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Irak am tausendvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bushs künftiger Kriegskoordinator zweifelt an Irak-Strategie. Zahl
der im Irak getöteten US-Soldaten steigt auf mehr als 3.500.
Türkei ruft Sicherheitszonen an irakischer Grenze aus. Sechs Tote
bei Selbstmordanschlägen
Fr.08.06.07 - Der von US-Präsident George W. Bush nominierte Kriegskoordinator
für die Armee-Einsätze im Kampf gegen den Terror hat Bedenken
über die Erfolgsaussichten der derzeitigen Strategie im Irak
eingeräumt. "Während der Entwicklung dieser Strategie habe
ich Bedenken geäußert", sagte Generalleutnant Douglas Lute
bei seiner Nominierungsanhörung vor dem Senat. Er halte es
für "wahrscheinlich", dass die von Bush durchgesetzte Aufstockung
der US-Truppen "nur zeitlich und örtlich begrenzte Auswirkungen"
habe, wenn nicht die irakische Armee in gleichem Maße mitziehe.
Der Fortschritt beim Aufbau von Iraks Armee verlaufe bislang aber
"ungleichmäßig", sagte Lute. Die bisherigen Ergebnisse der
Strategie bezeichnete er als "gemischt". Vor weiteren Beurteilungen
riet er zur Geduld: "Wir sind in einem frühen Stadium und brauchen
noch Zeit." Lute bezeichnete den Posten als "große
persönliche Herausforderung" und sagte zu, Präsident Bush
"offen und ungeschminkt" zu beraten.
Bush hatte Lute im Mai für den neu geschaffenen Posten nominiert.
Der Generalleutnant soll die Militäreinsätze der US-Armee vor
allem im Irak, aber auch in Afghanistan koordinieren. In den US-Medien
wird Lutes künftige Funktion als "Kriegs-Zar" bezeichnet.
Die Zahl der im Irak seit Beginn des Kriegs vor vier Jahren
getöteten US-Soldaten ist auf mehr als 3.500 gestiegen. Am
Donnerstag wurde ein Soldat bei der Explosion einer Bombe in Bagdad
getötet. Seit Beginn des Kriegs im März 2003 kamen damit nach
einer Zählung der Nachrichtenagentur AP schon 3.501 US-Soldaten im
Irak ums Leben. Allein in den ersten sechs Tagen des Junis wurden
mindestens 23 US-Soldaten getötet, das waren durchschnittlich vier
jeden Tag. Das ist ähnlich wie im Mai, als insgesamt 127
US-Soldaten im Irak starben. Als eine der tödlichsten Waffen der
Aufständischen haben sich auf Straßen oder am
Straßenrand platzierte Bomben erwiesen.
Im Kampf gegen kurdische Rebellen haben die türkischen
Streitkräfte mehrere Gebiete an der irakischen Grenze zu
Sicherheitszonen erklärt. Betroffen seien Teile der Provinzen
Sirnak, Siirt und Hakkari, berichteten türkische Zeitungen am
Donnerstag. Das Militär erklärte auf seiner Website, der
Sonderstatus solle bis Anfang September gelten, machte aber keine
weiteren Angaben. Am Mittwoch drangen nach Angaben aus
Sicherheitskreisen tausende türkische Soldaten in den Irak ein.
Die Militäraktion sei eng begrenzt, und es handele sich nicht um
den angedrohten größeren Einmarsch, hieß es. Das
Außenministerium in Ankara sowie irakische Grenzbeamte wiesen die
Angaben zurück. Es habe keinen Vormarsch in ein anderes Land
gegeben, zitierte der Sender NTV den türkischen Außenminister
Abdullah Gül. Zugleich bekräftigte Gül dem Bericht
zufolge aber das Recht seines Landes, gegen Aufständische
vorzugehen.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan
erklärte in einem Interview des Senders Kanal 24, ein Einmarsch in
den Irak müsse vom Parlament gebilligt werden. Ankara hat in den
vergangenen Wochen seine Truppen an der Grenze zum Irak verstärkt
und mit einem Einmarsch gedroht, um Stützpunkte der Kurdischen
Arbeiterpartei (PKK) anzugreifen.
Bei zwei Selbstmordanschlägen im Norden und Westen des Iraks sind
am Donnerstag mindestens sechs Polizisten getötet worden. In Rabia
nahe der syrischen Grenze sprengte sich vor einer Polizeiwache ein
Attentäter in einem mit Sprengstoff beladenen Lkw in die Luft. Drei
Menschen kamen ums Leben, vier weitere wurden verletzt. Rund eine
Stunde später zündete ein Selbstmordattentäter einen
Sprengsatz in Ramadi, etwa 115 Kilometer westlich von Bagdad. Nach
Angaben eines Polizeisprechers wurden drei Polizisten in den Tod
gerissen, es gab vier Verletzte.
boa, (Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 08.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.07.06.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Menschenrechtler vermuten 39 Gefangene in geheimen Gefängnissen
des CIA
Fr.08.06.07 - In geheimen Gefängnissen des US-Geheimdienstes CIA werden nach
Angaben von Menschenrechtsorganisationen möglicherweise noch bis
zu 39 Menschen festgehalten. Die sechs Gruppen veröffentlichten am
Donnerstag einen 21 Seiten langen Bericht mit den Namen von vermissten
Personen und den Umständen des Verschwindens.
Drei Menschenrechtsgruppen reichten außerdem eine Klage bei einem
US-Bundesgericht ein, um Informationen über so genannte
«verschwundene Gefangene» zu bekommen.
In der Liste stehen die Namen und Nationalitäten von Vermissten
aus Ägypten, Kenia, Libyen, Marokko, Pakistan, Saudi-Arabien und
Spanien. Zu den «Verschwundenen» gehörte unter anderem
das mutmaßliche Mitglied im Terrornetzwerk El Kaida, Hassan Ghul.
«Wir wollen wissen, wo diese 39 Personen jetzt sind und was mit
ihnen geschehen ist, seit sie verschwunden sind», schreibt Joanne
Mariner von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in dem
Bericht. «Seit Ende der schmutzigen Kriege in Lateinamerika lehnt
die Welt das "Verschwinden lassen" als elementare Verletzung des
internationalen Rechts ab», sagte Meg Satterthwaite vom Center
for Human Rights.
Die US-Tageszeitung «Washington Post» hatte 2005 erstmals
die Existenz von geheimen CIA-Gefängnissen enthüllt.
US-Präsident George W. Bush gab dann im September 2006 erstmals
öffentlich zu, dass diese CIA-Programme existierten. Nach Angaben
von Bush wurden zuvor 14 Gefangene in das US-Militärgefängnis
nach Guantánamo Bay auf Kuba verlegt. Die Überstellung
eines Gefangenen aus CIA-Gewahrsam nach Guantánamo im April
dieses Jahres lege den Schluss nahe, dass das geheime CIA-Programm
weitergeführt werde, heißt es. Einige Gefangene könnten
im Auftrag der CIA in Gefängnisse in anderen Ländern gebracht
worden sein.
