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Irak am tausendzweiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Irakisches Parlament will Einfluss auf Mandat der Besatzungstruppen.
Mehr als 15 Tote bei Selbstmordanschlag nahe Falludscha. UNHCR: Gewalt
hat mehr als vier Millionen Iraker zur Flucht aus ihren Häusern
veranlasst. US-Truppen wollen weiter nach vermissten Soldaten suchen.
Blogger bei der US-Armee bekam Probleme mit Vorgesetzten
Mi.06.06.07 - Die irakische Regierung muss für eine Verlängerung des
Mandats der ausländischen Besatzungstruppen künftig das
Parlament um Erlaubnis bitten. Das beschlossen die Abgeordneten am
Dienstag in Bagdad mit klarer Mehrheit. Für den Beschluss stimmten
die Anhänger des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al
Sadr, die sunnitischen Parlamentsmitglieder und eine weitere
schiitische Fraktion. Die schiitischen und kurdischen Anhänger des
Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki stimmten dagegen.
Wenn die Regierung die Präsenz der multinationalen Truppen
verlängern wolle, müsse sie zuerst das Parlament
überzeugen, sagte der sunnitische Parlamentspräsident Mahmud
al Maschhadani. Das UN-Mandat der Besatzungstruppen wurde auf Bitten
von Al-Maliki um ein Jahr bis zum 31. Dezember verlängert. Es kann
jedoch auf Bitten der irakischen Regierung bis Mitte Juni erneut
überprüft werden.
Ein Selbstmordattentäter hat sich bei einer Versammlung von
Stammesführern in der westirakischen Unruheprovinz Anbar in die
Luft gesprengt und mindestens 15 Menschen mit sich in den Tod gerissen.
Die Opfer gehörten zum Buissa-Stamm, dessen Mitglieder sich zum
Großteil einer Allianz gegen Al Kaida im Irak zusammengeschlossen
haben, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Der Anschlag ereignete
sich in Amirija unweit von Falludscha.
Der oberste Befehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, David
Petraeus, räumte im Fernsehsender CBS ein, dass die Gewalt in
jüngster Zeit stark angestiegen sei. Nach der Entsendung von
zunächst 30.000 zusätzlichen US-Soldaten nach Bagdad im
Februar sei ein Rückgang verzeichnet worden, im Mai jedoch ein
deutlicher Anstieg. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP
kamen im vergangenen Monat mindestens 2.155 irakische Zivilpersonen bei
Anschlägen und anderen politisch motivierten Verbrechen ums Leben.
In Bagdad verhinderten geistesgegenwärtig Wachmänner einen
Selbstmordanschlag vor einer Rekrutierungsstelle der Polizei. Die in
einen schwarzen Tschador gekleidete Attentäterin ignorierte nach
Behördenangaben Aufrufe zum Stehenbleiben, woraufhin auf sie
geschossen wurde. Ihr Sprengsatz explodierte, und die Frau war auf der
Stelle tot. Drei Polizisten wurden leicht verletzt.
In Ramadi westlich von Bagdad gelang es einem Selbstmordattentäter
indessen, seine Autobombe vor einem Kontrollpunkt zu zünden.
Mindestens sechs Polizisten wurden mit dem Mann in den Tod gerissen.
Ein Anschlag im Norden des Landes kostete mehrere irakische Soldaten
das Leben. Außerdem wurden landesweit wieder zahlreiche Leichen
von Gefolterten aufgefunden.
Die Gewalt hat nach Angaben des Weltflüchtlingshilfswerks (UNHCR)
schon mehr als vier Millionen Iraker zur Flucht aus ihren Häusern
veranlasst. Rund 2,2 Millionen gingen ins Ausland, weitere zwei
Millionen sind im eigenen Land auf der Flucht, erklärte
UNHCR-Sprecherin Jennifer Pagonis in Genf. Etwa 1,4 Millionen Iraker
leben demnach in Syrien im Exil, weitere 750.000 in Jordanien. Die
meisten Betroffenen kommen aus Bagdad oder der unmittelbaren Umgebung
der Hauptstadt.
Die US-Streitkräfte wollen die Suche nach zwei im Irak
verschleppten Soldaten auch nach der Veröffentlichung eines Videos
fortsetzen, in dem von der Tötung der Männer berichtet wird.
Die Truppen hätten immer noch die Hoffnung, die Kameraden
«lebend und bei guter Gesundheit» zu finden, sagte
Militärsprecher Kevin Bergner am Montag. Die Gruppe Islamischer
Staat des Iraks hatte zuvor in einem Video erklärt, sie habe die
Soldaten nach ihrer Entführung im Mai umgebracht.
Die Aufnahmen würden analysiert, sagte Bergner und betonte, sie
enthielten offenbar keine Beweise, dass die Verschleppten
tatsächlich tot seien. Insgesamt drei US-Soldaten wurden am 12. Mai
gekidnappt. Einer von ihnen wurde inzwischen tot aufgefunden, nach den
beiden anderen starteten die US-Truppen eine intensive Suche. Auf dem
gut zehnminütigen Band der Extremistengruppe hieß es,
verantwortlich für die Bluttat seien «die amerikanische Armee
und ihre Führer, die sich nicht um die Gefühle der
Mütter der Soldaten kümmern».
Ein Gefreiter der US Army hat Probleme mit seinen Vorgesetzten
bekommen, weil er in seinem Blog über allzu konkrete Erfahrungen im
Irak-Krieg berichtet hat. Deswegen hat der 25-jährige Edward
Watson beschlossen, zunächst nicht mehr regelmäßig zu
bloggen, will seine Webseite aber in anderer Form fortsetzen.
Sein direkter Vorgesetzter habe ihm Verstöße gegen die
Bestimmungen vorgeworfen, erklärte Watson auf eine E-Mail-Anfrage.
Der Unteroffizier habe ihm dann gesagt, was er veröffentlichen
könne und was er für sich behalten solle - und
angekündigt, dass sein Blog regelmäßig kontrolliert
werde.
Nach neuen Bestimmungen der Streitkräfte vom April muss alle
öffentliche Kommunikation einer Sicherheitüberprüfung
unterzogen werden. Die Militärführung räumte aber ein,
dass sie nicht das erforderliche Personal für eine umfassende
Prüfung habe. Watson werde wegen seines Blogs keine Probleme
bekommen, versicherte Major Thomas Earnhardt als Sprecher der 82.
