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Irak am tausendeinundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Kurdischer Bericht meldet türkischen Angriff im Irak. US-Truppen
kontrollieren trotz Truppenaufstockung offenbar nur ein Drittel
Bagdads. Landesweit wurden am Montag mindestens 19 Menschen
getötet oder tot aufgefunden
Di.05.06.07 - Türkische Truppen haben nach einem Bericht der pro-kurdischen
Nachrichtenagentur Firat Rebellenstellungen im Irak unter
Artilleriebeschuss genommen. Der Angriff am Montag sei nahe der
Grenzstadt Sacho erfolgt, meldete die in Belgien ansässige Agentur
unter Berufung auf Quellen im irakischen Kurdengebiet. Eine
Bestätigung der türkischen Behörden, die Firat als
Sprachrohr der kurdischen Rebellen kritisieren, lag nicht vor.
Bereits am Sonntag hatte Firat einen Angriff in der Region gemeldet.
Die Türkei hat in den vergangenen Wochen ihre Truppen an der Grenze
zum Irak verstärkt und mit einem Einmarsch gedroht, um
Stützpunkte der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) anzugreifen
Der türkische Außenminister Abdullah Gül erklärte
am Montag bei einem Treffen mit der EU-Troika in Ankara, die Türkei
habe das Recht, gegen kurdische Aufständische im Nordirak
vorzugehen. Deutschlands Außenminister Frank-Walter
Steinmeier sagte in Ankara, er habe nicht den Eindruck, dass die
Türkei einen Einmarsch plane.
Bei einem Selbstmordanschlag auf einen türkischen
Militärposten in der Grenzregion wurden am Montag nach
Medienberichten drei Soldaten getötet. Für den Angriff seien
kurdische Rebellen aus dem Südosten der Türkei verantwortlich,
berichtete die private Nachrichtenagentur Dogan. Zehn Soldaten seien
verletzt worden.
Die US-Streitkräfte haben trotz der Aufstockung um 30.000 Mann
einem Medienbericht zufolge weniger als ein Drittel der irakischen
Hauptstadt Bagdad unter Kontrolle. Seit Beginn der jüngsten
Sicherheitsoffensive Mitte Februar könnten die amerikanischen und
irakischen Truppen nur in 146 der 457 Viertel Bagdads für den
Schutz der Bevölkerung sorgen, berichtete die «New York
Times» am Montag unter Berufung auf einen Sicherheits-Report.
Die Truppen hätten in den verbliebenen Vierteln entweder noch gar
nicht mit ihrem Vorgehen gegen Aufständische begonnen oder seien
immer noch mit Widerstand konfrontiert, heißt es in dem Bericht
weiter. Militärsprecher Christopher Garver erklärte dazu, das
Sicherheitsprojekt befinde sich noch immer in der Anfangsphase.
Eine irakische Extremistengruppe mit Verbindungen zu Al Kaida hat nach
eigenen Angaben drei im Mai verschleppte US-Soldaten umgebracht. In
einem am Montag veröffentlichten Video der Gruppe Islamischer
Staat des Iraks hieß es, die Männer seien nach ihrer
Entführung getötet worden. Beweise brachte die Gruppe nicht
vor, die Soldaten waren auf den Bildern nicht zu sehen.
Die drei wurden am 12. Mai nach einem Überfall gekidnappt, bei dem
vier ihrer Kameraden und ein Iraker getötet wurden. Einer der
Männer wurde inzwischen tot aufgefunden, nach den beiden anderen
starteten die US-Truppen eine intensive Suche. Verantwortlich für
die Bluttat seien «die amerikanische Armee und ihre Führer,
die sich nicht um die Gefühle der Mütter der Soldaten
kümmern», heißt es in dem gut zehnminütigen
Video, das der Nachrichtenagentur AP vom Washingtoner Institut SITE
zugänglich gemacht wurde.
Landesweit wurden am Montag erneut mindestens 19 Menschen getötet
oder tot aufgefunden. Bei einem Anschlag auf einen Kleinbus, in dem
arbeitslose Iraker unterwegs waren, wurden im Bagdader Stadtteil
Safaranija drei Menschen in den Tod gerissen und acht weitere verletzt.
Bei einem Raketenangriff in Falludscha kam eine schwangere Frau ums
Leben.
In Mossul im Nordirak wurden ein katholischer Priester und drei weitere
Christen getötet. Papst Benedikt XVI. zeigte sich am Montag
erschüttert über die Bluttat. Radio Vatikan zufolge wurden
die vier nach einem Gottesdienst am Sonntag niedergeschossen.
Der irakische Vizepräsident Tarik al Haschemi bemühte sich
unterdessen bei einem Besuch in Ägypten um Unterstützung der
arabischen Welt bei der Eindämmung der Gewalt im Irak. Die
Bagdader Regierung brauche dringend Hilfe und Unterstützung, sagte
Al Haschemi. Der Sunnit sollte unter anderem mit dem ägyptischen
Präsidenten Husni Mubarak und dem Generalsekretär der
Arabischen Liga, Amr Mussa, zusammentreffen.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 05.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundsiebten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Rückschlag für Bush in Guantanamo: US-Militärrichter
weisen in zwei Fällen Anklagen zurück
Di.05.06.07 - Die Bemühungen der US-Regierung um schnelle Verfahren gegen
Insassen des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo haben am Montag
einen schweren Rückschlag erlitten. In zwei Fällen wiesen die
Militärrichter die Anklagen zurück. Die Richter
erklärten, die Regierung habe es versäumt, die
Zuständigkeiten klar zu regeln.
Bei den Bedenken geht es vor allem um die Einstufung der beiden
Angeklagten, des Kanadiers Omar Khadr und des mutmaßlichen
früheren Leibwächters und Chauffeurs von
Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden, Salim Ahmed Hamdan. Sie waren
vor Jahren als «feindliche Kombattanten» eingestuft wurden.
