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Irak am tausenddreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
US-General Lute hatte Bedenken gegen Truppenverstärkung im Irak.
Bei Doppelanschlag in schiitischem Viertel Bagdads mindestens sieben
Menschen getötet. Body Count: Zahl ziviler Opfer bei
amerikanischen Luftangriffen deutlich gestiegen. Fast 3.500 US-Soldaten
seit Beginn des Irak-Kriegs ums Leben gekommen. Kalifornische
Wähler sollen über Truppenabzug aus dem Irak abstimmen
Do.07.06.07 - Der designierte Sonderbeauftragte für die US-Kriegseinsätze
im Irak und in Afghanistan hatte Bedenken gegen die Entsendung
zusätzlicher Kampftruppen in den Irak. In einer schriftlichen
Antwort auf Fragen des Streitkräfteausschusses des Senats
bestätigte Generalleutnant Douglas Lute Medienberichte, wonach er
bei den Beratungen über eine neue Irak-Strategie der Regierung
Zweifel an der Aufstockung der Truppen geäußert hat. Im
Rahmen der neuen Strategie hat Präsident George W. Bush am 10.
Januar die Entsendung von 21.500 zusätzlichen Soldaten bekannt
gegeben, um der Gewalt im Irak Einhalt zu gebieten. Das Ziel wurde
bisher aber nicht erreicht. Die schriftlichen Antworten Lutes an den
Senatsausschuss wurden der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch
zugänglich. Lute nahm seinerzeit an den Beratungen in seiner
Funktion als Pentagon-Abteilungsleiter für
Militäreinsätze teil. Bush ernannte ihn im Mai zum
Koordinator für die Einsätze im Irak und in Afghanistan.
Seine Ernennung muss noch vom Senat bestätigt werden.
Bei einem Doppelanschlag in dem Bagdader Viertel mit dem bedeutendsten
schiitischen Schrein der Hauptstadt sind am Mittwoch mindestens sieben
Menschen getötet worden. Das teilte die irakische Polizei mit. 27
Personen seien verletzt worden. Die Attentäter hätten
zeitgleich zwei Autobomben an zwei wichtigen Kreuzungen im
Kasamija-Bezirk gezündet.
Die Polizei ging von einem weiteren Angriff sunnitischer Extremisten
gegen die Mehrheitsbevölkerung im Irak aus. Bei weiteren Angriffen
wurden ein Polizist und ein Mitarbeiter eines schiitischen Geistlichen
getötet. Aus der nordöstlich von Bagdad gelegenen Stadt Bakuba
wurden Kämpfe zwischen irakischen Soldaten, die von
US-Kampfhubschraubern unterstützt wurden, und sunnitischen
Aufständischen gemeldet. Aus Krankenhauskreisen verlautete, danach
seien acht Leichen in ihr Krankenhaus gebracht worden.
Die US-Luftwaffe hat in diesem Jahr nach eigenen Angaben bereits mehr
Bomben und Raketen im Irak abgeworfen und abgefeuert als im gesamten
Vorjahr: In den ersten fünf Monaten waren es 237, 2006 waren es
insgesamt 229.
Gleichzeitig scheint auch die Zahl ziviler Opfer bei den amerikanischen
Luftangriffen deutlich gestiegen zu sein, wie aus Aufzeichnungen der in
London ansässigen Antikriegsorganisation Body Count hervorgeht.
Waren es den Angaben zufolge im vergangenen Jahr noch pro Monat 40 tote
Zivilpersonen, sind es in diesem Jahr monatlich über 50.
Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498. Einer der
US-Militärangehörigen wurde bei einer Bombenexplosion in
Bagdad getötet, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Ein
zweiter kam bei einer Detonation nahe Beidschi, rund 150 Kilometer
nördlich von Bagdad, ums Leben. Das dritte Opfer wurde aus der
Provinz Dijala gemeldet: Der Mann wurde nach Militärangaben am
Mittwoch bei einer Explosion tödlich verletzt. Ein weiterer Soldat
erlag in Dijala seinen Verletzungen, die er bei Gefechten am Dienstag
erlitten hatte.
Die Wähler in Kalifornien sollen nach dem Willen des Senats ihre
Meinung zu einem Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak
äußern. Die Abgeordneten verabschiedeten am Mittwoch eine
Vorlage, nach der die Wähler zeitgleich mit der Vorwahl am 5.