Luftlandedivision im Irak. «Wir ermutigen unsere Soldaten, sich zu
äußern und zu sagen, was sie von ihrem Einsatz halten und
was sie darüber denken, wenn sie der Nation dienen.» Watson
kündigte an, dass er nach seiner Rückkehr aus dem Irak
ausführlicher über seine Erfahrungen berichten wolle,
möglicherweise auch in einem Buch.
boa, (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 06.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundachten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.06.06.06 - Fünfzig mutmaßliche Waffenschmuggler festgenommen +++ Bei neuer Gewalt
wurden am Pfingstwochenende mindestens 60 Menschen getötet +++
Dutzende Menschen in Bagdad verschleppt +++ US-Militär verspricht
Aufklärung über mutmaßliches Massaker in Haditha +++
Schwierige Besetzung von Schlüsselposten im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606060.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Viele Tote bei heftigen Kämpfen in Südafghanistan
Mi.06.06.07 - Bei heftigen Kämpfen und Luftangriffen im Süden Afghanistans
sind nach Angaben der US-Streitkräfte mehr als 20
Taliban-Kämpfer getötet worden. Die Rebellen hätten am
Montag afghanische und internationale Truppen in der Provinz Kandahar
angegriffen, hieß es am Dienstag in einer Erklärung. Danach
kam es zu einem vierstündigen Feuergefecht. Kampfflugzeuge
bombardierten drei Taliban-Stellungen.
Auf der Flucht vor Soldaten der Koalitionstruppen sind in der ebenfalls
im Süden Afghanistans gelegenen Provinz Helmand vermutlich mehr als
20 Taliban-Kämpfer bei der Überquerung eines Flusses
ertrunken. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag
mitteilte, kenterte ein Boot mit Taliban-Kämpfern bei der
Überfahrt.
Bei der Explosion von am Straßenrand versteckten
Sprengsätzen wurden in der Provinz Chost am Montag zwei afghanische
Soldaten getötet und fünf verletzt, wie die Behörden
mitteilten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Gefechte im Nordlibanon wieder aufgeflammt.
Palästinenserpräsident Abbas sieht sieht sein Volk am Rande
des Bürgerkriegs
Mi.06.06.07 - In der palästinensischen Flüchtlingssiedlung Nahr el Bared im
Nordlibanon ist es am Dienstag erneut zu heftigen Kämpfen zwischen
Soldaten und militanten Islamisten gekommen. Nach einer
nächtlichen Feuerpause waren im Tagesverlauf wieder Explosionen
und Schusswechsel zu hören. Seit Beginn der Gefechte vor rund zwei
Wochen wurden schon mehr als 100 Tote gemeldet.
Sieben Kämpfer der militanten Fatah Islam ergaben sich unterdessen
der gemäßigten Fatah-Organisation, wie deren Sprecher Chaled
Aref der Nachrichtenagentur AP mitteilte. Die Männer hätten
ihre Waffen übergeben und zugesichert, sich nicht mehr an den
Kämpfen zu beteiligen. Die Fatah bemühe sich auch, die
Einwohner von Nahr el Bared von einer Unterstützung der Militanten
abzubringen, sagte Aref aus der Flüchtlingssiedlung Ein el Hilweh
im Süden des Landes.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas betonte, die
Fatah Islam habe nichts mit seiner Fatah und auch nichts mit den
Palästinensern zu tun. Er warf der Organisation vor, die
Flüchtlingssiedlungen für Angriffe auf die libanesischen
Streitkräfte zu benutzen und damit das Leben der dortigen
Palästinenser zu gefährden.
In Ein el Hilweh herrschte nach Gefechten zwischen Extremisten der
Gruppe Dschund al Scham und Soldaten am Dienstag gespannte Ruhe. Die
Einwohner wappneten sich jedoch gegen neue Gewalt, viele bereiteten
sich auf eine Flucht vor. In der Siedlung halten sich nach
Schätzungen noch rund 5.000 Menschen auf. «Das hier ist eine
Zeitbombe», beschrieb ein Einwohner die Lage in der
größten palästinensischen Siedlung im Libanon.
Aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete, die Streitkräfte
hätten das Lager in drei Zonen unterteilt: eine unter Kontrolle
der Soldaten, eine andere unter Kontrolle der Islamisten und eine
dritte unter Kontrolle anderer palästinensischer Organisationen,
die der Fatah Islam jedoch keine Hilfe gewährten.
Die Fatah-Organisation in Ein el Hilweh könne Dschund al Scham
nicht Einhalt gebieten, erklärte Fatah-Vertreter Abu Walid Aschi.
Weitere islamistische Splittergruppen unterstützten die Militanten
und verhinderten so ihre Zerschlagung. Eine Sicherheitstruppe aus
mehreren palästinensischen Fraktionen sollte jedoch in dem Lager
Stellung beziehen, um weitere Kämpfe mit der Armee zu verhindern.
Kämpfer der Dschund al Scham hatten sich am Sonntag und Montag in
Ein el Hilweh heftige Gefechte mit libanesischen Soldaten geliefert.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sieht sein Volk
am Rande eines Bürgerkriegs. Die innerpalästinensischen
Kämpfe seien inzwischen sogar schlimmer als die israelische
Besatzung, erklärte Abbas am Dienstag in einer Rede zum 40.
Jahrestag zum Beginn des Sechs-Tage-Kriegs. In dessen Verlauf wurden
unter anderem das Westjordanland, der Gazastreifen und Ostjerusalem von
israelischen Truppen besetzt. Die Besetzung durch Israel sei ein
«schwarzer Tag» für die Palästinenser gewesen, die
einen hohen Preis für die Niederlage bezahlt hätten, sagte
Abbas.
Abbas konzentrierte sich in seiner Rede auf die Kämpfe zwischen
seiner Organisation Fatah und der islamistischen Hamas. Seit März
sind beide Gruppen zwar in einer Koalitionsregierung vereint, es kam
seitdem aber vor allem im Gazastreifen immer wieder zu bewaffneten
Auseinandersetzungen. «Was unsere interne Situation angeht, so
bereitet uns allen das Chaos Sorgen, und noch genauer, dass wir am Rande
eines Bürgerkriegs stehen», sagte Abbas. Er habe hunderte
Stunden mit Verhandlungen verbracht, um das Blutvergießen zu
beenden. Dabei habe er festgestellt, dass die internen Kämpfe
«genau so oder vielleicht noch schlimmer als die Besatzung»
seien.
boa, (Quelle: ap)
UN warnen vor Hungerkrise in Simbabwe
Mi.06.06.07 - Angesichts schlechter Ernten und der dramatischen Wirtschaftskrise in
ihrem Land sind nach UN-Angaben Anfang kommenden Jahres mehr als 30
Prozent aller Simbabwer auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Bereits im
Herbst seien mehr als zwei Millionen Menschen im Süden des Landes
vom Hunger bedroht, erklärten das Welternährungsprogramm
(WFP) und die Welternährungsorganisation (FAO) am Dienstag in Rom.
Bis 2008 werde die Zahl der Bedürftigen auf über vier
Millionen steigen. In dem südafrikanischen Land leben rund
zwölf Millionen Menschen.
