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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendünfundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Bei anhaltender Gewalt mindestens 63 Tote
Sa.09.06.07 - Bei zahlreichen Anschlägen und Überfällen im Irak sind
am Freitag mindestens 63 Menschen getötet worden.
Bewaffnete haben am Freitag ein Massaker im Haus eines irakischen
Polizeichefs angerichtet. Bei dem Überfall in der Nähe von
Bakuba wurden 14 Menschen getötet, darunter die Frau und zwei
Brüder von Ali Dilajan al Dschorani sowie mehrere Wachleute,
berichtete die Polizei. Drei seiner erwachsenen Kinder seien verschleppt
worden.
Die Angreifer fuhren nach Polizeiangaben am frühen Morgen in
mehreren Autos vor. Al Dschorani war zum Zeitpunkt des Überfalls
nicht in seinem Haus in der Stadt Kanaan.
Bei der Explosion einer Autobombe vor einer schiitischen Moschee in
Dakok, nahe der nordirakischen Stadt Kirkuk, wurden mindestens 19
Besucher des Freitagsgebets getötet, wie die Polizei mitteilte. In
der südirakischen Stadt Kurna wurden bei der Explosion einer
Autobombe nach Krankenhausangaben mindestens 16 Menschen in den Tod
gerissen. Der Sprengsatz detonierte in einem geparkten Kleinbus an
einem Busbahnhof.
Im südlichen Kurna kamen bei der Explosion einer Autobombe nach
Krankenhausangaben mindestens 16 Menschen ums Leben, mehr als 30 wurden
verletzt. Der Sprengsatz detonierte in einem geparkten Kleinbus an einem
Busbahnhof. Die betroffene Gegend ist jeden Morgen von Bauern
bevölkert, die in die Stadt kommen, um einzukaufen oder ihre Waren
anzubieten. Laut Polizei war das Fahrzeug unter anderem mit Raketen,
Munition und Sprengstoff beladen und brachte ein weiteres Auto zur
Explosion.
In Kirkuk im Nordirak erschossen Bewaffnete einen Soldaten und seine
zweijährige Tochter. Die beiden waren nach Polizeiangaben am
frühen Morgen im Auto unterwegs.
Nach dem Tod von vier Soldaten bei einem Bombenanschlag im Grenzgebiet
zum Irak hat das türkische Militär kurdischen Rebellen mit
Vergeltung gedroht. Auf solche Angriffe werde mit «der notwendigen
Antwort» reagiert, erklärten die Streitkräfte am
Freitag auf ihrer Website. Die Soldaten kamen bei der Explosion einer
am Straßenrand versteckten Bombe am Donnerstagabend ums Leben.
Die Streitkräfte hatten das Gebiet nahe der Stadt Siirt zuvor zur
Sicherheitszone erklärt.
Das Militär sei unerschütterlich in seiner Entschlossenheit,
den den Terrorismus zu bekämpfen, der die staatlichen Strukturen
bedrohe, erklärte der Generalstab. Die Militärführung
rief zugleich die Bevölkerung auf, ihren Widerstand gegen den
Terror zu demonstrieren.
boa, (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 09.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundelften Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.09.06.06 - Irakischer Al-Kaida-Chef Sarkaui getötet +++ Mindestens 40 Tote bei
neuer Anschlagsserie in Bagdad +++ Iraks Regierung halbes Jahr nach Wahl
komplett +++ 94,5 Milliarden Dollar für Irak-Krieg und Katrina-Hilfe...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606090.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.07.06.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Bericht über Verschleppungen und Geheimgefängnisse des CIA:
Europarat-Ermittler erhebt schwere Vorwürfe gegen Deutschland
Sa.09.06.07 - Der Sonderermittler des Europarates hat am Freitag einen brisanten
Bericht über Verschleppungen und Geheimgefängnisse des CIA in
Europa vorgelegt, in dem auch Deutschland massiv kritisiert wird. Den
Fall des Deutschen Khaled El Masri, der 2004 nach Afghanistan
verschleppt und dort gefoltert wurde, behandele die Bundesregierung wie
ein «Staatsgeheimnis». Die Aufklärung und
Entschädigung des Unschuldigen werde so verhindert. Ein
Regierungssprecher wies dies zurück.
Dem Bericht Dick Martys zufolge unterhielt die CIA von 2003 bis 2005
illegale Gefängnisse in Rumänien und Polen, und dies mit der
Erlaubnis der Präsidenten Ion Iliescu und Aleksander Kwasniewski.
Der Schweizer Jurist beruft sich in seinem neuen Bericht auf
CIA-Mitarbeiter sowie auf die Auswertung von Flugbewegungen. Erstmals
werden Einzelheiten über die «Rückführung» El
Masris bekannt, nachdem die CIA ihren Irrtum feststellte, dass der
Deutsche keine Verbindungen zum Terror habe. Es gebe nur einen Grund,
warum die verantwortlichen Regierungen dies nicht vorher herausbekommen
hätten, schreibt Marty: «Sie waren nicht an der Wahrheit
interessiert.»
Laut seinem Bericht wurde El Masri 2004 von der CIA von Skopje in
Mazedonien über Bagdad nach Afghanistan gebracht. Dort wurde er
vier Monate in einer winzigen Betonzelle festgehalten. Der
US-Geheimdienst stellte in der Zeit fest, dass ihm nichts vorzuwerfen
sei. Dennoch wurde er weitere Wochen festgehalten.
Am 28. Mai 2004 wurde er dann in einer von der CIA gecharterten
Maschine zum albanischen Luftwaffenstützpunkt Bezat-Kucova gebracht
und ohne Orientierung ausgesetzt, schreibt Marty unter Berufung auf
mehrere Dokumente. Von dort erreichte er einen Grenzposten
«offensichtlich an der mazedonisch-albanischen Grenze». El
Masri wurde dann von Polizisten aufgegriffen und mit dem Wagen nach
Tirana gebracht. In der albanischen Hauptstadt wurde er in ein Flugzeug
nach Frankfurt gesetzt, in seinem Pass befindet sich ein Ausreisestempel
vom 29. Mai 2004.
Obwohl der Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages seine
Arbeit noch nicht abgeschlossen habe, gebe es an El Masris Aussagen
über seine Verschleppung keinen Zweifel mehr, so Marty. Dass die
deutsche Bundesregierung auch Jahre nach den Vorfällen mit dem
Hinweis auf Staatsgeheimnisse die Aufklärung verhindere, «ist
für eine demokratische Gesellschaft nicht hinnehmbar».
