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Irak am tausendvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Blair verzweifelte offenbar angesichts US-Planung für
Nachkriegs-Irak. Oberbefehlshaber General Petraeus rechnet mit
längerem US-Einsatz im Irak. Drei US-Soldaten im Irak
getötet
Mo.18.06.07 - Der britische Premierminister Tony Blair hat nach einem Zeitungsbericht
verzweifelt reagiert angesichts mangelhafter US-Planung für die
Nachkriegszeit im Irak. Die Zeitung «The Observer» zitierte
am Sonntag den früheren britischen Gesandten im Irak, Jeremy
Greenstock, mit den Worten, der Premierminister habe sich «die
Haare gerauft».
Die Bemerkung stamme aus einer Dokumentation über Blairs Jahrzehnt
an der Macht, die in der kommenden Woche von Kanal 4 gezeigt werden
solle, berichtete die Zeitung. Die Dokumentation wird präsentiert
von Andrew Rawnsley, dem Chefkorrespondenten des
«Observers». Dem Zeitungsbericht zufolge sagte der
amtierende britische Botschafter in Washington, David Manning, Blair
habe sich bereits im März 2002 Sorgen um die Planungen für die
Stabilisierung und den Wiederaufbau des Iraks gemacht. Er wolle nicht
sagen, dass in den USA nicht über diese Themen nachgedacht worden
sei, erklärte Manning weiter. Er habe jedoch keine Beweise
gesehen, dass diese Dinge sorgfältig geplant worden seien.
Manning besuchte auf Wunsch von Blair im März 2002 Washington und
sandte dem Premierminister nach seiner Rückkehr ein Memo, in dem er
warnte: «Es besteht ein reales Risiko, dass die Regierung die
Schwierigkeiten unterschätzt.» Blairs Büro wollte sich
vor der Ausstrahlung nicht zu der Dokumentation äußern.
Die USA müssen sich nach Einschätzung von Oberbefehlshaber
General David Petraeus auf einen längeren Militäreinsatz im
Irak einstellen. Eine Situation wie die derzeitige im Irak «wird
nicht in einem oder auch in zwei Jahren gelöst», sagte
Petraeus am Sonntag in Bagdad. Das Land stehe zahlreichen
Herausforderungen gegenüber, und «normalerweise, ich glaube
historisch, dauerten Einsätze gegen Aufständische mindestens
neun oder zehn Jahre». Nach einer Verstärkung ihrer Truppen
starteten die USA am Wochenende eine neuen Offensive gegen
Aufständische in Bagdad. Sie richtet sich Petraeus zufolge gegen
mutmaßliche Stützpunkte von Al Kaida.
Im Irak sind am Wochenende drei weitere drei US-Soldaten bei
Anschlägen ums Leben gekommen, wie die Streitkräfte am
Sonntag mitteilten. Zwei Soldaten wurden am Samstag bei Bagdad
getötet, als in der Nähe ihres Fahrzeugs ein Sprengsatz
explodierte. Ebenfalls am Samstag riss die Detonation einer Bombe im
nordirakischen Provinz Kirkuk einen Soldaten in den Tod. Damit stieg
die Zahl der US-Militärangehörigen, die seit Beginn des
Irak-Kriegs ums Leben gekommen sind, nach einer Zählung der
Nachrichtenagentur AP auf 3.524.
boa, (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 18.06.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.18.06.06 - Bei erneuten Anschlägen und Überfällen fast 40 Tote +++
US-Soldat bei Angriff südlich von Bagdad getötet +++
US-Verbündete planen baldigen Truppenrückzug aus dem Irak +++
Konferenz zur Sicherheit im Irak im Juli im Iran...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606180.htm#news
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.07.06.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
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Afghanistan: 35 Polizisten bei Anschlag auf Bus in Kabul getötet
Mo.18.06.07 - Beim bisher blutigsten Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul
seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 sind nach Polizeiangaben 35
Menschen getötet worden. Laut dem Polizeichef von Kabul,
Esmatullah Dawlazai sprengte sich ein Selbstmordattentäter
während in einem Bus in die Luft, der Polizeianwärter und
-ausbilder zur Polizeischule bringen sollte. Die meisten Todesopfer
waren demnach Polizisten. Mehr als 50 Menschen wurden laut Polizei
verletzt, darunter auch ein südkoreanischer und zwei japanische
Passanten.
