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Irak am tausendeinhundertundachtunddreißigsten Tag nach
Erlangung der formellen Souveränität
Weltsicherheitsrat erweitert UN-Mandat im Irak. Mindestens acht Tote
bei Bombenanschlag in Kirkuk
Sa.11.08.07 - Der Weltsicherheitsrat hat am Freitag einstimmig eine Resolution zur
Ausweitung des UN-Mandats im Irak verabschiedet. Oberste Ziele sind die
Förderung einer nationalen Aussöhnung, Unterstützung von
Seiten der Nachbarländer und ein Vorgehen gegen die zunehmend
prekäre humanitäre Lage im Irak.
Die Resolution erlaubt es den Vereinten Nationen, sich auf Bitten der
irakischen Regierung für politische Gespräche zwischen den
verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen im Land ebenso
einzusetzen wie für einen regionalen Dialog unter anderem
über die Sicherheit an Grenzen, Energieversorgung und die Lage der
Flüchtlinge. Die USA und Großbritannien, die mit den
größten Truppen-Kontingenten im Irak vertreten sind, haben
sich für eine größere Rolle der Vereinten Nationen dort
ausgesprochen.
Bei der Explosion einer Autobombe im nordirakischen Kirkuk sind am
Freitag mindestens acht Menschen getötet worden. Bei dem Anschlag
auf einem belebten Markt in einem vorwiegend von Kurden bewohnten
Stadtteil gab es zudem 45 Verletzte, wie die Polizei mitteilte.
Landesweit fielen der Gewalt mindestens 15 Menschen zum Opfer.
Relativ ruhig blieb es in Bagdad. Dort verhängten die
Behörden ein Fahrverbot, um Anschläge an einem schiitischen
Fest zu verhindern. Hunderttausende Gläubige begannen am Freitag
mit der Heimfahrt. Sie waren zu einer Moschee im Norden der irakischen
Hauptstadt gepilgert, wo sich die Grabstätte eines Imams aus dem
achten Jahrhundert befinden soll, Mussa Ibn Dschaafar al Kadhim. Vor
zwei Jahren waren bei einer Massenpanik an einer Brücke mehr als
1.000 Menschen getötet worden.
Südlich von Bagdad wurde ein Hubschrauber der US-Streitkräfte
zur Notlandung gezwungen. Zwei US-Soldaten wurden verletzt. Der Vorfall
ereignete sich nahe der überwiegend von Sunniten bewohnten Stadt
Jussifija. US-geführte Truppen sicherten den Hubschrauber, wie die
Streitkräfte mitteilten. In irakischen Militärkreisen
hieß es, der Helikopter sei gegen einen Strommast geflogen.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 11.08.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am siebenhundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.11.08.06 - Selbstmordattentäter richtet Blutbad in der irakischen
Pilgerstadt Nadschaf ein Blutbad an. Nach Angaben von
Krankenhausärzten und Augenzeugen starben 41 Menschen, als der
Mann auf einem Markt zwei Sprengsätze zündete...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0608110.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.07.06.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits fast 3.500 US-Soldaten das Leben gekostet.
Mit dem Tod von vier amerikanischen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl
nach Zählung der Nachrichtenagentur AP auf 3.498.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
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Afghanistan: Taliban setzen Morddrohung gegen südkoreanische
Geiseln aus
Sa.11.08.07 - Die Taliban wollen nach eigenen Angaben bis zur Aufnahme direkter
Verhandlungen mit Diplomaten aus Südkorea keine der 21 Geiseln aus
diesem Land töten. Taliban-Sprecher Kari Jussef Ahmadi sagte am
Freitag, die Entscheidung der Regierung in Seoul zum Abzug aller
Hilfsorganisationen aus Afghanistan habe eine positive Wirkung auf die
bislang nur telefonisch geführten Verhandlungen.
Die Entführer haben mehrfach mit der Ermordung ihrer Geiseln
gedroht. Die ursprünglich 23 Südkoreaner wurden am 19. Juli
während einer Busfahrt von Kabul nach Kandahar überfallen und
verschleppt. Zwei von ihnen wurden danach getötet. Die
südkoreanische Regierung hat direkte Verhandlungen mit den Taliban
vereinbart. Beide Seiten konnten sich aber bislang noch nicht auf einen
Ort dafür verständigen.
Bei Kämpfen mit Taliban-Rebellen in der afghanischen Provinz
Helmand wurden nach Angaben der von den USA geführten
Koalitionstruppen mindestens zehn Kämpfer getötet. Dabei gab
es auch mehrere Luftangriffe.
Helmand ist das Hauptanbaugebiet für Schlafmohn in Afghanistan.
Die US-Regierung stellte am Donnerstag ein neues Programm zur
Eindämmung der Opium-Produktion vor. Dabei sollen
Regionalbehörden, die etwas gegen den Anbau von Schlafmohn
unternehmen, mit insgesamt 50 bis 60 Millionen Dollar (36 bis 44
Millionen Euro) Entwicklungshilfe unterstützt werden. In Regionen
wie der Provinz Helmand sollen die Mohnfelder aber auch gegen den Willen
der Bauern zerstört werden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israels Verteidigungsminister schließt rasches Abkommen mit
Palästinensern aus
Sa.11.08.07 - Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak schließt nach
einem Zeitungsbericht eine rasche Einigung mit den Palästinensern
aus. Damit ging der Parteichef des wichtigsten Koalitionspartners von
Ministerpräsident Ehud Olmert auch auf Distanz zu Plänen der
USA, den Nahost-Friedensprozess durch baldige Gespräche über
eine endgültige Lösung voranzubringen.
