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Aktuelle Nachrichten
Irak am tausendneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Teheran droht USA wegen im Irak festgehaltenen Iranern.
NATO-Generalsekretär mahnt Türkei zu Zurückhaltung im
Nordirak. Wieder Brücke bei Anschlag südlich von Bagdad
beschädigt
Mi.13.06.07 - Die Regierung in Teheran hat den USA am Dienstag wegen der Festnahme
von fünf Iranern im Irak gedroht. Die USA würden dies noch
bedauern, erklärte der iranische Außenminister Manutschehr
Mottaki. Die Männer waren im Januar von US-Truppen in der
nordirakischen Stadt Erbil festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen,
Aufständische mit Waffen versorgt zu haben. Die Anschuldigungen
wurden in Teheran zurückgewiesen. «Wir werden dafür
sorgen, dass die Amerikaner ihre hässliche und illegale Handlung
noch bereuen», sagte Mottaki laut einer Meldung der
Nachrichtenagentur IRNA. Nach iranischen Angaben handelt es sich bei den
Festgenommenen um Diplomaten und Gäste der irakischen Regierung.
Auch die Regierung in Bagdad hat ihre Freilassung gefordert.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat die türkische
Regierung zur Zurückhaltung im Nordirak aufgefordert. "Die NATO ist
mit der Türkei solidarisch und hofft, dass eine Lösung mit
maximaler Zurückhaltung gefunden werden kann", sagte er am
Dienstag nach Gesprächen mit dem türkischen
Außenminister Abdullah Gül in Ankara. Die türkische
Armee verlangt von der Regierung grünes Licht für einen
Vormarsch nach Nordirak, um gegen Lager der verbotenen kurdischen
Rebellengruppe PKK vorzugehen.
Aufständische im Irak haben am Dienstag zum dritten Mal in drei
Tagen eine Brücke bei einem Anschlag schwer beschädigt.
Betroffen war dieses Mal eine Brücke über der wichtigsten
Nord-Süd-Autobahn im Irak. Bei dem Anschlag 60 Kilometer
südlich von Bagdad wurde die Brücke zu 60 Prozent
beschädigt, sie war aber noch für PKW nutzbar, die einspurig
passieren können, wie die Behörden mitteilten.
Nur zehn Kilometer entfernt war am Sonntag eine Autobahnbrücke
durch eine Autobombe teilweise zum Einsturz gebracht worden. Drei
US-Soldaten, die die Brücke bewachten, wurden dabei getötet.
Am Montag wurde eine Brücke in Bakuba nordöstlich von Bagdad
zerstört.
In Bakuba, der Hauptstadt der Provinz Dijala, kam es am Dienstag zu
heftigen Gefechten zwischen irakischen und amerikanischen Soldaten auf
der einen und Aufständischen auf der anderen Seite. Polizei und
Krankenhausmitarbeiter erklärten, dabei seien zwei irakische
Soldaten und sechs Rebellen getötet worden. In Mukdadija,
nördlich von Bagdad, stürmten Aufständische das Haus des
sunnitischen Bürgermeisters. Sie brachten die Familienmitglieder
nach draußen und sprengten danach das Gebäude. Der
Bürgermeister war zum Zeitpunkt des Überfalls nicht zu Hause.
boa, (Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 13.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundfünfzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.07.06.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Lage der Menschen in Afghanistan laut IKRK weiter verschlimmert
US-geführte Truppen töten sieben afghanische Polizisten. Neue
Front in Nordafghanistan. UNO besorgt über zunehmenden Waffenhandel
in Afghanistan
Mi.13.06.07 - Die Lage der Menschen in Afghanistan hat sich nach Einschätzung
des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz weiter verschlimmert. Die
Zivilisten würden «schrecklich» unter der wachsenden
Zahl von Minenexplosionen, Selbstmordanschlägen und den
regelmäßigen Bombardements aus der Luft leiden. Das teilte
die Hilfsorganisation in Genf mit.
Bei einem Gefecht mit US-Soldaten im Osten Afghanistans sind unter
unklaren Umständen sieben afghanische Polizisten getötet
worden. Weitere fünf Polizisten seien verletzt worden, als Soldaten
der US-geführten Koalitionstruppe sie wegen "eines
Missverständnisses" beschossen hätten, teilte das
Innenministerium in Kabul mit. Dem Beschuss ging den Koalitionstruppen
zufolge ein Angriff auf ihre Soldaten voraus. In Südafghanistan
töteten afghanische und US-Soldaten nach eigenen Angaben 24
Aufständische.
Die Polizisten hätten nicht gewusst, dass die Koalitionstruppen in
der Provinz Nangarhar gegen Taliban-Kämpfer vorgehen sollte, sagte
der Sprecher von Präsident Hamid Karsai. Die Polizisten hätten
die ausländischen Soldaten für feindliche Kämpfer
gehalten und sie beschossen. Daraufhin hätten die
US-geführten Truppen im Glauben an einen feindlichen Angriff
zurückgefeuert. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, zu der
Auseinandersetzung rund 30 Kilomater südwestlich der
Provinzhauptstadt Dschalalabad sei es in "Folge eines
Missverständnisses" gekommen. Eine Delegation werde nun vor Ort den
Fall untersuchen.
Ein örtlicher Polizeivertreter warf den Koalitionstruppen vor, sie
hätten bei ihrem Angriff sieben Polizisten "brutal" getötet.
Bereits im März war eine Untersuchung eingeleitet worden, weil
fünf afghanische Polizisten in einer Schießerei zwischen
US-Soldaten und Taliban-Kämpfern starben. Ein Sprecher der
US-geführten Truppen sagte, als die Soldaten von beiden Seiten mit
Granaten und Schusswaffen beschossen worden seien, hätten sie das
Feuer vom Boden und aus der Luft erwidert.
Im Süden des Landes töteten US-geführte Truppen
gemeinsam mit afghanischen Polizisten "mehr als zwei Dutzend feindliche
Kämpfer", wie das US-Militär mitteilte. Den Kämpfen in
der südlichen Provinz Kandahar gingen demnach zwei Angriffe der
mutmaßlichen Aufständischen voran.
