. ...Nur noch eine Frage von Tagen?
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       Mazedonien am Rande des Krieges     
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Heftige Kämpfe zwischen albanischen Separatisten und Regierungstruppen in Mazedonien. UCK-Rebellen wollen Teilung Mazedoniens erzwingen. Angst vor einem neuen Krieg auf dem Balkan wächst. Bereits Tausende Menschen geflüchtet.


    Di. 20.03.01 - Dem südlichen Balkan drohen neue blutige Wirren. Es besteht die
    Gefahr, dass albanischer Nationalismus auch Mazedonien zerstört – ausgerechnet
    jene ex-jugoslawische Teilrepublik, die vor einem Jahrzehnt als einzige friedlich zu
    staatlicher Selbstständigkeit gefunden hatte. 

    Neue Kämpfe zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen
    Sicherheitskräften ließen die Angst vor einem neuen Krieg auf dem Balkan
    wachsen. Mazedonische Truppen gingen bei Tetovo mit schweren Waffen gegen
    Stellungen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) vor. Aus dem Westen des
    Landes wurden weitere Angriffe gegen die mazedonische Polizei gemeldet. Die
    UCK- Rebellen drohten damit, die Kämpfe auf ganz Mazedonien auszuweiten. In
    der Innenstadt von Tetovo explodierten vier Granaten. Der staatliche Rundfunk
    sprach von einem Krieg. Etwa 2000 Menschen sollen Tetovo nach Polizeiangaben
    schon verlassen haben. Die mazedonische Regierung kündigte eine Offensive gegen
    die albanischen Rebellen an und mobilisierte nun auch die Armee. Bisher waren nur
    Sondereinheiten der Polizei im Einsatz gewesen. 

    Unter den Albanern in Mazedonien wächst die Zustimmung zu den gewalttätigen
    Rebellen. Mehr als 3000 Menschen nahmen vergangene Woche in Tetovo an einer
    Demonstration für die UCK teil. Tetovo ist das politische und wirtschaftliche
    Zentrum der in Mazedonien siedelnden Albaner. 

    In Skopje demonstrierten etwa 10000 Menschen vor dem Parlament der
    mazedonischen Hauptstadt gegen die albanischen Freischärler. In Sprechchören
    forderten sie die Regierung dazu auf, Maßnahmen gegen die „albanischen
    Terroristen" zu ergreifen und skandierten: "Tetovo liegt in Mazedonien." Die
    Regierung verhängte für Tetovo eine Ausgangssperre. Sie sollte nach Angaben des
    Innenministeriums von 19 Uhr abends bis sechs Uhr morgens gelten. Wegen der
    andauernden Kämpfe verließen viele Bewohner die Stadt in Richtung Serbien. 

    Das Europaparlament forderte am Donnerstag die KFOR zu entschlossenerem
    Handeln auf. Das Eindringen "albanischer Extremisten" in das Grenzgebiet zwischen
    dem Kosovo und Mazedonien müsse unbedingt verhindert werden, notfalls mit
    militärischen Mitteln, verlangte die Strasbourger Versammlung. 

    Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica beschuldigt die NATO, in der
    Vergangenheit die albanischen Gewaltsezessionisten unterstützt zu haben. Den vom
    westlichen Militärbündnis geführten Kosovo-Truppen warf er "direkte
    Zusammenarbeit" mit den albanischen Rebellen in Südserbien vor. Die KFOR habe
    den albanischen "Terrorismus" erst möglich gemacht und in einem gewissen Maß
    auch unterstützt, so Kostunica in einem Interview mit der Tageszeitung USA
    Today. 

    Nato-Generalsekretär George Robertson bezeichnete die Lage in der ehemaligen
    jugoslawischen Teilrepublik als ernst und gefährlich. Mit einem Einsatz der Nato in
    Mazedonien rechnete Robertson vorerst jedoch nicht: „Wir haben kein Mandat
    dafür. Außerdem hat die mazedonische Regierung dies nicht beantragt". Die Allianz
    werde die territoriale Integrität Mazedoniens aber garantieren, sagte er. 