In dem betreffenden Military Commissions Act heißt es
ausdrücklich, dass nur «unrechtmäßige feindliche
Kombattanten» vor die Tribunale gestellt werden können. Also
fehlte das Wort «unrechtmäßig».
Auf Grund einer Klage von Hamdan hatte der Oberste Gerichtshof der USA
im vergangenen Jahr das frühere System von Militärtribunalen
für verfassungswidrig erklärt. Der Kongress erließ
daraufhin neue Richtlinien für die Tribunale, die
US-Präsident George W. Bush unterzeichnete.
Khadr wurde im Alter von 15 Jahren festgenommen und inhaftiert. Dem
heute 20-Jährigen wurden Mord, Verschwörung und
Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Er soll bei einem
Feuergefecht in Afghanistan im Juli 2002 einen US-Soldaten mit einer
Granate getötet haben. Seine Anwälte beschrieben ihn als
Kindersoldaten, der rehabilitiert und nicht inhaftiert werden sollte.
Khadr bleibt auch nach der Entscheidung des Tribunals in Guantanamo.
Salim Ahmed Hamdan, der seit Mai 2002 in Guantanamo festgehalten wird,
werden Verschwörung und die Unterstützung des Terrorismus
vorgeworfen. In der Anklage erklärten die Streitkräfte,
Hamdan sei in die Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia
und Tansania 1998, den Anschlag auf das US-Kriegsschiff «USS
Cole» 2000 und die Anschläge vom 11. September 2001
verwickelt. Er habe als Bin Ladens Fahrer und Leibwächter
gearbeitet und habe außerdem Waffen an die Al Kaida und ihre
Verbündeten geliefert.
(Quelle: ap)
Musharraf verschärft Medienkontrolle in Pakistan
Di.05.06.07 - Angesichts der wachsenden politischen Krise in Pakistan hat
Präsident Pervez Musharraf am Montag den Druck auf die Medien
verschärft. In einem Erlass gab Musharraf der Medienaufsicht die
Möglichkeit, die Büros von Rundfunksendern zu
schließen, wenn sie gegen Gesetze verstoßen. Die drohenden
Geldstrafen wurden von einer Million Rupien (12.400 Euro) auf zehn
Millionen Rupien (124.000 Euro) erhöht. Die Medienaufsicht kann
Sendern auch die Lizenz entziehen.
Rund 100 Journalisten, Oppositionspolitiker und Aktivisten
protestierten in Islamabad gegen die verschärften Richtlinien. Sie
zogen am Montagabend vom Sitz des Senders «Geo» zum
Parlament und riefen «Musharraf, wir akzeptieren deine Gesetze
nicht» und «Weg mit der Armee». Die Teilnehmer
widersetzten sich damit einem in der vergangenen Woche in Islamabad
verhängten Demonstrationsverbot. Hintergrund der neuen Richtlinien
ist die ausgiebige Berichterstattung über die Entlassung des
Obersten Richters Iftikhar Mohammed Chaudry. Aus Journalistenkreisen
verlautete, Fernsehsender seien aufgefordert worden, nicht länger
live über Solidaritätsbekundungen mit Chaudry zu berichten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Kämpfe im Libanon greifen auch auf den Süden über.
Amnesty: Israel für Armut der Palästinenser verantwortlich
Di.05.06.07 - Die schweren Kämpfe zwischen Armee und Extremisten im Libanon
haben jetzt auch den Süden des Landes erfasst. Im
Flüchtlingslager Ein el Hilweh bei Sidon lieferten sich Soldaten
und islamistische Militante heftige Gefechte, wie die Polizei am Montag
mitteilte. Die Kämpfe hätten am Sonntag begonnen und bereits
zwei Soldaten das Leben gekostet. Fünf weitere Soldaten und ein
Kämpfer der islamistischen Gruppe Dschund al Scham wurden nach
Polizeiangaben verletzt.
Dutzende Familien flüchteten aus dem Lager, das am Montag von
Explosionen und Maschinengewehrfeuer erschüttert wurde. Mehrere
Häuser von Dschund-al-Scham-Mitgliedern seien nach Armeebeschuss
abgebrannt, teilten libanesische Sicherheitskreise und
palästinensische Funktionäre mit.
Auslöser der Gewalt waren den Angaben zufolge Angriffe der
Militanten auf libanesische Truppen, die vor dem palästinensischen
Lager stationiert sind. Ein el Hilweh ist das größte der
zwölf palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon. Die
in dem Lager ansässige Extremistengruppe Dschund al Scham ist nach
Schätzungen mehrere Dutzend Mann stark.
Im Norden des Landes kämpft die Armee gegen die Miliz Fatah Islam,
die sich im Flüchtlingslager Nahr el Bared am Rand der Hafenstadt
Tripoli verschanzt hat. Drei Tage nach Ausbruch schwerer Kämpfe in
dem Lager trat am 22. Mai eine Waffenruhe in Kraft. Dennoch kam es
seitdem täglich zu sporadischen Schießereien. Die Armee zog
am Freitag den Belagerungsring enger und stieß am Sonntag in das
Lager vor. Am Montag führten die Streitkräfte neue Truppen
heran. Fünf Kämpfer der Fatah Islam seien seit Freitag
getötet worden, sagte ein Sprecher. Die Armee meldete neun tote
Soldaten seit Freitag. Mehrere tausend Palästinenser sind aus dem
Lager geflohen.
Israels Vize-Regierungschef Schimon Peres hat Kritik von Amnesty
International (ai) an der Sperranlage um das Westjordanland
zurückgewiesen. "Die mit der Sicherheitsbarriere verbundenen
Probleme sind eine Konsequenz aus der zweiten Intifada und aus den
palästinensischen Selbstmordanschlägen", sagte Peres dem
staatlichen Rundfunk. Ai erklärte, Israel sei aufgrund seiner
Besatzungspolitik für die Armut der Palästinenser
verantwortlich. Am heutigen Dienstag beginnen Gedenkfeiern zum 40.
