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Irak am tausendundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Dutzende Opfer bei Anschlägen am Wochenende im Irak. 14
US-Soldaten innerhalb von drei Tagen getötet
Mo.04.06.07 - Die Gewalt im Irak hat am Wochenende erneut Dutzende Menschen das Leben
gekostet. In Bagdad und Balad Rus wurden mindestens 18 Menschen
getötet, zudem zerstörten die Aufständischen eine
wichtige Brücke zwischen der irakischen Hauptstadt und dem Norden
des Landes. In Diwanija im Süden des Landes lieferten sich
irakische Soldaten heftige Gefechte mit Kämpfer der Mahdi-Miliz.
Die US-Streitkräfte meldeten nach dem für sie
dritt-tödlichsten Monat seit Beginn des Krieges den Tod von
weiteren Soldaten.
Am Sonntag riss die Explosion einer Autobombe in einem belebten
Geschäftsviertel der schiitischen Ortschaft Balad Rus in der
Unruheprovinz Dijala mindestens zehn Menschen in den Tod. Wie die
Polizei mitteilten, erlitten rund zwei Dutzend Iraker Verletzungen. In
einem westlichen Stadtteil von Bagdad töteten Bewaffnete einen
Polizisten und einen Angehörigen.
Die Gefechte in Diwanija begannen bereits am Samstagabend. Irakische
Soldaten und Polizisten riegelten auf der Suche nach ranghohen
Mitgliedern der Mahdi-Miliz einen Markt ab. Einer der Gesuchten wurde
nach Militärangaben gefasst, allerdings wenig später von
Gesinnungsgenossen befreit. Mit Unterstützung der amerikanischen
Luftwaffe setzten die irakischen Truppen ihren Einsatz am Sonntag fort.
Ein irakischer Militärsprecher erklärte, die Gefechte
hätten einen Soldaten und zwei weitere Menschen das Leben
gekostet. Die Gesuchten seien nicht gefunden worden, allerdings habe
man mehrere Waffenlager entdeckt.
Am Samstag wurden insgesamt mindestens 57 Menschen getötet oder
tot aufgefunden. Allein 26 Leichen mit Folterspuren wurden in Bagdad
entdeckt. Im vergangenen Monat kamen nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP mindestens 2.155 Iraker bei Gewalttaten ums
Leben. Das war die dritthöchste Zahl, seit die AP im April 2005
die Statistik der getöteten Zivilpersonen eröffnete.
Die US-Streitkräfte haben am Sonntag den Tod von insgesamt 14
Soldaten im Irak innerhalb von drei Tagen bekannt gegeben. Vier der
Soldaten seien am Sonntag bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen,
als sie gerade ein Gebiet nordwestlich von Bagdad abgeriegelt und
durchsucht hätten, erklärten die Streitkräfte.
Zwei Soldaten wurden bei zwei Bombenanschlägen am Sonntag in
Bagdad getötet, weitere fünf erlitten Verletzungen. Ein
weiterer Soldat ging am Freitag südwestlich der Hauptstadt auf
zwei verdächtige Männer in der Nähe einer Moschee zu,
als einer von ihnen sich plötzlich in die Luft sprengte. Am
Samstag kosteten weitere Anschläge im ganzen Land sieben
US-Soldaten das Leben. Insgesamt stieg die Zahl der getöteten
US-Soldaten seit Beginn des Irak-Krieges im März 2003 nach einer
Zählung der Nachrichtenagentur AP auf mindestens 3.493.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 04.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundsechsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.04.06.06 - Ranghohe US-Offiziere offenbar früh über mutmaßliches
Massaker in Haditha informiert. Irakische Regierung kritisiert
Entlastung von US-Soldaten nach Ischaki-Vorfall +++ Mindestens 28 Tote bei
Anschlag auf Markt in Basra +++ Russischer Diplomat in Bagdad erschossen +++
Sieben Polizisten bei Anschlag getötet +++ Irakische Polizei findet
acht abgetrennte Köpfe...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606040.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Demokratische US-Präsidentschaftsbewerber uneins über Terror
und Irak
Mo.04.06.07 - Die demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber sind uneins
über den von Präsident George W. Bush geführten Krieg
gegen den Terrorismus. In einer im Fernsehen übertragenen Debatte
im Staat New Hampshire sagte der frühere Senator von North
Carolina, John Edwards, Bushs Krieg gegen den Terror sei lediglich
«ein politischer Slogan, ein Autoaufkleber, mehr nicht».
Die New Yorker Senatorin Hillary Clinton widersprach Edwards'
Beschreibung und sagte, sie habe aus der Nähe den
«furchtbaren Schaden» gesehen, den «eine kleine Bande
von Terroristen unserem Land zufügen kann».
Sie glaube, die USA seien heute sicherer als vor den Anschlägen
vom 11. September 2001, sagte Clinton weiter. Der Senator aus Illinois,
Barack Obama, erklärte, Bushs Krieg im Irak habe von den
Bemühungen abgelenkt, den Terrorismus auszurotten. «Wir
leben in einer gefährlicheren Welt, und das ist teilweise eine
Folge der Politik dieses Präsidenten.» Obama warf Edwards
vor, im Oktober 2002 im Senat für den Irakkrieg gestimmt zu haben.
«John, du bist viereinhalb Jahr zu spät, um in dieser Frage
eine Führungsrolle zu übernehmen», sagte Obama, der
damals noch nicht im Senat war, sich aber gegen eine Zustimmung zum
Irakkrieg ausgesprochen hatte.
