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. ..    Das Nichtstun zur Tugend erheben!
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   Einspruch gegen das Primat der Arbeit
      last update: 28.08.01

     Es gibt kein Recht auf Faulheit. Sagt der Kanzler. Steht in Bild.(...) 
     Wenn es kein Recht auf Faulheit gibt, worauf denn dann? 
     Auf Arbeit etwa? Dann mal los. Die Arbeitslosen freuen sich schon. 
     Wir fordern deshalb: Schluss mit der Ausgrenzung der Faulen. ... 1
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Wenn ich beschäftigt bin, 
schaut mich der Berg an 
Wenn ich müßig bin, 
schaue ich den Berg an 
Beide Dinge mögen 
gleich erscheinen 
Doch gleich sind sie nicht 
Da Beschäftigung 
der Muße unterlegen ist 

Tsai Wen


 
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Kein Recht auf Faulheit?
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Arbeitsämter aufgefordert, härter als bisher gegen Arbeitslose vorzugehen, die einen angebotenen Job ablehnen. „Ich glaube, dass die Arbeitsämter die entsprechenden Möglichkeiten konsequenter nutzen können“, so Schröder. „Wer arbeiten kann, aber nicht will, der kann nicht mit Solidarität rechnen. Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschafft."

Das bedeute konkret, wer einen zumutbaren Job ablehne, dem könne die Unterstützung gekürzt werden, so der Bundeskanzler in der „Bild“.

Wirtschaftswoche 06.04.01


 
Recht auf Faulheit?

Wir haben nicht nur ein Recht auf Faulheit, wir haben die Pflicht zur Faulheit. Wir haben die Freiheit etwas zu leisten, und die Pflicht, es zu lassen. Indem wir in dem Industriesystem etwas leisten, schädigen wir andere: die Kinder, die Freunde, die Natur... Wir haben die Industriegesellschaft zu kultivieren, wir kultivieren sie durch Faulheit.
Arbeit bestimmt unser Leben. Selbst in der sogenannten Freizeit wird noch gearbeitet. Die meisten Menschen arbeiten nicht für ihren Lebensunterhalt, sondern sie leben, um produzierend und konsumierend eine verselbstständigte Wirtschaftsmaschinerie in Gang zu halten...

Aus: Heinrich Droege  (Hrsg.) Lob der Faulheit - Texte gegen das herrschende Arbeitsethos, Aarachne Verlag, Frankfurt – Wien 2000


 
 
 
1918 forderten R. Hausmann, 
R. Hülsenbeck und J. Golyscheff im Namen des dadaistischen revolutionären Zentralrats-Berlin die Einführung der progressiven Arbeitslosigkeit durch umfassende Mechanisierung jeder Tätigkeit. "Nur durch die Arbeitslosigkeit gewinnt der Einzelne die Möglichkeit, über die Wahrheit des Lebens sich zu vergewissern und endlich an das Erleben sich zu gewöhnen"
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    Wenn ich 6 Uhr morgens Lust hatte zu vögeln, wollte ich mir Zeit dafür nehmen, ohne auf die Uhr zu gucken. Ich wollte ohne Uhr leben, denn mit der Zeitmessung kam der erste Zwang in das Leben der Menschen. Die gängigen Sätze des täglichen Lebens klingelten mir im Kopf: "Keine Zeit, um...“, "Zur rechten Zeit kommen“, "Zeit gewinnen“, "Seine Zeit verlieren“. Ich aber wollte "die Zeit haben zu leben“ und die einzige Möglichkeit, das zu schaffen, ist, nicht Sklave der Zeit zu sein. Ich wußte, wie irrationell meine Theorie war und daß man mit ihr keine Gesellschaft bilden konnte. Aber was war das schon für eine Gesellschaft mit ihren schönen Prinzipien und Gesetzen!“ 

 Jaques Mesrine in "Der Todestrieb“


 
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Paul Lafargue (1842 - 1911):
"Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht, eine Sucht, die das in der modernen Gesellschaft herrschende Einzel- und Massenelend zur Folge hat. Es ist dies die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen und ihrer Nachkommenschaft gehende Arbeitssucht. Statt gegen diese geistige Verirrung anzukämpfen, haben die Priester, dieÖkonomen und die Moralisten die Arbeit heiliggesprochen." ...

aus: Paul Lafargue, Recht auf Faulheit (1883) 
Weitere Auszüge unter:

http://www.comz.asfh-berlin.de/~goedde/lafargue.htm
http://www.otium-bremen.de/autoren/a-lafargue.htm
Paul Lafargue, der Schwiegersohn von Karl Marx, war Vorkämpfer des Marxismus in der französischen Arbeiterbewegung.


 Gedichte, Texte und Zitate zu Arbeitsmoral, Muße und Müßiggang
auf der Hompage von OTIUM
(Verein zur Förderung des Müßiggangs e.V.): 

http://www.otium-bremen.de/start/index.htm


 


Update am 29.08.01
Sucht der Deutschen: Arbeiten

Arbeitssucht hat sich nach Ansicht deutscher Forscher in den vergangenen zehn Jahren zum gefährlichen Massenphänomen in Deutschland entwickelt. Oft aus Ehrgeiz und zunehmend unter dem Druck neuer Arbeitszeitmodelle stürzten sich täglich Zehntausende Bundesbürger "maßlos und selbstzerstörerisch" in ihren Beruf, warnt Professor Holder Heide von der Universität Bremen. Herzinfarkte, Depressionen, Hörstürze und Magengeschwüre sind die Folge des Raubbaus am eigenen Körper, so Heide. Der volkswirtschaftliche Schaden durch vorzeitige Arbeitsunfähigkeit und häufigere Fehlentscheidungen unter Stress sei nicht absehbar. 2
 

1   Aus "Faul ist fair, und fair ist faul", SZ-Feuilleton, 07.04.2001
2  AZ vom 27.08.01

boa München, 12.04.01, last update: 29.08.01

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