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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendneunundsechzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Britisches Militär dringt offenbar auf Abzug aus dem Irak.
Ministerpräsident Al-Maliki warnt Türkei vor Einmarsch in den
Nordirak. Acht Tote bei Beschuss eines sunnitischen Viertels in Bagdad.
Besserer Schutz für Journalisten im Irak gefordert
So.03.06.07 - Britische Militärführer wollen den künftigen
Premierminister Gordon Brown einem Zeitungsbericht zufolge auf einen
baldigen Rückzug aus dem Irak festlegen. Sie wollten ihm einen
Zeitplan für einen Truppenabzug binnen zwölf Monaten
unterbreiten, berichtete der «Sunday Telegraph».
Stattdessen sei vorgesehen, dass sich die britischen Streitkräfte
stärker auf den Kampf gegen die Taliban in Afghanistan
konzentrierten.
Großbritannien sei logistisch nicht in der Lage, im Irak und in
Afghanistan gleichzeitig zu kämpfen, zitiert das Blatt einen
Militärbeamten, der ungenannt bleibt. Deshalb sei der Beschluss
gefasst worden, den Einsatz im Irak aufzugeben. Das
Verteidigungsministerium erklärte indessen, es gebe keinen Wandel
in der britischen Politik, und dies betreffe auch das militärische
Engagement im Irak. Ein Abzug werde in Stufen erfolgen, sobald die
Iraker selbst in der Lage seien, für Sicherheit im Lande zu sorgen.
Der irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki hat die Türkei
vor einem militärischen Vorstoß in den Nordirak gewarnt.
Al-Maliki sagte am Samstag bei einem Besuch in der autonomen kurdischen
Region im Nordirak, seine Regierung werde es nicht zulassen, dass das
relativ ruhige Gebiet in eine Kampfzone verwandelt werde.
Die türkischen Streitkräfte haben in den vergangenen Tagen
ihre Truppen an der Grenze massiv verstärkt, mit einem Angriff auf
Rebellen der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im gebirgigen Grenzgebiet
wird gerechnet. Ein PKK-Führer in der Region, Murat Karayilan,
sagte, die Rebellen seien zum Kampf bereit. «Niemand sollte
erwarten, dass wir angesichts eines Angriffs, der uns zerstören
soll, unseren Hals wie Schafe zum Schlachten hinhalten», sagte er
der Nachrichtenagentur Firat.
Militärexperten geben einer türkischen
Militärintervention im nordirakischen Grenzegebiet gegen die
erfahrenen PKK-Kämpfer wenig Erfolgsaussichten. Drei bis fünf
Kilometer vorzurücken würde das Problem in dem
unübersichtlichen Gelände nicht lösen, sagte der
Politikwissenschaftler Nihat Ali Özcan vom Forschungsinstitut
für Wirtschaftspolitik der Türkei. «Es ist nicht
leicht, 3.000 Terroristen in diesem schwierigen Gelände zu finden,
das voll von Gebirgsketten, Höhlen, versteckten Tälern und
Unbekanntem für türkische Soldaten ist.»
Mehrere Explosionen haben in der Nacht zum Sonntag den Umkreis des
Bagdader Stadtviertels Sadr City erschüttert. Der Fernsehsender
Irakija berichtete, US-Kampfflugzeuge hätten Habibija bombardiert,
ein schiitisches Gebiet in unmittelbarer Nähe der Hochburg der
Mahdi-Miliz des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr. Die
Streitkräfte erklärten, sie würden den Berichten
nachgehen.
In der Nacht zuvor kamen acht Zivilpersonen beim Beschuss des
sunnitischen Viertels Fadhil ums Leben. Dort schlugen
Mörsergranaten ein und beschädigten fünf Gebäude.
Unter den Todesopfern waren nach Polizeiangaben mindestens eine Frau
und ein Kind.
Im sunnitischen Viertel Amarija galt weiter ein Ausgehverbot, das
amerikanische und irakische Truppen im Anschluss an heftige Kämpfe
zwischen rivalisierenden Aufständischen und Al Kaida im Irak
verhängt hatten.
Die US-Streitkräfte meldeten den Tod eines weiteren Soldaten, der
am Mittwoch bei der Explosion eines am Straßenrand versteckten
Sprengsatzes ums Leben kam. Damit wurden im Mai mindestens 127
US-Soldaten getötet, es war der dritt-tödlichste Monat
für die amerikanischen Streitkräfte seit Beginn des
Irak-Kriegs im März 2003.
Im vergangenen Monat kamen nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP zudem mindestens 2.155 Iraker bei Gewalttaten ums
Leben. Das war die dritt-höchste Zahl, seit die AP im April 2005
die Statistik der getöteten Zivilpersonen eröffnete.
