Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendsiebenundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Allein im Mai 2000 Zivilisten im Irak getötet. Zahl der im Irak
seit Kriegsbeginn getöteten US-Soldaten auf knapp 3500 gestiegen.
US-Präsident Bush schickt Top-Beraterin zur Unterstützung nach
Bagdad. US-Verteidigungsminister Gates will langfristige amerikanische
Truppen-Präsenz im Irak
Sa.02.06.07 - Trotz einer im Frühjahr gestarteten Sicherheitsoffensive ist der
Mai im Irak einer der blutigsten Monate seit Jahren gewesen. Bei
Kämpfen und Selbstmordanschlägen kamen fast 2000 Zivilisten um
Leben, wie irakische Behörden mitteilten. Das sind rund 30 Prozent
mehr als im April. Außerdem starben im Mai, dem für die
US-Armee verlustreichsten Monat seit zweieinhalb Jahren, fast 120
US-Soldaten. Die USA wollen ungeachtet dessen einen Teil ihrer
Streitkräfte langfristig im Irak stationiert lassen.
Im Mai wurden 1951 Zivilisten getötet und 2011 verletzt, wie das
irakische Verteidigungsministerium und das Gesundheitsministerium
mitteilten. Im April starben fast 1500 Zivilisten. Außerdem kamen
im Mai 46 irakische Soldaten und 127 Polizisten ums Leben.
Allein in den vergangenen Tagen wurden sechs US-Soldaten getötet,
die meisten von ihnen bei Sprengstoffanschlägen, wie die Armee am
Donnerstag mitgeteilt hatte. Bereits im April dieses Jahres waren 104
US-Armeeangehörige im Irak ums Leben gekommen. Die Zahl der im Irak
getöteten US-Soldaten stieg damit auf knapp 3500.
Verteidigungsminister Robert Gates sagte im US-Bundesstaat Hawaii, ihm
schwebe ein "gegenseitig anerkanntes Abkommen" für eine "lange und
dauerhafte" militärische Präsenz im Irak vor. Beide Parteien
müssten einverstanden seien, und "gewisse Bedingungen" müssten
erfüllt sein. Er denke dabei an das Modell Südkorea, sagte
Gates. Dort sind US-Soldaten seit dem Ende des Korea-Krieges von 1950
bis 1953 stationiert. Die USA haben derzeit rund 147.000 Soldaten im
Irak stationiert. In den nächsten Monaten soll die Zahl auf rund
160.000 aufgestockt werden.
Es sei immer noch geplant, die jüngste Sicherheitsinitiative der
USA im Irak im September zu bewerten, sagte Gates. In der irakischen
Hauptstadt hatten rund 90.000 US-Soldaten und irakische
Sicherheitskräfte Mitte Februar eine Sicherheitsoffensive begonnen.
Unter anderem wurde die Zahl der Soldaten auf den Straßen und
somit die Kontrollen verstärkt. Lediglich im März war die
Zahl der getöteten Zivilsten nach irakischen und US-Angaben
zurückgegangen.
US-Präsident George W. Bush schickt eine seiner engsten
Beraterinnen zur Unterstützung der irakischen Regierung nach
Bagdad. Meghan O'Sullivan, die das Weiße Haus bis vor kurzem in
Sicherheitsfragen zum Irak und zu Afghanistan beraten hatte, solle
US-Botschafter Ryan Crocker unterstützen, kündigte Bush am
Donnerstag (Ortszeit) in Washington an. Dort solle sie in der Botschaft
präsent sein und die irakische Regierung beraten, sagte er nach
einem Besuch des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani. Anfang
April hatte das Weiße Haus noch erklärt, O'Sullivan werde
künftig nicht mehr mit dem Thema Irak beschäftigt sein.
