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Irak am tausendeinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
NGOs kritisieren 'schockierendes Stillschweigen' der UNO zum Irak.
Pentagon sieht neue Irak-Strategie vorerst verhalten. Zunehmende Zahl
von Irak-Rückkehrern mit psychischen Problemen:
US-Streitkräfte stellen 200 zusätzliche Psychotherapeuten
ein. Al Kaida zeigt Video mit Tötung von 14 irakischen
Sicherheitsleuten
Fr.15.06.07 - Eine Gruppe von Nichtregierungsorganisationen hat das "schockierende
Stillschweigen" des UN-Sicherheitsrates angesichts des Vorgehens der USA
im Irak kritisiert. Mit Blick auf Menschenrechtsverletzungen durch die
Truppen müsse das höchste UN-Gremium das Mandat für den
Irak-Einsatz der Koalition beenden, forderte das Global Policy Forum
(GPF) in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. "Die
amerikanische Koalition ist die Ursache der momentanen Übel, an
denen der Irak leidet", heißt es darin. Das GPF beklagt
insbesondere willkürliche Festnahmen, Misshandlungen und Folter von
Gefangenen. Im GPF sind rund 30 Organisationen zusammengeschlossen,
welche die Aktivitäten der Vereinten Nationen überwachen.
Ein halbes Jahr nach der Bekanntgabe der neuen US-Sicherheitsstrategie
für den Irak hat sich das Verteidigungsministerium in Washington
verhalten zu den bisherigen Resultaten geäußert. Aufgrund
widersprüchlicher Ergebnisse sei es bislang schwierig, den Erfolg
der Strategie zu bewerten, hieß es in einem Bericht des Pentagons.
Derweil wurden südlich von Bagdad vermutlich aus Rache für
den Anschlag auf die schiitische Goldene Moschee von Samarra zwei
weitere sunnitische Moscheen angegriffen.
Im Beobachtungszeitraum zwischen Februar und Mai dieses Jahres habe es
Fortschritte bei der Befriedung einiger Unruhezonen gegeben, hieß
es in dem Pentagon-Bericht. Dadurch hätten die Iraker Gelegenheit
für Reformprojekte und für Bemühungen um die
Aussöhnung der gegnerischen Konfessionsgruppen erhalten. Es gebe
"positive Anzeichen wie eine Verringerung der Morde an Zivilisten und
der Gewalt in Bagdad sowie der Anschläge in der Provinz El Anbar",
zugleich aber auch "negative Anzeichen" wie einen Anstieg von Angriffen
"mit hohem Aufwand" und eine Zunahme des "Einsatzes panzerbrechender
Sprengstoffe". Angesichts des "anhaltenden Widerstands von Rebellen,
Terroristen und Milizen müssten die irakischen Truppen noch weiter
trainiert, entwickelt und ausgerüstet werden, um schrittweise die
bislang von den Koalitionstruppen verantworteten Einsätze
übernehmen zu können".
Im Hinblick auf die politische Lage im Irak kommt der Pentagon-Bericht
zu dem Schluss, dass "die Aussöhnung ein wichtiges Ziel bleibt, das
noch nicht erreicht wurde". US-Präsident George W. Bush hatte im
Januar die neue Sicherheitstrategie für den Irak vorgelegt.
Demnach sollen rund 30.000 zusätzliche US-Soldaten
hauptsächlich in der irakischen Hauptstadt Bagdad für mehr
Ruhe sorgen.
Angesichts einer zunehmenden Zahl von Irak-Rückkehrern mit
psychischen Problemen stellen die US-Streitkräfte rund 200
zusätzliche Psychotherapeuten und andere Fachkräfte ein.
Bisher beschäftigt die U.S. Army in 30 Kliniken rund 600
Psychologen und Therapeuten. Für die zusätzlichen Stellen
wurden 33 Millionen Dollar (24,8 Millionen Euro) bereitgestellt.
Vor allem die Fälle einer Posttraumatischen Belastungsstörung
(PTSD) hätten mit zunehmender Kriegsdauer deutlich zugenommen,
sagte Oberst Elspeth Ritchie, Psychiatrieberaterin in der
Sanitätsabteilung der Streitkräfte. Je länger und
häufiger die Einsätze im Irak, desto höher sei die
mentale Belastung der Soldaten.
Untersuchungen haben ergeben, dass 15 bis 20 Prozent der Soldaten unter
psychischen Problemen leiden. Besonders häufig ist das mehrfache
Nacherleben traumatischer Kampferfahrungen. Etwa 35 Prozent der
Soldaten bemühen sich innerhalb eines Jahr nach ihrer Heimkehr um
eine psychotherapeutische Behandlung.
Dem Terrornetzwerk Al Kaida nahe stehende Aufständische haben ein
Video veröffentlicht, auf dem die Tötung von 14 irakischen
Soldaten und Polizisten gezeigt wird. Es erschien am Donnerstag nach
Ablauf eines 72-stündigen Ultimatums an die irakische Regierung,
ihre Forderungen zu erfüllen, hieß es in einer
Erklärung der Gruppe Islamischer Staat Iraks, die mit dem Video
erschien. Darin wird gezeigt, wie die Gefangenen mit verbundenen Augen
und auf den Rücken gefesselten Händen in einer Reihe knien.
Ein mit einer Skimütze vermummter Aufständischer tötet
die Männer dann einem nach dem anderen mit einem Kopfschuss. Die
Authentizität des Videos konnte nicht unabhängig verifiziert
werden. Es erschien aber auf einer Internetseite, die oft von
extremistischen Islamisten benutzt wird.