Die radikal-islamischen Taliban haben derweil nach jüngsten
Erkenntnissen deutscher und amerikanischer Geheimdienste eine
«neue Front» in Nordafghanistan aufgebaut. «Sie wollen
gezielt mit Selbstmordattentätern gegen die Bundeswehrsoldaten in
den nördlichen Stützpunkten Mazar-i-Sharif, Kundus und
Faisabad vorgehen», war am Montag aus Geheimdienstkreisen in der
afghanischen Hauptstadt Kabul zu erfahren. In einem internen Papier aus
Kundus, das der Nachrichtenagentur ddp vorliegt, heißt es
«Selbstmordattentäter stehen augenscheinlich zur
Verfügung». Am 19. Mai waren in Kundus drei deutsche
Soldaten bei einem Selbstmordanschlag getötet worden.
Die Geheimdienstler verwiesen auf die Ankündigung eines Sprechers
der Taliban, wonach «Hunderte von Selbstmordattentätern zum
Kampf gegen die Bundeswehr bereitstehen». Der Norden Afghanistans,
in dem die Bundeswehr die Kommandogewalt hat, galt bisher stets als
«relativ ruhig». Nach Aussage von Bundeswehroffizieren
haben die Taliban ihre Taktik bei der Bekämpfung der ISAF-Truppen
offensichtlich geändert. «Sie wollen mit aller Gewalt das
Chaos aus dem umkämpften Süden und Osten des Landes jetzt
auch in den Norden tragen, um die Aufbauarbeiten der Bundeswehr am
Hindukusch nachhaltig zu stören und unseren Einsatz zunichte zu
machen», erklärte einer der Offiziere.
Die «politische Absicht» der Taliban zielt nach Ansicht von
Parlamentariern in Berlin auf die Entscheidung des Bundestages über
eine Verlängerung des Mandats für den Afghanistan-Einsatz der
Bundeswehr im September. Die Taliban würden auf ein negatives
Votum und den Abzug der Bundeswehr hoffen, wenn sie mit ihren
Anschlägen «auch den Norden in Bedrängnis bringen
könnten», hieß es. In der deutschen Bevölkerung
wachse der «Unmut» über den Bundeswehreinsatz, der
immer mehr Opfer fordere, sagte ein Mitglied des
Verteidigungsausschusses. Bislang kamen 22 Soldaten in Afghanistan ums
Leben. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, hat
schon eine Überprüfung des deutschen Engagements am Hindukusch
gefordert.
Die Lage für die Bundeswehr wird auch deswegen als so
gefährlich eingeschätzt, weil von afghanischen Behörden
und Sicherheitskräften nach Einschätzung der Geheimdienste
«zu wenig für den Schutz der Bundeswehrsoldaten getan
wird». Besonders wird kritisiert, dass afghanische
Sicherheitseinrichtungen «offenbar vor dem Anschlag am 19. Mai
konkrete Hinweise darauf hatten». Als «unglaublich»
wurde es bezeichnet, dass genau zum Zeitpunkt des Anschlags das
afghanische Fernsehen vor Ort war, um «alles zu filmen». Den
afghanischen Behörden vor Ort seien mindestens vier im Norden
agierende Anführer der Al-Qaida namentlich bekannt. Hinweise auf
Verstecke der Taliban würden von den afghanischen
Sicherheitsbehörden «schlicht ignoriert», berichtete
ein Geheimdienstler.
Besonders im Norden, der Hochburg des Drogenanbaus, hat sich nach dem
Hinweis der Geheimdienste ein «gefährliches Gemisch von
Banditen und Talibankämpfern gebildet». Die Drogenbarone
würden auch intensiv mit dem berüchtigten Führer der
Hizb-e-Islam, Gulbuddin Hekmatyar, zusammenarbeiten. Er treibe ein
hinterhältiges Spiel, weil er einmal offen die Taliban
unterstütze, zum anderen sich wieder von ihnen distanziere, wurde
von Offizieren in Kundus erläutert. Nach vorliegenden Informationen
wird in Berlin erwogen, zur Verstärkung der Bundeswehreinheiten im
Norden Afghanistans wieder das geheime «Kommando
Spezialkräfte» (KSK) einzusetzen. Rund hundert Soldaten
dieser Spezialeinheit hatten schon mehrfach Einsätze am Hindukusch
absolviert.
Die Vereinten Nationen haben sich besorgt über den steigenden
Handel mit Waffen in Afghanistan geäußert. Betroffen von den
verstärkten Rüstungslieferungen sei vor allem der Norden des
Landes, der bislang als relativ friedlich galt, sagte der Chef der
UN-Mission in Kabul, Tom Koenigs, am Montag in der afghanischen
Hauptstadt. "Dass die Menschen sich dafür entscheiden, Waffen zu
kaufen, zeugt vom Klima der Unsicherheit in diesem Land", fügte der
deutsche Grünen-Politiker hinzu. "Ich weiß nicht, woher
diese Waffen kommen und wohin sie gehen. Eines aber ist sicher: Das ist
nicht gut für die Stabilität des Landes."
boa, (Quellen: ddp, afp, dpa)
Nahost-Konflikt
Syrien zu Friedensgesprächen mit Israel bereit.
Bürgerkriegsähnliche Kämpfe im Gazastreifen. Fatah setzt
Mitarbeit in der Regierung aus
Mi.13.06.07 - Syrien hat sich am Dienstag zu neuen Friedensgesprächen mit Israel
bereit erklärt. Bei den Verhandlungen dürfe es aber keine
Vorbedingungen geben, sagte der stellvertretende Außenminister
Ahmad Arnus in Damaskus. Offizielle Friedensgespräche wurden im
Januar 2000 abgebrochen. Syrien forderte damals unter anderem Garantien
für einen Abzug Israels von den Golanhöhen, die seit dem
Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt sind. Die Regierung in Jerusalem wies
dies zurück und bestand zuerst auf einer Klärung von
Sicherheitsfragen.