Eine schnelle Übereinkunft sei Fantasie, zumal die
Palästinenserführung ein Abkommen nicht durchsetzen
könne, zitierte das Massenblatt "Jedioth Ahronoth" am Freitag
Äußerungen Baraks. Er werde nicht Olmerts Pläne
umsetzen, als Geste an die Palästinenser einige der mehreren
hundert Kontrollpunkte im Westjordanland zu beseitigen. Baraks Büro
dementierte den Bericht nicht, erklärte aber, neben der Sicherheit
Israels messe der Minister dem politischen Prozess unverändert
Bedeutung zu. Ein Sprecher Olmerts wollte sich nicht zu den Angaben
äußern.
Ein Friedensvertrag sei in den kommenden drei bis fünf Jahren
nicht möglich, sagte Barak dem Bericht zufolge. Solange werde es
dauern, bis Israel Mittel gegen die palästinensischen
Raketenangriffe gefunden habe, die vom Gazastreifen aus verübt
werden. Die entscheidende Frage sei, ob
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und der im Westjordanland
regierende Ministerpräsident Salam Fajad in der Lage seien, ein
Abkommen durchzusetzen. Baraks Antwort auf diese Frage laute Nein,
hieß es in der "Jedioth Ahronoth".
Dem Zeitungsbericht zufolge lehnte Barak gegenüber
US-Außenministerin Condoleezza Rice, dem Nahost-Beauftragten Tony
Blair und Fajad den Abbau von Straßensperren ab. Für ihn habe
die Sicherheit Israels höchste Priorität, zitierte das Blatt
den Chef der Arbeitspartei. Abbas' Berater Saeb Erekat sagte am
Freitag, den Palästinensern sei angekündigt worden, dass Barak
in der kommenden Woche einen Plan zum Abbau von Kontrollpunkten
vorlegen werde.
Olmert und Abbas hatten am Montag erstmals über die
Rahmenbedingungen für einen Palästinenser-Staat beraten. Bei
dem Treffen äußerte Olmert die Hoffnung auf baldige
Friedensverhandlungen. Umfassende Gespräche über eine
Friedenslösung sollen Abbas nicht zuletzt im Machtkampf mit der
islamistischen Hamas stärken, die im Mai die Herrschaft im
Gazastreifen an sich gerissen hat.
(Quelle: rtr)
Ärzte ohne Grenzen besorgt über Lage in Darfur und Tschad
Sa.11.08.07 - Mit großer Sorge betrachtet die internationale Hilfsorganisation
Ärzte ohne Grenzen die dramatische humanitäre Lage in der
sudanesischen Provinz Darfur und im Tschad. Vier Jahre nach Beginn der
Massaker in Darfur werde die Region noch immer von Gewalt bestimmt,
erklärte die Organisation am Freitag bei der Vorstellung ihres
Jahresberichtes 2006 in Berlin. Fast zwei Millionen Männer, Frauen
und Kinder seien in anhaltender Angst auf der Flucht.
In Darfur und Tschad teilten heute mehr Menschen denn je das Schicksal
von Flucht und Vertreibung. Etwa 230.000 der Flüchtlinge aus Darfur
hätten Schutz im Osten des benachbarten Tschad gesucht,
berichteten die Helfer. Dort harrten sie seit Jahren in riesigen Lagern
aus - mit schwindender Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimat.
In den vergangenen Monaten hätten zudem immer mehr Menschen im
Osten des Tschad ihre Heimatdörfer verlassen müssen. Vor
brutalen Angriffen unterschiedlichster Gruppierungen innerhalb des
Landes seien sie in schnell errichtete Lager geflohen. Derzeit habe sich
die Sicherheitslage zwar etwas stabilisiert, doch die Vertriebenen
seien stark traumatisiert, erklärte die Organisation. Sie
hätten Angst, die Lager zu verlassen, in denen es jedoch nicht
genug Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung gebe.
(Quelle: ap)
US-Immobilienkrise schlägt weltweit Wellen an den Börsen -
Notenbanken verpassen Geldinstituten Finanzspritzen
Sa.11.08.07 - Zur Beruhigung der nervösen Finanzmärkte haben Notenbanken
weltweit den Geldinstituten Finanzspritzen über weit mehr als 200
Milliarden Euro verpasst. In Folge der US-Immobilienkrise pumpte die
Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag zum zweiten Mal innerhalb
von 24 Stunden frisches Geld in den Markt.
Auch die Bank of Japan (BoJ), die US-Notenbank Fed und die australische
Zentralbank stellten den Geschäftsbanken zusätzliche Mittel
bereit. Hintergrund ist ein Liquiditätsengpass der Banken, die
sich wegen mangelnden Vertrauens gegenseitig kaum noch Geld leihen. Die
Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten infolge der
Krise in den USA schickten am Freitag die Aktienbörsen weltweit
auf Talfahrt.