Die Moscheen El Mustafa in Iskandarija und El Baschir in Mahawil in der
Provinz Babil südlich von Bagdad wurden Ziel von
Bombenanschlägen, wie die Polizei in Hilla mitteilte. Bei einem
mutmaßlich von sunnitischen Extremisten verübten Anschlag war
am Mittwoch die Goldene Moschee von Samarra, eines der wichtigsten
Schiiten-Heiligtümer, schwer beschädigt worden. Noch am selben
Tag wurden drei sunnitische Moscheen in Iskandarija Ziel von
Anschlägen. Zudem wurde die Moschee Chudair el Dschanabi im
Bajaa-Viertel Bagdads in Brand gesteckt.
boa, (Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 15.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.15.06.06 - Irakische Regierung startet Sicherheitsoffensive in Bagdad +++ Trotz
verstärkter Armeepräsenz erneut Anschläge +++ Seit
Jahresbeginn kamen mindestens 3.829 irakische Zivilpersonen ums Leben +++
Italiener beginnen Abzug aus dem Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606150.htm#news
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.07.06.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Trotz russischer Offerte: US-Verteidigungsminister beharrt auf
amrikanischer Raketenabwehr in Europa
Fr.15.06.07 - Die USA beharren auf einem eigenen Raketenabwehrsystem in Europa. Das
russische Angebot zur gemeinsamen Nutzung einer Radaranlage in
Aserbaidschan mache US-Pläne für eine Radaranlage in
Tschechien und Raketenabwehrstellungen in Polen nicht
überflüssig.
Dies sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates nach einem Treffen der
NATO-Verteidigungsminister in Brüssel. «Ich war sehr
deutlich und habe gesagt, dass wir das Radar in Aserbaidschan als eine
ergänzende Fähigkeit betrachten», sagte Gates. Nach
einer Sitzung des NATO-Russland-Rates, an dem auch der russische
Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow teilnahm, bekräftigte er:
«Wir haben die Absicht, das Vorhaben mit dem Radar in Tschechien
weiter voranzutreiben.»
«Wir haben zum Ausdruck gebracht, dass wir insgesamt eine
Schutzfunktion für richtig erachten», fasste der deutsche
Verteidigungsminister Franz Josef Jung das Ergebnis der NATO-Beratungen
zusammen. Die Raketenabwehr dürfe nicht «die NATO und Europa
spalten». Gates stellt fest: «Es gab in der Sitzung keine
Kritik der NATO-Verbündeten an unserem weiteren Vorgehen.»
Es gebe ein großes Interesse daran, «die Russen dazu zu
bewegen, sich zu beteiligen».
Auf die Frage nach der Reaktion seines russischen Kollegen sagte Gates:
«Er hat vor mir gesprochen und danach nichts mehr gesagt.»
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte: «Ich habe
nicht den Eindruck, dass das Angebot von Präsident Wladimir Putin
die bilateralen Verhandlungen der USA mit Polen und Tschechien ersetzen
oder eine Alternative dazu sein kann.»
Die NATO-Minister stellten die eigenen Planungen des Bündnisses
für eine Raketenabwehr wegen des US-Vorhabens in Frage. Sie gaben
einen Bericht in Auftrag, der bis zum Februar 2008 klären soll, ob
ein NATO-System gegen Kurzstreckenraketen möglicherweise mit dem
US-System verbunden werden kann. Außerdem wird ein umfassenderes
NATO-System gegen sämtliche Raketenbedrohungen möglicherweise
überflüssig.
Der russische Präsident Putin, der die in Tschechien geplante
Radaranlage und die Stationierung von US-Abfangraketen in Polen strikt
ablehnt, hatte beim G8-Gipfel in Heiligendamm den USA die gemeinsame
Nutzung der russischen Anlage angeboten. Putins Stellvertreter Sergej
Iwanow, früher Verteidigungsminister, drohte am Donnerstag in
einem Interview in Moskau, falls die USA mit ihren
Raketenabwehrplänen in Europa fortführen, so werde Russland
die entsprechenden Anlagen als Ziel betrachten. Gates sagte dazu
lediglich: «Mehrere Minister sagten, dass wir die Rhetorik
mäßigen und geschäftsmäßig miteinander
umgehen sollten.»
Polen sah sich durch die NATO-Minister bestätigt. «Die
meisten Mitglieder der NATO stimmen überein, dass Polen und die
USA das Recht haben, das auf einer bilateralen Basis zu verhandeln und
ihre eigenen Beschlüsse zu fällen», sagte der polnische
Verteidigungsminister Aleksander Szczyglo.
«Es geht um die Frage, ob es möglich wäre, ein System
zu entwickeln, das an das US-System angeflanscht werden
könnte», sagte De Hoop Scheffer zur neuen NATO-Studie
über mögliche Änderungen der eigenen
Raketenabwehrpläne. Die US-Raketenabwehr biete keinen Schutz
für einige NATO-Mitglieder wie Bulgarien, Griechenland,
Rumänien und die Türkei, die vor allem durch
Kurzstreckenraketen bedroht sein könnten. Im Gegensatz zu den
Plänen für eine Abwehr von Kurzstreckenraketen, die 2010
einsatzbereit sein soll, befinden sich Überlegungen der NATO
über einen umfassenden Schutz vor Raketen aller Art für das
gesamte NATO-Territorium noch in einem Frühstadium.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Hamas erobert Gazastreifen und Abbas ruft Notstand aus. Rice sichert
Palästinenserpräsident Abbas Unterstützung der USA zu.
Palästinensischer Regierungschef Hanija: Hamas will keinen 'Staat'
im Gazastreifen ausrufen
Fr.15.06.07 - Die radikalislamische Hamas hat am Donnerstag den Gazastreifen in
blutigen Kämpfen unter ihre Kontrolle gebracht und sich der
Kontrolle des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas
entzogen. Abbas rief von Ramallah im Westjordanland aus den Notstand
aus, entließ Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija und
kündigte die Bildung einer neuen Regierung an, wie sein Berater
Tajeb Abdel Rahim mitteilte. An der Niederlage seiner Organisation
Fatah im Gazastreifen ändert das nichts; es soll nach
Einschätzung von Beobachtern vor allem Abbas' Kontrolle im
Westjordanland sichern und festigen.
