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"Lethale Operationen"

USA beginnen neue Phase des Militäreinsatzes gegen Taliban

"Öl ist die versteckte Triebfeder des Krieges"

Zusätzlich zu den Luftangriffen führen Spezialeinheiten zum Teil geheime Militäraktionen durch. Bush ordnet Tötung von Osama bin Laden an. Pakistanische Grenzsoldaten schießen auf Hunderte afghanische Flüchtlinge um sie damit von einer Flucht vor den Luftangriffen der USA zu hindern. UN befürchtet dass 1,5 Millionen Menschen aus Angst vor Bombenangriffen Afghanistan in Richtung Indien und Pakistan verlassen. Laut "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hat Generalinspekteur Harald Kujat die Bundeswehrführung auf größere deutsche Einsätze auch außerhalb Afghanistans vorbereitet. In Afghanistan wird auch um Öl und Gas gekämpft.

Mo.22.10.01 - Updates: | 23.10. | 24.10. | 25.10. | 26.10. |
Zusätzlich zu den Dauerangriffen aus der Luft setzen die USA das Taliban-Regime in Afghanistan seit dem Wochenende auch mit Elitekampfeinheiten auf dem Boden immer stärker unter Druck. Aus US-Regierungskreisen verlautete am Sonntag, Präsident George W. Bush habe den Geheimdienst CIA angewiesen, den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden zu töten.

Mit dem Einsatz von Spezialkommandos auf dem Boden hat im Afghanistan-Krieg eine neue Phase begonnen. Oder besser, mit der Bestätigung durch US-Regierungsbeamte, dass derartige Operationen jetzt im Gange sind.

Militärexperten sind sich einig, dass Spezialtrupps schon lange vor den Terroranschlägen im Lande waren, um das Terrain zu sondieren und den Geheimdienst CIA bei den Bemühungen zu unterstützen, Führer der Paschtunen-Volksgruppe zum Bruch mit den Taliban-Milizen zu bewegen. "Das (der Einsatz von Spezialtrupps) ist etwas, was wir schon seit geraumer Zeit getan haben", zitierte die "New York Times" denn auch am Freitag einen hohen Regierungsbeamten.

Jetzt sind diese Einsätze aber sozusagen offiziell und werden weit über alle bisherigen Operationen hinaus gehen. Das heißt sie werden künftig auch direkte Angriffe auf Taliban-Soldaten und El-Kaida- Terroristen bedeuten. Viel wird die Öffentlichkeit über die Operationen nicht erfahren. Waren die bisherigen Luftangriffe auf Kabul fast weltweit zumindest als Lichterblitze auf den Fernsehschirmen "greifbar", beginnt nun der "schmutzigere" Teil im Kampf gegen Taliban und El Kaida.

Die US-Regierung hat die Bevölkerung seit ihrer Kampfansage nach den Terroranschlägen systematisch darauf vorbereitet, dass es sich um einen langen und oft unsichtbaren Krieg handeln werde. Die Operationen der Spezialtrupps würden zum großen Teil geheim bleiben - auch dann, wenn es Erfolge gebe. Im Augenblick verraten Pentagon- Beamte lediglich, dass es sich bei den Bodentruppen um kleinste Gruppen von Elitesoldaten handelt - "kaum mehr als eine Hand voll". Experten gehen davon aus, dass die Zahl im Laufe der Zeit steigen, aber die Präsenz am Boden niemals auch nur annähernd die Stärke der im Golfkrieg aufgebotenen konventionellen Streitkräfte erreichen wird.

Viele Militäroperationen würden oft erst dann bekannt, so der Verteidigungsexperte am Lexington-Institut, Dan Goure, wenn Kriegsveteranen ihre persönlichen Geschichten erzählen -manchmal Jahrzehnte später. Was sich im Juli 1950 in No Gun Ri abgespielt hatte, kam erst ans Tageslicht, als die Nachrichtenagentur AP 1999 nach Gesprächen mit Überlebenden und US-Veteranen das bis dahin verschwiegene Massaker an koreanischen Flüchtlingen öffentlich gemacht hatte.