Februar ihre Haltung deutlich machen können. Allerdings muss die
Vorlage noch das Parlament des Staates passieren und von Gouverneur
Arnold Schwarzenegger unterzeichnet werden. Kalifornien wäre der
erste US-Staat mit einer solchen Abstimmung.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 07.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundneunten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.07.06.06 - Irakischer Regierungschef will Versöhnung nach
südafrikanischem Vorbild: Freilassung von 2500 Häftlingen
angeordnet +++ Sunniten machen Innenministerium für
Massenentführung verantwortlich +++ Irakische Polizei findet neun
abgetrennte Köpfe in Obstkisten +++ US-Soldaten haben offenbar im
Nordirak Zivilperson ermordet +++ Drei britische Soldaten vom Vorwurf des
Totschlags freigesprochen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606070.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.08.12.2006 - Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mindestens 2.919
Angehörige der US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Der weitaus
größte Teil kam erst nach dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
|
Nahost-Konflikt
Israel will laut Olmert Frieden mit Syrien. Israelische Siedler bauen
hundert Wohnungen im Westjordanland. Zahl der Todesopfer
innerpalästinensischer Kämpfe verdoppelt
Do.07.06.07 - Israel ist nach den Worten von Ministerpräsident Ehud Olmert an
einem Frieden mit Syrien interessiert. Man hege keine kriegerischen
Absichten, versicherte Olmert am Mittwoch. Diese Botschaft sei auch der
syrischen Regierung über verschiedene diplomatische Kanäle
übermittelt worden, hieß es in einer Erklärung, die
Olmerts Büro herausgab.
Zuvor hatte Verteidigungsminister Amir Perez gesagt, die israelische
Armee müsse «an allen Fronten bereit» sein. Am Dienstag
simulierten israelische Truppen in einer Übung einen Angriff auf
eine syrische Ortschaft. «Wir müssen den Syrern die
Botschaft übermitteln, dass unsere Übungen und Vorbereitungen
selbstverständlich sind und keineswegs Ausdruck israelischer
Pläne für einen Angriff auf Syrien», sagte Perez dem
Armeerundfunk. Zugleich sprach er sich dafür aus, diplomatische
Möglichkeiten mit Damaskus auszuloten.
Ungeachtet internationaler Absprachen haben israelische Siedler im
Westjordanland rund hundert Wohnungen gebaut. Die Siedler-Organisation
Amana habe etwa 30 Häuser in der Siedlung Alon am Toten Meer und
rund ein Dutzend weitere in Jakir im Norden des
Palästinensergebiets errichtet, berichteten der Armeerundfunk am
Mittwoch. Die Projekte würden weitgehend mit Billigung der
Regierung realisiert, die vor mehreren Jahren grünes Licht für
die Bauvorhaben gegeben habe. Die meisten Wohnungen seien bereits
verkauft. Beim Bauland handele es sich um Privatgrund, sagte der Chef
der Siedlerlobby im Westjordanland, Benzvi Liberman.
Bei internen Kämpfen in den Autonomiegebieten sind laut einer
Studie der Palästinensischen Unabhängigen Kommission für
Bürgerrechte (PICCR) im vergangenen Jahr doppelt so viele
Palästinenser ums Leben gekommen wie 2005. Insgesamt 345
Palästinenser seien 2006 von Landsleuten getötet worden,
heißt es in dem am Mittwoch bekannt gewordenen Bericht. Unter den
Opfern sind nach Angaben von Kommissionsdirektor Lamis Alami auch 40
Kinder. Ein Jahr zuvor hatte die Kommission 176 Tote gezählt.
Der Vorsitzende der Kommission, Mamdu al Aker, nannte als Grund
für die steigenden Opferzahlen den Konflikt zwischen der
islamistischen Hamas und der gemäßigteren Fatah. Allein in
den ersten fünf Monaten dieses Jahres seien schon mehr als 270
palästinensische Kämpfer und Zivilpersonen bei internen
Zusammenstößen getötet worden. Präsident Mahmud
Abbas warnte, die Gewalt zwischen Palästinensern sei eine ernste
Gefahr für das Volk.
Al Aker kritisierte, die 80.000 palästinensischen
Sicherheitskräfte seien unfähig, die Autonomiegebiete und
ihre Bürger zu beschützen. Teile der Sicherheitskräfte
waren in der Vergangenheit selbst in die Kämpfe verwickelt. Das
PICCR in Ramallah wurde 1993 auf Anordnung des damaligen
PLO-Vorsitzenden Jassir Arafat eingerichtet.
boa (Quellen: ap, afp)
Über 100 Mitglieder der Muslimbruderschaft in Ägypten
festgenommen
Do.07.06.07 - Die ägyptische Polizei hat seit Dienstag bei mehreren Razzien im
ganzen Land 105 Mitglieder der verbotenen islamistischen
Muslimbruderschaft festgenommen. Darunter sind zwei Kandidaten für
die Wahl zum Oberhaus des Parlaments am 11. Juni, wie die Gruppe am
Mittwoch mitteilte. Die Polizei bestätigte die Festnahmen. Die
Razzien sind teil einer verstärkten Kampagne der Regierung gegen
die Muslimbruderschaft vor der Wahl. Bereits in den vergangenen Wochen
wurden zahlreiche Mitglieder der Organisation festgenommen. Die
Muslimbruderschaft ist die größte oppositionelle Gruppe in
Ägypten und offiziell seit 1954 verboten. In einem gewissen Rahmen
wird sie zwar toleriert, aber es gibt immer wieder größere
Razzien.