Nach Angaben eines Reporters der Nachrichtenagentur AFP explodierte der
Bus vor der Polizeizentrale in einem belebten Teil Kabuls ganz in der
Nähe eines Marktes. Er wurde durch die Wucht der Detonation
völlig zerstört, zwei Minibusse in der Nähe wurden schwer
beschädigt. Der Anschlagsort bot ein grauenhaftes Bild.
Überall lag Blut, selbst in den Bäumen hingen abgerissene
Körperteile. Der bisher schwerste Anschlag in der afghanischen
Hauptstadt liegt fast fünf Jahre zurück - im September 2002
waren bei der Explosion einer Autobombe 30 Menschen getötet worden.
Zu dem Anschlag am Sonntag bekannten sich die Talibanrebellen. Der
Selbstmordattentäter habe im Auftrag der radikalislamischen
Bewegung gehandelt, sagte ein Sprecher. Ob tatsächlich die Taliban
dahinter stehen, ließ sich zunächst nicht
überprüfen. Laut US-Major Sheldon Smith von den
US-geführten Koalitionstruppen in Afghanistan sind Vertreter der
afghanischen Sicherheitskräfte Hauptzielscheibe der Taliban.
Es ist der fünfte Anschlag auf Konvois mit Sicherheitskräften
seit drei Tagen. Erst am Samstag waren bei einem Selbstmordanschlag in
Kabul vier Menschen getötet und mindestens sechs weitere verletzt
worden. Nach Angaben der Polizei sprengte sich zunächst ein
Selbstmordattentäter mit seinem Auto in der Nähe eines Konvois
der Internationalen Afghanistan-Truppe (ISAF) in die Luft; dabei wurden
drei afghanische Zivilisten getötet. Unter den Verletzten war ein
ausländischer Soldat. Laut Polizei erschossen US-Soldaten
anschließend "versehentlich" einen Passanten, ein weiterer wurde
verletzt.
(Quelle: afp)
Ex-Militärseelsorger bestätigt Misshandlungen in Guantanamo
Mo.18.06.07 - Ein ehemaliger US-Armeeangehöriger hat Misshandlungen im
Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba bestätigt. Spezielle Teams
hätten willkürliche Strafaktionen gegen Gefangene
vorgenommen, sagte der einstige US-Militärseelsorger James Yee,
der auch den aus Bremen stammenden Gefangenen Murat Kurnaz betreut
hatte, in der Aufzeichnung der ARD-Sendung "Beckmann". Die Wärter
hätten sich Vorwände ausgedacht, damit die so genannten
IRF-Teams (Immediate Reaction Force) gekommen seien, um die Gefangenen
zu verprügeln, sagte Yee, der damals den Rang eines Captains hatte.
Die Zustände in der Isolationshaft seien menschenverachtend
gewesen. "Das sind auf jeden Fall die schlimmsten Bedingungen in
Guantánamo." Deshalb würden die entsprechenden
Hafträume vor der Weltöffentlichkeit geheim halten.
Journalisten und andere Besucher bekämen diese Räume nicht zu
sehen.
Yee traf in der Sendung nun auch Kurnaz wieder. Murat Kurnaz habe er
vor der Sendung "sofort" erkannt, auch wenn der
türkischstämmige Bremer heute "viel kräftiger und
stärker" aussehe. Die meisten Inhaftierten seien sehr schwach
gewesen.
Alle Missstände hat Yee laut eigener Aussage einst seinen
Vorgesetzten gemeldet - worauf er selbst ins Visier der US-Armee
geraten sei: "Als ich diese Sachen gesehen habe, habe ich das
natürlich bei meinem Kommandeur angesprochen", sagte Yee. "Ich
denke, das war einer der Gründe, warum ich selbst unter Verdacht
geriet und zum Ziel wurde." Nach zehn Monaten Dienst im Gefangenlager
wurde Yee unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet. Doch die Anklage
erwies sich als haltlos. Im Januar 2005 wurde er ehrenhaft aus der
US-Armee entlassen.