Am seit Sonntag im Gazastreifen tobenden palästinensischen
Bruderkrieg zerbrach damit die Regierung der nationalen Einheit der
beiden Organisationen. Die räumlich voneinander getrennten
Autonomiegebiete Gazastreifen und Westjordanland sind damit nicht mehr
unter einer einheitlichen politischen Führung. Rahim sagte, Abbas
erwäge eine vorgezogene Parlamentswahl. Die Hamas-Kämpfer,
die am Donnerstag in Gaza zentrale Kommandostrukturen der Fatah
eroberten, bezeichnete er als «verbotene Miliz». Weiter
hieß es, Abbas habe die USA, Ägypten und Jordanien vorab
über seine nächsten Schritte informiert. Der israelische
Verteidigungsminister Amir Perez sagte, die Streitkräfte
würden nicht zulassen, dass die Gewalt vom Gazastreifen nach
Israel getragen wird. Für den Augenblick schien die israelische
Haltung darin zu bestehen, sich militärisch aus dem Konflikt
herauszuhalten.
Die Hamas brachte bis zum Donnertsagabend die Fatah an den Rand einer
Niederlage im Gazastreifen. In Gaza eroberten ihre Kämpfer drei
der wichtigsten Fatah-Kommandozentralen, im Süden übernahm
sie die Kontrolle über Rafah und Chan Junis und damit auch
über die Grenze zu Ägypten. Die Hamas wird vom Iran und
Syrien unterstützt, die Fatah und Abbas vom Westen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice sicherte Abbas am Abend
telefonisch weiterhin die Unterstützung der USA zu, teilte das
Außenministerium in Washington mit.
Fatah-Sprecher und Augenzeugen berichteten, Hamas-Kämpfer
hätten nach der Eroberung des Gebäudes der Präventiven
Sicherheitskräfte sieben gefangen genommene Fatah-Mitglieder
abgeführt und erschossen. Ein Krankenhausarzt sagte, er habe zwei
Leichen untersucht, die aus nächster Nähe mit einem
Kopfschuss getötet worden seien. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri
dementierte diese Berichte: «Wer immer getötet wurde, wurde
in Kämpfen getötet», sagte er.
Bei der Schlacht um das Gebäude der Präventiven
Sicherheitskräfte sollen 14 Kämpfer und Zivilpersonen
getötet und 80 verwundet worden sein. Insgesamt wurden bei den
Kämpfen am Donnerstag 32 Menschen getötet, berichteten
Krankenhäuser und Sicherheitskreise. Seit Sonntag kamen in den
innerpalästinensischen Kämpfen rund 90 Menschen ums Leben.
Die Hamas sprach in Rundfunkdurchsagen vom Ende einer Ära im
Gazastreifen. Abu Suhri bezeichnete den sich abzeichnenden
militärischen Sieg über die Fatah als die «zweite
Befreiung des Gazastreifens» nach dem israelischen Abzug vor zwei
Jahren. Zwei Fatah-Rundfunksender, Al Hurrija und Al Schahab, stellten
nach Hamas-Drohungen den Sendebetrieb ein. Ein Dritter, die Stimme
Palästinas, ging am Abend in Flammen auf. Er sendete von Ramallah
aus weiter.
Die radikal-islamische Hamas hat die Entlassung ihrer Regierung durch
den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas
zurückgewiesen. Der bisherige Ministerpräsident Ismail Hanija
lehnte aber zugleich die Bildung eines eigenen Staates im Gazastreifen
ab. Auch die Exilführung der Hamas in Damaskus betonte, dass der
Gazastreifen weiter mit dem Westjordanland verbunden bleibe.
Die Regierung der nationalen Einheit werde fortgeführt, sagte
Hanija am Freitag früh vor Journalisten in der Stadt Gaza. Die
Beschlüsse von Abbas seien überstürzt. Abbas und seine
Berater hätten die Konsequenzen ihres Handelns nicht bedacht,
sagte der entlassene Ministerpräsident. Insbesondere seien die
Auswirkungen auf «die Situation am Boden» nicht
berücksichtigt worden, sagte Hanija. Die Hamas-Miliz werde die
Ordnung im Gazastreifen wiederherstellen.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beriet über die
Entsendung einer Friedenstruppe in den Gazastreifen. Angesichts der
Gewalt stellte die EU-Kommission ihre Zahlungen für
humanitäre Hilfsprojekte im Gazastreifen ein.
boa, (Quelle: ap)
US-Verbündete geraten im Nahen Osten in Defensive
Dunkle Rauchsäulen steigen in den Krisengebieten des Nahen Ostens
in den Himmel. Sie werfen Schatten bis nach Washington. Überall in
der Region haben die USA in politischen Konflikten aktiv Partei
ergriffen, und überall sind ihre Verbündeten in
Bedrängnis. Der bittere Bruderkampf der Palästinenser im
Gazastreifen, das neue Attentat auf einen prowestlichen Politiker im
Libanon, der Anschlag auf die Schiiten-Moschee von Samarra im Irak:
Extremisten unterschiedlicher Couleur fordern die USA heraus. Es geht um
den Anspruch Washingtons auf Vorherrschaft in der Region.Stille
Nutznießer dürften die Erzfeinde der USA sein, der Iran und
Syrien.
Im chaotischen Machtkampf der Palästinenser im Gazastreifen messen
die großen Gegenspieler in der Region ihre Kräfte: Die USA
stützen die säkulare Fatah des gemäßigten
Präsidenten Mahmud Abbas, während die radikalislamische Hamas
von Ministerpräsident Ismail Hanija auf Iran und Syrien setzt. In
dem Bruderzwist spiegeln sich die Frontlinien eines größeren
Konflikts um die regionale Vormachtstellung wider. Die USA rüsten
Abbas' loyale Präsidentengarde zu einer Elite-Einheit gegen die
Hamas auf. 60 Millionen Dollar hat Washington im März für
Training und Ausrüstung bereitgestellt. Der Iran rüstet
derweil nach US-Erkenntnissen die Hamas mit Waffen und Geld auf.
