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Irak am 1309ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
USA versprechen Türkei Hilfe beim Kampf gegen PKK. Türkischer
Außenminister zu Gesprächen in Bagdad. Irak will Aktionen
kurdischer PKK nicht mehr dulden. Bei US-Angriff 14 Iraker geötet
- Unter den Toten befinden sich mindestens sechs Zivilisten. Irakische
Regierung: Gewalt seit Ende Juni um 70 Prozent zurückgegangen
Mi.24.10.07 - US-Präsident George W. Bush hat der Türkei Hilfe beim Kampf
gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) versprochen. Bush
habe seinen türkischen Kollegen Abdullah Gül angerufen und ihm
Unterstützung gegen die von Nordirak aus operierenden
Kurdenrebellen zugesagt, teilte ein Sprecher des Weißen Hauses
mit. Der US-Präsident habe sich dabei "tief beunruhigt wegen der
jüngsten Attacken der PKK-Terroristen gegen türkische Soldaten
und Zivilisten" gezeigt. Der türkische Außenminister Ali
Babacan traf derweil in Bagdad zu Beratungen ein.
Bush telefonierte den Angaben zufolge auch mit dem irakischen
Regierungschef Nuri el Maliki wegen des Konflikts. Dabei habe der
Präsident darauf gedrungen, dass Irak im eigenen Land gegen die PKK
vorgeht. Laut Ankara halten sich 3500 PKK-Kämpfer im Nordirak auf
und greifen von dort immer wieder türkisches Gebiet an. Bei
Kämpfen zwischen der türkischen Armee und kurdischen Rebellen
waren am Wochenende im Grenzgebiet mehr als 40 Menschen getötet
worden. Angesichts der Gewalt bereitet die türkische Führung
Militäreinsätze auch jenseits der Grenze zum Irak vor.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach
von einem gemeinsamen Einsatz mit den USA gegen die PKK im Nordirak. Bei
einem Gespräch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice am
Sonntag habe diese eine gemeinsame Aktion gegen die Stützpunkte der
PKK angeregt, sagte Erdogan der Zeitung "Hürriyet".
Eine US-Zeitung berichtete unterdessen, die US-Führung erwäge
Luftangriffe auf PKK-Stellungen im Irak. Bislang sei ein
US-Militäreinsatz gegen die PKK sehr skeptisch beurteilt worden,
sagte ein anonymer US-Regierungsvertreter der Zeitung "Chicago Tribune".
"Doch wenn die Türken über die Grenze gehen, dann kann das so
destabilisierend sein, dass es für uns weniger riskant sein
könnte, selber etwas zu tun."
Der Irak hat seine Unterstützung bei der Zerschlagung der
kurdischen PKK-Rebellen im Grenzgebiet zugesagt: Ministerpräsident
Nuri al-Maliki kündigte am Dienstag die Schließung von
Büros der PKK im Irak an. Der von ihm als terroristisch
eingestuften Organisation würden Operationen auf irakischem Boden
nicht gestattet. "Wir werden außerdem ihre terroristischen
Aktionen, die den Irak und die Türkei bedrohen,
einschränken", hieß es in einer Erklärung des
Regierungschefs. Ähnlich hatten sich zuvor Präsident Dschalal
Talabani und Außenminister Hoschijar Sebari nach
Krisengesprächen mit dem türkischen Außenamtschef Ali
Babacan in Bagdad geäußert.
Babacan ließ bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Sebari
offen, ob die Maßnahmen aus türkischer Sicht ausreichen.
Nach einem Treffen mit Talabani, der selbst Kurde ist, betonte Babacan,
die PKK-Rebellen seien genauso Terroristen wie die Aufständischen
im Irak. "Es gibt keine guten und schlechten Terroristen."
Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan
bekräftigte, die Türkei werde der Diplomatie eine Chance
geben. Er erinnerte aber daran, dass die Regierung seit der Zustimmung
des Parlaments in der vergangenen Woche jederzeit den Marschbefehl
geben könne. "Im Moment warten wir ab, aber der Irak sollte
wissen, dass wir unser Mandat für einen grenzüberschreitenden
Einsatz jederzeit benutzen können", sagte er nach Gesprächen
mit dem britischen Premierminister Gordon Brown in London. Zudem denkt
die türkische Regierung Erdogan zufolge über Sanktionen gegen
den Irak nach. Der Export bestimmter Waren in das Nachbarland
könnte gestoppt werden. Der bilaterale Handel erreicht ein Volumen
von jährlich etwa fünf Milliarden Dollar.
US-Kampfhubschrauber haben am Dienstag das Feuer auf eine Gruppe Iraker
eröffnet, die nach Armeeangaben Bomben am Straßenrand
verstecken wollten, und dabei 14 Iraker getötet. Unter den Toten
befinden sich mindestens sechs Zivilpersonen, wie die
US-Streitkräfte mitteilten. Außerdem habe es bei dem
Zwischenfall in der Nähe der Stadt Tikrit nördlich von Bagdad
fünf Verwundete gegeben.
Die mutmaßlichen Bombenleger seien nach Beginn des Angriffs in
ein Haus geflohen, teilte eine Militärsprecherin mit. Sie
bedauerte, dass es zivile Opfer gegeben habe. Schuld seien aber die
Aufständischen, die das Leben anderer mit ihrer Flucht in das Haus
in Gefahr gebracht hätten.
Die Gewalt im Irak ist nach Regierungsangaben seit Ende Juni um 70
Prozent zurückgegangen. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte am
Montag, allein in Bagdad habe in den drei Monaten seit dem Eintreffen
von 30.000 zusätzlichen US-Soldaten die Zahl der Autobomben um zwei
Drittel abgenommen. In der Provinz Anbar, wo die örtlichen
Stämme sich dem Kampf gegen Al-Kaida angeschlossen haben, sei im
Vergleich zu den drei Monaten zuvor die Zahl der Toten durch Gewalt um
82 Prozent zurückgegangen. Jedoch habe es in Nineweh im Norden 129
Prozent mehr Autobombenanschläge und 114 Prozent mehr Tote gegeben,
erklärte der Sprecher. Viele Aufständische waren vor der
Offensive dorthin geflüchtet.