Jahrestag des Sechs-Tage-Kriegs, in dem Israel den Gazastreifen,
Ost-Jerusalem und das Westjordanland, die Golan-Höhen und die
Sinai-Halbinsel besetzt hatte.
Laut israelischem Rundfunk kritisierten mehrere Regierungsvertreter den
ai-Bericht, da er nicht auf die israelischen Opfer von
palästinensischen Anschlägen eingehe. Peres sagte, jeder Staat
habe die Pflicht, seine Bürger zu schützen. Die Sperranlage
sei errichtet worden, um Anschläge der Palästinenser zu
verhindern. Die im Bau befindliche Sperranlage um das
palästinensische Westjordanland soll bei ihrer Fertigstellung rund
650 Kilometer lang sein.
Amnesty hatte in dem in London veröffentlichten Bericht
erklärt, Israel sei wegen seiner 40-jährigen Besatzungspolitik
für die große Armut der Palästinenser verantwortlich.
Zwar habe Israel legitime Sicherheitsinteressen, aber es sei nicht zu
rechtfertigen, dass der jüdische Staat eine Sperranlage auf dem
Gebiet des Westjordanlands errichte.
Ginge es Israel nur darum, Selbstmordattentäter fernzuhalten,
hätte laut ai eine Sperranlage entlang der Grünen Linie
genügt, die Israel seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 vom
Westjordanland trennt. Mit dem Bau der Sperranlage umgehe Israel ein
Urteil des Internationalen Gerichtshofs. Dieser hatte die Anlage 2004
für illegal erklärt. Smart kritisierte, dass die
Sperranlage palästinensische Dörfer und Städte teile.
Der ai-Bericht verurteilte zudem, dass die Palästinenser durch 500
Kontrollpunkte und Straßensperren behindert würden sowie
durch direkt nach Israel führende Straßen, die
ausschließlich für Siedler zugelassen seien. Diese Politik
ziele darauf, "die sich weiter ausbreitenden, aber
unrechtmäßigen Siedlungen zu begünstigen".
Amnesty rief Israel auf, alle Blockaden gegenüber den
Palästinensern aufzuheben, den Bau der Sperranlage auf
palästinensischem Gebiet zu stoppen und die bereits errichteten
Abschnitte dort abzureißen. Zugleich forderte die Organisation
militante Palästinenser auf, gezielte Angriffe auf israelische
Zivilisten zu unterlassen.
boa (Quellen: afp, ap)
Liberias Ex-Machthaber Taylor erscheint nicht vor UN-Tribunal
Di.05.06.07 - Der ehemalige liberianische Machthaber Charles Taylor ist dem Auftakt
seines Kriegsverbrecherprozesses vor einem UN-Tribunal in Den Haag fern
geblieben.
Er habe kein Vertrauen, dass das Gericht "auf faire und unparteiische
Weise" Recht spreche, hieß es in einer Erklärung, die Taylors
Anwalt zum Auftakt des Verfahrens am Montag verlas.
Taylor werden in elf Anklagepunkten Kriegsverbrechen und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Der 59-Jährige soll den
Bürgerkrieg in Liberia und im benachbarten Sierra Leone mit Waffen-
sowie Diamantenschmuggel unterstützt und angeheizt haben. Die von
Taylor unterstützten Rebellen schickten Kindersoldaten ins Gefecht
und verstümmelten und vergewaltigten zahlreiche Zivilisten. In dem
Krieg wurden hunderttausende Menschen getötet. Taylor beteuert
seine Unschuld. Die afrikanischen Behörden hatten wegen
Sicherheitsbedenken um eine Verlegung des Prozesses nach Den Haag
gebeten.
(Quelle: rtr)
Klage gegen UN und Niederlande wegen Massakers von Srebrenica
Di.05.06.07 - Überlebende des Massakers von Srebrenica haben am Montag die
Vereinten Nationen und die niederländische Regierung verklagt, weil
sie die Ermordung tausender Muslime in der UN-Schutzzone im
Bosnienkrieg nicht verhinderten. Die Klage im Namen von 6.000
Angehörigen der Opfer wurde vor dem Obersten Gericht der
Niederlande in Den Haag eingereicht. Es gehe den Klägern nicht zum
finanzielle Entschädigung, sondern um Genugtuung, sagte deren
Anwalt Marco Gerritsen.
Bosnisch-serbische Truppen hatten im Juli 1995 die UN-Schutzzone
Srebrenica überrannt und rund 8.000 muslimische Jungen und
Männer getötet. 450 niederländische Soldaten, die als
UN-Blauhelme zum Schutz der Stadt abgestellt waren, sahen damals
tatenlos zu. Eine unabhängige Untersuchung hat später die
niederländischen Truppen weitgehend von der Verantwortung für
das Massaker freigesprochen und unter anderem der Regierung in Den Haag
und den Vereinten Nationen zur Last gelegt, die Soldaten nicht
ausreichend für den Einsatz gerüstet und unterstützt zu
haben.
Der wegen des Massakers von Srebrenicas angeklagte frühere
bosnisch-serbische Geheimdienstoffizier Zdravko Tolimir sollte am Montag
zu einer ersten Anhörung der dem Haager
UN-Kriegsverbrechertribunal erscheinen. Er gilt als rechte Hand des
ehemaligen Generals Ratko Mladic und war einer der meistgesuchten
mutmaßlichen Kriegsverbrecher der Region. Tolimir war am
Donnerstag an der bosnisch-serbischen Grenze aufgegriffen und den
Vereinten Nationen übergeben worden.
(Quelle: ap)
Russlands Präsident Putin verschärft Ton im Streit über
US-Raketenabwehr
Di.05.06.07 - Der russische Präsident Wladimir Putin verschärft kurz vor
dem G-8-Gipfel den Ton im Streit um den geplanten US-Raketenschild in
Osteuropa. Putin drohte mit «Vergeltungsschritten», sollten
die USA an ihrem Rüstungsvorhaben festhalten. Russische Raketen
könnten «auf neue Ziele in Europa» gerichtet werden,
deutete er in einem Interview an. US-Präsident George W. Bush
wurde unterdessen in Tschechien erwartet, wo ein Teil des
Raketenabwehrsystems errichtet werden soll.
