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Irak am tausenddreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Anschlag auf sunnitische Moschee in Basra. Neue
US-Militäroffensive gegen Al Kaida im Irak.
US-Verteidigungsminister Gates enttäuscht über Lage im Irak
Mo.17.06.07 - Die Serie der Vergeltungsschläge schiitischer Extremisten auf
sunnitische Moscheen im Irak reißt nicht ab. Am Samstag wurde die
Al-Aschra al-Mubaschra-Moschee in Basra im Süden des Landes Ziel
einer Attacke Unbekannter.
Nach Angaben der «Unabhängigen Nachrichtenagentur»
(Independent Newsagency) wurde das Gebäude bei einer
Bombenexplosion stark beschädigt. Augenzeugen sagten, Bewaffnete in
Polizeiuniformen hätten das Gotteshaus in der Innenstadt in den
frühen Morgenstunden angegriffen. Seit dem Angriff auf die Goldene
Moschee der Schiiten in der Stadt Samarra am Mittwoch hat es zahlreiche
Anschläge auf sunnitische Moscheen gegeben. Nach Angaben
sunnitischer Religionsgelehrter gab es seit Mittwoch mindestens 20
solcher Attacken - unter anderem in Bagdad, Hilla, Basra und Bakuba.
Nach einer Verstärkung ihrer Truppen im Irak haben die
US-Streitkräfte eine neue Offensive gegen Aufständische in
Bagdad eingeleitet. Die Militäraktion richte sich gegen
mutmaßliche Stützpunkte von Al Kaida, erklärte
Oberbefehlshaber General David Petraeus am Samstag nach einem Treffen
mit US-Verteidigungsminister Robert Gates. Dieser traf am Freitagabend
zu einem vorher nicht angekündigten Besuch in der irakischen
Hauptstadt ein.
Die neue Offensive sei möglich, nachdem kürzlich tausende
weitere Soldaten eingetroffen seien, sagte Petraeus. Bei Razzien der
US-Truppen in Bagdad sowie in anderen Landesteilen wurden am Samstag
nach Militärangaben fünf mutmaßliche Aufständische
getötet. Etwa 30 Verdächtige wurden festgenommen.
In der Provinz Anbar wurden die sterblichen Überreste von 13 im
vergangenen Jahr verschleppten irakischen Sportlern gefunden. Von zwei
weiteren Mitgliedern des insgesamt 15-köpfigen Taekwondo-Teams
fehlte nach Angaben der Behörden noch jede Spur. Die Gruppe war im
Mai 2006 in Anbar zwischen Falludscha und Ramadi entführt worden,
als sie auf dem Weg zu einem Trainingslager in Jordanien war.
Zwei Tage nach dem Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra ist
US-Verteidigungsminister Robert Gates am Freitag zu einem
unangekündigten Besuchs in Bagdad eingetroffen. Er
äußerte sich dabei unzufrieden über den Fortschritt der
irakischen Führung bei der Aussöhnung der verfeindeten Gruppen.
«Ehrlich gesagt, sind wir enttäuscht», sagte Gates vor
Journalisten in der irakischen Hauptstadt. Eines der Ziele seines
Besuchs sei, die Regierung in Bagdad zu drängen, die
Aussöhnung etwa durch entsprechende Gesetze voranzutreiben.
Die Goldene Moschee in Samarra ist ein bedeutendes Heiligtum der
Schiiten. Ein erster Anschlag, bei dem 2006 die Kuppel der Moschee
schwer beschädigt worden war, hatte eine Welle der Gewalt zwischen
Sunniten und Schiiten im Irak ausgelöst.
Insgesamt biete das Land ein «gemischtes Bild», sagte der
Pentagon-Chef weiter. Während es in manchen Gegenden weiterhin
Gewalt gebe, öffneten andernorts Freizeitparks und Märkte. Er
habe jedes Vertrauen in den Kommandeur der US-Truppen im Irak, General
David Petraeus, sagte Gates. «Petraeus war derjenige, der sagte,
dass es erst einmal schlimmer werde, bevor Besserung eintrete.»
Für Gates war es der vierte Besuch im Irak seit seinem Amtsantritt
im Dezember.
Unterdessen stürzte im Irak ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-16 ab.
Wie der Fernsehsender CNN weiter meldete, überlebte der Pilot das
Unglück nicht. Die Absturzursache war zunächst unklar. Der
Kampfjet habe Bodentruppen unterstützt, hieß es. Die
US-Luftwaffe habe eine Untersuchung über die Unglücksursache
eingeleitet.
boa, (Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 17.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.07.06.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanistan: Fünf Tote bei Bombenanschlag und Schießerei in
Kabul
So.17.06.07 - Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Militärkonvoi in der
afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Samstag nach örtlichen
Polizeiangaben mindestens vier Zivilisten getötet worden.