Die ersten Vorwahlen und Wahlversammlungen bei den Demokraten sind am
14. Januar 2008 in Iowa, am 19. Januar in Nevada und am 22. Januar in
New Hampshire. Die endgültige Entscheidung über die
Präsidentschaftskandidatur fällt im Sommer 2008.
In einer neuen Meinungsumfrage im Auftrag von «Washington
Post» und «ABC News» liegt die ehemalige First Lady
mit 42 Prozent Zustimmung klar an der Spitze der demokratischen
Kandidaten. Danach folgen Obama mit 27 und Edwards mit elf Prozent.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Islamisten im Libanon lehnen Kapitulation ab. Amnesty wirft Israelis
und Palästinensern schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Israel
hält an Militäreinsätzen gegen militante
Palästinenser fest. Vereinigte Arabische Emirate überweisen
80 Millionen Dollar Finanzhilfe an Palästinenser
Mo.04.06.07 - Trotz des militärischen Drucks der Armee haben die islamischen
Extremisten im Libanon die Forderung nach einer Kapitulation
zurückgewiesen. «Das ist nicht nur unmöglich, das ist
undenkbar», sagte der Fatah-Islam-Kommandeur Abu Hureira am
Sonntag der Nachrichtenagentur AP.
Die libanesischen Truppen stießen am Sonntag tiefer in das
Flüchtlingslager Nahr el Bared vor und griffen die letzten
Rückzugsgebiete der Miliz an. Der Nordrand der Siedlung wurde mit
Panzern und schwerer Artillerie angegriffen. Frauen aus dem benachbarten
palästinensischen Flüchtlingslager Beddawi versammelten sich
vor dem Südeingang des Lagers und protestierten gegen den Beschuss.
Ministerpräsident Fuad Siniora schätzte, dass noch etwa 250
Mitglieder von Fatah Islam Gegenwehr leisten. Sie hätten keine Wahl
als zu kapitulieren, sagte er im Fernsehsender Al Arabija. Den
palästinensischen Bewohnern, die aus Nahr el Bared geflüchtet
sind, sagte der Regierungschef Unterstützung bei ihrer
Rückkehr zu.
Unter den Dutzenden von Milizionären, die seit Beginn der
Offensive am Freitag getötet wurden, ist auch Naim Dib Ghali,
genannt Abu Riad, der als Nummer drei der Organisation galt. Die
Verluste in den eigenen Reihen gab die Armee mit sechs Soldaten an. Am
Samstag setzten die Streitkräfte erstmals einen Hubschrauber ein.
Er nahm Gebiete in der Nähe der Küste unter
Maschinengewehrfeuer und feuerte zwei Luft-Boden-Raketen ab. Offenbar
sollte den Kämpfern so der Fluchtweg über das Mittelmeer
abgeschnitten werden. Nahr el Bared liegt am Rand der Hafenstadt Tripoli.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israelis und
Palästinensern schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen und
die internationale Gemeinschaft zu entschlossenerem Handeln aufgerufen,
um den Konflikt zu beenden. In einem heute vorgelegten Sonderbericht
zum 40. Jahrestag des Sechs-Tage-Krieges am (morgigen) Dienstag rief
die Organisation Israel auf, die Siedlungen im Westjordanland und die
Straßenkontrollstellen aufzugeben. An die Palästinenser
richtete sie den Appell, die Angriffe auf israelische Zivilisten zu
beenden.
Israel müsse die Blockaden und den Ausbau der Siedlungen im
Westjordanland stoppen und dürfe keine Mauer und keinen Zaun an
der Grenze errichten, hieß es. Palästinensische Extremisten
müssten sofort mit ihren Anschlägen auf Zivilisten
aufhören. Die Autonomiebehörde müsse alles tun, um
Anschläge auf Zivilisten zu verhindern.
Israel will auch weiterhin mit Militäreinsätzen gegen
militante Palästinenser vorgehen. Auch wenn die Raketenangriffe auf
israelisches Gebiet in den vergangenen Tagen zurückgegangen seien,
werde die Regierung in Jerusalem ihr Vorgehen nicht ändern, sagte
Ministerpräsident Ehud Olmert während einer Kabinettssitzung
am Sonntag. «Wir verhandeln nicht», bekräftigte
Olmert. Die radikalislamische Hamas erklärte, sie erwäge
angesichts der anhaltenden Gewalt einen einjährigen
Waffenstillstand.
Die Organisation könnte einer solchen Waffenruhe zustimmen, wenn
Israel im Gegenzug seine Militäraktionen einstelle, sagte der
stellvertretende politische Führer der Hamas, Mussa Abu Marsuk, am
Samstag der ägyptischen Zeitung «Al Ahram». Die Hamas
will einen Waffenstillstand sowohl für das Westjordanland als auch
für den Gazastreifen. Israel lehnt dies ab mit der Begründung,
militante Gruppen könnten dies nutzen und sich neu formieren.
Bei einer Razzia israelischer Soldaten in Nablus im Westjordanland
wurde erneut ein Palästinenser getötet. Der Mann sei am
Samstag in seinem Laden erschossen und ein zweiter schwer verwundet
worden, teilten Sanitäter mit. Die israelischen Streitkräfte
erklärten, sie hätten auf einen Bewaffneten geschossen.
Augenzeugen zufolge schossen Soldaten auch auf eine Gruppe Steinewerfer
und verletzten zwei von ihnen. Nach Militärangaben hatten auch sie
Schusswaffen bei sich.
Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser wurden am
Sonntag im Süden Israels drei Bewohner leicht verletzt, wie
Rettungskräfte mitteilten. Vier Soldaten wurden bei einem Angriff
auf einen Stützpunkt nahe des Gazastreifens verwundet.
Am Samstag sprengte das israelische Heer Barrieren, die den Zugang zur
Altstadt von Nablus blockierten. Daraufhin waren tausende
Palästinenser ohne Wasser und Strom, auch wurden nach Angaben der
Stadtverwaltung die Kanalisation und zahlreiche Geschäfte in
Mitleidenschaft gezogen. Ein Stadtratsmitglied schätzte den
Sachschaden auf umgerechnet 75.000 Euro. Der palästinensische
Informationsminister Mustafa Barghuti warf Israel vor, Krieg gegen die
Einwohner von Nablus zu führen.
Die Vereinigten Arabischen Emirate überwiesen unterdessen
Finanzhilfe in Höhe von 80 Millionen Dollar (59 Millionen Euro) an
die Palästinenser. Das Geld sei auf ein neues Konto eingezahlt
worden, das von Finanzminister Salam Fajjad, einem Unabhängigen,
kontrolliert werde, erklärten Berater von Präsident Mahmud
Abbas am Samstag. Fajjad habe das Konto im Namen der
Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) eingerichtet, der
die Hamas nicht angehört.
Das Geld soll überwiegend dazu verwendet werden, einen Teil der
ausstehenden Gehälter von Mitarbeitern des öffentlichen
Dienstes zu bezahlen. Wegen internationaler Sanktionen kann die
Hamas-Regierung ihre rund 175.000 Beschäftigten seit Monaten kaum
mehr bezahlen.
Eine extremistische Gruppe im Gazastreifen drohte Fernsehmoderatorinnen
mit Mord, falls sie sich nicht an eine strikte islamische Kleiderordnung
halten. «Wir werden ihnen von Ader zu Ader die Kehle
durchschneiden, wenn dies notwendig sein sollte, um die
Religiosität und die Moral dieses Volkes zu schützen»,
hieß es in einer Botschaft der Gruppe Schwerter der Wahrheit, die
am Freitagabend per E-Mail an die Medien verbreitet wurde. Die
Palästinensische Rundfunkgesellschaft (PBC) erklärte, sie
nehme die Drohung sehr ernst.
Der öffentlich-rechtliche Sender beschäftigt 15 weibliche
Moderatoren. Die meisten von ihnen tragen zwar ein Kopftuch, doch sind
sie in der Regel geschminkt und eher westlich gekleidet. Der Intendant
der PBC, Bassem Abu Sumaja, erklärte, man habe die
Sicherheitsvorkehrungen im Haus verschärft.
boa (Quelle: ap)
USA greifen in Kämpfe mit Islamisten in Somalia ein
Mo.04.06.07 - Die USA haben erneut in den Konflikt in Somalia eingegriffen. Nach
Angaben somalischer Behördenvertreter nahm ein US-Kriegsschiff in
der Nacht zum Samstag mehrere mutmaßliche Verstecke des
Terrornetzes El Kaida in der selbsternannten Republik Puntland im
Nordosten Somalias unter Beschuss. Ein somalischer Armeevertreter
berichtete von mindestens zwölf Toten bei der gemeinsamen Aktion
mit einheimischen Truppen. Bei einem Selbstmordanschlag auf die
Residenz des somalischen Regierungschefs Ali Mohamed Gedi wurden
mindestens vier Menschen getötet.
Ein Militärkommandeur berichtete per Satellitentelefon, das
US-Kriegsschiff habe insgesamt drei mutmaßliche Stellungen der El
Kaida im Hinterland der Hafenstadt Bargal rund 1250 Kilometer
nordöstlich der somalischen Hauptstadt beschossen. Laut TV-Sender
CNN galt der Angriff einem El Kaida-Vertreter, der 1998 in die
Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania
verwickelt gewesen sein soll, bei dem 224 Menschen starben.
"Unsere Truppen haben die islamistischen Kämpfer aus Somalia und
dem Ausland besiegt. Die meisten sind tot oder geflüchtet. Bargal
ist vollständig unter unserer Kontrolle", sagte der Finanzminister
von Puntland, Mohamed Ali Yusuf, in Bosasso, der Wirtschaftsmetropole
von Puntland.
Der Gouverneur der Region Barri, Mussa Jelle Yusuf, sagte, wie schon im
Januar sei das Ziel des US-Angriffes gewesen, alle Terroristen aus dem
Süden zu vertreiben. Bewohner der entlegenen Bergregion
bestätigten den US-Beschuss. Nach ihren Angaben dauerte er etwa
drei Stunden. Dabei sei auch ein Nomaden-Dorf getroffen worden, sagte
ein Stammesältester. Es habe Opfer unter den Dorfbewohnern gegeben.
US-Verteidigungsminister Robert Gates wollte den Beschuss unter Hinweis
auf die "möglicherweise anhaltende Operation" zunächst nicht
kommentieren. Einer seiner Sprecher sagte lediglich, die USA arbeiteten
eng mit ihren Verbündeten zusammen, um Terroristen und deren
Helfer ausfindig zu machen.
In der somalischen Hauptstadt dauerte die Gewalt an. Bei dem
Selbstmordattentat vor der Residenz Gedis wurden sieben weitere
Menschen verletzt, wie ein Sprecher des Regierungschefs sagte. Gedi,
der sich zum Zeitpunkt des Anschlags in dem Gebäude aufgehalten
habe, sei wohlauf. Bei den Opfern handele es sich mehrheitlich um
Leibwächter. Im Unruheviertel Huriwa verfehlte eine
Straßenbombe nur knapp einen äthiopischen Armeekonvoi.