Kurnaz war 2001 nach Pakistan gereist, dort festgenommen und
US-Militärs übergeben worden. Er wurde erst in Afghanistan
festgehalten und saß danach mehr als vier Jahre lang im
US-Gefangenenlager Guantanamo - ohne Beweis für ein Vergehen. Erst
nachdem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang 2006
den Fall bei einem Besuch in den USA angesprochen hatte, kam der heute
24-Jährige am 24. August 2006 frei. Nach fast fünf Jahren
kehrte Kurnaz nach Deutschland zurück.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Lage spitzt sich weiter zu - Raketenangriffe aus dem Libanon auf einen
Ort im Norden Israels. Spaltung der Palästinensergebiete faktisch
vollzogen. Notstandsregierung in Palästinensergebieten eingesetzt.
Präsident Abbas verbietet bewaffnete Kräfte
der Hamas
Mo.18.06.07 - Die Lage im Nahen Osten hat sich am Sonntag weiter zugespitzt. Erstmals
seit dem Libanon-Krieg im vergangenen Sommer erschütterten
Raketenangriffe aus dem Libanon einen Ort im Norden Israels.
Nach libanesischen Angaben feuerten militante Palästinenser
insgesamt drei Raketen auf Israel ab. Eine vierte Rakete sei vor dem
Abschuss entdeckt worden. Die Katjuscha-Raketen seien in Kiriat Schmona
an der Grenze zum Libanon eingeschlagen, sagte ein Armeesprecher in Tel
Aviv. Es habe keine Verletzten gegeben. Die Raketen hätten aber
Sachschaden angerichtet.
Die israelische Außenministerin Zipi Liwni forderte die
libanesische Regierung auf, die Kontrolle in dem Grenzstreifen zu
übernehmen. Sie sagte, Libanon müsse «volle
Souveränität» ausüben. Die im Libanon stationierte
UN-Friedenstruppe UNIFIL forderte sie auf, weitere Zwischenfälle
dieser Art zu verhindern. Der israelische Ministerpräsident Ehud
Olmert traf am Sonntag in New York mit UN- Generalsekretär Ban Ki
Moon zu Beratungen über die dramatische Entwicklung im
Gazastreifen zusammen.
Die Spaltung zwischen dem Westjordanland und dem Gazastreifen ist am
Wochenende faktisch vollzogen worden. Der palästinensische
Präsident und Fatah-Vorsitzende Mahmud Abbas vereidigte am Sonntag
ein Notstandskabinett unter dem Finanzexperten Salam Fajjad. Die
radikalislamische Hamas, die ihre Machtposition im Gazastreifen weiter
ausbaute, erklärte diese Regierung umgehend für illegal. Abbas
wiederum verfügte ein Verbot der Hamas-Milizen.
Fajjad versprach nach seiner Vereidigung, das Chaos zu beenden und die
Sicherheit aller Palästinenser zu garantieren. Den Menschen im
Gazastreifen ließ er die Botschaft zukommen, dass sie «in
seinem Herzen» seien. Die Regierungsmitglieder traten ihre
Ämter ohne die von der Verfassung vorgeschriebene Billigung des
Parlaments an, das von der Hamas dominiert wird. Abbas hatte dies am
Samstagabend mit einem Notstandsdekret ermöglicht.
Am Sonntag folgte der Erlass, der die Milizen der Hamas
einschließlich ihrer Exekutiv-Einheit für illegal
erklärte. Bei der Exekutiv-Einheit handelt es sich um die
Sicherheitstruppe, die die Hamas-Regierung von Ismail Hanija als
Konkurrenz zu den von Abbas kontrollierten Sicherheitskräften
aufgestellt hatte. Diese Truppe war maßgeblich am Sieg der Hamas
über die Fatah im Gazastreifen beteiligt.
Die Europäische Union sowie die Vereinigten Staaten sagten der
neuen palästinensischen Regierung ihre Unterstützung zu.
Deutschlands Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier regte
nach Angaben des Auswärtigen Amts in einem Telefonat mit Fajjad ein
Treffen an, sobald die Verhältnisse dies zuließen. Eine
Sprecherin des EU-Außenbeauftragten Javier Solana sagte, die Union
werde Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit mit
Fajjad ausloten.