(Quelle: dpa)
Bis zu 30 Taliban in Südafghanistan getötet
Fr.08.06.07 - Bei Kämpfen im Süden Afghanistans sind 30 mutmaßliche
Taliban getötet und verwundet worden, wie das
Verteidigungsministerium in Kabul am Donnerstag mitteilte. Wie viele
Tote und Verletzte es gegeben habe, stand einem Ministeriumssprecher
zufolge zunächst nicht fest. Das Gefecht und mehrere Luftangriffe
ereigneten sich am Mittwoch in der Provinz Helmand.
In der südlichen Provinz Sabul griffen Bewaffnete am Donnerstag
ein Gelände der Regierung an und töteten einen Polizisten.
Drei weitere seien bei dem mehr als zweistündigen Gefecht verletzt
worden, sagte ein Polizeisprecher. Ebenfalls in Sabul kam bei einer
Minenexplosion ein afghanischer Soldat ums Leben, wie das
Verteidigungsministerium mitteilte. In Sabul und der Provinz Nangarhar
nahmen afghanische und Koalitionstruppen nach Militärangaben
insgesamt sechs militante Kämpfer fest und hoben ein Waffenlager
aus.
(Quelle: ap)
Putin schlägt Bush gemeinsame Raketenschild-Militärbasis vor
Fr.08.06.07 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Vereinigten Staaten
einen gemeinsamen Militärstützpunkt vorgeschlagen, um den
Streit um die geplante Raketenabwehr der USA zu beenden. Dazu
könne eine Radarstation in Aserbaidschan genutzt werden, sagte
Putin laut russischen Medien nach einem Treffen mit US-Präsident
George W. Bush am Rande des G-8-Gipfels in Heiligendamm. Er habe am
Vortag mit dem aserbaidschanischen Präsidenten gesprochen, und
dieser sei einverstanden. Bush finde den Vorschlag "interessant", sagte
US-Sicherheitsberater Steve Hadley.
Russland und die USA seien sich einig über "gemeinsame
Bedrohungen", sagte Putin. Allerdings hätten sie unterschiedliche
Ansichten über die Mittel, "mit denen sich diese Bedrohungen
überwinden lassen". Russland habe die Vorschläge der USA
eingehend betrachtet. "Wir haben unsere eigenen Vorstellungen, und ich
habe sie Präsident Bush ausführlich erläutert."
Zunächst gehöre dazu, "dass wir gemeinsam die Radaranlage
benutzen, die wir in Aserbaidschan gemietet haben".
Russland müsse seine Raketen dann nicht auf Europa ausrichten,
sagte Putin laut russischen Nachrichtenagenturen. Vielmehr
entstünden damit "die Bedingungen für eine gemeinsame
Arbeit". Er sei sich mit Bush darüber einig gewesen, "dass unsere
Fachleute sich schnellstens an die Arbeit machen sollen".
Bush sagte nach dem Gespräch mit Putin nicht, was er von dem
Vorschlag halte. Er betonte lediglich, es sei "besser
zusammenzuarbeiten als Spannungen aufzubauen". Sein Sicherheitsberater
Hadley sagte, der US-Präsident finde den Vorschlag "interessant".
Bush und Putin seien sich darüber einig geworden, dass eine Gruppe
von Fachleuten die "Möglichkeiten" ausloten solle. Ein russischer
Regierungssprecher sagte, die Amerikaner bräuchten etwas Zeit, um
den Vorschlag abzuwägen.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich zufrieden
mit dem Gespräch zwischen Bush und Putin. Sie hob im ZDF hervor,
dass es ein sehr gutes und konstruktives Gespräch gewesen sei.
Beide Seiten hätten auch vereinbart, weiter zu sprechen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Fatah el Islam droht mit Ausweitung des Konflikts im Libanon.
Nahost-Quartett lädt Olmert und Abbas nach Kairo ein
Fr.08.06.07 - Die islamistische Organisation Fatah el Islam hat damit gedroht, ihren
Kampf im Libanon auszuweiten. Sollte die Armee die Bombardierung der
Fatah-el-Islam-Stellungen in der Flüchtlingssiedlung Nahr el Bared
fortsetzen, würde die Organisation "die Schlacht aus dem Lager
heraustragen", sagte ein Sprecher der Gruppe am Donnerstag der
Nachrichtenagentur AFP. Er wies daraufhin, dass die meisten der von der
libanesischen Armee gesuchten Kämpfer nicht mehr an den Gefechten
beteiligt seien, da sie verwundet oder getötet worden seien. Bei
den Kämpfen kam am Donnerstag nach Angaben der Streitkräfte
zudem ein libanesischer Soldat ums Leben.
Das internationale Nahost-Quartett hat einen neuen Anlauf unternommen,
um den festgefahrenen Friedensprozess wieder in Gang zu bringen. Die
Diplomaten der EU, der USA, Russlands und der Vereinten Nationen luden
den israelischen Regierungschef Ehud Olmert und den
palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas für den 25.
Juni zu Gesprächen nach Kairo ein.
Das Nahost-Quartett sprang damit in eine Lücke, die entstanden
war, nachdem die Palästinenser in letzter Minute ein für
Donnerstag geplantes Treffen mit Olmert abgesagt hatten. Die Gewalt
zwischen beiden Seiten ist zwar in den vergangenen Tagen abgeflaut. Das
in Jericho geplante Treffen wäre aber vermutlich von der
prekären Sicherheitslage im Gazastreifen dominiert worden. Bei der
jüngsten Welle von Luftattacken und Raketenangriffen kamen mehr als
60 Palästinenser und zwei Israelis ums Leben.
Die diplomatische Initiative der Staatengemeinschaft fällt
zusammen mit einer neuen Anspannung im Konflikt zwischen der
gemäßigten Fatah von Präsident Abbas und der
islamisch-fundamentalistischen Hamas, die maßgeblich an der
Regierung beteiligt ist. Bei einer Schießerei zwischen Mitgliedern
beider Organisationen im südlichen Gazastreifen wurde am
Donnerstag ein Fatah-Kämpfer getötet. Damit scheint der am
19. Mai geschlossene Waffenstillstand erneut in Frage gestellt.
Zuvor kamen binnen zwei Wochen mehr als 50 Palästinenser ums
Leben. Die Kämpfe flauten erst ab, als Israel seine Luftangriffe
auf den Gazastreifen verstärkte. Der Konflikt zwischen den
rivalisierenden Parteien der Palästinenser kostete im vergangenen
Jahr 345 Menschen das Leben, wie die Palästinensische
Unabhängige Kommission für Bürgerrechte (PICCR)
mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es 176 gewesen.
boa, (Quellen: afp, ap)
UN beklagen anhaltende Armut in Afrika
Fr.08.06.07 - Die Vereinten Nationen haben die führenden Industriestaaten zur
Aufstockung ihrer Entwicklungshilfe für Afrika aufgerufen. Der
G-8-Gipfel biete die Chance, einen konkreten Zeitplan für die
kommenden Jahre aufzustellen, sagte die stellvertretende
UN-Generalsekretärin Asha-Rose Migiro. Nicht ein einziges
afrikanisches Land erreiche nach derzeitigem Stand das
UN-Millenniumsziel, die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen bis
2015 zu halbieren, heißt es in dem Bericht, den Migiro in New
York vorstellte.