Die Fatah-Bewegung hat ihre Zusammenarbeit in der
palästinensischen Regierung vorerst ausgesetzt. Das Zentralkomitee
der Partei beschloss am Dienstagabend auf einer Krisensitzung in
Ramallah zudem den vollständigen Rückzug aus dem von der
Hamas geführten Kabinett, falls die Kämpfe im Gazastreifen
nicht eingestellt werden.
Die Fatah reagierte damit auf die Besetzung ihrer Parteizentrale im
Gazastreifen durch mehrere hundert Kämpfer der
islamisch-fundamentalistischen Hamas-Bewegung. Beide Seiten sprachen
von einem Bürgerkrieg. Dabei kamen an den ersten beiden Tagen
dieser Woche 37 Menschen ums Leben.
Überall im Gazastreifen kam es am Dienstag zu heftigen Gefechten
zwischen Kämpfern der rivalisierenden Parteien. Dabei zeigte sich
eine zunehmende Überlegenheit der Hamas, wie Augenzeugen
berichteten. In einem Versuch der verzweifelten Gegenwehr griffen
Fatah-Kämpfer den Fernsehsender der Hamas an, wurden aber
zurückgeschlagen. Zugleich wuchs die Sorge, dass die Kämpfe
auf das Westjordanland übergreifen könnten, wo die Fatah die
Mehrheit hat.
Fatah-Sprecher Ahmed Abdelrahman machte für die Gewaltwelle eine
"niederträchtige Gruppe innerhalb der Hamas-Führung"
verantwortlich. Beide Organisationen bezichtigten sich gegenseitig,
einen "Putsch" vorzubereiten und einen Bürgerkrieg in den
Palästinensergebieten anzuzetteln.
Abbas' Büro erklärte, alles deute darauf hin, dass die
politische und militärische Leitung der Hamas versuche, den
Gazastreifen gewaltsam unter ihre Kontrolle zu bringen. Die
Führung der Hamas wolle das Land "in einen entsetzlichen
Bürgerkrieg" stürzen. Abbas rief die Konfliktparteien auf,
sich umgehend auf einen Waffenstillstand zu einigen und "ernsthafte
Verhandlungen" einzugehen.
In der Bevölkerung wächst unterdessen die Empörung
über beide Parteien. «Fatah und Hamas führen uns in Tod
und Zerstörung», sagte die 29-jährige Ajja Chalil.
«Sie kümmern sich überhaupt nicht um uns.»
Die Hamas übernahm nach der Parlamentswahl vom 25. Januar 2006 die
Regierung der palästinensischen Autonomiegebiete. Unter dem
Eindruck der wachsenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Gefolge des
internationalen Boykotts der Hamas-Regierung kam es im Dezember zu
tödlichen Schießereien zwischen den rivalisierenden Gruppen
der Palästinenser. Dennoch wurde im März dieses Jahres eine
Regierung der nationalen Einheit unter Einschluss der Fatah von
Präsident Mahmud Abbas gebildet. Im Streit über die Kontrolle
der Sicherheitskräfte flammten Mitte Mai aber erneut heftige
Kämpfe zwischen Fatah und Hamas auf.
boa, (Quellen: afp, ap)
Regeln für Völkermordprozess in Kambodscha vereinbart
Mi.13.06.07 - Die kambodschanische Justiz hat die letzten Hürden für den
geplanten Völkermordprozess gegen Mitglieder der Roten Khmer
beseitigt. Die beteiligten Richter gaben am Mittwoch die
Strafprozessordnung für das mehrfach verzögerte Verfahren
bekannt.
Die Übereinkunft der im vergangenen Jahr vereidigten Richter wurde
während einer einwöchigen Konferenz in Phnom Penh erzielt.
Jetzt können die Richter des Tribunals ihre Ermittlungen aufnehmen
und Haftbefehle ausstellen. Das Tribunal wurde im vergangenen Jahr
gegründet. Seine Grundlage ist ein Beschluss der kambodschanischen
Regierung und der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2003.
Während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 kamen 1,7
Millionen Menschen ums Leben. Sie verhungerten, starben an Krankheiten
oder Zwangsarbeit. Außerdem kam es zu zahllosen Hinrichtungen.
(Quelle: ap)
Yahoo kritisiert Einschränkung der Meinungsfreiheit in China
Mi.13.06.07 - Das Online-Portal Yahoo hat die Einschränkung der Meinungsfreiheit
in China kritisiert. Yahoo sei betroffen, dass Menschen inhaftiert
würden, weil sie ihre politischen Ansichten im Internet
äußerten, hieß es in einer Erklärung des
Unternehmens. Es reagierte damit auf eine Nachfrage der
Nachrichtenagentur AP, die um eine Stellungnahme zum Fall des
inhaftierten Journalisten Shi Tao gebeten hatte. Darauf ging Yahoo aber
nicht direkt ein.
Gao Qingsheng, die Mutter von Shi, hat in den USA Klage gegen Yahoo
wegen Beihilfe zur Inhaftierung ihres Sohnes eingereicht. Dieser wurde
2005 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sich in einer
E-Mail kritisch über die Beschränkungen für Medien in
China geäußert hatte. Gao betonte in Hongkong, ihr Sohn sei
unschuldig. Sie werde weiter für seine Freilassung kämpfen.
Die am 29. Mai eingereichte Klage ist Teil eines umfangreicheren
Verfahrens, das die Weltorganisation für Menschenrechte USA gegen
Yahoo angestrengt hat. Das Unternehmen hat eingeräumt, dass es im
Fall Shi den chinesischen Behörden Informationen gegeben hat. Yahoo
betonte, dass sich in China arbeitende Unternehmen an die dort
geltenden Gesetze halten müssten, da ansonsten die
Beschäftigten rechtlich belangt würden.