Für die USA ist Abbas ein wichtiger Partner, er befürwortet
anders als die Hamas die Anerkennung Israels und einen Friedensschluss.
Das State Department gab als Ziel vor, Abbas "bei der Wiederherstellung
von Recht und Ordnung" zu unterstützen. "Der militante Flügel
der Hamas hat sich entschieden, jede politische Versöhnung zu
verhindern", deutet Außenamtssprecher Sean McCormack die
Kämpfe in Gaza. Die Parteinahme der USA nährt freilich den
Zorn der Hamas: Für sie ist Abbas ein Lakai der USA. Die Hamas
schickt sich an, seine Fatah aus dem Gazastreifen zu verdrängen.
Sollte Abbas die Kontrolle dort komplett verlieren, wäre dies auch
eine Niederlage für den Verbündeten USA.
Eine ähnliche Konstellation gibt es im Libanon. Die USA sehen sich
als eine Art Schutzmacht der Regierung von Ministerpräsident Fuad
Siniora, der das Land nach jahrzehntelanger syrischer Besatzung an die
Seite des Westens führen will. Auch hier rüsten die USA die
Armee auf - vor allem um zu verhindern, dass der Libanon zurück in
die Einflusssphäre Syriens und seines Verbündeten Iran
fällt. Die beiden Länder besitzen mit der radikalen
Schiitenmiliz Hisbollah einen starken Machthebel im Libanon. 40
Millionen Dollar Militärhilfe ließen die USA der Beiruter
Regierung im letzten Jahr zukommen, in diesem Jahr sollen es noch mehr
werden.
Das tödliche Attentat auf den anti-syrischen Abgeordneten Walid
Ido vom Mittwoch war nach Einschätzung der US-Regierung eine
direkte Attacke auf den neuen Kurs des Libanon. Die Urheber wollten "dem
demokratischen Prozess verhindern" und eine Umkehr erzwingen, sagte
McCormack. Das Weiße Haus sagte Siniora klar die
Unterstützung von US-Präsident George W. Bush zu.
Ausdrücklich hatten die USA im Mai das Vorgehen der libanesischen
Armee gegen den Aufstand einer radikalislamischen Gruppe in einem
Palästinenserlager im Libanon unterstützt. Mit
Schuldzuweisungen hielt sich Washington im Libanon zurück. Viele
Libanesen sehen Syrien hinter den jüngsten Gewalttaten.
Mehr als 160 Menschen sind in den letzten vier Wochen bei politischen
Unruhen im Libanon gestorben. Ein hoher Blutzoll - und doch weit
entfernt von dem, was nach dem neuen Anschlag auf die schiitische
Goldene Moschee von Samarra im Irak droht. US-Präsidentensprecher
Tony Snow übte sich in frommen Wünschen: "Wir hoffen, dass nun
keine neue Welle der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten folgt." Vor
15 Monate hatte ein Anschlag auf die Moschee einen blutigen Kreislauf
von Gewaltakten und Vergeltungstaten zwischen den beiden
Glaubensgruppen in Gang gebracht. Bislang konnten die USA und die
verbündete Regierung in Bagdad die Extremisten auf beiden Seiten
nicht stoppen.
afp-Analyse vom 14.06.2007
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USA besorgt über zunehmende Aufrüstung Chinas
Fr.15.06.07 - Die USA beobachten mit wachsender Sorge die Rüstungsbestrebungen
der Volksrepublik China. Das US-Verteidigungsministerium verfolge dieses
Thema "auf höchster Ebene" sehr genau, sagte der
US-Staatssekretär für Verteidigung, Richard Lawless, in
Washington. Rund 900 chinesische Raketen seien auf die Insel Taiwan
gerichtet, die Peking als abtrünnige Provinz betrachtet.
Außerdem besitze die Volksrepublik hoch entwickelte
Langstreckenraketen, Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe und U-Boote. Die
US-Regierung wolle mit Peking dringend Gespräche über die
militärischen Pläne der Volksrepublik aufnehmen, vor allem zum
Thema Nuklearwaffen.
"Ich glaube, wenn wir einen aufrichtigen, gründlichen Dialog
hätten (...) könnte es uns gelingen, dass einige dieser
(chinesischen) Projekte aufgegeben werden", sagte der für die
Asien-Pazifik-Region zuständige Lawless im
US-Repräsentantenhaus: "Falls nicht, müssen wir uns auf das
Schlimmste vorbereiten." Lawless warf der chinesischen Führung vor,
absichtlich den tatsächlichen Stand der Rüstung in der
Volksrepublik zu verheimlichen. Dies müsse ein Alarmsignal für
die USA und andere Staaten sein.
Peking hat seinen Verteidigungshaushalt für das laufende Jahr mit
45 Milliarden Dollar (rund 33,7 Milliarden Euro) beziffert, US-Experten
gehen aber davon aus, dass er sich tatsächlich auf bis zu 125
Milliarden Dollar belaufen könnte. Die wachsenden chinesischen
Rüstungsausgaben seien vor allem für Taiwan von Nachteil,
könnten aber auch das Kräfteverhältnis in Asien und
darüber hinaus durcheinanderbringen. Nach Erkenntnissen des
Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI entfiel im vergangenen Jahr
auf die USA mit 528,7 Milliarden Dollar fast die Hälfte aller
Rüstungsausgaben weltweit. China folgte nach Großbritannien
und Frankreich an vierter Stelle.
(Quelle: afp)
Olympia-Artikel nach Vorwürfen der Kinderarbeit aus Regalen
genommen
Fr.15.06.07 - Nach Vorwürfen der Kinderarbeit gegen Hersteller von
Olympia-Artikeln sind erste Produkte vom chinesischen Markt genommen
worden. Ein Handelshaus in der Provinz Zhejiang kündigte am
Donnerstag an, den Verkauf aller Fan-Artikel auszusetzen, die aus den in
die Kritik geratenen Fabriken stammten. Sie sollten erst dann wieder in
die Regale kommen, wenn die Vorwürfe widerlegt würden,
erklärte Geschäftsführer Zhao Hongjun. Die Organisation
PlayFair mit Sitz in Brüssel hat vier chinesischen Unternehmen, die
für die Olympischen Spiele in China 2008 produzieren, Kinderarbeit
und andere Verstöße gegen den Arbeitsschutz vorgeworfen.