    Bundesaußenminister Fischer verurteilte die gewalttätigen Auseinandersetzungen in
    Mazedonien. "Gewalt und aggressive Versuche, Grenzen zu verändern, sind
    absolut inakzeptabel", sagte er vor seinem Abflug in die mazedonische Haupstadt
    Skopje. Die Bundesregierung bot ihre Unterstützung zur Stabilisierung in
    Mazedonien an. Die Reise von Fischer nach Skopje zeige, wie ernst die deutsche
    Regierung die Lage sehe, sagte Regierungssprecher Uwe- Karsten Heye. Aus dem
    Verteidigungsministerium hieß es, die Lage für die deutschen Soldaten in Tetovo sei
    gespannt. Die Soldaten hätten Ausgangssperre und müssten ihre Waffen bei sich
    tragen. In der überwiegend von Albanern bewohnten Stadt, die etwa 25 Kilometer
    von der Grenze zum Kosovo entfernt liegt, sind etwa tausend Bundeswehrsoldaten
    stationiert. Sie stellen die Versorgung des Bundeswehrkontingents der
    internationalen Kosovo- Schutztruppe KFOR sicher. Auch die Instandsetzung des
    Geräts der deutschen KFOR-Einheiten wird von Tetovo aus geregelt. 

    Die KFOR werde jeder Bedrohung ihrer Nachschubbasis in Tetovo mit
    Waffengewalt begegnen, sagte der Kommandeur der Nato-geführten KFOR-
    Friedenstruppen im Kosovo, Generalleutnant Carlo Cabigiosu. Man werde in
    Übereinstimmung mit der mazedonischen Regierung die Grenze zwischen der
    mehrheitlich von Albanern bewohnten jugoslawischen Provinz Kosovo und
    Mazedonien verteidigen. 

    Die Offensive bewaffneter Albaner am südserbischen Ostrand des Kosovo und im
    Nordwesten Mazedoniens sieht nach dem Versuch einer Vereinigung albanischer
    Siedlungsgebiete zu einem künftigen Großalbanien aus. Wer die Drahtzieher des
    Unterfangens sind, ist nicht ganz klar. Die albanische Befreiungsarmee in
    Mazedonien versteht sich wie die Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und
    Bujanovac (UCPMB), die seit mehr als einem Jahr in der Pufferzone zwischen
    Kosovo und Serbien agiert, als Ableger der formell nicht mehr existierenden
    Kosovo-Befreiungsarmee UCK und bezeichnet sich auch so. 

    Im Januar hatten sich die Freischärler zu einem Anschlag auf ein Polizeirevier im
    west-mazedonischen Tearce bekannt. Im Februar gerieten sie im Norden, hart an
    der Grenze zum Kosovo, in bewaffnete Zusammenstöße mit der mazedonischen
    Polizei, die ihrem Hauptquartier im abgelegenen Bergdorf Tanusevci zu nahe
    gekommen war. Seit Mittwoch überschaut die mazedonische UCK nun von
    Anhöhen am Fuß des Sar-Gebirges aus Tetovo, die zweitgrößte mazedonische
    Stadt mit 60 000 Einwohnern. Tetovo ist das politische und wirtschaftliche Zentrum
    der in Mazedonien siedelnden Albaner. Die Aktivität der mazedonischen UCK hat
    damit schlagartig eine neue, staatsgefährdende Qualität bekommen. Menschen
    slawischer Abstammung – in Mazedonien die Mehrheit, in der Stadt Tetovo aber
    eine Minderheit – fliehen in voll bepackten Autos aus der Region. Mitglieder der
    UCK sollen in mehreren mazedonischen Städten nur darauf warten loszuschlagen –
    angeblich sogar in der Metropole Skopje, in der es ausgedehnte albanische
    Stadtviertel gibt. 