Der US-Generalkonsul in Jerusalem, Jacob Walles, stellte Abbas ein Ende
des Finanzboykotts in den nächsten Tagen in Aussicht. Die USA,
Europa, Israel und mehrere arabische Staaten würden die neue
Regierung unterstützen, sagte Walles. Zuvor hatte der israelische
Ministerpräsident Ehud Olmert bereits die Freigabe von
eingefrorenen Steuergeldern in Aussicht gestellt. Olmert wertete die
Bildung einer palästinensischen Regierung ohne die Hamas als
Möglichkeit für neue Bewegung im Nahost-Friedensprozess. Eine
Regierung ohne die radikalislamische Hamas sei eine Gelegenheit für
den Frieden, wie Israel sie schon lange nicht mehr gehabt habe, sagte
Olmert vor seinem Abflug zu einem Treffen mit US-Präsident George
W. Bush nach Washington. Seine Regierung werde sehr hart daran
arbeiten, um diese Chance zu nutzen, betonte Olmert vor Journalisten.
Nach israelischen Medienangaben wollen Bush und Olmert am Dienstag eine
Reihe von «Gesten» zur Unterstützung von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und seiner
Notstandsregierung diskutieren.
Wie die israelische Zeitung «Haaretz» in ihrer
Internetausgabe am frühen Sonntagmorgen unter Berufung auf
israelische Regierungsbeamte schrieb, könnte Israel bereit sein,
zwischen 300 und 400 Millionen Dollar (226 Millionen und 299 Millionen
Euro) an gesperrten Steuereinnahmen an die Übergangsregierung des
neuen Ministerpräsidenten Salam Fajad zu überweisen. Olmert
wolle jedoch abwarten, ob sich die Regierung als stabil erweise.
Israel nimmt im Monat rund 50 Millionen US-Dollar an Steuern ein, weil
palästinensische Güter nur über israelische Grenzen in
die Palästinensergebiete gelassen werden. Die Überweisung
dieser Einnahmen war gestoppt worden, nachdem die Hamas im Januar 2006
die palästinensische Parlamentswahl gewonnen hatte.
Israel will den Gazastreifen nach der gewaltsamen Machtübernahme
der Hamas weiter isolieren. Der israelische Rundfunk meldete unter
Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise, man wolle eine Lage schaffen,
in der «die Hamas-Einheit nicht existieren kann». Israel
müsse daher den Schmuggel von Waffen und Munition sowie den
Transport internationaler Hilfsgüter sowie Gelder in das
Palästinensergebiet am Mittelmeer verhindern. Es werde keinen
Dialog mit Hamas-Repräsentanten geben, solange diese das
israelische Existenzrecht ablehnten.
Am Samstag stürmten hunderte Fatah-Kämpfer Einrichtungen der
Hamas in Ramallah und zementierten damit ihre Vormachtstellung im
Westjordanland. Sie drangen unter anderem ins Parlamentsgebäude von
Ramallah vor und hissten auf dem Dach die Fahne ihrer Organisation. Im
Gazastreifen wiederum ernannte die Hamas eine neue Führung der
Sicherheitskräfte. So ersetzte Hanija alle Fatah-nahen Kommandeure.
Bei Rachefeldzügen kamen mindestens zehn Menschen ums Leben.
Hamas-Kämpfer sprengten das Haus eines prominenten Fatah-Mitglieds
in die Luft und plünderten auch das Haus des früheren
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat in Gaza.
Beobachter werteten dies als Versuch, nach dem Sieg der Hamas auch das
höchste Symbol der geschlagenen Fatah zu zerstören. Ebenso
wurde das Haus des früheren Sicherheitschefs Mohammed Dahlan
geplündert, der sich ins Westjordanland geflüchtet hat.
Die Bevölkerung des Gazastreifens versuchte derweil, sich mit den
notwendigsten Lebensmitteln einzudecken, da Engpässe zu
befürchten waren. Das israelische Unternehmen Dor Alon stoppte
seine Benzinlieferungen an Tankstellen im Gazastreifen. Ausgenommen war
einer Unternehmenssprecherin zufolge das Elektrizitätswerk in Gaza.