(Quelle: ap)
Brasilien will in den kommenden 20 Jahren acht Atomkraftwerke bauen
Fr.15.06.07 - Zur Deckung des Energiebedarfs will Brasilien in den kommenden rund 20
Jahren acht Atomkraftwerke bauen. Das erste davon soll 2012 oder 2013 in
der Region um Rio de Janeiro errichtet werden, weitere zwei 2017 in der
Region Nordeste im Nordosten des Landes, wie der Chef des staatlichen
Energieversorgers Eletronuclear, Otho Luiz Pinheiro, am Mittwochabend
ankündigte. In Nordeste seien die Möglichkeiten, auf andere
Art Strom zu produzieren, begrenzt. Dort könne nur noch ein
einziges Wasserkraftwerk mehr gebaut werden.
(Quelle: afp)
Frankreichs Staatspräsident Sarkozy warnt Polen vor nationalen
Alleingängen
Fr.15.06.07 - Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat eine Woche vor dem
Brüsseler EU-Gipfel angesichts polnischer Veto- Drohungen vor
nationalen Alleingängen gewarnt. «Ohne Kompromiss gibt es
kein Europa», sagte er der polnischen Zeitung «Gazeta
Wyborcza».
Sarkozy trifft heute in Warschau den polnischen Staatspräsidenten
Lech Kaczynski und dessen Zwillingsbruder, Ministerpräsident
Jaroslaw Kaczynski. Im Mittelpunkt dürfte die Lage vor dem
EU-Gipfel und die polnische Forderung nach einer Verlängerung der
Verhandlungen über das Stimmengewicht der einzelnen Länder
stehen.
Auch Polen trage Verantwortung für Europa, mahnte Sarkozy.
«Wenn jedes Land sagte, dass es ihm nur um das eigene Interesse
gehe, gäbe es kein Europa.» Er werde seinen polnischen
Gesprächspartner sagen, «dass sie nicht am institutionellen
Gleichgewicht rütteln können, das in der Verfassung
ausgearbeitet wurde».
Auch der Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering,
mahnte Polen in einem Interview mit der Zeitung «Dziennik»
zum Kompromiss. «Wenn Polen weiterhin Solidarität bei der
Energiesicherheit erwartet, muss es endlich zur Kenntnis nehmen, dass in
der Union schon sehr lange über die Entscheidungsfindung
diskutiert wurde», betonte er. «Solidarität ist keine
Einbahnstraße. Sie ist eine Verpflichtung für alle, auch
für Polen.»
(Quelle: dpa)
Merkel warnt vor Scheitern des EU-Verfassungsvertrags
Fr.15.06.07 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eindringlich vor einem Scheitern des
europäischen Verfassungsvertrags gewarnt. Eine Woche vor dem
Gipfel der Europäischen Union in Brüssel gab sich die
EU-Ratspräsidentin zugleich entschlossen, die Bedenken Polens
auszuräumen.
Merkel warb am Donnerstag in einer Regierungserklärung in Berlin
für die Reformen, die in einem Änderungsvertrag
zusammengefasst werden sollen. Wenn es nicht gelinge, einen Fahrplan
für eine neue EU-Verfassung auf den Weg zu bringen, wäre dies
zwar nicht der «Untergang Europas, aber es würde kaum zu
beschreibende schwerwiegende Folgen für Europa haben», sagte
sie.
Merkel würdigte die Ende Juni zu Ende gehende deutsche EU-
Ratspräsidentschaft und die auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm
erzielten Ergebnisse. «Das Ergebnis der deutschen
Präsidentschaft kann sich sehen lassen», sagte die Kanzlerin.
Redner der Koalitionsparteien wie der SPD-Außenpolitiker
Hans-Ulrich Klose und der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder
hoben die Leistungen der Kanzlerin hervor. Grüne und Linksfraktion
zogen im Gegensatz zum Regierungslager eine eher negative Bilanz des
G8-Gipfels.
Merkel nannte es als Ziel des Brüsseler EU-Gipfels, die bereits
erzielten Reform ohne wesentlichen Substanzverlust in einem
Änderungsvertrag zu bündeln. Verzichtet werden solle auf
Symbole und staatsähnliche Bezeichnungen. Merkel trifft an diesem
Wochenende im Gästehaus der Bundesregierung in Meseberg bei Berlin
mit dem polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski zusammen. Polen
hat mit einem Veto zur künftigen EU-Verfassung gedroht. Merkel
sagte, über die Differenzen müsse offen gesprochen werden.
Nach zwei Jahren Denkpause und sechs Monaten intensiver Konsultationen
müsse in Brüssel ein deutlicher Schritt nach vorne gemacht
werden. «Wir wollen einen Fahrplan verabschieden nächste
Woche», sagte Merkel. «Ich sage, wir haben die Chance -
nicht mehr und nicht weniger.» In den vergangenen Wochen habe sich
die Zahl der offenen Fragen auf mittlerweile überschaubare Punkte
reduziert.
Als Hauptredner der SPD sagte Klose, zur besseren Gestaltung der
Globalisierung in Europa sei eine EU-Verfassung dringend notwendig. Es
sei besser, die Entwicklung zu gestalten, als sich abzuschotten. Der
FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Guido Westerwelle lobte sowohl die
deutsche EU-Präsidentschaft wie auch die auf dem G8-Gipfel
getroffenen Vereinbarungen. Beim Verfassungsvertrag dürfe es nicht
nur um Erweiterung gehen, sondern auch um Vertiefung.
Kauder forderte zurückhaltendere Töne in Richtung Polen.
