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"Die sollen ihren Scheiß doch in der Wüste abhalten"

Regierungschefs der G-8-Staaten treffen sich zum Weltwirtschaftsgipfel in Genua

Während des G-8-Gipfels werden Demonstranten gegen den Weltwirtschaftsgipfel an der Ausreise nach Genua gehindert. Zum Schutz der konferierenden Regierungschefs ist Genuas Altstadt hermetisch abgeriegelt. Die Tute Bianche, nach ihren weißen Overalls benannte Globalisierungsgegner, wollen die Polizeisperren durchbrechen...

Mi.18.07.01 - Der Gipfel der führenden Industrienationen tagt vom 20.07. bis 22.07.01 in Genua. Zu den Hauptthemen des G-8-Gipfels gehören die wirtschaftlichen Perspektiven, der Nahost-Konflikt, der Klimaschutz und das geplante amerikanische Raketenabwehr-System. Die offiziellen Beratungen werden im prunkvollen Dogenpalast der einstigen Stadtrepublik geführt. Doch residieren die Staatschefs mit Ausnahme von George Bush, der ein Hotel bewohnt, aus Sicherheitsgründen auf einem Luxusschiff im historischen Hafenbecken. Katholische Dritte-Welt-Gruppen über Umweltverbände und linksradikale Kreise bis hin zu den Autonomen mobilisieren nach Genua. Erwartet werden bis zu 100.000 Demonstranten. Globalisierungsgegner erfahren in Italien große Zustimmung. Bei einer Blitzumfrage der Zeitung La Repubblica stimmten 45 Prozent der Befragten den Argumenten der Globalisierungsgegner zu und nur 28 Prozent dagegen.

Kurz vor Beginn des Treffens steigt in der italienischen Hafenstadt die Spannung. Das Briefbomben-Attentat vom Montag auf eine Kaserne der Carabinieri in Genua, bei dem ein junger Polizist verletzt wurde, nimmt die Regierung zum Anlaß, noch repressiver gegen die Gipfelgegner vorzugehen und ihre Bewegungsfreiheit weiter einzuschränken.

Ob die Bombe etwas mit dem Gipfel zu tun hatte, blieb unklar. Am Montag wurde eine Tasche mit Benzinflaschen in der Nähe eines Sportstadions gefunden worden, in dem Demonstranten während des Gipfels untergebracht werden sollen. In Genua, Venedig, Florenz und Padua führte die Polizei Razzien durch, bei denen jedoch weder Schusswaffen noch Sprengstoffe gefunden wurden. Die Polizei stellte Absperrgitter in der Innenstadt Geunas auf. Häftlinge wurden verlegt, um in den Gefängnissen Platz für Globalisierungsgegner zu schaffen. Die Schließung von Hafen, Flughafen, Bahnhöfen und Autobahnen wurde angekündigt. Ein sichelförmiger Sektor der verwinkelten Altstadt rund um den Hafen ist von Mittwoch bis Sonntag komplett mit vier Meter hohen Zäunen gesperrt. Zugang haben außer den Gipfel-Profis aus Politik, Polizei und Presse nur im roten Sektor Beschäftigte und Anwohner - unter der Auflage, sich auf kürzestem Weg zu Wohnung oder Arbeitsplatz zu begeben. "Die sollen ihren Scheiß-G8 doch in der Wüste abhalten, meinetwegen im voll klimatisierten Zelt", empört sich ein Anwohner. Genuas Zentrum verwandelt sich in eine Geisterstadt, da die meisten Geschäfte schließen. Mal in Kampfanzug und Springerstiefeln, mal in ganz gewöhnlicher Uniform, schlendern Carabinieri und Polizisten durch die verwinkelten Gassen. Tausende von Bewohnern verließen inzwischen fluchtartig die Stadt. Für den 20. Juli hat das "Genoa Social Forum zur "Belagerung der roten Zone" aufgerufen Die Tute Bianche, nach ihren weißen Overalls benannte Globalisierungsgegner, wollen am Freitag die Polizeisperren durchbrechen. "Wir Tute Bianche gehen rein in die Off-Limits-Zone, und da werden wir ordentlich Dresche kriegen." Aber die Grenze sei klar. "Göteborg war aus unserer Sicht eine Tragödie. Diese Anarchostalinisten, die Menschenleben aufs Spiel setzen, sind meilenweit von uns entfernt. Wir schützen uns selbst, mit Polstern, mit Helmen, mit Plastikschilden. Aber wir führen keine Offensivwaffen mit. Unser Instrument sind allein unsere Körper."

Über 15 000 Polizisten wurden aus allen Landesteilen in Genua zusammen gezogen, das selbst nur über rund 1500 Ordnungskräfte verfügt. Hinzu kommen knapp 3000 Soldaten, unter ihnen Fallschirmjäger, Sprengmeister, Unterwassertaucher und Spezialisten für ABC-Waffen. Auf dem Flughafen sollen nach Zeitungsberichten sogar Abwehrstellungen gegen Angriffe aus der Luft platziert werden. Unzählige Kanalschächte wurden nach Sprengkörpern durchsucht und mit roten und gelben Siegeln versehen.

Italienische Gipfelgegner beschuldigen den Geheimdienst, bewußt eine "Strategie der der Spannung" erzeugt und angeheizt zu haben, um die Demonstranten zu kriminalisieren und mit harter Faust zu treffen. "Es ist unglaublich, daß in einer Stadt, in der man keine fünf Schritte machen kann, ohne kontrolliert zu werden, wo Tausende Geheimdienstagenten aus sieben Staaten präsent sind, zwei Bomben an einem Tag auftauchen", sagte Vittorio Agnoletto, Sprecher des "Genoa Social Forum", am Dienstag. Luca Casarini, einer der Sprecher der "Tute Bianche" aus dem Nordosten Italiens, zeigt sich kämpferisch. "Ihre Bombe wird in ihren Händen explodieren. Das ist ein Versuch, die Vielfalt der Leute, die nach Genua kommen, zu stoppen. Wir werden jedenfalls nicht haltmachen." Und Agnoletto fügte hinzu, daß die Geheimdienste ihre Arbeit machen sollten, um Attentate und Provokationen dieser Art zu vermeiden, "statt diejenigen zu behindern, die friedlich demonstrieren wollen".