(Quelle: ap)
Nigeria verklagt US-Pharmariesen Pfizer auf Schadenersatz
Mi.06.06.07 - Die nigerianische Regierung hat den US-Pharmakonzern Pfizer wegen eines
Arzneimitteltests nach Justizangaben auf sieben Milliarden Dollar (rund
5,2 Milliarden Euro) Schadenersatz verklagt. Bei der Erprobung eines
Pfizer -Präparats sollen der Klageschrift zufolge im Jahr 1996 rund
200 Kinder schwer geschädigt oder getötet worden sein. Der
Konzern habe für die Studie im Bundesstaat Kano nicht die
erforderliche Genehmigung der nigerianischen Behörden eingeholt,
heißt es in der Klage, die die Regierung beim Obersten Gerichtshof
des Landes einlegte.
(Quelle: afp)
'Gipfel der Armen' in Mali begonnen
Mi.06.06.07 - Kurz vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm hat im afrikanischen Mali am
Montagabend der "Armen-Gipfel" mit rund tausend Teilnehmern begonnen.
Bei der fünftägigen Veranstaltung in der Stadt Sikasso mit
Teilnehmern aus Afrika und Europa sollte es um die Themen Schulden,
Ernährungssicherheit und Einwanderung sowie um eine mögliche
Alternative zur Weltbank gehen. "Man muss nein sagen zu neoliberaler
Politik, muss den G-8 sagen, dass die Vorteile der Globalisierung allen
Ländern der Welt dienen müssen", erklärte die
Präsidentin der Afrikanischen Koalition Schulden und Entwicklung,
Barry Aminata Touré, zum Auftakt des Treffens.
(Quelle: afp)
15 Prozent aller Kinder in Mittelamerika unterernährt
Mi.06.06.07 - In Mittelamerika sind gegenwärtig 15 Prozent aller Kinder
unterernährt. Die Mangelernährung von 880.000 Kindern sei
nicht nur ein moralisches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem,
erklärten das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen
(WFP) und die Wirtschaftskommission für Lateinamerika (ECLAC) in
einem gemeinsamen Bericht, der am Montag in Santo Domingo vorgestellt
wurde. Darin werden die Kosten auf 6,7 Milliarden Dollar im Jahr
geschätzt.
(Quelle: ap)
US-Sicherheitskräfte vereiteln Staatsstreich in Laos
Mi.06.06.07 - US-Ermittler haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Kalifornien
Pläne für den Sturz der kommunistischen Regierung von Laos
vereitelt. Die Polizei habe neun Menschen festgenommen, die
überwiegend der laotischen Hmong-Minderheit angehörten und die
mit Automatik-Gewehren, Stinger- und Anti-Panzer-Raketen und anderen
Waffen die Regierung in Vientiane hätten stürzen wollen,
erklärte die Staatsanwaltschaft im kalifornischen Sacramento. Sie
hätten die Regierungsgebäude in Schutt und Asche hätten
legen wollen.
Den Festnahmen waren Razzien in ganz Kalifornien vorausgegangen, an
denen hunderte Agenten der US-Bundespolizei FBI beteiligt waren. "Diese
Ermittlungen klangen nach Filmdrehbuch, aber dann war alles wahr", sagte
ein FBI-Mitarbeiter: Die Festgenommenen seien überzeugt gewesen,
dass ein Waffenhändler ihnen Waffen und Personal für den
Sturz der Regierung zur Verfügung stellen würde: "Zum
Glück konnten wir ihre Aktivitäten stoppen, bevor ihre
Pläne in einen Staatstreich gegen ein Land gemündet
wären, mit dem die Vereinigten Staaten in Frieden leben."
Den Festgenommenen werden unter anderem Verschwörung zu Mord und
Entführung vorgeworfen. Unter den Festgenommenen sind auch ein
laotischer Ex-General und ein pensionierter Offizier des
US-Militärs. Bei ihren verdeckten Ermittlungen hatten die
US-Sicherheitskräfte herausgefunden, dass die neun Waffen und
Munition offenbar per Schiff über Thailand nach Laos schaffen
wollten. Polizei- und Anti-Terroreinheiten hatten sechs Monate lang
ermittelt.
Menschenrechtler werfen den laotischen Behörden die Verfolgung der
Hmong vor. Zu den Hmong gehören eine Reihe ehemaliger
Widerstandskämpfer, die Gegner des kommunistischen Regimes sind.
(Quelle: afp)
ETA kündigt Waffenruhe auf
Mi.06.06.07 - Die baskische Untergrundorganisation ETA hat ihre Waffenruhe für
beendet erklärt. Von Mittwoch 0.00 Uhr an werde sie Euskal Herria,
das Land der Baskisch Sprechenden, "mit Waffen an allen Fronten
verteidigen", erklärte die ETA. In einer Mitteilung an die
baskischen Zeitungen "Gara" und "Berria" machte die Organisation die
spanische Regierung für diesen Schritt verantwortlich.
Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero
erklärte, die ETA schlage erneut den falschen Weg ein.
Madrid habe mit "Festnahmen, Folter und Verfolgung" auf die im
März 2006 von der ETA verkündete Waffenruhe reagiert.,
erklärte die ETA, die seit rund 40 Jahren für ein
unabhängiges Baskenland im Norden Spaniens und Süden
Frankreichs kämpft. Die "Minimalbedingungen" für eine
Fortsetzung der Verhandlungen mit der sozialistischen Regierung seien
nicht erfüllt. Die ETA warf Zapatero "Faschismus" vor, der den
Parteien und Bürgern ihre Rechte vorenthalte. Die Verantwortlichen
der nationalistischen Baskenpartei PNV beschuldigte sie des Verrats.
Zapatero sagte in Madrid, die Aufkündigung der Waffenruhe sei dem
von der baskischen und der spanischen Gesellschaft erwünschten Weg
"radikal entgegengesetzt". Einziges Ziel dieses Weges sei eine
endgültige Waffenniederlegung. Die ETA müsse der Gewalt
vollständig abschwören, forderte der Regierungschef.
Bei seinem Amtsantritt 2004 hatte Zapatero die Friedensbemühungen
mit der baskischen Untergrundorganisation zu einer seiner
Prioritäten erklärt. Diese hatten im Dezember vergangenen
Jahres einen herben Rückschlag erlitten, als die ETA die Waffenruhe
mit einem Sprengstoffanschlag auf ein Parkhaus am Flughafen Madrid
brach, bei dem zwei Ecuadorianer getötet wurden. Die Spannungen
nahmen weiter zu, nachdem der verbotene politische Arm der
Untergrundorganisation, Batasuna, von Kommunalwahlen im Mai
ausgeschlossen worden war. In ihrer Erklärung nannte die ETA die
Wahlen illegitim und undemokratisch.
Die Zeitung "El Pais" berichtete unter Verweis auf Polizei-Hinweise,
ein Attenat der ETA stehe unmittelbar bevor. Es sei wahrscheinlich, dass
die Gruppe einen "spektakulären" Anschlag ohne Opfer
ausführen werden, um ihre Macht zu demonstrieren und ihre
Möglichkeiten zur Einschüchterung und Erpressung auszuweiten.
