
Gleichzeitig solle die humanitärer Hilfe ausgebaut werden.
(Quelle: dpa)
Weiter G8-Differenzen zu Klimawandel
Do.31.05.07 - Die G8-Staaten bleiben bei unterschiedlichen Ansätzen zur
Bekämpfung des Klimawandels und bekennen sich zugleich zur
Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Das machten am Mittwoch
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als
amtierender G8-Präsident sowie seine US-Amtskollegin Condoleezza
Rice in Potsdam deutlich. Es gebe eine Übereinstimmung, dass die
Politik nur 15 Jahre Zeit habe, «damit aus dem Klimawandel keine
Klimakatastrophe wird», sagte Steinmeier. Daher werde weiter um
eine «Annäherung der Positionen» bis zum G8-Gipfel in
der kommenden Woche in Heiligendamm gerungen.
Rice stimmte zu, auch die USA seien sich bewusst, dass man gemeinsam
dem Klimawandel begegnen müsse. «Es besteht allgemein
Einvernehmen darüber, dass die Treibhausgase reduziert werden
müssen», betonte sie. Allerdings gingen die Vereinigten
Staaten einen anderen Weg als Europa, das auf strenge Vorgaben und
Benchmarks setze. Die USA wollten dies über eine Änderung des
Energiemixes mit einer Reduzierung der Abhängigkeit von Erdöl
erreichen. Zudem werde weiter auf die Kernkraft gesetzt, die in Europa
strittig sei.
Das Thema Klimawandel soll in der kommenden Woche eines der
Schwerpunktthemen der Staats- und Regierungschefs der sieben
führenden Industrienationen und Russlands (G8) in Heiligendamm
sein. Um nach den massiven US-Bedenken noch zu einem Ergebnis zu
kommen, will die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im
Vorfeld des Gipfels mit US-Präsident George W. Bush zu einem
bilateralen Gespräch zusammenkommen.
(Quelle: ddp)
Deutschland
Heiligendamm vor G8-Gipfel für Bürger gesperrt
Do.31.05.07 - Eine Woche vor dem G8-Gipfel ist das Ostseebad Heiligendamm zum Schutz
der Staats- und Regierungschefs wie eine Festung abgesperrt worden. Am
Mittwoch wurde der zwölf Kilometer lange und 2,50 Meter hohe Zaun
samt Stacheldraht, Kameras und Bewegungsmeldern geschlossen.
Er soll das Tagungsgelände bis zum 9. Juni von der
Öffentlichkeit abschirmen. Bewohner der Region müssen
teilweise erhebliche Umwege fahren. Nur registrierte Personen
dürfen auf das Gelände - über zwei Kontrollstellen. Etwa
100 Richter stehen während des Gipfels für Verfahren gegen
gewalttätige Störer bereit. Erstmals setzt die Bundeswehr
Ärzte in einem zivilen Krankenhaus ein.
Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte der Deutschen Presse-
Agentur dpa, Regierung und Sicherheitsbehörden beschädigten
das «Ansehen Deutschlands». «Dieser Zaun steht
für die Abschottung dieses Treffens und die Ausgrenzung
demokratischen Protestes». Das Demonstrationsverbot um den
G8-Tagungsort Heiligendamm wird möglicherweise noch das
Bundesverfassungsgericht beschäftigen.
Die Außenminister der G8-Staaten versprachen unterdessen in einer
in Potsdam veröffentlichten Erklärung, sich weltweit für
die Förderung der Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. Diese
gehöre zu den «Kernprinzipien» der Partnerschaft der
sieben wichtigsten Industriestaaten und Russlands. Neben
Menschenrechten und Grundfreiheiten sei die Rechtsstaatlichkeit
«eine Grundvoraussetzung für dauerhaften Frieden, für
Sicherheit und nachhaltige Entwicklung».