«Die Polen vertreten ihre Interessen - da mag man anderer
Auffassung sein.» Warschau habe jedoch auch Verantwortung
dafür, dass die EU vorankomme. Bundestagspräsident Norbert
Lammert (CDU) warnte Polen vor einer Blockadehaltung. Sollte es auf dem
Gipfel zu keiner Einigung kommen, werde es «mit fast unabweisbarer
Konsequenz» ein Europa der zwei Geschwindigkeiten und «auf
überschaubare Zeit» keine weiteren EU-Beitritte geben, sagte
er im ARD-«Morgenmagazin».
Die Kanzlerin würdigte ausdrücklich die
Klimaschutz-Beschlüsse der EU vom März. Sie seien die
«entscheidende Voraussetzung» für das Bekenntnis der
G8-Staaten zum Klimaschutz gewesen. «Für mich steht
außer Zweifel: Ohne dieses Ergebnis des März-Rates (der EU)
wäre der Klimaschutzbeschluss des G8-Gipfels von Heiligendamm
völlig undenkbar gewesen.» Eine negative Bilanz des Gipfels
von Heiligendamm zog die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate
Künast.
Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine,
forderte Aufklärung über den Einsatz der Bundeswehr beim
G8-Gipfel. Es müsse beispielsweise geprüft werden, ob
Verfassungsbruch begangen worden sei. Er bezog sich damit unter anderem
auf die Aufklärungsflüge von Tornado-Jets der Luftwaffe in der
Region Heiligendamm.
(Quelle: dpa)
Deutschland ist EU-Spitzenreiter beim Klimaschutz
Fr.15.06.07 - Deutschland ist beim Klimaschutz Spitzenreiter in der Europäischen
Union. Das geht aus einem Bericht hervor, den die EU-Kommission in
Brüssel veröffentlichte. Demnach hat Deutschland seine
Treibhausgase im Jahr 2005 um 2,3 Prozent reduziert, das war gut
dreimal soviel wie der EU-Durchschnitt (0,7 Prozent). In absoluten
Zahlen reduzierte Deutschland seine Treibhausgase um 23,5 Millionen
Tonnen, was ebenfalls ein EU-weiter Spitzenwert ist.
Andere Musterschüler waren 2005 Finnland (minus 11,9 Millionen
Tonnen), die Niederlande (minus 6,3 Millionen Tonnen) und Rumänien
(minus 6,4 Millionen Tonnen). Schlechte Noten erhielten 13
Mitgliedsländer, die nicht weniger, sondern mehr Treibhausgase in
die Luft pusteten. Unter ihnen sind Spanien, Italien, Portugal,
Griechenland, Österreich sowie Polen und einige andere
osteuropäische Länder.
Dass es der EU insgesamt gelungen sei, bei gleichzeitig starkem
Wachstum die Emissionen um 0,7 Prozent zu reduzieren, sei zwar
ermutigend, betonte Umweltkommissar Stavris Dimas. Allerdings seien
weitere Anstrengungen notwendig. Dazu gehörten vor allem
strukturelle Veränderungen bei der Energieerzeugung und -nutzung.
Nur so könnten die Reduzierungen einschneidener und dauerhafter
werden.
(Quelle: afp)
Bundestag beschließt umfassende Reform des Ausländerrechts
Fr.15.06.07 - Der Bundestag hat eine umfassende Reform des seit gut zwei Jahren
gültigen Zuwanderungsrechts beschlossen. In einer namentlichen
Abstimmung votierten am Donnerstag 398 Abgeordnete für den mehr als
500 Seiten starken Gesetzentwurf der Bundesregierung, 170 mit Nein, es
gab fünf Enthaltungen. Mit dem Gesetz sollen unter anderem mehrere
zehntausend abgelehnte Asylbewerber die Chance auf einen gesicherten
Aufenthaltsstatus in Deutschland erhalten.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte: «Dieses Gesetz
ermöglicht Integration besser.» Illegale Migration müsse
bekämpft werden, aber man müsse fähig bleiben, Menschen,
die in Not sind, zu helfen. Der CDU-Politiker räumte ein, dass ein
solch kompliziertes Unterfangen wie dieses Gesetzwerk nie allen
Gesichtspunkten gerecht würde. Gegen den Gesetzentwurf votierten
neben der Opposition auch mehrere SPD-Politiker.
Die große Koalition hatte sich Mitte März nach zähem
Ringen auf den Kompromiss verständigt. Strittigster Punkt war das
Bleiberecht für die rund 100.000 Ausländer, die seit
mindestens sechs Jahren ohne gesichertes Aufenthaltsrecht in Deutschland
leben. Sie sollen dauerhaft bleiben dürfen, wenn sie bis Ende 2009
eine Arbeit finden. Falls sie dann weiterhin ohne Job sind, müssen
sie wieder mit Abschiebung rechnen. Zusätzliche Sozialleistungen
sollen durch die Regelung nicht anfallen. Ende März billigte das
Kabinett den Entwurf.
Neben dem Bleiberecht für bisher nur geduldete Ausländer
sollen mit der Reform elf EU-Richtlinien zum Aufenthalts- und Asylrecht
umgesetzt und weitere Änderungen an dem Zuwanderungsgesetz
vorgenommen werden. Unter anderem soll der Nachzug von Ehegatten
künftig erst ab einem Alter von 18 Jahren möglich sein. Damit
will die Regierung gegen Zwangsehen vorgehen und Integration
fördern. Die Verweigerung der Teilnahme an Integrationskursen soll
mit Sanktionen geahndet werden.
SPD-Politiker Fritz Rudolf Körper sagte, seine Partei könne
dem Kompromiss trotz einiger Kritikpunkte gut zustimmen, weil dazu die
Bleiberechtsregelung gehöre. Harte Kritik kam dagegen von der
Opposition. FDP-Innenexperte Hartfrid Wolff bezeichnete das Gesetz als
Stückwerk, da ein Konzept zur Zuwanderungssteuerung fehle. Der
Entwurf sei unausgewogen und in Teilen verfassungswidrig.