Die EZB stellte den Banken am Freitag rund 61 Milliarden Euro zu einem
Zinssatz von 4,08 Prozent bereit. Dabei griffen 62 Banken zu, das waren
13 mehr als am Vortag, als knapp 95 Milliarden Euro ausgezahlt wurden.
Erstmals seit den Terroranschlagen in den USA vom 11. September 2001
sah sich die Notenbank wieder zu solch einem Notfalleingriff gezwungen.
«Die Europäische Zentralbank beobachtet die Bedingungen auf
dem Euro-Geldmarkt weiterhin genau», bekräftigte die
Notenbank am Freitag ihre Bereitschaft, den Geschäftsbanken bei
Engpässen in der Geldversorgung unter die Arme zu greifen.
Auch die US-Notenbank kündigte an, dass sie alles tun will, um
eine ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit der
Finanzmärkte zu ermöglichen. Sie pumpte seit Donnerstag
insgesamt 59 Milliarden Dollar (43 Mrd Euro) Mittel in den Geldmarkt.
Zwar dämpfte die Geldspritze als gewisses Beruhigungsmittel die
Ängste auf den Märkten. Die weltgrößte Börse
in New York eröffnete am Freitag dennoch schwach. Der
Dow-Jones-Index fiel bis gegen Mittag um 1,08 Prozent auf 13 127,44
Punkte, nachdem das US-Börsenbarometer am Vortag fast drei Prozent
verloren hatte. Volkswirte rechnen in den kommenden Tagen mit weiteren
Aktionen der Notenbanken.
An den Aktienmärkten dominiert die Angst, dass sich die Probleme
am US-Markt für Hypothekenkredite mit schwächerer
Bonität ausweiten könnte. An den asiatischen Börsen in
Tokio, Seoul, Hongkong, Schanghai und Singapur kam es am Freitag nach
Angaben von Händlern zu panikartigen Verkäufen. Die Sorge
über eine Kreditkrise an den Weltmärkten hat auch die
deutschen Aktien am Freitag belastet. Der DAX schloss mit einem Verlust
von 1,48 Prozent bei 7343,26 Punkten. Zeitweise ging es für den
Leitindex bis auf 7293 Zähler runter.
In London versuchte der britische Premierminister Gordon Brown, die
Finanzmärkte zu beruhigen. «Die Märkte sind immer ein
Thema und wir können uns natürlich nicht von den Dingen
isolieren, die in der Welt passieren», sagte er am Freitag,
nachdem der Londoner Aktienindex FTSE 100 zeitweilig um 3,1 Prozent
gefallen war und sich den 6000 Punkten annäherte. Es sei alles
getan worden, um die britische Wirtschaft zu stabilisieren.
Zu massiven Verlusten kam es auch an der asiatischen Leitbörse in
Tokio. Dort verlor der Nikkei (Nachrichten) -Index für 225
führende Werte am Freitag 2,37 Prozent und schloss mit 16 764,09
Punkten. Neben Finanztiteln zählten zu den großen Verlierern
Aktien von Unternehmen, dessen Exporte stark vom US-Markt abhängig
sind. So büßten die Papiere des Automobilherstellers Toyota
sowie des Elektronikkonzerns Samsung stark ein. «Die Sorgen um
die Kreditmärkte verschärfen sich, da die Anteilseigner auf
breiter Front Aktienpositionen auflösen. Besonders global
agierende Hedge-Fonds trennen sich von ihren Papieren»,
erklärte Hiroichi Nishi, Aktienchef von Nikko Cordial Securities.
Den schärfsten Kursabfall in Asien gab es an der Börse in
Seoul, wo der Kospi um vier Prozent auf 1832,08 Punkte einbrach. In
Australien kam es an der Börse in Sydney zum schärfsten
Kursabfall seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.
Trotz der erneuten Finanzspritze der EZB sehen Volkswirte kein Ende der
Zinserhöhungen im Euro-Raum. Die EZB hatte am Donnerstag ihre
Bereitschaft bekräftigt, die Leitzinsen im September auf 4,25
Prozent zu erhöhen - das wäre der höchste Stand seit
sechs Jahren. Zwar könnte die Notenbank nach Einschätzung von
Volkswirten diesen Zinsschritt auch verschieben und auf eine weitere
Erhöhung in diesem Jahr ganz verzichten, wenn sich die Märkte
nicht beruhigen. Viele Experten - etwa bei der Commerzbank - sind
jedoch überzeugt, dass die EZB ihren Zinserhöhungsprozess
nicht stoppen oder gar die geldpolitischen Zügel lockern wird.
Eine schnelle Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) angesichts der
US-Hypothekenkrise gilt unter Fachleuten ebenfalls als unwahrscheinlich.
Die amerikanischen Hypothekenmarkt-Probleme sind inzwischen auch auf
die französische Großbank BNP Paribas und auf andere
europäische Finanzdienstleister übergeschwappt. Es
könnten auch Hypothekenkreditnehmer mit erstklassiger Bonität
in Mitleidenschaft gezogen werden, hieß es an den Börsen.
Deshalb rechnen die meisten Fachleute noch mit einer langen Fortsetzung
der amerikanischen Immobilien- und Baumarktprobleme.