(Quelle: ap)
Pekinger Polizei soll Energieverschwender aufspüren
Mi.13.06.07 - Umweltpolizisten sollen Unternehmen in Peking künftig auf
übermäßigen Energieverbrauch kontrollieren. Die
Stadtverwaltung will damit Sparvorgaben der Regierung umsetzen, wie die
amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete. Ein Team aus 20
Umweltpolizisten soll hierfür den Energieverbrauch in
Bürogebäuden, Hotels, Schulen und Einkaufszentren
überprüfen. Die zulässige Untergrenze für
Klimaanlagen im Sommer liegt demnach bei 26 Grad Celsius, im Winter darf
auf maximal 20 Grad geheizt werden.
Wer trotz Warnungen gegen die Vorgaben verstößt, dem drohen
Strafen, wie Teamleiter Huang Qian erklärte. Die Namen der
Umweltsünder würden zudem im Fernsehen, im Radio und in den
Zeitungen veröffentlicht. Xinhua berichtete, für Hinweise der
Bevölkerung auf Energieverschwender sei eine Sonderrufnummer
eingerichtet worden. Die Initiative ist Teil der von der Regierung
versprochenen Anstrengungen für ein «Grünes
Olympia». Bereits mehrfach hatte sie Kommunalverwaltungen
aufgefordert, Energie zu sparen und Unternehmen mit hohem
Energieverbrauch bei niedriger Produktivität zu schließen.
(Quelle: ap)
UNICEF kritisiert Einsatz von Kindern in der Landwirtschaft
Mi.13.06.07 - Anlässlich des gestrigen Welttags gegen Kinderarbeit hat das
UN-Kinderhilfswerk UNICEF den weit verbreiteten Einsatz von Kindern in
der Landwirtschaft verurteilt. Weltweit arbeiteten neuesten
Schätzungen zufolge 132 Millionen Mädchen und Jungen unter 15
Jahren auf Farmen und Plantagen, davon bis zu 72 Millionen allein in
Afrika, erklärte UNICEF Deutschland in Köln. Damit machten sie
mehr als die Hälfte der laut UN-Schätzungen insgesamt 218
Millionen Kinderarbeiter aus.
Weltweit arbeiteten zehn mal mehr Kinder in Landwirtschaftsbetrieben
als beispielsweise in der Bekleidungsindustrie oder der Produktion von
Fußbällen, hieß es weiter. Die Arbeit in der
Landwirtschaft ist laut UNICEF unter anderem wegen des Einsatzes
giftiger Schädlingsbekämpfungsmittel sowie gefährlicher
Schneidewerkzeuge sowie wegen langer Arbeitstage bei extremen
Temperaturen besonders gefährlich.
"Das wirksamste Mittel gegen Kinderarbeit ist gute und kostenfreie
Grundbildung für alle Kinder", erklärte der
Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich Garlichs.
Alle Staaten müssten sich daher anstrengen, dieses
Milleniumsentwicklungsziel zu erreichen. Außerdem sollten
Verbraucher beim Kauf von Importprodukten wie Kaffee und Tee gezielt
darauf achten, dass für die Produkte keine Kinder ausgebeutet
wurden.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schloss zur
Bekämpfung von Kinderarbeit in der Landwirtschaft ein Bündnis
mit fünf anderen internationalen Organisationen. Die Zusammenarbeit
solle "die globale Bewegung zur Abschaffung der Kinderarbeit
entscheidend verstärken", erklärte ILO-Generaldirektor Juan
Somavia in Berlin. Zum Bündnis gehören neben der ILO die
UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), der
Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD),
das Internationale Forschungsinstitut für Ernährungspolitik
(IFPRI) sowie die Internationale Vereinigung der Agrarproduzenten
(IFAP) und der Dachverband der Agrargewerkschaften (IUF). Gemeinsam
wollen sie mit nationalen Behörden und Organisationen Konzepte
gegen Kinderarbeit entwickeln.
(Quelle: afp)
EU findet keine Antwort auf Flüchtlingsdrama im Mittelmeer
Mi.13.06.07 - Trotz der jüngsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer bleibt die
EU von einer Klärung der Verantwortlichkeiten für die
Aufnahme schiffbrüchiger Einwanderer weit entfernt. Der deutsche
Innenminister Wolfgang Schäuble lehnte am Dienstag die Forderung
Maltas nach einer Verteilung im Mittelmeer geretteter Flüchtlinge
über ganz Europa ab. Der maltesische Innenminister Tonio Borg
erklärte daraufhin, Malta werde außerhalb seiner
Territorialgewässer aufgenommene Flüchtlinge nicht mehr an
Land lassen.
Vor einigen Wochen bereits hatte Malta es abgelehnt, 26
Flüchtlinge an Land zu lassen, die zwischen der Mittelmeerinsel
und Libyen von einem spanischen Schiff gerettet worden waren. Das
völlig überladene Boot musste laut spanischen Presseberichten
dann schließlich bis Spanien weiterfahren. Borg erklärte
dazu, Malta habe in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 7.000
Bootsflüchtlinge aufgenommen. Gemessen an der Bevölkerung der
Insel sei das so, als würde Deutschland 1,5 Millionen
Flüchtlinge aufnehmen, sagte der maltesische Innenminister.
Schäuble dagegen erklärte, die maltesischen Zahlen seien auch
gemessen an der Bevölkerungszahl «nicht so, dass nicht ein
deutscher Innenminister aus den 90er Jahren eindrucksvollere Zahlen
präsentieren könnte.» Für einen
Verteilungsmechanismus, wie ihn Borg forderte, sei die Zeit noch nicht
reif: «Das ist ein langer Weg, und wenn Sie einen langen Weg
erfolgreich zu Ende bringen wollen, dann dürfen Sie nicht beim
ersten Schritt den zweiten machen.»
Möglich sei aber schon jetzt, dass andere EU-Staaten «in
einem Akt der Solidärität» an der maltesischen
Küste gelandete Flüchtlinge übernehmen, sagte der
Bundesinnenminister. Nach Angaben Maltas hat Deutschland dies in
einzelnen Fällen bereits getan. Innenminister Borg machte aber
deutlich, dass dies nicht ausreiche: Insgesamt hätten andere
EU-Staaten in den vergangenen Jahren «etwa 80»
Flüchtlinge aus Malta übernommen.