Hunderte Palästinenser versuchten, angesichts des allgemeinen
Chaos nach Israel zu gelangen, doch nur einige wenige durften einreisen.
boa, (Quellen: ap, dpa)
Saudiarabien: Golfstaaten keine Basis für US-Angriff auf Iran
Mo.18.06.07 - Die arabischen Golfstaaten wollen nach saudischen Angaben nicht als
Basis für einen US-Angriff auf den Iran zur Verfügung stehen.
Wenn der Iran nicht zur Quelle des Leides für seine Nachbarstaaten
werde, werde dies auch umgekehrt nicht der Fall sein, sagte der
saudiarabische Innenminister Prinz Najef bin Abdul-Asis am Samstagabend
der staatlichen Nachrichtenagentur SPA zufolge. Er spreche im Namen des
Golf-Kooperationsrats, dem Kuwait, Katar, Bahrain, die Vereinigten
Arabischen Emirate und der Oman angehören.
Der Innenminister drängte den Iran zur Auslieferung
saudiarabischer Staatsbürger, die der Umsturzversuche in dem
Königreich verdächtigt werden. Zudem rief er die Regierung in
Teheran auf, sich nicht in irakische Angelegenheiten einzumischen.
(Quelle: rtr)
Verhandlungen über EU-Verfassung festgefahren
Mo.18.06.07 - Wenige Tage vor dem Brüsseler EU-Gipfel sind die Verhandlungen
über eine europäische Verfassung festgefahren. Deutschlands
Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte am Wochenende bei separaten
Treffen mit ihren ärgsten Widersachern, dem polnischen
Präsidenten Lech Kaczynski und dem tschechischen
Ministerpräsidenten Mirek Topolanek, keine Annäherung
erzielen.
«Bis jetzt bleiben wir beide bei unseren Positionen», sagte
Kaczynski nach dem Gespräch mit der EU-Ratspräsidentin auf
Schloss Meseberg bei Berlin. Er teile allerdings mit Merkel die
Überzeugung, dass man bei dem am Donnerstag beginnenden Gipfel
einen Erfolg erzielen müsse.
Wie Kaczynski hielt auch Topolanek nach dem Gespräch mit Merkel an
seiner Fundamentalkritik fest. «Wir unterstützen den
polnischen Beitrag in Bezug auf die Stimmumrechnung», sagte er
vor seiner Abreise.
Merkel hatte zuvor nochmals an alle Mitgliedstaaten appelliert, den Weg
zu einem neuen Grundlagenvertrag für die Europäische Union
freizumachen. Dafür werde die Kompromissbereitschaft aller
notwendig sein, sagte sie.
Nach ihren Gesprächen in Meseberg reiste die Kanzlerin nach
Luxemburg, wo sie am Sonntagabend Ministerpräsident Jean-Claude
Juncker traf, der zum Lager der Befürworter des
Verfassungsentwurfs zählt.
Polen hat dagegen damit gedroht, den neuen Anlauf zu einem
Grundlagenvertrag platzen zu lassen. Warschau lehnt vor allem das im
Vertragstext vorgesehene Abstimmungsverfahren ab. Danach müssen
einem EU-Beschluss 55 Prozent der EU-Staaten zustimmen, die zudem 65
Prozent der Gesamtbevölkerung vertreten. Polen will aber einen
Schlüssel nach der Quadratwurzel aus der Bevölkerungszahl
durchsetzen und erhofft sich so mehr Einfluss.
«Ich habe der Frau Kanzlerin gesagt, dass die von uns
vorgeschlagene Lösung bereits ein Kompromiss ist», sagte
Kaczynski in einer vom polnischen Sender TVN24 ausgestrahlten
Stellungnahme zu seinem Treffen mit Merkel. Die
Gesprächsatmosphäre sei gut gewesen. «Es gab keine
Drohungen oder Erpressungsversuche gegen Polen, wie wir sie in vielen
früheren Gesprächen hinnehmen mussten», sagte
Kaczynski, ohne näher auf die Vorwürfe einzugehen.
Anders als Kaczynski will Topolanek allein wegen der Stimmverteilung
auf dem EU-Gipfel kein Veto einlegen, wie er nach seinem Gespräch
mit Merkel deutlich machte. Von seinem Vetorecht würde Tschechien
nur «in zwei Fällen» Gebrauch machen, sagte Topolanek:
Wenn «man wieder auf den Grundgedanken des Verfassungsvertrags
zurückgreifen würde» oder wenn einzelne Staaten
Sondervorteile für sich allein aushandeln sollten.