Seit 1999 sank der Anteil der Menschen, die mit weniger als einem
Dollar pro Tag auskommen müssen, von 45,9 auf 41,1 Prozent, wie aus
dem UN-Bericht hervorgeht. Die Netto-Entwicklungshilfe für die
Länder südlich der Sahara sei in den vergangenen zwei Jahren
effektiv nur um zwei Prozent angestiegen - mit Ausnahme von Nigeria, das
von einem außergewöhnlichen Schuldenerlass profitierte.
Bei ihrem Gipfeltreffen im schottischen Gleneagles 2005 hatten die
G-8-Staaten einen umfassenden Aktionsplan für Afrika beschlossen,
der eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe bis 2010 vorsieht. Das Thema
steht nun in Heiligendamm erneut auf der Tagesordnung.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will die acht Staats- und
Regierungschefs drängen, ihre Zusagen einzuhalten.
Migiro verwies am Mittwoch darauf, dass es auch bei den anderen im Jahr
2000 von den Vereinten Nationen beschlossenen Millenniumszielen
erheblichen Nachholbedarf gibt. So sei die Kindersterblichkeit in Afrika
nur leicht zurückgegangen. Außerdem zeige der Bericht, dass
die Risiken einer Schwangerschaft für afrikanische Frauen
erheblich seien: Noch immer stirbt im Durchschnitt eine von 16 Frauen
wegen Komplikationen während der Schwangerschaft oder kurz nach
der Entbindung.
(Quelle: ap)
Nachfrage nach Biotreibstoff treibt Lebensmittelpreise nach oben -
Entwicklungsländern droht Anstieg um neun Prozent
Fr.08.06.07 - Die wachsende Nachfrage nach Biotreibstoffen treibt auch den Preis
für Lebensmittel nach oben und setzt Entwicklungsländer unter
Druck: Der Anstieg der Preise für Öle und Getreide, die zur
Biodieselproduktion genutzt werden, lässt nach einer UN-Studie die
weltweiten Ausgaben für Nahrungsmittelexporte anschnellen. So
seien diese Ausgangsprodukte für Biotreibstoffe bis zu 13 Prozent
teurer geworden, heißt es in dem am Donnerstag in Rom
vorgestellten Bericht der Welternährungsorganisation (FAO).
Insgesamt wird in diesem Jahr weltweit eine Zunahme der Importkosten
für Nahrungsmittel um fast fünf Prozent auf über 400
Milliarden Dollar (rund 300 Milliarden Euro) erwartet. Den
Entwicklungsländern droht ein Anstieg um neun Prozent. «Das
Gesamtangebot wird kaum ausreichend sein, um die zu erwartende
wachsende Nachfrage zu decken», mahnt Mitautor Abdolreza
Abbassian.
Nicht nur der traditionelle Lebensmittelsektor sei betroffen, sondern
vor allem die schnell wachsende Biotreibstoffindustrie. Den Chancen der
ökologischen Treibstoffgewinnung - ein Beitrag zum Kampf gegen die
Klimaerwärmung und neue Verdienstmöglichkeiten für
Landwirte auch in armen Ländern - stehen nach Angaben der FAO die
Risiken von steigenden Lebensmittelpreisen und Umweltverschmutzung
gegenüber.
(Quelle: ap)
Evangelischer Kirchentag in Köln mahnt G8: 'Lasst nicht Geld die
Welt regieren'
Fr.08.06.07 - In einem eindringlichen Appell an den G8-Gipfel hat der Evangelische
Kirchentag in Köln zur Achtung der Menschenwürde aufgerufen.
«Lasst nicht Geld die Welt regieren», sagte
Kirchentagspräsident Reinhard Höppner am Donnerstagabend vor
dem Kölner Dom.
«Setzt nicht auf Wachstum, das die Würde der Menschen
verletzt. Reißt die Mauern ab zwischen denen, die entscheiden,
und denen, die von diesen Entscheidungen betroffen sind.» Der
Irakkrieg sei «ein schreckliches Beispiel, wie Chaos entsteht,
wenn Betroffene nicht rechtzeitig mitreden können», sagte
Höppner.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus
Schneider, kritisierte: «In Guantánamo werden die
Menschenrechte missachtet, in Tschetschenien grausam verletzt. Und
Darfur ist aus den Schlagzeilen verschwunden, das darf nicht so
bleiben.» Zudem kritisierte er, dass Russland, China und die USA
den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nicht anerkennen
würden: «Es ist aber notwendig, dass Großmächte
sich auch selber an das Recht binden.»
An die Adresse der G8-Politiker gerichtet, sagte der frühere
südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu, er sei Afrikaner, aber
«niemand, der Almosen benötigt, und niemand, der Mitleid
braucht». Zusammenarbeit sei gefragt, auch im Interesse der
G8-Staaten. «Ihr Führer mögt fragen, was ich brauche,
was ich will», sagte Tutu. «Nun, ich frage: Was braucht ihr
denn? Ich will das gleiche. Ich bin ein Afrikaner - ich bin euer
Bruder.»
Der CDU-Politiker Heiner Geißler hatte zuvor ein Bündnis
aller Industrieländer für Mindestlöhne gefordert, damit
die «Lohnsklaverei» ein Ende habe. «Der Markt allein
richtet nichts, er richtet nur Unheil an», sagte Geißler.
Eine vehemente Debatte gab es zum Thema Islam. Bei einer Diskussion vor
über 2000 Zuhörern trat der Ratsvorsitzende der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, Vorwürfen entgegen,
die Kirche wolle Muslime zum Christentum bekehren. Allerdings sei es
für Christen wie jeden anderen Gläubigen eine
«Pflicht», in der Diskussion mit Andersdenkenden für
das eigene Bekenntnis einzutreten, sagte Huber.
Dagegen meinte der Sprecher des neuen Koordinierungsrats der Muslime,
Axel Ayyub Köhler, in einem EKD-Positionspapier sei ein
«Generalverdacht» gegenüber angeblicher
Gewaltbereitschaft von Muslimen formuliert worden. Zwar sei in der
evangelischen Kirche mittlerweile ein «Lernprozess» im
Gange, dennoch «spricht das EKD- Papier eher die Sprache der
Abgrenzung und eigenen Profilierung», kritisierte Köhler.