Als einzige rasche Antwort auf die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer
präsentierten die Innenminister eine Operation der
EU-Grenzschutzagentur Frontex. Ab dem 25. Juni sollen Schiffe und
Hubschrauber die Gewässer vor Italien und Malta überwachen.
An dieser Operation «Nautilus», die allerdings schon seit
Monaten geplant war, beteiligen sich neben Italien und Malta auch
Deutschland, Griechenland und Frankreich.
EU-Kommissar Franco Frattini strebt darüber hinaus eine Abmachung
zwischen den Mittelmeerstaaten an, welches Land wann für die
Aufnahme von Flüchtlingen zuständig ist. Dazu sind
Expertengespräche geplant, die sich aber noch über Monate
hinziehen könnten. Zudem will Frattini Libyen, von wo aus
zahlreiche Flüchtlingsboote nach Europa übersetzen, zu einer
schärferen Überwachung seiner Küsten bewegen. Der
EU-Kommissar sagte allerdings, er sei «nicht sehr
optimistisch», dass dies bald gelingen werde.
Ein Sprecher der Flüchtlingshilfe-Organisation Pro Asyl mahnte die
EU zur Eile. «Momentan herrscht auf See das Gesetz des
Dschungels. Flüchtlinge ertrinken, EU-Staaten schauen zu und
diskutieren die jeweilige Nichtzuständigkeit für die
Rettung.» Nach Angaben des maltesischen Innenministers Borg
ertrinken im Mittelmeer jedes Jahr 600 Flüchtlinge.
(Quelle: ap)
Polen drückt im EU-Verfassungsstreit weiter auf die Bremse
Mi.13.06.07 - Wenige Tage vor dem abschließenden EU-Gipfel unter deutscher
Ratspräsidentschaft drückt Polen im Verfassungsstreit weiter
auf die Bremse. Ein Ja zur Abstimmungsreform, einem zentralen Element
im Verfassungsentwurf, wäre für Warschau eine Kapitulation,
sagte Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski der französischen
Zeitung «Le Monde» (Mittwochausgabe). «Polen ist
bereit zum Kompromiss, aber ein Kompromiss ist niemals eine
Kapitulation.»
Ein geändertes Abstimmungsverhältnis berge das Risiko, dass
sich manche Länder oder Ländergruppen auf Dauer in der
Minderheit wiederfinden würden, sagte der polnische
Regierungschef. Auch über die Kompetenzaufteilung zwischen EU und
den Nationalstaaten gebe es noch Verhandlungsbedarf. «Alle sind
unter Druck und sagen sich: 'Last uns den Vertrag schnell
unterschreiben. Der Champagner ist schon bereit.' Aber wir müssen
Tempo aus dem Spiel nehmen.»
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy reist am
Donnerstag nach Warschau, um dort für seinen vereinfachten
EU-Reformvertrag zu werben. Kaczynski beklagte, neun Tage vor dem
Brüsseler Gipfel gebe es einen Informationsmangel. «Wir
wissen nur sehr wenig über die Projekte der einen oder anderen
Seite. Es ist sehr schwer, sich darin zurechtzufinden.»
(Quelle: ap)
EU-Kommission will Änderung des deutschen Entsendegesetzes
Mi.13.06.07 - Die EU-Kommission will Deutschland offenbar zu einer Lockerung des
Arbeitnehmer-Entsendegesetzes zwingen. Das droht sie im Entwurf einer
Mitteilung an, die Sozialkommissar Vladimir Spidla am (heutigen)
Mittwoch in Brüssel vorstellen wird. Das Entsendegesetz schreibt
soziale Mindeststandards für ausländische Arbeitnehmer auf
dem Bau und im Gebäudereiniger-Handwerk vor. Dadurch sollen
Lohndumping und unfairer Wettbewerb verhindert werden.
Im Entwurf des Kommissionspapiers, der der Nachrichtenagentur AP
vorliegt, werden die Kontrollmaßnahmen der Behörden in
Deutschland und anderen Mitgliedstaaten als überzogen kritisiert.
Konkret geht es um die Verpflichtung ausländischer Arbeitnehmer,
Personalunterlagen im Aufnahmeland bereitzuhalten. Die EU-Kommission
erklärt, dies sei mit EU-Recht unvereinbar, «wenn die
Informationen binnen einer angemessenen Frist über den Arbeitgeber
oder die Behörden des Herkunftsmitgliedstaates eingeholt werden
können».
Nach Auffassung deutscher EU-Parlamentarier würde jedoch dem
Missbrauch Tür und Tor geöffnet, wenn etwa ausländischen
Bauarbeitern ohne hinreichende Personalunterlagen die Zeit
eingeräumt würde, die Informationen in ihrem Heimatland zu
beschaffen. «Auch in Zukunft muss es möglich sein, auf
deutschen Baustellen Sozialversicherungsnachweise und Lohnabrechnungen
zu verlangen. Anders lassen sich Schwarzarbeit, Lohn- und Sozialdumping
nicht effizient verhindern», erklärte die
SPD-Europaabgeordnete Karin Jöns am Dienstag. Der
CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann bezeichnete die Mitteilung der
Kommission als «Kampfansage an die deutschen Arbeitnehmer».
Im Entwurf des Kommissionspapiers werden rechtliche Schritte gegen alle
Staaten angedroht, deren Vorschriften nach Auffassung der Brüssler
Behörde die Niederlassungsfreiheit der Arbeitnehmer verletzen. Die
Kommission zeigt sich entschlossen, «die Beachtung der im
EG-Vertrag garantierten Grundfreiheiten ... sicherzustellen, wenn
nötig mittels Einleitung von Vertragsverletzungsverfahren»,
heißt es in dem Papier.
(Quelle:ap)
Bundesbürger sehen in großer Koalition Übergewicht der
Union
Mi.13.06.07 - Die meisten Bundesbürger sehen in CDU und CSU die stärkere
Kraft innerhalb der großen Koalition in Berlin. Nach einer am
Dienstag veröffentlichten Emnid-Umfrage für N24 meinen 57
Prozent, dass sich die Union in der Regierungsarbeit häufiger
durchsetzt. Nur 20 Prozent sehen ein Übergewicht der SPD. Allzu
hohe Erwartungen haben die Befragten aber nicht mehr an die Koalition.
