bis 12. März
2000
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Die Bild-Dichtungen sind seit den frühen siebziger Jahren die bevorzugte Ausdrucksform von Günter Brus, den man wegen seiner Aktionen in den sechziger Jahren zur Gruppe der Wiener Aktionisten zählt. 1970 beschließt er mit der Aktion "Zerreissprobe" diese Phase seines Schaffens. Der 1938 in der Steiermark geborene, heute in Graz lebende Künstler erhielt 1997 den Großen Österreichischen Staatspreis für sein Gesamtwerk. In der Tübinger Ausstellung werden ausschließlich Bild-Dichtungen zu sehen sein, darunter "Irrwisch" (1971), "Weisser Wind" (1981) und die 1998 entstandene "Leuchtstoffpoesie und Zeichenchirurgie". Die Bild-Dichtungen stellen eine von Brus genuin erarbeitete Gattung dar, bei der sich Bild und Text zu einer geschlossenen Form fügen. Sie fordern den Betrachter wie den Leser gleichermaßen. Die Texte stammen überwiegend vom Künstler selbst, der ständig zwischen den literarischen Formen wechselt. Neben Aphorismen finden sich Erzählungen, sogar Märchen, häufig in einer gedanken- und sprachspielerischen Weise formuliert. Außerdem zieht er Texte anderer Autoren zu Bild-Dichtungen heran, so bei "Friedrich Hölderlin: Der tragische Prozeß in Geschichte und Dichtung" und dem Libretto zur Oper "Die Gezeichneten" von Franz Schreker. Die Texte überträgt Brus handschriftlich auf das Papier. Sie legen sich mal um, mal über die Darstellung. Letztlich entzieht sich der Zeichenstil einer stilistischen Einordnung, zumal er in souveräner Weise auf die Kunstgeschichte zurückgreift, so auf Leonardo da Vinci in "Anekdoteninsel" oder Francisco Goya in "Das Inquisit". Die
Tübinger Ausstellung ist die erste umfassende Übersicht der Bild-Dichtungen
in Deutschland. Sie wird außerdem in Kiel und Linz zu sehen sein.
KUNSTHALLE
KIEL
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