Einwohner berichteten, die Soldaten hätten danach einen Passanten
erschossen und zwei weitere verletzt. Seit dem Sturz des Diktators
Mohamed Siad Barre 1991 herrscht in Somalia Bürgerkrieg.
(Quelle: afp)
Rebellen in Nigeria verkünden Waffenruhe für einen Monat
Mo.04.06.07 - Die nigerianische Rebellengruppe Bewegung für die Emanzipation des
Niger-Deltas hat am Samstag einen einmonatigen Stopp von Angriffen auf
Öleinrichtungen angekündigt. Sie reagierte damit auf einen
Appell des neuen Präsidenten Umaru Yar'Adua, der in seiner
Antrittsrede am Dienstag zu einer sofortigen Einstellung aller
gewaltsamen Übergriffe in der Ölregion im Süden des
Landes aufgerufen hatte. Er erklärte zugleich, er werde sich
intensiv dafür einsetzen, die Probleme in der Ölregion
anzugehen.
Ein Sprecher der Rebellenbewegung sagte, der Präsident erhalte mit
dem Moratorium Gelegenheit, einen Plan für einen dauerhaften
Frieden zu entwickeln. Die Bewegung ließ am Samstag vier
Italiener, einen US-Bürger und einen Kroaten frei, die am 1. Mai
entführt worden waren. Zugleich wurden aber in der Stadt Port
Harcourt wieder vier ausländische Mitarbeiter einer Ölfirma
entführt.
Die Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas verlangt eine
stärkere Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an den
Gewinnen aus der Ölförderung. Seit Jahresbeginn wurden in der
Ölregion im Süden des westafrikanischen Landes mehr als 100
ausländische Mitarbeiter vorwiegend von Ölfirmen verschleppt -
zum Teil auch von Banden, denen es lediglich um Lösegeld geht. In
der Regel werden die Geiseln nach Zahlung eines solchen Lösegeldes
unversehrt freigelassen. Mehr als zwei Dutzend Ausländer befinden
sich jedoch noch in der Gewalt ihrer Entführer.
(Quelle: ap)
Russland droht bei Bau von US-Raketenschild mit Konsequenzen
Mo.04.06.07 - Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat für den Fall
der Stationierung eines US-Raketenschilds in Osteuropa Konsequenzen
angekündigt. Wenn strategische US-Abwehranlagen in Europa nahe der
russischen Grenzen aufgebaut würden, "sind wir verpflichtet, (...)
potenzielle Bedrohungen durch diese Stationierung auszuschalten", sagte
Lawrow dem staatlichen Fernsehsender Westi-24. Als Alternative schlug er
laut russischer Nachrichtenagentur Interfax einen gemeinsamen
Raketenschild der NATO-Staaten und Russlands vor. Da eine "Verteidigung
gegen nicht-existierende Bedrohungen keinen Sinn" ergebe, solle der
NATO-Russland-Rat ein gemeinsames Raketenabwehr-Konzept entwickeln.
Auch Präsident Wladimir Putin warnte vor den Folgen eines
US-Abwehrsystems nahe der russischen Grenze. "Wenn das amerikanische
Atompotenzial sich auf europäisches Gebiet ausdehnt, müssen
wir neue Ziele in Europa ins Auge fassen", sagte er der italienischen
Zeitung "Corriere della Sera". Russland wolle das
Verteidigungsgleichgewicht durch wirksamere Offensivwaffen
wiederherstellen. Dass dadurch das Risiko eines Wettrüstens
entstehe, sei nicht von seinem Land zu verantworten.
"Wir können es uns nicht leisten, nicht besorgt zu sein", sagte
Putin der Zeitung weiter. Schließlich sollten erstmals in der
Geschichte Teile des durch Atomwaffen gestützten
Verteidigungssystems in Europa stationiert werden. Washingtons
Versicherung, der Raketenschild solle vor Beschuss aus dem Iran
schützen, hielt Putin entgegen, der Iran verfüge gar nicht
über Raketen mit ausreichender Reichweite.
Die US-Regierung plant den Aufbau eines Raketenschilds in Osteuropa,
für das in Polen und Tschechien Abfangraketen und ein Radarsystem
installiert werden sollen.
In Tschechien sprachen sich derweil drei weitere Dörfer in
Volksabstimmungen gegen den in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft
geplanten US-Raketenschild aus. In den vergangenen Wochen hatten sich
bereits andere Dörfer der Region in Referenden gegen die
US-Radarstation ausgesprochen. Die Ergebnisse sind rechtlich nicht
bindend. Über die Stationierung entscheidet das Parlament. Dies
wird möglicherweise Anfang kommenden Jahres geschehen.
Die neuerlichen Abstimmungen am Samstag erfolgten nur zwei Tage vor
Beginn eines zweitägigen Besuchs von US-Präsident George W.
Bush in Prag, bei dem der Raketenschild eine große Rolle spielen
wird.
(Quelle: afp)
EU-Chefdiplomat Solana ruft zur Rettung der europäischen
Verfassung auf
Mo.04.06.07 - EU-Chefdiplomat Javier Solana ruft die Staats- und Regierungschefs zur
Rettung der europäischen Verfassung auf. «Wir müssen
alles tun, um die Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft zu
sichern», sagte Solana der Zeitung «Bild am Sonntag»
laut Vorabbericht. Er sei optimistisch, dass in der Verfassungsfrage ein
großer Wurf gelinge.