Das geplante System wäre ein integraler Bestandteil des
US-Atomarsenals in Europa, erklärte Putin in dem am Montag
veröffentlichten Interview. Das strategische Gleichgewicht
würde dadurch gestört und Russland müsste auf die
Bedrohung reagieren. Er hoffe jedoch, dass die US-Regierung ihre
Pläne noch ändere. «Wenn das nicht geschieht, weisen
wir die Verantwortung für unsere Vergeltungsschritte zurück,
denn wir sind nicht die Initiatoren des neuen Wettrüstens, das
ohne Zweifel in Europa brodelt.»
Weder der Iran noch Nordkorea verfügten über die Raketen, vor
denen das System angeblich schützen solle, sagte Putin in dem
Gespräch mit ausländischen Journalisten. Der Iran
erklärte, die amerikanische Behauptung, man müsse Europa vor
iranischen Raketen schützen, sei «der Witz des
Jahres». Der oberste Sicherheitsbeauftragte der Teheraner
Regierung, Ali Laridschani, sagte der amtlichen Nachrichtenagentur
IRNA: «Die iranischen Raketen können auf Grund ihrer
Reichweite gar nicht bis nach Europa fliegen.» Westliche
Beobachter gehen davon aus, dass der Iran an einer Schahab-4-Rakete mit
einer Reichweite von 2.000 bis 3.000 Kilometern arbeitet. Teheran hat
entsprechende Berichte aber nie bestätigt.
Europa sei der wichtigste Handelspartner des Irans, betonte
Laridschani. Es sei unlogisch, von einer Bedrohung durch iranische
Raketen auszugehen.
Die Diskussion um den geplanten US-Raketenschild sollte auch beim
Besuch von US-Präsident Bush in Tschechien zur Sprache kommen.
Bush, der in dieser Woche am G-8-Gipfel in Heiligendamm teilnimmt,
wurde am Montagabend in Prag erwartet.
Der britische Premierminister Tony Blair nannte Putins jüngste
Äußerungen beunruhigend. Ganz Europa sei besorgt über
Russlands Verhalten und werde diese Sorge auch zum Ausdruck bringen,
erklärte Blairs Sprecher. Großbritannien strebe eine
«konstruktive Beziehung» zu Russland an, deren
Funktionieren aber ebenso von Moskau abhänge wie von London.
(Quelle: ap)
Brasilien will für Erhalt seiner Wälder entschädigt
werden
Di.05.06.07 - Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva will die
Industriestaaten für die Erhaltung der Wälder in den armen
Ländern bezahlen lassen. Silva erklärte am Montag in einer
wöchentlichen Radioansprache, er wolle beim G-8-Gipfel einen Fonds
vorschlagen, aus dem Entwicklungsländer für eine langsamere
Abholzung ihrer Wälder belohnt werden sollten. «65 Prozent
der Treibhausgase in der Atmosphäre werden von den reichen
Ländern produziert, also haben sie auch die größte
Verantwortung für einen sauberen Planeten», erklärte
der Präsident.
Silva verwies darauf, dass in Europa nur noch ein kleiner Teil der
ursprünglichen Wälder erhalten sei. Brasilien habe dagegen
mehr als 60 Prozent seiner Waldflächen bewahrt. Das
südamerikanische Land verfügt mit dem Amazonas über rund
4,1 Millionen Quadratkilometer Waldgebiet. Die meisten dort
produzierten Treibhausgase stammen jedoch aus der Abholzung von
Bäumen, die niedergebrannt werden. Wissenschaftlern zufolge
entstehen auf diese Weise rund 370 Millionen Tonnen Treibhausgase pro
Jahr - rund fünf Prozent der weltweiten Emissionen.
(Quelle: ap)
China legt erstes nationales Klimaprogramm vor
Di.05.06.07 - Wenige Tage nach den USA hat auch China ein eigenes Programm zur
Eindämmung klimaschädlicher Treibhausgase vorgestellt.
Verbindliche Obergrenzen für CO2-Emissionen sieht der Plan
allerdings nicht vor. Mit der verstärkten Erforschung und
Verwendung energiesparender Technologien soll die Energieeffizienz
landesweit bis 2010 jedoch um 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2005
gesteigert werden. China wolle seiner Verantwortung gerecht werden,
erklärte der Chef der nationalen Entwicklungskommission, Ma Kai, am
Montag.
In dem 62-seitigen Bericht sichert Peking eine stärkere Kontrolle
des Treibhausgasausstoßes zu. Geplant ist auch, mehr Bäume zu
pflanzen, die Infrastruktur der Landwirtschaft sowie die
Wasserwirtschaft zu verbessern. Zudem solle das öffentliche
Bewusstsein für den Klimaschutz gestärkt werden, heißt
es in dem Papier. «Wir müssen den Entwicklungsbedarf mit der
Notwendigkeit des Umweltschutzes in Einklang bringen», sagte Ma.
Zugleich betonte er jedoch, China sei als Entwicklungsland nicht zu
einer substanziellen Verringerung seiner Emissionen verpflichtet. Ma
bezeichnete es als unfair, Schwellen- und Entwicklungsländern
Pflichtobergrenzen aufbürden zu wollen. Stattdessen seien die
Industriestaaten verpflichtet, diese Länder finanziell und
technisch zu unterstützen. Höchste Priorität sei für
sie zunächst die wirtschaftliche Entwicklung und die
Armutsbekämpfung. Die industrialisierten Staaten seien deshalb in
einer besseren Position, Emissionen einzudämmen. Für die
globale Klimaerwärmung machte Ma an erster Stelle 200 Jahre
ungebremste westliche Industrialisierung verantwortlich.