Das Demonstrationsverbot rund um Heiligendamm beschäftigte am
Mittwoch das Oberverwaltungsgericht Greifswald. Eine Entscheidung steht
noch aus. Organisatoren eines Sternmarsches wollen erreichen, dass sie
in Sicht- und Hörweite der Regierungschefs protestieren
können. Die Polizei strebt ein flächendeckendes
Demonstrationsverbot an. In erster Instanz erlaubte das
Verwaltungsgericht Schwerin einen für den 7. Juni geplanten
Sternmarsch bis 200 Meter an den Sicherheitszaun. Die Polizei legte
auch Beschwerde ein gegen die Aufhebung des Demonstrationsverbots am
Flughafen Rostock-Laage, weil dieser eine wichtige Rolle für die
Versorgung des G8-Gipfels spiele.
Mit Blick auf eventuelle Verfahren gegen gewalttätige Störer
sagte der Rostocker Landgerichtspräsident Gerhard
Hückstädt der «Ostsee- Zeitung», Randalierer
würden in die Gefangenensammelstellen der Polizei gebracht. Dort
entschieden Richter, ob eine Gewahrsamnahme zulässig ist und wie
lange sie dauert, höchstens jedoch zehn Tage.
Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin bescheinigte der Mehrheit
der Demonstranten friedliche Absichten. Die Masse wolle keinen Krawall,
sagte er dem Fernsehsender N24. Allerdings habe die Debatte über
die Geruchsproben und Postkontrollen «massiv zur
Mobilisierung» von Demonstranten beigetragen. Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der Wochenzeitung «Die
Zeit», friedliche Demonstrationen seien «nicht nur erlaubt,
sondern im Kern auch gewollt». Der ganze Aufwand für den
Gipfel sei nur gerechtfertigt, wenn dort auch etwas herauskomme
für den Weltfrieden, den Klimaschutz und die Afrikahilfe.
Für den G8-Gipfel verstärken seit Mittwoch erstmals in der
Bundeswehr-Geschichte Sanitätssoldaten das Personal in einem
zivilen Krankenhaus. Die Patienten im Kreiskrankenhaus Bad Doberan
würden bis zum 10. Juni von Bundeswehrärzten und zivilen
Mitarbeitern behandelt, teilte der Landkreis mit. Zusätzlich wurde
bei Bad Doberan ein mobiles Krankenhaus der Bundeswehr mit
Operationssälen und einer Intensivstation in Betrieb genommen. So
solle sichergestellt werden, dass auch im Notfall alle Patienten
behandelt werden können.
(Quelle: ddp)
Zugbegleiter sollen Demonstranten gegen G8-Gipfel melden
Do.31.05.07 - Die Deutsche Bahn will der Polizei angeblich während des
G-8-Gipfels in Heiligendamm bei der Überwachung der
Gegendemonstranten helfen. Wie die «Süddeutsche Zeitung
(SZ)» (Donnerstagausgabe) berichtete, sollen die Zugbegleiter
angewiesen worden sein, potenzielle Aktionsgruppen zu melden.
«Da die globalisierungskritische Szene nicht unbedingt als solche
zu identifizieren ist» sei «anlassbezogen eine Vormeldung
von größeren Reisegruppen in Richtung Mecklenburg-Vorpommern
(z.B. Rostock) an interne Stellen vorzunehmen», zitierte die
«SZ» aus einer ihr vorliegenden Weisung an Zugbegleiter.
«Möglichem Gefahrenpotenzial» sei durch
«polizeiliche bzw. betriebliche Maßnahmen frühzeitig
und konsequent entgegenzuwirken», heiße es in der Weisung
weiter.
(Quelle: ap)
Wachsende Skepsis bei Globalisierung
Do.31.05.07 - Bei den Deutschen wächst die Skepsis über die Auswirkungen
der Globalisierung. Bei einer am Mittwoch veröffentlichten
Forsa-Umfrage für den «Stern» gaben zwar 40 Prozent -
unter ihnen vor allem die Jüngeren - an, dass die internationale
Verflechtung der Wirtschaft ihnen mehr Vor- als Nachteile bringe. Mehr
als jeder Dritte (34 Prozent) fürchtet aber, dass die Nachteile
überwiegen. Im Januar 2000 sahen bei einer identischen
«Stern»-Umfrage nur 19 Prozent Nachteile der Globalisierung.