(Quelle: afp)
Mehrheit der Tschechen offenbar gegen US-Raketenprojekt
Mi.06.06.07 - Die Tschechen sind offenbar zu mehr als 60 Prozent gegen das
US-Raktenabwehrprogramm eingestellt, dessen Komponenten in Osteuropa
aufgestellt werden sollen. Das meldete der Deutschlandfunk am Dienstag
unter Berufung auf den Experten Kai-Olaf Lang von der Stiftung
Wissenschaft und Politik. Die Regierung in Prag will den umstrittenen
Raketenschirm dagegen zulassen, den Russland als grenznahe Bedrohung
bewertet.
Lang erklärte, in Tschechien gebe es eine breite Front von
Gegnern, die aber nicht einheitlich sei. Mindestens drei Viertel der
Tschechen forderten eine Volksabstimmung. Andere verträten ein
prinzipielles Nein zur Einbindung Tschechiens in das Abwehrsystem.
Wieder andere verlangten die Eingliederung des Systems in die Nato. Die
derzeitige Prager Regierung wolle die verteidigungspolitische
Präsenz der USA in Europa auf tschechischem Gebiet sichern,
erklärte Lang. Auch Polen befürwortet bilaterale Abmachungen
mit Washington zur Stationierung von Systemkomponenten auf seinem
Territorium.
(Quelle: ap)
UN rechnen mit wachsender Zahl von Naturkatastrophen
Mi.06.06.07 - Das rasche Wachstum der Städte und die Klimaerwärmung werden
nach Einschätzung der UN zu größeren Naturkatastrophen
weltweit führen. Der UN-Koordinator für humanitäre
Hilfsaktionen, John Holmes, erklärte am Dienstag in Genf,
besonders gefährdet seien die Menschen in den Slums großer
Städte. Dort lebten Millionen auf engstem Raum zusammen, doch
seien die Rettungsdienste gerade dort auf Desaster schlecht vorbereitet.
«Es könnte zu Katastrophen eines Ausmaßes kommen wie
wir sie bisher nicht gesehen haben», sagte Holmes. Der
Klimawandel und der damit einhergehende Anstieg der Meeresspiegel werde
die Zahl und die Intensität gefährlicher Wetterphänomene
steigern. Im besten Fall ließen sich die Auswirkungen mildern.
Holmes forderte die Regierungen auf, schnell zu handeln, um später
möglicherweise tausende Menschen retten zu können. Die
Erfahrung zeige, dass schon kleine Schritte zur Vorbereitung auf
Naturkatastrophen und zur Aufklärung der Bevölkerung sehr
effektiv seien.
Auf der Internationalen Konferenz der Vereinten Nation zur
Eindämmung von Katastrophenrisiken hieß es in Genf,
Megastädte wie Mexiko-Stadt, Neu-Delhi und Kalkutta seien von
Erdbeben bedroht. In New York könne es zu Überschwemmungen
und Tsunamis kommen. Jakarta, Tokio, Schanghai, Dhaka und Bombay drohe
beides, Überschwemmungen und Erdbeben.
Die Internationalen Föderation der Rotkreuz- und
Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) erklärte, die weltweiten
Investitionen in den Katastrophenschutz müssten von derzeit 400
Millionen Dollar (295 Millionen Euro) jährlich auf eine Milliarde
Dollar (740 Millionen Euro) gesteigert werden. «Nicht die
Katastrophen töten Menschen, sondern die Art, wie die Gesellschaft
organisiert ist», sagte der zuständige IFRC-Direktor Mukesh
Kapila.
(Quelle: ap)
EU und Japan bei G-8 mit gemeinsamen Klimazielen
Mi.06.06.07 - Beim G-8-Gipfel in Heiligendamm verfolgen die deutsche
EU-Ratspräsidentschaft und Japan gemeinsame Ziele in punkto
Klimaschutz. Bis zum Jahr 2050 soll der weltweite Ausstoß von
Treibhausgasen mindestens um die Hälfte sinken. Diese Vorgabe
machten Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und der japanische
Ministerpräsident Shinzo Abe am Dienstag nach einem Treffen in
Berlin.
Der 52 Jahre alte Rechtskonservative Abe sagte, Bezugspunkt seien dabei
die weltweiten Emissionen zum jetzigen Zeitpunkt. Merkel deutete an,
dass sich Europa sogar noch ehrgeizigere Ziele vorstellen kann. Mit
Blick auf die Starre Haltung der USA bekräftigte die CDU-Chefin
ihre Forderung nach langfristigen Reduktionszielen, die auf jeden Fall
unter dem Dach der Vereinten Nationen festgezurrt werden müssten.
Auch aufstrebende Schwellenländer wie Indien und China sollten
eingebunden werden.
Um die Erderwärmung zu stoppen, sei «schnelles und
entschlossenes Handeln» nötig, hieß es in der
gemeinsamen Presseerklärung nach Abschluss des 16.
EU-Japan-Gipfels, der jährlich stattfindet. Weiter
bekräftigten die Teilnehmer, die EU und Japan seien bereit, eine
starke Führungsrolle im Hinblick auf das noch auszuhandelnde
Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll zu übernehmen, das
2012 ausläuft. Nötig sei ein «faires, flexibles und
effektives» Rahmenwerk, das alle großen
Emissionsländer einschließe, betonten beide Seiten. Die
Verhandlungen darüber sollten so schnell wie möglich
abgeschlossen werden, um eine Lücke nach 2012 zu vermeiden.
Abe sagte, der Klimawandel betreffe die gesamte Menschheit und die
großen Industrieländer trügen daran Mitverantwortung.
In ein neues Abkommen ab 2013 müssten die USA, China und Indien
eingebunden werden, verlangte er. Die jüngste Klimainitiative von
US-Präsident George W. Bush wertete der Liberaldemokraten als
«großen Fortschritt» gegenüber der bisherigen
Haltung Amerikas. Abe ist neben dem neuen französischen
Präsidenten Nicola Sarkozy der zweite Neuling beim G-8-Gipfel.
An dem Gipfel nahm auch EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso
teil. Der Klimaschutz ist das Top-Thema des Treffens der
größten acht Industrieländer ab dem (morgigen) Mittwoch
im Ostseebad Heiligendamm.
(Quelle: ap)
Merkel will G8-Allianz gegen Klimawandel und Armut
Mi.06.06.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will beim G8-Gipfel in Heiligendamm
eine handlungsfähige Allianz im Kampf gegen den Klimawandel und
die Armut in der Welt schmieden.
Vor der bedrohlichen Kulisse eines neuen Wettrüstens zwischen
Russland und den USA empfängt die Kanzlerin an diesem Mittwoch die
Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsmächte
(G8) am Ostseestrand. Rund 16 000 Polizisten sind aufgeboten, die bis
Freitag tagende Gipfelrunde zu schützen. Enttäuscht
reagierten tausende Globalisierungsgegner auf das Urteil des
Bundesverfassungsgerichtes, das Einschränkungen des
Demonstrationsrechtes bestätigte.