Die Umsetzung des chinesischen Vorhabens werde «ein
Vermögen» kosten, sagte er. Zahlen nannte er nicht.
Vizeaußenminister Cui Tiankai kündigte an, Präsident Hu
Jintao werde sich auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm ausführlicher
zur chinesischen Position zum Klimawandel äußern. Die vor
wenigen Tagen vorgestellte Klimainitiative von US-Präsident George
W. Bush bezeichnete Ma als «nützliche Ergänzung»
zum Kyoto-Protokoll. Ein Ersatz für das Abkommen, das 2012
ausläuft, sei der Vorstoß jedoch nicht.
Die Volksrepublik mit ihrem rasanten Wirtschaftswachstum ist zuletzt
international immer stärker unter Druck geraten, den
Kohlendioxid-Ausstoß einzudämmen. China deckt zwei Drittel
seines Energiebedarfs aus Kohle und wird die USA vermutlich in den
nächsten beiden Jahren als größter CO2-Emmittent der
Welt ablösen. Beobachter vermuten, dass das neue Programm darauf
abzielt, Kritik an China zuvorzukommen, wenn Präsident Hu am
Freitag den G-8-Gipfel besucht.
(Quelle: ap)
USA beharren auf Klimaschutz-Verhandlungen in 15er-Runde
Di.05.06.07 - Die USA wollen offenbar nicht auf den Wunsch der deutschen
Bundeskanzlerin Angela Merkel eingehen, den Klimaschutz unter dem Dach
der UN zu bündeln.
Der US-Botschafter in Deutschland, William Timken, sagte am Montag im
ZDF, US-Präsident George W. Bush habe darauf hingewiesen, dass bei
den 15 größten Umweltverschmutzern die Notwendigkeit einer
Einigung beim Klimaschutz am größten sei. Deshalb sei es
schon sinnvoll, dass ganz besondere Bedingungen für sie
ausgehandelt werden sollten. "Das ist viel wichtiger als zwischen dem
Rest der Vereinten Nationen", sagte Timken.
Merkel hofft dagegen, beim G-8-Gipfel diese Woche in Heiligendamm den
US-Vorstoß zum Klimaschutz in eine weltweite Initiative der
Vereinten Nationen einbinden zu können. "Da sehe ich Chancen. Da
ringen wir noch um die Formulierungen, damit das auch deutlich wird",
sagte sie in der ARD auf die Frage, ob es Signale aus Washington gebe,
den Klimaschutz in einen UN-Prozess einfließen zu lassen. Bush
hatte vorgeschlagen, dass die größten Umweltverschmutzer bei
einem Treffen in den USA im Herbst damit beginnen, langfristige
CO2-Reduktionsziele bis zum Jahr 2050 zu erarbeiten.
Merkel hatte am Wochenende die Erwartungen an die Ergebnisse des
Mittwoch beginnenden Treffens der Staats- und Regierungschefs der acht
mächtigsten Industrienationen (G-8) in Heiligendamm gesenkt. Sie
räumte ein, dass man sich wohl nicht auf den deutschen Vorschlag
einigen werde, den Temperaturanstieg auf der Erde auf zwei Grad zu
begrenzen: "Wenn die Vereinigten Staaten sich nicht bewegen, werden
andere möglicherweise auch erst mal abwarten. Ich rechne eher nicht
mit einer Lösung schon in dieser Woche. Es wird ein dickes Brett
sein, das wir geduldig durchbohren müssen." Auf faule Kompromisse
werde sie sich nicht einlassen: "Über die zwei Grad kann ich nicht
verhandeln."
(Quelle: rtr)
US-Regierung kürzt Mittel für Satellitenforschung zur
Erderwärmung drastisch
Di.05.06.07 - Die US-Regierung streicht die Mittel zur Satelliten gestützten
Erforschung der Erderwärmung drastisch zusammen, während
gleichzeitig Präsident George W. Bush eine weltweite
Führungsrolle bei der Senkung klimaschädlicher Treibhausgase
beansprucht. In einem vertraulichen Bericht an das Weiße Haus,
der der Nachrichtenagentur AP vorliegt, warnen US-Wissenschaftler, sie
würden demnächst einen Großteil ihrer Fähigkeiten
zur Erforschung des Klimawandels vom Weltraum aus verlieren.
Wegen technischer Probleme und eines rasanten Anstiegs der
ursprünglich auf 6,5 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro)
veranschlagten Kosten für das Projekt hat das
Verteidigungsministerium entschieden, in den kommenden Jahren statt
sechs nur vier Satelliten ins All zu schicken, um veraltete
Vorgänger im Orbit zu ersetzen. Außerdem soll der
Schwerpunkt nun lediglich auf der Wettervorhersage beruhen. Die meisten
Instrumente, die für das Sammeln von langfristigen Klimadaten
benötigt würden, wurden gestrichen.
«Leider bringt der jüngste Verlust von Klimasensoren das
gesamte Klimaprogramm in ernste Gefahr», warnen Wissenschaftler
der Raumfahrtbehörde NASA und der Ozeanbehörde NOAA in dem
Schreiben, das vom 11. Dezember datiert. So werde es Lücken
beispielsweise bei der Erforschung von Eiskappen,
Gletschergrößen, Wasserverdunstung, und atmosphärischem
Kohlendioxid geben, heißt es weiter. Das Pentagon sowie NASA und
NOAA werden für den Großteil ihrer Klimadaten auf
europäische Satelliten angewiesen sein.
(Quelle: ap)
IEA fordert von Deutschland Abkehr vom Atomausstieg
Di.05.06.07 - Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat Deutschland aufgefordert,
den Atomausstieg zurückzunehmen. Dieser habe negative Folgen
für den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit und eine
preisgünstige Stromerzeugung, sagte IEA-Chef Claude Mandil am
Montag in Berlin. Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos stimmte
ihm zu und bekräftigte seine Forderung nach einer Abkehr vom
Atomausstieg.