(Quelle: ap)
UN und Rotes Kreuz warnen vor Gewalt in Zentralafrika
Do.07.06.07 - Das internationale Rote Kreuz und das UN-Flüchtlingshilfswerk
UNHCR haben vor einer Zunahme der Gewalt in der Zentralafrikanischen
Republik gewarnt. Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten
Kreuz (IKRK) sagte in der Hauptstadt Bangui, durch die anhaltenden
Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen seien mehr als
280.000 Menschen auf der Flucht. Die Situation der Flüchtlinge
verschlechtere sich immer weiter.
Eine UNHCR-Sprecherin sagte in Genf, die Menschen berichteten sowohl
von Übergriffen durch Rebellen als auch durch Regierungstruppen.
Bei den Kämpfen würden immer wieder ganze Dörfer
niedergebrannt. Die Situation der Flüchtlinge werde auch deshalb
immer schwieriger, weil gleichzeitig zahlreiche Menschen aus der
benachbarten Krisenregion Darfur nach Zentralafrika flöhen. Wegen
der unsicheren Lage sei es für die UN-Helfer schwierig, genaue
Informationen zu bekommen.
In der Zentralafrikanischen Republik gab es seit der
Unabhängigkeit von Frankreich 1960 zahlreiche Militärrevolten
und Aufstände. Derzeit kämpfen Rebellen gegen den amtierenden
Präsidenten François Bozize, der 2003 mit einem
Militärputsch an die Macht kam.
(Quelle: ap)
Amnesty stellt Darfur unter Satelliten-Beobachtung
Do.07.06.07 - Mit täglich aktuellen Satellitenaufnahmen im Internet will Amnesty
International Wacht über die sudanesische Krisenregion Darfur
halten. Das Projekt «Eyes on Darfur» (Augen auf Darfur)
stellt zahlreiche als bedroht geltende Dörfer vor, die über
Satellit beobachtet werden können. Mit der am Mittwoch
geschalteten Website hoffe Amnesty, Licht auf die Orte zu werfen und
damit die Bedrohung abwenden zu können, sagte Sprecherin Ariela
Blatter bei der Eröffnungskonferenz an der University of
California in Berkely.
Eine Überwachung für Teams vor Ort sei gefährlich und
nahezu unmöglich, erklärte Lars Bromley vom Verband für
die Förderung der Wissenschaften AAAS, der das Projekt technisch
unterstützt. «Aber die Satellitenbilder bieten eine weitere
Möglichkeit, über die Mauern zu schauen.» Der seit vier
Jahren anhaltenden Gewalt in Darfur sind mindestens 200.000 Menschen
zum Opfer gefallen, mehr als 2,5 Millionen sind auf der Flucht.
Menschenrechtsexperten werfen der sudanesischen Regierung eine direkte
Verwicklung in die Gräueltaten sowie Unterstützung der
Reitermiliz der Dschandschawid vor, der blutige Angriffe auf die
Zivilbevölkerung zur Last gelegt werden.
Die Aufnahmen für «Eyes on Darfur» werden von
kommerziellen Satelliten gemacht, die von Amnesty gemietet wurden. Im
Internet handelt es sich zwar nicht um Live-Bilder, doch können
die Fotos binnen eines Tages erscheinen.
(Quelle: ap)
Augen auf Darfur:
http://www.eyesondarfur.org
Bischof der chinesischen Untergrundkirche festgenommen
Do.07.06.07 - Nur neun Monate nach seiner Freilassung ist ein Bischof der
katholischen Untergrundkirche in China erneut festgenommen worden, wie
am Donnerstag die in den USA ansässige Kardinal-Kung-Stiftung
mitteilte. Der 73-jährige Bischof Jia Zhiguo sei am Dienstag von
Polizisten in Zhengding in der nördlichen Provinz Hebei
abgeführt worden. Über die Gründe und seinen
Aufenthaltsort habe man keine Informationen, erklärte die
Stiftung. Jia wurde den Angaben zufolge seit Januar 2004 mindestens
zehn Mal inhaftiert. Zuletzt war er nach zehnmonatiger Haft im
September vorigen Jahres freigelassen worden. In China gibt es eine
staatlich kontrollierte katholische Kirche, die Katholische
Patriotische Vereinigung, die die Oberhoheit des Papstes ablehnt. Die
katholische Untergrundkirche mit mehreren Millionen Anhängern ist
immer wieder Verfolgungen ausgesetzt.
(Quelle: ap)
Costa Rica bricht mit Taiwan und nimmt Beziehungen zu China auf
Do.07.06.07 - Costa Rica hat am Mittwoch die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan
nach fast 60 Jahren abgebrochen und stattdessen Beziehungen zu China
aufgenommen. Präsident Oscar Arias begründete in einer
Pressekonferenz den Schritt damit, dass das mittelamerikanische Land
das Verhältnis zur asiatischen Supermacht China stärken
müsse, um ausländische Investitionen anzuziehen. Die
Volksrepublik China lehnt es kategorisch ab, diplomatische Beziehungen
zu einem Staat zu haben, der Taiwan anerkennt. Peking betrachtet Taiwan
als abtrünnige Provinz. Druck aus China hat in den vergangenen
zwei Jahrzehnten dazu geführt, dass lediglich noch etwas mehr als
20 überwiegend kleine und arme Staaten in Lateinamerika und Afrika
Beziehungen zu Taiwan unterhalten.