    Ziel der mazedonischen UCK ist vermutlich ein albanischer Aufstand in
    Mazedonien und eine anschließende Teilung des Landes. Derzeit versucht die
    Befreiungsarmee, Einheimische aus Mazedonien zu rekrutieren. Die UCK-Kämpfer
    kennen sich bestens in der Bergregion im Nordwesten und Westen des Landes
    aus, in dem sie sich derzeit bewegen. Sie haben eine große Anzahl von Waffen aus
    dem Kosovo und werden dem Fachblatt Defense and Security zufolge von
    "Veteranen" des Kosovo-Kriegs ausgebildet, die 1998 und 1999 gegen die
    serbische Armee gekämpft hatten. Gesicherte Angaben über die Zahl der
    UCK-Kämpfer gibt es nicht. 

    Der mazedonischen Armee gehören derzeit etwa 10000 Soldaten an. Die
    Reservisten eingeschlossen, kann sie nach Angaben des Fachblatts auf bis zu 120
    000 Mann zählen. Schlecht ausgerüstet und unerfahren, ist die Truppe dem
    Fachblatt zufolge auf den Guerilla-Krieg mit der albanischen Rebellenorganisation
    UCK nur ungenügend vorbereitet. Eine Gefahr für die mazedonische Armee stellten
    unter anderem albanisch-stämmige Soldaten in ihren Reihen dar, auf die die Armee
    laut Experten des Fachblatts nicht zählen könne. 

(Quellen: ap, afp, dpa, sz, fr)


 
 



    update: 23.03.01 
    +++ Albanische Rebellen rücken näher an Skopje heran +++ 
    Tetovo: Die albanischen Rebellen in Mazedonien haben ihre Kämpfe ausgeweitet.
    Gestern Abend nahmen sie die Ortschaft Gracani ein, die sich rund 15 Kilometer
    nordwestlich der mazedonischen Hauptstadt Skopje befindet. 
    (Quelle: BR-Radionachrichten) 



    last update: 24.03.01 
    +++ Zehntausende flüchten aus den umkämpften Gebieten in Mazedonien +++ 
    Seit Ausbruch der Kämpfe sind 22 000 Menschen auf der Flucht. 
    (Quelle: ARD, Tagesschau, 24.03.01) 
 

    "Auf dem Balkan läuft ein Film in Endlosschleifen: 
    Separatistische Guerillas verschanzen sich auf Hügeln, provozieren Gewalt, schüren
    Hass, ignorieren die Politik. Die internationale Gemeinschaft schaut zu, bis die Lunte 
    kurz vor dem Zünder glimmt – und dann ist es meist zu spät. Auch wenn die 
    EU-Außenminister nun vor Panik warnen: Die Scharmützel um Tetovo sind geeignet, 
    den letzten, bisher unverbrannten Flecken Erde des längst zerronnenen Staatengebildes
    Jugoslawien zu zerstören. 

    Von den paar Verschanzten auf der Burgfeste und den bewaldeten Hügeln über
    der Stadt geht eine Bedrohung für die Einheit Mazedoniens und die Stabilität des
    gesamten Balkans, ja ganz Süd-Osteuropas inklusive der Nato-Mitglieder Türkei
    und Griechenland aus." 

    Stefan Kornelius, Süddeutsche Zeitung, 20.03.01 



    update 23.03.01 

    "Wie wenig der High-Tech-Krieg auf dem Balkan geholfen hat, zeigt sich in 
    diesen Tagen. In 78 Stunden nur konnten ein paar Dutzend Desperados von einer 
    alten Türkenfestung aus einen Staat der 'Nato-Partnerschaft für den Frieden' an den
    Rand von Bürgerkrieg und Zerfall bringen. Einen Staat zumal, der schon in früheren
    Balkankriegen von seinen Nachbarn als Beute zerissen wurde und dessen
    neuerliche Zerteilung die ganze Südostflanke der Nato aufreißen könnte." 