Das Verhältnis zu den Katholiken wurde ebenfalls kontrovers
diskutiert. Für den zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in
München sehen katholische und evangelische Laienbewegungen keine
Chance für ein gemeinsames Abendmahl. «Hoffnung habe ich
immer, aber den Ansatz zu Bewegung sehe ich zurzeit nicht», sagte
der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZDK),
Hans Joachim Meyer. Auch Höppner rechnet nicht damit. Eine
«Eiszeit» zwischen Katholiken und Protestanten gebe es aber
nicht, sagte er.
Der bis Sonntag dauernde Kirchentag war am Mittwochabend eröffnet
worden. Obwohl in der Kölner Innenstadt 400 000 Menschen auf den
Beinen waren, verzeichnete die Polizei am Eröffnungsabend nur eine
einzige Anzeige wegen Diebstahls. «Es war eine durchweg positive
Stimmung, wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft oder beim
Weltjugendtag», sagte Polizeisprecherin Cathrine Maus.
(Quelle: dpa)
Dreitägiger Alternativgipfel mit Abschlusspodium beendet
Fr.08.06.07 - Mit einem Abschlusspodium von Globalisierungskritikern aus nahezu 40
Ländern ist am Donnerstag der Rostocker Alternativgipfel zu Ende
gegangen. Zwei Tage lang hatten die Teilnehmer in 130 Workshops und
sieben Podien über Themen wie Klimawandel, Armut und Zukunft der
Arbeit diskutiert. Das Publikum sei so bunt gemischt gewesen, wie es
sich die Veranstalter gewünscht hätten, sagte Thomas Seibert
vom Trägerkreis. Die Beteiligten wollten die Gespräche
«unbedingt fortsetzen». Dabei sei über einen
Alternativgipfel in Russland diskutiert worden, sagte Seibert, der in
den Foren die sozialmedizinische Hilfsorganisation Medico vertrat.
Ziel des Alternativgipfels sei es, die Legitimität der G8 in Frage
zu stellen, betonte Vandana Shiva aus Indien, Trägerin des
Alternativen Nobelpreises, auf dem Abschlusspodium. Die Welt sei viel
größer, als sie von den am G8-Gipfel beteiligten Staaten
vertreten werde. Shiva lehnte eine Globalisierung der Wirtschaft ab, die
unter anderem die Farmer in ihrem Land in den Ruin stürzen
würde. Rostock habe gezeigt, dass sich weltweit Menschen gegen eine
Politik zur Wehr setzten, die von einer Handvoll Politiker gemacht
werde.
Der dreitägige Alternativgipfel galt als inhaltlich orientierter
Gegenpart zu den Demonstrationen, Blockaden und Konzerten der
Gipfelkritiker. Getragen wurde er unter anderem von weltweit agierenden
Friedensgruppen und Entwicklungshilfeorganisationen, von Kirchen,
Gewerkschaften, Attac und Greenpeace. Nach Angaben der Veranstalter war
es der bislang größte Alternativgipfel am Rande eines
G8-Treffens.
(Quelle: ddp)
Mehr unter:
http://www.g8-alternative-summit.org
G-8 einigen sich auf Klimaschutzstrategie
Keine bindende Vorgaben zur
Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Umweltverbände
enttäuscht
Fr.08.06.07 - Durchbruch für den Klimaschutz: Die G-8-Staaten haben sich auf
ihrem Gipfel in Heiligendamm am Donnerstag erstmals auf eine gemeinsame
Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels verständigt. Nach
hartnäckigem Widerstand erklärten sich die USA
überraschend bereit, die Halbierung der Treibhausgasemissionen bis
2050 nach dem Vorbild der Europäer «ernsthaft in Betracht zu
ziehen». Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von
einem Riesenerfolg. Kritik kam von Umweltverbänden.
Bindende Vorgaben zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen
enthält die Erklärung nicht. Doch bekennen sich die
G-8-Staaten dazu, den Kampf gegen die Erderwärmung unter dem Dach
der Vereinten Nationen zu führen.
Merkel betonte: «Diesem Abkommen entkommt niemand, das ist ein
Riesenschritt nach vorne.» In der Erklärung wird auf die
jüngsten Berichte des Weltklimarats verwiesen. Darin heißt
es, die Folgen des Klimawandels blieben nur dann einigermaßen
erträglich, wenn der Anstieg der Temperatur weltweit bis 2100 auf
zwei Grad begrenzt wird.
US-Präsident George W. Bush hatte sich dagegen gewehrt, diese Zahl
in die Abschlusserklärung zu übernehmen. Mit dem Verweis
findet sie sich nun zumindest indirekt dort wieder. Merkel unterstrich,
die USA hätten den IPCC-Bericht als Grundlage für das weitere
Vorgehen anerkannt. Damit werde auch ein Bezug zur Begrenzung der
Erderwärmung hergestellt.
Merkel sagte: «Es haben sich viele bewegt. Das ist ein starkes
Signal.» Nun sei für die Umweltminister der Weg frei, bei
der UN-Klimakonferenz auf Bali Ende des Jahres über ein
Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu
verhandeln.
Bush sagte zu, dass seine eigene Klimaschutzinitiative in den bereits
laufenden Prozess der Vereinten Nationen einmündet. Der
US-Präsident hatte vergangene Woche vorgeschlagen, die 15
größten Produzenten von Treibhausgasen - darunter China und
Indien - sollten bis Ende kommenden Jahres gemeinsame Ziele
vereinbaren. Bushs Sicherheitsberater Stephen Hadley erklärte in
Washington, die Übereinkunft von Heiligendamm stehe im Einklang
mit den Vorschlägen Bushs von vergangener Woche.
Merkel sagte, die Vereinbarung des Gipfels sei ein Bekenntnis der
gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung. Die
Schwellenländer würden einbezogen, die Industrieländer
übernähmen eine führende Rolle.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy bedauerte, dass
die USA sich nicht zu bindenden Verpflichtungen bereit erklärt
hätten. Doch sei es noch am Vortag undenkbar gewesen, dass eine
konkrete Zahl in der Abschlusserklärung stünde.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der
britische Premierminister Tony Blair begrüßten die Einigung
mit den Worten: «Wir haben jetzt eine solide Basis, um im
UN-Prozess gemeinsame Klimaschutzziele zu vereinbaren.»
Die Umweltverbände äußerten sich dagegen
enttäuscht. Greenpeace warf den G-8 Versagen vor. Die Achtergruppe
hätte mit ehrgeizigen Verpflichtungen zeigen können,
«dass sie in der Lage ist, Verantwortung und Vorreiterschaft zu
übernehmen».