Die Bundesregierung wies die Vorwürfe zurück. Der
stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg erklärte in Berlin,
die Bundesregierung habe Marty und den Gremien des Bundestages stets
ihre Erkenntnisse übermittelt. In der Regel habe sie aber nur
über Medienberichte Kenntnis von solchen Aktivitäten gehabt,
aber keine eigenen Erkenntnisse. Marty selbst sei Beweise für
seine Thesen bislang schuldig geblieben. Die Münchner Justiz hat
im Zusammenhang mit der Verschleppung im Januar Haftbefehl gegen 13
mutmaßliche CIA-Agenten erlassen, ohne das dies bislang Folgen
gehabt hätte.
Im ersten Teil seines Berichtes hatte Marty vor einem Jahr von
Hinweisen, nicht jedoch von Beweisen für Geheimgefängnisse in
Osteuropa für Terrorverdächtige geschrieben. Die Regierungen
von 14 EU-Staaten hätten Kenntnisse über Verschleppungen der
CIA gehabt.
«Was bisher Vermutungen waren, ist jetzt bewiesen»,
heißt es in dem neuen Bericht. «Eine große Zahl von
Menschen wurde an verschiedenen Orten der Welt entführt und in
Länder gebracht, wo die Folter eine verbreitete Praxis ist.»
Der US-Geheimdienst habe mit seinem inzwischen gestoppten Programm den
Kampf gegen den Terrorismus nach dem 11. September
«exportiert», um sich von rechtlichen Zwängen zu
befreien, sagte Marty der Zeitung «Le Figaro». EU-Staaten
als «Subunternehmer» für die Verwahrung
mutmaßlicher Terroristen zu missbrauchen sei
«unverschämt» und zeuge von «mangelnder
Achtung» gegenüber Europa. US-Präsident George W. Bush
hatte im vergangenen Jahr die Existenz des Programms eingeräumt,
jedoch keine Einzelheiten genannt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel bietet angeblich Abzug von Golanhöhen an
Sa.09.06.07 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert soll Syrien in einer
Geheimbotschaft einen Rückzug von den besetzten Golanhöhen im
Gegenzug für einen umfassenden Friedensvertrag angeboten haben.
Deutsche und türkische Vermittler hätten dem syrischen
Präsident Bashar al-Assad ein entsprechendes Angebot Olmerts
überbracht, berichtete die israelische Tageszeitung «Jediot
Achronot» am Freitag weiter. Israel verlange zudem, dass Damaskus
Unterstützung für militante Palästinensergruppen
einstelle. Der syrische Präsident habe bisher nicht auf das Angebot
geantwortet.
Israel hatte die syrischen Golanhöhen im Sechs-Tage-Krieg 1967
erobert. Die spätere Annexion wurde vom UN-Sicherheitsrat für
nichtig erklärt. Damaskus verlangt deren Rückgabe als
Vorbedingung für einen Friedensvertrag. Das Gebiet ist
militärstrategisch und wegen des Zugangs zu Wasserquellen bedeutsam.
Der israelische Bauminister Meir Schitrit sagte am Freitag, er
könne syrische Souveränität über die
Golan-Höhen akzeptieren, wenn Syrien Israel das Gebiet für 25
Jahre verpachte. Dies sei ein ausreichender Zeitraum, um den Willen
Syriens zu einem Frieden mit Israel zu überprüfen. Von
syrischer Seite zitierte der israelische Rundfunk unterdessen einen
namentlich nicht genannten Diplomaten in London, der ein Friedensangebot
Olmerts bestritt. Es gebe keine Einladung Israels zu neuen
Friedensgesprächen.
Olmert hatte am Mittwoch nach Beratungen des so genannten
Sicherheitskabinetts erklärt, Israel sei an einer
Friedenslösung mit Syrien interessiert. Israel habe Syrien diese
Botschaft übermittelt. Israelische Medien hatten in den vergangenen
Tagen unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, die syrische
Armee bereite sich auf einen Krieg mit Israel im Sommer vor. Nach
Berichten israelischer Medien hat Olmert seine Minister angewiesen, ihr
«Geschwätz» über syrische Kriegsabsichten zu
unterlassen.
(Quelle: dpa)
Neuer Vorschlag Putins zur Beendigung des Raketenstreits
Sa.09.06.07 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat den USA erneut
Vorschläge zur Beendigung des Raketenstreits gemacht. Eine
gemeinsame Militärbasis zur Raketenabwehr könne
beispielsweise in der Türkei oder dem Irak installiert werden,
sagte Putin bei einer Pressekonferenz am Rande des G-8-Gipfels in
Heiligendamm. Die Raketenabwehr könne im Süden stationiert
werden. "Warum nicht in der Türkei oder im Irak", sagte Putin. Am
Donnerstag hatte Putin vorgeschlagen, durch die Nutzung einer
Radarstation in Aserbaidschan einen gemeinsamen Raketenschild mit den
USA aufzubauen.
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Die Türkei ist Mitglied der NATO. Nach den Vorstellungen der USA
sollen eine Radaranlage in Tschechien und Abfangraketen in Polen
errichtet werden, um Schutz vor Raketen etwa aus Nordkorea oder dem
Iran zu bieten.
Während sich Aserbaidschan zu Verhandlungen über Putins
Vorschlag bereit erklärt hatte, hatte die NATO skeptisch reagiert.
Es sei "ein bisschen früh" zu urteilen, ob die Station in Gabala
tatsächlich für ein gemeinsames Raketenabwehrsystem geeignet
sei, sagte NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer auf einer
Konferenz in Brüssel. Er sei "kein technischer Experte", doch
scheine ihm der Standort in der Kaukasusrepublik "ein bisschen zu nah
an den 'Schurkenstaaten'", gegen die sich der Schild wenden solle. Die
USA hatten erklärt, das geplante System solle unter anderem gegen
Raketenangriffe aus dem Iran und Nordkorea schützen.
Ein Sprecher des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier
(SPD) sagte in Berlin. der Vorschlag solle nun geprüft werden. Bis
dies erfolgt sei, sollten sich alle Beteiligen einer "voreiligen
Bewertung enthalten". Die Bundesregierung sei schon lange dafür,
das Thema in einem konstruktiven und kooperativen Geist zu besprechen.
Die Radaranlage Gabala liegt im Norden von Aserbaidschan, einer
früheren Sowjetrepublik. Sie wurde 1984 als Teil des sowjetischen
Frühwarnsystems in Betrieb genommen. Russland zahlt jährlich
sieben Millionen Dollar dafür, dass es die Anlage in Gabala
betreiben darf; der Vertrag läuft über zehn Jahre seit 2002.