Einverstanden erklärte sich Topolanek mit der Überlegung, die
im Verfassungsentwurf enthaltene Grundrechtecharta durch einen
rechtsverbindlichen Verweis zu ersetzen. Damit wäre das bereits
Ende 2000 unterzeichnete Dokument zwar nicht mehr im künftigen
EU-Vertrag enthalten, würde aber endlich rechtskräftig.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte das
polnische Verhalten in der «Süddeutschen Zeitung»
nicht hilfreich. «Bitte setzt Europa nicht aufs Spiel»,
mahnte er.
Merkel betonte in einem im Internet verbreiteten Video, der neue
EU-Vertrag sei notwendig, um die Handlungsfähigkeit Europas zu
gewährleisten. Die Europäische Union dürfe sich nicht zu
lange mit sich selbst beschäftigen. «Wenn wir nächste
Woche in diesem Geist an die Arbeit gehen, dann hoffe ich, dass wir
auch zu einem Ergebnis kommen», sagte Merkel.
(Quelle: ap)
Zweite Runde der Parlamentswahl in Frankreich - Sarkozy-Lager verliert
Zweidrittelmehrheit
Mo.18.06.07 - Die konservative Koalition von Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat
bei der Parlamentswahl in Frankreich überraschend ihre
Zweidrittelmehrheit verloren. Die UMP und ihre Verbündeten mussten
rund 50 Sitze an die Sozialisten abtreten. In der neuen
Nationalversammlung stehen sich das rechte und das linke Lager nun mit
340 zu 234 Mandaten gegenüber.
Sarkozy ist damit schon zur Umbildung seiner neuen Regierung gezwungen:
Der bisherige Superminister für Umwelt und Energie, Alain
Juppé, verlor seinen Wahlkreis in Bordeaux und tritt deswegen
zurück, wie er am Sonntagabend ankündigte. Premierminister
François Fillon sprach dennoch von einer «klaren Wahl, die
dem Präsidenten die Umsetzung seines Reformprogramms
ermöglicht».
Die Sozialistische Partei (PS) konnte gegenüber 2002 mehr als 60
Wahlkreise dazuerobern. «Die Franzosen haben eine starke
Gegenkraft gewählt», freute sich die unterlegene
PS-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal.
Außer dem UMP-Koalitionspartner Neues Zentrum (20 Sitze)
verpassten alle übrigen kleinen Parteien die
Fraktionsgröße deutlich. Die Kommunisten landeten bei rund
15 Sitzen. Die Grünen eroberten vier, die neue Zentrumspartei
Modem von Zentrumspolitiker François Bayrou drei Mandate. Die
rechtsradikale Nationale Front von Jean-Marie Le Pen ging wie in der
letzten Wahl leer aus.
Im ersten Wahlgang vor einer Woche hatte die UMP 39,6 Prozent der
Stimmen erreicht, das beste Ergebnis einer einzelnen Partei seit der
Ära de Gaulle. Diesmal erreichte die Präsidentenparte nur
knapp 315 Sitze und musste damit etwa 45 Mandate abgeben. Ersten
Analysen zufolge lag dies unter anderem an der geringen Wahlbeteiligung
von knapp 60 Prozent.
(Quelle: ap)
Deutschland
SPD uneins über Koalitionsstrategie
Mo.18.06.07 - In der SPD bahnt sich eine Auseinandersetzung über die
Koalitionsaussage für die Bundestagswahl 2009 an. Während
Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Fortsetzung der
großen Koalition am Wochenende nicht ausschloss, sprach sich
SPD-Fraktionschef Peter Struck für Rot-Grün oder eine
Ampelkoalition mit der FDP aus. «Nur bitte keine Neuauflage der
großen Koalition», sagte Struck der
«Bild»-Zeitung. «Das wäre nicht gut für die
Demokratie.»
Steinmeier hatte sich zuvor in der «Bild am Sonntag»
dafür ausgesprochen, die Option einer großen Koalition auch
für die Zeit nach 2009 offen zu halten. «Ich gehöre
nicht zu denen, die das kategorisch ausschließen», sagte
der designierte stellvertretende SPD-Vorsitzende.