Die Innenminister Italiens, Frankreichs und der BRD setzen alles daran, daß Menschen, die aus dem Ausland an den Demonstrationen in Genua teilnehmen wollen, daran gehindert werden. Italiens Behörden haben bis zum Dienstag 686 Personen an der Grenze abgewiesen. Die französische Staatsbahn SNCF strich einen Sonderzug, mit dem rund 450 Demonstranten von Calais nach Italien reisen wollten. In Deutschland versuchen die Innenminister mehrer Bundesländer seit Tagen, mit Meldeauflagen und Strafandrohungen die Ausreise potenziell gewalttätiger Demonstranten zum G-8-Gipfel nach Genua zu verhindern. Bundesinnenminister Schily kündigte ebenfalls Reiseverbote für "Krawallmacher" an. In Berlin wurden beispielsweise über das Landeseinwohneramt die Ausweisdokumente der Betroffenen für zehn europäische Staaten - darunter neben Italien auch Ungarn, die Schweiz und Frankreich - gesperrt. Als Erklärung schrieb das Berliner Landeseinwohneramt den Betroffenen, sie seien "in der Vergangenheit mehrfach durch gewalttätiges Verhalten auffällig geworden" und gehörten somit "zum Kreis der Globalisierungsgegner." Rechtliche Grundlagen für die Maßnahme ist die Verschärfung des Passgesetzes, die Anfang 2000 im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft für Hooligans beschlossen wurde. Danach können Reisebeschränkungen in die Pässe bekannter Fußballrandalierer eingetragen werden. Voraussetzung ist eine "erhebliche Gefährdung von Belangen der Bundesrepublik Deutschland". Wolfgang Kaleck, Bundesvorsitzender des Republikanischen Anwaltsvereins, bezeichnete das Vorgehen der Innenminister gegen die Globalisierungskritiker als "Einschränkung elementarer Grundrechte wie Reise- und Meinungsfreiheit". Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erklärte am Freitag, es gebe "kein Grundrecht auf Ausreise".

(Quellen: ap, afp, taz, jw, partisan)


Ein Priester hat sich in einem offenen Brief an Berlusconi gewandt: "Der Markt ist auf der einen Seite, Jesus Christus steht aber auf der anderen." Don Vitaliano della Sala, Pfarrer aus dem Avellino, erinnert den Premier daran, dass sich der Papst in unmissverständlicher Weise gegen die Globalisierung als eine "neue Form des Kolonialismus" ausgesprochen habe. Sich und seinesgleichen fühlt der Priester an den päpstlichen Auftrag gebunden: "Findet euch nicht ab mit einer Welt, in der menschliche Wesen an Hunger sterben, Analphabeten bleiben und keine Arbeit haben." Für diese Botschaft müssten auch die Grenzen der "Zona rossa" überstiegen werden, jenes engsten Sicherheitsbereiches, in dem die Großen Acht tagen. Don Vitaliano findet, dass die Barrieren an der "Roten Zone" ein Symbol für "die Barrieren sind, die Milliarden auf der Erde von Menschenrechten ausschließen". (Quelle: fr)

Blutiger Ernst

Verheerende Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Globalisierungskritikern. Demonstrant wird von Polizeikugel tödlich getroffen. Brutaler Polizeiüberfall auf Koordinationszentrum des Gegengipfels. Weltweit kommt es zu spontanen Protestkundgebungen. In Italien demonstrieren hunderttausende Menschen...

Fr. 20.07.01 - Der Gipfel in der Festung Genua gerät außer Kontrolle: "Fröhlich tanzen die Angreifer vor den Toren der belagerten Stadt. An der Piazza Dante fahren die Demonstranten der französischen Attac-Bewegung zu dieser irdischen Komödie den Lautsprecherwagen des Teatro del Piccione auf. Mit in die Sonne gehaltenen Handspiegeln blenden sie die zur Verteidigung angerückten Hundertschaften der Carabinieri. Auf den hellblauen Schützenpanzer der italienischen Staatspolizei hinter den Absperrungsgittern werfen sie eine Sonnenblume. Auch ein paar Mönche, denen die globale Entwicklung Sorgen bereitet, huschen durch die versammelte Menge.

Doch plötzlich verändert sich die heitere Szene in ein Schauspiel der Gewalt. Als ein Dutzend Demonstranten kräftig an den Sperren rüttelt, fahren Wasserwerfer vor. Als Antwort segeln die Handspiegel wie scharfe Frisbeescheiben über die Köpfe der Polizisten und zerschellen hinter ihnen an der Häuserwand. Die prompte Antwort kommt aus Tränengaskanonen. Verschreckt ziehen sich die Demonstranten eine Weile unter die Arkaden der Piazza Dante zurück. So wechseln sich in Genua am Freitagnachmittag im Minutenabstand muntere Provokation und harsche Reaktion ab. Bis am Abend blutiger Ernst daraus wird. An der Piazza Dante und rund um den alten Teil der Stadt. "

Roman Arens und Rolf Paasch, "Links und rechts der Barrikaden",
Frankfurter Rundschau vom 21.07.01. Vollständiger Text im
FR Special "G-8-Gipfel in Genua und Welt-Klimakonferenz in Bonn":

http://www.fr-aktuell.de/fr/spezial/2048/index.htm

In der Altstadt von Genua kam es zu extrem gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Globalisierungsgegnern und Polizei. Die Beamten setzten Schlagstöcke, Tränengas und Wasserwerfer ein, Randalierer warfen Molotow-Cocktails und Steine. Mehrere Demonstranten wurden ins Krankhaus gebracht, auch Polizisten und mindestens ein Journalist wurden verletzt. Rund 18 000 Polizisten und Soldaten waren im Einsatz.

Sprecher des Genua Social Forum (GSF) erklärten, aus den Reihen der friedlichen Demonstranten heraus hätten einzelne Gewalttäter den Streit mit der Polizei gesucht. Teilweise seien auch Demonstranten attackiert worden, die versuchten, mäßigend auf aggressive Gipfel-Gegner einzuwirken, erklärte ein GSF-Sprecher. Das GSF organisiert die friedlichen Proteste gegen den Gipfel.