Sevim Dagdelen von der Fraktion Die Linke kritisierte die SPD: Auf der
einen Seite predige sie Integration, auf der anderen Seite
verschärfe sie die Integrationsbestimmungen. Grünen-Politiker
Josef Philip Winkler erklärte, dies sei das umfangreichste Paket
zur Einschränkung von Rechten von Ausländern.
(Quelle: ap)
Kein Durchbruch im Streit um die Pflege
Fr.15.06.07 - Im Streit um die Pflege hat sich die große Koalition offenbar
festgefahren. Auch ein Spitzentreffen von Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD), Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) und
Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwochabend brachte
keine Einigung. Vier Tage vor der Sitzung des Koalitionsausschusses
herrschte am Donnerstag weder Klarheit über die Höhe des
künftigen Pflegebeitrags noch über die Frage, nach welchem
Modell zusätzliches Kapital für die steigenden Pflegekosten
angespart werden soll.
Zwar sagte von der Leyen im ARD-Morgenmagazin, bei dem
Spitzengespräch sei man «sehr weit gekommen». Die
Runde sei sich darüber einig gewesen, dass die Hilfe für
Demenzkranke verbessert werde und der Beitrag um 0,2 Prozentpunkte auf
dann 1,9 Prozent vom Bruttoverdienst steigen solle. Dagegen sagte der
Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, die Minister
hätten sich nicht auf einen 0,2-Prozentpunkte-Zuschlag
verständigt: «Es gibt keine Festlegung dieser Art, es gibt
nur Vorschläge», erklärte Vater auf AP-Anfrage.
Von der Leyen hingegen unterstrich im «Bild»-Interview,
jetzt und in den kommenden Jahren werde es keine Beitragserhöhung
zur Sanierung der Pflegekasse geben. Die Bundesregierung wolle mit der
geplanten Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte etwas anderes erreichen:
«Wir kümmern uns endlich um Alzheimerkranke und diejenigen,
die ihre Angehörigen liebevoll zu Hause pflegen», sagte von
der Leyen.
Strittig ist laut der Familienministerin aber nach wie vor, ob und wie
die private Pflegeversicherung einen Ausgleich an die gesetzliche
zahlen muss und wie in der gesetzlichen zusätzliches Kapital
für steigende Pflegekosten angespart werden soll. Von der Leyen
bekräftigte den Vorschlag der Union, dass jeder jetzt selbst
freiwillig mit dem Vorsorgesparen beginnen solle. Den SPD-Vorstellung,
wonach die privaten Versicherungen Milliardenbeträge an die
gesetzliche zahlen sollen, lehnte sie ab.
Das von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt unterstützte
Modell des so genannten Pflege-Riesters gerät unterdessen auch in
den eigenen Reihen in die Kritik. «Der Aufbau einer individuellen
Kapitalreserve, zum Beispiel durch einen Pflege-Riester, ist nicht
sinnvoll», sagte die stellvertretende Partei- und
Fraktionsvorsitzende Elke Ferner der «Berliner Zeitung».
Eine Riester-Anlage habe den Nachteil, dass die Ersparnisse eines
verstorbenen Versicherten für die Gemeinschaft verloren seien.
«Das kann nicht Sinn und Zweck einer Demographiereserve
sein», sagte Ferner. Anfang der Woche hatte sich bereits
Unions-Fraktionschef Volker Kauder gegen Vorschläge für eine
private Zusatzversicherung plädiert.
FDP-Chef Guido Westerwelle kritisierte, der kleinste gemeinsame Nenner
sei, dass man dem Bürger tiefer in die Tasche greife. «Es
ist ein schwerer Fehler, dass der Systemwechsel nicht erfolgt»,
sagte Westerwelle vor einer Präsidiumssitzung in Stuttgart.
Der Sozialverband Deutschland begrüßte das Vorhaben der
Bundesregierung, eine Pflegezeit einzuführen. Die vorgesehene
Freistellung von einem halben Jahr mit Jobgarantie sei ein wichtiger
Beitrag zur Vereinbarung von Pflege und Beruf und zur Stärkung der
häuslichen Pflege, betonte SoVD-Präsident Adolf Bauer.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di warnte, der Koalitions-Zwist
dürfe nicht zur Verschiebung der Pflegereform führen.
«Die Leidtragenden wären die Pflegebedürftigen und die
Beschäftigten in Einrichtungen der Altenhilfe», hieß
es in der Erklärung des Bundesvorstands.
(Quelle: ap)
Letzte Parteitage von Linkspartei und WASG vor Fusion
Fr.15.06.07 - Nach langer Vorbereitung stehen Linkspartei.PDS und WASG endgültig
vor dem Zusammenschluss. Am (heutigen) Freitag tagen beide Parteien in
Berlin ein letztes Mal getrennt (Linkspartei 10.00 Uhr, WASG 13.00
Uhr), bevor am Samstag die neue Partei Die Linke förmlich
gegründet wird. Geführt werden soll sie von einer
Doppelspitze aus dem bisherigen Linkspartei-Vorsitzenden Lothar Bisky
und von Fraktionschef Oskar Lafontaine für die WASG.
Der gesamte Vorstand wird für eine Übergangszeit
paritätisch besetzt. Zu den Parteitagen am Freitag entsenden
sowohl die Linkspartei.PDS als auch die wesentlich kleinere
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit jeweils 398
Delegierte. Sie bestimmen jeweils ihre Kandidaten für die
Führungsposten, die dann am Samstag auf dem
Gründungsparteitag von allen 796 Delegierten gemeinsam
gewählt werden.
Ziel der als SED-Nachfolgerin im Osten verwurzelten Linkspartei und der
im Westen aus den Hartz-Protesten hervorgegangenen WASG ist eine
bundesweit agierende Partei links von der SPD. Im Bundestag bilden sie
schon seit der Wahl 2005 bereits eine gemeinsame Fraktion. Der
Zusammenschluss ist bereits auf Parteitagen beschlossen und in
Urabstimmungen von der Basis gebilligt worden.