Ein weiterer Zivilist sei von einem amerikanischen Soldaten erschossen
worden, der nach dem Anschlag das Feuer auf eine aufgebrachte Menge
eröffnet hatte, sagte ein Polizeisprecher. Es war der zweite
Selbstmordanschlag auf einen Militärkonvoi binnen 24 Stunden.
Bei dem Anschlag am Samstag wurden nach diesen Angaben zufolge auch
fünf Zivilisten und ein amerikanischer Soldat verletzt. Der
Selbstmordattentäter hatte ein mit Sprengstoff beladenes Taxi in
einen Konvoi der NATO-geführten Schutztruppe ISAF gerammt und zur
Detonation gebracht. Die ISAF bestätigte den Anschlag, machte
jedoch zunächst keine weiteren Angaben.
Direkt nach dem Anschlag sammelte sich eine wütende Menge an dem
Explosionsort. Ein US-Soldat in einem Geländewagen habe auf diese
Menge irrtümlich das Feuer eröffnet, sagte der Polizeisprecher
weiter. Dabei seien ein Afghane getötet und drei weitere verletzt
worden. Die Polizei musste eingreifen, um die Menge anschließend
zu zerstreuen. Die zunehmende Zahl ziviler Opfer führt in der
afghanischen Bevölkerung zu einer wachsenden Empörung
über die ausländischen Truppen.
Am Vortag hatte ein Selbstmordattentäter in der
südafghanischen Provinz Urusgan seinen mit Sprengstoff beladenen
Jeep in einen Militärkonvoi gefahren. Auch hier waren vor allem
Zivilisten die Opfer: Sechs Kinder und ein niederländischer Soldat
starben.
(Quelle: dpa)
Heftige Debatten in US-Regierung über Iran-Politik
So.17.06.07 - Innerhalb der US-Regierung ist einem Zeitungsbericht zufolge ein
heftiger Streit um die Iran-Politik entbrannt.
Die Anhänger einer diplomatischen Lösung um
Außenministerin Condoleezza Rice stünden den Verfechtern
eines Militärschlages aus dem Büro von Vizepräsident Dick
Cheney gegenüber, berichtete die "New York Times" am Samstag unter
Berufung auf Vertreter beider Seiten.
Rice sei zunehmend davon überzeugt, dass der Iran nur durch
Verhandlungen von seinem Atomprogramm abgebracht werden kann. Ein
Militärschlag würde ihrer Meinung nach zu einem Desaster
führen, berichtete die Zeitung. Dagegen kämen von Seiten der
Konservativen Äußerungen, welche denen des ehemaligen
US-Botschafters bei den Vereinten Nationen, John Bolton, ähnelten.
Dieser hatte einen Regimewechsel und einen militärischen Angriff
als einzige Optionen bezeichnet, um den Iran davon abzuhalten,
Atombomben zu bauen.
Die Debatte habe sich an den jüngsten Informationen der
Internationalen Atomenergiebehörde IAEA entzündet, wonach der
Iran schon Ende des Jahres über 8000 Zentrifugen verfügen
könnte und damit dem Bau einer Atombombe deutlich näher
käme, hieß es in der Zeitung. Der Iran bestreitet, dass sein
Atomprogramm einem militärischen Zweck dient. Es verfolge vielmehr
zivile Ziele.
(Quelle: rtr)
Nordkorea lädt IAEA-Inspektoren zu Gesprächen ein
So.17.06.07 - Nordkorea hat Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA) zu Gesprächen über die Abschaltung seines wichtigsten
Reaktors eingeladen, wie die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag
berichtete. In einem Schreiben an die IAEA hieß es, die Delegation
sei eingeladen worden, nachdem die Freigabe von auf einem Konto in
Macau gesperrten 20 Millionen Dollar nun in ihr letztes Stadium
getreten sei. Bei den Gesprächen solle es um die Verifizierung der
Abschaltung des Reaktors in Yongbyon gehen.
Die Freigabe der von den USA blockierten Mittel war Teil einer
Vereinbarung bei den Sechs-Parteien-Gesprächen Nordkoreas mit den
USA, Russland, China, Japan und Südkorea im Februar. Im Gegenzug
hatte Nordkorea die Abschaltung seines Atomreaktors in Yongbyon
zugesagt. Der US-Diplomat Christopher Hill teilte mit, dass die
nächste Runde der Atomgespräche Anfang Juli beginnen
könnte.
Die vereinbarte Überweisung an Nordkorea hatte sich zuletzt erneut
verzögert. Das Geld sei aber von dem bislang gesperrten Konto
inzwischen in Russland eingetroffen, teilte Hill am Samstag mit.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Libanesische Armee bombardiert Flüchtlingssiedlung Nahr el Bared.
