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Do.20.01.2000 |
21:00 Uhr
SWR2-Radio, RadioART: Hoerspiel
Selbstportraet
oder " Peinture de sons ou bien Tonmalerei"
Ein Stueck von Luc Ferrari
Gespraechspartner: Jacqueline Caux,
Sandeep Bhagwati, Taraneh Zolfaghari
und Besucher der Glyptothek, Muenchen
Sprecher: Brunhild Meyer-Ferrari
Regie: Luc Ferrari
(Produktion: SWF 1997)
"Die zur Vergangenheit hin geoeffnete Tuer erlaubt
einen Blick auf die zurueckgelegten Wege, aber sie
ist gleichzeitig fuer die Zukunft offen, fuer neue
Entdeckungen. ... In meinen Arbeiten hat das
'Journal Intime' stets eine wichtige Rolle gespielt.
Aber immer ging es mir auch darum, die aus
empfindsamen Individuen bestehende Gesellschaft in
die Portraetspiele mit einzubeziehen. Es kommt mir
als Komponist darauf an, meiner sozialen Umgebung
die groesste Aufmerksamkeit zu widmen, weil man nur
auf diese Weise der Gefahr der Selbstgefaelligkeit
und des Narzissmus entgeht ... Diese mit Worten,
Musiken, Geraeuschen und Bildern komponierte Arbeit
erschien mir wie eine Malerei, schon allein deshalb,
weil ich die Zeit eher wie eine Oberflaeche als wie
einen Ablauf behandelte. ... Der Komposition liegt
ein Zeitplan zugrunde, der so ausgearbeitet ist,
dass Elemente, die nichts miteinander zu tun haben,
ploetzlich aufeinandertreffen. So entstehen neue,
oft abstruse Sprachzusammenhaenge, Musiken, die wie
neu komponiert klingen und Geraeuschmontagen, in
denen die Anekdoten wie auf den Kopf gestellt
wirken. ... Beim Uebergang vom Konkreten zum
Abstrakten wird das Rationale der Struktur vom
Irrationalen verschlungen und 'destrukturiert'."
(Luc Ferrari)
...Das ist recht konkrete Musik, voll lebensweltlicher Klangformen.
Typische Geräusche von Straßen, Plätzen, Bahnhöfen
sind miteinander verbunden, man hört, was andere sehen. Es gibt
gewaltsame Schläge, vertrautes Geplauder, dann Atemrhythmen mit
sexueller Konnotation. Sex gibt immer gute rhythmische Muster, aber
hier entsteht noch ein anderer Sinn: Das Ich wird sich selbst
gewiß als etwas, das Lust empfindet. Ohne Ich und ohne Lust
gäbe es für Ferrari keine Kunst. Indem die Klangkomposition
sich lustvoll konkret "auf das Hören konzentriert", entsteht noch
einmal etwas Schönes: Eine Übereinstimmung des Ich mit der
Welt. (Berliner Zeitung, 21. Oktober 1997)
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