Bei neuen Anschlägen und Angriffen in der irakischen Hauptstadt
Bagdad sind mindestens 14 Menschen getötet worden. Bei
Granatenbeschuss auf einen Markt im Südwesten Bagdads seien
zwölf Menschen ums Leben gekommen und 40 weitere Menschen verletzt
worden, teilte ein Krankenhausarzt mit. Unter den Getöteten seien
auch Kinder, hieß es. Im Norden der Hauptstadt wurden ebenfalls
durch Granatenbeschuss ein Mensch getötet und drei verletzt. Im
Stadtteil Chadra starb Angaben von Sicherheitskräften zufolge ein
Mensch durch einen Bombenanschlag am Rand einer Straße.
Anzeige
Bei einem Sprengstoffanschlag im Norden des Irak sind elf irakische
Soldaten ums Leben gekommen. Wie aus Sicherheitskreisen in der
Provinzhauptstadt Tikrit verlautete, starben die Soldaten, als in der
Ortschaft Al-Scharkat ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen
explodierte. Unter den Toten sei auch der Kommandeur der Einheit,
hieß es.
boa, (Quellen: ap, afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 02.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundvierten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.02.06.06 - US-Soldaten erschießen Schwangere und Mutter mit Baby. Offenbar
Falschaussagen nach mutmaßlichem Massaker in Haditha. BBC strahlt
Video über angeblich weitere Greueltat von US-Soldaten aus.
Frühere US-Außenministerin Albright: Ruf der USA durch
Irak-Krieg 'beschädigt'...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606020.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Nahost-Konflikt
Libanesische Armee geht gegen Islamisten in Flüchtlingslager vor
Sa.02.06.07 - Begleitet von heftigem Artilleriefeuer sind am Freitag zahlreiche
Panzer der libanesischen Streitkräfte auf das palästinensische
Flüchtlingslager Nahr el Bared bei Tripoli vorgerückt. Dort
halten sich seit 13 Tagen Mitglieder der islamisch-fundamentalistischen
Miliz Fatah Islam verschanzt. Am Nordrand des Lagers wurden rund 50
Schützenpanzer und Kampfpanzer in Stellung gebracht. Über dem
Lager stiegen dichte Rauchwolken auf, Brände brachen aus.
Reporter des Fernsehnachrichtendienstes APTN berichteten, die Einheit
bewege sich auf die vorderste Frontlinie des Lagers zu. Nach
Krankenhausangaben wurden zwei Soldaten leicht verletzt. Der
Fernsehsender LBC berichtete später, Soldaten versuchten das
Büro von Fatah Islam im Nordosten des Lagers einzunehmen.
Kabinettsminister Ahmed Fatfat erklärte im Sender Al Arabija,
Soldaten seien unter Beschuss von Heckenschützen geraten und
hätten darauf reagiert. Die Stellungen der Heckenschützen
seien offenbar zerstört worden. Ein an der Aktion beteiligter
Soldat sagte, die Einheit befinde sich im Häuserkampf und
rücke langsam vor.
Der palästinensische Gesandte im Libanon, Abbas Saki,
äußerte nach einem Treffen mit Ministerpräsident Fuad
Siniora die Hoffnung, dass die Miliz zur Kapitulation gebracht werde.
Drei Tage nach Ausbruch schwerer Kämpfe in dem Lager trat am 22.
Mai eine Waffenruhe in Kraft. Dennoch kam es seitdem täglich zu
sporadischen Schießereien. Bisher kamen 60 Milizionäre, 32
Soldaten und mindestens 20 Bewohner des Lagers ums Leben. Mehrere
tausend Palästinenser sind aus dem Lager geflohen.
(Quelle: ap)
UN-Sonderbeauftragter Sachs fordert Aktionsplan für Afrika
Sa.02.06.07 - Der UN-Sonderbeauftragte Jeffrey Sachs hat die G-8-Staaten zur
Einhaltung ihrer Entwicklungshilfezusagen an Afrika aufgefordert. Nach
dem Gipfel 2005 hätten die Industriestaaten angekündigt, die
Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 auf 50 Milliarden Dollar zu
verdoppeln, aber «passiert ist eigentlich nichts»,
kritisierte Sachs in der «Berliner Zeitung». «Zwei
Jahre sind seit den Zusagen verstrichen, doch gibt es noch immer keine
genauen Zeitpläne, wann wie viel Geld fließen wird.»