(Quelle: afp)
G-8-Gipfel erzielt keine Einigung über Kosovo-Status
Sa.09.06.07 - In der Debatte um den künftigen Status der serbischen
Kosovo-Provinz hat der G-8-Gipfel in Heiligendamm keine Einigung
erzielt. "Die Sichtweisen gehen beim Inhalt und beim weiteren Vorgehen
weiterhin auseinander", erklärte der deutsche G-8-Vorsitz.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zum Vorschlag eines
halbjährigen Beratungsaufschubs des französischen
Präsidenten Nicolas Sarkozy, entscheidend sei, wie eine Pause
genutzt werde. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) bezeichnete eine Einigung zwischen den USA und Russland vor
Anfang Juli für unwahrscheinlich.
Merkel sagte, die acht Staaten arbeiteten weiter intensiv an einer
Entscheidung, die eine friedliche Entwicklung im Kosovo erlaube. Dabei
sei die entscheidende Frage nicht, "ob man sechs Monate oder vier oder
drei wartet, sondern ob man vorankommt". Es sei wichtig, wie ein
Beratungsaufschub genutzt werde.
Sarkozy sagte, obwohl Vertreter der G-8-Staaten bis in die Nacht
beraten hätten, seien nicht die "notwendigen Fortschritte" erzielt
worden. Der französische Staatschef hatte am Donnerstag
vorgeschlagen, während einer halbjährigen Beratungspause
müsse Russland zunächst die Unvermeidlichkeit eines
unabhängigen Kosovo anerkennen. Danach bestehe die
Möglichkeit, dass entweder Belgrad und Pristina einen "besseren
Status" gefunden hätten oder dass der Plan von UN-Vermittler
Martti Ahtisaari zum Tragen komme.
Steinmeier sagte dem Nachrichtensender N24, er habe den Eindruck, dass
die USA und Russland in einem "überschaubaren Zeitraum" nach einer
Einigung über eine Behandlung des Kosovo-Status im
UN-Sicherheitsrat suchten. Diese werde aber wohl nicht vor dem Besuch
von Russlands Präsident Wladimir Putin bei US-Präsident
George W. Bush Anfang Juli erzielt werden.
Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft bezeichnete die Frage des
Kosovo-Status als "das nach wie vor drängendste politische Problem
auf dem westlichen Balkan". "Im Interesse der Stabilität des
Kosovos, Serbiens und der gesamten Region muss diese bald gelöst
werden", erklärte das Auswärtige Amt im Namen des deutschen
EU-Vorsitzes. Voraussetzung sei eine Resolution des UN-Sicherheitsrats.
Der Entwurf von Ahtisaari biete hierfür eine "gute Grundlage".
UN-Vermittler Ahtisaari hatte eine weitgehende Unabhängigkeit des
Kosovo unter internationaler Aufsicht vorgeschlagen. Russland lehnte
eine entsprechende UN-Resolution mehrerer europäischer Länder
auch nach deren Überarbeitung ab.
(Quelle: afp)
G-8-Gipfel beschließt 60-Milliarden-Hilfsprogramm für Afrika
- Scharfe Kritik von NGOs
Sa.09.06.07 - Die G-8-Staaten haben sich zu einem dauerhaften Engagement für die
Entwicklung Afrikas bekannt.
"Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden unsere
Verpflichtungen auch erfüllen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel
am Freitag nach einem Treffen mit den Staatschefs von fünf
afrikanischen Ländern beim G-8-Gipfel in Heiligendamm.
Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) kritisierten die
G-8-Beschlüsse und betonten, die zugesagten Hilfen reichten bei
weitem nicht aus, um dem Kontinent nachhaltig zu helfen.
In Heiligendamm verständigten sich die sieben führenden
Industrienationen und Russland (G-8) darauf, ihre Hilfen im Kampf gegen
Aids, Tuberkulose und Malaria in den nächsten Jahren auf 60
Milliarden Dollar zu erhöhen. Zudem soll mindestens fünf
Millionen Aids-Kranken in Afrika der Zugang zu Medikamenten
ermöglicht werden. Der Gipfel bekräftigte einen Beschluss vom
G-8-Treffen vor zwei Jahren in Gleneagles, wonach die Hilfe für
Afrika bis 2010 um 25 Milliarden Dollar aufgestockt werden sollen.
Schließlich sollen finanzielle Lücken einer
Bildungsinitiative von 500 Millionen Dollar ausgeglichen werden.
Der Präsident der Afrikanischen Union, Ghanas Staatschef John
Kufuor, mahnte in Heiligendamm, die G-8-Staaten müssten ihre
Zusagen auch erfüllen. Im Gegenzug sei den afrikanischen Staaten
bewusst, ihre Hausaufgaben machen zu müssen, "damit es hier auch zu
einer echten Partnerschaft kommt", sagte Kufuor. Die G-8 erwartet von
Afrika vor allem die Eindämmung von Korruption, den Aufbau
demokratischer Strukturen sowie mehr Transparenz bei der Vergabe von
Entwicklungshilfe.
Auch Merkel betonte, "dass wir an die Dinge, die in Afrika passieren,
Erwartungen haben". Beim nächsten G-8-Gipfel 2008 in Japan solle
eine Bilanz gezogen werden, inwieweit beide Seiten ihre Zusagen
eingehalten hätten, kündigte die Kanzlerin an. Der britische
Premierminister Tony Blair sagte: "Beide Seiten wissen, dass wir noch
einen langen Weg gehen müssen. Die Wahrheit ist aber auch, dass wir
immense Fortschritte gemacht haben."
Die Reaktionen von Entwicklungshilfe-Organisationen fiel hingegen
vernichtend aus. "Trotz gesichtswahrender Schritte in letzter Minute hat
die G-8 den Glaubwürdigkeitstest für Afrika nicht bestanden",
sagte Collins Magalasi von ActionAid. Steve Cockburn von der Stop Aids
Kampagne sagte, das zugesagte Geld rette zwar Leben. Der
Gipfelbeschluss zeige allerdings einen nur "begrenzten Ehrgeiz, der
letztlich Millionen das Leben kosten wird". Oxfam rechnete vor, dass die
60 Milliarden Dollar eine Aufstockung der zuvor bereits
angekündigten Hilfe um nur drei Milliarden Dollar sei.
Die Kinderhilfsorganisation World Vision kritisierte, dass die G-8
für Hilfszusagen im Kampf gegen Aids erneut keinen konkreten
Zeitplan vorgelegt hätten. Das sei ein klarer Bruch gemachter
Zusagen. Die UN-Behörde UNAIDS schätze den Bedarf an
Finanzhilfen weltweit allein in den nächsten zwei Jahren auf 40
Milliarden Dollar. Zudem benötigten der Behörde zufolge bis
2010 mindestens zehn Millionen Aids-Kranke Zugang zu Medikamenten. Auch
Save the Children kritisierte die Beschlüsse als nicht ausreichend,
um die Kindersterblichkeit in Afrika zu reduzieren.