Dazu gebe es derzeit jedoch keine Mehrheit im Bundestag, räumte
der CSU-Politiker ein. Doch könnte als «Alternative zu einer
Gesetzesänderung» zunächst die Stilllegung
funktionierender und sicherer Atomkraftwerke verschoben werden. Gemeint
sind offenbar die Anträge der Energieversorger auf Übertragung
von Laufzeiten von jüngeren auf ältere Kraftwerke, über
die der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zu entscheiden hat.
Mandil stellte eine IEA-Studie über die deutsche Energiepolitik
seit 2002 vor. Darin wird neben dem Atomausstieg auch das Fehlen einer
zusammenhängenden Klimaschutzstrategie bemängelt. Zwar sei
Deutschland auf gutem Weg, seine Klimaziele nach dem Kyoto-Protokoll zu
erreichen. Doch würden die Ziele zum Teil durchkreuzt, etwa durch
die «Nutzung des Emissionshandels, um die Kohle in der
Stromerzeugung zu schützen und stärker zu verwenden».
Auch sei die Förderung der erneuerbaren Energien zum Teil
ineffizient, so zum Beispiel bei der Solarenergie, meinte Mandil. Die
hohen Einspeisevergütungen nähmen den Anreiz, die Kosten zu
senken. Insgesamt summieren sich die Vergütungen nach
IEA-Schätzung zwischen 2000 und 2012 auf 68 Milliarden Euro. Glos
versprach eine Neujustierung «mit geschärftem Blick für
mehr Wirtschaftlichkeit».
Überraschend deutlich wandte sich IEA-Chef Mandil gegen eine
Festschreibung des so genannten Zwei-Grad-Klimaschutzziels, wie es die
deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel für den G-8-Gipfel in
Heiligendamm wünscht. Das Ziel, den Anstieg der
Durchschnittstemperatur weltweit gegenüber vorindustriellen Zeiten
auf zwei Grad zu begrenzen, halte er nicht für sinnvoll, sagte
Mandil. Hier stimme er mit US-Präsident George W. Bush überein.
Dessen Klimaschutz-Inititiave von vergangener Woche wertete er als
«großen Fortschritt» hin zu einem gemeinsamen
internationalen Ansatz gegen den Klimawandel. Allerdings sollte ein
Abkommen unter dem UN-Dach verhandelt werden, sagte Mandil.
Einige Entscheidungen der deutschen Energiepolitik fanden Mandils
ausdrückliches Lob. Dazu zählt der Start der Bundesnetzagentur
zur Regulierung der Energiemärkte nach dem
Energiewirtschaftsgesetz 2005. Allerdings bemängelte Mandil, dass
die Entflechtung von Stromproduktion und Netzen in Deutschland nur
theoretisch vollzogen sei. Hier sei mehr nötig. Glos deutete an,
dass er auf EU-Ebene für die Option des «Unabhängigen
System-Betreibers» (Independent System Operator) für die
Netze plädieren werde.
Zustimmung von der IEA gibt es auch zum Ausstieg aus der
Steinkohleförderung 2018. Dies sei eine ebenso schwierige wie
notwendige Entscheidung gewesen, meinte Mandil.
Die traditionell atomfreundliche IEA wurde 1974 im Rahmen der OECD
gegründet und hat ihren Sitz in Paris.
(Quelle: ap)
Umweltschutz ist für deutsche Wirtschaft Milliardengeschäft
Di.05.06.07 - Der Umweltschutz ist für Deutschlands Wirtschaft ein boomendes
Milliardengeschäft: Mit der Reinhaltung der Natur wurden im Jahr
2005 rund 12,3 Milliarden Euro umgesetzt. Das teilte das Statistische
Bundesamt unter Berufung auf eine Stichprobenumfrage bei 5000 Betrieben
und Behörden mit. Damit stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr
um rund 540 Millionen oder fünf Prozent. Mit 4,4 Milliarden Euro
entfiel dabei ein knappes Drittel des Umsatzes auf den
Gewässerschutz. Mit Luft-Reinhaltung wurden 3,8 Milliarden Euro
umgesetzt, in der Abfallwirtschaft 1,8 Milliarden Euro.
Der größte Umsatz entfällt mit 8,5 Milliarden Euro auf
den Verkauf von Waren, also etwa Windanlagen, Maschinen zur
Wasseraufbereitung oder umweltschonende Komponenten für die
Automobilindustrie. 2,5 Milliarden Euro entfallen auf den Bau, also etwa
die Errichtung von Kanälen, Deponien oder Kläranlagen. Etwa
1,3 Milliarden Euro des Umsatzes entfielen auf Dienstleistungen wie die
Planung oder Überwachung von Umweltschutzprojekten. Das
Statistische Bundesamt veröffentlichte die Erhebung mit Blick auf
den Tag der Umwelt am heutigen Dienstag.
(Quelle: afp)
Rostocker Camp der Globalisierungsgegner ist überfüllt
Di.05.06.07 - Das Camp der Globalisierungsgegner in Rostock ist überfüllt.
«Da sind jetzt 9.000 Menschen, eigentlich war es für 5.000
vorgesehen», sagte Camp-Sprecher Andreas Henner am Montag der
Nachrichtenagentur AP. Daher habe man das Gebiet vergrößert.
Die Stimmung sei «ziemlich gereizt, es geht chaotisch zu».
Statt grüner Bäume wie in den ländlichen Camps blickten
die Menschen hier zwar auch auf grün - das sei aber das Grün
der Polizei-Uniformen. «Das reizt», sagte Henner.
In den Camps Reddelich und Wichmannsdorf gebe es dagegen noch freie
Plätze. In Reddelich befänden sich momentan rund 4.000
Protestler, weitere 1.000 könnten kommen. In Wichmannsdorf seien
1.200 Menschen. Hier sei für weitere 800 Platz.
Henner sagte, in den Camps wolle man eine Atmosphäre schaffen, die
deeskalierend auf die Protestler wirke. Die Polizei müsse aber
mithelfen. Die zahlreichen Kontrollen vor den Camps seien
kontraproduktiv.