(Quelle: ap)
Frankreichs Präsident Sarkozy will türkische EU-Bewerbung
beenden
Do.07.06.07 - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will eine
Strategie für ein Ende der türkischen EU-Bewerbung
vorschlagen. Sarkozy sagte der Zeitung «Le Figaro» vom
Mittwoch, es gehe darum, Europa in dieser Frage nicht zu spalten und
gleichzeitig den bisherigen Weg nicht fortzusetzen. «Ich habe
meine Meinung nicht geändert: Die Türkei hat keinen Platz in
Europa», erklärte der Präsident. Er betonte, dies sei
nicht gegen das türkische Volks gerichtet. Vielmehr müssten
die Grenzen Europas definiert werden. Mit seiner ablehnenden Haltung zu
einer EU-Mitgliedschaft der Türkei stellt sich Sarkozy gegen die
Mehrheit der Mitgliedsstaaten, die Beitrittsverhandlungen mit Ankara
unterstützen.
(Quelle: ap)
EU-Kommission schlägt Gesetz für Bleiberecht vor
Do.07.06.07 - Die Europäische Kommission hat ein EU-weites Bleiberecht für
Flüchtlinge vorgeschlagen. Wie andere Ausländer müssten
demnach auch Flüchtlinge nach fünf legal in Europa verbrachten
Jahren keine Ausweisung mehr fürchten.
Der am Mittwoch vorgelegte Gesetzesentwurf der Brüsseler
Behörde knüpft das Bleiberecht aber an gewisse Bedingungen. So
müssen die Flüchtlinge laut Kommissionsvorschlag ein
regelmäßiges Einkommen und eine umfassende
Krankenversicherung nachweisen. Wer Sozialhilfe für sich oder seine
Familie in Anspruch nimmt, bekäme keine dauerhafte
Aufenthaltsberechtigung. Außerdem müssen die Kandidaten
nationale Vorgaben zur Eingliederung - etwa den erfolgreichen Besuch von
Sprachkursen - erfüllen. Kein Bleiberecht soll bekommen, wer die
öffentliche Sicherheit und Ordnung seines Gastlandes
gefährdet.
Die EU-Richtlinie zum Bleiberecht braucht die Zustimmung der
Mitgliedstaaten im Ministerrat. Der Vorschlag ist Teil eines umfassenden
Kommissionspakets zur Ausländerpolitik, das EU-Kommissar Franco
Frattini am Mittwoch vorstellte. Frattini will die Asylpolitik der EU
bis Ende 2010 vereinheitlichen. Die 27 EU-Staaten müssten die
Lasten gemeinsam tragen, erklärte seine Behörde. Eine
umfassende Anhörung soll Einzelheiten klären.
(Quelle: dpa)
EZB hebt Leitzins auf vier Prozent an
Do.07.06.07 - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins wie erwartet
angehoben: Der Satz, zu dem sich die Banken in der Eurozone bei der
Notenbank Geld leihen können, steigt um einen Viertelpunkt auf vier
Prozent, wie die Währungshüter nach ihrer Sitzung in
Frankfurt am Main mitteilten. Es war die achte Zinserhöhung seit
Dezember 2005. Für Verbraucher bringen höhere Zinsen Vor- und
Nachteile: Darlehen werden teurer, Sparer bekommen mehr Zinsen - oft
jedoch mit Verzögerung.
(Quelle: afp)
Zerschlagung der Energiekonzerne in EU findet keine Mehrheit
Do.07.06.07 - Die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben einen
Vorschlag der EU-Kommission zur Entflechtung im Energiebereich
abgelehnt. EU-Energiekommissar Andris Peibalgs reagierte nach einem
Treffen der für Energiefragen zuständigen Minister in
Luxemburg enttäuscht und sagte vor Journalisten, er habe damit
keine Mehrheit hinter sich. Die Entflechtung des Netzbetriebs von der
Erzeugung und vom Vertrieb sei im Übrigen nicht nur sein
Vorschlag, sondern ein Vorschlag der gesamten Kommission.
Die für Energiefragen zuständigen Minister der EU hatten
letztmalig über Gesetzesvorschläge zur Umgestaltung des
europäischen Energiemarkts beraten, bevor die Kommission im
September ihre Vorschläge offiziell vorstellt. Würde der
Vorschlag zur Entflechtung sich durchsetzen, ergäben sich
weitreichende Folgen für den deutschen Markt, in dem Netze und
Produktion stark miteinander verwoben sind.