Kein armes Land wisse, mit welchen Summen es wann und in welcher Form
rechnen könne, kritisierte der Direktor des UN-Millenniumsprojekts
zur Halbierung der weltweiten Armut bis 2015. «In Afrika herrscht
Rätselraten.» Zudem hinkten die G-8-Staaten weit hinter
ihren Zusagen hinterher. Wenn die G-8-Staaten ihre Glaubwürdigkeit
erhalten wollten, müsse das Ziel für Heiligendamm lauten:
«Nicht noch mehr Worte, sondern ein klarer Aktionsplan - ein
Aktionsplan für den Kampf gegen Malaria und Aids, für die
grüne Revolution in Afrika.» Es müssten endlich Zahlen
auf den Tisch, forderte Sachs.
(Quelle: ap)
Arbeitslosigkeit in Euro-Ländern auf niedrigstem Stand seit 1993
Sa.02.06.07 - Die Arbeitslosigkeit in den 13 Ländern der Eurozone ist auf den
niedrigsten Stand seit 14 Jahren gefallen. Wie die
EU-Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Brüssel mitteilte,
sank die Arbeitslosenquote im April um 0,1 Punkte auf 7,1 Prozent. Das
ist der niedrigste Stand seit Beginn der Eurostat-Aufzeichnungen 1993.
Im April des vergangenen Jahres hatte die Quote noch bei 8,0 Prozent
gelegen. Im Schnitt aller 27 EU-Länder fiel die Rate ebenfalls auf
7,1 Prozent. In Deutschland war die Arbeitslosigkeit im Mai nach Angaben
vom Donnerstag auf 9,1 Prozent gesunken und damit auf den niedrigsten
Stand seit fünfeinhalb Jahren.
(Quelle: afp)
Über zwei Drittel der Franzosen für vereinfachten EU-Vertrag
Sa.02.06.07 - Nach ihrer Ablehnung der EU-Verfassung in einer Volksabstimmung vor
zwei Jahren tragen mehr als zwei Drittel der Franzosen den Plan mit, die
Union über einen "vereinfachten Vertrag" zu reformieren. In einer
Umfrage für die Zeitung "Le Figaro" vom Freitag sprachen sich 71
Prozent der Teilnehmer für das entsprechende Projekt des
französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy aus. 26 Prozent
waren "vollkommen" und 45 Prozent "eher" dafür. Abgelehnt wurde
dies von 27 Prozent der Befragten.
(Quelle: afp)
Jeder fünfte junge Europäer für Senkung des Wahlalters
Sa.02.06.07 - Nur jeder fünfte EU-Bürger unter 30 tritt für eine
Senkung des Wahlalters ein. Das geht aus einer Umfrage unter mehr als
19.000 Europäern im Alter von 15 bis 30 Jahren hervor, die die
EU-Kommission am Freitag veröffentlichte. Selbst in der
Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen, deren Angehörige
überwiegend nicht wählen dürfen, forderten nur 32
Prozent der Befragten ein niedrigeres Wahlalter. Eine klare Mehrheit
der Umfrageteilnehmer wünscht aber, stärker in politische
Entscheidungen einbezogen zu werden.
Dazu wollen die jungen Leute zunächst einmal mehr Informationen
haben: 70 Prozent der Befragten sprachen sich für die
Einführung eines Pflichtfachs Bürgerkunde im Unterricht aus.
Unter den deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen lag die
Zustimmung mit 64 Prozent etwas niedriger.
In eine Partei einzutreten, betrachten nur 16 Prozent der Befragten als
sinnvoll - in Deutschland halten dies immerhin 24 Prozent der jungen
Leute für einen guten Weg, sich politisches Gehör zu
verschaffen. Allerdings hatten nur drei Prozent der befragten Deutschen
tatsächlich ein Parteibuch, dieser Anteil liegt in anderen
EU-Staaten deutlich höher.