Als Kanzlerkandidaten wünsche er sich den Parteivorsitzenden Kurt
Beck. Steinmeier warnte davor, Beck zu unterschätzen.
«Angela Merkel wurde 2003 ähnlich scharf herabgewürdigt
wie jetzt zu Unrecht Kurt Beck», betonte er. «Zwei Jahre
später war sie Kanzlerin.» Beck sei in Rheinland-Pfalz,
einem traditionellen CDU-Land, immer wieder mit großen Mehrheiten
zum Ministerpräsidenten gewählt worden, betonte Steinmeier.
Als Ziel für die SPD bei der nächsten Bundestagswahl gab der
Außenminister ein Ergebnis von über 40 Prozent aus.
«Ich bin sicher, dass uns das gelingt, weil sich Aufrichtigkeit
und Geradlinigkeit auszahlen werden.»
(Quelle: ap)
Steinmeier - Arbeitnehmer müssen mehr vom Aufschwung profitieren
Mo.18.06.07 - Angesichts der florierenden Konjunktur hat der designierte
SPD-Vizevorsitzende Frank-Walter Steinmeier höhere Löhne in
Deutschland gefordert.
"Jetzt, wo die Wirtschaft brummt, müssen wir aus dem Aufschwung
einen Aufschwung für alle machen", sagte der
Bundesaußenminister der "Bild am Sonntag". "Die Arbeitnehmer haben
jetzt Anspruch auf ein größeres Stück vom erarbeiteten
Kuchen." Auch die Arbeitgeber sollten daran interessiert sein, in den
Tarifverhandlungen die Spielräume für höhere Löhne
zu nutzen.
Die Wirtschaft fahre dank der Reformen der Regierung dicke Gewinne ein,
sagte Steinmeier. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass Millionen
Arbeitnehmer zuvor Lohnsenkungen akzeptiert und auf Urlaubs- und
Weihnachtsgeld verzichtet hätten.
(Quelle: rtr)
Bildschirmarbeit in 80 Prozent aller Unternehmen
Mo.18.06.07 - Die Bedeutung der Bildschirmarbeit nimmt in Deutschland weiter massiv
zu. Einer aktuellen Studie der Fachhochschule Gießen-Friedberg
zufolge wird mittlerweile in circa 80 Prozent aller Betriebe hierzulande
auch an Computern gearbeitet. In 96 Prozent all dieser Fälle
besteht die Aufgabe der Mitarbeiter in der Dateneingabe und
Datenbearbeitung, gefolgt von Textverarbeitung (92 Prozent) sowie
Kommunikation und Informationsbeschaffung (80 Prozent). In 43 Prozent
der befragten Firmen verbringt mindestens die Hälfte der
Belegschaft 30 Stunden pro Woche oder mehr am Computermonitor.
Der ergonomische Schutz der Arbeitnehmer durch die Unternehmen wird
dabei mehrheitlich als hoch eingestuft. Von den befragten
Beschäftigten gaben rund 70 Prozent an, ihr Arbeitgeber achte auf
verträglich eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze, jedoch
klagte jeder Fünfte bei der Befragung über durch
Bildschirmarbeit verursachte Schäden. Doch nur 44 Prozent der
Unternehmen sind gesundheitliche Risiken in diesem Zusammenhang
ausdrücklich bewusst. Als mögliche Probleme, vor denen sie
ihre Arbeitnehmer schützen wollen, sehen sie Augen- und
Rückenbeschwerden, Haltungsschäden und Kopfschmerzen. Zu den
sinnvollsten Arbeitsschutzinitiativen nennen sie mehrheitlich
ergonomisches Mobiliar, arbeitsorganisatorische Maßnahmen sowie
Augenuntersuchungen.
Zu diesem Risikobewusstsein sind die Unternehmen allerdings gesetzlich
gezwungen: Die seit 1996 geltende Bildschirmarbeitsverordnung verlangt
von ihnen die gesundheitliche Beurteilung ihrer Arbeitsplätze.
Zudem müssen sie ihre Beschäftigten im Verhalten am
Bildschirmarbeitsplatz schulen.
(Quelle: yahoo-Nachrichten)