| SCHIEFLAGE
Die Verteilung von Reichtum und Arbeit Die
Bundesrepublik ist in eine Schieflage geraten: Mit dem Anstieg der Massenarbeits-
losigkeit sind immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze gerutscht. Über
eine Million Kinder wachsen unter Bedingungen der Armut auf. Immer mehr
Menschen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Gleichzeitig hat sich die Zahl
der Superreichen, der Millionäre und Milliardäre
erhöht. Die Kluft zwischen den Einkommen aus abhängiger Beschäftigung
und den Gewinneinkommen ist erheblich größer geworden. Stärker
noch hat die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung zugenommen.
Die Verteilung des Reichtums ist deshalb gemeinsam mit der Verteilung der
Arbeit das erstrangige politische Thema. Allerdings gilt es als altmodisch
und unschicklich, bestehende Verteilungsstrukturen in Frage zu stellen
und eine andere Verteilung zu fordern. In der öffentlichen Diskussion
werden statt dessen unter dem Druck der verfestigten Massenarbeitslosigkeit
'Standort-Probleme' in den Vordergrund gerückt: Die in Zeiten der
Globalisierung gefährdete Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Wirtschaft gelte es zu erhalten. Verteilungsprobleme werden verdrängt.
Doch die Schieflage der Verteilung belastet
sowohl das volkswirtschaftliche Leistungspotential als auch die Demokratie.
Dagegen trägt eine gerechte Verteilung des Reichtums zur wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit bei. Zudem erfüllt sie die gesellschaftliche
Aufgabe, allen Bürgerinnen und Bürgern eine demokratische Beteiligung
zu ermöglichen.
Aus
der Schieflage heraus.
Die
These der Autoren: Ohne volkswirtschaftliche Funktionsregeln zu verkennen,
müssen die Strukturen der Verteilung des Reichtums und der Arbeit
neu bestimmt werden, und zwar erstrangig nach den Maßstäben
demokratischer Beteiligung. Dazu sind tiefgreifende wirtschafts- und sozialpolitische
Reformen erforderlich.
Friedhelm Hengsbach ist
Professor an der katholischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt
Zahl
der Millionäre in zehn Jahren verdoppelt
Nach
dieser Studie verfügt das untere Zehntel der Bevölkerung über
ein 25stel (4,1 Prozent) des Gesamteinkommens, das obere Fünftel dagegen
über ein Drittel.
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