Die in den USA umstrittene Aufstockung hatte im Februar begonnen. Sie
sollte auch den irakischen Politikern Zeit geben, im Streit zwischen den
verfeindeten Bevölkerungsgruppen eine Einigung herbeizuführen.
Allerdings haben sich die Abgeordneten in Bagdad nicht auf ein
gemeinsames Vorgehen einigen können.
boa (Quellen: afp, ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Chronologie des Irak-Kriegs:
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 24.10.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Vor einem Jahr:
Irak am achthundertsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.24.10.06 - Heckenschützen und Bomben - Sechs US-Soldaten getötet +++ Blair:
Briten behalten im Irak die Nerven +++ Iraker schildert Misshandlungen
durch britische Soldaten +++ Exminister berichtet von Regierungskorruption
im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0610240.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Sa.06.09.2007 - .Der Irak-Krieg hat bereits mindestens 3.813 US-Soldaten das Leben gekostet.
Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine
verlässlichen Angaben.
(Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
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USA bieten Russland Präsenz bei Raketenschild an
Mi.24.10.07 - Im Streit um die US-Pläne für einen Raketenschild in
Osteuropa hat die US-Regierung Russland eine direkte Beteiligung an dem
Abwehrsystem angeboten. Gemeinsam mit US-Außenministerin
Condoleezza Rice habe er eine russische Präsenz an den geplanten
Standorten in Tschechien und Polen vorgeschlagen, sagte
US-Verteidigungsminister Robert Gates während einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Mirek
Topolanek in Prag. Der tschechische Vizeaußenminister Tomas Pojar
kündigte unterdessen an, dass sich eine Vereinbarung über die
Errichtung einer US-Radaranlage in seinem Land bis ins kommende Jahr
verzögern werde.
Gemeinsam mit Rice habe er der russischen Regierung bei ihrem
Moskau-Besuch vor anderthalb Wochen zwei neue Vorschläge vorgelegt,
sagte Gates. Diese bestünden darin, die "Transparenz" zu erweitern
und eine russische Präsenz anzubieten. Zugleich betonte der
US-Verteidigungsminister, eine solche Entscheidung werde nicht ohne
Prags Zustimmung gefällt. Tschechiens Regierungschef Topolanek
wollte den Vorschlag nicht kommentieren.
Der zweite in Moskau unterbreitete Vorschlag sieht laut Gates vor, eine
Aktivierung des Abwehrsystems an konkrete Anlässe zu knüpfen.
Das System mit seinen Anlagen in Tschechien und Polen solle erst dann
aktiviert werden, wenn ein "konkreter Beweis für eine Bedrohung"
vorliege.
Der tschechische Vizeaußenminister Pojar sagte vor Journalisten
in Prag, er gehe nicht davon aus, dass Prag und Washington sich bis
Ende des Jahres auf ein Abkommen über das Raketenabwehrsystem
einigten. "Wir werden die Verhandlungen nicht künstlich
verlängern, aber wir müssen auf die Details dieser
Vereinbarungen aufpassen, weil das entscheidend für eine
Zustimmung im Parlament ist", betonte Pojar.
Mit Blick auf den Wahlsieg der liberalen Bürgerplattform (PO) in
Polen sagte Pojar, für die Verhandlungen über den
Raketenschild ergäben sich daraus "keine wesentlichen
Veränderungen".
Die USA wollen in Tschechien eine Radaranlage errichten und in Polen
Abfangraketen stationieren. Russland sieht sich dadurch in seiner
Sicherheit bedroht. Als Alternative bot es den USA an, die Radaranlage
Gabala in der an den Iran grenzenden früheren Sowjetrepublik
Aserbaidschan gemeinsam zu nutzen. Washington versichert, der geplante
Raketenschild solle vor Angriffen aus Staaten wie dem Iran schützen.
Der Iran könnte nach den Worten von US-Präsident George W.
Bush bereits vor 2015 in der Lage sein, die USA und Europa durch
Langstreckenraketen zu bedrohen. Ein solches Szenario mache eine
Umsetzung der US-Pläne für einen Raketenschild in Europa umso
dringlicher, sagte Bush vor der Nationalen
Verteidigungsuniversität in Washington.
"Die Notwendigkeit einer Raketenabwehr in Europa ist real, ich glaube,
sie ist dringend", sagte Bush. "Unsere Geheimdienste gehen davon aus,
dass der Iran mit anhaltender Hilfe aus dem Ausland eine
Interkontinentalrakete bauen könnte, die bereits vor 2015 die USA
und ganz Europa erreichen könnte."
Die US-Raketenschildpläne sollten Thema bei dem informellen
Treffen der NATO-Verteidigungsminister am Mittwoch und Donnerstag im
niederländischen Noordwijk sein.
boa (Quelle: afp)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen».
Dank besserer medizinischer Versorgung und besserer Ausrüstung
kommen mehr verwundete Soldaten lebend aus dem Irak nach Hause als bei
früheren Kriegen. Aber sie kehren häufig mit langwierigen
körperlichen und seelischen Erkrankungen zurück, die ihnen
selbstgebaute Bomben und die Angst vor dem Kampf gegen einen versteckten
Gegner beigebracht haben.
Diese Menschen fangen erst an, im großen Stil Hilfe zu suchen.
185.000 der insgesamt 1,4 Millionen im Irak und in Afghanistan
eingesetzten US-Soldaten haben sich bislang an das
US-Veteranenministerium gewandt. Mehr als 700.000 könnten es einer
Studie zufolge einmal werden - das wäre dann jeder zweite.
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. In den vergangenen Jahren ist dem
Veteranenministerium öfters schon das Geld für die Versorgung
kranker Heimkehrer ausgegangen, und es musste um Milliarden
zusätzliche Mittel bitten. In der Amtszeit von Präsident
George W. Bush sind die Ausgaben für alle US-Veteranen um 83
Prozent gestiegen, wie der Sprecher des Weißen Hauses, Sean
Kevelighan sagte.