Die Forderung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy
nach einem vereinfachten Vertrag wies Solana zurück. «Ich
weiß nicht, ob wir von einem »vereinfachten Vertrag«
sprechen sollten", sagte er. Die EU dürfe nicht auf der Stelle
treten.
(Quelle: ddp)
Weltartenschutzkonferenz CITES in Den Haag eröffnet
Mo.04.06.07 - Die 14. Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES
ist in Den Haag eröffnet worden. "Unsere Entscheidungen werden
unsere Kinder und unsere Enkelkinder in der ganzen Welt betreffen",
sagte die niederländische Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg
während der Eröffnungszeremonie. Zwei Wochen lang werden rund
2500 Delegierte der "Convention on International Trade in Endangered
Species of Wild Fauna and Flora" aus 171 Staaten darüber
debattieren, welche bedrohten Arten künftig international
gehandelt werden dürfen.
Ganz oben auf der Agenda stehen Haie, Tiger, Elefanten, Korallen, der
Europäische Flussaal und Tropenholz. Laut CITES gingen die
Flussaal-Bestände in Europa seit 1980 wegen Überfischung um
bis zu 99 Prozent zurück. In Afrika schrumpften die Bestände
der Elefanten von mehreren Millionen auf heute 400.000 bis 600.000. Das
1975 in Kraft getretene Washingtoner Artenschutzabkommen regelt den
Handel mit etwa 33.000 wild lebenden Tier- und Pflanzenarten.
(Quelle: afp)
Großes Entsetzen über die G8-Krawalle in Rostock
Fast 1000 Verletzte. Attac entschuldigt sich bei Rostockern für
Ausschreitungen. Protest-Organisatoren wollen Polizei
unterstützen. Friedliche Proteste gehen weiter
Mo.04.06.07 - Großes Entsetzen über die Krawalle bei den
Anti-G-8-Protesten in Rostock: Politiker aller Parteien und auch die
Organisatoren verurteilten die Ausschreitungen, bei denen am Samstag
fast 1.000 Menschen verletzt wurden. Zugleich gingen am Sonntag die
friedlichen Proteste weiter. Beim Tag der Landwirtschaft demonstrierten
in Rostock Tausende gegen die Agrarpolitik der Industriestaaten; in Bad
Doberan wurden 3.000 Kerzen in Gedenken an die hohe Kindersterblichkeit
in der Dritten Welt angezündet. In Wismar begann der Jugendgipfel
mit 74 jungen Teilnehmern aus G-8-Staaten und Entwicklungsländern.
Bei der Demonstration in Rostock am Samstag, an der zehntausende Menschen
teilnahmen, wurden 433 Polizisten und 530 Demonstranten zum Teil schwer
verletzt. Eine Gruppe von etwa 3.000 Militanten hatte ein Polizeiauto
angegriffen, daraufhin hatten die Ausschreitungen begonnen. Der
Sachschaden der Krawalle ließ sich kaum abschätzen. Die
Staatsanwalt beantragte Haftbefehl gegen zehn mutmaßliche
Gewalttäter, sie werden möglicherweise noch in dieser Woche
vor Gericht gestellt.
Politiker wie der bayerische Innenminister Günther Beckstein und
sein brandenburgischer Kollege Jörg Schönbohm kritisierten
die Veranstalter der Demonstration. Der Attac-Organisator Werner
Rätz hat sich derweil bei den Rostockern für die
Ausschreitungen am Rande der Anti-G-8-Proteste am Samstag entschuldigt.
«Wir müssen uns entschuldigen. Was geschehen ist, hätte
so nicht passieren dürfen. Es tut uns mehr als leid», sagte
Rätz, der für die Organisation der Kundgebung in Rostock
mitverantwortlich war, der «Frankfurter Rundschau».
Die Schwierigkeiten beim Umgang mit den Linksautonomen würden von
vielen unterschätzt, räumte Rätz ein. Die in Attac
zusammengefassten Globalisierungskritiker wüssten kaum, wie sie
mit den militanten G8-Gegnern zurecht kommen sollten: «Ein
konkretes Konzept gibt es nicht», sagte Rätz. Er warnte
davor, den Schwarzen Block auszugrenzen: «Dann kommen die erst
recht».
Die Organisatoren der Anti-G-8-Proteste wollen die Polizei bei der
Suche nach Gewalttätern aktiv unterstützen. «Wenn wir
dazu Informationen haben, dann werden wir sie natürlich
weitergeben», sagte Organisator Monty Schädel am
Sonntagabend im ZDF-»heute journal» auf eine entsprechende
Frage. Im Vorfeld der von Krawallen überschatteten Demonstration
in Rostock am Samstag habe man aber keine Informationen gehabt, dass
Demonstranten gewalttätig werden wollten.
Man werfe der Polizei keine Gewalttätigkeit vor, betonte
Schädel. Sie habe zunächst darauf reagiert, dass Gewalt von
einzelnen Demonstranten ausgegangen sei. Allerdings habe die Polizei
dann nicht deeskalierend gewirkt und somit mit dazu beigetragen, dass
sich eine Gewaltspirale entwickelt habe. Es sei unverantwortlich von
der Polizeiführung gewesen, kleine Gruppen von 20 Polizisten in
eine Menge von tausenden Demonstranten zu schicken, kritisierte
Schädel. Dann hätten die Polizisten natürlich Angst und
müssten sich wehren. «Das war keine Deeskalation, das war
Eskalation pur.»