Die verdeckte Rolle des CIA bei der Wiedereinsetzung von Mohammed Resa Pahlawi als Schah von Persien 1953 wurde erst vor zwei Jahren bekannt. Das Ausmaß der CIA-Unterstützung bei der Ausbildung und Bewaffnung von Mudschaheddin-Gruppen in Afghanistan während der sowjetischen Besatzung in den 80er Jahren ist nach wie vor unklar. Noch immer nicht bekannt ist beispielsweise auch, wo die NATO während des Kosovokriegs überall Apache-Kampfhubschrauber stationiert hatte. Und in Afghanistan, so urteilen Beobachter, passiere momentan praktisch alles im Verborgenen.

Luftangriffe werden im Afghanistan-Krieg nach Ansicht von Experten weiterhin eine bedeutende Rolle spielen - schon deshalb, weil damit sichtbar "Dominanz" demonstriert werden könne. Aber das Gewicht werde sich nun zunehmend auf Kampfhubschrauber und Spezialkommandos verlagern. Damit steigt die Gefahr von Verlusten an Menschenleben bei den Einsätzen, die nach bisherigen Pentagon-Plänen zumindest vorläufig ausschließlich von Amerikanern und Briten bestritten werden sollen.

Am Samstag war ein größeres Kontingent von US-Spezialkommandos mit bis zu 200 Elitesoldaten erstmals bei Kandahar mit Fallschirmen abgesprungen und in Bodenkämpfe mit Talibanmilizen verwickelt worden. Dabei erlitten die Amerikaner erste Verluste. Zwei Soldaten kamen beim Absturz eines Kampfhubschraubers ums Leben, der die Aktion von Pakistan aus unterstützen sollte. Fünf Soldaten wurden verletzt. Die Taliban behaupten, den Hubschrauber abgeschossen zu haben, was die USA energisch bestreiten. Auch die Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan gingen weiter.

Die amerikanische Militärführung wertete den ersten Einsatz einer Spezialeinheit am Wochenende als Erfolg. Die Soldaten seien nur auf geringen Widerstand getroffen, berichtete Generalstabschef Richard Myers. "Unser Einsatz war im Großen und Ganzen erfolgreich", sagte General Myers. Das wichtigste Ziel der Aktion sei das Sammeln von Informationen gewesen. Die Taliban sprachen von einer gescheiterten Aktion.

Myers sagte am Sonntag dem Fernsehsender ABC, die Ausbildungslager der Terroristen seien zerstört. Auf die Frage, ob die US-Soldaten Bin Laden bei einer Begegnung töten würden, erklärte er, dies hänge von den Umständen ab. Ein Regierungsvertreter sagte am Sonntag, Bush habe dem CIA eine Milliarde Dollar für die Terrorbekämpfung zugesagt. Der Geheimdienst sei angewiesen worden, Bin Laden zu töten, seine Kommunikationseinrichtungen und seinen Sicherheitsapparat zu zerstören. Präsident Bush habe die CIA ermächtigt, "lethale Operationen" durchzuführen schrieb die angesehene amerikanische Zeitung "Washington Post" am Sonntag. Im Klartext: Einsätze zur gezielten Tötung politischer Gegner im Ausland. Der Präsident habe dem Dienst grünes Licht gegeben "für alles, was notwendig ist". Es sei der umfassendste Auftrag an die CIA in ihrer 54- jährigen Geschichte, so die "Washington Post". 1978 hatte der damalige Präsident Jimmy Carter der CIA gezielte politische Morde verboten. Alle seine Amtsnachfolger haben das Verbot bestätigt, Bushs Direktive wäre eine historische Wende.

Bisher hat der US-Geheimdienst große Schwierigkeiten, bin Laden zu finden. Er verlege ständig seinen Aufenthaltsort innerhalb Afghanistans, berichtete bereits vor einigen Tagen die "Washington Post ". Teilweise reise er zur Tarnung in einem Krankenwagen, die Nächte verbringe er in Höhlen. Das Blatt berief sich auf einen US-Beamten. "Das ist, als wenn man einen bestimmten Hasen im ganzen Bundesstaat West Virginia jagen will", sagte dieser.

Die Taliban haben den USA einen Guerilla-Krieg angedroht. Der Kommandeur für das südlichen Afghanistan sagte einer pakistanischen Zeitung, seine Truppen würden sich bei einem US- Einmarsch in die Berge zurückziehen und einen langen Krieg beginnen. Zugleich betonte der Offizier, Osama bin Laden sei in Sicherheit und werde nicht ausgeliefert.