Die Risiken für Verbraucher, die in sogenannte Geldmarktfonds
investiert haben, sind nach Einschätzung des Bundesverbandes
Investment und Asset Management (BVI) «sehr begrenzt». Ein
Sprecher sagte der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX: «Bei reinen
Geldmarktfonds ist schlimmstenfalls mit kurzfristigen
Liquiditätsengpässen zu rechnen.» Hierfür gebe es
bislang aber keine Anzeichen.
(Quelle: dpa)
UNHCR wirft deutschen Behörden Missachtung von Menschenrecht vor -
Beschränkung für Flüchtlinge als unvereinbar mit dem
Völker- und Europarecht kritisiert
Sa.11.08.07 - Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) hat deutschen Behörden
vorgeworfen, mit ihren Auflagen für die Wohnortsuche von
Flüchtlingen gegen mehrere Menschenrechtskonventionen zu
verstoßen. Es sei unvereinbar mit dem Völker- und
Europarecht, anerkannten Flüchtlingen und Personen, die aus
menschenrechtlichen Gründen vor Abschiebung geschützt werden,
die freie Wohnsitzwahl zu verwehren, wenn sie Sozialleistungen
beziehen, hieß es in einer am Freitag verbreiteten Erklärung.
Solche Auflagen würden gegen die Genfer Flüchtlingskonvention
sowie andere Menschenrechtsverträge wie die Europäische
Menschenrechtskonvention (EMRK) und gegen EU-Recht verstoßen. Das
Bundesinnenministerium (BMI) erklärte, dass durch die Auflagen
ungleiche Belastungen der Träger der Sozialleistungen vermieden
werden sollten. «Da in dieser Angelegenheit ein Verfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht anhängig ist, äußert sich das
BMI nicht darüber hinaus», hieß es in einer
Erklärung weiter.
Nach Auffassung des UNHCR kann laut Flüchtlingskonvention die
Freizügigkeit nur dann beschränkt werden, wenn die
entsprechende Regelung gleich für alle Ausländer in
Deutschland mit ähnlichem Aufenthaltstitel gelten würde, was
aber nicht der Fall sei. Darüber hinaus seien nach der EMRK
Beschränkungen nur unter eng gefassten Bedingungen zulässig,
etwa um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, Verbrechen
zu bekämpfen oder zum Schutz der Gesundheit.
Hintergrund der Stellungnahme ist die in vielen Bundesländern
gängige Praxis, anerkannten Flüchtlingen und vor Abschiebung
geschützten Personen einen Wohnsitz nur in dem jeweiligen
Bundesland, dem Bezirk oder dem Landkreis zu ermöglichen, in denen
die Aufenthaltserlaubnis ausgestellt wurde. «Selbst eine
entsprechende Beschränkung auf einzelne Gemeinden hat es
mancherorts schon gegeben», monierte die UN-Organisation.
Begründet werde dies durch das Ziel, eine unkontrollierte
Binnenwanderung von ausländischen Sozialhilfe-Empfängern zu
verhindern. Vermieden werden soll so eine Verschiebung der hierdurch
entstehenden Kosten bei Ländern und Gemeinden.
Das UNHCR wies darauf hin, welch schwerwiegender Eingriff die
Beschränkung der Wohnsitzfreiheit für die Betroffenen
bedeute. Die Maßnahme könne im Einzelfall lebenslang greifen.
(Quelle: ap)
Keine Lokführerstreiks bis Ende August
Sa.11.08.07 - Entspannung im Tarifkonflikt bei der Bahn: Bis mindestens 27. August
wird die Lokführergewerkschaft GDL auf Streiks verzichten. GDL und
Deutsche Bahn AG einigten sich am Freitag vor dem Nürnberger
Arbeitsgericht auf einen entsprechenden Vergleich. Im Gegenzug sind
alle Streikverbote aufgehoben. Zudem verzichtet das Unternehmen
während dieser Zeit auf Bestrafungen von Mitarbeitern wegen der
bereits erfolgten Streiks. Alle noch anstehenden Gerichtstermine wurden
ausgesetzt. Das Mediationsverfahren soll Anfang kommender Woche
beginnen.
Beide Seiten einigten sich nach mehr als vierstündiger Verhandlung
vor dem Arbeitsgericht. Die Gewerkschaft hatte Widerspruch gegen eine
am Mittwoch von Richterin Silja Steindl erlassene einstweilige
Verfügung eingelegt, die der GDL bundesweit Streiks im Güter-
und Fernverkehr verboten hatte.
Die Frist des nun beschlossenen Vergleichs werde auf jeden Fall auch
dann eingehalten, wenn die Mediation vorher abgebrochen werde,
hieß es. Wenn das Mediationsverfahren länger als bis zum 27.
August dauere, werde auch der Vergleich länger gelten.
Gleichzeitig werden alle arbeitskampfbezogenen Hauptsacherverfahren
«terminlos gestellt», das heißt, es gibt vorerst
keine Gerichtsverhandlungen. Sämtliche bereits erlassenen
einstweiligen Verfügungen gegen beide Seiten sind zudem mit dem
Vergleich hinfällig geworden.
GDL-Chef Manfred Schell und Bahn-Verhandlungsführer Werner
Bayreuther zeigten sich nach der Verhandlung zufrieden mit dem
Ergebnis. Beide Seiten setzen nun auf das Mediationsverfahren. Am
Donnerstag hatten sich Bahn und GDL auf den früheren
CDU-Generalsekretär und Bundesminister Heiner Geißler und
den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt
Biedenkopf als Vermittler geeinigt. Wann genau und wo das Verfahren
beginnt, stand zunächst nicht fest.