«Das Klassenziel für den G8-Gipfel ist klar verfehlt
worden», erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif
Miller. Es sei nett, dass auch Kanada und die Vereinigten Staaten eine
Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 «ernsthaft in
Betracht ziehen» wollten. Erforderlich seien dafür aber eine
Reduzierung um 80 Prozent in den Industrienationen und verbindliche
Zwischenziele.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz monierte die
«schwammigen Versprechungen».
BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm begrüßte dennoch
die Absichtserklärung zur Halbierung der Treibhausgase.
Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer kritisierte:
«Frau Merkels angeblicher Riesenerfolg ist ein gewöhnlicher
Etikettenschwindel. Er ist ein Triumph der Unverbindlichkeit und ein
Sieg der Wortklauberei.» Die Linke sprach von
«wirkungslosen Unverbindlichkeiten». Die FDP-Fraktion
erklärte, die Einigung könne nur der erste Schritt für
eine substanzielle Vereinbarung sein.
(Quelle: ap)
Offizielle Homepage des G-8-Gipfels in Heiligendamm:
http://www.g-8.de/
Die Klimaschutzvereinbarung von Heiligendamm
Die Staats- und Regierungschefs der G-8 haben sich bei ihrem Gipfel in
Heiligendamm auf eine Erklärung zum Klimaschutz geeinigt, die
überraschend weit geht. In den vergangenen Tagen war wegen des
Widerstands der USA nicht mehr damit gerechnet worden, dass konkrete
Ziele oder Zahlen in dem Dokument überhaupt auftauchen. Nun ist
unter anderem die Halbierung der Treibhausgase bis 2050 erwähnt
und das Bekenntnis zu einem UN-Folgeabkommen für Kyoto bis 2009
enthalten. Im Folgenden die zentralen Punkte der Erklärung:
Um das Ziel der Europäer einer Halbierung der Treibhausgase bis
2050 weltweit war hart gerungen worden. Die USA wollten sich darauf
nicht verpflichtend festlegen. Nun haben sich die G-8 auf einen
Kompromiss geeinigt, der zwar keine klare Verpflichtung ist, dem aber
sehr nahe kommt. Im Text heißt es: "Angesichts des weltweiten
Ziels der Treibhausgas-Verringerung sind wir heute überein
gekommen, alle größeren Verursacherstaaten einzubeziehen,
wir werden ernsthaft die Entscheidungen der EU, Kanadas und Japans in
Betracht ziehen, welche mindestens eine Halbierung der weltweiten
Emissionen bis 2050 umfassen." Im Nachsatz dazu, den gesamten Absatz
zum Klimaschutz umfassend, heißt es: "Wir verpflichten uns, diese
Ziele zu erreichen und laden alle Schwellenländer ein, sich uns
bei diesen Bemühungen anzuschließen."
Unklar war lange auch, ob sich die USA zu künftigen,
verpflichtenden Vereinbarungen im Rahmen der UNO bereit erklären
würden. Das derzeit einzige weltweite Abkommen, das
Kyoto-Protokoll, läuft 2012 aus. Ab Ende des Jahres soll auf der
indonesischen Insel Bali über eine Fortsetzung verhandelt werden.
Nun heißt es in der Erklärung von Heiligendamm: "Wir
erkennen an, dass der UN-Klimaprozess das angemessene Forum ist, um
über das künftige weltweite Vorgehen angesichts des
Klimawandels zu verhandeln."
Die G-8 bekennen sich zu einer Fortsetzung des UN-Prozesses und rufen
"alle Parteien auf, aktiv und konstruktiv an der UN-Klimakonferenz in
Indonesien im Dezember 2007 teilzunehmen", um ein Post-Kyoto-Abkommen
zusammen mit den Hauptverursacher-Ländern zu erreichen. Diese
Länder sollten bis Ende 2008 einen detaillierten Beitrag zu einem
neuen weltweiten Rahmenwerk leisten, "was zu einem UN-Abkommen bis 2009
beitragen würde".
Das deutsche Ziel, eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal
zwei Grad festzuschreiben, konnte in dem Abschlussdokument nicht
erreicht werden. Doch verweist die deutsche Seite darauf, dass dies
Teil der Empfehlungen des Weltklimarates (IPCC) sei. Diese wiederum
werden in dem Dokument explizit anerkannt: "Angesichts der
wissenschaftlichen Erkenntnisse in den jüngsten IPCC-Berichten
muss der Anstieg der weltweiten Treibhausgas-Emissionen gestoppt
werden, gefolgt von einer substanziellen Verringerung der globalen
Emissionen."
Quelle: afp, 07.06.2007
Reaktionen auf den G-8-Klima-Kompromiss
Der Klimabeschluss der sieben führenden Industrienationen und
Russland (G-8) hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.
Während sich die Umweltverbände ebenso wie die drei
Oppositionsparteien im Bundestag überwiegend enttäuscht
zeigten, äußerten sich Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD)
und Vertreter der Koalitionsparteien positiv. Im Folgenden einen
Überblick über die ersten Reaktionen:
UMWELTVERBÄNDE:
Greenpeace wirft dem G-8-Gipfel Versagen vor und kritisiert: "Die
Chance zu einem echten Fortschritt ist vertan worden." Die Organisation
begrüßte aber, dass der Kompromiss die Grundlage für
Verhandlungen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen ist.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nannte das
Ergebnis "überaus mager", da konkrete Klimaziele fehlten.
Begrüßt wird aber die Absichtserklärung zur Halbierung
der CO2-Gase bis 2050.
Die Organisation Germanwatch spricht dagegen von einem "halben
Durchbruch", da alle G-8-Staaten den Bericht des Weltklimarates IPCC
anerkennen. Damit werde Bezug auf die Zwei-Grad-Schwelle beim
Temperaturanstieg genommen, auch wenn diese nicht explizit genannt
werde. Laut IPCC sind bei einem Anstieg von 1,5 bis 2,5 Grad Celsius
schwere Schäden zu erwarten.
OPPOSITION:
Die Grünen nennen die Klimavereinbarung einen
"Etikettenschwindel". Die Partei spricht von einem "Triumph der
Unverbindlichkeit". Die Formulierung, dass eine CO2-Reduzierung um 50
Prozent bis 2050 nur in Betracht gezogen werde, sei ein
"lächerlicherer Formelkompromiss". Die Linkspartei
äußert sich ähnlich und spricht von "wirkungslosen
Unverbindlichkeiten".
Die FDP zeigt sich zurückhaltend: "Bewegung ist da, aber zu
langsam." Der G-8-Kompromiss sei "bedauerlicherweise nicht mehr als ein
Anfang". Daher müssten nun rasch weitere internationale
Initiativen folgen. Begrüßt wird aber, dass die weiteren
Verhandlungen auf der Ebene der UNO geführt werden.