Dafür sind die deutschen Jugendlichen offenbar besonders
sportbegeistert: 72 Prozent gehören der Umfrage zufolge einem
Sportverein an, mehr als in jedem anderen EU-Land. Auch beim
ehrenamtlichen Engagement liegen sie über dem Durchschnitt, mit
einem Anteil von 21 Prozent aber deutlich hinter dem Spitzenreiter
Slowenien (30 Prozent).
Mit der Europäischen Union verbinden die europäischen
Jugendlichen vor allem Reisefreiheit und die Chance, in ganz Europa
studieren und arbeiten zu können. 40 Prozent stimmten allerdings
auch der Aussage zu, die EU bedeute «eine Menge Bürokratie
sowie Verschwendung von Zeit und Geld». 35 Prozent sehen durch
die EU zudem ihre kulturelle Identität bedroht.
(Quelle: ap)
Todesschüsse bei G8-Gipfel in Genua vor Gericht verhandelt
Sa.02.06.07 - Sechs Jahre nach seinen Todesschüssen auf einen jungen Italiener
bei den Unruhen am Rande des G8-Gipfels in Genua hat der Carabiniere
erstmals vor Gericht ausgesagt. Er sei in seinem Polizeiauto
angegriffen worden und habe Angst bekommen. «Da habe ich meine
Pistole genommen und habe zwei Schüsse in Richtung auf die kaputte
Autoscheibe abgegeben», sagte der Carabiniere vor einem Gericht
in Genua als Zeuge. Bei dem Prozess stehen 25 Globalisierungskritiker
wegen schwerer Sachbeschädigung vor Gericht.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv: G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des
Treffens der G-8 in Genua
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf
körperliche Integrität
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen:
http://www.boa-münchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#top
US-Präsident Bush will Klima-Durchbruch bei G-8-Gipfel in
Heiligendamm
Sa.02.06.07 - US-Präsident George W. Bush hofft nach seiner überraschenden
Kehrtwende in der Klimapolitik auf einen Durchbruch beim G-8-Gipfel in
der kommenden Woche in Heiligendamm. Ihm gehe es «absolut»
um verbindliche Ziele zur Schadstoffreduzierung, an denen aber auch
Boom-Länder wie China und Indien beteiligt werden sollten, sagte
Bush in einem am Freitag veröffentlichten ZDF-Interview. Bush will
in mehreren Konferenzen mit den 15 größten
Schadstoffproduzenten bis Ende kommenden Jahres konkrete Ziele festlegen.
Bushs Initiative wurde weltweit begrüßt. Der britische
Premierminister Tony Blair bezeichnete sie in Pretoria als wichtigen
Fortschritt. Aber «natürlich möchte ich, dass die ganze
Sache noch viel weiter geht», sagte Blair. Die USA hätten
aber erstmals eindeutig bekundet, Teil einer Vereinbarung zu sein.
«Erstmals haben wir die Möglichkeit, ein globales Abkommen
mit den USA in ihm zu erreichen», fügte er hinzu.
Auch die EU sprach von einer wegweisenden Rede Bushs. Sie sei
«extrem wichtig und eine sehr willkommene Neuigkeit» vor
allem im Hinblick auf das G-8-Treffen, sagte EU-Energiekommissar Andris
Piebalgs in Helsinki. «Ich hätte es sehr gerne, wenn die G-8
diesen Schwung nutzt und zu einer Vereinbarung kommt.»
Australien stellte sich hinter Bushs Vorschlag, mit den 15
größten Umweltverschmutzern bis Ende des kommenden Jahres ein
gemeinsames Emissionsziel zu vereinbaren. Deutschlands Bundeskanzlerin
Angela Merkel hatte bereits am Donnerstag die Initiative
begrüßt. Ihr G-8-Beauftragter Bernd Pfaffenbach betonte
aber, Merkel wolle ein neues globales Klimaabkommen
ausschließlich im Rahmen der UN verhandeln.
