| . | ...Schwinden der Entwicklungsperspektiven |
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Globaler Sumpf Korrupte Eliten bedrohen den Fortschritt und Wohlstand der ganzen Welt |
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Überall auf dem Schwarzen Erdteil verknappen sich die natürlichen Güter. Die Wüsten wachsen. Die Regenwälder schrumpfen. Lake Victoria, das größte Binnengewässer, droht zu kippen. In Benin sind die Lagunen überfischt. Im Nigerdelta gleichen die Flüsse Kloaken. In Somalia trocknen die Wasserlöcher aus. Nach groben Schätzungen der Organisation Afrikanische Einheit sind derzeit rund 27 Millionen Afrikaner auf der Flucht. Die Gründe sind hinlänglich bekannt: Kriege und Bürgerkriege, die zum Teil seit Jahrzehnten andauern. Völkermord, Hunger. "Das Schwinden der Entwicklungsperspektiven bereitet uns mehr Sorgen als das Bevölkerungswachstum", sagt die südafrikanische Politologin Marion Stevens. Das Lamentieren über die anschwellenden Menschenmassen sei nichts als "demographischer Alarmismus", der von den wahren Problemen ablenke, von unfähigen Regierungen und korrupten Eliten, von Misswirtschaft und exzessiven Rüstungsausgaben. Die Seuche der Korruption grassiert nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent. Sie ist in fast allen Staaten der Erde verbreitet. Die Weltbank befragte 60000 Menschen in 60 Staaten und hörte " immer und immer wieder, in allen Ländern, an allen Orten" die gleichen Klagen: Korruption im Zoll und Grenzverkehr. Korruption im Bauwesen. Korruption bei der Verteilung von Saatgut und Medikamenten. Korruption bei der Vergabe von Krediten. Korruption bei der Ausstellung von Personalausweisen, Gewerbescheinen, Autozulassungen oder Umzugsgenehmigungen. Die Bürger müssen zahlen, "um sich vor den schlimmsten Formen der Belästigung, des Diebstahls und des Amtsmißbrauchs zu schützen". Umgekehrt wird alles käuflich: Importlizensen, Diplome, Abgeordnetenmandate, Ämter. Die Empfänger der erzwungenen Gefälligkeiten sind Politiker, Staatsbeamte, Richter, Polizisten, Äzte, Manager. Bestechlichkeit im Amt, Unterschlagung von Milliarden und Abermilliarden, Veruntreuung und Vetternwirtschaft, unlautere Geschäfte, Steuerhinterziehung, Geldwäscherei, Betrug im großen Stil: Inzwischen hat sich herumgesprochen, daß die Korruption zu den größten Entwicklungshemnissen zählt. Sie vertieft die Kluft zwischen Armen und Reichen, weil raffgierige Eliten die öffentlichen Haushalte ausrauben. Sie unterhöhlt die Demokratie, das Vertrauen in den Staat, die Legitimität von Regierungen, die allgemeine Moral. Der jüngste Putsch in Pakistan, wo sich kriminelle Regime in trauriger Regelmäßigkeit ablösen, liefert aktuelle Anschauung. Korruption hat es schon immer gegeben. Aber noch nie in der Geschichte war ihr Ausmaß so gewaltig, waren ihre Folgen so bedrohlich wie in unseren Tagen. Das hängt mit den geopolitischen und weltökonomischen Umbrüchen seit dem Ende des Kalten Krieges zusammen. Nach dem Fall der Mauer kollabierten die Wirtschaften des Ostblocks. Es folgten turbulente Transformationsprozesse, die Staat und Gesellschaft überforderten. Freie Marktwirtschaft, Privatisierung, Deregulierung - die alten Bürokratenkasten stellten sich Lizensen zur Plünderung öffentlicher Haushalte aus. Gleichzeitig trat ein entfesselter Kapitalismus seinen Siegeszug um den Erdball an. Mit der Globalisierung des Handels ging der Kult des schnellen Erfolges einher, in dessen Zentrum materielle Bereicherung steht. Quelle:
Die Zeit vom 07.10. und 28.10.1999
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