Bruderkampf der Palästinenser erreicht das Westjordanland:
Fatah-Kämpfer stürmen Hamas-Einrichtungen
So.17.06.07 - Die libanesische Armee hat am Samstag die Flüchtlingssiedlung Nahr
el Bared unter starken Beschuss genommen. Die Angriffe richteten sich
gegen den Bereich der Siedlung, in dem sich islamistische Extremisten
der Fatah el Islam verschanzten, wie ein AFP-Reporter vor Ort
berichtete. Aus der Umgebung waren schwarze Rauchwolken und mehrere
Brände zu sehen. Am Freitagabend hatten die Streitkräfte
erklärt, ihre Kontrolle über das umkämpfte Lager immer
weiter ausbauen und die Bewegungsfreiheit der Islamisten
einschränken zu wollen.
Der gewaltsame Machtkampf zwischen Fatah und Hamas hat auf das
Westjordanland übergegriffen. Hunderte Fatah-Kämpfer
stürmten am Samstag von der Hamas kontrollierte Einrichtungen,
darunter das Parlamentsgebäude und das Regierungsbüro in
Ramallah. Ein Sprecher kündigte die Übernahme aller
Hamas-Einrichtungen als Reaktion auf die Eroberung des Gazastreifens
durch die radikalislamische Organisation an.
Im Parlament versuchten die Angreifer, einen stellvertretenden
Präsidenten der Volksvertretung - den Unabhängigen Hassan
Kreische - in ihre Gewalt zu bringen. Angestellte der Fatah hinderten
sie aber daran. Auf dem Dach des Gebäudes hissten
Fatah-Kämpfer die Fahne ihrer Organisation und feuerten in die
Luft. Andere drangen in das Bildungsministerium und das Büro des
Ministerpräsidenten vor.
In Nablus stürmten Fatah-Kämpfer die Stadtverwaltung. Sieben
Hamas-Aktivisten wurden entführt. Auch in Hebron kam es zu
Angriffen: Fatah-Aktivisten übernahmen nach eigenen Angaben die
Kontrolle in Büros des Innen- und des Bildungsministeriums. Sie
warnten Angestellte, die loyal zur Hamas stehen, vor einer Rückkehr
an den Arbeitsplatz.
Während im Gazastreifen die Hamas inzwischen die alleinige
Kontrolle hat, wird das Westjordanland weiter von der Fatah von
Präsident Mahmud Abbas regiert. Rund 50 führende
Fatah-Vertreter, die vor der Hamas aus dem Gazastreifen geflohen waren,
trafen am Samstag im Westjordanland ein.
In Gaza plünderten Anhänger der Hamas das Haus des
früheren palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat. Sie
ließen Möbelstücke, Wandkacheln und persönliche
Gegenstände des langjährigen Vorsitzenden der Fatah und der
Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) mitgehen, wie
Fatah-Funktionäre mitteilten. Beobachter werteten die
Übergriffe als Versuch, nach dem Sieg der Hamas im Gazastreifen
auch das höchste Symbol der geschlagenen Fatah zu zerstören.
Am Grenzübergang Eres zu Israel plünderten nach
Augenzeugenberichten hunderte Palästinenser Stützpunkte der
palästinensischen Polizei.
Der designierte neue Ministerpräsident Salam Fajjad rang
unterdessen um ein neues Kabinett. Ihm sollten nach Angaben eines
Vertrauten von Abbas vor allem Unabhängige angehören. Die
Hamas hat die Absetzung des bisherigen Regierungschefs Ismail Hanija
nicht akzeptiert. Hamas-Führer Chaled Maschaal erklärte
jedoch, Abbas werde weiterhin als der gewählte und legitime
Präsident der Palästinenser betrachtet. Die Legitimität
einer neuen Regierung unter Fajjad stellte die Organisation hingegen in
Frage. Jedes Kabinett, das nicht die Zustimmung des Parlaments habe,
werde als verfassungswidrig betrachtet, sagte der Hamas-Politiker Ahmed
Bahar am Samstag. Im Parlament hat die Hamas die Mehrheit, die
Volksvertretung ist jedoch seit Monaten gelähmt.
Die Arabische Liga bekundete auf einer Dringlichkeitssitzung in Kairo
ihre Unterstützung für Abbas. Die Außenminister
begrüßten am Freitagabend die Ernennung einer neuen Regierung
durch Abbas und erklärten, die Legitimität seines Amtes
müsse respektiert werden.
Der Generalsekretär der Staatenorganisation, Amr Mussa, rief zu
einem Ende der Kämpfe auf. Die arabischen Staaten wollten der
palästinensischen Sache dienen und nicht einer bestimmten Partei.