Der Chef des US-Generalstabes, Richard Myers, kündigte weitere Operationen mit Bodentruppen an. "Sie werden nun für mögliche künftige Einsätze gegen terroristische Ziele in anderen Gegenden neu ausgerüstet und positioniert, die als Unterschlupf von Terroristen bekannt sind", sagte Myers auf einer Pressekonferenz am Samstagabend.

In der Nacht zum Sonntag wurden erneut die Hauptstadt Kabul, die südliche Taliban-Hochburg Kandahar sowie Dschalalabad im Osten bombardiert, wie die private afghanische Agentur AIP meldete. Nach Angaben der Taliban sollen innerhalb eines Tages 110 Menschen getötet worden sein. Der arabische TV-Sender El Dschasira berichtete aus Kabul, allein dort seien 20 verletzte Kinder in ein Krankenhaus gebracht worden. In der Taliban-Hochburg seien 20 Menschen getötet worden.

US-Kampfjets nahmen am Sonntag auch Frontlinien der radikal-islamischen Milizen im Norden Afghanistans unter schweren Beschuss. Damit soll der Vormarsch der oppositionellen Nordallianz begünstigt werden. Vertreter der russischen Militär- und Geheimdienstführung trafen mit Politikern der Nordallianz in Tadschikistan zusammen. Moskau will die Nordallianz verstärkt aufrüsten.

Das Taliban-Regime beschloss am Sonntag der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge, Raketenwerfer, Maschinengewehre und Luftabwehrwaffen an Dorfbewohner zu verteilen. Man sei entschlossen, die "US-Aggression" mit "vollem religiösen Eifer" abzuwehren.

US-Kampflugzeuge bombardieren Wohnviertel

Bei einem Bombenangriff auf den Norden der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden am Sonntag mindestens sieben Menschen getötet, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete. Eine Bombe traf zwei Wohnhäuser im Wohnviertel Chair Chana. Der AP-Reporter sah dort und in einem Krankenhaus sieben der Toten -drei Frauen und vier Jungen. Ärzte im Krankenhaus sprachen von insgesamt 13 Toten. In dem Wohnviertel befinden sich keine bekannten Stützpunkte der Taliban-Miliz; eine Kaserne und andere Einrichtungen sind mehrere Kilometer entfernt.

Pakistanische Grenzsoldaten schießen auf afghanische Flüchtlinge

Pakistanische Grenzsoldaten haben am Sonntag auf Hunderte afghanische Flüchtlinge geschossen und sie damit von einer Flucht vor den Luftangriffen der USA gehindert. Ein 13 Jahre alter Junge wurde dabei nach Angaben von Ärzten verletzt. Pakistan hatte am Freitag noch Tausenden Menschen auch ohne gültige Papiere die Ausreise aus Afghanistan erlaubt. Am Sonntag, als wieder Zehntausende an der Grenze warteten, wurde die Kontrollen aber wieder verschärft. Als die Menge am Grenzübergang Chaman vorwärts drücke und Steine warf, schossen die Soldaten in die Luft. Nach Angaben der Vereinten Nationen sitzen 10.000 bis 15.000 Menschen im Niemandsland zwischen Afghanistan und Pakistan fest.

UN befürchtet dramatischen Anstieg der Zahl afghanischer Flüchtlinge

Die Zahl der afghanischen Flüchtlinge könnte nach UN-Schätzungen in den kommenden Wochen dramatisch steigen. Im schlimmsten Fall sei zu befürchten, dass 1,5 Millionen Menschen aus Angst vor den US-Bombenangriffen das Land in Richtung Pakistan oder Iran verlassen, sagte der Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Ruud Lubbers am Freitag in New York. Bereits jetzt seien die Städte Kandahar und Dschalalabad praktisch menschenleer.

Lubbers sagte, die meisten Bewohner seien in die Berge geflüchtet und versuchten derzeit nicht, über die abgeriegelten Grenzen nach Pakistan oder in den Iran zu gelangen. Er forderte beide Länder auf, die Grenzen wieder zu öffnen.