UNION und SPD:
Die Union spricht von einer "Kehrtwende in der internationalen
Klimaschutzpolitik", da sich nun auch die USA an Klimaverhandlungen
unter dem Schirm der UNO beteiligen. Damit gehe vom G-8-Gipfel ein
klares Zeichen aus für den Weltklimagipfel Ende des Jahres in
Indonesien.
Die SPD spricht von einem "Signal in die richtige Richtung",
bemängelt aber den Verzicht auf die Festlegung konkreter CO2-Ziele
im Schlussdokument. "Die Vereinbarungen reichen bei weitem nicht aus",
kritisiert die Parteispitze. Zugleich wird die SPD-Forderung
bekräftigt, dass die Industrieländer ihre
Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990
verringern sollen und bis 2050 um 60 bis 80 Prozent.
DER BUNDESUMWELTMINISTER:
Sigmar Gabriel (SPD) spricht von einem "richtungsweisenden Signal
für die Stärkung der Klimapolitik im Rahmen der Vereinten
Nationen". Der Vereinbarung müssten nun aber konkrete Schritte
folgen. Die Verhandlungen über ein Kyoto-Folgeabkommen, die Ende
des Jahres auf der indonesischen Insel Bali beginnen sollen,
würden "zur Nagelprobe für die Ernsthaftigkeit der
Verabredungen in Heiligendamm". Dort müssten umfassende
Verhandlungen über ein verbindliches Rahmenwerk für die Zeit
nach 2012 aufgenommen werden, wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft.
VERBÄNDE:
Der Bundesverband Erneuerbare Energie fordert nach der G-8-Einigung
konkrete Schritte zum konsequenten Ausbau von Energie aus Windkraft,
Sonne, Biomasse, Wasser oder Erdwärme. Dadurch würden sofort
CO2-Emissionen vermieden. Der Anteil erneuerbarer Energien am
weltweiten Energiebedarf könne von derzeit 13 Prozent auf 24
Prozent im Jahr 2020 annähernd verdoppelt werden. Gemeinsam mit
verstärkten Anstrengungen im Bereich der Energieeffizienz ist eine
Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 nach Ansicht des Verbands kein
Problem.
Quelle: afp, 07.06.2007
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Greenpeace-Boote dringen in G-8-Sicherheitszone ein
Fr.08.06.07 - Erneut sind am Donnerstag Demonstranten in die schwer bewachte Sicherheitszone rund
um den G-8-Tagungsort Heiligendamm eingedrungen. Die Umweltorganisation
Greenpeace enterte am Donnerstag mit insgesamt elf Booten das
Sperrgebiet vor dem Ostseebad, um die G-8-Staaten zu Maßnahmen
gegen den Klimawandel aufzufordern. Die Boote wurden vor der
Ostseeküste von Polizeischiffen verfolgt und zum Stoppen gezwungen.
Eine Greenpeace-Besatzung präsentierte ein Plakat mit der
Aufschrift «G 8 - Act now» (»G-8 - handele
jetzt»).
Nach Angaben von Greenpeace-Sprecher Jörg Federn (richtig) gelang
es zwei Aktivisten, an Land zu kommen. Insgesamt seien 25 Mann Besatzung
an der Aktion beteiligt gewesen, laut Greenpeace wurden vier Aktivisten
verletzt, einer habe ins Krankenhaus gebracht werden müssen.
Polizeiboote hätten zwei Greenpeace-Boote regelrecht
überfahren, sagte Feder. Der Polizei lagen dazu nach Auskunft von
Sprecher Manfred Lütjann zunächst keine Erkenntnisse vor.
Bestätigt wurde lediglich, dass mehrere Boote der
Umweltorganisation in die Sperrzone eindrangen und von Polizeibooten
gestoppt wurden. Die Aktivisten würden polizeilich
überprüft und es werde über weitere Maßnahmen
entschieden, erklärte die Polizei.
Laut Greenpeace zielte die Aktion auf die Verhandlungen der G-8
über den Klimaschutz ab, die für die zweite Arbeitssitzung in
Heiligendamm am Nachmittag vorgesehen waren. Da die Verhandlungen
offenbar ins Stocken geraten seien, wollte Greenpeace den
Gipfelteilnehmer möglichst persönlich eine Petition
überreichen, in der verbindliche Maßnahmen gegen den
Klimawandel gefordert würden.
Die Polizei ist nach ihren zahlreichen Einsätzen rund um den
G-8-Gipfel in Heiligendamm am Ende ihrer Kräfte. Man sei mit dem
Krafteinsatz «am Limit» angekommen, sagte Polizeisprecher
Olaf Seitels von der Sondereinheit Kavala in Rostock. Eine
Public-Viewing-Veranstaltung in Warnemünde musste deshalb abgesagt
werden. Weiter seien 16.000 Beamte im Einsatz, einige Einheiten seien
durch frische Kräfte ausgetauscht worden. Allein am Mittwoch seien
bei Ausschreitungen weitere 16 Polizisten verletzt worden. 178
Demonstranten seien in Gefangenensammelstellen gebracht worden.
Die Sitzblockaden rund um Heiligendamm dauerten auch am Donnerstag an.
Am Mittwoch war es rund 10.000 Demonstranten gelungen, in die
Sicherheitszone neben den um Heiligendamm gezogenen zwölf Kilometer
langen Zaun einzudringen, obwohl Demonstrationen dort verboten sind.
Beide Kontrollpunkte in dem Zaun wurden geschlossen, so dass
Heiligendamm über den Landweg nicht mehr erreichbar war.
Gipfelgegner werfen der Polizei in diesem Zusammenhang den Einsatz von
Zivilbeamten zur gezielten Provokation von Krawallen vor. Ein Sprecher
der Polizeieinheit Kavala dementierte den Vorwurf auf AP-Anfrage.
Auch am Donnerstag versuchten am westlichen Kontrollpunkt bei Hinter
Bollhagen tausende Demonstranten, an den zwölf Kilometer langen
Sicherheitszaun zu gelangen, wie die Polizei berichtete. Gegen Mittag
sammelten sich den Angaben zufolge dort rund 5.000 Demonstranten.
Vereinzelt wurden Wasserwerfer eingesetzt, um die Demonstranten
zurückzuhalten, wie die Polizei mitteilte. Zudem dauerte den
Angaben zufolge die Blockade des östlichen Kontrollpunkts an. Nach
Angaben der Organisatoren vom Bündnis Block G-8 befanden sich 3.000
Demonstranten dort. Auch eine Zufahrtstraße bei Börgerende
wurde weiter blockiert, laut Block G-8 saßen am Donnerstagmittag
noch rund 800 Demonstranten auf der Straße.
Die Blockierer hatten teilweise die ganze Nacht ausgeharrt, die Lage
war aber laut Polizei insgesamt ruhig geblieben. Ein für gestern
geplanter Sternmarsch auf Heiligendamm war aus Sicherheitsbedenken
untersagt worden.