In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa zeigte sich
Merkel von einem Erfolg des Treffens fest überzeugt. «Ich
bin optimistisch, dass wir einen guten Gipfel erleben
können», sagte sie. Über Ziele beim Klimaschutz
müsse zwar noch gerungen werden. «Aber wir haben
international bereits viel Bewegung bewirkt durch diese bewusste
Schwerpunktsetzung für Heiligendamm», sagte die Kanzlerin.
Volle Unterstützung erhielt Merkel von Bundespräsident Horst
Köhler, der der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte: «Ganz
klar ist, dass die richtige Ebene die ganze Staatengemeinschaft ist,
und sie wird von der UN repräsentiert.»
Zuversichtlich ist Merkel auch, spürbare Solidarität der G8
mit den Armen vor allem in Afrika zu mobilisieren. «Positiv ist,
dass in Afrika ein Prozess in Gang gekommen ist, in dem Länder
sich selbst zu dieser guten Regierungsführung verpflichten»,
sagte sie. «Ich sehe insgesamt viel neue Hoffnung für
Afrika, von mehr Schulen und Krankenhäusern bis zu guten
Wachstumsraten in einer Reihe von Staaten.»
Auf der Tagesordnung der «Chefs» aus den USA, Kanadas,
Japans, Russlands, Großbritannien, Frankreichs, Italiens und
Deutschlands stehen auch die festgefahrene Welthandelsrunde, der Schutz
von Erfindungen und die sozialen Folgen der Globalisierung, gegen die
Zehntausende protestierten. Auch am Dienstag kam es in Rostock und
Umgebung wieder zu Protesten. G8-Kritiker wollten am Abend die Ankunft
von US-Präsident George W. Bush mit Straßenblockaden
erschweren. Wasserwerfer und Räumfahrzeuge standen bereit.
Das höchste deutsche Gericht bestätigte ein Urteil aus
Greifswald, nachdem der Protest eingeschränkt und nur unter
Auflagen erlaubt ist. Nach den schweren Krawallen am vergangenen
Samstag in Rostock mit 1000 Verletzten stärkte Merkel den
Sicherheitskräften demonstrativ den Rücken: «Die
Polizei hat hier mein volles Vertrauen. Wir stehen zu den
Polizisten.»
Zurückhaltend bewertete Merkel Möglichkeiten, die an den
Kalten Krieg erinnernde Konfrontation zwischen dem russischen
Präsidenten Wladimir Putin und Bush über ein amerikanisches
Raketenabwehrsystems in Mitteleuropa zu entschärfen. «Die
beiden werden sicherlich auch ohne mich miteinander klar kommen»,
sagte sie. Beide Präsidenten müssten unabhängig von
ihrem Konflikt konstruktiv mitarbeiten. «Die Palette der Themen
ist groß, von Kosovo über das iranische Atomprogramm bis zum
Nahostquartett, Afrika über den Klimaschutz, wo wir nur gemeinsam
vorankommen.»
Bush beschwor Putin am Dienstag in der tschechischen Hauptstadt Prag
eindringlich, seine Attacken gegen die US-Pläne aufzugeben und
stattdessen bei dem Projekt zu kooperieren. In Tschechien und Polen
sollen Teile eines Raketenschildes aufgebaut werden. Russland
fühlt sich dadurch massiv bedroht. ««Der Kalte Krieg
ist zu Ende», sagte Bush nach Gesprächen mit der
tschechischen Führung. «Wladimir, Du solltest keine Angst
vor einem Raketenabwehrsystem haben. Warum arbeitest Du nicht mit uns
bei der Raketenabwehr mit?», sagte Bush. Putin hatte am Vortag
gedroht, neue Ziele ins Visier russischer Raketen nehmen zu lassen.
Unterstützung bekam Putin von China, das mit den aufstrebenden
Volkswirtschaften Brasilien, Indien, Südafrika und Mexiko Gast der
G8 ist. Die Regierung in Peking erklärte, solche Abwehrsysteme
«beeinträchtigen das strategische Gleichgewicht sowie die
internationale Stabilität».
In dieser spannungsgeladenen Gipfelrunde tritt erstmals Frankreichs
neuer Präsident Nicolas Sarkozy auf. Für ihn sind die
zentralen Gipfelziele eine verbindliche Klimaschutzstrategie unter dem
Dach der Vereinten Nationen und die Entwicklungshilfe für Afrika.
Sarkozy will auf Beweise für die guten Absichten der G8 pochen. Am
Rande des Treffens trifft er Bush erstmals als Frankreichs
Präsident.
(Quelle: dpa)
Alternativgipfel will von Merkel Vorreiterrolle im Klimaschutz
Mi.06.06.07 - Zum Auftakt eines Alternativgipfels in Rostock haben
Globalisierungskritiker an Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert,
beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle zu übernehmen.
Die Kanzlerin müsse sich für klare Reduktionsziele für
Treibhausgase einsetzen und beim G-8-Gipfel in Heiligendamm nicht um den
heißen Brei herumreden, forderte Karsten Smid von Greenpeace am
Dienstag in Rostock. Lippenbekenntnisse reichten nicht, damit
delegitimierten sich die Staats- und Regierungschefs der G-8 selbst.
Allein die G-8-Staaten seien für den Ausstoß von 50 Prozent
der Treibhausgase weltweit verantwortlich.
Bei dem Alternativgipfel bis Donnerstag wollen zahlreiche
Nicht-Regierungsorganisationen darüber diskutieren, wie sich die
Globalisierung gerechter gestalten lässt. Die G-8-Kritiker werfen
der Gruppe der Acht vor, sich ohne Legitimation zur Weltregierung
aufzuschwingen und durch ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik die Kluft
zwischen Arm und Reich zu vergrößern.
Der Soziologie-Professor und Träger des alternativen Nobelpreises,
Walden Bello, nannte Merkels Klimaziele zu niedrig. Experten gingen
davon aus, dass eine Verringerung der Treibhaus-Emissionen bis 2050 um
mindestens 80 Prozent nötig sei, nicht nur 50 Prozent, sagte er. Im
Grunde verfolge Merkel das gleiche Ziel wie US-Präsident George W.
Bush: Wachstum um jeden Preis. Merkel will beim G-8-Gipfel in
Heiligendamm ab Mittwoch klare Verpflichtungen zur Senkung der
Emissionen erreichen. Eine solche Festlegung ist wegen der Haltung der
USA jedoch fraglich.
Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean
Ziegler, forderte die EU auf, ihre "mörderische Dumpingpolitik" bei
den Agrarexporten zu beenden. Alle fünf Sekunden sterbe ein Kind
unter zehn Jahren, obwohl die Landwirtschaft eigentlich zwölf
Milliarden Menschen ernähren könnte, das doppelte der
derzeitigen Weltbevölkerung. Einer der Gründe seien die hohen
Exporthilfen der Industriestaaten, die sich 2006 auf 349 Milliarden
Dollar summiert hätten. Damit könnten europäische
Früchte auf afrikanischen Märkten weit billiger als
einheimische Produkte angeboten werden, afrikanische Bauern hätten
keine Chance.