Bei einem Einsatz der US-Streitkräfte gegen mutmaßliche
Extremisten kamen am Freitagabend drei Kinder im Alter von sieben, neun
und elf Jahren ums Leben. Nach Militärangaben schossen Soldaten
auf drei Männer, die offenbar einen Sprengsatz auf einer
Straße nahe Falludscha deponieren wollten. Ob die Kinder dabei
von Kugeln getroffen wurden oder bei der Explosion des Sprengstoffes
umkamen, blieb unklar.
Angesichts zunehmender Gewalt gegen Journalisten im Irak hat die
Organisation Reporter ohne Grenzen Maßnahmen zum Schutz von
Medienvertretern in dem Land verlangt. Sie forderte die irakische
Regierung zur Schaffung einer Sondereinheit der Polizei auf, die die
Morde an Journalisten untersuchen soll. Zur Unterstützung der
Ermittlungen schlug die in Paris ansässige Organisation ein
Zeugenschutzprogramm vor, an dem sich auch die Nachbarstaaten des Iraks
beteiligen sollten. «Die irakischen Behörden müssen
ihrer Verpflichtung zum Schutz der Journalisten nachkommen»,
erklärte Reporter ohne Grenzen. Seit dem 26. Mai sind im Irak
mindestens fünf Journalisten getötet worden, darunter am
Donnerstag ein Kameramann des Fernsehnachrichtendienstes APTN. Insgesamt
wurden laut Reporter ohne Grenzen seit Beginn des Irak-Kriegs im
März 2003 mehr als 180 Medienvertreter getötet.
boa, (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 03.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundfünften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.03.06.06 - Ministerpräsident Maliki wirft den Amerikanern tägliche
Gewalt gegen Zivilisten vor. US-General ruft Truppen im Irak zu
moralischem Verhalten auf +++ Al Sarkawi schürt Spannungen im Irak +++
Mindestens neun Tote und Dutzende Verletzte bei Anschlägen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606030.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Neuer Taliban-Feldkommandant droht USA mit Vergeltung
So.03.06.07 - Der neue Feldkommandant der afghanischen Taliban hat den USA Vergeltung
angedroht. Auf einer Versammlung im pakistanischen Ort Killi Nalai nahe
der afghanischen Grenze sagte Dadullah Mansur nach Angaben eines
muslimischen Geistlichen vom Samstag, er werde den Kampf seines von
amerikanischen Truppen getöteten Bruders Mullah Dadullah
fortsetzen, «bis die Amerikaner vertrieben sind und Afghanistan
befreit ist».
Der Geistliche Abdul Sattar Chishti sagte, zu der von ihm organisierten
Versammlung seien 12.000 Menschen in den 75 Kilometer westlich von
Quetta gelegenen Ort gekommen. Seine Angaben konnten nicht
unabhängig bestätigt werden.
Dadullah habe Jugendliche aufgefordert, sich dem Heiligen Krieg gegen
die Ungläubigen anzuschließen. Die Menge habe in
Sprechchören Taliban-Chef Mullah Omar und Osama bin Laden gefeiert.
Bei einem Bootsunglück und der Provinz Helmand kamen am Samstag 60
Menschen ums Leben, darunter nach Angaben des Kabuler
Verteidigungsministeriums zahlreiche Taliban. Das Boot sei beim
Überqueren des Flusses Helmand gesunken. Die Provinz ist als
Zentrum des afghanischen Opiumanbaus eine der umkämpftesten
Afghanistans. Seit Monaten finden dort erbitterte Gefechte zwischen
Aufständischen und NATO-Truppen statt.
In der südostafghanischen Provinz Ghasni griffen mutmaßliche
Taliban-Kämpfer das Haus eines Polizeichefs an und töteten
fünf Familienangehörige. Sicherheitskräfte hätten
die Angreifer verfolgt und zehn von ihnen getötet, sagte ein
Sprecher des Kabuler Innenministeriums.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Libanesische Armee startet Offensive gegen Islamisten. Hamas bietet
Israel neue Waffenruhe an
So.03.06.07 - Nach knapp zwei Wochen gehen die Kämpfe zwischen der libanesischen
Armee und Islamisten rund um das palästinensische
Flüchtlingslager Nahr el Bared offenbar in die entscheidende
Phase. Artillerie-Einheiten beschossen am Samstag von Hügeln rund
um die Eingänge des Camps aus Stellungen der islamistischen
Gruppierung Fatah el Islam. Die islamistischen Kämpfer feuerten
mit Raketenwerfern und Maschinengewehren zurück. Mindestens drei
Soldaten wurden getötet. Seine Gruppe werde bis zum "letzten
Blutstropfen" kämpfen, bekräftigte ein Sprecher von Fatah el
Islam.
Die libanesische Armee habe eine wichtige Stellung der Islamistengruppe
zerstört, hieß es in Sicherheitskreisen. Sie bewege sich auf
den nordwestlichen Eingang der Flüchtlingssiedlung zu, wo die
meisten Kämpfer der Fatah el Islam sich verschanzt hätten. In
Militärkreisen hieß es, an dem Einsatz seien rund tausend
Soldaten beteiligt. Die Armee versuche, Heckenschützen von
höhergelegenen Punkten abzuhalten. Es gebe "viele Opfer" unter den
Kämpfern.
Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, ging die Armee mit
rund zwanzig Fahrzeugen auf der Straße in Stellung, die vom
Süden her zu dem Flüchtlingslager führt. Darunter seien
auch Panzer gewesen. Im Norden seien zehn weitere Fahrzeuge aufgezogen,
vor der Küste seien vier Patrouillenboote zu sehen gewesen.
Mehrere libanesische Blätter sahen die Auseinandersetzung kurz vor
der Entscheidung: "Der finale Angriff wird in 48 Stunden beendet sein",
titelte die französischsprachige Tageszeitung "L'Orient Le-Jour".
"Wir haben keine Frist für die Schlacht gesetzt, unsere
Priorität ist, die Zivilisten zu verschonen", sagte ein
Armeesprecher. In einer Erklärung warf die Armee den Islamisten
vor, die Zivilisten im Lager als Schutzschilde zu missbrauchen.
Am Freitag hatten sich beide Seiten die heftigsten Gefechte seit Beginn
der Kämpfe vor knapp zwei Wochen geliefert. Seit Beginn der
Kämpfe starben insgesamt mindestens 94 Menschen. Von den einst
etwa 30.000 Flüchtlingen harren etwa 5000 weiter inmitten des
Kampfgebietes aus. Ein Vertreter der Palästinensischen
Befreiungsorganisation im Libanon, Abbas Sikki, sagte im arabischen
Fernsehsender El Dschasira, die Lage in Nahr el Bared sei verzweifelt.
"Die Leichen verrotten auf der Straße."
Die US-Regierung gab der Regierung in Beirut Rückendeckung
für den Militäreinsatz in dem palästinensischen Lager.
"Die libanesische Regierung tut, was sie tun muss, um eine sehr
gefährliche terroristische Gruppe zu bekämpfen und Gesetz und
Ordnung im ganzen Land wiederherzustellen", sagte ein Sprecher des
US-Außenamtes.
Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas bemüht
sich nach der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen um eine neue
Waffenruhe mit Israel. Über entsprechende Vorschläge
ägyptischer Unterhändler solle bald entschieden werden.
Das sagte Mohammed Nasal, Politbüromitglied der Hamas, am Samstag
der Deutschen Presse-Agentur dpa in Damaskus. Bedingung für ein
Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen sei allerdings, dass auch
Israel auf Gewalt verzichte. Hamas führt die palästinensische
Regierung und stellt den Ministerpräsidenten Ismail Hanija.
Der israelische Rundfunk berichtete, die Hamas habe Israel ein Ende der
Raketenangriffe aus dem Gazastreifen im Gegenzug für die
Einstellung gezielter Tötungen von Hamas-Anführern angeboten.
Der Exilchef der Hamas, Chaled Maschaal, habe diesen Vorschlag in einem
Telefonat mit dem Regierungschef von Katar, Scheich Hamad bin Dschassem
bin Dschabr al-Thani, gemacht. Der katarische Regierungschef habe
seinen israelischen Amtskollegen Ehud Olmert über das
Gespräch mit Maschaal informiert.
Die Hamas habe Angriffe mit Kassam-Raketen bereits vor drei Tagen
eingestellt, hieß es in dem israelischen Bericht. Andere Gruppen
im Gazastreifen feuerten weiter Raketen auf Israel. Seit Mitte Mai
haben militante Palästinenser nach israelischen Angaben mehr als
280 Kassam-Raketen auf das Grenzgebiet Israels zum Gazastreifen
gefeuert.
Die israelische Luftwaffe tötete am Freitagabend ein
führendes Mitglied der militanten Palästinenserorganisation
Islamischer Dschihad. Wie die Organisation und das israelische
Militär sagten, wurde der Mann in der Nähe von Chan Junis im
südlichen Gazastreifen auf seinem Motorrad getroffen. Nach Angaben
einer Sprecherin der israelischen Streitkräfte war der Mann
für mehrere Aktionen gegen israelische Truppen im Gazastreifen
verantwortlich.
boa (Quellen: afp, ap)
USA bieten Russland Teil-Stationierung von Raketenschild an
So.03.06.07 - Washington hat Moskau angeboten, einen Teil des umstrittenen US-Systems
zur Raketenabwehr auch in Russland zu stationieren. Damit könne
sich auch Russland gegen iranische Atomraketen schützen, sagte der
für die US-Raketenabwehr zuständige General Henry Obering dem
"Spiegel". "Ich glaube, dass es außerordentlich sinnvoll
wäre, amerikanische und russische Technologie zu kombinieren",
fügte Obering hinzu. "Wenn wir uns mit Russland zusammentäten
und gemeinsame Abwehrsysteme aufstellten, die im Grunde diese Waffen
unbrauchbar machen würden, wäre das ein perfektes Zielkonzept."