Unterdessen nahmen zunächst die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Italiens, Großbritanniens, Frankreichs, Japans, Kanadas und der USA ihre Gespräche auf. Schwerpunkt war die weltweit lahmende Konjunktur.

Für umgerechnet 6,5 Millionen Mark hat der italienische Staat als Gipfelhotel das Kreuzfahrtschiff "European Vision" gechartert. An Bord stehen den Gästen wie Bundeskanzler Gerhard Schröder samt Sicherheitspersonal 783 Kabinen zur Verfügung.

Zum Tagungspalast werden die Teilnehmer per Hubschrauber geflogen oder mit Schnellbooten und Autos chauffiert. Der nach Expertenmeinung besonders gefährdete US-Präsident George W. Bush nächtigt im Jolly Marina Hotel am Alten Hafen, das von drei Seiten mit Wasser umgeben ist. Taucher bewachen das Areal von der Seeseite her. Ein US-Kriegsschiff versorgt das Team von Bush.

(Quellen: fr, die welt)


+++ Aktuelle Nachricht vom 21.07.01, 09:00 Uhr +++

Genua: Bei den Protesten gegen den G8-Gipfel ist es zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen. Ein 23jähriger italienischer Demonstrant starb, nachdem er von einer Polizeikugel in den Kopf getroffen wurde. Er soll zuvor einen Feuerlöscher gegen ein Polizeifahrzeug geschleudert haben. Offizielle Stellen erklären, er sei in Notwehr erschossen worden [1]. Augenzeugen sagten, Einsatzkräfte hätten auf das Opfer eingeprügelt. Anschließend sei er von einem Polizeifahrzeug überfahren worden. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA erlitt zudem eine Frau lebensgefährliche Verletzungen. Noch in der Nacht zum Samstag kam es weltweit zu spontanen Protestkundgebungen. Heute wollen sich in Genua mehr als 120.000 Globalisierungskritiker zu Demonstrationen versammeln. Ihr erklärtes Ziel ist die Erstürmung der roten Zone. In Kürze setzten die Teilnehmer der G-8-Gipfelkonferenz ihre Beratungen fort. Dabei soll es in erster Linie um die geplante amerikanische Raketen-Abwehr und den Nahost-Konflikt gehen.

(Quellen: dpa, rtr, afp, br, dr,)

[1] Update vom 31.07.01:
Zweifel an der "Notwehr"-Situation der Polizei


+++ Aktuelle Nachrichten von germany.indymedia +++

21.07.2001 15:08: Die Polizei greift jetzt die Demonstration auf der ganzen länge an. Als Antwort fliegen Steine und Molotovcoctails. Offizielle Medien sprechen von bis zu 150 000 Menschen. +++ Nach Indymedia-Italien waren gestern im Black Block viele Agent Provocateur +++

21.07.2001 14:34: Mehr als 100 000 Menschen in Genua auf der Straße. Polizei setzt grundlose Angriffe auf friedliche Demonstranten fort. +++ Angeblich Razzien in verschiedenen Camps

+++ 21.07.2001 13:52: Erste Demonstration vom Carlini Stadium hat begonnen. Polizei setzt Tränengas gegen friedliche DemonstrantInnen auf der Piazza Kennedy ein

+++ 21.07.2001 11:23: In der ganzen Welt begehen Menschen den global Action Day. In vielen Ländern gehen Menschen auf die Straße - auch angesichts der gestrigen Ereignisse.

Ständig aktualisierte Berichte aus Genua bei:
http://www.germany.indymedia.org/

Übersichtliche Zusammenstellung der Indymedia-Berichte unter:
http://stressfaktor.squat.net/2001/genua_01.html


+++ Aktuelle Nachrichten vom 23.07.01, last update: 28.07.01+++

Genua: Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten wurden am Samstag mindestens 200 Menschen verletzt. Zuvor hatten weit mehr als 100.000 Menschen friedlich demonstriert.

Von Freitag bis Sonntag randalierten hunderte Vermummte vom sogenannten Schwarzen Block. Sie setzten an vielen Stellen der Stadt Autos in Brand, demolierten Banken, Tankstellen und Geschäfte.

Das Ausmaß der Gewalt der Leute vom "Schwarzen Block" und ihre geschickte Guerillataktik hat in Genua vor allem die sehr große Mehrheit friedlicher Globalisierungskritiker überrascht. Die Schwarzen kämpften nicht als Block, sondern in kleinen, hochmobilen Einheiten, die sich immer wieder in die Masse friedlicher Demonstranten eingereiht hatten, um von dort überfallartig zuzuschlagen. Wer sind die Militanten vom "Black bloc", welche Ziele haben sie und von wem werden sie gesteuert? "Der Schwarze Block hat agiert wie eine Armee", wundert sich der Genueser Professor und Pazifist Carlo Schenone. Schenone ist einer der Gründer des Genua Sozialforums, eines Verbunds von 800 Gruppen aus aller Welt, die sich auf friedliche Proteste geeinigt hatten. Schenone ist überzeugt, dass die Chatoen von irgendeiner Seite geführt und instrumentalisert worden sind. Der Professor hat die ultrarechte Forza Nuova im Verdacht.

Das Genoa Social Forum (GSF) wirft der Polizei vor, sie hätte die friedlichen Aktionen nicht geschützt, sondern die Gewalttäter viel zu lange gewähren lassen, teilweise sogar gedeckt. Das Forum will auch Beweise vorlegen, dass die Polizei Provokateure losgeschickt habe.

+++

Die italienische Polizei hat in der Nacht zum Sonntag mit großer Härte das Koordinierungszentrum des Genoa Social Forum (GSF) gestürmt. Das GSF hatte die friedlichen Proteste gegen den Gipfel organsiert. 66 Menschen seien dabei verletzt worden, es habe 92 Festnahmen gegeben, teilte das GSF mit. An die 50 Personen wurden schwer verletzt. Die Polizeiaktion in der Schule wird in italienischen Medien wegen der offensichtlichen Brutalitäten als "die chilenische Nacht" bezeichnet. Nach der Polizeiaktion waren die Räume der Schule verwüstet, Wände waren blutverschmiert, der Boden voller Blutlachen. Genueser Ermittlungsrichter verwarfen die Festnahmegründe gegen Demonstranten als weitgehend haltlos: Für Vorwürfe wie Widerstand gegen die Staatsgewalt und Teilnahme an einer kriminellen Vereinigung gebe es keine konkreten Anhaltspunkte.