    Christian Schmidt-Häuer, Die Zeit, 22.03.01 


    Gegenseitige, teilweise rassistisch geprägte Vorurteile
    "Der Kleinstaat (Mazedonien) stand seit der Geburtsstunde vor zehn Jahren im
    Verruf, eine künstliche Konstruktion zu sein. Die Mehrheit der slawischen
    Mazedonier und die schnell wachsende Minderheit der Albaner lebten von Anfang
    an in Misstrauen nebeneinander. Daran hat auch die Zusammenarbeit auf der
    Ebene der politischen Parteien beider Volksgruppen nichts geändert. In den beiden
    Lagern werden die gegenseitigen, teilweise rassistisch geprägten Vorurteile gehegt
    und gepflegt. Die dominierende slawische Mehrheit hat den albanischen Mitbürgern
    nur widerwillig und scheibchenweise Rechte zugestanden. Teilweise zu Recht fühlen
    sich die albanischen Mazedonier noch immer als "Bürger zweiter Klasse".
    Umgekehrt ließ die Minderheit bei der Mehrheit aber auch immer wieder Zweifel
    an ihrer Loyalität dem gemeinsamen Staat gegenüber aufkommen. " 

    Stephan Israel, Frankfurter Rundschau, 19.03.01 



    update 24.03.01 

    Wieder einmal versteht der Westen nicht, worum es geht
    Die Ursache des Krieges ist in Makedonien nicht der ethnische Konflikt, 
    sondern die wirtschaftliche und soziale Krise. 

    Die Albaner in Makedonien fühlen sich von den slawischen Makedoniern
    unterdrückt. Und das schon lange. Nun haben sie sich bewaffnet und greifen
    Polizisten, Soldaten und andere Repräsentanten des makedonischen Staates an. So
    oder so ähnlich erklären dieser Tage Journalisten, Fachleute und Politiker uns den
    neusten Konflikt auf dem Balkan. Und wir glauben ihnen. 

    Übersetzen wir das Szenario mal auf deutsche Verhältnisse: In
    Baden-Württemberg fühlt sich der badische Teil der Bevölkerung von den
    Württembergern unterdrückt. Nach langem, stummem Leiden nehmen irgendwann
    die ersten Badener die Waffe in die Hand . . . Nein. So würde hierzulande niemand
    berichten - und sei es nur, weil jeder Zuhörer sofort fragen würde, worin denn die
    Unterdrückung der Badener bestehe. Dann redeten wir über
    Bevölkerungsgruppen, über Regionen, Schichten, Klassen, den
    Länderfinanzausgleich - aber sicher nicht über die Wünsche irgendwelcher
    abstammungsmäßig verbundener gesellschaftlicher Konglomerate wie Völker oder
    Nationen. 

    Auf dem Balkan hingegen werden uns Nationen als einzige Akteure dargestellt -
    und kaum einen ausländischen Beobachter stört das. Warum auch? Schließlich ist
    das makedonische Szenario uns ja nur zu gut bekannt: Als die Slowenen 1991 die
    jugoslawische Föderation verließen, fühlten sie sich von den Serben unterdrückt.
    So verhielt es sich auch bei den Kroaten im gleichen Jahr, in Bosnien-Herzegowina
    (1992-95) und im Kosovo (1989-99). Auch die Argumentation der Gegenseite
    folgte dem ethnonationalen Erklärungsmuster. In allen postjugoslawischen Kriegen
    begründeten serbische Politiker ihren Kampf mit der Unterdrückung ihres Volkes
    durch andere. 