«Wir wollen dieses Moderatorenverfahren nicht auf die lange Bank
schieben», erklärte Schell. «Unsere Mitglieder
erwarten, dass wir uns zügig an einen Tisch setzen und
Kompromissmöglichkeiten ausloten.» Mit dem Vergleich
könne das Verfahren nun «in aller Ruhe durchgeführt
werden».
Bahn-Personalvorstand Margret Suckale bezeichnete den Vergleich als
einen «richtigen Schritt in die richtige Richtung». Damit
habe die Bahn ihr Ziel erreicht, dass es in nächster Zeit keine
Streiks geben werde. Nun setze man auf die Gespräche mit
Geißler und Biedenkopf. «Wir gehen davon aus, dass bereits
Anfang nächster Woche ein erstes Treffen stattfindet», sagte
Suckale. Die Bahn wolle die zwei Wochen intensiv nutzen, um eine
Lösung mit der GDL zu erarbeiten. So lange nicht gestreikt werde
und die GDL am Verhandlungstisch sitze, werde die Bahn auch «die
Gerichte nicht bemühen müssen».
Unterdessen begrüßten die anderen beiden
Eisenbahnergewerkschaften Transnet und GDBA ausdrücklich die
Stellungnahme von dbb und ver.di, in der der GDL eine Zersplitterung
der Bahnbelegschaft vorgeworfen wurde. Der «Sonderweg» der
Lokführer sei mehr als kontraproduktiv, erklärten
Transnet-Chef Norbert Hansen und GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel. Sie
riefen die GDL auf, wieder gemeinsam für die Interessen der
Eisenbahner zu streiten.
Im BR sagte Hansen, die Transnet-Mitglieder würden «schon
unter Druck gesetzt, das artet in Mobbing aus, von
GDL-Funktionären». Ihm persönlich lägen schon
anonyme Morddrohungen vor, weswegen er Strafanzeige erstattet habe.
«Es ist tatsächlich so, dass dieser Streik einer kleineren
Gruppe im Unternehmen zu einer ganz erheblichen Störung der
Kollegialität und des betrieblichen Friedens führt»,
sagte Hansen.
(Quelle: ap)
Streik bei LTU in letzter Minute abgewendet
Sa.11.08.07 - Bei dem Ferienflieger LTU ist ein Streik in letzter Minute abgewendet
worden. Die Fluggesellschaft einigte sich mit der Pilotengewerkschaft
Cockpit auf einen Tarifvertrag. Auf einer Marathonsitzung in
Düsseldorf wurde am Morgen der Durchbruch geschafft. Demnach
erhalten die Piloten rückwirkend ab 1. Januar eine
Gehaltserhöhung von drei Prozent. Zum 1. Juli 2008 erhöhen
sich die Gehälter dann um weitere zwei Prozent.
(Quelle: dpa)
Sozialhilfe-Ausgaben für Lebensunterhalt stark gestiegen
Sa.11.08.07 - Die Sozialhilfe-Ausgaben sind im vergangenen Jahr um rund vier Prozent
gestiegen. Allein für die Grundsicherung im Alter zahlten die
öffentlichen Kassen allerdings zwölf Prozent mehr als 2005 und
für Hilfe für den Lebensunterhalt 10,8 Prozent mehr, wie das
Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit gab es in diesen
beiden Bereichen die stärkste Ausgabensteigerung.
Brutto wurden 20,7 Milliarden Euro für Sozialhilfeleistungen nach
der seit Anfang 2005 geltenden Neuregelung ausgegeben. Eingenommen haben
die für Sozialhilfezahlungen zuständigen öffentlichen
Kassen 2,4 Milliarden Euro zum größten Teil aus Erstattungen
anderer Sozialleistungsträger. Damit verbleiben
Sozialhilfe-Ausgaben von 18,3 Milliarden Euro, das waren 4,0 Prozent
mehr als im Jahr 2005.
Mit 10,6 Milliarden Euro lag der größte Anteil wie in den
Vorjahren bei der Eingliederungshilfe für Behinderte. Er liegt bei
58 Prozent. Die Zunahme im Vergleich zum Vorjahr beträgt 4,4
Prozent.
Für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zahlten
die Sozialhilfeträger 3,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 17
Prozent der gesamten Sozialhilfe-Ausgaben und 12,0 Prozent mehr als
2005. Für die Hilfe zur Pflege wurden 2,6 Milliarden Euro
ausgegeben, das ist nur eine geringfügige Zunahme um 0,4 Prozent.
Dieser Bereich macht 14 Prozent der Gesamtsumme aus.
Die Hilfe zum Lebensunterhalt kostete die öffentlichen Kassen
681,8 Millionen Euro, das sind 10,8 Prozent mehr als 2005 und vier
Prozent der gesamten Sozialhilfe-Ausgaben. Im Jahr 2004, vor
Inkrafttreten des Hartz-IV-Gesetzes, wurden noch 8,8 Milliarden Euro
für Hilfe zum Lebensunterhalt ausgegeben. Die Ausgaben für
Hilfsbedürftige, die grundsätzlich erwerbsfähig sind, und
deren Familienangehörige werden seit 2005 nicht mehr in der
Sozialhilfe-Statistik aufgeführt.