Mit der Einigung, die Aids-Hilfe um 60 Milliarden Dollar aufzustocken,
folgte die G-8 einem Vorschlag der USA. Präsident George W. Bush
hatte bereits vor dem Gipfel angekündigt, die Mittel in den
nächsten Jahren auf 30 Milliarden Dollar zu erhöhen. Die
übrigen 30 Milliarden Dollar sollen von Deutschland, Japan,
Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Russland
aufgebracht werden.
Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
sagte, von den umgerechnet 44 Milliarden Euro werde Deutschland bis 2015
insgesamt vier Milliarden Euro beisteuern. "Das habe ich abgestimmt mit
dem Bundesfinanzminister und der Kanzlerin", sagte sie im ZDF.
(Quelle: rtr)
G-8-Gipfel 'eine totale Farce'
Zu wenig Geld für Afrika, kaum konkrete Verpflichtungen: Der
G-8-Gipfel von Heiligendamm blieb weit hinter den Erwartungen und
Hoffnungen von Afrika-Aktivisten und NGOs zurück. Das
60-Milliarden-Dollar-Programm zur Bekämpfung von Aids weltweit sei
nur ein kleiner Schritt und die reichen Industriestaaten hätten
erneut keinen Zeitplan vorgelegt, wie sie ihre vor zwei Jahren
gegebenen Versprechen zur Aufstockung der Entwicklungshilfe umsetzen
wollten, kritisierten sie am Freitag.
Der Gipfel sei «totaler Schwachsinn» gewesen, bilanzierte
der prominente Afrika-Aktivist Bob Geldof. Sein Mitstreiter Bono teilt
den Frust, vor allem, nachdem er von Deutschlands Bundeskanzlerin
Angela Merkel eine Lektion in Realpolitik bekam. Am Mittwoch wollte er
ihr bei einem Gespräch weitere Zusagen abringen. «Wir haben
in dem Treffen alles reingeworfen», berichtete er am Freitag.
Aber Merkel habe einiges einstecken können.
Geldof erzählte anschließend, der U2-Sänger sei
während des Gesprächs depressiv geworden. Merkel gab auf
ihrer Abschlusspressekonferenz kühl zurück: «Ich glaube
nicht, dass er so deprimiert war, dass er gestern kein Konzert mehr
machen konnte.» Bono sagte daraufhin, Merkel habe intellektuell
und emotional Verständnis für sein Anliegen. Aber ihre
politische Denkweise sei davon geprägt, Bündnisse
zusammenzubekommen. Das habe sie offenbar zurückgehalten.
Nach seiner Verärgerung fand der prominente Afrika-Aktivist in
einer schriftlichen Erklärung aber wieder freundliche Worte
für die G-8-Gastgeberin. Das bedeutendste Ergebnis des Jahres sei
vielleicht «die wachsende Leidenschaft und der Einsatz des
deutschen Volkes, einschließlich der Kanzlerin selber»,
erklärte Bono und bedauerte: «Wenn wir ihre Leidenschaft nur
in mehr Cash hätten umwandeln können.»
Merkel erläuterte ihrerseits im verbalen Fernduell, sie könne
Bono bis heute nicht lückenlos sagen, wie die deutschen Zusagen
für eine Aufstockung der Entwicklungshilfe erreicht werden
könnten. Da habe ja auch das Parlament ein Wort mitzureden, es
gebe eben viele Unwägbarkeiten. «Für ihn wäre es
schöner gewesen, wir hätten die unbestimmte Lücke schon
geschlossen.»
Sein Pop-Kollege Geldof warf Merkel Entertainment vor. Der ganze Gipfel
sei eine «totale Farce» gewesen, schimpfte er und
bemühte Zitate von Goethe, Shakespeare, Bob Dylan und aus der
«Financial Times». Bono ereiferte sich darüber, dass
in der Schlusserklärung fälschlicherweise der Eindruck
erweckt werde, die 60 Milliarden Dollar sollten ausschließlich
Afrika zu Gute kommen.
Nach Berechnungen von Oxfam bedeutet die Zusage ohnehin nur einen
Zuwachs von drei Milliarden Dollar Entwicklungshilfe 2010. Die G-8
würden auch dann noch ihr selbstgestecktes Ziel von Gleneagles um
27 Milliarden Dollar jährlich verfehlen. «Wir dürfen
uns nicht von großen Zahlen verwirren lassen», mahnt
Oxfam-Aktivist Reinhard Hermle. Die Mittel im Kampf gegen Aids und
Bildungsmangel seien zwar wichtig, aber nur ein kleiner Schritt, wo
große Sprünge nötig wären.
Die Kinderhilfsorganisation World Vision äußerte sich
«zutiefst enttäuscht», dass frühere Zusagen
aufgeweicht worden seien. 2005 sei versprochen worden, dass bis 2010
alle Betroffenen Zugang zu Aids-Medikamenten haben sollten. Nun
heiße es, «in einigen Jahren» sollten fünf
Millionen Menschen diese Medikamente bekommen. «Wieder gibt es
keinen konkreten Zeitplan, so dass die Einhaltung der heute gemachten
Versprechen erneut nicht gewährleistet ist», erklärte
World Vision. Nach Schätzung von UNAIDS benötigten mindestens
zehn Millionen Menschen Anti-Aids-Medikamente.
Quelle: dpa, 08.06.2007
Afrika bleibt noch lange Armutskontinent
Afrika wird auch nach dem G8-Gipfel in Heiligendamm wohl noch
lange das bleiben, was es ist: ein Armutskontinent. Zu groß ist
das Gefälle zwischen industrialisierter Welt und den Ländern
südlich der Sahara, von denen einige ihre Staatsspitzen an den
Ostseestrand entsandt hatten.
Die von der Runde der «Großen Acht» auf den Weg
gebrachten Hilfen sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Die
deutsche Bundeskanzlerin und amtierende G8-Chefin Angela Merkel machte
aber klar, was für sie die Botschaft aus Heiligendamm an Afrika
ist: «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden
unsere Verpflichtung auch erfüllen.»