(Quelle: afp)
Studie warnt vor Krisen und Kriegen wegen des Klimawandels
Do.07.06.07 - Mit dem Klimawandel wird die Gefahr von Krisen, Kriegen und Flucht
einer neuen Studie zufolge weltweit steigen. Zu befürchten seien
Verteilungskonflikte um Wasser und Nahrung, die in einigen Regionen
wegen der Erderwärmung noch knapper würden, erklärte der
Wissenschaftliche Beirat der deutschen Bundesregierung Globale
Umweltveränderungen (WBGU) am Mittwoch in Berlin.
Als Gegenmaßnahme schlägt der Rat in einem Gutachten eine
Art neuen KSZE-Prozess vor. Denn die befürchteten
«innerstaatlichen Zerfalls- und Destabilisierungsprozesse mit
diffusen Konfliktstrukturen» seien mit der klassischen
Sicherheitspolitik nicht zu bewältigen.
Schon heute lebten 1,1 Milliarden Menschen ohne sicheren Zugang zu
ausreichend Trinkwasser, 850 Millionen seien unterernährt. Vom
Klimawandel sei eine Verschlimmerung zu erwarten: Schwankungen bei
Niederschlägen, der steigende Meeresspiegel und die wachsende
Gefahr von Unwettern brächten neue Risiken. Folge könnten
Verteilungskonflikte und Wanderungsbewegungen sein.
Die Wissenschaftler erwarten, dass immer mehr arme Staaten damit allein
nicht umgehen können und weiter destabilisiert werden. Besonders
das südliche Afrika und das Gangesdelta seien gefährdet.
Afrika sei schon heute von Destabilisierung und Gewalt am meisten
betroffen. Millionen Menschen seien bereits auf der Flucht. «Der
Klimawandel würde schwelende Konflikte weiter anfachen»,
erklärte der WBGU.
Auch ein etwaiger Kollaps des Regenwaldes hätte aus Sicht der
Wissenschaftler unabsehbare Folgen. Gefährdet seien aber auch
wirtschaftlich aufstrebende Regionen wie die dicht besiedelte
Ostküste Chinas. Sie sei von Stürmen und Fluten bedroht - mit
potenziell dramatischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen.
Der Rat fordert dringend Gegenmaßnahmen. So müsse die
internationale Klimaschutzpolitik ehrgeizig weiter entwickelt werden.
Die Treibhausgasemissionen müssten bis 2050 im Vergleich zu 1990
halbiert werden. Zur Bewältigung der Konflikte sei darüber
hinaus eine «handlungsfähige multilaterale Ordnung
notwendig». Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und
Indien müssten für gemeinsames Handeln gewonnen werden.
«Denkbar wäre es, einen am Vorbild der Konferenz für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa orientierten Prozess
anzustoßen», hieß es weiter.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thma unter:
http://www.wbgu.de/
US-Präsident Bush lehnt Vorgaben für CO2-Ausstoß weiter
ab
Do.07.06.07 - Die USA lehnen verpflichtende Obergrenzen für den Ausstoß
klimaschädlicher Treibhausgase weiter ab. Das sagte
US-Präsident George W. Bush am Mittwoch vor Beginn des G-8-Gipfels
in Heiligendamm. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass die acht
Staats- und Regierungschefs bis Freitag einen Konsens in Sachen
Klimaschutz finden können.
Bush hatte vergangene Woche vorgeschlagen, die 15 größten
Emittenten von Treibhausgasen - darunter China und Indien - sollten sich
zusammensetzen und bis Ende kommenden Jahres gemeinsame Ziele
vereinbaren. «Die USA können bei der Suche nach einer
Lösung als Brücke dienen», sagte Bush am Mittwoch vor
Journalisten.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich in Heiligendamm um
verbindliche Vorgaben zum Klimaschutz bemühen. Ziel ist die
Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius.
Dazu müsste der Kohlendioxid-Ausstoß drastisch gesenkt werden.
(Quelle: ap)
G-8-Gipfel beginnt mit Arbeitssitzung zur Weltwirtschaft
Do.07.06.07 - Mit einer Debatte über die Weltwirtschaft nehmen die Staats- und
Regierungschefs der acht führenden Industriestaaten am Vormittag
in Heiligendamm offiziell ihre Arbeit auf. Im Mittelpunkt des
G-8-Gipfels unter dem Vorsitz von Bundeskanzlerin Merkel steht
allerdings die Suche nach Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel
und die Armut in Afrika. Beim Mittagessen sollen die internationalen
Krisenherde erörtert werden.
Zum Auftakt des Gipfels am Mittwochabend hatte Merkel ihre Gäste
mit Partnern zu einem festlichen Abendessen auf Schloss Hohen Luckow
bei Heiligendamm empfangen.
Der Mittwochnachmittag war für bilaterale Gespräche
reserviert. Merkel sprach mit US-Präsident George W. Bush, dem
russischen Präsidenten Putin, dem französischen
Präsidenten Sarkozy und dem italienischen Ministerpräsidenten
Prodi.
