BUCHSTÄBLICH TÖDLICH (1)
Die Folgen der Marktwirtschaft
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UN-Studie:  Marktwirtschaft hat Menschen im Osten ins Elend gestürzt
Der freie Markt hat Millionen Menschen östlich des ehemaligen Eisernen Vorhangs vor allem arm und krank gemacht oder sogar getötet. Der abrupte Übergang von der sozialistischen Plan- zur kapitalistischen Marktwirtschaft habe zu weit verbreiteter Armut geführt, die Kriminalitäts- und Sterblichkeitsraten hoch schnellen lassen, gleichzeitig seien die Geburtenraten und die Lebenserwartung der Menschen gesunken, stellt das Entwicklungsprogramm der UN in seiner Studie fest. Der Anteil der Bevölkerung in der Region, der mit einem Tageseinkommen von vier Dollar leben müsse, sei zwischen 1988 und 1994 von vier auf 32 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum seien auch die Selbstmordraten in die Höhe geklettert: in den baltischen Staaten um 70 bis 95 Prozent.
Quelle: SZ, 5.8.1999
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BUCHSTÄBLICH TÖDLICH (2)
"Wir flehen: Helfen Sie uns!"
"Eure Exzellenzen, die Herren Mitglieder und Verantwortlichen von Europa,
   wir haben das ehrenvolle Vergnügen und das große Zutrauen, Ihnen diesen Brief zu schreiben, um vom Zweck unserer Reise und dem Leiden der Kinder und Jugendlichen Afrikas zu sprechen. (...) Wir flehen Sie an, um der Liebe zu Ihrem schönen Kontinent willen, um Ihrer Gefühle für Ihr Volk, Ihrer Familie und vor allem um der Zuneigung unseres Schöpfers "Gott", des Allmächtigen, der Ihnen all die guten Erfahrungen, Reichtümer und Möglichkeiten gegeben hat, unseren Kontinent gut zu entwicklen und zu organisieren, damit er zum besten und bewunderswertesten Freund der anderen werden kann (...) Wir appellieren an Ihre Solidarität und Ihre Freundlichkeit, wir leiden ungeheuer in Afrika, helfen Sie uns, wir haben Probleme und es mangelt den Kindern an Rechten.

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Die Probleme die wir haben sind: Krieg, Krankheit, die Ernährung usw. Was die Rechte der Kinder betrifft in Afrika, insbesondere in Guinea: Wir haben zwar Schulen, aber große Mängel im Erziehungs- und Bildungswesen; nur an Privatschulen kann man eine gute Erziehung und Ausbildung bekommen, doch braucht man dazu eine Menge Geld. Und unsere Eltern sind arm. Das Geld, was sie haben, brauchen sie, um uns zu ernähren. Erst dann kommen Schule und Sport, wie Fußball und Basketball.
  Aus diesem Grund bitten wir Afrikaner Sie, (...) eine große und leistungsfähige Organisation aufzubauen, damit es vorwärtsgeht. (...) Zum Schluß bitten wir Sie nochmals um Verzeihung, daß wir uns erlaubt haben, uns mit diesem Brief an so hochstehende Persönlichkeiten wie sie zu wenden, obwohl wir sehr großen Respekt vor Ihnen haben. Und vergessen Sie bitte nicht, daß Sie es sind, denen gegenüber wir die Schwäche Afrikas zu beklagen haben."

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Geschrieben wurde dieser Brief von zwei Kindern aus Guniea: der 15- jährige Yaguine Koita und der 16-jährige  Fode Tounkara waren am späten Vormittag des 2.8.1999  von Flughafenangestellten in Brüssel tot im Fahrgestell eines Sabena-Flugzeuges aus Westafrika aufgefunden worden. Die Maschine war aus Guineas Hauptstadt Conakry über Mali nach Belgien geflogen. Die Todesumstände der Kinder und ihr Brief haben in Belgien für beträchtliche Aufregung gesorgt. Außenminister Luois Michel sagte: "Wir können diesen Schrei für ein besseres Leben nicht unbeantwortet lassen." 
Hätten die beiden überlebt, wäre die Antwort vermutlich eindeutig gewesen: Sie wären wegen illegaler Einreise abgeschoben worden - wie in der EU üblich. (Quelle: taz, 5.8.1999)
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Guinea: Das westafrikanische Land ist eines der ärmsten in der Welt. Es steht dieses Jahr auf dem "Human Development Index" des UN-Entwicklungsprogramms UNDP an 161. Stelle der 174 aufgeführten Staaten. Guinea ist von lauter Bürgerkriegsländern umgeben - Sierra Leone, Liberia, Guinea-Bissau. Die Flüchtlinge all dieser Länder strömen nach Guinea, das inzwischen die größte Flüchtlingsbevölkerung Afrikas im Vergleich zur Gesamtbevölkerung beherbergt.
  Da Guinea im Vergleich zu den Bürgerkriegsländern als sicher gilt, schieben europäische Staaten afrikanische Asylbewerber gerne nach Guinea ab, auch wenn sie gar nicht aus Guinea kommen.   (hier zurück zum Brieftext)
 
 
 
 
 
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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