Eine dieser Verpflichtungen geht auf US-Präsident George W. Bush
zurück. Er will die grassierenden Krankheiten Aids, Malaria und
Tuberkulose stärker bekämpfen und stellte dafür 30
Milliarden Dollar bereit. In Heiligendamm drängte er seine sieben
Kollegen zur Co-Finanzierung und so stehen nun unter dem Strich 60
Milliarden Dollar (44 Milliarden Euro) zur Verfügung. Zudem rang
sich die G8-Runde durch, die 2005 beim Gipfel im schottischen
Gleneagles vereinbarten Ziele zu bekräftigen. Danach soll bis 2010
die Entwicklungshilfe jährlich auf 50 Milliarden Dollar verdoppelt
werden. Die Hälfte des Betrages soll dabei Afrika zu Gute kommen.
Die Hilfsorganisation Oxfam zeigte sich am Freitag tief
enttäuscht. Die angeblich neuen Ankündigungen sollten
lediglich das «gesamte Versagen» bemänteln. Schon vor
dem Gipfel sei deutlich gewesen, dass die Gleneagles-Gesamtzusagen bis
2010 um rund 30 Milliarden Dollar verfehlt würden. «Das, was
in Heiligendamm passiert ist, ist durch nichts zu entschuldigen»,
sagte Max Lawson von Oxfam.
Das Treffen der G8 in Heiligendamm war allerdings nicht als
Afrika-Gebergipfel gedacht. Vielmehr sollte die Partnerschaft mit dem
Kontinent dokumentiert werden. «Wir können nicht immer neue
Schubladen öffnen», dämpfte ein deutscher G8-Planer
schon vor dem Eintreffen der Staats- und Regierungschefs aus Ghana,
Algerien, Nigeria, Südafrika und Äthiopien die Erwartungen.
Kritiker bemängeln, dass direkte Finanzhilfen an die Staaten zu
oft in dunklen Kanälen versickern.
Beispiel Nigeria: Das bevölkerungsreichste Land Afrikas hat zwar
massiv von Entschuldungsinitiativen profitiert und steht mittlerweile
fast schuldenfrei da. Es ist aber kaum nachweisbar, dass deswegen mehr
Geld in Infrastruktur und Armutsbekämpfung fließt. Dennoch
weisen viele Länder Afrikas - wenn auch auf niedrigem Niveau -
teils erstaunliche Zahlen beim Wirtschaftswachstum auf. So würde
die Wirtschaft Nigerias auch ohne Öleinnahmen - um
schätzungsweise fünf Prozent wachsen. «Die Entwicklung
in Afrika ist nicht hoffnungslos», findet ein ranghohes deutsches
Delegationsmitglied.
Genau diese Entwicklung wollen die G8-Staaten auf dem
zweitgrößten Kontinent der Welt verstärken. Es hat sich
die Erkenntnis durchgesetzt, dass Afrika allein durch die klassische
Finanzhilfen keinen Anschluss finden kann an die «Erste
Welt». Nur wenn sich die wirtschaftliche Situation in den
Ländern verbessert, verbessern sich auch die Lebensbedingungen und
verringert sich der Migrationsdruck nach Europa vor allem in
Länder wie Frankreich oder Italien. Der Anschluss kann nur
gelingen, wenn die Rahmenbedingungen in Afrika so verändert
werden, dass private Investoren ihren Weg nach Afrika finden,
heißt die Analyse der Bundesregierung.
Dazu sieht Merkel auch die afrikanischen Länder in der Pflicht:
«Das ist keine Einbahnstraße, sondern ein intensiver
Prozess.» Das Ziel ist ein stabiles Investitionsklima. Und
deshalb signalisierten die in Heiligendamm vertretenen afrikanischen
Länder ihr Interesse an einer Zusammenarbeit beim Aufbau von
Institutionen. «Unser Blick auf Afrika muss weiter werden»,
warb Merkel und verwies auf eine Äußerung eines
afrikanischen Vertreters, der den «Großen Acht» eine
Mahnung ins Stammbuch schrieb: Afrika sei nicht nur der Kontinent mit
vielen Krankheiten und Kriegen. «Afrika ist auch ein Kontinent,
der eine Zukunft haben will, der sich entwickeln will, der Bildung
braucht und der junge Leute hat, die motiviert sind.»
Quelle: dpa, 08.06.2007
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DIW kritisiert Ergebnisse des G-8-Gipfel
Sa.09.06.07 - Der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hat die Ergebnisse des
G8-Gipfels zum Teil scharf kritisiert. Mehr Entwicklungshilfe sei nur
«ein Ablass für die eigenen Sünden der
Industriestaaten» und lasse Afrika in seiner Unterentwicklung
verharren, schrieb Zimmermann in einem Beitrag für die
«Frankfurter Rundschau» (Samstagausgabe).
Den afrikanischen Staaten müssten Möglichkeiten geboten
werden, um aus eigener Kraft ihre Wirtschaft zu entwickeln, sagte
Zimmermann: «Unabdingbar ist dafür die Öffnung der
Märkte der Industrieländer, nicht zuletzt für
Agrarprodukte.» Stattdessen schotte man sich ab und drücke
zudem mit hohen Subventionen die Preise auf den Weltmärkten.
Den G-8-Aufruf an die Hedge-Fonds, mehr Transparenz zu schaffen, nannte
Zimmermann «nett aber wenig wirkungsvoll». Auch der
gefeierte Klimadurchbruch sei eine Absichtserklärung, deren
Relevanz man erst beim Treffen der Umweltminister in Bali am Jahresende
sehen werde.
Dennoch sprach sich der DIW-Chef für die Fortsetzung der
G-8-Treffen aus. Ein offener Dialog der Regierenden ohne
Öffentlichkeit sei weiter notwendig. «Deshalb ist auch der
größte Erfolg von Heiligendamm die Diskussion mit den
afrikanischen Ländern und die Bereitschaft der Industriestaaten,
künftig in einen Dialog mit den großen Schwellenländern
einzutreten», erklärte der DIW-Chef.
(Quelle: ap)
DGB lobt Beschlüsse von Heiligendamm
Sa.09.06.07 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die Ergebnisse des G-8-Gipfels in
Heiligendamm als erste ermutigende Schritte bezeichnet. «Das
Schlussdokument enthält gute Absichten, denen jetzt Taten folgen
müssen», sagte DGB-Chef Michael Sommer am Freitag in Berlin.
Positiv sei, dass sich die G-8-Staats- und Regierungschefs klar zu
einer sozialen Gestaltung der Globalisierung bekannt hätten. Sie
unterstützten das Ziel, weltweit Kernarbeitsnormen und
Arbeitnehmerrechte durchzusetzen. Erfreulich sei auch, dass soziale
Standards künftig bei bilateralen Handelsabkommen
berücksichtigt werden sollten.
Kritik übte Sommer an den Beschlüssen zu Hedge-Fonds.