Merkel und Bush zeigten sich entschlossen, beim Klimaschutz trotz ihrer
Differenzen an einem Strang zu ziehen. Bush erklärte sich dabei
bereit zu Klimaschutzverhandlungen unter dem Dach der UN. Verbindliche
Ziele zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes lehnte er
weiterhin ab.
(Quelle: ap)
Evangelischer Kirchentag: Forderungen an G8
Do.07.06.07 - Zu Beginn des Evangelischen Kirchentages in Köln haben am Mittwoch
sieben Weltreligionen vom G8-Gipfel entschiedenere Schritte im Kampf
gegen die weltweite Armut gefordert.
«Das Ausmaß extremer Armut in unserer Welt ist ein
Skandal», hieß es in einem «Ruf aus Köln»,
der von den Religionsvertretern an den G8-Gipfel in Heiligendamm
übermittelt wurde. Außenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) rief in einem Grußwort beim Eröffnungsgottesdienst vor
rund 65 000 Menschen zu einer «gemeinsamen
Welt-Innenpolitik» auf. «Wir sitzen alle in einem Boot,
egal ob Reich oder Arm.»
«Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche erfüllt uns
mit Unbehagen und mit Sorge», sagte Steinmeier. Ein «Leben
nach der Stoppuhr» mache vielen Menschen Angst: «Ich
wünsche uns für Deutschland ein neues Bündnis für
sozialen Zusammenhalt.» Mit Blick auf die Proteste beim G8-Gipfel
sagte Steinmeier, beim Kirchentag könnten Argumente auch
«ohne großes Polizeiaufgebot, ohne Gewalt, Zäune und
Stacheldraht» ausgetauscht werden.
Neben den 65 000 Menschen beim Eröffnungsgottesdienst auf den
Poller Wiesen am Rhein feierten 20 000 weitere Kirchentagsbesucher in
der Innenstadt. Zu einem anschließenden «Abend der
Begegnung» und einem Lichtermeer aus Kerzen wurden zwischen 300
000 und 400 000 Teilnehmer erwartet. Mehr als tausend Blechbläser
wollten unter Leitung von Markus Stockhausen das eigens für den
Kirchentag komponierte Werk «Alpenglühen» spielen.
Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sagte, das
Protestantentreffen wolle mit Blick auf den G8-Gipfel
«Brücken bauen» und «Fronten auflockern».
Die Themen des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentags seien
geprägt durch den Gipfel: Es gehe um gerechte Weltwirtschaft,
Afrika, Klimaschutz und die Konflikte im Nahen Osten. «Wir werden
Menschen vor und hinter dem Zaun ins Gespräch miteinander
bringen», sagte Höppner.
Die Vertreter der Weltreligionen bemängelten in ihrem «Ruf
aus Köln», die G8-Staaten verfolgten «offensichtlich
weiter ein Wirtschaftsmodell, das dem Wachstum ungeachtet seiner
sozialen und ökologischen Folgen Priorität
einräumt».
«Sehr klar» wenden sich die Religionsführer gegen den
Waffenexport und die «intensiven Militärausgaben» der
G8-Staaten, betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD), Wolfgang Huber. Zudem beobachte man mit Besorgnis
Tendenzen zu einem neuen Wettrüsten in Europa. Der
russisch-orthodoxe Metropolit Kyrill verurteilte das geplante
US-Raketensystem in Osteuropa, das sein Land zur Entwicklung neuer
Raketen herausfordere.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers (CDU) erinnerte in seinem Grußwort an Konrad
Adenauer, der 1946 vor einem «gottlosen Materialismus»
gewarnt habe. «Heute hat diese Einschätzung an
Aktualität wenig eingebüßt», sagte Rüttgers.
«Weil die materialistische Weltanschauung den Menschen
unpersönlich macht - zu einem kleinen Teil in einer ungeheuren
Maschine.»
Nach Einschätzung Hubers ist es besonders Besorgnis erregend, dass
von den bis 2015 angestrebten Millenniumszielen zur Unterstützung
armer Länder «keineswegs die Hälfte des Weges hinter
uns liegt, obwohl die Hälfte der Zeit vergangen ist».
Höppner zeigte sich enttäuscht darüber, dass es kein
gemeinsames Abendmahl mit den Katholiken geben wird. Kurz vor Beginn
des Kirchentags hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner
bekräftigt, dass Katholiken dort nicht am protestantischen
Abendmahl teilnehmen dürften. Dies entspricht der Position der
katholischen Kirche, während nach protestantischem
Verständnis alle Getauften zum Abendmahl eingeladen sind.
Zu dem Kirchentag unter dem Motto «lebendig und kräftig und
schärfer» haben sich bis zum Sonntag mehr als 104 000
Dauerbesucher angemeldet, davon eine Rekordzahl von gut 5000
Teilnehmern aus dem Ausland. Rund 40 Prozent der Dauerbesucher sind
unter 30 Jahre alt. Schüler bilden mit knapp 26 Prozent die
größte Gruppe, gefolgt von Angestellten und Rentnern (je 18
Prozent).