In einer deutlichen Botschaft an die Hamas schloss Ägypten seine
diplomatische Vertretung im Gazastreifen. Dafür wurden
Sicherheitsgründe genannt.
Abbas kam am Samstag mit dem US-Generalkonsul in Jerusalem, Jacob
Walles, zusammen. An dem Treffen in Ramallah nahm nach Angaben von
Abbas' Büro auch der frühere Sicherheitschef im Gazastreifen,
Mohammed Dahlan, teil.
Das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA forderte Israel derweil auf,
die Grenzübergänge in den Gazastreifen wieder zu öffnen,
um das Leben der Zivilisten zu erleichtern: "Wir können nicht 1,5
Milionen Menschen im Gazastreifen kollektiv bestrafen", sagte UNRWA-Chef
John Ging: "Sie leben schon jetzt unter katastrophalen Bedingungen."
Der Gazastreifen sei komplett auf Hilfe von außen angewiesen.
boa, (Quellen: afp, ap)
Merkel fordert Kompromissbereitschaft bei EU-Verfassung
So.17.06.07 - Wenige Tage vor dem EU-Gipfel zur Zukunft der umstrittenen
EU-Verfassung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel alle übrigen 26
Mitgliedsstaaten zur Kompromissbereitschaft aufgerufen.
Die amtierende EU-Ratspräsidentin sprach am Samstag in ihrer
wöchentlichen Videobotschaft von einem großen Projekt, dass
die Staats-und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) Ende
nächster Woche in Brüssel auf den Weg bringen müssten.
Sie wandte sich nicht direkt an Polen, das mit einem Veto gedroht hat.
Am Abend wollte sie mit dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski
bei einem Treffen auf Schloss Meseberg bei Berlin die Chancen für
eine Einigung ausloten. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso
forderte Polen auf, notwendige Reformen nicht länger zu blockieren.
Merkel bekräftigte ihr Ziel, beim Gipfeltreffen am Donnerstag und
Freitag das weitere Vorgehen zu vereinbaren, damit der geplante
EU-Verfassungsvertrag bis zu den Europawahlen 2009 in allen
Mitgliedsländern unter Dach und Fach ist. "Wir werden jetzt einen
Vorschlag für einen solchen Fahrplan vorlegen. Damit er
verabschiedet werden kann, wird die Kompromissbereitschaft aller
notwendig sein." Die EU dürfe sich nicht zu lange mit sich selbst
beschäftigen. "Wenn wir nächste Woche in diesem Geist an die
Arbeit gehen, dann hoffe ich, dass wir auch zu einem Ergebnis kommen."
Der Gipfel markiert den Schlusspunkt der sechsmonatigen deutschen
Ratspräsidentschaft.
Barroso forderte ein Ende der Hängepartie. "Wir sollten das Thema
Verfassung endlich vom Tisch haben", sagte er der "Süddeutschen
Zeitung". Bei einem Scheitern des Gipfels wäre die
Glaubwürdigkeit Europas schwer beschädigt. Polens Beharren auf
mehr Einfluss bei EU-Entscheidungen sei nicht hilfreich.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier hielt es für wenig
wahrscheinlich, dass Polen sich mit seiner Forderung durchsetzt. Die
Warschauer Regierung sei im EU-Verfassungsstreit isoliert, sagte der
SPD-Politiker der "Frankfurter Rundschau". Niemand außer Polen
wolle das bereits vereinbarte Paket zur Stimmengewichtung noch einmal
aufschnüren. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sei nicht nur
denen verpflichtet, die Änderungen am vorliegenden Vertragstext
forderten, sondern auch jenen 18 Staaten, die das Vertragswerk schon
ratifiziert hätten. "Ich hoffe, dass wir schon beim Treffen der
Außenminister am Sonntag und Montag in Luxemburg das eine oder
andere klarstellen und damit die Zahl der wirklich harten offenen Fragen
entscheidend begrenzen können." Als Fortschritt war gewertet
worden, dass Polens Ministerpräsident und Zwillingsbruder des
Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski, am Freitag von der Drohung mit
einem Veto gegen den geplanten Verfassungsvertrag abgerückt ist.
Der Vizechef der EU-Kommission, Günter Verheugen, warnte
nachdrücklich vor einem Scheitern des Vertrags. "Dies würde
sehr negative politische, aber auch wirtschaftliche Folgen für
Europa haben und die starke ökonomische Position Europas
gefährden", sagte der Sozialdemokrat der Zeitung "Die Welt". Ohne
bessere Entscheidungsverfahren und eine klare Verteilung der
Zuständigkeiten, wie sie der neue Vertrag vorsehe, werde es die EU
künftig schwer haben, sich in handelspolitischen Fragen, aber auch
bei den Themen Energieeffizienz und Klimawandel durchzusetzen.