Obering wies den Einwand zurück, die USA seien auf das
Raketen-Abwehrsystem nicht angewiesen, weil sie über eine
ausreichende atomare Abschreckungsfähigkeit verfügten: Es
könne beispielsweise moralisch nicht gerechtfertigt werden,
Atomwaffen gegen das gesamte nordkoreanische Volk einzusetzen, nur weil
sein Führer Kim Jong Il die USA angreife. "Im 21. Jahrhundert muss
man mit Organisationen und Staaten rechnen, die nicht abschreckbar
sind", betonte Obering.
Heftige Kritik an den Plänen Washingtons für den
Raketenschild in Osteuropa übte Russlands Präsident Wladimir
Putin. "Hier soll ein Schutzwall geschaffen werden gegen etwas, das gar
nicht existiert", kritisierte der Staatschef in einem Interview mit dem
Hamburger Nachrichtenmagazin. Wegen der Pläne der US-Regierung
werde Moskau "gezwungen zu reagieren". Durch das Vorgehen der USA werde
"die Möglichkeit zur Entfesselung eines nuklearen Konflikts sogar
größer", warnte Putin. "Die strategische Balance in der Welt
wird gestört".
(Quelle: afp)
Türkische Polizei erhält erweiterte Machtbefugnisse
So.03.06.07 - Das türkische Parlament hat einer Ausweitung der Machtbefugnisse
für die Polizei zugestimmt. In einer offenen Abstimmung ergab sich
am Samstag eine Mehrheit für eine entsprechende Gesetzesvorlage,
die unter Reformern umstritten ist. Sie befürchten, dass damit
Vorkehrungen zum Schutz der Menschenrechte, die mit Blick auf die
angestrebte EU-Mitgliedschaft eingeführt wurden, wieder
rückgängig gemacht werden könnten.
Dem neuen Gesetz zufolge können Polizisten vorsorglich jeden
festnehmen, der der Planung eines Verbrechens verdächtigt wird.
Auch können sie sein Hab und Gut durchsuchen, ohne einen
richterlichen Befehl dafür zu beantragen. Wenn die Polizei meint,
dass dies wegen der Dringlichkeit des vorliegenden Falls zu lange
dauern würde, genügt die Genehmigung seitens der
Kommunalbehörden. Auch wird die Abnahme von Fingerabdrücken
ausgeweitet. Ferner werden die Möglichkeiten der Gewaltanwendung
seitens der Polizei geklärt.
Allerdings dürfen die Beamten nur als letztes Mittel Häuser
stürmen. Dies gilt dem Gesetz zufolge vor allem auch für
Schulen und Studentenwohnheime. Säkulare Abgeordnete kritisierten,
dass die islamisch ausgerichtete Regierungspartei AKP hiermit gezielt
religiöse Einrichtungen vor einer polizeilichen
Überprüfung schützen wolle. Auslöser des neuen
Gesetzes war der jüngste Bombenanschlag in Ankara, bei dem ein
Selbstmordattentäter vor knapp zwei Wochen sechs Menschen mit sich
in den Tod riss.
(Quelle: ap)
Internationale Arbeitsorganisation fordert Arbeitsmarktförderung
von G-8
So.03.06.07 - Der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Juan
Somavia, hat gefordert, die Schaffung von Arbeitsplätzen in den
Mittelpunkt des G-8-Gipfels in Heiligendamm zu stellen. «Nachdem
wir uns jahrzehntelang global auf ein bestimmtes Wachstumsmodell
konzentriert haben, müssen wir nun den gleichen globalen Konsens zu
der Frage finden, wie der Markt genügend anständige Jobs
schaffen kann», wird Somavia in der «Welt am Sonntag»
zitiert.
Der ILO-Chef zeigte sich erfreut, dass bei dem Treffen auch über
die soziale Gestaltung der Globalisierung gesprochen werden solle.
«Die Menschen überall auf der Welt wollen vor allem eines:
Menschenwürdige Arbeit», erklärte er.
Die soziale Dimension der Globalisierung und der menschenwürdigen
Arbeit sei stark mit der internationalen Stabilität verbunden,
sagte der ILO-Chef. «Die Politik verliert an Glaubwürdigkeit.
Das gefährdet die Demokratie.» Somavia forderte die
Regierungen auf, nach globalen Lösungen zu suchen. «Die
Alternative ist, wie wir ja jetzt sehen, ein bisschen Protektionismus
hier, ein bisschen Antidumping dort, von Land zu Land
verschieden», erklärte er. Die Regierungen müssten
ohnehin auf die sozialen Spannungen in ihren Ländern reagieren, die
durch die Globalisierung entstünden. Da sei es attraktiver, sich
im Rahmen der G-8 oder der UN auf gemeinsame Maßnahmen zu einigen.