Pakistan, das bereits zwei Millionen Afghanan beherbergt, hat offiziell einen Aufnahmestopp für neu ankommende Flüchtlinge verhängt. Trotzdem sind seit Beginn der Militärschläge am 7. Oktober Schätzungen zufolge rund 60.000 Flüchtlinge über Bergstraßen ins Land gekommen.

Die Situation an der Grenze ist nach UN-Angaben katastrophal. Die Menschen kämen ohne Lebensmittel und viele suchten Familienangehörige, berichtete ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

Die USA wollen den Krieg in Afghanistan nach Worten von Außenminister Colin Powell noch vor Einbruch des Winters beenden. Der Winter könne den Einsatz erschweren, sagte Powell dem Nachrichtensender CNN. Generalstabschef Richard Myers sprach dagegen von einer langen Kampagne.

Vorbereitung der Bundeswehr auf größere Einsätze auch außerhalb Afghanistans?

Generalinspekteur Harald Kujat hat laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Bundeswehrführung auf größere deutsche Einsätze auch außerhalb Afghanistans vorbereitet. Einem Vorabbericht vom Samstagabend zufolge wollen die USA nach dem Ende der ersten Phase des Afghanistan-Konflikts einen "strategischen Feldzug" der Antiterror-Koalition einleiten. Dem Blatt zufolge gelten beispielsweise deutsche Militäreinsätze im Nahen Osten und in Afrika für möglich.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schrieb, ein möglicher Einsatz der Bundeswehr mit Sanitätstruppen und Spürpanzern in der Region Afghanistan solle offenbar nur der Einstieg in eine umfangreichere deutsche Beteiligung in der Antiterror-Allianz mit größeren Verbänden und in anderen Weltregionen sein. Dies sei Thema eines vertraulichen Treffens von Kujat mit rund 50 Generalleutnanten und Generalmajoren sowie Admirälen der Bundeswehr am 9. Oktober in Berlin gewesen.

Im Bereich des Möglichen sei eine "horizontale" Ausdehnung des Konflikts durch die USA auf andere Länder, hieß es. Kujat habe Verlautbarungen zufolge keine Staaten konkret genannt, jedoch könnten vor allem Irak, aber auch Syrien oder Sudan für Bundeswehreinsätze in Frage kommen. Die Militärführung habe den Eindruck gewonnen, dass es mit dem Einsatz von einigen Sanitäts- und Logistikeinheiten sowie Truppen zum Schutz gegen atomare, biologische und chemische Kriegsführung nicht getan sei. Deutschland werde sich darauf einstellen müssen, auch langfristig Defizite der US-Streitkräfte ausgleichen zu müssen.

Dem Blatt zufolge berichtete Kujat von internen Untersuchungen des Verteidigungsministeriums über die Möglichkeiten zur Beteiligung der Bundeswehr. Diese reichten von einzelnen Einheiten wie beispielsweise 500 Mann des Kommandos Spezialkräfte über ein Fallschirmjägerbataillon der Division Spezielle Operationen und ABC-Trupps sowie Gebirgsjägern hin zu Verbänden von Luftwaffe und Marine und einem gepanzerten Verband bis zur Brigadegröße. Vorstellbar sei, dass deutsche Truppen in der Einsatzregion erst mehrere Monate ausgebildet würden, um sie auf regionale und klimatische Besonderheiten vorzubereiten.

Ein Vertreter des Verteidigungsinisteriums bezeichnete die Meldung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" als Spekulation und sagte, es gebe keine konkreten Anforderungen der USA im Zusammenhang mit der Bekämpfung des internationalen Terrorismus.

Kampfkraft der Bundeswehr- Spezialkräfte soll massiv erhöht werden

Die Bundeswehr will die Kampfkraft ihrer Spezialkräfte in nächster Zeit massiv erhöhen. Das kündigte Verteidigungsminister Scharping (SPD) in der Bild an. Nach den Worten von Scharping geht es besonders "um die Führungsfähigkeit über längere Zeiträume und Distanzen, auch in entlegenen Regionen". Als Beispiel nannte er die Anschaffung modernster Kommunikationstechnik wie Satellitentelefone. Die Infanterie der Bundeswehr werde von ihm "revolutioniert" werden, sagte der Verteidigungsminister.