Nach Angaben von Augenzeugen traten die Beamten die Tür des in einer Schule untergebrachten Zentrums ein. Etwa 15 junge Beamte hätten auf am Boden liegende Menschen eingetreten, obwohl ein Vorgesetzter das untersagt habe, sagte ein belgischer Journalist. Bei den Straßenschlachten der vergangenen Tage gab es mindestens 500 zum Teil schwer Verletzte.

In ungewöhnlich scharfer Form hat der Vorsitzende der Europäischen Polizeigewerkschaft, Lutz, den Einsatz der italienischen Polizei beim G-8-Gipfeltreffen in Genua kritisiert. Lutz gab den italienischen Polizisten eine Mitschuld an der Eskalation der Gewalt. Beim Betrachten der ersten Fernsehbilder habe er nicht glauben können, dass das irgendwo in Zentraleuropa sei, sagte Lutz in einem Fernsehinterview. Einen derartigen Polizei-Einsatz halte er höchstens irgendwo in der Diktatur für möglich. Nach den Worten des Gewerkschafters stehen die Carabinieri unter Führung des Verteidigungsministers. Derart militärisch ausgebildete Polizisten sprechen Lutz zufolge selten von dem Gegenüber, sondern vielmehr vom Feind. Lutz sprach sich für einen stärkeren Dialog zwischen der Polizei und den friedlichen Demonstranten aus. Er sagte, man müsse gemeinsam mit denjenigen nach einer Lösung suchen, die nur ihre demokratischen Grundrechte in Anspruch nehmen.

Angesichts der Ausschreitungen und des Todes eines Demonstranten erwägen die G-8-Staaten eine Reform ihrer Treffen. Geplant ist, die Zahl der Teilnehmer pro Land künftig deutlich zu verkleinern. Der kanadische Ministerpräsident Jean Chrétien bestätigte, dass der von seiner Regierung ausgerichtete Gipfel 2002 erheblich kleiner wird. Er solle in dem Bergort Kananaskis in der Provinz Alberta stattfinden.

In ihrer Abschlusserklärung kamen die in Genua versammelten Staats-und Regierungschefs der G-8-Staaten überein, dass sie "die Globalisierung so gestalten wollen, dass sie allen Bürgern zugute kommt, und insbesondere den Armen der Welt."

(Quellen: br, dr, fr, taz, jw, sz)


Die offiziellen Ergebnisse des G-8-Gipfels bezeichneten zahlreiche Mitorganisationen des Gegengipfels, darunter auch die deutsche Nichtregierungsorganisation WEED, als "Ohrfeige für die Dritte Welt".

Mehr Information zum Gegengipfel unter:
http://www.jungewelt.de/2001/07-24/004.shtml




Chilenische Nacht:
Polizeiangriff auf Hauptquartier der Globalisierungskritiker

http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#polizeiangriff

Ist politische Gewalt nützlich?
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#gewalt

"Großzügig im Einsatz der Gewalt waren die Polizisten"
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#polizeigewalt

Das Resultat
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#resultat

Es war wie Krieg
Interview mit Luca Casarini, Sprecher der Tute Bianche und der Centri Sociali Nordost-Italiens
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#wiekrieg

Neonazis in Genua?
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#neonazis

Heimliche Datenkungelei mit der italienischen Justiz
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#kungelei

Genua-Debatte
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#genua-debatte

Der Gegengipfel zum offiziellen G-8-Treffen in Genua (Update vom 28.08.01)
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#gegengipfel

Dokumentarfilme über die Ereignisse beim G-8-Gipfel in Genua
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#dokumentarfilm



+++ Aktuelle Nachrichten vom 24.07.01, 9:00 +++

Rom: Italiens Innenminister Scajola hat den umstrittenen Einsatz der Polizei beim G8-Gipfel in Genua verteidigt. Im Parlament sprach der Minister von einem professionellen Verhalten der Beamten. Scajola bezeichnete die tödlichen Schüsse auf einen Demonstranten als Notwehr. In einer Erklärung vor dem Senat in Rom sagte Scajola, der Polizist habe sich selbst mit zwei ungezielten Schüssen verteidigt, um nicht gelyncht zu werden. Die Geschehnisse in Genua nannte der Minister das Ergebnis einer klaren Strategie subversiver Gruppen. Oppositionsführer Rutelli legte Scajola, der für die Polizei verantwortlich ist, den Rücktritt nahe. Das Kabinett hatte sich jedoch bereits zuvor hinter den Minister und die Polizei gestellt. Während der Rede Scajolas demonstrierten vor dem Parlamentsgebäude mehrere hundert Menschen und riefen `Polizisten sind Mörder".

(Quellen: dr, br)


+++ Aktuelle Nachrichten vom 24.07.01, 9:00, update am 27.07.01 +++

Genuas Behörden zogen am Montag Bilanz. Bei den zweitägigen Unruhen war ein Demonstrant von einem Polizisten erschossen worden, 561 Demonstranten wurden verletzt, 219 zeitweise festgenommen. Der in Genua angerichtete Sachschaden wird auf 100 Millionen Mark geschätzt.

Die Zahl der in Italien festgenommenen Deutschen ist bis Dienstag auf mindestens 68 gestiegen. Von ihnen liegen 23 verletzt in Krankenhäusern. Angehörige der Protestierer gegen den G-8-Gipfel in Genua kritisierten, sie hätten bisher keinen direkten Kontakt mit ihren Verwandten im Gefängnis aufnehmen können. Schwere Vorwürfe hat der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele gegen die italienische Polizei wegen ihres Vorgehens gegen die Demonstranten beim G-8-Gipfel am Wochenende in Genua erhoben. Ströbele hat am Mittwoch in Genua inhaftierte und verletzte Globalisierungsgegner getroffen. Er habe in einem Krankenhaus drei Deutsche besucht, die alle „schwere Kopfverletzungen“ hätten, sagte er. Die Verletzten hätten übereinstimmend erklärt, dass die Polizei in der Samstagnacht ohne Vorwarnung die vom Genua Social Forum (GSF) zum Nachtlager umgewandelte Schule "Armanod Diaz" überfallen und die dort schlafenden Demonstranten mit Stöcken zusammengeschlagen habe.