(Quelle: ap)
G8-Blockierer: Müde, glücklich, bestens versorgt
Müde, glücklich, widerspenstig: Am Morgen nach dem Beginn der
Blockaden von Heiligendamm sind die Demonstranten fest entschlossen, den
Landweg zum G8-Gipfel weiter abzuschneiden. Auch wenn die Polizei
wieder Wasserwerfer einsetzt und stellenweise rigoros Straßen
räumt.
«Haut ab, haut ab!» skandieren die Demonstranten. Am
zweiten Tag des Gipfels wollen die Aktivisten nur eines - möglichst
nah am Zaun durchhalten. Am besten bis Freitag.
Der Überraschungscoup vom Mittwoch wird groß gefeiert.
«16 000 Polizisten hatten keine Chance gegen fünf
Finger», feixt der Sprecher der «Block-G8»-Aktivisten,
Christoph Kleine, am Donnerstag in Rostock vor der Presse. Er spielt
damit auf die Taktik vom Vortag an, mit der die Gruppen die Polizei
durch gezieltes Auseinanderrennen austricksten.
Szenen vom Donnerstagmorgen: Bei der Blockade am Ost-Tor des Zauns um
Heiligendamm herrscht bei den etwa 400 Demonstranten ausgelassene
Stimmung. Wärmedecken aus der Nacht werden zum Sonnenschutz
umfunktioniert, aus Zeitungen basteln Demonstranten Sonnenhüte.
Jeder Neuankömmling aus umliegenden Zeltlagern wird mit lautem
Applaus begrüßt.
Die Demonstranten sind bestens organisiert. Unterstützer versorgen
die Protestler zum Beispiel mit Brot, Käse und Trinkwasser. Am
Mittag steht Couscous mit Rote Beete auf dem Speiseplan. «Wir
können uns jetzt richtig häuslich einrichten hier»,
tönt es aus einem Lautsprecher. Die Waren werden über Feldwege
an der auf den Straßen postierten Polizei vorbeigeschmuggelt. Ein
Auto bringt auch Medikamente und Tampons - wie ein Mann unter lautem
Gejohle verkündet.
«Es gibt hier Leute mit schweren Problemen wegen Heuschnupfen,
andere sind nach dem langen Tag gestern dehydriert», berichtet
Felix Vorwerk, der eine Versorgungs-Infrastruktur zwischen Camps und
Blockaden aufbauen will. Unterstützung kommt aber auch von den
Bewohnern in Börgerende. «Die bringen uns kostenlos Kaffee
und füllen unsere leeren Wasserflaschen wieder auf»,
erzählt eine 23-Jährige Studentin aus Russland. Ein Bauer habe
den Demonstranten angeboten, sein Feld als Toilette zu nutzen. Die
junge Frau will bis zum Ende des G8-Gipfels bei der Blockade ausharren.
In der Blockade an der Galopprennbahn herrscht am Donnerstagmorgen
Festtagsstimmung. Die Polizei hat sich fast völlig
zurückgezogen und bewacht nur noch die Einfahrt zur Kontrollstelle
nach Heiligendamm. Ungestört können die Demonstranten selbst
bis unmittelbar an den Zaun heran laufen und Fotos knipsen. Ausgelassen
ruft eine Demonstrantin in die Videokamera ihrer Freundin: «Hey,
guckt mal, wie weit wir gekommen sind!» Auch zahlreiche Touristen
nutzen die Bewegungsfreiheit in der eigentlich verbotenen Zone, um
einmal einen Blick auf den Zaun zu werfen.
Auf dem Zufahrtsweg zum Kontrollpunkt Hinter Bollhagen demonstriert die
Staatsmacht ihre Stärke. Rigoros unterbinden Beamte Versuche von
Demonstranten, die Straße zu blockieren. Es kommt zu Rangeleien,
im Laufschritt eilen Polizisten heran, zwei Wasserwerfer fahren auf. Aus
einem Lautsprecher ertönt die Durchsage: «Entfernen Sie sich
von der Straße, oder wir werden den Wasserwerfer
einsetzen.» Dann werden sie auch eingesetzt. Aber die
Demonstranten wollen nicht weichen.
dpa-Reportage vom Donnerstag, 07.06.2007
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Linke Bundestagsfraktion rügt G-8-Panzereinsatz der Bundeswehr
Fr.08.06.07 - Die Linksfraktion im Bundestag hat den Einsatz von Panzerfahrzeugen der
Bundeswehr rund um den G-8-Gipfel in Heiligendamm kritisiert.
«Diese militärische Präsenz erinnert an
bürgerkriegsähnliche Zustände und ist vom Grundgesetz
nicht gedeckt», erklärte der Parlamentarische
Geschäftsführer Ulrich Maurer am Donnerstag in Berlin.
Praktisch auf jeder Brücke über die Autobahn A 19 nahe
Rostock stünden gepanzerte Militärfahrzeuge.
«Innenminister Schäuble und Verteidigungsminister Jung haben
den Gipfel zum Anlass genommen, um ihre Vorstellungen für einen
Bundeswehreinsatz im Inneren am Bundestag vorbei in die Tat
umzusetzen», rügte Maurer.
Ein Sprecher G-8-Pressezentrums der Bundeswehr berichtete der
Nachrichtenagentur AP auf Anfrage, es seien vor allem
Panzerspähwagen vom Typ Fennek mit je drei Mann Besatzung im
Einsatz, die der Polizei bei der Aufklärung helfen. Die rund zehn
Tonnen schweren 4-Rad-Wagen sind unter anderem mit einer
Wärmebildkamera, einem Laser-Entfernungsmesser und einer optischen
Kamera ausgestattet. Wie AP aus Ministeriumskreisen erfuhr, waren etwa
zehn «Fennek»-Wagen im Einsatz. Die Hauptbewaffnung auf den
Fahrzeugdächern war abmontiert.
Maurer kritisierte, die Bundesregierung habe vor dem Gipfel lediglich
«technisch-logistische Amtshilfe» in Aussicht gestellt, von
Panzern sei aber keine Rede gewesen. Er stellte fest, dass das Parlament
über den wirklichen Umfang des Einsatzes belogen worden sei, und
kündigte an: «Die Linke wird dafür sorgen, dass dieser
Bundeswehreinsatz im Innern ein parlamentarisches Nachspiel hat. Wir
werden nicht zulassen, dass die Bundesregierung mit dem Grundgesetz
Schindluder treibt.»
Die Bundeswehr beteiligt sich nach früheren Angaben der
Bundesregierung bis zum Freitag mit rund 1.100 Soldaten an der Sicherung
des G-8-Gipfels. Der Einsatz wird nach offiziellen Angaben etwa zehn
Millionen Euro kosten.