«Dass sich die Staats- und Regierungschefs nicht auf eine
striktere Regulierung der Fonds verständigen konnten, ist
enttäuschend, war aber zu erwarten», meinte der
Gewerkschaftschef. Jetzt seien Initiativen der Bundesregierung gefragt.
«Auch hier werden wir weiter Druck machen.»
(Quelle: ap)
UN-Umweltdirektor Steiner verlangt striktere CO2-Reduzierung
Sa.09.06.07 - Der Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, hat die
Weltgemeinschaft aufgefordert, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2050
sogar um deutlich mehr als 50 Prozent zu senken. Das Ziel müssten
eher 60 bis 70 Prozent sein, um den Klimawandel beherrschbar zu halten,
sagte er in einem Interview der «Frankfurter Rundschau»
(Samstagausgabe).
Steiner begrüßte die Ergebnisse des G8-Gipfels in
Heiligendamm als ein «politisch wichtiges Etappenziel»,
weil damit der Weg für ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll im EU-Rahmen
freigemacht wurde. Die Beschlüsse seien allerdings noch
«kein echter Durchbruch». Steiner forderte ambitionierte
Ziele für das Kyoto II-Protokoll, das von 2013 bis 2020 gelten
soll. Es müsse dafür sorgen, dass der globale
Treibhausgas-Ausstoß nur noch bis 2020 oder 2025 wächst und
dann kontinuierlich sinkt.
(Quelle: ap)
Rund 5000 Menschen bei Abschlusskundgebung zu G-8-Protesten
Sa.09.06.07 - Mehrere tausend Globalisierungsgegner haben zum Abschluss ihrer
Protestaktionen noch einmal gegen die Politik der G-8-Staaten
demonstriert. Rund 5000 Demonstranten versammelten sich am Nachmittag
am Rostocker Stadthafen, nachdem die Sitzblockaden am Sicherheitszaun
um das Tagungsgelände am Morgen beendet worden waren. In der
Nähe von Heiligendamm beendete die Polizei eine weitere
spektakuläre Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace: Mit
einem Hubschrauber wurde ein Fesselballon gestoppt, der sich in
Richtung des Tagungsgeländes bewegte. Die Polizei zog eine
positive Bilanz ihres Einsatzes während des G-8-Gipfels.
Bei der Abschlusskundgebung zeihten sich die Organisatoren mit der
Bilanz ihrer Aktionen zufrieden. Die Demonstranten hätten gezeigt,
"dass wir Nein sagen", sagte Christoph Kleine vom Bündnis Block
G8. Eine weitere Rednerin forderte die Globalisierungsgegner auf, ihren
Protest auch künftig fortzusetzen. Attac-Koordinator Werner
Rätz sagte in Rostock, die Proteste hätten "die politische
Welt" verändert. Die Globalisierungsgegner seien zur
"Massenbewegung" geworden. "Das ist neu für Deutschland."
Der zuständige Polizeiführer Knut Abramowski sagte, alle
Einsatzziele seien erreicht worden. Die Sicherheit der Gipfelteilnehmer
sei gewährleistet worden, das Treffen ohne Störungen
verlaufen und zu Angriffen auf den Gipfel sei es nicht gekommen. Auch
sei es gelungen, zahlreiche friedliche Demonstrationen stattfinden zu
lassen, betonte der Leiter der Sondereinsatzleitung "Kavala". Das
Konzept der Deeskalation sei aufgegangen.
Der "Kavala"-Chef begründete das Massenaufgebot von insgesamt
knapp 16.000 Polizisten damit, dass bereits unter den nach seinen
Angaben 30.000 Teilnehmern der Großdemonstration in Rostock 3000
teilweise "Schwer- und Schwerstverbrecher" gewesen seien. Es habe einen
Gewaltausbruch in einer Brutalität gegeben, wie ihn auch
hartgesottene Polizisten noch nicht erlebt hätten. Daran seien
Mitglieder der internationalen anarchistischen Szene aus Griechenland,
den Niederlanden und Italien beteiligt gewesen.
Die Polizei präsentierte unter anderem eine selbstgebaute Harpune,
eine Art Flammenwerfer, ein 20 Zentimeter breites Schlachterbeil und
einen Schlagring als Auswahl von Gegenständen, die den Angaben
zufolge Demonstranten abgenommen worden waren. In den vergangenen Tagen
seien 932 Menschen in die Gefangenensammelstellen eingeliefert worden,
140 davon in Langzeitgewahrsam.
(Quelle: ap)
Spontandemonstration von Globalisierungskritikern in Berlin
Sa.09.06.07 - Bei einer Spontandemonstration von Globalisierungskritikern in Berlin
ist es am Abend zu mehreren Festnahmen gekommen. Nach dem Ende des
G8-Gipfels der wichtigsten Industrienationen in Heiligendamm seien in
der Haupstadt etwa 450 vorwiegend junge Leute vom Hackeschen Markt im
Bezirk Mitte zum nahe gelegenen Rosenthaler Platz gezogen, wie die
Polizei mitteilte. Dabei habe es vereinzelte Flaschen- und
Steinwürfe gegeben. Mehrere Störer seien festgenommen worden,
unter anderem wegen Landfriedensbruchs.
(Quelle: dpa)
G8-Gegner mit ihren Protesten zufrieden
Sa.09.06.07 - Zum Abschluss ihrer Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm haben
sich die Organisatoren zufrieden über den Verlauf ihrer Aktionen
geäußert. «Wir haben es geschafft, den Gipfel die ganze
Zeit über auf der Straße lahm zu legen», sagte die
Sprecherin der Kampagne Block-G8, Lea Voigt, in Rostock.
Die Polizei habe auf ihren Plan B zurückgreifen und Heiligendamm
per Hubschrauber und übers Wasser versorgen müssen. Es
hätten sich bis zu 13 000 Menschen an den Blockaden beteiligt. Nach
Angaben von Anwälten, die die Proteste begleiteten, wurden
insgesamt 1200 Demonstranten von der Polizei in Gewahrsam genommen,
darunter etwa 500 Blockierer. Am Freitagmittag wollten bis zu 10 000
G8-Gegner zu einer Abschlusskundgebung am Rostocker Stadthafen
zusammenkommen.
Die Blockaden rund um den G8-Gipfelort lösten sich am Vormittag
größtenteils auf. Lediglich am Kontrollpunkt Galopprennbahn
harrten am dritten Tag der Protestaktionen noch etwa 50 Demonstranten in
der Nähe des Sicherheitszauns aus. Nach Angaben von Teilnehmern
wollen sie bis zum Ende des G8-Treffens dort bleiben.