Eine Krankenschwester berichtete Ströbele, sie habe in der Nacht des Überfalls ("Chilenische Nacht") auf das "Genoa Social Forum", also vom Sonnabend auf Sonntag, im Krnakenhaus Dienst gehabt. Sie habe nur Mitleid mit den jungen Leuten gehabt. Schwer verletzt seien sie gewesen oder grün und blau geschlagen. Noch auf dem Krankenhausflur seien sie von Polizisten mit Gewehrkolben geschlagen worden: Es war wie in einem Horrorfilm", sagt die Krankenschwester.

Nach Besuch eines zweiten Krankenhauses erklärte Ströbele, die dort Liegenden seien "fürchterlich massakriert" worden; "das sollte man in Mitteleuropa nicht für möglich halten".

"Ich bin sicher, dass Genua dazu beiträgt, die Kritiker der Globalisierung zusammenzuschweißen und den Zusammenhalt der Bewegung zu stärken. Die jungen Leute sind motiviert wie zu Zeiten der deutschen Friedens- oder Anti-AKW-Bewegung", so Ströbele in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau (27.07.01).

Berichte über den Polizeiüberfall auf das Nachlager
und Koordinationszentrum des GSF unter:

http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#polizeiangriff

Teilnehmer der Proteste berichteten, Inhaftierte würden geschlagen und misshandelt. Italiens Polizei warfen sie vor, Gewalttaten verübt und Randale des "Schwarzen Blocks" geduldet zu haben. Videokassetten und andere Bilddokumente unabhängiger Pressevertreter beweisen, daß Teile des "Schwarzen Blocks" von infiltrierten Polizisten gesteuert und organisiert wurden, daß die Polizei die Autonomen über jedes Maß hinaus toleriert hat, um die Antiglobalisierungsbewegung zu diskreditieren und zu kriminalisieren.

An den verheerenden Ausschreitungen beim G-8-Gipfel waren nach einem Geheimdossier der italienischen Polizei vermutlich auch Rechtsextremisten beteiligt. Die oppositionelle Linke in Rom erhob am Donnerstag nach Bekanntwerden des Dokuments schwere Vorwürfe gegen Innenminister Claudio Scajola. Die italienische Zeitung Secolo XIX veröffentlichte das Dossier in Auszügen:

http://www.ilsecoloxix.it/giornale/frames/paginecorpo.asp?
ultdata=20010726&sezione=ita&pagina=3

Das Dokument stamme aus dem Polizeipräsidium in Genua und enthalte klare Hinweise, dass bewaffnete Rechtsextremisten in die Reihen der Globalisierungsgegner eingeschleust werden sollten. Ziel der Neonazis sei es gewesen, die Sicherheitskräfte anzugreifen und damit die gesamte Linke "in Verruf zu bringen“. Unter den Rechtsextremisten seien 25 bis 30 Männer der italienischen Radikalengruppe "Forza Nuova" gewesen,

Die massiven Gewaltübergriffe durch Mitglieder der Spezialeinheit GOM bei der Stürmung der Schule "Armanod Diaz" und im anschließenden Polizei- Gewahrsam werden durch reguläre Polizisten bestätigt: "Die GOM- Männer haben ein Gemetzel veranstaltet", so ein Beamter in der Zeitung "La Repubblica"
( http://www.repubblica.it/quotidiano/repubblica/20010726/esteri/04espi.html ).
Wir in Genua waren quasi entmachtet." Das mit dem "brutalen Terror" sei leider alles wahr, so der Polizist. Laut seinen Angaben sollen Mitglieder der Spezialeinheit GOM verhaftete Demonstranten systematisch misshandelt haben. "Sie wurden mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen" berichtet der Polizist, "einige Kollegen haben auf die Verhafteten uriniert, wenn sie sich weigerten, die Faschistenhymne 'facceta negra' zu singen." Auf Einwände haben sie nur gesagt, sie hätten Rückendeckung." Es gab mehr als 80 Verletzte, die meisten hatten Knochenbrüche, Platzwunden, riesige Blutergüsse und Lungenblutungen nach Tritten auf den Brustkorb.

Etwa tausend Trauergäste nahmen am Mittwoch in Genua an der Beerdigung des beim G-8-Gipfel getöteten Demonstranten Carlo Guiliani teil. Auf Wunsch der Familie des 23-Jährigen war die Feier sehr nüchtern und ohne kirchliche Zeremonie, ein "aufrichtiger, schlichter Abschied ohne Fahnen, Symbole oder Blumen, wie dies auch Carlo gewollt hätte". Die Familie richtete ein Spendenkonto zu Gunsten von jungen Leuten aus armen Ländern ein.

Berichte über die Beerdigung unter:
http://www.jungewelt.de/2001/07-26/001.shtml
http://www.taz.de/pt/2001/07/26/a0090.nf/text.name,ask0Cd4u8.n,0

Nachdem schon der Vater des von einem Carabiniere erschossenen Carlo Giuliani seit Tagen mit beschwörenden Appellen zur Toleranz und zum friedlichen Widerstand an die Öffentlichkeit tritt, meldete sich am Donnerstag der Vater des 20-jährigen Todesschützen zu Wort. Er fühle sich verpflichtet, den Eltern des Toten seine Solidarität auszudrücken. Er sei sicher, dass sein Sohn "ohne offensiven Willen" gehandelt habe, schrieb er im Beileidsbrief. Der einzige Fehler seines Sohnes, der gerade den Wehrdienst ableiste, sei gewesen, seinen Dienst „in einem sehr schwierigen Moment in einer unvorhersehbaren Situation" zu versehen. Der Vater des Opfers hat dem Carabiniere bereits verziehen.