Das gestiegene Misstrauen zeigen auch die Antworten auf die Frage, was
den Deutschen zum Begriff «Globalisierung» einfällt: Im
Januar 2000 verbanden sie damit vor allem angenehme Dinge wie ein
reichhaltigeres Angebot an Waren oder neue Job-Chancen. Inzwischen sagen
zwei von drei Bürgern (67 Prozent), Globalisierung bedeute vor
allem, dass die Kluft zwischen Armen und Reichen größer
werde.
Zwar freuen sich viele über ein umfangreicheres Warenangebot (53
Prozent) und neue Berufsaussichten (46 Prozent), doch gleichzeitig hat
die Angst zugenommen, dass die Globalisierung verstärkt
Ausländer ins Land bringt (45 Prozent, vor sieben Jahren: 33
Prozent) oder einen Abbau von Arbeitsplätzen verursacht (39
Prozent, vor sieben Jahren: 28 Prozent).
Einmütig lehnen die Bundesbürger der Umfrage zufolge die
Übernahme deutscher Unternehmen von ausländischen Konzernen
ab: 81 Prozent meinen, dies sei für Deutschland eher schlecht, nur
neun Prozent können darin etwas Gutes erkennen. Forsa befragte am
23. und 24. Mai 2007 1.005 repräsentativ ausgesuchte
Bundesbürger.
(Quelle: ap)
DGB fordert scharfe Regulierung für Hedge-Fonds
Do.31.05.07 - Der DGB hat vor dem G-8-Gipfel scharfe Regulierungsvorgaben für
Finanzmarktspekulanten und private Beteiligungsgesellschaften gefordert.
"Wir können nicht hinnehmen, dass Hedge-Fonds und
Private-Equity-Firmen praktisch unkontrolliert weltweit agieren
können", sagte DGB-Chef Michael Sommer am Mittwoch in Berlin. "Wir
brauchen Elemente der Regulierung - und zwar sehr konkret." Dass die
Bundesregierung größere Transparenz der Hedge-Fonds zum
Gipfel-Thema gemacht habe, sei ein Erfolg. Allerdings sei eine
Lösung des Problems nächste Woche in Heiligendamm nicht zu
erwarten, es werde wohl bei einer wirkungslosen Selbstverpflichtung
bleiben.
Sommer forderte die Bundesregierung auf, die Sache nach dem G-8-Treffen
national und auf europäischer Ebene weiterzuverfolgen. An die
deutsche Wirtschaft appellierte der Gewerkschafter, mit dem DGB für
eine stärkere Kontrolle dieser Investoren einzutreten, um
Arbeitsplätze zu sichern. Das oft kurzfristig, rein
renditeorientierte Handeln vieler Hedge-Fonds und
Beteiligungsgesellschaften führe häufig zu
Firmenzusammenbrüchen und Stellenverlusten. Ein Viertel der
Unternehmen mit privater Private-Equity-Finanzierung drohe die Pleite.
"Wir wollen 100 Prozent regulieren. Es geht uns darum, die schwarzen
Schafe zu treffen", sagte der Vorsitzende des Deutschen
Gewerkschaftsbundes.
Der DGB schlug etliche Instrumente zur Regulierung vor. So könnten
Kredite an Hedge-Fonds mit Mindestkapitalanforderungen verknüpft
werden. Den Fonds könnten zudem Auskunftspflichten über ihre
Vermögens- und Eigentümerstruktur sowie Geschäftspolitik
abverlangt werden. Die Mehrfachbeleihung von hinterlegten Sicherheiten
könnte unterbunden, Stimmrechte im Falle einer Aktienleihe
ausgesetzt werden. Zudem könnten die Fonds-Erträge höher
besteuert werden. Auch sei der Ausbau des rechtlichen Schutzes von
Firmen vor Übernahmen möglich.
Für die private Beteiligungsbranche denkt der DGB an die
gesetzliche Beschränkung der Kreditfinanzierung von
Firmenkäufen und von kreditfinanzierten Sonderausschüttungen.
Die steuerliche Absetzbarkeit von Fremdfinanzierungskosten könnte
weiter begrenzt werden. Zudem wirbt der DGB für eine
Differenzierung von Aktionärsstimmrechten nach Haltedauer des
Papiers, an goldene Aktien mit Sonderrechten und an Anlagegrenzen
für Pensionsfonds und Versicherungen bei alternativen
Finanzinvestments.