Je Einwohner wurden in Deutschland 2006 für die Sozialhilfe
rechnerisch 222 Euro ausgegeben. In Westdeutschland (ohne Berlin) waren
es mit 232 Euro, in Ostdeutschland (ohne Berlin) nur 145 Euro. Die mit
Abstand höchsten Sozialhilfe-Ausgaben je Einwohner hatten wie schon
im Vorjahr die drei Stadtstaaten Bremen (363 Euro), Hamburg (346 Euro)
und Berlin (331 Euro). Die geringsten Ausgaben je Einwohner hatten
Baden-Württemberg und Bayern mit 162 Euro beziehungsweise 193
Euro. In Ostdeutschland waren in Sachsen (110 Euro) und Thüringen
(146 Euro) die Pro-Kopf-Ausgaben am niedrigsten.
Die Sozialhilfe wird von örtlichen Trägern, das sind die
Städte, Gemeinden und Landkreise, und überörtlichen
Trägern wie Landeswohlfahrts- und Landschaftsverbänden wie
auch den Bundesländern gezahlt.
(Quelle: ap)
Zahl der Minijobber gestiegen
Sa.11.08.07 - Die Zahl der Minijobber ist in Deutschland im zweiten Quartal wieder
gestiegen. Wie die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See am
Freitag in Bochum mitteilte, lag die Zahl der geringfügig
entlohnten Beschäftigten Ende Juni insgesamt bei etwa 6,55
Millionen. Dies sei gegenüber dem ersten Quartal ein Anstieg um
rund 227 000 Personen. Rund 6,4 Millionen Minijobber seien im
gewerblichen Bereich tätig, fast 142 000 in Privathaushalten.
Die meisten Minijobber im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind den
Angaben zufolge in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und
Bremen beschäftigt, die wenigsten in Sachsen-Anhalt, Brandenburg
und Mecklenburg-Vorpommern. Etwa zwei Drittel der Minijobber seien
weiblich. Als fast reine Frauensache könne man die Minijobs in
Privathaushalten bezeichnen: Annähernd 93 Prozent seien hier
weiblichen Geschlechts.
Gegenüber dem Vorjahr habe sich die Zahl der Minijobber im
gewerblichen Bereich nur geringfügig um rund 14 000 erhöht, im
Haushaltsbereich dagegen um mehr als 18 000. Die Zahl der Minijobber in
Privathaushalten hat sich den Angaben zufolge seit Juni 2003 mehr als
verfünffacht.
(Quelle: ddp)
ALG-II-Empfänger können Unterschrift unter Vereinbarung
verweigern - Wichtiger Grund muss vorliegen - Kürzung laut
rheinland-pfälzischem Landessozialgericht nicht rechtens
Sa.11.08.07 - Der Anspruch auf Arbeitslosengeld II geht nicht verloren, wenn der
Empfänger aus einem wichtigen Grund die Unterschrift unter die
geforderte Vereinbarung mit der Arbeitsagentur verweigert. Das stellte
das rheinland-pfälzische Landessozialgericht in einem am Freitag
veröffentlichten Beschluss fest. Grundsätzlich könne zwar
das ALG II gekürzt werden, wenn sich ein Hilfebedürftiger
weigert, eine Eingliederungsvereinbarung zu unterschreiben, in der die
Pflichten des Empfängers und die der Arbeitsagentur festgelegt
sind. Es seien aber auch Ausnahmen möglich, entschieden die
Mainzer Richter.
In dem verhandelten Fall unterschrieb ein ALG-II-Empfänger eine
Vereinbarung nicht, die ihm unter anderem eine ärztliche
Untersuchung zur Ermittlung seiner Erwerbsfähigkeit vorschrieb.
Nach Auffassung des Gerichts handelte er richtig: Denn der Vertrag habe
einen rechtswidrigen Inhalt gehabt. Schließlich sei die
Voraussetzung für eine Eingliederungsvereinbarung, dass der
Betroffene erwerbsfähig sei.
Damit ist es ausgeschlossen, eine Prüfung der
Erwerbsfähigkeit zum Gegenstand der Vereinbarung zu machen, wie die
Richter argumentierten. Generell könne der ALG-II-Empfänger
aber zu einer ärztlichen oder psychologischen Untersuchung
aufgefordert werden, die er auch nur aus einem triftigen Grund ablehnen
könne. Ansonsten sei eine Kürzung gerechtfertigt.
(Aktenzeichen: Landessozialgericht Rheinland-Pfalz L 3 ER 175/07 AS)
(Quelle: ap)
Arbeitgeberpräsident Hundt für enge Grenzen bei Streikrecht
für Spartengewerkschaften
Sa.11.08.07 - Angesichts der wochenlangen Rechtsstreitigkeiten im Tarifkonflikt bei
der Bahn fordern die Arbeitgeberverbände enge gesetzliche Grenzen
für das Streikrecht von Spartengewerkschaften wie der
Lokführervereinigung GDL.
Streiks für eine Minderheit der Belegschaft müssten per
Gesetz für unverhältnismäßig und damit für
unzulässig erklärt werden, wenn es schon einen Tarifvertrag
für alle Beschäftigten gebe, erklärte
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Freitag in Berlin. "Es muss
sichergestellt werden, dass auch in Zukunft in den Unternehmen
grundsätzlich nur ein Tarifvertrag Anwendung findet. Im Zweifel
kann dies nur der Tarifvertrag sein, der für alle
Beschäftigten Anwendung finden kann."