Diesen hohen Preis für die Versorgung von Awad und anderen
Veteranen mit tiefen, langsam heilenden Wunden hatte kaum jemand
vorausgesehen, als das zuständige Ministerium 2002 kostenfreie
Hilfe für rückkehrende Kriegsversehrte für zwei Jahre
garantierte. Damals, ein Jahr nach den Terroranschlägen von New
York und Washington, schien es in Afghanistan ruhig zu sein, und Saddam
Hussein regierte immer noch den Irak. Auch später sagten nur wenige
voraus, dass sich die Kampfhandlungen im Irak so in die Länge
ziehen und die Aufständischen sich immer mehr auf entstellende
Bomben als Haupttaktik verlegen würden.
Bessere medizinische Versorgung in den Kampfgebieten und bessere
Ausrüstung haben nach einer auf Regierungsmaterial basierenden
Studie im Verhältnis mehr Soldaten überleben lassen als jemals
zuvor. Viele von ihnen kommen jedoch mit Amputationen oder anderen
schwer behindernden Verletzungen zurück.
Die Kosten für die Hilfeleistungen für diese Kriegsheimkehrer
überschreiten zum Teil schon jetzt die Ressourcen, die die
Regierung für sie bereitgestellt hat, und bedrohen die Zukunft der
Versehrten auf Jahrzehnte gesehen, wie Wirtschaftsexperten und
Veteranenverbände erklärten. «Die Verwundeten und ihre
Familien vertrauen nicht mehr darauf, dass die Regierung sich in der
Weise um sie kümmern wird, wie sie es erwartet hatten», meint
Veteranen-Sprecherin Mary Ellen Salzano und beantwortet die Frage, wie
ein Kriegsheimkehrer behandelt werden will, gleich selbst: «Als
Held».
Gamal Awad sucht dagegen jeden Morgen nach einem Grund, warum er sich
nicht umbringen soll. Er mag noch nicht einmal das Foto anschauen, das
ihn beim Empfang einer Heldenmedaille für seine Hilfe bei der
Bergung der Opfer nach dem Terroranschlag auf das Pentagon zeigt. Es
könnte ihn an die verbrannte Frau erinnern, deren Haut sich in
seinen Händen löste, als er sie trösten wollte.
Er versucht, nicht die brüllenden Geschosse im Irak zu hören,
das brennende Öl zu riechen oder sich an die Detonation zu
erinnern, die ihn buchstäblich aus dem Bett warf. Doch die Bilder
überrollen ihn trotzdem.
Der Mann, der einmal 100.000 Dollar im Jahr verdiente, ein erfahrener
Marine mit einem Universitätsabschluss in Betriebsführung,
brütet über seinen Schulden, die ihm über den Kopf
wachsen. Allein die Verbindlichkeiten für sein Haus sind deutlich
höher als die staatlichen Kriegsversehrten-Zahlungen von
umgerechnet gut 3.000 Euro pro Monat. Bald wird er das Haus vermutlich
verlieren. Dabei ist es der einzige Ort, an dem er sich halbwegs sicher
fühlt. Awad leidet wie viele andere Kriegsheimkehrer an der
sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD), die sich in
wiederkehrenden Erinnerungen, Albträumen und Schwierigkeiten
niederschlägt, sich wieder in das frühere Leben einzugliedern.
Kürzlich haben Veteranenorganisationen das zuständige
Ministerium auf schnellere Hilfe und Berufsunfähigkeits-Zahlungen
für PTSD-Kranke verklagt. Vor wenigen Wochen legte das Ministerium
gegen die Klage aus Verfahrensgründen Einspruch ein. Dessen
Anwälte argumentierten zudem, dass das Ministerium zwar zu zwei
Jahren kostenloser Versorgung verpflichtet sei, dies aber davon
abhänge, dass der Kongress genügend Geld dafür zur
Verfügung stelle.
Wie immer der Rechtsstreit ausgeht: Für Veteranen wie Awad, der
nervös das Herannahen eingebildeter Feinde erwartet, könnte es
zu spät sein.
(Quelle: ap)
Keine Fortschritte bei Gewalt gegen Frauen in Krisengebieten
Mi.24.10.07 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich besorgt über
die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen in Konfliktregionen und
Krisengebieten geäußert. In einer am Dienstag in New York
verlesenen Erklärung wird ein Ende der Straffreiheit bei
Vergewaltigungen und anderen Formen sexueller Gewalt gefordert. Nur so
könne im Anschluss an eine Konfliktlösung der Weg zu Frieden,
Gerechtigkeit und Versöhnung eingeschlagen werden.
Zum Auftakt von eintägigen Beratungen über die Umsetzung
einer im Jahr 2000 verabschiedeten Resolution für einen
verstärkten Schutz von Mädchen und Frauen in bewaffneten
Konflikten sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: «Gewalt
gegen Frauen hat in einigen Gesellschaften, die sich von einem Konflikt
zu erholen versuchen, abscheuliche und pandemische Ausmaße
angenommen.» Alle Beteiligten müssten eine kollektive wie
individuelle Antwort darauf finden, sagte Ban, ohne einzelne
Länder zu nennen.
Der für Friedensmissionen zuständige stellvertretende
Generalsekretär Jean-Marie Guehenno sagte, dass Vergewaltigung in
Konfliktregionen wie dem Kongo und der sudanesischen Region Darfur als
Waffe eingesetzt werde. Die Sonderberaterin für Beziehungen
zwischen den Geschlechtern, Rachel Mayanja, rief alle Regierungen,
Parlamente, internationale Organisationen und Gruppen der
Zivilgesellschaft auf, sich einer weltweiten Kampagne gegen die Gewalt
gegen Frauen anzuschließen, die Ban noch in diesem Jahr starten
will.
(Quelle: ap)
Bis zu 140 Millionen Frauen Opfer von Genitalverstümmelung
Mi.24.10.07 - Zwischen 100 und 140 Millionen Mädchen und Frauen auf der Welt
sind Opfer einer Genitalverstümmelung. Das geht aus einer Studie
des Nationalen Demografieinstituts (INED) in Paris hervor. Das Risiko
für Frauen, Opfer einer Beschneidung zu werden, hängt dabei
weniger von der Religion als von der Volkszugehörigkeit ab, wie die
Forscher herausfanden. Obwohl die Genitalverstümmelung oft mit dem
Islam in Verbindung gebracht werde, gehe diese Praxis gerade in Afrika
meistens auf ältere Stammestraditionen zurück.