    Das ist natürlich alles Propaganda. Tatsächlich sind auch auf dem Balkan nicht
    irgendwelche ethnischen Animositäten Ursache für Konflikte, sondern
    wirtschaftliche und soziale Krisen. Seit zwanzig Jahren nimmt die Armut im
    exjugoslawischen Raum stetig zu. Die Infrastruktur der Region ist nach vier Kriegen
    weitgehend zerstört. Nur der Nationalismus hält noch zusammen, was sonst noch
    weiter auseinander fiele. Das ist der Grund, dass es keinen Frieden gibt." 

    Rüdiger Rossig, Tageszeitung (taz), 24.03.01 
    http://www.taz.de/pt/2001/03/24/a0106.nf/text.name,askXvaSo3.n,8



    update 24.03.01 

    Mazedonien galt als multiethnischer Musterstaat

    "Als die slawisch-mazedonischen Nationalisten unter Premierminister Ljupce
    Georgijevski mit den albanischen Nationalisten die erste nichtsozialistische
    Koalitionsregierung in Mazedoniens Geschichte bildeten, war der Westen davon
    überzeugt, dass dieser Bund die Stabilität in dem Zweivölkerstaat zementieren
    würde. Das stellte sich jedoch als eine weitere hübsche Lüge heraus, denn die
    neuen Minister waren mehr damit beschäftigt, ihre eigenen Taschen aus dem
    Staatshaushalt zu füllen als Demokratie und Wohlstand unter ihren Bürgern
    voranzutreiben. Die hochgepreisene 'historische mazedonisch-albanische
    Vereinbarung' war nichts anderes als ein Kompromiss zweier mafioser Strukturen,
    mit dem das Terrain und die Profite aus Schmuggel und Korruption unter den
    beiden Regierungsparteien aufgeteilt wurden. Das Resultat war rasanter
    wirtschaftlicher Niedergang, ein stetiger Anstieg der Arbeitlosigkeit und tiefe
    Enttäuschung sowohl unter den mazedonischen Slawen als auch den Albanern. Das
    gefühl, verraten worden zu sein, erklärt zumindest teilweise die spontane
    Unterstützung, die die UCK heute von den Albanern erfährt - und das peinlich
    schlechte Abschneiden der mazedonischen Streitkräfte bei ihrem Versuch, den
    Aufstand der Rebellen niederzuschlagen. 

    Sollte es der UCK tatsächlich gelingen, die albanisch bevölkerten Gebiete von
    Mazedonien abzutrennen, wird ein Gebilde übrig bleiben, das als Staat nicht
    überlebensfähig ist. Das 'slawische Mazedonien" wäre ein Gebiet ohne viel
    Industrie, ohne Landwirtschaft (die fruchtbaren Gebiete befinden sich in dem von
    Albanern bediedelten Westen) und ohne Zugang zum Meer - vollständig abhängig
    von befreundeten Nachbarstaaten und Unterstützung aus dem Westen. Selbst
    mazedonische Regierungsmitglieder räumen ein, dass der Reststaat dann wohl
    zwischen Bulgarien, Serbien und Griechenland aufgeteilt würde." 

    Dejan Anastasijevic, Die Woche, 23.03.01 


    update 23.03.01 

    Die Hoffnung auf eine friedliche Entwicklung hat getrogen
    "Die Staats- und Regierungschefs werden sich am Freitag und Samstag in der
    schwedischen Hauptstadt Stockholm nicht wie ursprünglich geplant der
    Wirtschafts- und Sozialpolitik widmen können. Stattdessen wird es wieder einmal
    darum gehen, einen Brand auf dem Balkan zu löschen. 

    Der Westen, repräsentiert durch die Nato und die EU, muss sich eingestehen, dass
    die Hoffnung auf eine friedliche Entwicklung der Region nach dem Sturz des
    Milosevic-Regimes getrogen hat. Der extremistische Nationalismus lebt weiter.
    Seine Fackelträger kommen nun ausgerechnet aus den Reihen der Albaner: Um
    diese Volksgruppe zu schützen, hatte sich die Nato zum Krieg im Kosovo
    durchgerungen. Javier Solana, der außenpolitische Repräsentant der EU, der
    damals als Generalsekretär der Allianz den Angriffsbefehl gegen Serbien gab, wird
    in Stockholm berichten, ob er nach seinen Gesprächen diese Woche in
    Mazedonien noch eine Chance sieht, den neuen Konflikt durch diplomatischen
    Druck einzudämmen. 