Die Bahn hatte bereits vor einem Monat mit der Gewerkschaft Transnet
Lohnerhöhungen um 4,5 Prozent für alle Beschäftigten
vereinbart. Die Lokführergewerkschaft GDL will jedoch einen eigenen
Tarifvertrag durchsetzen und fordert eine kräftigere
Lohnsteigerung. Angekündigte Streiks wurden allerdings von mehreren
Gerichten per Eilbeschluss untersagt. Vor dem Arbeitsgericht in
Nürnberg stand am Freitagvormittag das Streikverbot für die
Lokführer im Güter- und Fernverkehr der Deutschen Bahn auf
dem Prüfstand.
Hundt unterstrich, Spartengewerkschaften für eine kleine Gruppe
spezialisierter Beschäftigter wie Piloten, Fluglotsen, Ärzte
oder Lokführer brächten den Flächentarifvertrag akut in
Gefahr. "Unternehmen könnten mehrmals im Jahr von unterschiedlichen
Spartengewerkschaften durch Arbeitskämpfe lahmgelegt werden."
Außerdem müsse der Arbeitgeber je nach
Gewerkschaftszugehörigkeit des Arbeitnehmers unterschiedliche
Tarifverträge anwenden. "Bisher ist es dem Arbeitgeber aber durch
die Rechtsprechung versagt, Arbeitnehmer nach ihrer Mitgliedschaft in
einer Gewerkschaft zu fragen."
(Quelle: rtr)
Regierung gerät mit Geheimniskrämerei immer mehr unter Druck
Sa.11.08.07 - Der gegen die Bundesregierung gerichtete Vorwurf der
Geheimniskrämerei beschäftigt immer mehr Gerichte. Zwei
SPD-Abgeordnete stellten am Freitag in Berlin ihre Klagen auf Einsicht
in die Verträge mit dem Toll Collect-Konsortium sowie mit der
Bundesdruckerei GmbH vor. Die Grünen klagen vor dem
Bundesverfassungsgericht, weil parlamentarische Anfragen zu
Geheimdiensten «pauschal und unbegründet» abgewiesen
wurden.
Im Zentrum steht das erst Anfang 2006 in Kraft getretene
Informationsfreiheitsgesetz. Die SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes
Jung und Jörg Tauss klagen beim Verwaltungsgericht Berlin, weil
Ministerien ihnen unter Verweis auf den Schutz von Betriebs- und
Geschäftsgeheimnissen Auskünfte pauschal verweigert
hätten. So dürfte Jung die ihm vorgelegten Seiten des
Vertrages mit der Bundesdruckerei über die Herstellung
elektronischer Ausweise zwar lesen, er würde aber keine Kopie
erhalten. Sprechen dürfte er darüber auch nicht,
erklärte Jung.
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, schrieb,
es treffe zu, dass darin «in Teilen schutzwürdige Betriebs-
und Geschäftsgeheimnisse» enthalten seien. Dies rechtfertige
jedoch nicht, den Zugang vollständig zu verweigern. Die
betreffenden Stellen könnten geschwärzt werden.
Tauss erhielt nach eigenen Angaben vom Bundesverkehrsministerium
lediglich die ersten und die letzten beiden Seiten des 17.000 Blatt
umfassenden «Vertrages über die Erhebung von Maut für
die Benutzung von Autobahnen durch schwere LKW und den Betrieb eines
Mautsystems zur Erhebung von Autobahnmaut (Betreibervertrag)».
Beide Abgeordneten klagen ausdrücklich als Bürger, weil der
Zugang zu Behördenakten nach dem Informationsfreiheitsgesatz
jedermann offen stehe. Einwände der Behörden, die
Vorbereitung der Herausgabe sei zu arbeitsaufwendig, seien Ausreden.
Etwa anders liegt der Fall der Grünen-Fraktion in Karlsruhe. Sie
wollen Kontrollrechte von Abgeordneten durchsetzen, die normale
Bürger nicht haben. Wie die SPD-Abgeordneten beklagte der
Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck das
Auskunftsgebaren der Regierung. Es lasse «regelmäßig
mehr als zu wünschen übrig».
Der Vorwurf bezieht sich überwiegend auf den
BND-Untersuchungsausschuss, dessen Vorsitzender Siegfried Kauder (CDU)
die zögerliche Aktenherausgabe durch die Regierung bereits
öffentlich anprangerte. Mit Genehmigung von
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wird inzwischen gegen
Journalisten ermittelt, weil sie Geheimnisse aus Ausschussakten
preisgegeben haben sollen.
Das Informationsfreiheitsgesetz steht laut Beck für ein offenes
Verhältnis zwischen Staat und mündigem Bürger. Dennoch
müssten sich in vielen Fällen Bürger den Zugang zu
Informationen mühsam erstreiten, in Widerspruchsverfahren oder vor
Gericht.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) unterstrich, dass Behörden
auch den Auskunftsanspruch von Journalisten nicht willkürlich
beschränken dürften. «Die Grenzen der
Informationsfreiheit regelt das Gesetz, nicht die politische
Opportunität des Themas,» erklärte DJV-Vorsitzender
Michael Konken. Die FDP kritisierte das Gesetz selbst, weil es zu viele
Ausnahmen zulasse.