Die weibliche Genitalverstümmelung, bei der Mädchen die
Klitoris oder ein Teil davon abgeschnitten wird, hat oft ernste
Gesundheitsprobleme und lebenslange Schmerzen zur Folge. Das Ritual wird
vor allem in Afrika südlich der Sahara sowie in einigen Regionen
des Nahen Ostens und Südost-Asiens praktiziert. Mehr als 6,5
Millionen der betroffenen Frauen leben in Einwanderungsländern,
vornehmlich in Europa.
2003 einigten sich die Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU)
auf ein Verbot der weiblichen Beschneidung. Die Zahl der
Genitalverstümmelungen ging in den vergangenen Jahren aber nur
langsam zurück.
(Quelle: afp)
Zusammenstöße bei Studentenprotesten in Venezuela - Weitere
Demonstrationen gegen Verfassungsänderung angekündigt
Mi.24.10.07 - Bei einer Studentendemonstration gegen die geplante Verfassungsreform
in Venezuela ist es zu schweren Zusammenstößen gekommen.
Auslöser war eine Konfrontation mit Anhängern von
Präsident Hugo Chavez in der Nähe des
Parlamentsgebäudes. Es wurden Steine und Flaschen geworfen, die
Polizei ging mit Tränengas gegen die Menge vor. An der
Demonstration beteiligten sich schätzungsweise 20.000 Studenten.
Die Demonstranten forderten, dass es bei der Verfassungsreform keine
Einschränkung von Freiheitsrechten geben dürfe. Die Kritik
richtet sich besonders gegen geplante Notstandsbestimmungen, die eine
Inhaftierung ohne Anklage ermöglichen. Die insgesamt 67
Verfassungsänderungen sollen in den nächsten Tagen von der
Nationalversammlung debattiert werden, in der die Parteigänger von
Chavez die Mehrheit haben.
Zu den politischen Änderungen gehören eine Verlängerung
der Amtszeit des Präsidenten von sechs auf sieben Jahre, die
Unterstellung der Zentralbank unter die Kontrolle der Regierung und die
Einführung neuer kooperativer Eigentumsformen. Bevor die Reformen
eingeführt werden, müssen sie am 2. Dezember in einer
Volksabstimmung gebilligt werden. Als Sprecher der kritischen
Studenten, die zumeist bei privaten Hochschulen eingeschrieben sind,
kündigte Yon Goicochea für die nächste Woche weitere
Demonstrationen an.
(Quelle: ap)
Bürgerplattform in Polen nach Endergebnis bei 41,51 Prozent
Mi.24.10.07 - In Polen ist das Endergebnis der Parlamentswahlen vom Sonntag
veröffentlicht worden. Demnach erhielt die liberale
Bürgerplattform (PO) von Donald Tusk 41,51 Prozent der Stimmen und
erhält damit 209 der insgesamt 460 Sitze im Parlament. Die bisher
regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von
Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski kam auf 32,11 Prozent und 166
Sitze.
Daneben gelang es zwei weiteren Parteien, die
Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament zu
überspringen. Das Mitte-links-Bündnis Linke und Demokraten
(LiD) erzielte 13,15 Prozent (54 Sitze), die Bauernpartei erhielt 8,91
Prozent, was 30 Sitze ausmacht.
Ein Sitz im Unterhaus des Parlaments geht verfassungsgemäß
an einen Vertreter der deutschen Minderheit, für die die
Fünf-Prozent-Klausel nicht gilt. Die radikale Bauernpartei
Samoobrona (Selbstverteidigung) und die rechtskonservative Liga
polnischer Familien (LPR), scheiterten mit 1,53 und 1,3 Prozent der
Stimmen deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde.
Die Bauernpartei PSL gilt als wahrscheinlichster Koalitionspartner der
siegreichen PO, mit der sie auch auf lokaler Ebene schon Bündnisse
geschlossen hat. Die Führung der liberalkonservativen PO
kündigte an, vor dem 10. November werde es keine endgültige
Entscheidung über eine zukünftige Koalition geben. Die
polnische Verfassung schreibt vor, dass das Parlament spätestens 15
Tage nach den Wahlen erstmals zusammentreten muss, also am 5. November.
(Quelle: afp)
In Frankreich nun auch Arbeitskampf im öffentlichen Dienst
Mi.24.10.07 - Nach den massiven Streiks im französischen Bahnverkehr wollen nun
auch die Beamten im öffentlichen Dienst die Arbeit niederlegen. Die
sieben wichtigsten Beamtengewerkschaften riefen ihre Mitglieder für
den 20. November zum Ausstand auf. Dieser solle sich gegen drohende
Gehaltseinbußen und Stellenstreichungen richten. Der Arbeitskampf
soll die staatliche Verwaltung ebenso lahmlegen wie die der Regionen
und Kommunen. Auch die Beamten in den Krankenhäusern sollen
mitmachen.
Frankreichs Beamte sind unter anderem in Aufruhr, weil der
Haushaltsentwurf für 2008 die Streichung von fast 23.000 Stellen
vorsieht. Der Haushalt soll am 20. November im Parlament beraten werden.
In Frankreich wurde in der vergangenen Woche bereits massiv im
Bahnverkehr gestreikt, was riesige Verkehrsprobleme nach sich zog. Die
Bahn-Gewerkschaften protestierten vor allem gegen die geplante
Abschaffung von Rentenprivilegien. Sie beschlossen, eine Entscheidung
über mögliche neue Streiks bis zum 31. Oktober aufzuschieben.
So lange solle die Regierung einer Erklärung zufolge Zeit bekommen,
auf die Forderungen der Bahnbeschäftigten zu reagieren.