Die Organisatoren der Kundgebung nahmen noch einmal selbstkritisch zu
den Ausschreitungen bei ihrer Demonstration am vergangenen Samstag
Stellung. «Wir haben am vergangenen Samstag auch hässliche
Bilder produziert», sagte Werner Rätz von der Demo AG. Er
wolle diese Bilder nicht relativieren, aber sie zeigten auch, dass
Rostock «Teil einer internationalen Realität» geworden
sei. Zudem sei auch die Polizei für die hässlichen Bilder
verantwortlich. Von den 80 000 Demonstranten der Demonstration seien 20
000 zu der Protestwoche in Rostock und Umgebung geblieben. Das sei eine
«immense, traumhafte Zahl», sagte Rätz. «Der
Protest hat die politische Welt verändert.»
Für die Klagen von Bauern über zertrampelte Felder
äußerte Voigt Verständnis. Die Kampagne Block-G8 stehe
in Kontakt zu Bauern. Für die Schäden müsse aber die
Bundesregierung aufkommen. «Wer die G8 einlädt, lädt
sich auch den Widerstand ein», sagte Voigt. Der Sprecher der
Camp-Organisatoren rund um Heiligendamm, Andi Henner, dankte Nachbarn
und Behörden für ihre Unterstützung. Die
G8-Polizeibehörde Kavala nahm er von seinem Dank ausdrücklich
aus. «Ich bitte Kavala, sich als faire Verlierer zu zeigen und die
Campbewohner ungehindert abreisen zu lassen», fügte Henner
hinzu.
Für Greenpeace-Kampagnenleiter Karsten Smid war der Gipfel ein
Erfolg für seine Organisation und ein Misserfolg für die G8
und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Diese sei damit gescheitert,
US- Präsident George W. Bush in die Klimapolitik einzubinden.
Greenpeace habe der Kanzlerin am Vortag eine Petition indirekt über
die Polizei übergeben. Damit bezog sich Smid auf eine Aktion am
Vortag, als Greenpeace-Aktivisten mit motorisierten Schlauchbooten in
die Sicherheitszone auf der Ostsee vor Heiligendamm eingedrungen waren.
«Wir mussten den Seeweg wählen, weil bekanntermaßen
alle Zugänge über Land blockiert waren», sagte Smid. Am
Freitagmorgen versuchten zwei Greenpeace-Aktivisten, in einem
Heißluftballon in Richtung Heiligendamm zu fliegen. Sie wurden
westlich von Rostock von Polizeihubschraubern zur Landung gezwungen.
(Quelle: dpa)
Der G-8-Gipfel von Heiligendamm war im buchstäblichen Sinne weit
weg von den Menschen
Politik hat in der griechischen Polis, also mitten auf dem Marktplatz,
begonnen. In diese Mitte der Menschen gehört sie auch. In
Heiligendamm hingegen hatten die politischen Akteure versucht, sich
abzuschotten von den Leuten, von denen sie gewählt werden und in
deren Sinne sie zu handeln verpflichtet sind. Es war, als hätten
sich die Gipfelteilnehmer auf einem anderen Planeten versammelt.
Der friedliche Durchbruch der Demonstranten, bei dem sie mittels Masse
durch die Polizeiketten förmlich difundierten, war ein Triumph
über diesen extremsten Abschottungsversuch der Politik, den bisher
gab. "Wir sind das Weltvolk!", schrieben die Demonstranten den
Staats-und Regierungschefs mit ihren Aktionen hinter die Ohren. "Ihr
könnt euch zurückziehen, wie ihr wollt, wir werden euch so
nah wie möglich auf die Pelle rücken." Und das gelang.
Die Sympathie gehörte eindeutig denen da draußen, sei es im
Roggenfeld, sei es auf den Ostsee-Wellen, und nicht denen da drinnen.
Die wilde Jagd des Greenpeace-Schlauchbootes durch ein knappes Dutzend
Polizeiboote symbolisiert den Triumph ebenso wie der Durchbruch bis an
den Zaun. Der moralische Sieg in dieser Auseinandersetzung geht an die
Demonstranten. Der furchtbare Auftakt von Rostock am vergangenen
Wochenende erwies sich nicht als böses Omen, sondern als
hässlicher Ausrutscher weniger, den die phantasievolle und
weitgehend friedliche Protestkultur vieler beinahe vergessen machte.
Brot und Wasser, es konnte nicht symbolhafter sein, bekamen die
Protestierer auf ihrem Marsch von der örtlichen Bevölkerung
gereicht, bis die Behörden in ihrer Not das Wasser in manchen
Orten angeblich abdrehten. Wenn die Staatsmacht so vorgeht, hat sie
verloren und ihre Ohnmacht eingestanden...
Süddeutsche Zeitung vom 09.06.2007
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Polizei bestätigt doch Einsatz von Zivilbeamten bei Sitzblockade
Sa.09.06.07 - Entgegen einem ersten Dementi hat die Polizei den Einsatz eines
Zivilbeamten bei einer Blockade-Aktion im Zusammenhang mit dem
G-8-Gipfel in Heiligendamm nun doch bestätigt. Der aus Bremen
stammende Beamte sei am Mittwoch bei einer Sitzblockade am
östlichen Eingang durch den Sicherheitszaun im Einsatz gewesen,
erklärte die Polizeieinheit Kavala, die den Vorgang am Donnerstag
noch dementiert hatte.
Bremer Demonstranten hätten den Beamten erkannt, angegriffen und
gewaltsam aus der Menschenmenge gedrängt. Dabei sei er leicht
verletzt worden. «Nur dem beherzten Eingreifen friedlicher
Globalisierungskritiker ist es zu verdanken, dass es nicht zu schwereren
Verletzungen kam», erklärte die Polizei. Behauptungen, der
Zivilbeamte habe den Auftrag gehabt, andere Blockadeteilnehmer zur
Begehung von Straftaten und Störungen anzustiften, entbehrten
jeglicher Grundlage, erklärte die Polizei.
Die einzige Aufgabe des Beamten habe darin bestanden, Informationen
über die Planung und Begehung von Straftaten und Störungen zu
erheben. «Der Einsatz solcher zivilen Kräfte ist Bestandteil
der Deeskalationsstrategie und dient ausschließlich der
beweiskräftigen Feststellung von Gewalttätern»,
erklärte die Polizei.
Gipfelgegner hatten der Polizei den Einsatz des Zivilbeamten zur
gezielten Provokation von Krawallen vorgeworfen. Die Demonstranten
hatten am Donnerstag in Rostock von einem Polizisten in Zivil berichtet,
der am Mittwoch Blockierer zu Straftaten habe anstacheln wollen.