(Quelle: ap)
OECD-Bildungsexperte für Zentralabitur
Sa.11.08.07 - OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher hat sich für ein
bundesweites Zentralabitur ausgesprochen. Im Deutschlandfunk stellte
sich der Koordinator der Pisa-Studien am Freitag hinter den
Vorstoß des baden-württembergischen Ministerpräsidenten
Günther Oettinger.
Zentrale Prüfungen seien die Voraussetzung, um
Schülerleistungen am Ende tatsächlich vergleichen zu
können, sagte Schleicher. «Ich sehe da überhaupt keinen
Widerspruch zum Föderalismus, sondern umgekehrt sind zentrale
Prüfungen vielleicht sogar elementare Voraussetzungen für
einen sinnvollen Bildungswettbewerb der Bundesländer.»
Voraussetzung wären allerdings einheitliche Bildungsstandards.
(Quelle: ap)
Umweltministerium rechnet mit zunehmenden Hochwasser-Risiken
Sa.11.08.07 - Das Bundesumweltministerium rechnet mittelfristig mit einer weiteren
massiven Zunahme der Hochwasser-Gefahr in Deutschland.
Das Hochwasser-Risiko werde sich in absehbarer Zukunft verzehnfachen,
sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Müller der
"Rheinischen Post" vom Freitag. "Schon in wenigen Jahrzehnten
müssen wir durch den Klimawandel davon ausgehen, dass es im Winter
etwa 40 Prozent mehr Regenmenge, aber immer weniger Schnee- und
Eis-Speicherung gibt, so dass sich die Abflüsse enorm
beschleunigen", sagte der SPD-Politiker. Seit der Jahrhundert-Flut an
der Elbe vor fünf Jahren hätten die Länder viel zuwenig
für den Hochwasserschutz getan.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Drastischer Rückgang des Arktis-Meereises bewiesen
Sa.11.08.07 - Die Meereisbedeckung in der Arktis ist drastisch zurückgegangen.
«Wir steuern auf einen neuen Minimalwert zu», sagte der
Hamburger Physiker Prof. Lars Kaleschke am Donnerstag.
Aktuelle Satellitenbilder des Zentrums für Marine- und
Atmosphärische Wissenschaften (ZMAW) der Universität Hamburg
zeigen, dass inzwischen weite Teile der Sibirischen See sowie der
Nordwestpassage eisfrei sind. Kaleschke bestätigte entsprechende
Informationen des Instituts für Klima- und Wetterkommunikation in
Hamburg.
Im vergangenen August waren diese Flächen weitgehend noch mit Eis
bedeckt. Im Juli wiesen laut Kaleschke nur noch fünf Millionen
Quadratkilometer des Arktischen Ozeans Eis auf, zehn Jahre zuvor waren
es rund 6,5 Millionen Quadratkilometer.
Die ungewöhnlich kleinen Flächen des arktischen Meereises
während der Sommermonate führen Wissenschaftler auf den
Klimawandel zurück. Die aktuellen Beobachtungen sind dabei laut
Kaleschke noch nicht der diesjährige Höhepunkt. Der
Rückgang werde sich noch bis Mitte September fortsetzen.
Der Hamburger Wissenschaftler schließt nicht aus, dass zum Ende
des Sommers lediglich noch 3,5 Millionen Quadratkilometer des arktischen
Ozeans mit Eis bedeckt sein werden. In den achtziger Jahren umfasste
die Eisfläche im Norden durchschnittlich noch acht Millionen
Quadratkilometer.
Die Eisbedeckung der Arktis unterlag in den vergangenen Jahrzehnten
immer wieder starken Schwankungen, geht aber im Mittelwert
kontinuierlich zurück. Der Durchschnittswert des vergangenen Julis
markiert den bisherige Tiefpunkt der Vergleichsmonate seit den sechziger
Jahren.
Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und
Klimakommunikation wies darauf hin, dass nach dem Schmelzen des Eises
weniger Sonnenstrahlung reflektiert wird und sich damit die
Erwärmung der Arktis beschleunigt. «Was wir jetzt erleben,
ist besorgniserregend.»
Auf den von ZMAW-Forschern ausgewerteten Fernerkundungsdaten aus der
Arktis sind weite Teile des Sibirischen Meeres als eisfrei zu erkennen.
Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres war der Bereich zwischen Alaska und
Sibirien noch in weiten Teilen mit Eis bedeckt.
Auch die berühmte Nordwestpassage vor der kanadischen
Arktisküste ist inzwischen weitgehend eisfrei. Alte Eismassen
befinden sich nur noch in der Mitte des Arktischen Archipels. In den
vergangenen 100 Jahren galt die Meerenge als praktisch unpassierbar.
Wissenschaftler rechnen damit, dass die Strecke ab 2015 wenigstens im
Sommer für Handelsschiffe befahrbar ist.
Die Öffnung der Nordwestpassage würde den Seeweg zwischen
Asien und Europa von rund 13 000 Seemeilen (rund 24 000 Kilometer) auf
8000 Seemeilen (14 800 Kilometer) nahezu halbieren.
(Quelle: dpa)