(Quelle: afp)
EU schlägt 'Blue Card' für qualifizierte Zuwanderer vor -
Kritik aus Deutschland
Mi.24.10.07 - Die EU-Kommission will mit einer sogenannten "Blue Card" hoch
qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland in die
Europäische Union locken: Gut ausgebildete Nicht-EU-Bürger
könnten nach dem am Dienstag vorgestellten Entwurf leichter an
Arbeitserlaubnisse und Aufenthaltsgenehmigungen kommen. Europa ziehe
nicht genug hochqualifizierte Arbeitnehmer an, sagte
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Dienstag in
Straßburg. "Aber wir sind auch nicht jung oder zahlreich genug,
um die Räder in unserer Gesellschaft und Wirtschaft alleine
weiterzudrehen." Dies bedeute aber nicht, dass die EU die Tore für
20 Millionen Menschen öffnen wolle. Maßgeblich soll die
Nachfrage der Unternehmen sein. Über die Zahl der Genehmigungen
sollen die Mitgliedsländer entscheiden.
Das Konzept muss die Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten finden. In
mehreren Ländern, vor allem in Deutschland, stößt der
Vorschlag bereits auf Widerstand. Der Arbeitsmarktexperte der SPD,
Klaus Brandner, bezeichnete den Plan als "zu weitgehend". Zunächst
müssten die Arbeitskräfte aus dem Inland eingesetzt werden,
sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Auch Arbeitsminister Franz
Müntefering und der Bayerns neuer Ministerpräsident
Günther Beckstein (CSU) lehnten den Vorstoß ab.
Barroso und EU-Justizkommissar Franco Frattini sind zuversichtlich,
dass der Vorschlag der Kommission auf positives Echo der
Mitgliedsländer beim EU-Gipfel im Dezember stößt. "Wenn
uns der Rat im Dezember grünes Licht gibt, ist es möglich,
das Paket vor dem Ende dieser Legislaturperiode im Frühjahr 2009
in Kraft treten zu lassen", sagte Frattini. "Wir sind zuversichtlich,
dass der Vorschlag angenommen wird, weil es absurd wäre, die
jetzige Situation beizubehalten", betonte Barroso.
Australien, Kanada und die USA seien als Zuwanderungsländer
beliebter als Europa. So bewerben sich in Australien gut zehn Mal so
viele gefragte Kräfte wie in der EU. Um eine "Blue Card" zu
bekommen, braucht ein Einwanderer dem Entwurf zufolge einen mindestens
einjährigen Arbeitsvertrag mit einem Gehalt, das mindestens drei
Mal so hoch ist wie der Mindestlohn in dem entsprechenden Land. Zudem
muss der Bewerber krankenversichert sein. Die "Blue Card" soll bis zu
zwei Jahre gelten und kann danach erneut beantragt werden. Sollte ihr
Besitzer jedoch seinen Job verlieren und mehr als drei Monate
arbeitslos sein, kann sie nach dem Plan der EU-Kommission wieder
entzogen werden.
Als großes Hindernis für qualifizierte Fachkräfte
betrachtet die Kommission die Schwierigkeiten beim Nachzug der Familie.
Um dies zu ändern sollten Angehörige von Besitzern der "Blue
Card" spätestens sechs Monate nach Antragstellung nachkommen
dürfen, ohne selbst beweisen zu müssen, dass sie eine
dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten könnten. Außerdem
kämen den "Blue Card"-Besitzern die gleichen
Steuervergünstigungen, Sozialleistungen und Pensionszahlungen zu
Gute wie EU-Bürgern. Die Kommission will außerdem
sicherstellen, dass legale Zuwanderer die gleichen Mindeststandards im
Arbeitsrecht haben wie Arbeitnehmer mit dem Pass eines EU-Landes.
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA)
begrüßte das Vorhaben. Zuwanderung könne den Mangel an
Fachkräften zwar nicht beheben, aber lindern, sagte
VDMA-Präsident Manfred Wittenstein. Er kritisierte aber, dass der
Vorschlag sehr spät komme. So habe der weltweite Wettbewerb um die
besten Köpfe bereits begonnen.
(Quelle: rtr)
Bisky soll neuer Chef der Europäischen Linken werden
Mi.24.10.07 - Der Linke-Vorsitzende Lothar Bisky soll neuer Chef der
Europäischen Linkspartei (EL) werden. EL-Chef Fausto Bertinotti
habe Bisky am Wochenende auf einer Sitzung des EL-Vorstands in Lissabon
als seinen Nachfolger vorgeschlagen, teilte
Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch am Montag in
Berlin mit. Die Wahl soll auf dem kommenden EL-Parteitag erfolgen, der
vom 23. bis 25. November in Prag stattfindet. Gegenwärtig sind 28
Parteien Mitglied oder Beobachter der EL. Bisky nannte seine Nominierung
auch eine «Wertschätzung» der neugegründeten
Partei Die Linke in Deutschland.
Nach dem Gründungsparteitag der Linken Mitte Juni war am
Wochenende mit der Fusion in Nordrhein-Westfalen auch auf Landesebene
der Zusammenschluss der früheren PDS mit der Wahlalternative Arbeit
und soziale Gerechtigkeit (WASG) abgeschlossen worden. Die Partei hat
nach eigenen Angaben gut 72 000 Mitglieder und ist im Bundestag sowie in
sieben Landesparlamenten vertreten.
(Quelle: ddp)
BAföG verstößt gegen Prinzip der Freizügigkeit
Mi.24.10.07 - Der Europäische Gerichtshof (EuGH) sieht in dem deutschen
Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) einen Verstoß
gegen die Freizügigkeit im EU-Binnenmarkt. In einem am Dienstag
verkündeten Urteil verwerfen die Europarichter die in dem Gesetz
enthaltene Bestimmung, dass ein Studium in einem anderen EU-Staat nur
dann gefördert wird, wenn zuvor diese Ausbildung mindestens ein
Jahr lang in Deutschland absolviert wurde. Dadurch würden
«persönliche Unannehmlichkeiten, zusätzliche Kosten und
etwaige Verzögerungen» verursacht, die EU-Bürger von
einer Ausbildung in einem anderen Mitgliedstaat abhalten könnten,
hielt der Gerichtshof fest.