    Der Westen steckt in einem Dilemma. Er hat die separatistische albanische
    Befreiungsbewegung UCK im Kosovo nicht konsequent entwaffnet. Nun
    versuchen albanische Extremisten, den westlichen Teil Mazedoniens aus dem
    multi-ethnischen Staat herauszubrechen. (...) 

    In Berlin ist man bitter enttäuscht über diejenigen Albaner, die man während und
    nach dem Krieg unterstützt hat. Sie haben, darüber machen sich die Deutschen
    keine Illusionen, bei dem neuen Konflikt die Finger im Spiel. Das Gespräch, das
    Bundeskanzler Gerhard Schröder vorige Woche mit dem als gemäßigt geltenden
    Albanerführer Ibrahim Rugova geführt hat, sei "nicht ganz so freundlich" verlaufen
    wie in vergangenen Zeiten, heißt es diplomatisch verbrämt. Rugova weigerte sich,
    Gewalt eindeutig zu verurteilen, weil er es sich nicht mit den Extremisten verderben
    will. (...) 

    Udo Bergdoll, Süddeutsche Zeitung, 22.03.01 
    http://szarchiv.diz-muenchen.de/REGIS_A12033210


    update 23.03.01 

    Die Falschen gehätschelt
    "Wieder einmal werden aus edlen 'Freiheitkämpfern' ruchlose 'Terroristen'. Und
    wieder einmal schlägt der Westen die Hände überm Kopf zusammen: Warum nur,
    fragen sich die frustierten Kosovo-Protektoren, herrscht auf dem Balkan dauernd
    Krieg? Warum zeigen die Albaner sich derart undankbar und stecken das friedliche
    Mazedonien in Brand? Hat man ihnen denn nicht gerade noch mit der geballten
    Militärmacht der Nato geholfen, das Joch abzuschütteln? 

    Eben. Die Albaner haben im Kosovo nämlich eines gelernt: Nichts befördert ihre
    Ziele so sehr wie Gewalt. Jahrelang hatten sie dort friedlich auf ihre Unterdrückung
    aufmerksam gemacht - den Westen interessierte das überhaupt nicht. Da
    beschafften sie sich Waffen, gründeten die UCK, ermordeten serbische Polizisten,
    provozierten massive Vergeltungsmaßnahmen gegen albanische Dörfer - schon
    durften ihre Vertreter in Rambouillet mit am Verhandlungstisch sitzen und Belgrad
    Bedingungen stellen. 

    Nach dem "Sieg" det Nato im Kosovo ging es prima weiter: Die UCK wurde
    angeblich entwaffnet, in Wirklichkeit aber nur umbenannt. Waffenschmuggel und
    Drogengeschäfte, in den Zeiten des Untergrunds entwickelt, blühten auf, ebenso die
    Kontakte zur italienischen und osteuropäischen Mafia. Kosovo-Albaner im
    europäischen Exil dominieren heute lukrative Erwerbszweige wie den
    Drogenmarkt, Frauenhandel und Prostitution. Und all diese Einkommensquellen
    gedeihen kräftig, solange der Balkan instabil bleibt. Die Kfor-Truppen sitzen im
    Schlangennest: Lange haben sie die falschen gehätschelt, jetzt ist es zu spät, die
    listige Brut wieder einzufangen." 