(Quelle: ap)
Nach Rostocker Krawallen: Debatte über die Polizeistrategie geht
weiter
Di.05.06.07 - Nach den schweren Krawallen bei der Rostocker Anti-G8-Demonstration vom
Samstag debattieren Politiker und Sicherheitsexperten über das
weitere Vorgehen der Polizei. Während Unionspolitiker ein
härteres Vorgehen gegen Randalierer forderten, verteidigten
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD)
und sein Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Montag die bisherige
Deeskalationsstrategie.
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU)
sprach sich dafür aus, Randalierer so weit wie möglich
«frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen» und dabei auch
die Möglichkeit des Unterbindungsgewahrsams zu nutzen.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte die friedlichen
Demonstranten auf, sich «klar und deutlich von Krawallmachern, von
linken Chaoten zu trennen».
Ein Sprecher des für die Organisation der Rostocker Kundgebung
mitverantwortlichen Netzwerkes Attac entschuldigte sich für die
Krawalle, bei denen es knapp 1000 Verletzte, darunter 433 Polizisten und
520 Demonstranten gab. Rund 130 G8-Gegner wurden festgenommen. Gegen
neun von ihnen erließ das Amtsgericht Rostock am Sonntagabend
Haftbefehl. »Was geschehen ist, hätte so nicht passieren
dürfen. Es tut uns mehr als leid», sagte Attac-Organisator
Werner Rätz, der für die Organisation der Kundgebung in
Rostock mitverantwortlich war.
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) wies den
Veranstaltern der Anti-G8-Demonstrationen «eine hohe moralische
Mitverantwortung» für die Ausschreitungen zu. «Sie
haben nicht genügend Ordner gehabt. Sie haben nicht durchgesetzt,
dass ihre eigene Demonstration friedlich abgelaufen ist»,
kritisierte er.
Eine Überprüfung der Polizeistrategie verlangte die Deutsche
Polizeigewerkschaft (DPolG). «Wir müssen uns sehr intensiv
Gedanken machen, ob eine Deeskalationsstrategie wie bisher noch
angebracht ist», sagte Gewerkschaftschef Wolfgang Speck. Im Umfeld
von Demonstrationen gegen den G8-Gipfel seien «ein energischeres
Auftreten und mehr Präsenz» erforderlich.
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangte Konsequenzen für
das Gipfeltreffen. «Es ist eine Linie der Deeskalation gefahren
worden, und im Nachhinein, glaube ich, wird man feststellen, dass man
den Gewalttätern so nicht Herr werden kann», kritisierte
GdP-Chef Konrad Freiberg. Künftig müssten «Vorkontrollen
dort stattfinden, wo sich die Chaoten treffen. Wer Steine, Messer oder
Knüppel dabei hat, muss sofort in den Polizei-Gewahrsam«.
Ringstorff sagte zum weiteren Vorgehen der Polizei, nach Auswertung der
Erfahrungen vom Samstag werde man «gegebenenfalls
nachjustieren». Im Grunde solle es aber dabei bleiben, dass die
Polizei deeskalieren wolle. Vielleicht müsse es jedoch besser
gelingen, die Autonomen von den eigentlichen Demonstranten zu trennen.
Caffier sah für eine Änderung der bisherigen
Polizei-Strategie keine Veranlassung. Gewaltbereite Demonstranten
müssten sich aber darauf einstellen, dass im Rahmen der
gesetzlichen Möglichkeiten alles dafür getan werde, eine
weitere Eskalation zu verhindern.
Der Rostocker Polizeichef Knut Abramowski wies Kritik an der
polizeilichen Einsatzführung bei den Demonstrationen vom Wochenende
erneut zurück. Das Ziel, die Gewalttäter nicht in die
Rostocker Innenstadt gelangen zu lassen, sei erreicht worden, auch wenn
es dabei eine hohe Zahl verletzter Polizisten gegeben habe, betonte er.
Nach Polizeiangaben waren am Samstag und in der darauf folgenden Nacht
etwa 3000 Gewalttäter aus dem In- und Ausland aktiv. Davon seien
noch 2000 in der Stadt. Sie würden sich in den Camps aufhalten,
sagte Abramowski. Dies bereite der Polizei «große
Sorge».
(Quelle: ddp)
Erneute Demonstration gegen G-8-Gipfel in Rostock
Di.05.06.07 - Die erneute Demonstration in Rostock gegen den G-8-Gipfel ist am
Montagabend von der Demonstrationsleitung aufgelöst worden. Als
Begründung gaben die Veranstalter an, der Protestzug habe nicht
die verlangte Route nehmen dürfen. Knapp 10.000 G-8-Gegner hatten
sich zu der Demo unter dem Motto "G8 entmachten - Krieg verhindern"
versammelt. Nach Polizeiangaben kam es mehrfach zu Zwischenfällen.
Es flogen vereinzelt Steine, außerdem vermummten sich zahlreiche
Teilnehmer immer wieder. Die Polizei entschied daraufhin, dass die
Demonstration nicht ins Stadtzentrum, sondern zum Warne-Ufer
führen sollte.
Die Veranstalter sprachen von 10.000 Teilnehmern, die Polizei von 8500.
Bereits am Tag hatte es verschiedene Protestaktionen in Rostock
gegeben, bei denen es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten
und der Polizei gekommen war.
(Quelle: afp)
EU-Kommission droht Berlin mit Verfahren wegen Arbeitnehmer-Kontrollen
Di.05.06.07 - Die EU-Kommission droht Deutschland mit Klagen vor dem
Europäischen Gerichtshof, um weniger strenge Kontrollen bei
entsendeten Arbeitnehmern aus Osteuropa zu erzwingen. Brüssel
zufolge verstoße die deutsche Kontrollpraxis gegen EU-Recht, da
sie auf einer «allgemeinen Betrugsvermutung» beruhe,
berichtete die «Financial Times Deutschland»
(Dienstagausgabe) vorab unter Berufung auf den Entwurf eines
Strategiepapiers, das die Behörde am 13. Juni vorstellen will.
