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. ..Neuanfang tut Not!
.   10.04.2000
 Small is beautiful
 Ökonomie der Gigantonomie ist Relikt des 19.Jahrhunderts
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Es zeigt sich immer aufs Neue, dass nur solche strategischen Entscheidungen durchsetzbar sind, die im Ergebnis die Reichen 
und Mächtigen noch reicher und noch mächtiger machen.

Es zeigt sich immer aufs Neue, dass große Projekte für wirtschaftlicher gehalten werden als kleine, und die kapitalintensiven Projekte werden stets den arbeitsintensiven vorgezogen.

Die wirtschaftliche Rechnungsweise, wie sie heute von Ökonomen angewandt wird, zwingt den Unternehmer, den "human factor" zu eliminieren. Daher die enorme Anstrengungen zur weiteren Automatisierung und der Trend zu immer noch größeren unternehmerischen Gebilden. Das heißt, dass diejenigen, die nichts als ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben, auf dem Markt in der allerschwächsten Position sind. Die heute vorherrschende Lehrmeinung übergeht die Armen, also gerade die Menschen, für die eine Weiterentwicklung wirklich vonnöten ist.

Dabei ist die Ökonomie der Gigantonomie ein Überbleibsel des 19. Jahrhunderts und absolut unfähig, irgendeines der  tatsächlich existierenden Probleme unserer Zeit zu lösen. Wir brauchen ein völlig neues Denkmuster, das sich an Menschen orientiert, nicht an Konsumgütern. Man könnte es zusammenfassen in dem Ausdruck "die Massen als Produzenten statt Massenproduktion".

Dringend geboten ist die bewusste Nutzung unseres ernormen technologischen und wissenschaftlichen Potentials im Kampf gegen Elend und menschliche Erniedrigung - ein Kampf in engem Zusammenschluss von realen Menschen, von Individuen, Familien, kleinen Gruppen, nicht Staaten und anderen abstrakten, anonymen Gebilden. Was bedeuten denn Demokratie, Freiheit, Menschenwürde, Lebensstandard, Selbstverwirklichung, Erfüllung? Geht es da um Konsumgüter oder Menschen? Um Menschen natürlich. Aber ein Mensch kann nur in überschaubaren Gruppen er selbst sein.

Wir müssen deshalb lernen, in Begriffen einer allgemeinverständlichen Struktur zu denken, die eine Vielfalt kleiner Einheiten integriert. Ökonomisches Denken ist nutzlos, wenn es da nicht ansetzen kann. Wenn es nicht hinauskommt über all diese ungeheuren Abstraktionen wie Nationaleinkommen, Wachstumsrate, Input-Output Analyse, Kapitalakkumulation und dergleichen, wenn es sich nicht auseinandersetzen kann mit der Realität von Armut, Frustration, Entfremdung, Verzweiflung, Kriminalität, Flucht in leere Vergnügungen, Stress und geistiger Verödung, dann sollten wir es auf den Müll werfen und ganz neu anfangen.

Gibt es nicht in der Tat genug "Zeichen der Zeit", die uns darauf hinweisen, dass ein Neuanfang dringend Not tut?

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. Auszug aus dem Buch "Small is beautiful" (1973) des britischen Ökonomen  E.F.Schumacher

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