(Quelle: ap)
Arbeitnehmerflügel der CDU pocht auf Arbeitnehmerrechte -
CDA-Vorsitzender Laumann wertet Hartz-Reformen als 'staatlichen Raub'
So.03.06.07 - Der Arbeitnehmerflügel der CDU macht sich für die
Tarifautonomie und ein Einhalten von Tarifverträgen stark. Der
Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA),
Karl-Josef Laumann, forderte am Samstag bei der CDA-Bundestagung in
Karlsruhe eine «Renaissance der Tarifverträge». Auch
das Thema Mindestlohn und die Folgen der Hartz-Gesetze
beschäftigten die Delegierten. CDU-Generalsekretär Ronald
Pofalla lehnte die SPD-Vorschläge zum Mindestlohn erneut ab. Seine
Partei wolle aber «sittenwidrige Löhne» per Gesetz
verbieten lassen, bekräftigte er.
Der CDU-Politiker Laumann, der Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen
ist, wurde von den Delegierten mit großer Mehrheit als
CDA-Bundesvorsitzender bestätigt. Er erhielt 94,4 Prozent der
Stimmen. In seiner Rede setzte sich Laumann unter anderem für eine
«menschliche Arbeitswelt» ein. «Wir wollen als
Christlich-Soziale in der CDU die Stimme erheben», sagte er. Die
«Arbeitswelt der 70er Jahre» gebe es allerdings nicht mehr,
schränkte er ein.
Heftige Kritik äußerte Laumann an den Auswirkungen der
Hartz-Reformen. Dabei sprach er von «staatlichem Raub». Es
könne nicht sein, dass jemand nach zwölf Monaten
Arbeitslosigkeit alles verliere, was er sich in seinem früheren
Leben aufgebaut habe. Wer gut ausgebildet und über Jahre hinweg
fleißig gewesen sei, dürfe nicht behandelt werden wie
jemand, «der nie gearbeitet hat». Dass dieser
Konstruktionsfehler der Hartz-Gesetzgebung auch nach bald zwei Jahren
der Regierungsbeteiligung der CDU noch nicht behoben sei,
geißelte Laumann auch als «Armutszeugnis» seiner
eigenen Partei.
Auch Pofalla sagte, wer über Jahre hinweg einzahle und dann in Not
gerate, müsse länger als bisher Anspruch auf staatliche
Leistungen geltend machen können. Der CDU-Generalsekretär
signalisierte zugleich die Bereitschaft seiner Partei, die Probleme im
Lohnbereich in Deutschland lösen zu wollen. Die CDU werde
«Lohndumping» nicht akzeptieren. Ein gesetzliches Verbot
von sittenwidrigen Löhnen würde «Klarheit»
bringen. Es dürfe durch den Einsatz ausländischer
Arbeitnehmer nicht zu einem Lohnwettbewerb nach unten kommen.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger (CDU) rief auf der Tagung dazu auf, im Streit um
Mindestlöhne zügig zu einer Lösung zu kommen. Es
müsse verhindert werden, dass die SPD die Debatte «zum
Wahlkampfthema» oder gar zu einer
«never-ending-story» mache.
Schwerpunkt der Tagung war ein Grundsatzpapier über die
Vorstellungen der CDA für eine christlich-soziale Politik. Die
Beratungen sollten am Sonntag fortgeführt werden.
(Quelle: ddp)
Saar-SPD dringt auf Änderungen im Grundsatzprogramm
So.03.06.07 - Im neuen Grundsatzprogramm der SPD soll nach dem Willen des
saarländischen Landesverbands die Nachhaltigkeit neben Freiheit,
Solidarität und Gerechtigkeit als vierter Grundwert verankert
werden. Auf ihrem Landesparteitag beschloss die SPD-Saar am Wochenende
in Saarbrücken eine entsprechende Initiative für den
Bundesparteitag im Oktober.
Der frühere frühere saarländische Ministerpräsident
Reinhard Klimmt, der auch stellvertretender Vorsitzender der
SPD-Grundsatzkommission war, sagte, angesichts der unbegrenzten
Ressourcen- und Energieverschwendung müssten die Sozialdemokraten
die Nachhaltigkeit als unviverselles Prinzip auf allen politischen
Ebenen zum Maßstab ihres Handelns machen. Der von dem Parteitag
mit großer Mehrheit wiedergewählte Landesvorsitzende Heiko
Maas kritisierte die USA als größten Umweltverschmutzer und
bezeichnete sie als «Klimaterroristen». Ihrer Weigerung,
wenigstens Mindeststandards zu akzeptieren, solle der G-8-Gipfel in
Heiligendamm nicht nachgeben.
Weiter unterstrich Maas seine Kritik an der Unternehmenssteuerreform
der Großen Koalition. Statt den Unternehmen fünf Milliarden
Euro zu schenken, sollte das Geld besser in Bildung und Forschung
investiert werden, forderte er.