Zusätzlichen Auftrieb gab das gute Abschneiden bei der Wahl in
Bremen im Frühjahr, wo die Linken erstmals in ein westdeutsches
Landesparlament einziehen konnten. An Landesregierungen beteiligt ist
die Linkspartei.PDS nur noch in Berlin, wo sie ein rot-rotes
Bündnis mit der SPD bildet.
(Quelle: ap)
Demonstration gegen Razzien in Norddeutschland
Fr.15.06.07 - Die groß angelegte Razzia gegen mutmaßliche
Linksextremisten in Norddeutschland hat massive Proteste hervorgerufen.
In Hamburg demonstrierten am Mittwochabend rund 750 Menschen friedlich
gegen die Durchsuchungen von Objekten der linken Szene. Die
Veranstaltung sei weitestgehend ruhig und ohne Zwischenfälle
verlaufen, teilte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen mit. Die
Demonstranten hätten sich auf Transparenten gegen Repressionen
ausgesprochen. Der Zug wurde von einem großen Polizeiaufgebot
begleitet.
Wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung hatte
die Bundesanwaltschaft am Mittwoch elf Objekte der linken Szene in
Hamburg und Schleswig-Holstein durchsuchen lassen. Die Ermittlungen
wegen dreier Brandanschläge richten sich gegen neun
Verdächtige. Festgenommen wurde niemand. Die Beschuldigten sollen
in den Jahren 2002, 2004 und 2006 Anschläge in Bad Oldesloe sowie
dem benachbarten Glinde und in Berlin auf Gebäude und Fahrzeuge der
Bundeswehr verübt haben. Dabei waren Sachschäden entstanden,
es gab keine Verletzten.
Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Peter Harry
Carstensen, hatte vor einer Verharmlosung der linksextremistische Szene
gewarnt. «Heiligendamm, aber auch andere Ereignisse haben gezeigt,
dass es nach wie vor eine linke Terrorszene in Deutschland gibt, die
virulent und gefährlich ist», sagte der Regierungschef.
(Quelle: ap)
Schüler sollen mehr über globale Entwicklung lernen
Fr.15.06.07 - Die Schule soll Kinder und Jugendliche künftig stärker auf
Themen der globalen Entwicklung vorbereiten. Darauf hat sich die
Kultusministerkonferenz am Donnerstag in Berlin mit der Bundesregierung
verständigt. Grundlage für die Entwicklung von
Lehrplänen ist der «Orientierungsrahmen für den
Lernbereich Globale Entwicklung».
Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Jürgen
Zöllner, erklärte: «Nur wenn Schülerinnen und
Schüler die komplexen Zusammenhänge verstehen lernen und
wissen, was nachhaltige Entwicklung bedeutet, können sie an diesem
Prozess aktiv teilnehmen und ihn mitgestalten.» Der
Orientierungsrahmen zielt auf das Erlernen von Kompetenzen, bietet
konkrete Aufgabenbeispiele an und will zu projektorientiertem Arbeiten
anregen. Dabei werden Schüler von der Grundschule bis zur
beruflichen Bildung berücksichtigt.
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul nannte
Armutsbekämpfung und Klimawandel die zentralen Zukunftsaufgaben.
«Zu ihrer Lösung brauchen wir kritisches Denken und
fundiertes Wissen. Denn nur wer die globalen Zusammenhänge kennt
und versteht, kann einen Beitrag leisten, die Globalisierung gerecht zu
gestalten.»
Die Jugendlichen von heute lebten in einer Welt der Globalisierung
vieler Lebensbereiche und des Klimawandels, erklärte die
SPD-Politikerin. «Geben wir ihnen also das notwendige
Handwerkszeug an die Hand, die Welt sozial und ökologisch zu
gestalten.»
(Quelle: ap)
Bildungsverbände wollen bessere Förderung für
lebenslanges Lernen
Fr.15.06.07 - Lebenslanges Lernen sollte in Deutschland besser gefördert werden
und für deutlich mehr Menschen möglich sein. Mit der Forderung
nach mehr finanzieller Unterstützung für die Weiterbildung
wandten sich am Donnerstag mehrere Bildungsverbände in Berlin an
die Öffentlichkeit. Einen Tag vor der Premiere des Deutschen
Weiterbildungstages veröffentlichten der Deutsche
Volkshochschulverband (DVV) und der Bundesverband der Träger
beruflicher Bildung (BBB) eine Erklärung für eine
Weiterbildungsoffensive.
Darin fordern die Verbände unter anderem verbesserte
Weiterbildungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer,
Senioren und Migranten. Auch müsse es einheitliche gesetzliche
Rahmenbedingungen und eine bessere finanzielle Förderung geben,
«um mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt zu halten und
die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern», schrieben
die Verbände.
Am Mittwoch hatte die Bundesregierung beschlossen, mehr
Bundesbürger mit Zuschüssen und Darlehen zu einer
Weiterbildung anzuspornen. Das Kabinett billigte am Mittwoch
entsprechende Eckpunkte von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU).
Demnach können Arbeitnehmer mit Einkommen bis zu 17.900 Euro im
Jahr (verheiratete 35.800 Euro) unter bestimmten Umständen eine
Prämie bis 154 Euro für die Weiterbildungskosten bekommen,
falls sie selbst genauso viel zusteuern.
Der Weiterbildungstag findet am (heutigen) Freitag erstmals in rund 500
Orten statt. Schirmherr ist Bundespräsident Horst Köhler.
Bundesweit werden rund 100.000 Besucher erwartet. Das Ereignis geht auf
eine Initiative des DVV und des BBB zurück und wird von Prominenten
wie «Tagesthemen»-Moderator Tom Buhrow und
Handball-Bundestrainer Heiner Brand unterstützt.
(Quelle: ap)