(Quelle: dpa)
Verfassungsgericht verbietet Sternmarsch bis zum G-8-Schutzzaun
Do.07.06.07 - Das Bundesverfassungsgericht hat den für den (heutigen) Donnerstag
geplanten Sternmarsch von Gipfelgegnern bis an den Schutzzaun um das
G-8-Tagungsgelände untersagt. Die Karlsruher Richter
begründeten ihre Entscheidung am Mittwoch mit Sicherheitsrisiken.
Sie folgten damit den Bedenken der Polizei und bestätigten eine
Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Greifswald. Das so genannte
Sternmarsch-Bündnis kündigte an, keine weiteren
Veranstaltungen anmelden zu wollen. «Wir sehen uns ab jetzt in
keinerlei Verantwortung mehr für den Ablauf von Aktionen und
Demonstrationen», sagte Sprecherin Susanne Spemberg.
(Quelle: ap)
10 000 G8-Gegner dringen in Sicherheitszone ein - Zufahrten zu Gipfel
in Heiligendamm blockiert
Do.07.06.07 - Bis zu 10 000 G8-Gegner haben sich am Mittwoch Zutritt zur
Sicherheitszone um Heiligendamm verschafft und die Zufahrtswege massiv
blockiert. Steine flogen in Richtung von Polizisten, Wasserwerfer waren
im Einsatz. Beide Kontrollstellen im zwölf Kilometer langen
Sicherheitszaun um Heiligendamm wurden geschlossen. Das Ostseebad war
über Stunden nicht auf dem Landweg erreichbar.
Die Anreise der G-8-Staats- und Regierungschefs sowie ihrer
Delegationen auf dem Flughafen Rostock-Laage wurde nach offiziellen
Angaben aber nicht behindert. Die Staats- und Regierungschefs, darunter
Bundeskanzlerin Angela Merkel, wurden wie vorgesehen mit dem
Hubschrauber nach Heiligendamm gebracht, ihre Delegationen zu nahe
gelegenen Hotels. Journalisten wurden mit Schiffen transportiert, da
Demonstranten die dafür vorgesehene Eisenbahnlinie blockierten.
16 Polizisten wurden nach Polizeiangaben bei Ausschreitungen verletzt,
auch auf Seite der Demonstranten gab es Verletzte. Insgesamt 178
Demonstranten wurden in den Gefangenensammelstellen untergebracht.
«Die Strategie der Deeskalation hat sich auch am heutigen Tag
bewährt», erklärte die Polizei. So habe es nur wenige
Angriffe von Gewalttätern auf Polizisten gegeben. An der
Galopprennbahn seien Einsatzkräfte erneut mit Steinen beworfen
worden.
Am Vormittag waren rund 800 Demonstranten direkt zum zwölf
Kilometer langen Sicherheitszaun vorgedrungen, insgesamt befanden sich
bis zum Abend rund 10.000 in dem Gebiet, in dem Demonstrationen
verboten sind. Zufahrtswege wurden von ihnen blockiert. Die Polizei
ging gegen die Demonstranten an der Kontrollstelle Hinter Bollhagen
vor, so dass diese am Abend wieder passierbar war. «Die
technische Sperre war zu keinem einzigen Zeitpunkt
gefährdet», betonte die Polizei.
Weiter östlich nahe Börgerende sowie am westlichen
Kontrollpunkt bei Hinter Bollhagen hatte die Polizei versucht, mit
Wasserwerfern Sitzblockaden zu räumen. Die Organisatoren
berichteten von Tränengas- und Schlagstockeinsatz und bestritten
Steinwürfe auf Polizisten aus ihren Reihen. Demonstranten seien
durch Tränen- und Reizgas sowie Schlagstöcke verletzt worden.
Zahlreiche Straßen östlich und westlich von Heiligendamm und
rund um den Flughafen Rostock-Laage waren wegen Sitzblockaden teils
über Stunden gesperrt. Manche Straßen hatten die
Demonstranten mit umgestürzten Bäumen blockiert. Im Raum des
Flughafens fanden sechs Blockaden statt, an denen sich nach Angaben der
Organisatoren rund 1.000 Demonstranten beteiligten.
Am Abend unternahm die Polizei «Maßnahmen zur
Aufklärung der Störerlage» am Camp Grenzschlachthof
Rostock. Gipfelgegner sprachen von einer Begehung der Polizei ohne
Durchsuchungsbeschluss. Die Polizei berichtete dagegen, sie habe keine
Begehung gemacht. «Auch war zu keinem Zeitpunkt eine Räumung
beabsichtigt», erklärte Polizeiführer Knut Abramowski.
Demonstrationen sind in unmittelbarer Nähe des zwölf
Kilometer langen Sicherheitszauns untersagt. Auch nach einer am
Mittwoch veröffentlichten Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts müssen Demonstranten mehrere Kilometer
Abstand zum Tagungsort halten.