Die Organisatoren hätten von Anfang an erklärt, dass sie
deeskalierend wirken wollten, erklärte Schädel auch im
Hinblick auf den anstehenden Protest in Heiligendamm. «Wenn die
Polizei auch ihren Teil dazu beiträgt, dann werden wir hier
gemeinsam einen breiten Protest finden, der in die Geschichte eingeht
als guter Protest.»
Die Interventionistische Linke, aus deren Reihen die rund 2000
randalierenden Autonomen stammten, erklärte, niemand habe die
Ausschreitungen gewollt. Ihr Sprecher Tim Laumeyer kritisierte die
Polizei scharf. Einheiten aus Berlin hätten die Krawalle bewusst
angeheizt und durch ihr Verhalten weitere Ausschreitungen provoziert,
sagte er.
Am Sonntag gab es eine Reihe friedlicher Proteste gegen den G-8-Gipfel,
der am Mittwoch in Heiligendamm beginnt. Mehrere tausend Landwirte
protestierten unter anderem gegen den billigen Export von
Agrarüberschüssen aus den Industrieländern auf die
afrikanischen Märkte sowie gegen den Versuch von
Großkonzernen, über patentierte genmanipulierte Pflanzen den
Handel mit Saatgut zu zerstören.
Katholische Bischöfe aus sieben Ländern appellierten an die
Teilnehmer des G-8-Gipfels, ihrer Verantwortung für Frieden und
die Bewahrung der Schöpfung gerecht zu werden. Ein entsprechender
Brief der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen von Deutschland, England
und Wales, Frankreich, Japan, Kanada, der Russischen Föderation
und der USA wurde am Sonntag in Bonn veröffentlicht. Darin fordern
sie von den Staats- und Regierungschefs konkrete Maßnahmen
für Armutsbekämpfung, medizinische Versorgung, Klimawandel,
Frieden und Sicherheit sowie Bildung, die dem Wohl der ganzen Welt
dienen.
Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
eröffnete unterdessen in Wismar den J-8-Gipfel: Analog zum
G-8-Treffen in Heiligendamm wollen sich 74 junge Leute im Alter von 13
bis 17 Jahren aus den G-8-Staaten und zehn Entwicklungsländern mit
Themen wie Perspektiven für Afrikas Wirtschaft, Klimawandel und
effektive Energienutzung oder Aids befassen.
boa, (Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv: G-8-Gipfel 2001 | Genua, Italien
Polizeistaatlicher Auftritt der Staatsmacht anläßlich des
Treffens der G-8 in Genua.
Massive Angriffe auf die Menschenwürde, auf Freiheit, auf
körperliche Integrität.
Nachrichten, Berichte, Hintergrund-Informationen:
http://www.boa-münchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#top
Klimaschutz und Armutsbekämpfung alternativ -
G-8-Gegengipfel in Rostock
Mo.04.06.07 - In Heiligendamm diskutieren die Staats- und Regierungschefs der
G-8-Länder über den Klimaschutz, Entwicklungshilfe und den
Welthandel. Gipfel-Gegner kritisieren, das Zusammentreffen sei nur Show,
Beschlüsse würden ohne demokratische Legitimation gefasst -
und dann noch nicht einmal eingehalten. Deshalb veranstalten sie von
Dienstag bis Donnerstag einen Gegengipfel in Rostock. Unter dem Motto
«Globalisierung anders denken» soll gezeigt werden, dass es
Alternativen gibt.
Die Veranstalter - ein Bündnis von über 40 Organisationen -
erwarten rund 1.000 Teilnehmer aus aller Welt. Diskutiert werden sollen
auf 120 Workshops Sichtweisen und Lösungen «abseits der
herrschenden und auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm diskutierten
Politik», wie die Initiatoren erklären. «Wir wollen
eine demokratische Globalisierung von unten», heißt es
weiter. Diese solle gerecht und sozial sein, geprägt von fairen
Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Die
Wirtschaft sei für die Menschen da und nicht umgekehrt.
Schwerpunktthemen auf dem Alternativgipfel sind neben
Armutsbekämpfung, Klimapolitik und globaler Gerechtigkeit die
Bereiche «Krieg und Militarisierung», «Migration und
Rassismus», «Bildung und Geschlechterfragen» sowie
«Arbeit und Soziales». Die G-8 repräsentiere nur 13
Prozent der Weltbevölkerung, kritisieren die Organisatoren. Ihre
Entscheidungen wirkten sich aber auf den gesamten Globus aus. In einer
anderen Welt bräuchten auch die Betroffenen eine Stimme.
Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland sagt, man fordere von den
G-8-Staaten, ihre Scheinheiligkeit zu beenden. Die Industriestaaten
gäben 300 Milliarden US-Dollar für Agrarsubventionen aus, die
zum Großteil den Bauern in Afrika schadeten. Ihre
hochsubventionierten Produkte würden die afrikanischen Märkte
überschwemmen und die heimischen Produkte verdrängen. Die
gesamte Entwicklungshilfe der Industriestaaten belaufe sich auf
lediglich 100 Milliarden US-Dollar. «Unter dem Stichwort
Liberalisierung geht es nicht um die Interessen der Leute in Afrika,
sondern nur um die eigenen Interessen.» Der
«Teufelskreis» müsse durchbrochen werden.
«Weltweit verschärfen sich trotz oder wegen der Politik der
G-8 die Probleme», sagt BUND-Geschäftsführer Gerhard
Timm. Dies solle auf dem Gegengipfel zur Sprache kommen.