Die Vorschrift sei nicht geeignet, Studenten zu einem raschen
Studienabschluss anzuhalten, auch würden sie daran gehindert zu
prüfen, ob sie die für sie richtigen Fächer gewählt
hätten. Ein Staat sei zwar grundsätzlich berechtigt, nur jene
Studenten zu fördern, die eine gewisse Integration in seine
Gesellschaft nachweisen könnten, heißt es weiter in dem
Urteil. Die im BAföG geforderte erste Ausbildungsphase in
Deutschland sei jedoch «zu allgemein und einseitig».
(Quelle: ddp)
Höchstes EU-Gericht kippt VW-Gesetz
Mi.24.10.07 - Das höchste EU-Gericht hat das fast 50 Jahre alte VW-Gesetz
gekippt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte am Dienstag in
Luxemburg, das Gesetz zum Schutz des Wolfsburger Autobauers vor
feindlichen Übernahmen verstoße gegen EU-Recht. Es
beschränke den freien Kapitalverkehr in der Union (Rechtssache
C-112/05).
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Der VW-Hauptaktionär Porsche begrüßte das Urteil:
«Mit einem Stimmrechtsanteil von knapp über 30 Prozent an
Volkswagen sind wir natürlich sehr daran interessiert, unsere
Stimmrechte auch voll ausüben zu können», sagte
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in Stuttgart. Ob Porsche nun seine
Anteile bei Volkswagen weiter aufstockt, blieb offen. Der Stuttgarter
Konzern hält bisher 31 Prozent der VW-Anteile.
Das Land Niedersachsen kündigte an, auch nach dem Fall des
Gesetzes an seiner VW-Beteiligung festzuhalten. Das Land hält knapp
21 Prozent und ist damit zweitgrößter VW-Aktionär. Die
VW- Aktien rutschen nach der Entscheidung des EuGH ins Minus und
verloren zunächst 0,48 Prozent auf 179,56 Euro. Der Markt habe die
Entscheidung bereits in das Kursniveau eingerechnet, nun komme es zu
Gewinnmitnahmen, sagten Händler. Porsche hielten sich dagegen sehr
fest und gewannen 4,90 Prozent auf 1722,00 Euro.
Vor Gericht siegte die EU-Kommission, die vor drei Jahren ihre Klage
gegen die Bundesrepublik Deutschland beschlossen hatte. Das Gericht
folgte allerdings nicht der Brüsseler Argumentation, dass auch die
Niederlassungsfreiheit in der EU behindert werde. Berlin hatte stets
betont, das Gesetz sei mit EU-Recht vereinbar. Es stammt aus Jahr 1960
und sichert dem Land Niedersachsen eine starke Stellung bei VW.
Berlin habe nicht erklären können, warum das Gesetz zum
Schutz der Arbeitsplätze bei Volkswagen erforderlich sei, schrieben
die EU- Richter. Das Gericht verwarf die Bestimmung, wonach ein
Aktionär in Wolfsburg in der Hauptversammlung höchstens 20
Prozent der Stimmrechte ausüben kann - auch wenn er mehr Anteile
hat. Dieses habe eine abschreckende Wirkung auf Anleger.
Keine Gnade in Luxemburg fand auch das Entsenderecht von
öffentlichen Anteilseignern, also des Bundes und das Landes
Niedersachsen, in den VW-Aufsichtsrat. «Durch die
Möglichkeit, je zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat zu entsenden,
solange ihnen Aktien der Gesellschaft gehören, werden der Bund und
das Land Niedersachsen im Vergleich zum allgemeinen Gesellschaftsrecht
privilegiert...», hieß es in einer Mitteilung des Gerichts.
Das Gericht wandte sich auch gegen die im Vergleich zu anderen
Aktiengesellschaften niedrige Sperrminorität von 20 Prozent bei dem
Autobauer. Der EuGH kann nationale Gesetze nicht aufheben, aber
Mitgliedstaaten auffordern, diese aufzuheben oder zu ändern.
Die Porsche AG teilte mit, sie akzeptiere, dass Niedersachsen
entsprechend seines Aktienanteils angemessen im VW-Aufsichtsrat
vertreten sei. Die beiden Porsche-Vertreter in dem Kontrollgremium,
Wiedeking und Porsche-Finanzvorstand Holger Härter, würden es
begrüßen, wenn der niedersächsische
Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und sein Kollege,
Wirtschaftsminister Walter Hirche, weiterhin dem Aufsichtsrat des
Wolfsburger Automobilherstellers angehören würden. Damit
wäre die notwendige Kontinuität in der vertrauensvollen
Zusammenarbeit sichergestellt.
Wulff erklärte in Hannover, zur positiven Entwicklung von
Volkswagen habe auch die Beteiligung von Porsche beigetragen. «Die
Volkswagen AG ist durch die Beteiligungen der Porsche AG und des Landes
Niedersachsen vor dem Zugriff von Finanzinvestoren geschützt. Gegen
Eigentümer mit mehr als 50 Prozent kann man nicht
spekulieren.»
(Quelle: dpa)
SPD-Vorsitzender beklagt Sittenverfall in der großen Koalition
Mi.24.10.07 - SPD-Chef Kurt Beck hat einen Sittenverfall in der großen
Koalition beklagt und das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) kritisiert. "Frau Merkel und die Union versuchen, vieles für
sich zu reklamieren - selbst die Erfolge von SPD-Ministern", sagte Beck
der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Das widerspricht den in
einer Koalition wünschenswerten guten Sitten." Was die Koalition
erreiche, müsse diese fair zusammen vertreten, forderte Beck. Daran
habe es "in der Vergangenheit öfter mal gemangelt".
Der SPD-Vorsitzende warnte, dass dieses Problem die Große
Koalition belasten könne: "Wer nicht bereit ist, ein Stück
weit Rücksicht aufeinander zu nehmen, der macht einen Fehler, was
die Funktionsfähigkeit einer Koalition angeht." Beck warf CDU und
CSU auch vor, Interna aus der Koalition an die Öffentlichkeit zu
tragen. In den vergangenen anderthalb Jahren habe er bei der Union "ein
geradezu aberwitziges Streben erlebt, schneller zu sein, wenn es
beispielsweise darum geht, Diskussionsstände aus der
Koalitionsrunde heraus zu tragen".