Über die Hälfte geht davon aus, dass sie in der zweiten
Hälfte ihrer Amtszeit kaum noch Großes politisch
bewerkstelligen wird. 55 Prozent der 1.000 Befragten vertraten die
Ansicht, Union und SPD würden sich mit Blick auf die 2009
anstehende Bundestagswahl parteistrategisch in Zukunft eher getrennt
ausrichten. Nur 32 Prozent glauben noch daran, dass die
Koalitionäre an einer gemeinsamen Politik Interesse haben.
Entsprechend schwindet auch die Unterstützung für die
große Koalition: 55 Prozent wünschen sich nach der Wahl 2009
eine anders zusammengesetzte Bundesregierung, nur 33 Prozent
unterstützen die aktuelle Konstellation noch.
In Ostdeutschland wird die Koalition aus CDU/CSU und SPD nach einer
anderen Umfrage aber unter allen denkbaren politischen Konstellationen
favorisiert. Nach der Erhebung des Instituts für Marktforschung in
Leipzig für die Zeitschrift «Super Illu» glauben 28
Prozent der 1.001 Befragten in den neuen Bundesländern, dass eine
Fortsetzung des Regierungsbündnisses aus Union und SPD auch nach
der Bundestagswahl 2009 «am besten für das Land»
wäre. Knapp ein Viertel (23 Prozent) wünscht sich dagegen
zukünftig eine Koalition aus SPD, Linkssozialisten und Grünen.
Deutlich weniger Zuspruch erhalten alle anderen möglichen
Regierungskonstellationen: Nur 14 Prozent der Ostdeutschen
plädierten für eine schwarz-gelbe Koalition der Union mit der
FDP, und gerade zehn Prozent halten eine Neuauflage des rot-grünen
Bündnisses aus SPD und Grünen für sinnvoll.
Auf eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und Liberalen setzen nur
fünf Prozent der Ostdeutschen. Ebenso viele Wahlberechtigte in den
neuen Ländern glauben, dass eine Jamaika-Koalition von Union, FDP
und Grünen am besten wäre. 15 Prozent machten keine Angaben.
Die selbst im Osten aufgewachsene Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der
Umfrage zufolge in den neuen Bundesländern ein gutes Standing: Im
Fall einer Direktwahl des Kanzlers würden ihr dort 70 Prozent die
Stimme geben, für SPD-Chef Kurt Beck wären nur 30 Prozent.
Wäre der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit
Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, könnte er laut Umfrage mit 36
Prozent etwas besser abschneiden. Aber auch dann läge Merkel noch
mit 64 Prozent weit vorn.
(Quelle: ap)
Regierung bringt neue Arbeitsmarktprogramme auf den Weg
Mi.13.06.07 - Die Bundesregierung will am (heutigen) Mittwoch neue
Lohnkostenzuschüsse in Milliardenhöhe auf den Weg bringen, um
etwa 150.000 Arbeitslosen eine Beschäftigung zu verschaffen.
Das Kabinett werde einen Qualifizierungs-Kombilohn für Erwerbslose
unter 25 Jahre und einen Beschäftigungszuschuss für auf lange
Sicht chancenlose Arbeitslose beschließen, erfuhr die
Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus Regierungskreisen. Damit sind
Ausgaben von etwa 1,65 Milliarden Euro verbunden, wie aus den Reuters
vorliegenden Gesetzentwürfen hervorgeht. Profitieren sollen davon
100.000 ansonsten chancenlose Arbeitslose und etwa 50.000 Erwerbslose
unter 25 Jahre. Die Neuregelungen sollen noch vor der Sommerpause vom
Bundestag verabschiedet werden und zum Oktober in Kraft treten.
Die Bundesregierung setzt damit Beschlüsse aus der
Koalitionsarbeitsgruppe unter Arbeitsminister Franz Müntefering
(SPD) um. Der so genannte Qualifizierungs-Kombilohn sieht vor, dass
Arbeitgeber für ein Jahr 25 bis 50 Prozent des Bruttolohns von
höchstens 1000 Euro erstattet bekommen, wenn sie einen seit
mindestens sechs Monaten arbeitslosen unter 25-Jährigen einstellen.
Wenn der Betroffene keinen Berufsabschluss hat, beträgt der
Zuschuss 50 Prozent. Ein Teil davon muss aber zur Qualifizierung
verwendet werden. Die Kosten werden im Gesetzentwurf auf jährlich
bis zu 250 Millionen Euro beziffert. Die Neuregelung ist bis Ende 2010
befristet.
Weitaus teurer kommt der so genannte Beschäftigungszuschuss
für "arbeitsmarktferne Menschen mit besonderen
Vermittlungshemmnissen", wie es im Gesetzentwurf heißt. Die
Koalition schafft damit einen staatlichen dritten Arbeitsmarkt, auf dem
Arbeitslose eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
für mehrere Jahre erhalten sollen. Arbeitgeber bekommen bis zu 75
Prozent des tariflichen oder ortsüblichen Bruttolohns und die
Sozialabgaben erstattet. Die Förderung beträgt zwei Jahre,
kann aber verlängert werden. Voraussetzung ist, dass eine
Vermittlung in den regulären Arbeitsmarkt innerhalb der
nächsten zwei Jahre nicht zu erwarten ist.
Vom dritten Arbeitsmarkt erhofft sich die Regierung 100.000 neue
Beschäftigungsmöglichkeiten für schwer vermittelbare
Arbeitslose. In diesem Jahr sollen noch 5000 Stellen geschaffen werden,
2008 dann 55.000 und 2009 schließlich 40.000. Die Kosten
dafür werden ab 2010 auf 1,4 Milliarden Euro jährlich
beziffert. Dem stünden laut Gesetzentwurf aber Einsparungen beim
Arbeitslosengeld II in Höhe von 830 Millionen Euro gegenüber.