(Quelle: rtr)
"Das Wort zum Aschermittwoch"
... Die soziale Bewegung muss sich fragen, wie sie in Zukunft die
gigantischen Erfolge, die sie errungen hat, umsetzen will, bevor sie
zerbröselt. Denn: Wenn das Ziel sozialer Bewegungen, wie Peter Wahl
vom Attac-Koordinationskreis sagt, darin besteht, "das Meinungsklima der
Gesellschaft zu verändern, ohne parlamentarische Vertretung
anzustreben" - dann haben sie es geschafft. Seit Seattle sind acht, seit
Genua sechs Jahre vergangen, und heute ruft nicht nur Attac, sondern
auch Angela Merkel nach einer Kontrolle der Hedgefonds, Bild geht eine
- wenn auch verlogene - Allianz mit Greenpeace ein, die
Märchenerzähler des Neoliberalismus werden in den Talkshows
ausgelacht, Internationaler Währungsfonds, Weltbank und WTO sind
global blamiert, und vierzig Prozent der Deutschen erwarten von der
Globalisierung nichts Gutes mehr.
Die Überzeugungskraft der Verhältnisse hat dem Protest
Substanz gegeben. Die Erfahrungen von Bauern in Lateinamerika, von
Hartz-IV-Empfängern in Deutschland, die Erkenntnisse der
Klimaforscher, die Angst vorm Abstieg in den Mittelschichten, die
Exzesse der Privatisierung: das sind die erodierenden realen Böden,
auf denen die "ökonomische Alphabetisierungskampagne" bis in
Mainstream-Medien und Fernsehfilme zur Primetime eingesickert ist.
Das deprimierende Alphabet ist gelernt, das Klassenziel erreicht. Nicht
nur chronisch "Linke" ahnen: Wir erleben das Ende des Kapitalismus, wie
wir ihn kennen. Aber was heißt das? Wir haben ein
Umsetzungsproblem. Der Übergang in die Oberschule steht an: die
harte Arbeit, die Früchte des Aufklärungserfolgs zu ernten...
Mathias Greffrath in der taz vom 6.6.2007, S. 8
Mehr unter:
http://www.taz.de/dx/2007/06/06/a0223.1/text
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Friedlicher Protest gegen Bush an Rostocker Flughafen
Mi.06.06.07 - Mehrere hundert G-8-Gegner haben an einer Zufahrtsstraße vor dem
Flughafen Rostock-Laage friedlich gegen den Besuch des amerikanischen
Präsidenten George W. Bush demonstriert. Auf die Nachricht von der
Landung Bushs reagierten die Demonstranten mit einem gellenden
Pfeifkonzert. «Mr. Bush ist bei uns nicht willkommen»,
sagte ein Redner. Andere kritisierte den Gipfel in Heiligendamm als
kostspielige Farce.
Der Regen in Rostock sorgte dafür, dass viele Demonstranten den
Schauplatz bei Beginn der Kundgebung schon wieder durchnässt
verließen. Viele waren die rund 15 Kilometer vom Bahnhof Schwaan
bis zum Flughafen Rostock zu Fuß gegangen.
(Quelle: ap)
Heiligendamm verschwindet hinter einer 'Mauer' aus Polizisten
Heiligendamm ist praktisch weg - so als wäre es von allen
Landkarten gestrichen worden. Einen Tag vor der Ankunft der acht
Staats- und Regierungschefs ist dort, wo früher das kleine
Ostseebad war, nur noch eine Mauer aus Polizisten, Panzerfahrzeugen und
Wasserwerfern zu sehen.
Auf den Straßenschildern ist das Wort «Heiligendamm»
einfach durchgestrichen. Sogar kleine Feldwege sind abgeriegelt. Der
Sicherheitszaun, der die Staatsgäste bei ihrem Gipfeltreffen
schützten soll, wird selbst geschützt wie ein Staatsschatz.
Die Angst vor den Autonomen, die sich am Samstag in Rostock brutale
Straßenschlachten mit der Polizei geliefert haben, ist nun auch
rund um Heiligendamm überall zu spüren.
Wer keinen Berechtigungs-Ausweis hat, kommt über die offiziellen
Wege nicht mal mehr bis in die Nähe des Zauns. Schon auf der zehn
Kilometer entfernten Bundesstraße steht an jeder Abzweigung in
Richtung Heiligendamm ein Kontrollposten. Ein paar Kilometer weiter
kommen die so genannten Vorkontrollen. Von hier geht es nur mit
Berechtigungsausweis weiter - nachdem Polizisten mit fahrbaren Spiegeln
die Autos auch von unten abgesucht haben.
Kurz vor dem Zaun die nächste Kontrolle: Hier kommt nur noch
durch, wer in Heiligendamm wohnt oder arbeitet. Als nächstes geht
es zur offiziellen Kontrollstelle, an der Personen genau durchsucht und
die Autos komplett entladen, durchleuchtet und von Sprengstoffhunden
beschnüffelt werden. Wer es bis hierhin geschafft hat, ist im Ort
Heiligendamm - aber noch immer zig Kontrollen vom Tagungshotel der
Staats- und Regierungschefs entfernt. Am Zaun selbst hängen
überall gelbe Schilder: «Betreten der Baustelle verboten!
Eltern haften für ihre Kinder.»
Auch in allen Nachbarorten von Heiligendamm bestimmt die Polizei das
Ortsbild. «Irgendwie hat man immer ein schlechtes Gewissen, weil
man sich so beobachtet fühlt», sagt eine Einwohnerin in Bad
Doberan. Autofahren ist dort nur etwas für ganz Nervenstarke: Wenn
aus allen Richtungen gleichzeitig Polizeifahrzeuge mit laut heulendem
Martinshorn auf einen zukommen, weiß man oft gar nicht mehr,
wohin man noch ausweichen soll.
Im Vergleich dazu läuft das Leben der 300 Menschen, die hinter dem
Zaun in Heiligendamm wohnen, fast schon normal. Die Post und die
Müllabfuhr kommen etwas später, weil die Fahrzeuge in den
Kontrollen am Zaun feststecken. Und an die vielen Polizisten, die
ständig auf den Straßen unterwegs sind, haben sich die
Heiligendammer schon lange gewöhnt. Es lebt sich nicht schlecht
hinter der Polizei-Mauer. Und während Geschäftsleute in den
Nachbarorten aus Angst vor Steinewerfern ihre Schaufenster vernageln,
können die Heiligendammer getrost von sich behaupten, dass kaum
jemand auf der ganzen Welt so sicher lebt wie sie.