Neben dem BUND gehören unter anderem Attac, Oxfam, die IG Metall,
Pro Asyl, Misereor, VENRO, Greenpeace, der Evangelische
Entwicklungsdienst, ver.di, Brot für die Welt und die GEW zu den
Initiatoren und Unterstützern des Gegengipfels. Persönlich
genannt werden Politiker der Linkspartei und der Grünen, darunter
Grünen-Chefin Claudia Roth. «Noch nie gab es in Deutschland
bei einem vergleichbaren Ereignis ein derart breites
Bündnis», sagt Attac-Aktivist Peter Wahl.
Als Eröffnungsredner erwarten die Organisatoren den
UN-Sonderbeauftragten für das Welternährungsprogramm, Jean
Ziegler. Darüber hinaus hat DGB-Vorstandsmitglied Annelie
Buntenbach ihr Kommen angekündigt. Zum Abschluss soll am Donnerstag
die Trägerin des alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva,
sprechen.
Gewalt sei beim Gegengipfel nicht zu erwarten. «Das wäre bei
einer solchen Veranstaltung auch ein völliges Novum», sagt
Timm. Er gehe davon aus, dass alle Gipfelteilnehmer den Kongress auch
erreichen könnten, ohne von Ordnungskräften oder der Polizei
aufgehalten zu werden. Ansonsten sei allerdings mit «massiven
Protesten» zu rechnen.
(Quelle: ap)
Mehr Informationen zum alternativen G-8-Gegengipfel unter:
http://www.g8-alternative-summit.org/
Videoplattform G-8-TV: Alternative Nachrichten rund ums Gipfeltreffen
in Heiligendamm
Ein anderes Fernsehen ist möglich - Seit Ende Mai bietet die
Videoplattform G-8-TV alternative Nachrichten rund ums Gipfeltreffen in
Heiligendamm...Mehr unter
http://www.taz.de/dx/2007/05/19/a0237.1/text
http://g8-tv.org
Umfrage: Drei Viertel erwarten nichts vom G8-Gipfel
Mo.04.06.07 - Drei von vier Deutschen glauben nicht an konkrete Ergebnisse beim
G8-Gipfel in Heiligendamm. In einer Forsa-Umfrage für «Bild
am Sonntag» äußerten sich 75 Prozent pessimistisch. Nur
21 Prozent erwarten konkrete Resultate.
Je nach Parteiorientierung gab es deutliche Unterschiede. Am
optimistischsten zeigten sich die FDP- Anhänger: 49 Prozent
erwarten vom G8-Gipfel konkrete Resultate. Bei den
CDU/CSU-Anhängern zeigten sich nur 27 Prozent optimistisch, bei SPD
und Linkspartei jeweils 16 Prozent. Bei den Grünen-Anhängern
erwarten sogar nur 12 Prozent konkrete Ergebnisse in Heiligendamm.
(Quelle: dpa)
Blick in Archiv: Gipfel der Verschwendung - G-8-Treffen 2000 auf Okinawa
03.07.00 - Das Sommertreffen der Staats- und Regierungschefs der sieben
führenden Industrieländer und Russlands auf der japanischen Insel
Okinawa, sowie die vorangegangenen Treffen der Finanz- und
Außenminister verschlangen umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Mark.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/gipfel01.htm#Anfang
Tausende protestieren friedlich gegen Agrarpolitik der Industriestaaten
Mo.04.06.07 - Kurz vor dem G-8-Gipfel haben mehrere tausend Menschen am Sonntag in
Rostock friedlich gegen die Agrarpolitik der Industriestaaten und den
Handel mit genmanipulierten Pflanzen protestiert. Der billige Export
von Agrarüberschüssen aus den Industrieländern auf die
afrikanischen Märkte bringe die örtlichen Bauern um ihr
Einkommen, kritisierten verschiedene Redner auf der
Abschlusskundgebung. Aber auch in den Industrieländern herrsche
ein ruinöser Preisdruck in der Landwirtschaft.
Jedes Jahr stürben weltweit 30 Millionen Menschen an den Folgen
von Hunger. Die Agrar- und Fischereipolitik der Industrieländer
sei mit dafür verantwortlich. Außerdem wandten sich die
Demonstranten gegen den Versuch von Großkonzernen, über
patentierte genmanipulierte Pflanzen den Handel mit Saatgut zu
zerstören. Verschiedene Konzerne würden durch die
Patentierung von Saatgut überall auf der Welt die Produzenten
immer stärker abhängig machen, kritisierte ein Redner.
Bislang werde das Saatgut noch lokal produziert und getauscht. Erst
wenn die Konzerne die Kontrolle über das Saatgut hätten,
könnten sie aber entscheiden, was wann wo angebaut werde. Die
Gentechnik berge aber auch noch ganz andere Risiken, unter anderem
für die biologische Vielfalt.
Während die Polizei von 2.000 Teilnehmern sprach, gaben die
Veranstalter die Zahl mit 5.000 an. Nach der Veranstaltung fuhren die
G-8-Gegner mit Traktoren und Fahrrädern zu einem Dorf, wo nach
Veranstalterangaben Genforschung betrieben wird.
Die Probleme der Landwirtschaft weltweit hatten die G-8-Gegner am
Sonntag in den Mittelpunkt ihrer Protestveranstaltungen in Rostock
gestellt. Die Demonstration wurde vom Aktionsnetzwerk Globale
Landwirtschaft veranstaltet.
Greenpeace errichtete unterdessen am Hafen ein «menschliches
Banner» aus rund 1.000 Personen. Sie bildeten die Worte «G8
- Act now». «Damit wollen wir die G-8-Staaten darauf
aufmerksam machen, dass die CO2-Emmissionen bis 2020 weltweit um 30
Prozent gesenkt werden müssen», sagte eine Aktivistin.