Arbeitnehmer aus Beitrittsstaaten können legal in Deutschland
arbeiten, wenn sie im Rahmen der EU-Entsenderichtlinie von einer Firma
aus diesen Ländern geschickt werden. In der Bau- und
Gebäudereinigerbranche gilt das deutsche Entsendegesetz, das
Mindestlöhne vorschreibt.
Um Betrug und Lohndumping zu verhindern, beharrt die Bundesregierung
auf «wirksamen Kontrollen». Die Kommission wittere daher
Verstöße gegen die EU-Dienstleistungsfreiheit und
erwäge Vertragsverletzungsverfahren. Die EU bezeichnet es dem
Blatt zufolge als «ungerechtfertigt», dass Entsendefirmen
viele Sozialdokumente in deutscher Sprache bereithalten müssten.
Das gleiche gelte für die Pflicht zum Vorweisen einer Arbeits- und
Aufenthaltserlaubnis bei Arbeitnehmern, die nicht aus der EU stammen,
aber in einem EU-Staat legal beschäftigt sind.
(Quelle: ddp)
Schavan will Pisa-Test auch für berufliche Bildung
Di.05.06.07 - Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat einen internationalen
Leistungsvergleich bei der beruflichen Bildung nach Vorbild der
Pisa-Schulstudie gefordert. «Wir sind davon überzeugt, dass
die berufliche Bildung an Stellenwert in Europa gewinnen wird»,
sagte die CDU-Politikerin bei einer EU-Bildungsministerkonferenz in
München. Die Pisa-Studie zur Allgemeinbildung hätten weltweit
einen Reformschub ausgelöst. «Ähnliches ist auch in der
beruflichen Bildung überlegenswert», sagte Schavan.
Viele EU-Staat würden hier das deutsche Ausbildungssystem als
Vorbild sehen. «Die duale Ausbildung ist in Europa auf dem
Vormarsch», sagte Schavan. Innerhalb Europas sei eine
größere Transparenz und Vergleichbarkeit erforderlich. Ein
Beispiel sei etwa der innereuropäische Vergleich von
nichtakademischen Berufsausbildungen in Deutschland mit solchen, die im
Ausland an Hochschulen unterrichtet würden.
Schavan betonte, dass Europa als Wirtschaftsraum dringend auf eine
größere Mobilität der Auszubildenden angewiesen sei.
«Nur so können wir im internationalen Wettbewerb
bestehen», fügte sie hinzu. Deutschland wolle die Zahl der
Auszubildenden, die sich im Ausland qualifizieren, verdoppeln.
Auch EU-Bildungskommissar Jan Figel forderte mehr
grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Vergleichbarkeit. «Je
mehr wir zusammen tun können, desto besser ist es für unsere
Wirtschaft und unsere Gesellschaften», sagte der slowakische
Politiker.
Ein Schwerpunkt des zweitägigen Ministertreffens im Nymphenburger
Schloss in München mit über 400 Teilnehmern aus 33 Staaten ist
der Abschluss der Beratungen zum europäischen
Leistungspunktesystem ECVET zur Vergleichbarkeit schulischer und
beruflicher Lernleistungen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Nur 20 Prozent der Kinder in armen Ländern überleben
Krebserkrankung
Di.05.06.07 - Trotz der Fortschritte bei der Krebstherapie haben Kinder in armen
Ländern im Kampf gegen die Krankheit nach wie vor nur geringe
Überlebenschancen. Nur 20 Prozent der Kinder in diesen Ländern
überlebten eine Krebserkrankung, sagte Raul Ribeiro,
Wissenschaftler des Programms "My Child Matters" ("Mein Kind
zählt"), am Sonntag (Ortszeit) auf der Jahreskonferenz der
US-Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) in Chicago. In den
Industriestaaten hingegen überstehen nach Angaben des Forschers
rund 80 Prozent der Kinder eine Krebskrankheit. Die Kluft zwischen den
Behandlungserfolgen in entwickelten und armen Ländern kritisierte
Ribeiro als "inakzeptabel und unnötig".
Ribeiro betonte bei der Vorstellung seiner Studie über die Wirkung
von 14 Projekten des Programms "My Child Matters" in verschiedenen armen
Staaten den Nutzen des Engagements. In zehn Ländern - unter
anderem in Bangladesch, Ägypten, Marokko, der Ukraine, Venezuela
und Vietnam - seien viele kurzfristige Projektziele erreicht worden. So
habe die Versorgung der Patienten, die Aufklärung von
Öffentlichkeit und Medizinern, die Früherkennung und die
psychologische Betreuung verbessert werden können. Das Programm
habe gezeigt, dass schon kleine Investitionen das Leben krebskranker
Kinder erheblich verbessern könnten, "auch in der ärmsten
Umgebung", betonte der Wissenschaftler.
Das Programm der in Genf ansässigen Nichtregierungsorganisation
International Union Against Cancer zielt auf die Verbesserung der
Krebsfrüherkennung, der Therapie und der Nachbehandlung nach
Operationen. Außerdem sollen Mediziner in Entwicklungsländern
besseren Zugang zu Diagnose-Techniken erhalten. Das Programm wird von
dem französischen Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis (Paris:
FR0000120578 - Nachrichten) und dem Nationalen Krebsinstitut der USA
unterstützt. Jährlich erkranken nach Angaben von Experten
weltweit mehr als 160.000 Kinder an Krebs. Rund 90.000 von ihnen
sterben an der Krankheit, obwohl bei jungen Menschen entdeckte Tumore
bei einer frühzeitigen Behandlung häufig wirksam
eingedämmt werden können. Leukämie ist bei Kindern die
am weitesten verbreitete Krebserkrankung, gefolgt von Tumoren im
zentralen Nervensystem und den Lymphdrüsen.
(Quelle: afp)