Der CDU-Landesregierung unter Ministerpräsident Peter Müller
warf Maas vor, für einen «totalen Stillstand»
verantwortlich zu sein. So sei das Saarland inzwischen
bildungspolitisches Schlusslicht in Deutschland. Maas kündigte an,
im Fall eines Regierungswechsels nach der Landtagswahl in zwei Jahren
die gerade eingeführten Studiengebühren wieder abzuschaffen.
Außerdem wolle er Französisch als zweite Fremdsprache neben
dem Englischen aufwerten und bereits ab der ersten Grundschulklasse
unterrichten lassen.
Fast einstimmig unterstütze der Parteitag das Ziel, das Saarland
zum «Silicon Valley der Energietechnik» zu machen. Dazu
gehörten die Förderung von Forschungsinstituten, die
Bündelung von ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen und
der Aufbau eines Modellkraftwerks.
Eine Diskussion über mögliche Koalitionen nach 2009
bezeichnete Maas als verfrüht. Allerdings sei die Linkspartei im
Saarland derzeit weder koalitions- noch regierungsfähig. Dagegen
plädierte der ver.di-Landesvorsitzende Alfred Staudt dafür,
«keine Tür zuzuschlagen» und die strukturelle Mehrheit
links der Mitte arbeitsfähig zu machen.
Bei seiner Wiederwahl erzielte Maas am Freitagabend mit 89,8 Prozent
fast das gleiche Ergebnis wie 2005. Für den 40-jährigen
Juristen stimmten 265 Delegierte, 22 gegen ihn, acht enthielten sich.
Maas steht seit dem Jahr 2000 an der Spitze der SPD-Saar. Stellvertreter
bleiben die Parlamentarische Staatssekretärin im
Bundesumweltministerium, Astrid Klug, der DGB-Landesvorsitzende Eugen
Roth und der Merziger Oberbürgermeister Alfons Lauer. Für die
stellvertretende Bundesvorsitzende Elke Ferner, die nicht mehr
kandidierte, wurde die Saarbrücker Oberbürgermeisterin
Charlotte Britz neu in das Führungsgremium gewählt. Als
Generalsekretär der SPD Saarland bestätigte der Parteitag
Reinhold Jost.
(Quelle: ap)
Schwere Zusammenstöße am Rande der friedlichen G8-Proteste
in Rostock
So.03.06.07 - Der friedliche Protest Zehntausender gegen den G8- Gipfel von
Heiligendamm ist am Samstag in Rostock von schweren Krawallen
gewalttätiger Autonomer überschattet worden. Am Rande einer
Großdemonstration in Rostock griffen Vermummte nach
Polizeiangaben Beamte an und setzten Autos in Brand.
146 Polizisten seien verletzt worden, davon 25 schwer, sagte ein
Polizeisprecher am Abend. Die Organisatoren der Anti-G8-Demonstration
machten gewalttätige Randalierer für die Ausschreitungen
verantwortlich. Der Polizei sei kein Vorwurf zu machen, sagte Manfred
Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative,
am Abend.
Die Polizei ging unter anderem mit Wasserwerfern gegen die
Gewalttäter vor. Nach Augenzeugenberichten gab es auch bei den
Demonstranten Verletzte, genaue Zahlen lagen aber auch am Abend noch
nicht vor. Auch zur Zahl der Festnahmen gab es von der Polizei
zunächst keine Angaben, es seien aber mehrere Festnahmen erfolgt.
Am Abend kam es immer wieder erneut zu Zusammenstößen von
gewalttätigen Randalierern und der Polizei.
Der Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative Manfred
Stenner sagte: «Die Polizei hat sich an ihren deeskalierenden
Kurs gehalten. Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass
die Polizei das jetzt anders sieht.» Man wolle die Randalierer
davon überzeugen, die Polizei nicht weiter anzugreifen.
Die G8- und Globalisierungskritiker waren in zwei Zügen durch das
Rostocker Zentrum zur Abschlusskundgebung am Stadthafen marschiert. Die
Polizei sprach von 25 000 Teilnehmern, die Veranstalter von rund 80
000. Organisatoren und Behörden hatten vorher mit bis zu 100 000
Teilnehmern gerechnet.
Laut Polizei verlief einer der beiden Züge absolut friedlich. Im
zweiten Zug kam es bereits kurz nach dem Start zu ersten
Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Autonomen und der Polizei.
Ein Block schwarz-vermummter Demonstranten habe sich aus dem Zug
gelöst und mit Steinwürfen und Fahnenstangen gezielt Beamte
angegriffen, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei habe daraufhin
«starke Kräfte» gegen die militanten Demonstranten
eingesetzt.
Am Nachmittag schien sich die Lage zunächst wieder zu beruhigen.