Laut Zeugenaussagen von Einwohnern in Genua feierten feierten Polizisten den Tod des italienischen Demonstranten am Sonntagabend mit dem Absingen des Faschistenliedes "Faccetta nera", sie grölten Schmährufeauf die Kommunisten, sie hoben den Arm zum Duce-Gruß und brüllten "Olé, olé! Hurra, hurra! Einer weniger!"


"Es kommt darauf an, der Umwandlung des dem Recht und der Demokratie verpflichteten Staatsapparats in einen Terrorapparat der Herrschenden entgegenzutreten."

Prof. Bodo Zeuner, Vater von Katharina Zeuner, die in der Schule Armando Diaz Opfer des Polizeiüberfalls auf friedliche und schlafende Demonstranten wurde.

Stellungnahme zum "Staatsterrorismus beim Genueser Weltwirtschaftsgipfel"
Von Prof. Bodo Zeuner:

http://de.indymedia.org/2001/07/5192.html


Weit mehr als 100.000 Italiener haben am Dienstag in mehreren Städten des Landes gegen die Polizeiwillkür beim G8-Gipfel in Genua protestiert. In Rom, wo das Genoa Social Forum (GSF), die Dachorganisation der Globalisierungskritiker, nur 10.000 Demonstranten erwartet hatte, kamen fast 50.000. In Mailand beteiligten sich - je nach Schätzung - bis zu 100.000 Menschen an einem Sit-in vor dem Dom. In Genua füllten mehr als 10.000 Demonstranten die Piazza De Ferrari. Überall trieb der Zorn auf Polizei und Regierung die Menschen auf die Straße - in Bologna (20.000) und Turin (20.000), in Florenz (10.000) und Neapel (15.000), in kleinerer Zahl auch in Triest, Palermo, Bari und Venedig.

Bericht über die Demonstrationen in Italien unter:
http://www.taz.de/pt/2001/07/26/a0086.nf/text.name,ask2fX5nw.n,0

Auch das oppositionelle Mitte-links-Bündnis in Italien kritisiert den Polizeieinsatz scharf. Es forderte die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses und den Rücktritt von Innenminister Claudio Scajola. Dieser verteidigte das Vorgehen der Polizei. "Die Sicherheitskräfte verhielten sich mit beispielhafter Würde und können nicht dem Spott preisgegeben werden", sagte er vor dem Parlament in Rom. Die Polizei habe professionell gehandelt. Der getötete Demonstrant sei von einem Beamten in Notwehr erschossen worden.

Der innenpolitische Sprecher der deutschen Grünen, Cem Özdemir, verlangte, den Tod eines Demonstranten, die Krawalle und den Polizeieinsatz in Genua international zu untersuchen. "Berichte, wonach Personen aus dem, 'Schwarzen Block' bei der Polizei aus- und eingingen, begründen den Verdacht einer Zusammenarbeit zwischen Provokateuren und Polizei und müssen überprüft werden", sagte er. Das Genua Sozialforum, das die Massenproteste beim G-8- Gipfel organisiert hatte, wirft den italienischen Sicherheitskräften eine falsche Einsatzstrategie vor. Die friedlichen Aktionen seien nicht vor den Gewalttätern abgeschirmt worden. Erst dadurch habe es zu der Eskalation kommen können.

Unbekannte griffen in der Nacht zum Montag das italienische Konsulat im südschwedischen Malmö an, schmissen Fenster ein und schrieben Parolen an die Wand wie: "Der Kampf geht weiter". Schwedens Regierung erwägt indessen, ein für kommenden Sommer geplantes Weltbank-Treffen wegen befürchteter Ausschreitungen abzusagen.

(Quellen: dpa/ap/afp/sz/fr/jw/taz)


+++ Aktuelle Nachrichten vom 03.08.01 +++

Italien räumt Gewalttaten der Polizei beim G 8-Gipfel von Genua ein

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
g8_genua.htm#nachricht010802


Genua-Debatte
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#genua-debatte


Offizielle Websites zum G-8-Gipfel ( Genoa Summit Meeting 2001):
http://www.genoa-g8.it/eng/index.html
http://www.g8italia.it/_en/index.html
http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/aussenpolitik/friedenspolitik/g8
http://www.usinfo.state.gov/admin/004/

Aktuelle G-8-Gipfel-Berichte von unten:
http://austria.indymedia.org
http://italy.indymedia.org/
http://linkeseite.de/sonderseiten/genua2001.htm
http://www.genoa-g8.org


Zugriff auf sämtliche Abschlussdokumente
die im Laufe der G-7- bzw. G-8-Gipfeltreffen seit 1975 veröffentlicht wurden:
http://www.g7.utoronto.ca/g7/deutsch/index.html
 
 



Innere Grenzen

Süddeutsche Zeitung vom 19.07.01:
Ausgesperrte Gegner
Von Jonas Viering

..."Sehr geehrter Herr, der Geltungsbereich Ihres Reisepasses wird gemäß §7 Abs. 1 Nr. 1 Passgesetz räumlich beschränkt..." – solche Briefe haben in den vergangenen Tagen Dutzende von Angehörigen der linken Szene in Deutschland erhalten. Der Grund für diese Einschränkung der Freizügigkeit heißt Genua. Dort treffen sich ab Freitag die acht größten Wirtschaftsmächte...

Mehr unter:
http://szarchiv.diz-muenchen.de/REGIS_A12672038


"Das geeinte Deutschland sollte sich schon als Konsequenz aus der eigenen Geschichte hüten, die Ausreisefreiheit seiner Bürgerinnen und Bürger abermals unter Berufung auf das Staatswohl direkt oder indirekt einzuschränken, zumal wenn dadurch von der Wahrnehmung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit abgeschreckt werden soll. Im vereinten Europa und in einer globalisierten Welt muß ein Recht auf Meinungskundgabe- und Versammlungsfreiheit auch in anderen Staaten gelten. Maßnahmen, welche die Wahrnehmung des Grundrechts ohne überprüfbare konkrete Gründe verhindern, verstoßen gegen Grundsätze europäischen Verfassungsrechts, sind grundgesetzlich problematisch und politisch nicht zu rechtfertigen."