    Sabine Rosenbladt, Die Woche, 23.03.01 

 

Albanische Extremisten zerschlagen Hoffung auf Frieden
Veteranen der UCK sorgen im Dreieck zwischen Kosovo, Südserbien und Mazedonien für neue Instabilität. Im Grenzgebiet dieser Länder provozieren die albanischen Extremisten Gefechte mit serbischen und und mazedonischen Sicherheitskräften. Ziel der UCK ist, die Gebiete im Westen Mazedoniens, wo die meisten ethnischen Albaner leben, aus Mazedonien herauszulösen und einem Groß-Kosovo einzugliedern. [ mehr... ]



    "Möglicherweise sind die jüngsten Aktivitäten albanischer Freischärler in
    Südserbien und Mazedonien auf einen zwei Jahre alten CIA-Plan zurückzuführen:
    Der US-Geheimdienst habe die UCK-Umtriebe unterstützt, um die Herrschaft
    Slobodan Milosevics zu destabilisieren, schreibt der britische "Observer" und beruft
    sich dabei auf Aussagen von Kfor-Offizieren, die die Rollle der US-Militärs im
    Kosovo geißeln. 

    Dubios ist der Fall des ehemaligen UCK-Kommandanten Ramush Haradinaj, der
    als Drahtzieher hinter den in Südserbien wie in Mezedonien operierenden Einheiten
    gilt. Bei einer Auseinandersetzung im Kosovo wurde der 32-jährige Haudegen im
    vergangenen Jahr verletzt und von der US-Armee zur Behandlung in eine
    Krankenhaus nach Deutschland ausgeflogen. Alle Spuren des Vorfalls seien von
    amerikanischen Soldaten verwischt worden, schimpfte ein UN-Polizist. Nach
    seiner Genesung weilte Haradinaj für längere Zeit in den USA auf Einaldung des
    Kongressabgeordneten Benjamin Gillman. 

    Die USA hatten die Rebellentruppe UCK schon kurz nach deren erstem
    öffentlichen Auftritt 1997 unter ihre Fittiche genommen. Ihren politischen
    Durchbruch erlebten die Freischärler, als UCK-Chef Hashim Thaci bei den
    Verhandlungen in Rambouillet 1999 von den Amerikanern zum Sprecher der
    Kosovaren aufgewertet wurde - zu Lasten des gemäßigten Albaner-Führers
    Ibrahim Rugova. Außenministerin Madeleine Albright ging mit Thaci, der des
    mehrfachen Mordes verdächtigt wird, dinieren, während der CIA die Rebellen
    zumindest mit Satellitentelefonen ausrüstete. Im Kosovo-Krieg dienten die
    UCK-Kämpfer der US-Luftwaffe als Aufklärer. Mit den Staellitentelefonen gaben
    sie die Positionen der serbischen Kräfte weiter. Trotz gegenteiliger Beteuerungen
    wurden die Freischärler nach dem Krieg nur halbherzig entwaffnet." 

    Die Woche, 16.02.01 


Bastarde auf dem Balkan
Observer: CIA unterstützte mit geheimer Aktion UCK- Rebellen. 
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2001/03-14/003.shtml

Update Do.30.08.01

Bundeswehr beteiligt sich an Nato-Mission in Mazedonien 

Der Bundestag votierte in einer Sondersitzung am Mittwoch mit 497 gegen 130 Stimmen für die Beteiligung der Bundeswehr an der Nato-Mission "Wesentliche Ernte" (Essential Harvest) . Insgesamt 3500 Nato-Soldaten sollen in Mazedonien Waffen von den aufständischen UCK-Verbänden "einsammeln".

Die Militär-Aktion der Nato ist für die EU ein Testfall: In Zuschnitt, Auftrag und Kommandostruktur  ähnelt die Truppe jener EU-Eingreiftruppe, die ab 2003 als militärischer Arm Europas bereitstehen soll. [ mehr...


 
.  boa München, last update: 30.08.2001 - Quellen: dw, zeit, sz, fr, ap, dpa, afp, ard, br ..

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