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Es
gibt kein Recht auf Faulheit. Sagt der Kanzler. Steht in Bild.(...)
Wenn es kein Recht auf Faulheit gibt, worauf denn dann?
Auf Arbeit etwa? Dann mal los. Die Arbeitslosen freuen sich schon.
Wir fordern deshalb: Schluss mit der Ausgrenzung der Faulen. ... 1
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Wenn
ich beschäftigt bin,
schaut
mich der Berg an
Wenn
ich müßig bin,
schaue
ich den Berg an
Beide
Dinge mögen
gleich
erscheinen
Doch
gleich sind sie nicht
Da
Beschäftigung
der
Muße unterlegen ist
Tsai
Wen
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Kein
Recht auf Faulheit?
Bundeskanzler Gerhard Schröder
hat die Arbeitsämter aufgefordert, härter als bisher gegen Arbeitslose
vorzugehen, die einen angebotenen Job ablehnen. „Ich glaube, dass die Arbeitsämter
die entsprechenden Möglichkeiten konsequenter nutzen können“,
so Schröder. „Wer arbeiten kann, aber nicht will, der kann nicht mit
Solidarität rechnen. Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschafft."
Das bedeute konkret, wer einen zumutbaren Job
ablehne, dem könne die Unterstützung gekürzt werden, so
der Bundeskanzler in der „Bild“.
Wirtschaftswoche 06.04.01
Recht
auf Faulheit?
Wir haben nicht nur ein Recht auf Faulheit, wir
haben die Pflicht zur Faulheit. Wir haben die Freiheit etwas zu leisten,
und die Pflicht, es zu lassen. Indem wir in dem Industriesystem etwas leisten,
schädigen wir andere: die Kinder, die Freunde, die Natur... Wir haben
die Industriegesellschaft zu kultivieren, wir kultivieren sie durch Faulheit.
Arbeit bestimmt unser Leben. Selbst in der sogenannten Freizeit wird
noch gearbeitet. Die meisten Menschen arbeiten nicht für ihren Lebensunterhalt,
sondern sie leben, um produzierend und konsumierend eine verselbstständigte
Wirtschaftsmaschinerie in Gang zu halten...
Aus: Heinrich Droege (Hrsg.) Lob der Faulheit - Texte gegen das
herrschende Arbeitsethos, Aarachne Verlag, Frankfurt – Wien 2000
1918 forderten R.
Hausmann,
R. Hülsenbeck und J.
Golyscheff im Namen des dadaistischen revolutionären Zentralrats-Berlin
die Einführung der progressiven Arbeitslosigkeit durch umfassende
Mechanisierung jeder Tätigkeit. "Nur durch die Arbeitslosigkeit gewinnt
der Einzelne die Möglichkeit, über die Wahrheit des Lebens sich
zu vergewissern und endlich an das Erleben sich zu gewöhnen"
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Wenn ich 6 Uhr morgens
Lust hatte zu vögeln, wollte ich mir Zeit dafür nehmen, ohne
auf die Uhr zu gucken. Ich wollte ohne Uhr leben, denn mit der Zeitmessung
kam der erste Zwang in das Leben der Menschen. Die gängigen Sätze
des täglichen Lebens klingelten mir im Kopf: "Keine Zeit, um...“,
"Zur rechten Zeit kommen“, "Zeit gewinnen“, "Seine Zeit verlieren“. Ich
aber wollte "die Zeit haben zu leben“ und die einzige Möglichkeit,
das zu schaffen, ist, nicht Sklave der Zeit zu sein. Ich wußte, wie
irrationell meine Theorie war und daß man mit ihr keine Gesellschaft
bilden konnte. Aber was war das schon für eine Gesellschaft mit ihren
schönen Prinzipien und Gesetzen!“
Jaques Mesrine in "Der Todestrieb“
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Paul Lafargue (1842 - 1911):
"Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse
aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht,
eine Sucht, die das in der modernen Gesellschaft herrschende Einzel- und
Massenelend zur Folge hat. Es ist dies die Liebe zur Arbeit, die rasende,
bis zur Erschöpfung der Individuen und ihrer Nachkommenschaft gehende
Arbeitssucht. Statt gegen diese geistige Verirrung anzukämpfen, haben
die Priester, dieÖkonomen und die Moralisten die Arbeit heiliggesprochen."
...
aus: Paul Lafargue, Recht auf Faulheit (1883)
Weitere Auszüge unter:
http://www.comz.asfh-berlin.de/~goedde/lafargue.htm
http://www.otium-bremen.de/autoren/a-lafargue.htm
Paul Lafargue, der Schwiegersohn
von Karl Marx, war Vorkämpfer des Marxismus in der französischen
Arbeiterbewegung.
Gedichte,
Texte und Zitate zu Arbeitsmoral, Muße und Müßiggang
auf der Hompage von OTIUM
(Verein zur Förderung des Müßiggangs
e.V.):
http://www.otium-bremen.de/start/index.htm
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Update am 29.08.01
Sucht
der Deutschen: Arbeiten
Arbeitssucht hat sich
nach Ansicht deutscher Forscher in den vergangenen zehn Jahren zum gefährlichen
Massenphänomen in Deutschland entwickelt. Oft aus Ehrgeiz und zunehmend
unter dem Druck neuer Arbeitszeitmodelle stürzten sich täglich
Zehntausende Bundesbürger "maßlos und selbstzerstörerisch"
in ihren Beruf, warnt Professor Holder Heide von der Universität Bremen.
Herzinfarkte, Depressionen, Hörstürze und Magengeschwüre
sind die Folge des Raubbaus am eigenen Körper, so Heide. Der volkswirtschaftliche
Schaden durch vorzeitige Arbeitsunfähigkeit und häufigere Fehlentscheidungen
unter Stress sei nicht absehbar. 2
1 Aus "Faul ist fair,
und fair ist faul", SZ-Feuilleton, 07.04.2001
2 AZ vom 27.08.01
boa München, 12.04.01, last
update: 29.08.01
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