Aus der Presseerklärung Nr. 0469/2001 von Hans-Christian Ströbele, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, 18.07.01

G8: Reisesperren, Datenaustausch und 'Polit-Hooligans'

Nicht nur in Genua selbst und an den Grenzen zu Italien wird im Zusammenhang mit der Mobilisierung gegen den G8-Gipfel alles dafür getan, potentielle AktivistInnen aus der linken Szene einzuschüchtern, zu behindern, zu kriminalisieren oder aufzuhalten. Bereits zum zweiten Mal nach dem WEF-Treffen in Salzburg haben verschiedene Länder die im Schengenabkommen vereinbarte Personenfreizügigkeit befristet ausser Kraft gesetzt. Darüberhinaus zeichnet sich im klarer eine grenzübergreifende Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Datenschützern gegen die Antiglobalisierungsbewegung ab. Gesamteuropäische Koordinationstreffen hochrangiger Beamter, reger Datenaustausch, Grenzschliessungen und die Entsendung von Sicherheitsberatern gehören mittlerweile zu den üblichen Vorbereitungen bei grösseren Gipfeltreffen.

Mehr unter:
http://austria.indymedia.org/display.php3?article_id=1411
http://germany.indymedia.org/2001/07/4135.html



Das Recht, frei nach Italien zu reisen:

"Die zeitweise Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Schengenland hat keine Auswirkung auf eure Rechte. Lasst euch nicht für dumm verkaufen. Falls ihr Bürgerinnen eines Mitgliedsstaates der Europäischen Union seid, habt ihr das Recht, frei nach Italien zu reisen, wann immer ihr wollt. Dieses Recht ist festgehalten im Artikel 18 des EU-Vertrags (eure Rechte als EU-BürgerInnen) und im Artikel 49 des EU-Vertrags (eure Rechte als Leistungsnehmerinnen in Italien). Die Behörden können Dieses Recht auf Freizügigkeit nur ausser Kraft setzen (also euch am Grenzübertritt hindern) wenn sie dies gemäss dem EU-recht rechtfertigen (Direktive 64/221)..."

Mehr unter:
http://www.gipfelsturm.net/gentrav.htm




Mobilisierung nach Genua gegen den Weltwirtschaftsgipfel
(G-8-Gipfel, Genua 2001):

"Ein neues Gespenst geht um in Europa, das der Illegalen, der MigrantInnen, der Flüchtlinge..." So beginnt der Aufruf italienischer AktivistInnen für den 19. bis 22.Juli nach Genua, wo Gruppen der Sozialen Bewegung Italiens den Mächtigen ein heißen Empfang bereiten wollen. Im Mittelpunkt der Mobilisierung soll ein antirassistischer Ansatz gegen "dieses Symboltreffen neoliberaler Politik" stehen, und der "Kampf gegen die Mauern der Festung Europa wird in den Kontext antikapitalistischer Bewegung gerückt", heißt es in einem Aufruf zur Mobilisierung nach Genua.

Mehr unter:
http://www.genoa-g8.org/
http://italia.indymedia.org
http://attac-netzwerk.de/genua/
http://linkeseite.de/sonderseiten/genua2001.htm
http://www.gipfelsturm.net/genua.htm
http://www.nadir.org/nadir/aktuell/schwerpunkte/g8_genua.html
http://austria.indymedia.org
http://www.tutebianche.org
http://www.ecn.org/agp/index1.html



reKOMBINANT:
"Auch wir bereiten uns auf Genua vor, jeder in seinem Stil"

In Form direkter Aktion, friedlicher Aktion oder dadaistischer Provokation wird jeder seinen Teil tun. Es wird eine schwierige Schlacht, weil wir Gefahr laufen, das Territorium zu akzeptieren, das uns ein krimineller Feind vorschreibt. Aber wir haben gelernt, dass die Schwachen für den Sieg die Waffe der Intelligenz verwenden und den Ort der Konfrontation wählen müssen... Mehr unter:
http://www.mikro.org/cgi-bin/wilma_hiliter/
rohrpost/200106/msg00070.html?line=8#hilite


reKOMBINANT = workshop on-line e off-line su bioingegneria della politica e rete del lavoro cognitivo
Im Internet unter:
http://net-i.zkm.de/rekombinant



Auf nach Genua!

"Die Welt, in der wir uns auf den G-8-Gipfel in Genua vorbereiten, ist voll tiefer Ungerechtigkeiten. 20 Prozent der Menschen in den modernen Industrienationen verbrauchen 83 Prozent der Ressourcen, jedes Jahr sterben 11 Millionen Kinder an Unterernährung und 1,3 Milliarden Menschen leben von weniger als einem Dollar am Tag", so der Beginn des weltweiten Aufrufes...

Mehr unter:
http://www.linksruck.de/rage/artikel/107genua.htm
 
 



G-8-Konferenz Okinawa 2000: Gipfel der Verschwendung
Das Sommertreffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer und Russlands auf der japanischen Insel Okinawa, sowie die vorangegangenen Treffen der Finanz- und Außenminister verschlangen umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Mark. [ mehr... ]
 
 

Zur Rolle und Geschichte der G 8

"Gipfel sind zwar in erster Linie medienwirksame Zusammenkünfte mächtiger Staatsmänner, bei denen beschlossen wird, was ohnehin schon ausgehandelt ist. Dennoch sind sie bedeutsam, denn sie sind Symbole von Macht und Politik. Insofern kann auch der Protest nicht danach trachten, die Gipfel politisch zu beeinflussen. Er kann nur den imaginierten Konsens brechen und damit die Symbolik. (Wolf-Dieter Narr)

Mehr unter:
http://www.gipfelsturm.net/gacht.htm
 
 
Zugriff auf sämtliche Abschlussdokumente
die im Laufe der G-7- bzw. G-8-Gipfeltreffen seit 1975 veröffentlicht wurden:
http://www.g7.utoronto.ca/g7/deutsch/index.html
 
 



G-8-Versprechen nur Rhetorik
Globalisierungsgegner legen IWF-Studie vor. Kritik an Bundesregierung

Die Vorstandsvorsitzende der Organisation Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED), Barbara Unmüßig, forderte am Montag vor Journalisten in Berlin mit Blick auf die Medienberichterstattung bei angekündigten Protesten von Globalisierungsgegnern beim G-8-Treffen am kommenden Wochenende in Genua endlich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den politischen Anliegen der Protestbewegung.

Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2001/07-17/007.shtml
 
 



Globalisierung von unten
Die Antiglobalisierungsbewegung

"Das internationale Finanzsystem tötet jährlich mehr Menschen als der Zweite Weltkrieg" Ken Livingstone, Bürgermeister von London

Livingstone beruft sich auf Studien, nach denen seit 1981 jährlich zwischen 15 und 20 Millionen Menschen sterben, weil die Regierungen der Dritten Welt ihre Programme für Trinkwasser und das Gesundheitswesen kürzen müssen, um die Schulden beim IWF und der Weltbank zu bedienen.
 
 

Kritik an den Herrschenden muss es geben...

"Die Politiker sprechen gern vom 'global village'. Doch für den Großteil der Menschheit ist da kein Platz vorgesehen. Sie haben weder genug Lebensmittel noch Trinkwasser. Auch Bildung und medizinische Versorgung werden sogar bei uns immer mehr zum Luxusgut für wenige. Was zählt, sind nur Profite.

Wir wollen Solidarität und Globalisierung von unten. Denn die offizielle G-8-Gipfel- Globalisierung- Rhetorik ist eine Lüge im Interesse von Konzernen und Banken: Es geht dabei nur um die Freiheit für Waren und Kapital, aber nicht um die (Reise)- Freiheit für alle Menschen. Ein Beispiel: Seit 1990 sind über 2000 Flüchtlinge, die vor Armut, Unterdrückung, Folter und Kriegen fliehen mussten, an den Außenmauern der "Festung Europa" gestorben - die meisten ertranken. Deshalb wollen wir mit Flüchtlingen gegen rassistische Politik demonstrieren.

Wir sind keine unpolitischen Hooligans, wie Herr Schröder uns diffamiert. Die Polizei versucht aber durch Hetze und Kriminalisierung im Vorfeld die Situation zu eskalieren und repressive Methoden zu legitimieren. Zurzeit wird eine schleichende Demontage des Demonstrationsrechts betrieben: Die Polizei nimmt Demonstranten die Pässe ab, schränkt die Reisefreiheit ein.

Aber Kritik an den Herrschenden muss es geben. Unser Widerstand lässt sich nicht das Maul verbieten. Wir werden auf jeden Fall gegen den G-8-Gipfel demonstrieren".

Marco Hofstetter vom "Arbeitskreis Internationalismus" der Münchner Universität in einem Interview mit der Münchner Abendzeitung vom 19.07.01.
 
 
 
 

Süddeutsche Zeitung vom 19.07.2001:
Angriff auf die Weltwirtschaft
Die Organisation "Attac" kämpft für das Primat der Politik über internationale Finanzspekulationen. Von Stefan Ulrich

(...) Am 12.Dezember 1997 wetterte der publizistische Chef der Pariser Monatszeitung Le Monde Diplomatique in einem Editorial gegen die Macht der Märkte, gegen Finanzspekulanten, Steueroasen und das gesamte Phänomen, das vulgo unter "Globalisierung" abläuft. Finanzmärkte und Riesenkonzerne hätten sich einen Weltstaat ohne jegliche demokratische Kontrolle geschaffen, schimpfte er, und postulierte: "Will man verhindern, dass die Welt sich im 21.Jahrhundert endgültig in einen Dschungel verwandelt, in welchem die Räuber den Ton angeben, wird die Entwaffnung der Finanzmächte zur ersten Bürgerpflicht." Dazu, so sein Schluss, müsse eine weltweite regierungsunabhängige Organisation namens Attac geschaffen werden, die, im Verein mit gleich gesinnten Gruppen, zur "gigantischen Pressure-group der Zivilgesellschaft" anschwellen könnte...

Mehr unter:
http://szarchiv.diz-muenchen.de/REGIS_A12672035

ATTAC:
http://www.attac.org

Le Monde Diplomatique:
http://www.monde-diplomatique.fr/
 
 
 
 
junge welt vom 11.07.01:
ATTAC bläst zum Gegenangriff
Akteure des Widerstands - zur Geschichte der Antiglobalisierungsbewegung (Teil 3). Von Gerhard Klas

Neben Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGO) haben sich innerhalb der Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung auch milieuübergreifende, internationale Netzwerke herausgebildet. Das in Europa bekannteste ist ATTAC...

Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2001/07-11/007.shtml
 
 
 
 
"Akteure des Widerstands"
Vierteilige Artikelserie zur Geschichte der Antiglobalisierungsbewegung,
erschienen in der Berliner Tageszeitung "junge welt":


Teil 1: The "Summer of resistance"
http://www.jungewelt.de/2001/07-09/008.shtml

Teil 2: Die Rolle der Gewerkschaften
http://www.jungewelt.de/2001/07-10/007.shtml

Teil 3: ATTAC bläst zum Gegenangriff
http://www.jungewelt.de/2001/07-11/007.shtml

Teil 4: Widerstand zwischen Revolte und Reform
http://www.jungewelt.de/2001/07-12/008.shtml

 
 
"For peoples dignity and against neoliberalism"
Den Körper als Waffe des Zivilen Ungehorsams
Tutte Bianches, Ya Basta, Zapatismus und die Widerstandskultur in Italien

Spätestens seit den Protesten in Prag anläßlich des IWF / Weltbankgipfels sind die Bilder der Tutte Bianches, der weiß gekleideten und gepolsterten AktivistInnen aus Italien, wie ein Mythos um die ganze Welt gegangen.

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/ya_basta.htm#top
 
 

Die Vereinnahmung der Globalisierungskritiker

Durch die lautstarken Proteste in Seattle und Porto Alegre aufgerüttelt, schlagen die Regierenden und Besitzenden auf einmal neue Töne an. Besteht die Gefahr, dass sich die Globalisierungsgegner durch den herrschenden Diskurs vereinnahmen lassen?

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/g8_genua.htm#vereinnahmung
 
 



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