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Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde (kairos): geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; (...) weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. 1 Alles, was man tun
kann, hat seinen kairos, seinen richtigen Moment. Dieser Moment ist ein
Einschnitt im Fließen des chronos. Er teilt die Zeit, rhythmisiert
sie und macht sie so zur Harmonie: Zusammenstimmung des Gegenstrebigen.
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Zeit ist „Sein, das, indem es ist, nicht ist, und indem es nicht ist, ist: Das angeschaute Werden“ 3 Die Zukunft war früher
auch besser. 4
* * * 1921 konzipierte Satie die wahrscheinlich längste Komposition der Klavierliteratur Vexations, die bei mittlerem Tempo der Vortragsweise eine Länge von 18 bis 19 Stunden ergibt. Vorgetragen wird in der Regel von mehreren Pianisten, die sich, wie beim Staffellauf, am Klavier abwechseln, sozusagen den Ton übergeben. Dabei ist es ein relativ kurzes Stückchen Klaviermusik, das Satie notierte. Nur versah er es mit der Anweisung, es 840 mal zu wiederholen. In einer Endlosschleife läuft ein
unbelichteter Filmstreifen durch den Projektor, wird im Laufe der Zeit
Staubpartikel anziehen, Kratzer abbekommen, wird sich als Filmmaterial
und als Projektion im Laufe der Zeit konkret verändern. 5
* * * Das Nachdenken über die Zeit ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Wir alle glauben zu wissen was Zeit ist, können sie aber nur schwer oder gar nicht erklären. Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften haben von jeher immer neue, abstrakte Theorien zum Phänomen Zeit und zum Verhältnis von Zeit und Raum entwickelt. Seit Beginn dieses Jahrhunderts und in besonderem Maße seit Anfang der 60er Jahre beschäftigen sich vor allem auch bildende Künstler mit der Zeit. Dabei wurden und werden unterschiedlichste Zeitphänomene wie etwa Realzeit, Lebenszeit, lineare und zyklische Zeit, meßbare Zeit und subjektives Zeitempfinden auf verschiedenste Art und Weise visualisiert und damit sinnlich und ästhetisch erfahrbar gemacht. Unter dem Titel Chronos & Kairos zeigt das Museum Fridericianum in Kassel (bis 7.Nov.99) beispielhafte Werke zeitgenössischer Künstler zum Thema Zeit, wobei die Ausstellungskonzeption einen Wechsel zwischen neuen Arbeiten und Stationen mit „klassischen“ Arbeiten zum Phänomen Zeit vorsieht. Chronos und Kairos dienen dabei als Leitmotiv. Chronos, der griechisch-orphische Urgott und Weltenschöpfer ist eine Personifikation der Lebenszeit. Er gilt als Vater der Weltalter und symbolisiert die alles verschlingende Zeit, vor der nichts Bestand hat. Chronos, ausgestattet mit Sichel und Stundenglas, steht für ein Ordnungsprinzip, das die Erscheinungen in eine unaufhörliche Reihenfolge bringt und somit deren Endlichkeit demonstriert. Kairos hingegen gilt als der Gott des rechten Augenblicks und des richtigen Zeitpunktes. Er wurde unter dem Bild eines schönen Jünglings verehrt, um zu zeigen, daß alles Rechtzeitige schön ist bzw. daß Rechtzeitigkeit und Schönheit zusammengehören. Unter diesen beiden Leitbildern spannt die Ausstellung im Museum Fridericianum den Bogen von der meßbaren und dokumentierbaren Zeit hin zum Zeitempfinden, zum „Zeitgeist“. Die Ausstellung wird von einem informativen Katalog begleitet. Preis an der Museumskasse: DM 5.-, im Versand: DM 10.-. Öffnungszeiten: Mi - So 10.00 -18.00
Uhr, Do 10.00 - 20.00 Uhr
Künstlerliste Darren Almond, Janine Antoni, Billy Apple,
Joseph Beuys, Maura Biava, Barbara Bloom, Claus Böhmler, George Brecht,
KP Brehmer, Marcel Broodthaers, John Cage, Henning Christiansen, Hanne
Darboven, Martin Dege, Jan Dibbets, Marcel Duchamp, Maria Eichhorn,
Ayse Erkmen, Hans Peter Feldmann, Robert Filliou, Nina Fischer & Maroan
el Sani, Ludwig Gosewitz, Asta Gröting, KH Hödicke, Christian
Jankowski, Ilya Kabakov, Allan Kaprow, On Kawara, Arthur Køpcke,
Igor & Svetlana Kopystiansky, Joseph Kosuth, Jaroslaw Kozlowski, Christiane
Krumwiede, Shigeko Kubota, Nick Laessing, George Maciunas, Olaf Metzel,
Tatsuo Miyajima, Mariko Mori, Bruce Nauman, Yoko Ono, Nam June Paik, Man
Ray, James Riddle, Diter Rot, Gerhard Rühm, Thomas Ruff, Sarkis, Tomas
Schmit, Sam Taylor-Wood, Endre Tót, Rosemarie Trockel, Ken Unsworth,
Olaf Val, Marijke van Warmerdam, Ben Vautier, Wolf Vostell, Andy Warhol,
Robert Watts, Lawrence Weiner, Emmett Williams, Maaria Wirkkala, La Monte
Young, Marian Zazeela.
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| CHRONOS UND KAIROS | 05. September - 7. November 1999 | ||
| Museum Fridericianum, Kassel, Friedrichsplatz 18 | ||
| Die
Zeit in der zeitgenössischen Kunst
Rahmenprogramm: Filme
im Bali Kino
12
Uhr mittags, Fred Zinnemann, USA 1952
Informationen zum Programm erhalten Sie im Museum Fridericianum und in den Bali Kinos. Konzert
im Museum Fridericianum
Happening
an verschiedenen Orten der Stadt
Lesung
im Museum Fridericianum
Führungen:
an allen Sonn- und Feiertagen um 15 Uhr oder nach Anmeldung.
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