Am Sonntag kommt Merkel in Meseberg auch mit Tschechiens
Ministerpräsident Mirek Topolanek zusammen. Die tschechische
Regierung gilt als Feindin jeder tiefer gehenden Integration in der EU
und will die Einflussmöglichkeiten nationaler Regierungen
möglichst weitgehend erhalten. Am Abend trifft sie in Luxemburg den
Premierminister Jean-Claude Juncker.
(Quelle: rtr)
Bundesverfassungsgerichtspräsident fordert Begrenzung der
EU-Kompetenzen
So.17.06.07 - Kurz vor dem Gipfel in Brüssel hat
Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier eine
Begrenzung der EU-Kompetenzen gefordert. Es bedürfe einer klaren
Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen der Europäischen Union
und ihren Mitgliedstaaten, so Papier in einem Gastbeitrag der
«Bild am Sonntag». Europa brauche eine Grundordnung, die die
Handlungsfähigkeit der mittlerweile auf 27 Mitgliedstaaten
angewachsenen EU sicherstelle.
(Quelle: dpa)
Rot-grüne Koalition in Bremen steht
So.17.06.07 - SPD und Grüne haben sich am Samstag in Bremen auf einen
Koalitionsvertrag geeinigt. Fünf Wochen nach der
Bürgerschaftswahl steht damit das einzige rot-grüne
Bündnis auf Landesebene. Endgültig besiegelt werden soll das
Bündnis auf den Parteitagen der SPD am 23. Juni und der Grünen
am 25. Juni. Am Samstag wurden die letzten noch strittigen Fragen
geklärt. Fest steht, dass die SPD fünf Ressorts und die
Grünen zwei besetzen.
Der Vertrag soll am (heutigen) Sonntag noch einmal durchgearbeitet und
am Montag vorgestellt werden. Die Senatsriege soll dann ebenfalls
präsentiert werden.
In der achten und letzten Beratungsrunde hatten die künftigen
Regierungspartner strittige Punkte ausgeräumt. «Der Vertrag
ist fertig», sagten Grünen-Chefin Susann Mittrenga und
SPD-Landesvorsitzender Uwe Beckmeyer.
Beckmeyer zufolge wird die Außenweser für die
Containerschifffahrt vertieft. «Bei der Weser ist es klar, dass
die in Bau und Planung befindlichen Infrastrukturmaßnahmen zur
Entwicklung der Häfen abgeschlossen werden», sagte er.
Zugleich soll die Weser ökologisch aufgewertet werden. Unter
anderem sind zusätzliche Überflutungsgebiete und die
Rücknahme von Deiche geplant. Der bislang vom Bremer
Energieversorger swb geplante und von den Grünen strikt abgelehnte
Bau eines Kohlekraftwerks soll bis Ende Oktober unter Einbeziehung von
Experten ergebnisoffen geprüft werden.
Die Landesparteichefs sprachen von einem guten Klima in der
künftigen Koalition. «Das ist keine Zweckgemeinschaft»,
sagte Beckmeyer. «Ich finde, da haben sich Partner gefunden, die
gut zueinander passen.» Die Grünen-Vorsitzende Mittrenga
sagte: «Dieser Vertrag atmet einen gemeinsamen Geist.»
SPD und Grüne vereinbarten, in die Verbesserung der
Kinderbetreuung und die Hochschulen zu investieren. In den Jahren 2008
und 2009 sind dafür laut Mittrenga insgesamt knapp 60 Millionen
Euro eingeplant. Zur konkreten Gegenfinanzierung äußerten
sich die Parteivorsitzenden nicht. Sie bekundeten aber Zuversicht, das
Geld durch Umschichtungen im Haushalt aufbringen zu können.
«Wir wollen keine Ausgabenkoalition sein, sonder eine, die
konsolidiert und spart», sagte Beckmeyer.
In der Landesregierung stellt die SPD laut Einigung inklusive dem
Regierungschef fünf der sieben Senatoren, die Grünen zwei.
Beim Bürgermeister wird künftig auch die Kultur angesiedelt.
Die Sozialdemokraten besetzen ihre angestammten Ressorts Soziales und
Bildung und Wissenschaft. Zudem übernehmen sie die in der
früheren großen Koalition von der CDU geführten Ressorts
Inneres und Wirtschaft, der die Justiz angegliedert wird.
Die Grünen stellen den Senator für Umwelt, Bau und Verkehr.
Neben diesem früher von der CDU verantworteten Ressort besetzen sie
das bislang der SPD zugerechnete Finanzressort.