Reportage: dpa, 05.06.2007
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Anti-G8-Proteste: Attac mit zwiespältiger Zwischenbilanz
Mi.06.06.07 - Zur Halbzeit der Anti-G8-Proteste hat die globalisierungskritische
Organisation Attac eine zwiespältige Zwischenbilanz gezogen. Die
schweren Ausschreitungen vom Samstag seien «ein Schock»
gewesen. Die gesetzten Ziele seien deshalb bisher nicht erreicht worden,
sagte der Attac-Protestkoordinator Peter Wahl der Nachrichtenagentur
dpa.
Dennoch habe die Gewalt nicht alles überlagert. «Die
Legitimität der Proteste wird von Medien und Politik nicht in Frage
gestellt. Friedliche Demonstranten und Gewalttäter werden nicht in
einen Topf geworfen.» Es gebe nach wie vor Interesse an
inhaltlichen Positionen. «Das ist ein Erfolg.»
Wahl räumte ein: «Es liegt jetzt ein sehr starker Fokus auf
dem Thema Gewalt.» Zugleich werde aber auch innenpolitisch
über das Versammlungsrecht und die Freiheiten von Demonstranten
diskutiert. «Der Ausgang ist offen. Das Risiko besteht, dass es
einen erneuten Gewaltausbruch gibt und sich die Balance dann zu den
Law-and-Order-Vertretern verschiebt, die die Rechte so eng wie
möglich auslegen.»
Die Globalisierungskritiker hätten ihre Strategie deshalb
angepasst. Sie suchten noch stärker das Gespräch mit der
Polizei und verpflichteten sich unter anderem auch, auf Übergriffe
der Polizei nicht gewaltsam zu reagieren. Zudem versuchten sie,
«andere Fernsehbilder zu liefern» als die von Steine
werfenden Autonomen. Wahl verwies auf eine bunte Inszenierung, bei der
Schwimmer eine aufgeblasene Weltkugel aus dem Wasser des Rostocker
Stadthafens gerettet hatten.
Hoffnungen setzt Wahl auch in den Alternativgipfel, bei dem die
Globalisierungskritiker sich mit ökolgischen und sozialen Themen
des Gipfels befassen. «Der Alternativgipfel als Ort des
friedlichen Gesprächs soll die Deeskalation fördern»,
sagte Wahl. Er gehe davon aus, dass es dort nicht zu Gewalttaten komme.
(Quelle: dpa)
Unions-Politiker schlagen GSG-9-Einsatz gegen Krawallmacher vor
Mi.06.06.07 - Nach den Krawallen von Rostock werden die Forderungen nach einem
härteren Vorgehen gegen gewalttätige Demonstranten immer
lauter. Unionspolitiker schlugen ein Eingreifen der Elite-Einheit GSG 9
vor, auch der Einsatz von Gummigeschossen wurde gefordert. Die vor Ort
zuständige Polizei-Sondereinheit Kavala verbat sich indes jegliche
Einmischung in ihre Strategie. Am Dienstag standen unterdessen die
ersten Protest-Aktionen am Rostocker Flughafen an, auf dem am Abend
US-Präsident George W. Bush erwartet wurde.
Die Polizei ist nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Ole
Schröder offenbar damit überfordert, der brutalen
Gewalttäter im so genannten Schwarzen Block Herr zu werden.
«Der Bundesinnenminister sollte deshalb im Wege der Amtshilfe den
Einsatz der GSG 9 anbieten», sagte Schröder der
«Bild»-Zeitung. Dem stimmte der CSU-Innenpolitiker Stephan
Mayer zu: «Der Rechtsstaat darf sich nicht von Chaoten
vorführen lassen», sagte der Bundestagsabgeordnete.
Der Vorsitzende des Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), brachte
den Einsatz von Gummigeschossen ins Spiel. «Es sollte geprüft
werden, ob wir bundesweit den Einsatz von Gummigeschossen zum
Selbstschutz der Polizisten in besonderen Gefahrensituationen
erlauben», sagte Edathy im «Bild»-Interview.
Die G-8-Polizei-Sondereinheit Kavala verbat sich jegliche Einmischung
aus der Politik in den laufenden Einsatz: «Das ist Quatsch. Es ist
eine absolute Dummheit während der Durchführung eines
Einsatzes so was vorzubringen», sagte Polizeisprecher Axel
Falkenberg. «Unser Sicherheitskonzept steht.»
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte Gummigeschosse kein
geeignetes polizeiliches Einsatzmittel. «Die Polizei will
Straftäter nicht auf Distanz halten, sondern sie festnehmen»,
erklärte GdP-Chef Konrad Freiberg. Erfahrungen im Ausland
hätten gezeigt, dass die Verletzungsgefahr für Unbeteiligte
zu hoch sei. Auch der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach verwies im Sender
N24 auf die mutmaßlich tödliche Wirkung von Gummigeschossen,
und lehnte ihren Einsatz ebenso wie den der Elite-Einheit GSG 9 ab.
Unmittelbar vor der für den Dienstagabend (19.20 Uhr) erwarteten
Ankunft von US-Präsident Bush auf dem Flughafen Rostock-Laage waren
dort erste Protestaktionen geplant. Am (heutigen) Mittwoch werden die
übrigen Staats- und Regierungschefs erwartet, und dann sollen
umfangreiche Sitzblockaden am Flughafen und auf den
Zufahrtsstraßen nach Heiligendamm stattfinden, wie die
Organisatoren vom Bündnis Block G-8 ankündigten.
Die Aktionen seien friedlich angelegt, es sei mit keiner erneuten
Gewalteskalation zu rechnen, erklärte das Bündnis. Es
würden «Tausende Menschen» erwartet. Die Polizei hat
den Angaben zufolge angekündigt, die Demonstranten notfalls
wegzutragen. Im Falle von Gewaltausbrüchen soll die Aktion sofort
abgebrochen werden.
Am Dienstag stand das Thema Frieden, Krieg und Militarismus im
Mittelpunkt der Proteste. Hinter vielen Kriegen stünden die
G-8-Staaten, kritisierte Hans-Peter Kartenberg vom Aktionstag. Auch die
Folgen hätten diese Staaten nicht im Griff. Darüber hinaus
sollte der Alternativgipfel eröffnet werden, in dessen Mittelpunkt
Klimaschutz und Armutsbekämpfung stehen.
Die Globalisierungsgegner legten unterdessen weitere Beschwerden beim
Bundesverfassungsgericht gegen gerichtliche Beschränkungen ihrer
Demonstrationsfreiheit ein. Dabei geht es unter anderem um die
Begrenzung der Teilnehmerzahl bei der Flughafen-Kundgebung auf 50.
(Quelle: ap)
Bundesverfassungsgericht bestätigt Auflagen für Rostocker
G-8-Demo
Mi.06.06.07 - Das Bundesverfassungsgericht hat in einer ersten Entscheidung die
strengen Auflagen für geplante Protestaktionen von
Globalisierungsgegnern beim G8-Gipfel bestätigt. Das Gericht in
Karlsruhe lehnte am Dienstag zwei Eilanträge von Organisatoren
einer Mahnwache und einer Demonstration ab. Die zuvor vom
Oberverwaltungsgericht (OVG) in Greifswald beschlossenen
Beschränkungen der Demonstrationen haben damit Bestand.