(Quelle: rtr)
Umweltindustrie in Deutschland boomt
Do.31.05.07 - Die Umweltindustrie in Deutschland boomt und hat enorme Bedeutung
für die Gesamtwirtschaft. Dies zeigt eine am Mittwoch in Berlin
vorgestellte Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Demnach
erzielten Umwelttechnologien in Deutschland im Jahr 2005 rund vier
Prozent des gesamten Umsatzes der deutschen Industrie. Bis 2030 sei eine
Vervierfachung des Anteils auf dann 16 Prozent zu erwarten.
Die Befragung von rund 1.500 Unternehmen ergab weiter, dass 40 Prozent
der Firmen ihre Umsätze von 2004 bis 2006 jährlich um
über zehn Prozent steigern konnten. Sie erwarten zudem, dass sich
dieser Aufwärtstrend bis 2009 fortsetzt.
Gegenwärtig hält Deutschland der Studie zufolge je nach
Marktsegment Anteile zwischen fünf und 30 Prozent der weltweiten
Märkte. «Besondere Stärken haben wir bei Technologien
zur umweltfreundlichen Energieerzeugung und Schlüsselverfahren zur
Trennung und Verwertung von Abfall», hieß es. Bei letzteren
halten deutsche Unternehmen mehr als ein Viertel des Weltmarktes.
Innovative Unternehmen, aber auch etablierte Unternehmen in
Boombranchen wie der Solarindustrie erreichen der Befragung zufolge gar
Wachstumsraten von mehr als 50 Prozent pro Jahr.
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wollte am Mittwochmittag den neuen
Umwelttechnologie-Atlas für Deutschland vorstellen.
«GreenTech made in Germany» analysiert und illustriert die
wirtschaftlichen Potenziale der Umwelttechnik.
(Quelle: ap)
Genmaisfeld des Kammerpräsidenten verwüstet
Do.31.05.07 - Ein Genmaisfeld des Präsidenten der niedersächsischen
Landwirtschaftskammer ist von unbekannten Tätern zerstört
worden. Nach Angaben der Kammer wurde auf dem 3.000 Quadratmeter
großen Feld in Bokel im Kreis Cuxhaven für das
Bundessortenamt versuchsweise gentechnisch veränderter Mais
angebaut. Kammerpräsident Fritz Stegen habe dafür eine
Fläche seines Hofes zur Verfügung gestellt, sagte
Kammer-Sprecher Peter Wachter am Mittwoch in Hannover. Nach den
Pfingsttagen habe er entdeckt, dass das Feld zerstört worden sei.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) zeigte
Verständnis für die Täter. «Wer derart provoziert
und sich gegenüber allen Argumenten resistent zeigt, darf sich
nicht wundern, wenn seine gentechnisch veränderten Maispflanzen
platt gemacht werden», sagte ABl-Bundesgeschäftsführer
Georg Janßen. Bauern und Verbraucher hätten in zahlreichen
Gesprächen versucht, den Kammerpräsidenten vom Anbau der
Genmaissorte MON 810 abzubringen.
(Quelle: ap)
Abwanderung: Deutschland verliert an Anziehungskraft
Do.31.05.07 - Die Zuwanderung nach Deutschland hat sich deutlich abgeschwächt.
Das gilt sowohl für Ausländer als auch für
Spätaussiedler. Rund 662 000 Menschen sind 2006 nach Deutschland
gezogen, gleichzeitig haben 639 000 ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt.
Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch berichtete,
zogen zudem zum zweiten Mal mehr Deutsche weg als zu. So verlegten 155
000 Bundesbürger ihren Wohnsitz in andere Länder, vor allem in
die Schweiz, die USA und nach Österreich. Das waren sieben Prozent
mehr als im Vorjahr. 2005 hatte dieser so genannte Wanderungsverlust 17
000 betragen, im vorigen Jahr aber 52 000.