Um die Verabschiedung zu beschleunigen, will das Kabinett nur so
genannte Formulierungshilfen beschließen. Die Gesetzentwürfe
sollen dann kommende Woche von den Koalitionsfraktionen in den Bundestag
einbracht und noch vor der Sommerpause verabschiedet werden.
SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner sprach von einem entscheidenden
Durchbruch, um Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu geben. Der
Beschäftigungszuschuss biete "100.000 Chancen auf Teilhabe am
Arbeitsleben und in der Gesellschaft". Eine Arbeit zu Tarifbedingungen
verschaffe ihnen die Chance auf mehr Würde.
(Quelle: rtr)
DIHK: Unternehmen planen kräftigsten Stellenaufbau seit Einheit
Mi.13.06.07 - Die deutschen Firmen planen einer Umfrage zufolge den kräftigsten
Stellenaufbau seit dem Vereinigungsboom.
"In nahezu sämtlichen Branchen wollen die Unternehmen mehr
Personal einstellen", teilte der Deutsche Industrie- und
Handelskammertag (DIHK) am Dienstag zu seiner Konjunkturumfrage unter
mehr als 20.000 Betrieben mit. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte
deshalb um 700.000 sinken. Bislang hatte der DIHK einen Rückgang um
eine halbe Million vorausgesagt. Gleichzeitig erhöhte der DIHK
seine Wachstumsprognose für 2007.
23 Prozent der Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten
zusätzliche Stellen schaffen, wie die Umfrage zeigte. Zu
Jahresbeginn hatten das 21 Prozent vor. Nur noch elf Prozent wollen
Arbeitsplätze abbauen, zuvor waren es 13 Prozent. Grund für
die hohe Einstellungsbereitschaft ist der anhaltende Aufschwung. Ihre
Geschäftslage beurteilten die Unternehmen ähnlich gut wie zu
Jahresbeginn, als das höchste Niveau seit 1991 erreicht wurde.
Die Aussichten schätzten sie sogar so optimistisch ein wie seit
der Vereinigung nicht mehr: 34 Prozent rechnen mit besseren
Geschäften in den kommenden zwölf Monaten, nur jedes zehnte
Unternehmen geht von einer Verschlechterung aus. Besonders
zuversichtlich ist die Industrie, die zunehmend von der
inländischen Investitionsnachfrage profitiert. Aber auch Handel,
Bauwirtschaft und Dienstleister blicken optimistischer nach vorn.
"Die Unternehmen haben Vertrauen in diesen Aufschwung aufgebaut",
betonte der DIHK. "Sie sehen, dass nicht nur kurzfristige
Auftragsspitzen abzuarbeiten sind." Immer noch günstige
Finanzierungsbedingungen, Rekordkurse an den Aktienbörsen sowie
Zuwächse bei Löhnen und Renten beflügelten die
Konsumstimmung. "Nach Export und Investitionen entwickelt sich jetzt der
Verbrauch der privaten Haushalte zur dritten Stütze der
Konjunktur", hieß es. Gebremst werde der Aufschwung allerdings
zunehmend vom Fachkräftemangel. Er sei vor allem im
gewerblich-technischen Bereich spürbar.
Das Wirtschaftswachstum dürfte dem DIHK zufolge in diesem Jahr mit
2,8 Prozent genauso kräftig ausfallen wie 2006. Bislang war er von
2,3 Prozent ausgegangen.
(Quelle: rtr)
Union macht neue Angebote beim Dauerstreitthema Mindestlohn
Mi.13.06.07 - Kurz vor dem entscheidenden Koalitionsgipfel hat die Union im
Dauerstreit über den Mindestlohn neue Vorschläge gemacht. An
so genannte Aufstocker könnten statt Hartz-IV-Leistungen
künftig Lohnzuschüsse gezahlt werden, schlug
Unionsfraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen am
Dienstag in Berlin vor. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister
Karl-Josef Laumann (CDU) bot außerdem an: «Wir können
das Entsendegesetz ausweiten und die eine oder andere Branche mit hinein
nehmen.» Die SPD nannte die Angebote nicht ausreichend.
Nach dem Vorschlag von Röttgen sollen Aufstocker, die mindestens
30 Stunden Vollzeit arbeiten, Lohnzuschüsse für einen festen
Zeitraum - beispielsweise drei Jahre - bekommen könnten.
Während dieser Zeit solle im Gegensatz zur geltenden Praxis die
Bedürftigkeit nicht überprüft werden.
Einen gesetzlichen Mindestlohn, wie ihn die SPD durchsetzen will, lehnt
die Union aber weiter ab. Am kommenden Montag wollen die Spitzen der
Koalition im Kanzleramt abschließend über das Thema beraten.
Arbeitsminister Franz Müntefering hatte angeboten, dass sich die
Tarifparteien über eine Ausweitung des Entsendegesetzes auf
branchenbezogene Mindestlöhne verständigen sollen. Sollte eine
Einigung nicht zu Stande kommen, werde es einen Auffangmindestlohn
geben.
Laumann sagte im ARD-Morgenmagazin, die Union wolle keinen
einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn quer durch Deutschland.
«Wir wollen über die Tarifvertragsparteien zu
branchenbezogenen Tarifabschlüssen kommen und diese dann
stärker für allgemein verbindlich erklären.»
Der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner wies den CDU-Vorschlag nach
Lohnzuschüssen für so genannte Aufstocker zurück.
«Das ist eine Einladung an die Arbeitgeber, die Löhne weiter
abzusenken», sagte er der Nachrichtenagentur AP. Es könne
nicht zugelassen werden, dass die Union sich aus staatlichen Kassen
bediene und so niedrige Löhne subventioniere.
Wenn man Unternehmen vor Billigarbeitskräften aus dem Ausland
schützen wolle, müsse man konsequenterweise auch eine untere
Lohngrenze im Inland einziehen, sagte Brandner. «Da muss es eine
verbindliche Regelung geben.»