(Quelle: ap)
Deutschlands Drucker erhalten ab Juli drei Prozent mehr Lohn
Do.07.06.07 - Deutschlands Drucker erhalten ab Juli mehr Geld: Die Löhne der
knapp 180.000 Beschäftigten steigen ab Juli um 3,0 Prozent, ein
Jahr später nochmals um 2,1 Prozent. Dies teilten die Gewerkschaft
Verdi und der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) mit. Die zweite
Lohnerhöhung gilt nur für neun Monate. Für die Monate
April bis Juni müssen die Drucker eine Nullrunde hinnehmen. Damit
liegt das Gesamtlohnplus für die 24-monatige Laufzeit des
Tarifvertrags im Schnitt bei 3,4 Prozent.
Ein Drucker, der 2000 Euro brutto verdient, erhält also im ersten
Jahr monatlich 60 Euro mehr, ab Juli 2008 sogar 104 Euro mehr. Da er von
April bis Juni keine Lohnerhöhung bekommt, verdient er bis zum
Ende des Tarifvertrags im Juni 2009 im Schnitt 68 Euro brutto mehr. Die
Verhandlungspartner trafen sich bei der Lohnerhöhung damit etwa in
der Mitte ihrer bisherigen Forderungen. Verdi-Verhandlungsführer
Frank Werneke erklärte, die Tarifeinigung sei "insgesamt
respektabel".
Auch die Arbeitgeberseite wertete den Abschluss als Erfolg und
erklärte, die Verhandlungen seien in "wirtschaftlich vertretbare
Bahnen gelenkt worden". Die zweijährige Laufzeit gebe den
Unternehmen der Branche nun "ausreichende Planungssicherheit",
erklärte der BVDM. Dafür hätten die Arbeitgeber auf die
zuvor geforderten Einmalzahlungen verzichten müssen.
Den Verhandlungen waren dreiwöchige Warnstreiks vorausgegangen.
Zeitungsleser hatten diese zu spüren bekommen, da oftmals
dünnere Ausgaben ihres Blattes erschienen. In den mehr als
zehntausend Betrieben der Druckindustrie arbeiten knapp 180.000
Mitarbeiter. Mehr als 70 Prozent von ihnen arbeiten in Kleinbetrieben
mit weniger als zehn Mitarbeitern. Der größte Umsatz wird in
der Branche mit rund fünf Milliarden Euro mit dem Druck von Werbung
und Katalogen gemacht. Rund vier Milliarden Euro werden mit dem Druck
von Zeitschriften und Zeitungen umgesetzt, mit dem Buchdruck weitere
rund eine Milliarden Euro.
(Quelle: afp)
Islamrat dringt auf Abschaffung des Kopftuchverbots
Do.07.06.07 - Der Islamrat für die Bundesrepublik ruft die christlichen Kirchen
zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen das Kopftuchverbot für
Lehrerinnen in Nordrhein-Westfalen auf. Von diesem Gesetz seien nicht
nur Muslime betroffen, betonte der Ratsvorsitzende Ali Kizilkaya am
Mittwoch in einem ddp-Interview. Vielmehr zeige das jüngste Urteil
des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts, dass das Verbot auch
Auswirkungen auf andere Religionen habe.
Das Gericht hatte am Dienstag die Klage einer Muslimin abgewiesen, die
weiter ein Kopftuch im Unterricht tragen und ihre Einstellung als
Beamtin auf Probe in den öffentlichen Schuldienst erzwingen wollte.
In dem Urteil wurde zugleich hervorgehoben, es sei das Gebot strikter
Gleichbehandlung der verschiedenen Glaubensrichtungen zu beachten.
Hieraus ergebe sich, dass andere religiöse Bekundungen durch
Lehrkräfte an öffentlichen Schulen gleichermaßen
untersagt seien.
Kizilkaya verwies darauf, dass demnach die Regelung zum Beispiel auch
für die Nonnentracht gelten könne. Die christlichen Kirchen
sollten deshalb wie der Islamrat an die Politik appellieren, zu dem
«bewährten Modell der Neutralität des Staates
gegenüber allen Religionen» zurückzukehren. Eine
Abschaffung des Kopftuchverbots werde sich zudem positiv auf die
Integration der Muslime in Deutschland auswirken.
Der Düsseldorfer Landtag hatte im Mai vergangenen Jahres
entschieden, dass muslimische Lehrerinnen an den öffentlichen
Schulen kein Kopftuch mehr im Unterricht tragen dürfen. Für
Diskussionen sorgte schon damals die Regelung, dass das Tragen der
christlichen Ordenstracht und der jüdischen Kippa erlaubt blieb.
SPD und Grüne warnten davor, dass bei einer gerichtlichen
Überprüfung alle religiösen Symbole an den Schulen
verboten werden könnten.
(Quelle: ddp)