Bürgermeister Jens Böhrnsen will seine
Personalvorschläge am Montag vorstellen. Bei der SPD gilt als
sicher, dass die drei SPD-Senatoren inklusive Bürgermeister
Böhrnsen sowie ein Parteiloser weiter amtieren, zum Teil aber in
neuen Ressorts.
Die Landesführung der Grünen hat bereits die
Spitzenkandidatin und Finanzexpertin Karoline Linnert sowie den
nordrhein-westfälischen Bundestagsabgeordneten und
Umweltspezialisten Reinhard Loske als Senatoren nominiert.
Bei der Landtagswahl am 13. Mai blieb die SPD mit 36,7 Prozent
stärkste Partei. Die Grünen holten mit 16,5 Prozent ihr bestes
Ergebnis bei einer Landtagswahl. Für sie ist es die zweite
Regierungsbeteiligung seit der 1991 geschlossenen Ampelkoalition mit SPD
und FDP, die 1995 zerbrach.
(Quelle: ap)
Lafontaine feuert neue Linke an
So.17.06.07 - Die Führungsspitze der Linken hat die neue Partei auf ihre Rolle
als gesamtdeutsch agierende Partei links von der SPD eingeschworen. Der
designierte Vorsitzende Oskar Lafontaine riss die Delegierten des
Gründungsparteitags am Samstag in Berlin mit einer flammenden Rede
zu Beifall im Stehen hin. Lothar Bisky, der gemeinsam mit Lafontaine am
Nachmittag als Vorsitzender zur Wahl stand, mahnte die bisherigen
Mitglieder von Linkspartei.PDS und WASG zu Geschlossenheit.
Fraktionschef Gregor Gysi sah mit der Fusion der Linken die deutsche
Einheit erst vollendet.
«Wir sind die Partei der demokratischen Erneuerung», rief
Lafontaine den fast 800 Delegierten zu. «Wir sind die Partei des
Sozialstaates.» Der ehemalige SPD-Vorsitzende attackierte die
große Koalition aus Union und Sozialdemokraten als
«Reformchaoten» und nannte den SPD-Begriff des
«vorsorgenden Sozialstaats» absurd. Der Parole
«Freiheit statt Sozialismus» hielt er entgegen:
«Freiheit durch Sozialismus, das ist die Formel.» Die neue
Linke stehe in der Tradition der deutschen Arbeiterbewegung;
Glaubwürdigkeit solle zu ihrem neuen Markenzeichen werden.
Bisky rief die Mitglieder aus Linkspartei.PDS und WASG zu sachlicher
Auseinandersetzung in der neuen Partei auf. Er verwies auf die
unterschiedliche Herkunft beider Partner und mahnte, auch künftig
den Andersdenkenden zu achten und den politischen Gegner nicht in der
eigenen Partei zu sehen. «Eines brauchen wir in der neuen Partei
bestimmt nicht: Unterstellungen und Denunziationen», rief er den
Delegierten zu.
Der bisherige Linksparteichef bemühte sich, eine Brücke zu
schlagen zwischen der SED-Nachfolgerin PDS als «Partei der
Kümmerer» im Osten und der von enttäuschten
Sozialdemokraten und Gewerkschaftern im Westen ins Leben gerufenen
Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit. «Niemand
verlässt leichtfertig eine jahrzehntelange politische
Heimat», gab er zu bedenken und stellte den Neuanfang
ausdrücklich auch in «die Tradition von Willy Brandts 'Mehr
Demokratie wagen'».
Auch Gysi warf der großen Koalition Sozial- und Demokratieabbau
vor. Ein Schwerpunkt müsse es bleiben, die Chancengleichheit im
Osten und Westen zu sichern. Mit der Linken ziehe in Deutschland auch
ein Stück europäische Normalität ein.
Nach zweijähriger Vorbereitung wollten Linkspartei und WASG am
Nachmittag ihren Zusammenschluss endgültig besiegeln und eine
paritätisch besetzte Führungsspitze wählen. Den Vorsitz
sollten Bisky und Lafontaine in einer Doppelspitze übernehmen. Sie
waren am Freitag auf den letzten getrennten Tagungen beider Parteien mit
großer Mehrheit nominiert worden.
Juristisch ist die Linke schon Wirklichkeit: Laut Fusionsvertrag wurde
die Verschmelzung beider Parteien am Samstag um 00.00 Uhr wirksam. Die
neue Partei ist auch schon vom zuständigen Gericht im Register
eingetragen. Mit rund 72.000 Mitgliedern ist die Linke nach eigenen
Angaben die drittstärkste Partei in Deutschland.