Der Bundestag wird frühestens im November über eine mögliche militärische Unterstützung der USA bei den Angriffen auf Ziele in Afghanistan entscheiden. Derzeit berieten die Regierung und die USA noch darüber, welchen Beitrag die Bundeswehr leisten könne, schreibt SPD-Fraktionschef Peter Struck in einem Brief an die SPD-Abgeordneten, der am Wochenende verbreitet wurde.

(Quellen: rtr, dpa, ap, afp, br, taz, faz )

 
 
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"Das einzige, was in Afghanistan überhaupt noch zerstört werden könnte,
sind die Menschen."

Arundhati Roy in "Ein Kontinent brennt - Warum der Terrorismus nur ein Symptom ist",
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2001, Nr. 226 / Seite 49 f

http://www.friedensnetz.de/roy.htm

Bush und Bin Laden - Gibt es Gemeinsamkeiten?
Exklusiv-Interview mit Arundhati Roy , ARD-Monitor, 18.10.01

http://www.wdr.de/tv/monitor/beitraege.phtml?id=353
 
 


Update: Di.23.10.01, 14:00 Quelle: dw

"Öl ist die versteckte Triebfeder des Krieges"

In Afghanistan wird auch um Öl und Gas gekämpft. Zahlreiche Öl- und Gas- Projekte hängen an der Zukunft Afghanistans. Die kriegführende US-Regierung ist eng mit der Ölindustrie verbunden.

Die aus der Fusionierung der Öl-Multis Chevron und Texaco erst kürzlich hervorgegangene Chevron-Texaco Corporation will sich verstärkt in Zentralasien engagieren. Deshalb hat das Unternehmen vor allem in der Ex-Sowjetrepublik Kasachstan, wo Chevron seit vielen Jahren präsent ist, Milliarden investiert. Geplant ist der Bau diverser Pipelines über den Kontinent, etwa die 1700 Kilometer lange Central Asian Oil Pipeline. Die kürzeste Route für die Pipeline verläuft durch Afghanistan.

Für die US-Ölindustrie ist die zentralasiatische Krisenregion um Afghanistan von wachsender Bedeutung,. Deshalb ist für die amerikanischen Ölmultis Washingtons Krieg auch ein Krieg in eigener Sache, denn sie fürchten um ihr Milliardengeschäft.

"Öl ist die versteckte Triebfeder dieses Krieges", sagt der Politologe und Energieexperte Tony Rosenbaum von der University of Florida. Was George Bush senior 1991 im Golfkrieg vormachte, wiederholt sein Sohn in Afghanistan. Das Land selbst hat kaum nennenswerte Ölvorräte, ist jedoch wegen seiner geographischen Lage von großer strategischer Bedeutung: Afghanistan befindet sich mitten in der "heißesten Wachstumszone" (ein Chevron-Sprecher) einer Industrie, die sich seit der Ölkrise in den 70er Jahren von der Opec-Markmacht abnabeln will.

Eines der größten Ölfelder der Welt, das Tengiz-Becken mit schätzungsweise neun Milliarden Barrel, liegt in Kasachstan, einem Anrainerstaat des Kaspischen Meeres. Chevron hat sich in hier in einem 20-Milliarden- Dollar- Jointventure namens Tengiz- Chevroil auf 40 Jahre an die staatliche Ölgesellschaft in Astana gebunden. Der günstigste Weg des kaspischen Öls nach Asien oder an die Nordküste des Golfs, von wo aus es weiterverschifft werden kann, führt quer durch Afghanistan. "Zahlreiche Öl- und Gas- Projekte hängen an der Zukunft Afghanistans", weiß Naji Abi Aaad vom französischen Observatoire Mediterranéen de l'Energie. Auch Brenda Shaffer, Forschungsdirektorin an der Kennedy School of Government der Havard-University, unterstrich bei einer Anhörung des US-Repräsentantenhauses die Bedeutung Afghanistans: "Multinationale Großkonzerne mit Sitz in den USA haben hier signifikante Geschäftsinteressen."

"Das Weltbild der Bush-Regierung ist das Weltbild von Ölmännern" schreibt Gregg Easterbrook im Wochenmagazin "New Republic. Sowohl Bush als auch sein Vize Dick Cheny verdienten ihre Sporen im Ölgeschäft - Bush zuerst als junger Hilfarbeiter auf einem Ölfeld, später in einem eigenen Unternehmen. Cheney war zuletzt als Vorstandschef von Halliburton tätig, dem weltgrößten Materialzulieferer der Ölindustrie. Noch vor seinem Abgang fädelte Cheney einen Groß-Deal am Kaspischen Meer ein, der im Mai mit der Regierung in Aserbaidschan besiegelt wurde.