(Quelle: afp)
Arbeitgeber und Grüne kritisieren SPD-Beschluss zu
Arbeitslosengeld I
Mi.24.10.07 - Die Arbeitgeber haben der SPD die Demontage der Agenda 2010
vorgeworfen. BDA-Präsident Dieter Hundt kritisierte in der
Tageszeitung «Die Welt» das vom Parteivorstand
verabschiedete Neun-Punkte-Programm, das unter anderem eine längere
Zahlung des Arbeitslosengelds I an Ältere vorsieht. Kritik kam auch
vom CDU-Wirtschaftsrat und von den Grünen. SPD-Chef Kurt Beck
verteidigte den gegen Vizekanzler Franz Müntefering gefassten
Beschluss.
Hundt bemängelte an dem SPD-Beschluss, dass nicht nur die
Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes in die falsche
Richtung gehe. Auch die Wiederbelebung teurer, schon in der
Vergangenheit gescheiterter Arbeitsmarktprogramme, die rentenpolitischen
Maßnahmen und die geforderten Einschränkungen der Zeitarbeit
seien «falsche Signale». Die gute Entwicklung am
Arbeitsmarkt sei auch der Agenda 2010 zu verdanken. Hundt forderte die
Bundesregierung auf, Arbeitnehmern und Arbeitgebern «die enormen,
durch zu hohe Beiträge angesammelten Überschüsse in der
Arbeitslosenversicherung» zurückzugeben. Der Beitragssatz
sollte auf 3,2 Prozentpunkte gesenkt werden.
Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, forderte die
Union auf, nicht auf die SPD-Forderung einzugehen. In der
«Sächsische Zeitung» wandte er sich strikt dagegen,
«dem populistischen, innerpartei- und machtpolitischen
Drängen» Becks nachzugeben». Auch eine kostenneutrale
Verlängerung nach CDU-Lesart sei illusorisch. Der Unionspolitiker
erinnerte daran, dass die einschlägigen CDU-Parteitagsvoten immer
als «Doppelbeschlüsse» gesehen worden seien: Im
Gegenzug sei die Flexibilisierung des Kündigungsschutzes gefordert
worden.
Schützenhilfe kam von den Grünen. Ihre Arbeitsmarktexpertin
Brigitte Pothmer sagte dem Südwestrundfunk, die verlängerte
Bezugsdauer des ALG I für Ältere sei eine schlechte
Lösung, weil, sie die Älteren vom Arbeitsmarkt verdränge.
Sie hätte sich gewünscht, dass die SPD mit den Grünen
für eine Erhöhung des Regelsatzes kämpfe, der nicht mehr
existenzsichernd sei.
Beck selbst äußerte Zuversicht über einen
Koalitionskompromiss. Er sehe «Spielräume für eine
Einigung mit der Union», sagte er der «Passauer Neuen
Presse». Zugleich lehnte er die von der CDU im Gegenzug geforderte
Kürzung des Arbeitslosengelds für Jüngere ab. «Wer
gerade eine Familie gründet, braucht nicht weniger, sondern mehr
Sicherheit», wurde der SPD-Chef zitiert.
Der DGB verlangte Maßnahmen gegen ein dramatisch zunehmendes
Verarmungsrisiko älterer Erwerbsloser. Dazu seien gesetzliche
Maßnahmen notwendig, sagte Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy der
in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse». Die
Arbeitslosenversicherung trage immer weniger zur finanziellen Sicherung
vormals Erwerbstätiger am Ende ihres Berufslebens bei, kritisierte
Adamy.
Nach einer Untersuchung des DGB hätten in der Altersgruppe der 45-
bis 55-Jährigen im vergangenen Jahr nur noch 21 Prozent der
registrierten Arbeitslosen eine finanzielle Unterstützung bekommen.
In den neuen Ländern seien es sogar nur 15,9 Prozent. In der Gruppe
der 55-Jährigen und Älteren erhalte jeder vierte Erwerbslose
weder Arbeitslosengeld I noch Hartz-IV-Unterstützung. Und bei den
über 55-jährigen Frauen gingen bundesweit 30,3 Prozent
finanziell leer aus, im Osten sogar 36,4 Prozent.
(Quelle: ap)
Ratgeber informiert über Geheimcodes im Arbeitszeugnis
Mi.24.10.07 - Wenn Arbeitnehmer sich um einen neuen Job bewerben, spielt das
Arbeitszeugnis des letzten Unternehmens eine besondere Rolle. Doch die
Sprache in diesen Unterlagen ist oft blumig und doppelbödig, wie
die Verbraucherzentrale Sachsen mitteilt. Beispielsweise weise die
Anführung von Nebensächlichkeiten wie Pünktlichkeit eher
darauf hin, dass die übrigen Leistungen schlecht waren.
Die Verbraucherschützer bieten einen neuen Ratgeber «Das
Arbeitszeugnis», der helfen soll, die Dokumente genau unter die
Lupe nehmen zu können. Das Heft informiert den Angaben zufolge
über Geheimcodes in der Zeugnissprache, über Vor- und
Nachteile von Textbausteinen sowie über Urteile zum Thema. Zudem
liefert es Internetadressen für Zeugnisberatungen, Jobbörsen
und Bewerbungen.
Der Ratgeber kostet 9,90 Euro und kommt für zusätzlich 2,50
Euro Porto und Versand gegen Rechnung auch ins Haus. Bestellt werden
kann er telefonisch unter der Rufnummer 0180-5-001433 für 0,14 Euro
je angefangene Minute aus dem deutschen Festnetz und im Internet (http://www.verbraucherzentrale-sachsen.de)
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Anwerbung ausländischer Forscher wird leichter
Mi.24.10.07 - Mit einer Neuregelung soll künftig die Anwerbung
ausländischen Forscher und Spezialisten aus Staaten
außerhalb der Europäischen Union (EU) vereinfacht werden.
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Von 1. Dezember an sollen nicht mehr die örtlichen
Ausländerbehörden, sondern Universitäten und
Forschungsinstitute selbst Aufenthaltserlaubnisse an Betroffene
vergeben können, informierte das Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge (BAMF) am Dienstag. Mit den Forschern würden so
genannte Aufnahmevereinbarungen abgeschlossen.