Während am Stadthafen die mehrstündige Abschlussveranstaltung
lief, zog sich die Polizei in Seitenstraßen zurück. Kurz
darauf kam es jedoch zu neuen Zusammenstößen zwischen
gewalttätigen Demonstranten und Ordnungskräften, als
Polizeihundertschaften mit mehreren Wasserwerfern auf das Gelände
vorrückten und viele der tausende Demonstranten von dem Platz
flüchteten. Augenzeugen berichteten von dutzenden Festnahmen. An
Sanitätswagen bildeten sich lange Schlangen von Demonstranten, die
meisten litten unter den Folgen von Tränengas.
Die Veranstalter gingen nach Angaben von Stenner von etwa 300 bis 600
gewalttätigen Randalierern aus. «Wir werden hart daran
arbeiten müssen, den entstandenen Schaden zu reparieren.»
Werner Rätz von der globalisierungskritischen Organisation Attac
nannte als Ursprung der Krawalle den Angriff auf einen Polizeiwagen auf
dem Platz der Kundgebung. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz
Caffier (CDU) verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen scharf.
Die Demonstration richtete sich gegen das Gipfeltreffen der Staats- und
Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und
Russlands (G8) in der kommenden Woche in Heiligendamm. Die
stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, sagte bei
der Abschlusskundgebung, die Politik der G8-Staaten habe die Probleme
der Welt wie Klimawandel und Hunger in Afrika verschärft.
In Schwerin setzte die Polizei unterdessen am Samstag mit 2500 Beamten
das Versammlungsverbot gegen die NPD und das Antifaschistische
Bündnis durch. Rund 150 Angehörige der «gewaltbereiten
Szene» in Hamburg seien am Bahnhof in Gewahrsam genommen worden.
Die «Hardliner» unter ihnen hätten weggetragen werden
müssen, sagte ein Polizeisprecher. Es gab auch einige Festnahmen.
Die NPD, die mit 2000 Anhängern in Schwerin gegen den G8- Gipfel
demonstrieren wollte, reagierte auf das verhängte
Versammlungsverbot mit spontanen Protestaktionen in mehreren
Städten.
(Quelle: dpa)
Mit Rap, Punk und Trommeln für 'eine andere Welt'
Gelassen stand Monty Schädel morgens vor dem Zelt am Stadthafen in
Rostock. "Läuft doch prima", sagte der Organisations-Chef der
Großdemonstration der Globalisierungskritiker voller Zuversicht.
Es kamen Demonstranten mit dem Sonderzug aus der Schweiz und mit dem
Bus aus Dortmund. Aus Berlin, Hamburg und Schwerin waren sie angereist.
Mit Rap, Punk und Trommelwirbeln protestierten Zehntausende friedlich
für mehr Entwicklungshilfe, stärkeren Klimaschutz und
Menschenrechte. Einige Stunden später - nach Steinwürfen,
Reizgas- und Wasserwerfer-Einsatz - sah Monty Schädel
äußerst angespannt aus: "Wenn hier Polizisten in tausende
Menschen reingehen, kann das nur als Provokation gewertet werden." Die
Ausschreitungen eskalierten.
Dabei war der Protest vorher bunt und friedlich: Mit Puppen, Clowns und
Transparenten zogen die Globalisierungskritiker durch die Straßen
und demonstrierten gegen die ihrer Meinung nach falsche Politik der
G-8-Staaten, deren Staatschefs sich in der nächsten Woche im nahen
Heiligendamm zum Gipfel treffen. Und als der Block der "Linken" vorbei
kam, skandierten zwei Kubaner am Straßenrand auch einmal "Es lebe
die internationale Solidarität". Eine Gruppe trug riesige Puppen
von Angela Merkel und Georg W. Bush eingesperrt hinterm
Stacheldrahtzaun mit. Eine andere aus Dänemark zog rotgewandete
"Kings of G8" mit Zepter und Apfel auf Handwagen hinter sich her -
eingerahmt von Skulpturen abgemagerter Menschen. Andere spielten
symbolisch Poker, wobei die G-8-Oberen einen Afrikaner förmlich
über den Tisch zogen.
Nur wenige Rostocker standen an den Fenstern und beobachteten das
Treiben. Viele hatten ihre Wagen in die Tiefgarage gefahren oder hatten
die Stadt für das Wochenende verlassen. Ladenbesitzer sicherten
aus Angst vor Auschreitungen die Schaufenster mit Spanplatten. Christel
Erler sah dafür keinen Grund. "Für Rostock ist das toll",
sagte sie begeistert, als der Zug vorüber zog. Ganz anders als
früher sei diese Demo, "bunter und natürlich mit besseren
Zielen".
Die Sicherheitskräfte hielten sich zunächst zurück.
Keine Vorkontrollen an den Einfallstraßen verzögerten die
Fahrt in die Stadt. Nur an wenigen brisanten Stellen zeigte sich die
eine oder andere Hundertschaft. Keine Polizeiketten trennten den
Protestzug von den Schaulustigen. Dann aber flogen am zentralen
Kundgebungsplatz Steine und Flaschen, übersäten die
Straße. Vermummte Autonome griffen die Polizei an. Krankenwagen
fuhren vor. Minutenlang erstickte der Lärm eines über dem
Gelände kreisenden Hubschraubers die Musik von der Bühne -
bis sich die Lage beruhigte.