Der australische Außenminister Alexander Downer sagte, es sei
einfacher, mit einer Kerngruppe Klimaschutzziele auszuarbeiten, die
derzeit für 85 Prozent der weltweiten Schadstoffemissionen
verantwortlich sei. Deren Lösungsvorschlag könnte dann allen
UN-Mitgliedern vorgelegt werden.
Piebalgs verwies darauf, dass Bush in seiner Rede «definitiv eine
völlig neue Herangehensweise der US-Regierung» entworfen
habe. Diesen Schwung müsse man nutzen, um bei der
UN-Klimaschutzkonferenz im Dezember in Bali erfolgreich zu sein und
einen «riesigen Schritt nach vorn» zu machen.
Bush sagte, Merkel sei besorgt gewesen, ob er ein Forum akzeptieren
würde, in dem die Welt nach dem Ablauf des Kyoto-Protokolls 2012
über Klimaschutz diskutieren könne. «Jetzt habe ich
meinen starken Willen bekundet, mit ihr und anderen in solch einem
Rahmen zu arbeiten. Und ich habe vorgeschlagen, dass es ein guter erster
Schritt zum Erfolg wäre, wenn die Hauptschadstoff-Produzenten
zusammen kommen und bis Ende 2008 ein internationales Ziel festlegen.
Das meine ich sehr ernst und daran will ich mitarbeiten»,
erklärte Bush. «Angela sollte stolz darauf sein, die
Staatengemeinschaft auf diesen Weg zu führen.»
(Quelle: ap)
Kritik an Verweigerung der G8-Akkreditierung einzelner Journalisten
Sa.02.06.07 - Aus dem Bundestag kommt scharfe Kritik am Ausschluss von rund 20
Journalisten von der Berichterstattung über den G-8-Gipfel in
Heiligendamm. «Es kann nicht sein, dass man sagt: Der darf und
der darf nicht, aber wir sagen nicht, warum», kommentierte der
stellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagfraktion, Wolfgang
Bosbach (CDU) das umstrittene Vorgehen des Bundespresseamts und des
Bundeskriminalamts. Die Grünen sprachen von einem drastischen
Eingriff in die Grundrechte, die Linkspartei gar von «subtiler
Zensur».
Nach massiver Kritik auch von Medienverbänden kündigte
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitagvormittag an, der
Ausschluss der rund 20 Journalisten werde nochmals überprüft.
Ein erstes Ergebnis gab es wenige Stunden später: Der
zunächst ausgeschlossene «taz»-Redakteur Felix Lee
erhielt vom Bundespresseamt nun doch eine Akkreditierung für den
Tagungsort.
Bosbach sagte dem «Kölner Stadt-Anzeiger» zu dem Fall:
«Kritische Berichterstattung eines Journalisten von einer
etablierten Tageszeitung kann kein temporäres Berufsverbot
rechtfertigen.» Er forderte eine Offenlegung der
Maßstäbe, nach denen Akkreditierungen erteilt
beziehungsweise verweigert werden.
Ähnlich äußerte sich der innenpolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz. Es entstehe «die
kafkaeske und eines Rechtsstaates unwürdige Situation», wenn
Journalisten ohne nachvollziehbare Begründung von der
Berichterstattung ausgeschlossen würden. Allein schwerwiegende
Gründe dürfe das Bundespresseamt berücksichtigen.
Bagatelldelikte oder «Jugendsünden» reichten
keinesfalls aus. «Sonst hätte man Joschka Fischer die
Akkreditierung auch verweigern müssen».
Grund für die erneute Akkreditierung Lees war laut
«taz» ein plötzlicher Sinneswandel des Bundesamts
für Verfassungsschutz. Die Behörde teilte dem Betroffenen
mit, man habe nach nochmaliger Prüfung am Freitag dann doch dem
Presseamt empfohlen, die Akkreditierung zu erteilen. Die
«taz» will nun beim Verfassungsschutz Auskunft beantragen,
welche Daten über ihren Redakteur aus welchen Quellen vorliegen.