Die Bundeswehr stellt unter anderem Unterkünfte für rund
6.500 Polizisten zur Verfügung, sowie Dienstleistungen am Flughafen
Rostock-Laage. Eine Bewaffnung der Soldaten ist nicht geplant.
«Grundsätzlich können jedoch Soldaten lageabhängig
zum Eigenschutz mit Handwaffen ausgestattet werden», hieß
es aus dem Verteidigungsministerium.
Auf See nördlich der Sicherheitszone lagen nach Angaben eines
Marinesprechers die Fregatte «Hessen» sowie zwei
Minensuchboote mit insgesamt knapp 300 Mann Besatzung auf Reede, also in
Bereitschaft. Sie waren an der Verfolgung mehrerer
Greenpeace-Schlauchboote am Donnerstagvormittag jedoch nicht beteiligt.
(Quelle: ap)
Industrie der EU produziert trotz Emissionshandel mehr Treibhausgas
Fr.08.06.07 - Der Treibhausgas-Ausstoß von Fabriken und Kraftwerken in der EU
hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen. Trotz Emissionshandel
bliesen Industrie und Energiewirtschaft 2006 0,3 Prozent mehr
klimaschädliches Kohlendioxid in die Luft als im Vorjahr, wie die
EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Dabei wurde
bereits herausgerechnet, dass die Zahl der am Emissionshandel
beteiligten Unternehmen ebenfalls gestiegen ist.
In Deutschland stieg der Kohlendioxid-Ausstoß von rund 475
Millionen Tonnen im Jahr 2005 auf etwa 477 Millionen Tonnen im Jahr
2006. Zugleich wurden allerdings neun Anlagen neu in den
Emissionshandel mit einbezogen. In absoluten Zahlen ist die deutsche
Industrie damit der größte Klimasünder in der EU.
(Quelle: ap)
OECD warnt vor steigender Altersarmut in Deutschland
Fr.08.06.07 - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) warnt vor einer steigenden Altersarmut in
Deutschland. Bei den gesetzlichen Rentenleistungen für
Geringverdiener liegt Deutschland unter den 30 OECD-Staaten an letzter
Stelle, wie aus einer am Donnerstag in Paris vorgestellten
Vergleichsstudie hervorgeht.
Grund sei, dass die Leistungen im Gegensatz zu den meisten
OECD-Ländern linear an das Einkommen gekoppelt seien. Deutschland
solle «der Rentenentwicklung für Geringverdiener besondere
Aufmerksamkeit schenken und einem Anstieg der Altersarmut
vorbeugen», mahnte die Rentenexpertin der Organisation, Monika
Queisser.
Das künftige Rentenniveau für eine Standarderwerbsbiografie
mit 45 Beitragsjahren sank in Deutschland laut OECD im Zuge der
jüngsten Rentenreformen von 48,7 auf 39,9 Prozent des
Bruttoeinkommens. Damit habe sich das Rentenniveau weiter vom
OECD-Durchschnitt entfernt. Im OECD-Mittel würde ein
20-jähriger Durchschnittsverdiener, der heute seine
Erwerbsbiografie beginnt, 58,7 Prozent seines Bruttoverdienstes als
Rente erhalten.
Insgesamt bewertet die OECD die Reformen in der Bundesrepublik jedoch
positiv. Die finanzielle Nachhaltigkeit des Rentensystems sei deutlich
erhöht worden, sagte Queisser. Allerdings müssten Arbeitnehmer
nun verstärkt privat vorsorgen, um eine im OECD-Vergleich
übliche Rente zu erhalten.
(Quelle: ddp)
EKD und Muslime fordern uneingeschränkte Religionsfreiheit
Fr.08.06.07 - Der Zentralrat der Muslime und die Evangelische Kirche in Deutschland
(EKD) haben trotz der jüngsten Differenzen ihren Willen zur
Verständigung bekräftigt. Bei einer Podiumsdiskussion auf dem
31. Evangelischen Kirchentag in Köln erklärte der
EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber am Donnerstag, dass es keine
Alternative zur Religionsfreiheit gebe. Diese müsse jedoch an allen
Orten gelten und anerkannt werden - für Muslime in Deutschland
genauso wie für Christen in der Türkei.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland und des
Koordinierungsrates, Ayyub Axel Köhler, betonte, der Umgang mit den
Muslimen in Deutschland sei «Prüfstein für die
Glaubens- und Gewissensfreiheit und die Freiheit der
Glaubensausübung in unserer Republik».
Zuletzt hatte es wegen einer Handreichung der EKD zum Verhältnis
mit den Muslimen massive Verstimmungen gegeben. Köhler
erklärte, die Muslime hätten sich von den Protestanten
eigentlich mehr Verständnis für ihre Situation erhofft. Man
verstehe Toleranz nicht als gönnerhafte Gewährung und Duldung.
Deutschland tue sich schwer, nicht-christliche Religionsgemeinschaften
als gleichwertig zu akzeptieren.
Die Handreichung der EKD spreche eher die Sprache der Abgrenzung und
der eigenen Profilierung und verstärke die Islamophobie in
Deutschland, sagte Köhler. In ihrer jetzigen Form könne man
die Handreichung nicht akzeptieren. Wenn man allerdings das Einigende
über das Trennende stelle - wie dies auch auf dem Kirchentag
geschehen sei - so sei dies ein Schritt in Richtung Verständigung -
auch hinsichtlich der Handreichung.
Huber erklärte, die Freiheit zur Religion sei ebenso wichtig wie
die Freiheit von der Religion. Muslime müssten das Recht
akzeptieren, die Religion zu wechseln, eine andere oder gar keine zu
haben. Noch immer gebe es in Deutschland ehemalige Muslime, die sich
nicht trauten, ihren Übertritt zum Christentum zu bekennen, weil
sie sich vor Repressalien fürchteten.
Weiter erklärte Huber, der Staat dürfe sich selbst nicht
religiös begründen. Das schließe aber nicht aus, dass er
seine Verantwortung vor einem christlichen Hintergrund definiere.
«Ein solcher Hinweis tut jeder Verfassungsordnung gut - auch einer
europäischen», sagte Huber. Es bestehe immer die Gefahr,
dass Extremisten Freiräume ausnutzten, erklärte der
EKD-Ratsvorsitzende. Ein Generalverdacht gegen eine Religion dürfe
aus solchen Vorgängen aber keinesfalls abgeleitet werden.
Grünen-Chefin Claudia Roth, die aus Rostock von den Protesten
gegen den G-8-Gipfel nach Köln gekommen war, erklärte, man
müsse endlich die Realität in Deutschland anerkennen, dass ein
großer Teil der Menschen Muslime, Juden oder Mitglieder anderer
Religionen seien. Beim Dialog müsse man das Gemeinsame und nicht
das Trennende in den Vordergrund stellen, sagte Roth.
(Quelle: ap)