Der SPD-Linke Ottmar Schreiner erklärte im ARD-Morgenmagazin:
«Wir sind das einzige Land in Europa, in dem es inzwischen eine
Lohnspreizung in den Armutskeller gibt. Mehr als eine halbe Million
Vollzeitbeschäftigte in Deutschland gingen mit einem Einkommen von
unter 600 Euro im Monat nach Hause. «Hier handeln die Unternehmer
nach dem Motto: Geh' zum Staat und hole dir das Übrige.»
Die Union sieht den Koalitionsausschuss als letzte Möglichkeit, um
mit der SPD einen Kompromiss herbeizuführen. Die Angebote der Union
lägen auf dem Tisch, zu einem faulen Kompromiss sei man nicht
bereit, sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer. «Unser
Bewegungsspielraum ist minimal.» Sollte die SPD auf ihrer Position
beharren, müsse sie «schauen, wo sie bleibt».
Ramsauer bekräftigte, die Union stehe einer Ausweitung des
Entsendegesetzes auf weitere Branchen «extrem
zugeknöpft» gegenüber. Laut Gesetz sei die Aufnahme
neuer Branchen nur dann möglich, wenn es dort einen erheblichen
Zustrom ausländischer Billigarbeitskräfte gebe. Dies sei aber
in den meisten Branchen nicht der Fall. Es gehe nicht an, dass das
Entsendegesetz nur als Vehikel benutzt werde, um politische Ziele
durchzusetzen.
(Quelle: ap)
Bayerischer Landtag wählt Beckstein im Oktober zum Regierungschef
Mi.13.06.07 - Der Nachfolger des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber
soll am 9. Oktober gewählt werden. CSU-Fraktionschef Joachim
Herrmann sagte am Dienstag in München, dieser Termin sei mit
Stoiber, dem einzigen Nachfolge-Kandidaten Günther Beckstein und
Landtagspräsident Alois Glück abgesprochen. Das neue Kabinett
soll eine Woche später - am 16. Oktober - vereidigt werden.
Stoiber hat seinen Rücktritt als Ministerpräsident zum 30.
September angekündigt. Sein Nachfolger als CSU-Vorsitzender soll
bereits am 29. September auf einem Parteitag in einer Kampfanstimmung
zwischen Erwin Huber und Horst Seehofer gewählt werden.
Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget begrüßte, dass
die CSU ihre Pläne für eine Landtags-Sondersitzung zur Wahl
des Ministerpräsidenten am 2. Oktober aufgegeben habe. Er
kritisierte aber erneut «die monatelange Hängepartie»
zwischen Stoibers Rücktrittsankündigung im Januar bis zum
mutmaßlichen Amtsantritt Becksteins.
(Quelle: ap)
Studiengebühren: Fehlende Mitbestimmung und mangelnde Transparenz
Mi.13.06.07 - Die Verwendung ihrer Studiengebühren an öffentlichen
Hochschulen stößt bei vielen Studenten auf Kritik. Zu diesem
Ergebnis kommt die wirtschaftsnahe Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft (INSM) in ihrer ersten Auswertung einer
Studentenbefragung im Internet. «Die Studenten bemängeln,
dass sie nicht mitbestimmen können, wie die Gelder verteilt werden
und kritisieren mangelnde Transparenz», sagte Projektleiter
Ronald Voigt der «Financial Times Deutschland»
(Mittwochausgabe).
Nach der Auswertung der Fragebögen von knapp 5000 Studenten zu 30
Hochschulen schneiden kleinere Hochschulen vergleichsweise gut ab: Auf
den ersten Plätzen liegen die Fachhochschule Deggendorf, die FH
Offenburg und die TU Clausthal. «An kleineren Hochschulen sind
die Studenten mit der Verwendung ihrer Gebühren
zufriedener», sagte Voigt. Am schlechtesten sei die Stimmung an
großen Universitäten. Auf den letzten Rängen landen die
Universitäten Hamburg, Köln und Duisburg-Essen.
Die Qualität der Lehre, für die die Gebühren laut Gesetz
verwendet werden sollen, hat sich nach Meinung der Befragten nicht
verbessert. Die Frage, ob sie nun zügiger studieren könnten
oder ihre Klausuren schneller korrigiert würden, verneinen die
meisten Studenten.
(Quelle: ddp)
Bundeswehr-Tornados lieferten Aufklärungsdaten über
G-8-Protest
Mi.13.06.07 - Die Bundeswehr hat während des G-8-Gipfels Aufklärungsdaten
über Demonstranten gesammelt und dabei ein Protest-Camp mit
Tornado-Kampfjets in geringer Höhe überflogen. Das
bestätigte das Verteidigungsministerium in Berlin in seiner
Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Hans Christian
Ströbele. Demnach überflogen zwei Tornados am 5. Juni
vormittags den Bereich der Ortschaft Reddelich, wo sich ein
großes Zeltlager der Gipfelgegner befand. Die Flughöhe habe
150 Meter betragen, was dem niedrigsten zulässigen Wert entsprach.
Der Flug sei im Rahmen der technischen Amtshilfe auf Antrag des
Organisationsstabes G-8-Gipfel des Landes Mecklenburg-Vorpommern hin
ausgeführt worden, hieß es weiter. Ziel dieses und weiterer
Bundeswehr-Flüge war demnach, durch Bildvergleiche
"Veränderungen der Bodenbeschaffenheit und Manipulationen an
wichtigen Straßenabschnitten" zu erkennen. Dazu seien
Luftaufnahmen angefertigt worden, auf denen auch das Camp der
Demonstranten zu sehen war. Die Bilder seien dann an den
Organisationsstab weitergeleitet worden.
Ströbele war nach eigenen Angaben auf eine Bürgerbeschwerde
hin tätig geworden. Demnach sei ein Tornado-Jet in extremem
Tiefflug direkt auf das Camp Reddelich zugeflogen und dann in einer
scharfen Kurve abgedreht. Bei dem Flugzeug handelte es sich offenbar um
eine Aufklärungsmaschine des Typs Recce-Tornado, wie sie auch von
der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt werden.
(Quelle: afp)