Die Verweigerung von Akkreditierungen löste Entrüstung aus.
Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte, der Ausschluss von
globalisierungskritischen Journalisten sei ein weiterer drastischer
Eingriff in die Grundrechte. Die G8-Staats- und Regierungschefs sollten
von den Protesten offensichtlich nichts sehen und nichts hören -
weshalb bereits das Demonstrationsrecht ausgehöhlt worden sei.
Die stellvertretende Parteivorsitzende der Linkspartei.PDS, Katina
Schubert, sagte. «Die Methode ist nicht neu, kritische
Journalisten werden so abgestraft. Man grenzt sie von Informationen
aus, um eine Berichterstattung zu verhindern - eine subtile Form der
Zensur.»
Staatssekretär Wilhelm versicherte hingegen, dass mit den
Entscheidungen keinesfalls kritische Berichterstattung unterdrückt
werden sollte. Sein Amt folge bei der Zulassung oder Nicht-Zulassung in
der Regel einer Empfehlung des Bundeskriminalamts, das sich bei seiner
standardisierten Sicherheitsüberprüfung unter anderem mit dem
Verfassungsschutz abstimme. Welche Informationen den Empfehlungen genau
zu Grunde liegen und welche Maßstäbe dabei gelten, liege im
Ermessen der Sicherheitsbehörden, sagte Wilhelm. Details konnte er
nicht nennen.
Für den G-8-Gipfel hat das Bundespresseamt rund 4.700 Anträge
auf Akkreditierung entgegengenommen.
(Quelle: ap)
Irrsinn statt Sicherheit
Ein paar Dutzend von knapp 5.000 Journalisten dürfen nicht auf den
offiziellen Teil des G-8-Gipfels in Heiligendamm. Weil die deutschen
Sicherheitsbehörden Bedenken haben und angeblich nur so für
die Sicherheit der Politgäste garantieren können. Nun kann man
sagen, auf die paar Leute kommt es auch nicht mehr an. Ausgeschlossen
sind jedoch nicht irgendwelche Journalisten. Es sind, soweit bekannt,
solche, die kritisch über die Sicherheitsbehörden berichtet
haben. Oder aber Kontakt zur Bewegung aufgenommen haben, um die
einzelnen Strömungen zu Wort kommen zu lassen, von Aktionen zu
berichten und so weiter. Klassischer Journalismus also.
Bei diesen Leuten hat nun das Bundeskriminalamt entschieden: Sie
erhalten keinen Zugang zum offiziellen Pressezentrum, geschweige denn zu
den von der Polizeiführung eingerichteten "Sicherheitszonen". Das
ist untragbar. Es widerspricht auch dem Grundgesetz (Artikel 5, dem mit
der Pressefreiheit und dem Satz "Zensur findet nicht statt"). Warum
sollte es besondere Sicherheitsbedenken geben, weil jemand über
Durchsuchungen bei Kritikern oder gar Gegnern des G-8-Gipfels berichtet
hat? Weil jemand jemanden fotografiert oder interviewt, von dem der
Staatsschutz annimmt, dass er etwas gegen den Gipfel oder gar gegen den
Staat hat - ist er deshalb ein Sicherheitsrisiko und darf nicht mehr zu
offiziellen Anlässen mit Politikern? Wenn es nach der deutschen
Polizei und den Geheimdiensten geht: Ja.
Es ist eine weitere Stufe des Sicherheitsirrsinns, der die Republik
erfasst hat. Das geht ja nun nicht erst seit dem G-8-Gipfel so. Ob
organisierte Kriminalität, Terrorismus aus der linken, rechten
sowie islamistischen Ecke oder jetzt der Besuch von bekannten Politikern
in einem Luxushotel am Ostseestrand - beständig werden unter
Vorwänden Grundrechte ausgehöhlt. Was unsere Journalisten
betrifft, werden wir uns vor Gericht gegen ihren Ausschluss wehren. Was
die Bürgerrechte allgemein angeht, muss jeder im Lande selbst
sehen, dass er etwas tut. Denn die Sicherheitsfanatiker gehen sonst
immer weiter; hauptamtlich vom Staat bezahlt als Beamte oder aber als
verantwortliche Politiker. Solange sie gewählt werden.