Die enge Verbundenheit Washingtons mit der Ölindustrie zeigte sich im Wahljahr 2000 besonders deutlich: Insgesamt 33,3 Millionen Dollar überwies die Ölindustrie im Wahlkampf in die Parteienkassen, den größten Teil davon an Bush und seine Republikaner. Ganz oben auf der Spendenliste: Enron, Exxon, BP, Chevron und Texaco.

Die Regierung Bush ist dichter mit den Ölmultis verflochten als je eine US-Regierung zuvor. Einer der spendabelsten Mäzene und einer der einflussreichsten Vertrauten des Präsidenten ist Enron-Chef Kenneth Lay. Lay betreibt im zentralasiatischen Raum mehrer Geschäftsprojekte. Bushs Top-Strategen Karl Rove und Larry Lindsey waren vor ihrem Wechsel nach Washington Enron-Großaktionäre, Lindsey stand als "Consultant" auf der Enron-Gehaltsliste. US-Sicherheitsberaterin Condolezza Rice saß zehn Jahre lang im Aufsichtrat des Chevron-Konzerns. "Die Verbindungen zwischen Enron und der Bush-Regierung sind so eng, dass schwer erkennbar ist, wo eines beginnt und das andere endet", schreibt der liberale Branchenbeobachter John Hoefle.

So nimmt die "neue Welt-Geografie des Konflikt" Gestalt an, in deren Mittelpunkt nicht mehr politisch- ideologische Verwerfungen stehen, sondern allein "der ungehinderte Fluss von Bodenschätzen", prophezeite der Politologe Michael Klare bereits im Frühsommer im Außenpolitik-Journal "Foreign Affairs". Und Harvard-Expertin Brenda Shaffer warnte den Außenausschuss des Repräsentantenhauses: Mit einer ölfixierten Militär-Intervention in Afghanistan riskiere Washington in Zentralasien "ein politsches Erdebeben".

Artikel zum Thema Öl, Gas und der Krieg in Afghanistan:
http://www.ceiberweiber.at/wahl1/31oktober.htm
http://thenation.com/doc.mhtml?i=20011105&c=3&s=klare
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/11026/1.html
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0110220.htm#n0110230
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/9788/1.html
http://www.trend.partisan.net/trd1101/t411101.html
 
 


Islamabad - Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abd al-Salim Saif, warf den Amerikanern Völkermord vor. Seit Beginn der Angriffe vor über zwei Wochen seien mehr als tausend Zivilisten getötet worden, sagte er. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahlen gibt es nicht.

SPIEGEL ONLINE - 22. Oktober 2001, 17:11
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,163837,00.html
 
 


SPD-Politiker erwägt wegen Afghanistan Parteiaustritt

Der Landtagspräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Hinrich Kuessner (SPD), erwägt wegen der Unterstützung der US-Angriffe auf Afghanistan durch die Bundesregierung offenbar einen Parteiaustritt. In Parteikreisen hieß es am Montag, Kuessner habe am Nachmittag im SPD-Vorstand erklärt, er denke darüber nach, die SPD zu verlassen, da er Schwierigkeiten habe, die Regierungsposition zu den Angriffen mitzutragen.

Die stellvertretende SPD-Chefin von Mecklenburg-Vorpommern, Sylvia Bretschneider, sagte Reuters, in ihrem Landesverband werde heftig über die Angemessenheit der Mittel im Kampf gegen den Extremismus diskutiert. "Diese Frage macht auch nicht vor Topleuten der Partei halt."