Die Eilanträge bezogen sich auf eine für Dienstag geplante
Mahnwache am Sicherheitszaun in Heiligendamm und eine ebenfalls für
Dienstag vorgesehene Demonstration am Flughafen Rostock-Laage
anlässlich der Ankunft von US-Präsident George W. Bush. Das
Oberverwaltungsgericht hatte die Teilnehmerzahl für die Mahnwache
auf 15 beschränkt. Die Demonstration am Flughafen darf nach den
Auflagen nur bei einer 500 Meter vom Flugplatz entfernten
Buswendeschleife stattfinden.
Den Eilantrag zur Mahnwache lehnten die Verfassungsrichter als
unzulässig ab. Es sei nicht dargelegt worden, inwieweit die
Beschränkung ein schwer wiegender Nachteil sei. Mit Blick auf den
Eilantrag zur Demonstration am Flughafen stellten die Richter fest, dass
es keinen schweren Nachteil gebe, den es abzuwenden gelte. Den
Organisatoren sei die Demonstration nicht vollständig verwehrt
worden, auch wenn sie nicht direkt am Flugplatz stattfinden dürfe.
Es sei verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, dass das OVG eine
Gefahr für die öffentliche Sicherheit sehe.
(Quelle: ddp)
Kopftuch tragende Lehrerin scheitert mit Klage auf Einstellung
Mi.06.06.07 - Das Veraltungsgericht Düsseldorf hat das Kopftuchverbot für
Lehrerinnen an nordrhein-westfälischen Schulen bestätigt. Eine
Kopftuch tragende muslimische Lehrerin scheiterte am Dienstag mit einer
Klage auf Einstellung in den öffentlichen Schuldienst. Das Gericht
erklärte in seiner Begründung, laut Schulgesetz dürften
Lehrer in der Schule keine religiösen Bekundungen abgeben, die die
Neutralität des Landes gegenüber Schülern und Eltern
oder den Schulfrieden stören können.
Die 28-jährige Klägerin, die auch zur Gerichtsverhandlung mit
Kopftuch erschien, hatte sich auf ihr Grundrecht auf Religionsfreiheit
berufen und das Kopftuch als Ausdruck ihrer inneren persönlichen
Überzeugung bezeichnet. Zudem sah sie im Kopftuchverbot eine
unzulässige Benachteiligung gegenüber Angehörigen anderer
Glaubensrichtungen. Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte dagegen
argumentiert, dem Kopftuch komme eine religiöse Signalwirkung zu,
die sich nicht mit dem staatlichen Neutralitätsgebot vereinen
lasse. Dem schloss sich die Kammer an.
Das Tragen eines Kopftuchs verstoße gegen das Schulgesetz des
Landes, sagte der Vorsitzende Richter Kurt Büchel. Dabei komme es
nicht auf die persönlichen Motive der Klägerin an - sondern
darauf, wie Schüler und Eltern das Kopftuch auffassten. Im Tragen
eines Kopftuches liege eine bewusste Kundgabe einer religiösen
Überzeugung.
Auch die Bereitschaft, statt eines traditionellen ein modisches
Kopftuch zu tragen, ändere daran nichts. Das Erscheinungsbild sei
«nicht wesentlich anders» als bei einem traditionellen
muslimischen Kopftuch, sagte der Vorsitzende. Die von ihrer
Anwältin angesprochene Möglichkeit, ihre eigenen Haare
stattdessen mit einer Perücke zu bedecken, habe die Klägerin
nicht ernsthaft in Erwägung gezogen.
Das Gericht betonte, das nordrhein-westfälische Schulgesetz sei
mit dem Grundgesetz vereinbar. Dabei müsse allerdings das Gebot
strikter Gleichbehandlung beachtet werden und jede andere religiöse
Äußerung gleichermaßen untersagt sein. Im Land gebe es
dahingehend kein Vollzugsdefizit: Zwar unterrichteten an zwei Schulen
in Nordrhein-Westfalen jeweils eine Lehrerin in Nonnentracht. Es
handele sich jedoch in einem Fall um eine Bekenntnisschule, im anderen
Fall um eine historisch begründete Ausnahme, die der Lehrerin nur
das Unterrichten an einer bestimmten Schule erlaube.
Die aus Duisburg stammende Klägerin hatte sich nach dem Bestehen
der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt um Einstellung als
Beamtin auf Probe an einer Gesamtschule in Krefeld beworben. Die
Bezirksregierung Düsseldorf lehnte dies aber ab, da sie nicht
bereit war, während des Unterrichts auf das Tragen eines Kopftuchs
zu verzichten.
Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache wurde die Berufung
zum Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen zugelassen.
(Aktenzeichen: Verwaltungsgericht Düsseldorf 2 K 6225/06)
(Quelle: ap)
GfK-Studie: Arbeitslosigkeit bleibt größte Sorge der
Deutschen
Mi.06.06.07 - Arbeitslosigkeit bleibt die mit Abstand größte Sorge der
Deutschen. Zwei Drittel nannten den Stellenmangel als größte
Herausforderung des Landes, wie die Gesellschaft für
Konsumforschung (GfK) am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 2000 Deutschen
mitteilte.
2006 hatten dies allerdings noch 80 Prozent gesagt. Die GfK führt
die abnehmende Sorge auf die kräftige Konjunkturerholung
zurück, die wieder mehr Menschen in Lohn und Brot gebracht hat.
Platz zwei in der Sorgenliste nimmt die Preis- und Kaufkraftentwicklung
ein. Fast jeder Fünfte sieht nach der Erhöhung der
Mehrwertsteuer darin ein dringendes Problem - 2006 gab dies nur jeder
Neunte an. Eine größere Rolle spielt auch der Umweltschutz,
der nach der Rentenproblematik und noch vor dem Gesundheitssystem auf
Platz vier der größten Herausforderungen landete. "Eine
ähnlich hohe Bedeutung hatte das Thema zuletzt Mitte der 90er
Jahre", erklärten die Forscher. Wegen des immer deutlicher
werdenden Klimawandels rücke der Umweltschutz stärker in den
Fokus.
Das Top-Thema Arbeitsplatzverlust beschäftigt der GfK zufolge alle
Bevölkerungsgruppen. "Für jung und alt, reich und arm spielt
dieses Problem eine ähnlich große Rolle", hieß es. Im
Osten ist die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust noch immer deutlich
höher als in Westdeutschland. In den neuen Ländern zeigten
sich 76 Prozent der Befragten beunruhigt, während es im Westen
lediglich 64 Prozent waren. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Mai auf
rund 3,8 Millionen und damit auf den niedrigsten Stand seit
fünfeinhalb Jahren. Im Westen lag die Arbeitslosenquote bei 7,5
Prozent, im Osten allerdings doppelt so hoch bei 15,2 Prozent.
(Quelle: rtr)