Demnach gehörte der mutmaßliche Zivilpolizist zu einer
Gruppe von insgesamt fünf Männern mit schwarzen
Kapuzenpullovern, die versucht hätten, eine Gruppe von
tschechischen Autonomen aufzustacheln. Vier der Männer seien
geflüchtet. Einer von ihnen sei aber zur Rede gestellt und
schließlich einer Festnahmeeinheit übergeben worden. Ein
anderer mutmaßlicher Zivilpolizist aus der Gruppe sei schon vorher
durch die Polizeikette verschwunden, sagte Obens.
(Quelle: ap)
Anwaltsvereine kritisieren Haftbedingungen für G8-Gegner
Sa.09.06.07 - Anwaltsvereine haben schwere Vorwürfe wegen der Haftbedingungen
für G8-Gegner in einer Rostocker Gefangenensammelstelle erhoben.
Dort seien seit Beginn der Proteste gegen den G8-Gipfel in Gewahrsam
genommene Personen in Metallkäfigen untergebracht worden,
kritisierte eine Sprecherin des Anwaltlichen Notdienstes am Freitag. In
den provisorischen, zum Teil nur rund 25 Quadratmeter großen
Zellen seien bis zu 20 Menschen festgehalten worden.
Die Anwälte erwägen Strafanzeige gegen die Verantwortlichen.
Im Fall eines belgischen Staatsbürgers wurde beim Amtsgericht
Rostock beantragt, den Mann wegen «menschenunwürdiger
Verhältnisse» aus dem Gewahrsam zu entlassen oder ihn
hilfsweise in eine reguläre Haftanstalt zu verlegen. Etwa 500
Demonstranten protestierten zwischenzeitlich gegen die Gewahrsamnahme
von Globalisierungskritikern.
Nach Ansicht von Rostocks Polizeiführer Knut Abramowski entspricht
die Unterbringung den gesetzlichen und bundesdeutschen Standards. Die
Gefangenen würden in geschlossenen Räumen untergebracht und
erhielten eine Isomatte, sagte er. «Mein persönliches
Empfinden spielt hier keine Rolle», sagte er auf die Frage, was
er denn davon halten würde, wenn er unter derartigen Bedingungen
untergebracht wäre.
Nach Darstellung des Republikanischen Anwaltsvereins sind die in einer
großen Industriehalle errichteten käfigartigen Zellen von
allen Seiten sowie von oben einsehbar. Die dort Untergebrachten
müssten auf dem Boden schlafen, lediglich eine etwa ein Zentimeter
dünne Gummimatte würde ihnen zur Verfügung gestellt,
erklärte der Verein. Die Halle sei in der Nacht permanent
beleuchtet und werde ununterbrochen per Video überwacht. Zudem
würden die mit Netzen überspannten Käfige von
Polizeibeamten regelmäßig beobachtet. Den Festgehaltenen sei
es nicht möglich, zu duschen.
Nach Ansicht des Anwaltnotdienstes verstoßen diese Bedingungen
des Freiheitsentzugs gegen elementare Grundrechte. Sie seien mit dem
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und des
Rechtsstaatsprinzips nicht zu vereinbaren. Ein Sprecher forderte die
sofortige Entlassung aller dort Festgehaltenen und die Schließung
dieser Einrichtung. Außerdem kündigte der Republikanische
Anwaltsverein Strafanzeige wegen Freiheitsentziehung im Amt in mehren
Fällen an, in denen Personen trotz richterlicher Anordnungen erst
mit Verzögerungen bis zu sechs Stunden aus dem Gewahrsam entlassen
worden seien.
Sechs in Gewahrsam genommene Mandaten seien wegen der Haftbedingungen
nach ihrer Verlegung von der Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldeck in die
JVA Lübeck seit Donnerstag im Hungerstreik, sagte die
Anwaltsvereinssprecherin. Sie würden wie Strafgefangene behandelt.
(Quelle: ddp)
Lafontaine nennt Bedingungen für Regierungsbeteiligung
Sa.09.06.07 - Der Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag, Oskar Lafontaine,
hat vier Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung im Bund
gestellt. Der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse»
(Samstagausgabe) sagte er: «Wir würden uns sofort an einer
Bundesregierung beteiligen, wenn die Rentenformel wiederhergestellt und
Altersarmut vermieden wird. Der gesetzliche Mindestlohn müsste
eingeführt, das Arbeitslosengeld wieder länger gezahlt, und
die Truppen aus Afghanistan zurückgezogen werden.»
Das seien «keine unrealistischen Forderungen»,
erklärte Lafontaine. Der frühere SPD-Chef glaubt auch nicht,
dass eine Zusammenarbeit mit der SPD an seiner Person scheitern
könnte: «Es ist kindisch, wenn Politiker sagen: Mit dem
arbeite ich nicht zusammen, weil mir seine Nase nicht passt.»
Schon jetzt habe die Linkspartei Einfluss auf die anderen Parteien.
«Die SPD diskutiert, ob die Rente mit 67 nicht doch falsch ist
und die CDU will ein längeres Arbeitslosengeld. Ohne uns gäbe
es diese Bewegung nicht», sagte Lafontaine.
Der SPD warf er vor, sie habe seit Jahren keine Strategie. Sie verliere
Wahlen und Mitglieder und überlege zurzeit, ob sie den Sozialabbau
lieber mit der FDP statt mit der CDU fortsetze: «Das passt alles
nicht zusammen. Der SPD wird nichts anderes übrigbleiben, als ihre
Politik zu ändern, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit
versinken will.»
(Quelle: ap)
Zahl der Verbraucherinsolvenzen steigt auf Rekordhöhe
Sa.09.06.07 - Trotz sinkender Arbeitslosigkeit haben sich zu Jahresbeginn so viele
Verbraucher zahlungsunfähig erklärt wie noch nie.
Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg von Januar bis März auf
26.447 und lag damit um 21,7 Prozent höher als vor einem Jahr, wie
das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das ist der
höchste Stand seit Einführung der Verbraucherinsolvenz 1999,
mit der sich Privatpersonen innerhalb von sechs Jahren entschulden
können.
Dagegen gab es wegen der guten Konjunktur erneut weniger Firmenpleiten.
Ihre Zahl sank um 12,8 Prozent auf 7.336. Die Gesamtzahl der Insolvenzen
stieg um zehn Prozent auf knapp 42.000. Dazu gehören auch die
Pleiten ehemals Selbstständiger, von Gesellschaftern und aus
Nachlässen.
Die voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger gaben die
Gerichte mit rund 8,5 Milliarden Euro an. Das sind 400 Millionen Euro
mehr als zum Jahresbeginn 2006. Auf Unternehmen entfiel rund die
Hälfte.
(Quelle: rtr)