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den USA nach den Anschlägen in New York und Washington mehrfach der "uneingeschränkten Solidarität" Deutschlands versichert. Er hat auch deutlich gemacht, dass dies auch einen militärischen Einsatz Deutschlands bedeuten kann. (Quelle: rtr)
 
 

US-Kampfflugzeuge bombardieren erneut Kabul

US-Kampfflugzeuge haben am Morgen erneut Kabul bombardiert. Nur wenige Stunden nach heftigen Angriffen auf Taliban-Frontstellungen im Kampf gegen die oppositionelle Nordallianz folgen die Maschinen eine Serie von Angriffen auf die afghanische Hauptstadt. (Quelle: afp)

Die USA wollen den Krieg in Afghanistan nach Worten von Außenminister Colin Powell noch vor Einbruch des Winters beenden. Der Winter könne den Einsatz erschweren, sagte Powell dem Nachrichtensender CNN. Generalstabschef Richard Myers sprach dagegen von einer langen Kampagne. (Quelle: dpa)
 
 


Update: Mi.24.10.01, 14:00 Quellen: ap, dpa, rtr, afp, jw, partisan, sz, fr

USA setzen Luftschläge in Afghanistan fort

Pentagon räumt Bombeneinschläge in afghanischen Wohngebieten ein. Taliban stoppt Offensive der Nordallianz. Verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen ist für Fortsetzung der Militärschläge auf Afghanistan. Die USA bereiten sich auf Winterfeldzug vor. Völkerrechtler: US-Militäroperationen nicht mehr durch UN-Resolutionen gedeckt. US-Repräsentantenhaus für Kriegsanleihen. Ex-CIA-Chef sieht Verwicklung Iraks in Terroranschläge. Führendes Mitglied der "fundamentalistsich-islamischen" Kaplan-Gruppe verhaftet. USA: Neue Milzbrand-Fälle. Furcht vor Anschlägen mit gefährlichen Anthrax-Erregern wächst. Spuren von Anthrax-Attacken in den USA weisen auf rechte Milizen hin. Enger Vertrauter des "Kalifen von Köln" soll Terrorakte geplant haben.

US-Kampfjets setzen ihr Bombardement auf Ziele in Afghanistan fort. Nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP wurden in der Nacht bei Luftangriffen nahe Kandahar 52 Zivilisten getötet. Die Hauptstadt Kabul habe die schwersten Attacken seit Beginn der Luftschläge vor zweieinhalb Wochen erlebt.

Das US-Verteidigungsministerium gab unterdessen zu, dass mindestens drei Bomben in den vergangenen Tagen ihr Ziel verfehlten. Zwei davon seien in einem Wohnviertel der Hauptstadt Kabul eingeschlagen. Eine dritte Bombe sei nahe einem Altersheim in der Stadt Herat detoniert. Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke sagte, es sei nicht bekannt, ob es Opfer gegeben habe, berichtete der Sender ABC. Die UN bestätigten am Dienstag , dass eine US-Bombe ein Militärkrankenhaus in Herat getroffen habe. Über Tote lagen den UN keine Angaben vor. Die Taliban hatten am Montag den Beschuss eines Hospitals in Herat gemeldet und von mehr als 100 getöteten Patienten und Mitarbeitern gesprochen.

Beer für Fortsetzung der Militärschläge auf Afghanistan

Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Beer, hat sich für eine Fortsetzung der Militärschläge gegen Afghanistan ausgesprochen. Im Ersten Deutschen Fernsehen sagte Beer, nur so sei es möglich, die internationalen Strukturen der Terrorgruppe von Osama bin Laden zu zerschlagen.

US-Luftwaffe setzten Luftangriffe fort.
Bombardierungen haben Taliban-Regime noch nicht ins Wanken gebracht.

Die US-Luftwaffe bombardierte am Dienstag erneut Frontlinien der Taliban-Miliz nördlich von Kabul und um die Stadt Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Damit soll der Vormarsch der gegen die Taliban kämpfenden Nordallianz begünstigt werden. Heftiger Widerstand der Taliban stoppte die Offensive der von US-Spähtrupps unterstützten Nordallianz.

Auch in der dritten Woche der amerikanischen Bombardierungen ist das Taliban-Regime in Kandahar und Kabul noch nicht ins Wanken geraten, meldet die Süddeutsche Zeitung (SZ) [ http://szarchiv.diz-muenchen.de/REGIS_A13236079 ] in ihrer heutigen Ausgabe. Talibanchef Mullah Omar halte unverändert an seinem Kriegsziel fest, "den großen Ungläubigen in die Knie zu zwingen und zu besiegen". Gerüchte, wonach "gemäßigte" Taliban zur Koalition der Gegner überlaufen wollten, hätten sich als falsch erwiesen, so die SZ. Außerdem sei die Offensive der von US-Spähtrupps unterstützten Nordallianz durch heftigen Widerstand der Taliban gestoppt worden.