taz-Kommentar vom 01.06.2007:
http://www.taz.de/dx/2007/06/01/a0074.1/text
|
G-8-Kritiker wollen in Karlsruhe gegen Demo-Verbot klagen
Sa.02.06.07 - Die Veranstalter des geplanten Sternmarsches gegen den G-8-Gipfel in
Heiligendamm wollen vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um ihre
Demonstration doch noch durchzusetzen. Die Klage gegen das vom
Oberverwaltungsgericht bestätigte Verbot werde spätestens am
Sonntag eingereicht, sagte ein Sprecher des Bündnisses. Zuvor hatte
das OVG in Greifswald das Demonstrationsverbot in zweiter Instanz
bestätigt und damit ein teilweise anders lautendes Urteil des
Verwaltungsgerichts Schwerin aufgehoben.
Nach Ansicht des OVG verstößt das umfasssende Verbot nicht
gegen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Den
Globalisierungsgegnern, die am 7. Juni ursprünglich auf sechs
Routen bis in den G8-Gipfel-Tagungsort Heiligendamm marschieren wollten,
sei es zuzumuten, auf einer fünf Kilometer entfernten
Bundesstraße ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.
Die Rechtsanwältin des Bündnisses, Ulrike Donat sprach von
einem "schwarzen Tag für das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit".
Das Gericht habe die Bestätigung des Verbots unter anderem mit der
bloßen Befürchtung begründet, auswärtige
Beziehungen der Bundesregierung zu fremden Staaten könnten durch
Versammlungen belastet und Protestkundgebungen in unmittelbarer
Nähe der Staatsoberhäupter als "unfreundlicher Akt" empfunden
werden. Auch der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz kritisierte
die OVG-Entscheidung als "überdimensioniert". Das letzte Wort werde
daher das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe haben, sagte er der
Netzeitung.
Das OVG in Greifswald beriet unterdessen über ein von der Stadt
für Samstag verhängtes Demonstrationsverbot, von dem ein
Anti-G8-Aufmarsch der NPD sowie drei Gegenveranstaltungen betroffen
sind. Mit einer Entscheidung sei vermutlich am Freitag zu rechnen, sagte
ein Gerichtssprecher. Die Stadt Schwerin hatte das Verbot mit einem
polizeilichen Notstand begründet. Von 3700 Polizisten, die
für die Absicherung der Veranstaltungen mit bis zu 10.000
Teilnehmern benötigt würden, stünden nur 1900 zur
Verfügung.
Das Verwaltungsgericht Schwerin hatte das Verbot der Stadt am
Donnerstag teilweise aufgehoben, die NPD-Demonstration allerdings von
der geplanten Route durch die Innenstadt in ein dünn bewohntes
Industriegebiet am südlichen Stadtrand verlegt. Die Stadt Schwerin
will beim OVG das vollständige Verbot durchsezten, die NPD den
Marsch durch die Innenstadt. Falls sie vor Gericht unterliegt, will die
NPD in Ludwigslust demonstrieren. Eine Genehmigung des zuständigen
Landratsamtes steht noch aus.
(Quelle: afp)
Ex-Verfassungsrichter Mahrenholz: Demonstrationsverbot widerspricht
Rechtsprechung
Sa.02.06.07 - Nach Ansicht des früheren Vize-Präsidenten des
Bundesverfassungsgerichts, Ernst Gottfried Mahrenholz, widerspricht das
Demonstrationsverbot beim G8-Gipfel in Heiligendamm der bisherigen
Rechtsprechung des höchsten deutschen Gerichts. «Das
Verwaltungsgericht Schwerin ist näher an der Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts als das Oberverwaltungsgericht
Greifswald», sagte er dem «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Samstagausgabe).