(Quelle: ap)
250 000 Radfahrer nehmen in Berlin an Sternfahrt für nachhaltige
Verkehrspolitik teil
Mo.04.06.07 - Mehr als 250 000 Radfahrer aus dem gesamten Bundesgebiet haben am
Sonntag in Berlin auf der 31. Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen
Fahrradclubs (ADFC) für eine nachhaltige Verkehrspolitik
demonstriert. Damit hätten sich die Erwartungen erfüllt,
sagte der ADFC-Landesvorsitzende Benno Koch. Insgesamt standen für
die Teilnehmer 18 Routen zur Auswahl, die am Großen Stern
zusammenliefen. Höhepunkt der Tour war wie in den Vorjahren die
Fahrt über die beiden gesperrten Autobahnabschnitte in Berlin.
Für mehrere Kilometer führten die Strecken über Teile
der Avus (A 115) und den Südring (A 100). Im Innenstadtbereich kam
es wegen der Sternfahrt zu Verkehrsbeeinträchtigungen.
Neu war in diesem Jahr den Angaben zufolge eine Rennrad-Route von
Greifswald an der Ostseeküste. Dort hätten sich 15 trainierte
Fahrer bereits um 4.00 Uhr getroffen und sich auf die 240 Kilometer
lange Strecke gemacht. Unter ihnen auch Koch, der aber einräumte,
bereits nach der Hälfte des Weges für einige Zeit in ein Auto
umgestiegen zu sein. «Mir hat einfach die Kraft gefehlt»,
sagte er.
An die Sternfahrt schloss sich auf der Straße des 17. Juni das
zwölfte Umweltfestival der Grünen Liga an, in dessen
Mittelpunkt die Auswirkungen des Klimawandels und Möglichkeiten
zur umweltfreundlichen Mobilität standen. Nach Angaben des
Veranstalters informierten sich die mehr als 100 000 Besucher
darüber hinaus zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes.
Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei.PDS) habe dabei zusammen
mit dem Vorstandsmitglied der GASAG, Andreas Prohl, die Kampagne
«Freie Fahrt für Erdgas-Fahrzeuge» gestartet, sagte
eine Sprecherin.
(Quelle: ddp)
Post drückt Löhne bei Subunternehmen
Mo.04.06.07 - Die Deutsche Post drückt die Löhne bei Subunternehmern, die
in ihrem Auftrag Pakete und Päckchen zustellen. Laut "Welt am
Sonntag" schreibt sie den Fuhrunternehmern, dass die
Zustellvergütung um 15 bis 20 Prozent verringert werden müsse.
Nur so könne die Post wettbewerbsfähig bleiben. Die Post
sprach von "Zwängen des Marktes". "Wir haben mit den Firmen
gesprochen und ihnen aufgezeigt, wo sie sparen können", sagte ein
Sprecher. Lediglich drei Subunternehmer wollten die Einsparungen nicht
mitmachen und hätten die Partnerschaft mit der Post
aufgekündigt.
Die Post hatte mit der Gewerkschaft Verdi vereinbart, in 880 von rund
7000 Zustellbezirken Subunternehmer einzusetzen. Nur diese Firmen sind
laut "WamS" von Kürzungen betroffen. Im anderen Bereich werde nach
wie vor der höhere Haustarif der Post bezahlt.
(Quelle: afp)
Sachsen: Neue Vorwürfe in mutmaßlicher Korruptionsaffäre
Mo.04.06.07 - In Sachsen sind neue Vorwürfe zu Korruption und Organisierter
Kriminalität aufgetaucht.
Die «Leipziger Volkszeitung» («LVZ») und die
«Süddeutsche Zeitung» berichteten am Wochenende,
ranghohe Vertreter der Stadtverwaltung Leipzig seien
regelmäßig bei einer «Tafelrunde» oder einem
«Stammtisch» mit Immobilienmanagern zusammengekommen und
hätten dabei «rechtswidrige Absprachen» über
Grundstücksgeschäfte getroffen. Der Leipziger Stadtsprecher
Steffen Jantz sagte auf Nachfrage, ihm sei eine solche
«Tafelrunde» nicht bekannt.
Eine weitere Anschuldigung aus der «LVZ» bezieht sich
darauf, dass ein Anwalt Prostituierte, darunter Minderjährige, an
mehrere Staatsanwälte und einen Strafrichter vermittelt haben soll.
Außerdem werde einem Staatsanwalt vorgeworfen, aus dem
Rotlichtmilieu mit Sex-Videos erpresst worden zu sein. Ferner stehen die
Vorwürfe Strafvereitelung im Amt und Verletzung von
Dienstgeheimnissen im Raum. Das sächsische Justizministerium war
bis Sonntagmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Der sächsische Geheimdienst hatte am Freitag weitere Unterlagen
zur Aufklärung an die Ermittlungsbehörden übergeben.
Über Umfang und Inhalt wurde keine Auskunft erteilt. Der
Verfassungsschutz hatte jahrelang Material über kriminelle
Netzwerke gesammelt. Nach Medienberichten enthält es Hinweise, dass
Justizbeamte, Polizisten und Politiker in Straftaten wie Korruption,
Amtsmissbrauch und Kinderprostitution verstrickt sind. Laut
Innenministerium dauert es noch mindestens bis Juli, bis das komplette
Material für die Staatsanwaltschaft aufgearbeitet ist.
(Quelle: dpa)