Das Gros der deutschen Abwanderer stammte aus den alten
Bundesländern und Berlin. Die Gründe der Abwanderung erheben
die Statistiker nicht. Bei den Deutschen wird auch nicht unterschieden,
ob es gebürtige Bundesbürger, Spätaussiedler oder
Eingebürgerte sind.
558 000 Ausländer sind 2006 nach Deutschland gezogen, vier Prozent
weniger als im Vorjahr. «Damit setzte sich die seit 2001
anhaltende Tendenz einer rückläufigen Zuwanderung fort.»
Weggezogen sind 484 000 Menschen, etwa so viele wie 2005. Der
Wanderungsüberschuss reduzierte sich damit um 22 Prozent. Mit 103
000 Zuzügen (minus 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr) setzte
sich der rückläufige Trend bei den Spätaussiedlern und
anderen Rückkehrern ebenfalls fort.
Innerhalb Deutschlands waren erneut die alten Länder deutlich
gefragter als die neuen. Diese mussten ein Minus von rund 50 000
Menschen hinnehmen, während die alten Bundesländer zusammen
mit Berlin unterm Strich ein Plus von 73 000 Menschen zählten. Die
Abwanderung von Ost nach West war dabei nahezu konstant. 136 000
Menschen meldeten ihren Wohnsitz in den neuen Ländern ab und in den
alten an. 82 000 gingen den umgekehrten Weg - 6000 weniger als 2005.
Berlin bleibt auf Grund seiner Sonderstellung dabei ausgeklammert.
(Quelle: dpa)
Medien
EU-Kommissar kritisiert niederländische Fernsehshow über
Organspende
Do.31.05.07 - EU-Kommissar Markos Kyprianou hat die geplante niederländische
Reality-TV-Show zum Thema Organspende scharf kritisiert. Er sei
«schockiert über diese Idee» und werde sich die Sendung
nicht anschauen, sagte der EU-Gesundheitskommissar am Mittwoch in
Brüssel. In der für Freitag geplanten Sendung soll eine
todkranke potenzielle Spenderin aus drei Bewerbern den Gewinner ihrer
Niere auswählen. Die Bundesärztekammer in Berlin sprach
empört von einer Show, die mit Menschenverachtung die Quote
steigern solle.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich
Hoppe, sagte, die Sendung sei ein «makaberes Spiel um menschliche
Not», das von einer «moralisch völlig verkommenen
Medienagentur» inszeniert werde. «Wir brauchen dringend
einen europäischen Wertekonsens, der diese unwürdige
Zurschaustellung menschlichen Elends unterbindet,» forderte er.
Der niederländische Sender BNN argumentiert, die Reality-Show
solle ein Schlaglicht auf die prekäre Organspende-Situation in den
Niederlanden werfen. Kyprianou erklärte dazu: «Es handelt
sich um ein sensibles Thema, Aufmerksamkeit dafür sollte man auf
andere Weise wecken.» Kyprianou kündigte einen Aktionsplan
an, um mehr Menschen zu einer Organspende zu bewegen. Zudem könnten
in Krankenhäusern Transplantationskoordinatoren eingesetzt werden,
um die Vermittlung von Organen zu verbessern.
Laut einer von der EU-Kommission veröffentlichten Umfrage sind
zwar 56 Prozent der Europäer bereit, nach ihrem Tod ihre Organe
für die Heilung Schwerstkranker zur Verfügung zu stellen. Nur
zwölf Prozent besitzen aber tatsächlich einen
Organspenderausweis. Auch er selbst habe keinen, räumte
Gesundheitskommissar Kyprianou ein: «Dabei wäre ich bereit zu
spenden. Das illustriert das Problem.» Nach Kommissionsangaben
sterben in Europa täglich zehn Menschen, die auf ein Spenderorgan
warten. Aktuell stünden rund 40.000 Europäer auf der
Warteliste.
Um die Sicherheit von Organtransplantationen zu gewährleisten,
will die EU-Kommission im kommenden Jahr die Einführung EU-weiter
Mindeststandards für die Qualität von Spenderorganen
vorschlagen. Nach ihren Vorstellungen soll auch ein System zur
Rückverfolgbarkeit von Organspenden eingerichtet werden, um
illegalen Handel mit Organen einzudämmen.
(Quelle: ap)