Einer Forsa-Umfrage zufolge hat sie auf Bundesebene ein
Wählerpotenzial von 24 Prozent. Im Osten könnten sich 44
Prozent der Bürger vorstellen, bei einer Bundestagswahl für
die neue Partei zu stimmen, berichtete die «Bild am
Sonntag». In Westdeutschland liege die grundsätzliche
Zustimmung bei 19 Prozent. 74 Prozent der Befragten halten die Linke im
Bund aber nicht für regierungsfähig. 25 Prozent wünschen
sich, dass der seinerzeit zurückgetretene Bundesfinanzminister
Lafontaine wieder Regierungsverantwortung übernimmt, 67 Prozent
können sich das allerdings nicht vorstellen.
(Quelle: ap)
Linke Partei mit neuer Adresse im Netz
So.17.06.07 - Die neue Partei Die Linke hat auch eine neue Internet-Adresse. Nach der
förmlichen Parteigründung am Samstag in Berlin wurde die
Website die-linke.de freigeschaltet: http://www.die-linke.de
«Die Linke ist gegründet», lautete die erste
Schlagzeile auf der Homepage. Die bisherigen Seiten der Linkspartei.PDS
(sozialisten.de) und der WASG (w-asg.de) bleiben erhalten, werden aber
nicht mehr aktualisiert. Die gemeinsame Fraktion hat den Zusammenschluss
von Beginn an vorweggenommen, sie ist unter linksfraktion.de zu finden.
(Quelle: ap)
FDP greift Linke scharf an
So.17.06.07 - Die FDP hat die neue Partei Die Linke scharf angegriffen. FDP-Chef
Guido Westerwelle wies auf dem Parteitag der Liberalen am Samstag in
Stuttgart die Forderung des Vorsitzenden der Linken, Lothar Bisky, nach
einem Systemwechsel schroff zurück: «Wehret den
Anfängen - das darf nicht nur gegenüber Rechtsaußen
gelten.» Generalsekretär Dirk Niebel verglich die Linke mit
der DDR-Staatspartei SED. Am Abend unterbrach der FDP-Parteitag seine
Beratungen.
Westerwelle warnte vor der dem erklärten Linken-Ziel der
Systemüberwindung. Wenn eine rechtsextremistische Partei sage, sie
wolle das System überwinden, sei die Empörung in Deutschland
zu Recht groß. «Wenn dies eine linksradikale Partei sagt,
sollte man davor die Augen nicht verschließen», meinte der
FDP-Chef.
In einer emotional gefärbten Rede rief Niebel unter Verweis auf
die Linke aus: «Soeben ist eine neue Sozialistische
Einheitspartei in Deutschland gegründet worden... Gegen diese
gesellschaftliche Düsternis werden wir mit der Fackel der Freiheit
stehen.» Demonstrativ wechselte Niebel das Schild am Rednerpult
durch die Version «Freiheit statt Sozialismus» aus. Vorher
hatte dort das Parteitagsmotto «Mehr Freiheit - mehr
Chancen» gestanden. Er erklärte, wenn der Linkspolitiker
Gregor Gysi behaupte, ohne Sozialismus gebe es keine Freiheit, dann sei
das «eine Verhöhnung der 17 Millionen Ostdeutschen, die
eingemauert worden sind vom Sozialismus».
Zur sozialpolitischen Debatte am Sonntag nahmen die Liberalen das Thema
Pflegeversicherung vorweg. Sie griffen ihre Vorschläge aus den
frühen 90er Jahren wieder auf, wonach die Versicherung in einer
längeren Übergangsphase auf eine prämienfinanzierte,
kapitalgedeckte Variante umgestellt werden müsse.
Das gegenwärtige Umlagesystem zerbreche an der demographischen
Entwicklung, hieß es zur Begründung des Beschlusses. Der
ursprünglich angesparte Finanzsockel von fünf Milliarden Euro
werde seit 1999 durch regelmäßige Defizite jedes Jahr
weniger und bald ganz aufgebraucht sein. Hinzu komme, dass sich die
Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 etwa verdreifache. Es werde
daher ein System gebraucht, das von der Bevölkerungsentwicklung
unabhängig sei.
Zur Erbschaftsteuer beschloss der Parteitag, das bisherige Recht zu
streichen und die Gesetzgebungskompetenz auf die Länder zu
verlagern. Anlass ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach
das seit Jahren geltende Bundesrecht ohne grundlegende Änderung
Ende 2008 verfällt. Außerdem fordern die Liberalen die
Erhebung der Kultur zum grundgesetzlich verankerten Staatsziel.
(Quelle: ap)
Regierungskoalition beim Mindestlohn unversöhnlich
So.17.06.07 - Die Fronten im Koalitionsstreit über Mindestlöhne sind
völlig verhärtet. SPD-Spitzenpolitiker forderten am Samstag
erneut ein Einlenken der Union, die aber jede Art von gesetzlichem
Mindestlohn kategorisch ablehnt. Von der Koalitionsrunde am Montag
erwartet deshalb der Deutsche Gewerkschaftsbund keine echten
Fortschritte.