Forschungseinrichtungen müssten sich dazu vom Bundesamt
zertifizieren lassen. Unterstützt werde das BAMF bei seiner neuen
Aufgabe von einem Beirat für Forschungsmigration mit Mitgliedern
aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, das am Dienstag erstmals
zusammentrat. Grundlage für die Neuregelung ist die so genannte
EU- Forscherrichtlinie, die Ende August durch Umsetzung in nationales
Recht in Kraft getreten war.
Das neue Zulassungsverfahren solle die Mobilität der Forscher
fördern und setze auf die Expertise der Forschungseinrichtungen;
diese sollen ihre Mitarbeiter passgenau nach deren Qualifikation
auswählen und leichter einstellen können, erläuterte
eine Bundesamtssprecherin. Bislang prüften in jedem Einzelfall die
Ausländerbehörden, ob für die Beschäftigung des
Forschers ein entsprechender Bedarf bestand und ob er die geforderte
fachliche Qualifikation erfüllte.
(Quelle: dpa)
CO2-Emissionen nehmen schneller zu als erwartet - Ozeane und Vegetation
absorbieren laut Studie weniger Kohlendioxid
Mi.24.10.07 - Eine neue Studie über den weltweiten Ausstoß von
Kohlendioxid ist zu einem alarmierenden Ergebnis gelangt: Die Emissionen
des für die globale Erwärmung mitverantwortlichen
Treibhausgases nehmen stärker zu als bislang erwartet. Zugleich
verringert sich offenbar die Aufnahmefähigkeit der Natur für
CO2, wie das Global Carbon Project am Dienstag in der Fachzeitschrift
«Proceedings of the National Academy of Sciences» berichtete.
Der Ausstoß von Kohlendioxid sei im vergangenen Jahr um 35
Prozent höher gewesen als 1990, berichtete der Leiter des
Forschungsprojekts, Josep Canadell. Neben dem Wachstum von
Bevölkerung und Wohlstand mit der parallel dazu zunehmenden
Verbrennung fossiler Brennstoffe sei dafür auch eine geringere
Fähigkeit der Natur zur Aufnahme von CO2 verantwortlich. Ozeane und
Vegetation würden inzwischen weniger CO2 absorbieren als
früher, erklärte der Forscher. Als Ursache werden höhere
Wassertemperaturen oder Änderungen der Windströmungen vermutet.
Der neuen Studie zufolge wurden im vergangenen Jahr 8,4 Milliarden
Tonnen CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Im Jahr 2000 waren es noch
7,0 Milliarden gewesen. Die jährliche Steigerungsrate betrug in den
90er Jahren noch 1,3 Prozent, im Zeitraum von 2000 bis 2006 aber
bereits 3,3 Prozent. Die Gesamtemissionen aller Treibhausgase nehmen
allerdings nicht so stark zu wie CO2 allein. So ist es Wissenschaftlern
zufolge etwa gelungen, die Methan-Emissionen zu reduzieren.
Kevin Trenberth vom Nationalen Zentrum für die Erforschung der
Atmosphäre in Colorado sagte, die Studie greife wichtige Themen
auf, die der Bevölkerung bewusst sein sollten. So wachse die
CO2-Konzentration schneller als bisher angenommen und trotz des
Kyoto-Protokolls, das die Treibhausgase eigentlich reduzieren solle.
Alan Robock vom Zentrum für Umweltvorhersagen an der
Universität Rutgers erklärte, viele Kritiker der Theorie der
globalen Erwärmung hätten Recht gehabt mit ihrer Aussage, dass
die Klimamodelle den Wandel nicht korrekt abbildeten. «Das Klima
verändert sich noch schneller als in den Modellen», sagte er.
(Quelle: ap)
Weißes Haus schwächt Bericht zum Klimawandel ab
Mi.24.10.07 - Vor einer Senatsanhörung über die gesundheitlichen Folgen des
Klimawandels hat die US-Regierung den Bericht einer
Behördenleiterin drastisch gekürzt. Die Vorsitzende des
Umweltausschusses, die demokratische Senatorin Barbara Boxer, forderte
die sofortige Freigabe der ungekürzten Fassung.
Der Ausschuss ließ sich am Dienstag von der Direktorin des
Zentrums für Seuchenkontrolle und Vorbeugung (CDC), Julie
Gerberding, erklären, mit welchen medizinischen Konsequenzen bei
einer weiter fortschreitenden globalen Erwärmung zu rechnen ist.
Weil das CDC eine Einrichtung des Gesundheitsministeriums ist, wurde
der Bericht wie in solchen Fällen üblich vorher der
Kontrollbehörde des Weißen Hauses vorgelegt, dem Office of
Management and Budget (OMB). Dass der Bericht von 16 auf 4 Seiten
gekürzt worden sei, habe jedoch Erstaunen hervorgerufen,
verlautete aus Kreisen des CDC.
Die am Dienstag schließlich im Umweltausschuss des Senats
vorgetragene Version hatte dann einen Umfang von sechs Seiten.
Gestrichen wurde unter anderem die Information zur Zahl der Personen,
bei denen mit gesundheitlichen Problemen aufgrund des Klimawandels
gerechnet werden muss. Bei der Befragung durch die Abgeordneten nannte
Gerberding zwar zusätzliche Informationen, aber keine konkreten
Details etwa zur Art der Gesundheitsrisiken. Die CDC-Direktorin sagte,
es sei damit zu rechnen, dass der Klimawandel «eine große
Bandbreite von Wirkungen auf die Gesundheit der Amerikaner» haben
werde.
Senatorin Boxer sagte am Dienstag, die Regierung müsse den
vollständigen Bericht der Expertin freigeben. «Die
Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, alle Fakten über die
ernste Bedrohung durch die globale Erwärmung zu erfahren»,
sagte die Politikerin. Die Regierung Bush sah sich bereits früher
mit dem Vorwurf konfrontiert, Druck auf Wissenschaftler auszuüben,
um Aussagen zum Ausmaß der Bedrohung durch den Klimawandel
abzuschwächen.
(Quelle: ap)