Das Gerücht von in den "Schwarzen Block" eingeschleusten
Provokateuren der Polizei machte schnell die Runde. Werner Rätz,
Attac-Aktivist und Mitorganisator, versuchte die Gemüter zu
beruhigen und forderte die Demonstranten auf, offenbar eingekesselte
Polizisten auch abziehen zu lassen. Der Zwischenfall habe den
friedlichen Charakter der Demonstration nicht geändert, beschwor
er die Menge.
Als Rätz und der philippinische Menschenrechtler Walter Bello ihre
Reden auf der Abschlusskundgebung hielten, leerte sich der Platz
längst. In den Seitenstraßen rannten Polizeitrupps und
schwarz gekleidete Autonome hinter einander her. Es flogen erneut
Steine, Autos brannten, Barrikaden wurden errichtet, Wasserwerfer
fuhren vor, die Lage eskalierte. Mehr als 150 Polizisten und eine
unbekannte Zahl von Demonstranten waren schon verletzt, wie ein
Sprecher der Einsatzzentrale am Abend sagte. Außerdem schien es,
als ob keineswegs alle NPD-Anhänger abgehalten worden waren, zu
der Großdemonstration zu kommen. Rostocks Demo-Organisator Monty
Schädel war zu diesem Zeitpunkt das Lachen vergangen.
Reportage: afp, Samstag 2. Juni 2007, 18:28 Uhr
Videoplattform G-8-TV: Alternative Nachrichten rund ums Gipfeltreffen
in Heiligendamm
Ein anderes Fernsehen ist möglich - Seit Ende Mai bietet die
Videoplattform G-8-TV alternative Nachrichten rund ums Gipfeltreffen in
Heiligendamm...Mehr unter
http://www.taz.de/dx/2007/05/19/a0237.1/text
http://g8-tv.org
Blick ins Archiv: G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des
Treffens der G-8 in Genua.
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf
körperliche Integrität.
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen:
http://www.boa-münchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#top
Gipfel der Verschwendung: G-8-Treffen auf Okinawa
03.07.00 - Das Sommertreffen der Staats- und Regierungschefs der sieben
führenden Industrieländer und Russlands auf der japanischen Insel
Okinawa, sowie die vorangegangenen Treffen der Finanz- und
Außenminister verschlangen umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Mark.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/gipfel01.htm#Anfang
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Unangemeldete NPD-Demos in mehreren Städten - Rechtsextreme
marschieren durchs Brandenburger Tor
So.03.06.07 - Nach dem Verbot einer NPD-Demonstration in Schwerin haben Rechtsextreme
spontan in mehreren Städten demonstriert. In Berlin zogen etwa 140
NPD-Anhänger am Vormittag durch das Brandenburger Tor, wie die
Polizei mitteilte. Die wenigen Beamten vor Ort hätten sie
zunächst nicht aufhalten können. Die Polizisten hätten
dann Verstärkung gerufen, mehr als zehn Personen seien bei der
nicht genehmigten Demonstration festgenommen worden. In Lüneburg in
Niedersachsen zogen laut Polizei etwa 300 bis 350 Rechtsextreme
zeitweise durch die Innenstadt.
Auch in Potsdam und Oranienburg kam es zu spontanen
NPD-Aufmärschen, die von der Polizei aufgelöst wurden. Etwa 60
Rechtsextreme seien am Vormittag in Potsdam aufgetaucht, sagte eine
Polizeisprecherin auf Anfrage. In Oranienburg zählte die Polizei
etwa 80 NPD-Anhänger. In der Stadt Brandenburg blieb ein Aufmarsch
demnach aus, nachdem die Polizei eine NPD-Versammlung dort verboten
hatte. Die NPD-Anhänger waren in Bussen ins Berliner Zentrum
gekommen, andere wie in Potsdam aber auch mit dem Zug.
Die NPD hatte ursprünglich in Schwerin demonstrieren wollen, dies
war aber von den Gerichten verboten worden. Etwa 100 bis 150
Antifa-Gegendemonstranten versammelten sich am Morgen am Schweriner
Bahnhof und sollten von der Polizei wieder aus der Stadt geleitet
werden, wie eine AFP-Reporterin berichtete. Die Polizei hatte
NPD-Anhänger zuvor an der Fahrt in die Stadt gehindert.
Die Polizei in Rostock machte deutlich, dass sie die Rechtsextremen
nicht von der Großdemonstration von Globalisierungsgegnern
fernhalten könne. Die Demonstration gegen den G-8-Gipfel sei
angemeldet, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. "Sie sind zu
behandeln wie normale Demonstrationsteilnehmer." Die Polizei werde aber
natürlich ein besonderes Augenmerk auf die NPD-Anhänger haben.
(Quelle: afp)