Die künftigen SPD-Vizevorsitzenden Frank-Walter Steinmeier und
Andrea Nahles appellierten noch einmal an den Koalitionspartner.
«Die Kanzlerin muss Farbe bekennen», schrieb Nahles in der
«Sächsischen Zeitung» (Montagausgabe). Angela Merkel
müsse in der Koalitionsrunde klar machen, wie sie der
«untragbaren Situation im Niedriglohnsektor» begegnen wolle.
Millionen Menschen könnten in Deutschland trotz Vollzeitstelle
nicht eigenständig für ihren Lebensunterhalt sorgen.
«Das ist für uns ein unhaltbarer Zustand, bei dem wir als
SPD nicht länger zuschauen dürfen», meinte Nahles. In
jeder Branche müsse es eine gesetzliche Lohnuntergrenze geben.
Arbeitgeber und Gewerkschaften sollten ein Jahr Zeit bekommen, die
Grenze auszuhandeln, die dann bundesweit verbindlich gelten würde,
schrieb die SPD-Linke. Ansonsten solle ein unabhängige Kommission
den gesetzlichen Mindestlohn festlegen.
Steinmeier sagte der «Bild am Sonntag», er hoffe, dass es
zu einer Verständigung kommen werde: «Ich rate der Union
dringend, sich von ihrer verbohrten Ideologie zu lösen und sich
die Realität im Land anzuschauen.»
Die CDU-Spitze zeigt sich jedoch hart. «Es darf nicht sein, dass
der Staat sagt, welches der gerechte Preis für Arbeit ist»,
sagte der stellvertretende CDU-Vorsitzende Roland Koch der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Das muss
der Markt tun.» Er werde «mit allen mir zu Gebote stehenden
Möglichkeiten gegen die Einführung eines gesetzlichen
Mindestlohns angehen». Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea
Ypsilanti warf Koch daraufhin ein «unsoziales
Gesellschaftsbild» vor.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warnte vor dem Verlust von
Hunderttausenden Arbeitsplätzen als Folgen eines gesetzlichen
Mindestlohns. «Die Scheinheiligen sind unterwegs», sagte er
im thüringischen Saalfeld. «Mit uns gibt es diesen
einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn nicht.» Sittenwidrige
Löhne könnten dagegen mit der Union sehr wohl verboten werden.
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff mahnte die SPD zur
Kooperation. «Die SPD sollte das Feuer einstellen», sagte
er der «Welt am Sonntag». SPD und Union sollten sich
«bei den Streitthemen so lange zusammenhocken, bis weißer
Rauch aufsteigt, ähnlich wie bei der Papstwahl». Er erwarte
Einigungen zu Kombilohn, Pflegeversicherung und Maßnahmen gegen
Lohndumping, sagte der niedersächsische Ministerpräsident.
DGB-Chef Michael Sommer sagte der «Passauer Neuen Presse»,
«die Signale aus der Union lassen keinen echten Fortschritt
erwarten». Fortschritt wäre nach den Worten Sommers ein
gesetzlicher Mindestlohn von 7,50 Euro in Deutschland in allen
Branchen. Eine Ausweitung des Entsendegesetzes, wie sie die Union unter
Umständen akzeptieren will, könne nur eine flankierende
Maßnahme sein: «Sie hilft nur punktuell in Branchen, in
denen es flächendeckende bundeseinheitliche Tarifverträge
gibt, die man für allgemein verbindlich erklären kann.»
(Quelle: ap)
Klare Mehrheit in Urabstimmung für Streik am Bau
So.17.06.07 - In Deutschland kommt es zu den ersten Streiks auf dem Bau seit
fünf Jahren. In einer Urabstimmung der IG Bau sprachen sich 87,9
Prozent für einen Arbeitskampf aus. Damit steht auf Baustellen in
Niedersachsen und Schleswig-Holstein ein unbefristeter Streik bevor.
Schon ab Montag soll es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Die
Arbeitgeberverbände von Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten
dem in einem Schlichtungsverfahren erzielten Tarifkompromiss nicht
zugestimmt.
In den vergangenen Tagen machte die Gewerkschaft deshalb bereits mit
Warnstreiks Druck. Der unter Vermittlung von
Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erzielte Kompromiss
sieht eine Lohnerhöhung von 3,1 Prozent ab Juni und eine weitere
von 1,5 Prozent ab April 2008 vor. Ab September 2008 sollten die
Löhne erneut um 1,6 Prozent steigen.
(Quelle: afp)