«Das Bundesfassungsgericht stand seit dem Brokdorf-Urteil auf dem
Standpunkt, dass Demonstranten ein Recht darauf haben, den Ort, an dem
etwas stattfindet, wogegen man demonstriert, auch zu erreichen»,
betonte der Jurist. Das Demonstrationsrecht beziehe sich auf den Ort,
an dem man demonstrieren wolle. Das sei jetzt der G8-Gipfel.
Mahrenholz betonte: «Das Verwaltungsgericht Schwerin ist
liberaler, ohne die Sicherheitsbedenken zu vernachlässigen.»
Das Verwaltungsgericht Schwerin hatte das polizeiliche
Demonstrationsverbot aufgehoben. Das Oberverwaltungsgericht Greifswald
hatte es anschließend für rechtmäßig erklärt.
(Quelle: ddp)
Muslime und Evangelische Kirche wollen Dialog nicht abreißen
lassen
Sa.02.06.07 - Als einen ersten Schritt der Verständigung hat der Sprecher des
Koordinierungsrates der Muslime, Ayyub Axel Köhler, das
Spitzentreffen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
bezeichnet. Köhler sagte am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur,
allerdings sei es in der kurzen Zeit nicht möglich gewesen,
grundsätzliche Fragen zu besprechen. Deshalb habe seine Seite die
Einrichtung einer gemeinsamen Kommission vorgeschlagen.
Der Dialog solle mit guten Taten verbunden werden. Schließlich
sei es Ziel beider Religionen, gesellschaftliche Probleme wie Gewalt,
Armut und Antisemitismus zu bekämpfen.
Muslime und EKD-Vertreter hatten sich am Mittwochabend in Mannheim
getroffen. Köhler sagte, die grundsätzlichen Fragen der EKD an
die Muslime seien nach einem bereits über Jahrzehnte andauernden
Dialog allerdings nicht mehr nachzuvollziehen. Als Beispiel sei das
Verhältnis der Muslime zur Demokratie zu nennen: «Wir
Muslime haben glaubwürdig kundgetan, dass wir fest auf dem Boden
des Grundgesetzes stehen ohne Wenn und Aber.»
Jürgen Schmude, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Islam bei der EKD,
zeigte sich optimistisch über eine weitere Zusammenarbeit der
Vertreter beider Seiten. Zwar sei man nicht über einen Austausch
von Ansichten hinaus gekommen, aber man bleibe im Gespräch, sagte
er dem Sender. Das Gespräch sei sachlich verlaufen, was nach der
grimmig formulierten Stellungnahme der Muslime im Vorfeld ein
Fortschritt sei.
Unsicherheiten gebe es im Gespräch mit den Muslimen, weil es eine
Vielzahl von Gruppen gebe und nicht klar sei, für wie viele Muslime
die Vertreter gesprochen haben. Auch sei nicht immer ganz klar gewesen,
welches ihr letzter Stand zu den kritischen Fragen gewesen sei.
«Man nimmt die Unterschiedlichkeit der muslimischen Seite wahr,
nun kann man daraus nicht einen Block machen und sie alle gleich
behandeln», sagte Schmude. Die Gründung des
Koordinierungsrats der Muslime habe den Dialog erleichtert. «Es
ist positiv, dass sie sich nun um eine gemeinsame Haltung bemühen.
Dass das Bemühen nur langsam Früchte trägt, steht auf
einem anderen Blatt.» Den Vorschlag der Muslime, auch die Juden
Deutschlands in die Gespräche einzubeziehen, lehnte Schmude
zunächst ab. Für eine Veränderung vom Dialog zum Trialog
sei jetzt nicht die Zeit.
Köhler wiederholte seine Kritik am Positionspapier der EKD mit dem
Titel «Klarheit und gute Nachbarschaft». Sie wolle sich
damit auf Kosten der Muslime profilieren und das Papier sei in weiten
Teilen undifferenziert. Das betreffe zum Beispiel die Aussagen zur Ehe
und zum islamischen Recht.
(Quelle: ap)