USA bereiten sich auf Winterfeldzug vor

Die USA bereiten sich auf die Fortführung des Krieges gegen die Taliban in Afghanistan im Winter vor. Konteradmiral John Stufflebeem aus dem Generalstab sagte nach Angaben des Nachrichtensenders CNN in Washington, es sei unwahrscheinlich, dass der Krieg vor dem Wintereinbruch abgeschlossen sein werde.

Das Taliban-Regime müsse sich auf weitere Bombenangriffe in den kommenden Monaten vorbereiten. Zudem deutete Stufflebeem den Einsatz zusätzlicher Bodentruppen gegen die Taliban und die Organisation El Kaida von Osama bin Laden an.

Rund 1000 britische Elite-Soldaten werden derzeit auf den Einsatz bei Bodenaktionen in Afghanistan vorbereitet. Nach einem Bericht des britischen Rundfunks BBC vom Dienstag handelt es sich um Einzelkämpfer mit Spezialausbildung. Die Entscheidung über den möglichen Einsatz von britischen Bodentruppen werde "in Kürze" getroffen, sagte der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon am Dienstag in London.

US-Repräsentantenhaus für Kriegsanleihen

Das US-Repräsentantenhaus hat sich für Kriegsanleihen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus ausgesprochen. Es müssten Wege gefunden werden, um den US-Bürgern eine Unterstützung der Kampagne zu ermöglichen, erklärte der republikanische Abgeordnete John Sweeney bei der Abstimmung am Dienstag. Die letzten Kriegsanleihen in den USA wurden während des Zweiten Weltkriegs verkauft. Zwischen 1941 und 1945 kamen damals mehr als 185 Milliarden Dollar zusammen.

US-Militäroperationen nicht mehr durch UN-Resolutionen gedeckt?

Mit der jüngsten Erklärung von Außenminister Colin Powell, dass die US-Administration die Beseitigung des Taliban-Regimes zum Ziel ihrer Militäroperation in Afghanistan erhoben hat, ist diese nach Auffassung des österreichischen Völkerrechtlers Manfred Rotter zu einem echten Krieg im Sinne des Völkerrechts geworden. Das Vorgehen der USA in Afghanistan sei somit nicht mehr durch die Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates gedeckt, betonte der Linzer Universitätsprofessor am Dienstag im Morgenjournal des ORF-Radios.

Die Vereinten Nationen wollen Afghanistan nach dem Ende des Taliban-Regimes zu einer neuen Regierung aus Vertretern aller afghanischen Parteien verhelfen. Das sagte der UN-Beauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, am Dienstag nach einer zweiten Beratungsrunde mit dem Weltsicherheitsrat in New York, an dem auch UN-Generalsekretär Kofi Annan teilnahm. Für die künftige Regierung in Kabul "brauchen wir eine ausschließlich einheimische Lösung", erklärte Brahimi.

Führendes Mitglied der Kaplan-Gruppe verhaftet

Ein enger Mitarbeiter von Metin Kaplan, des so genannten Kalifen von Köln, steht im Verdacht, terroristische Gewalttaten geplant zu haben. Der 29-jährige Harun Aydin, der als rechte Hand Kaplans gilt, hatte am vergangenen Mittwoch versucht, von Frankfurt aus nach Teheran zu fliegen. Er sei im Flugzeug festgenommen worden, teilte die Generalbundesanwaltschaft am Dienstag mit. Bei der Kontrolle seines Gepäcks fanden Sicherheitsbeamte laut Bundesanwaltschaft einen ABC-Schutzanzug, Materialien zur Herstellung eines Sprengsatz-Zünders und Tarnkleidung. Zudem führte Aydin, der die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, eine CD-Rom mit einem Ausbildungsprogramm für "Gotteskrieger" mit, die detaillierte Anweisungen für den Kampf im "Heiligen Krieg" enthielt. Bei einigen der Fundstücke handelt es sich laut Bundeskriminalamt um typische Ausrüstung eines "Schläfers". Generalbundesanwalt Kay Nehm vermutet, dass Aydin Mitglied einer terroristischen Vereinigung mit "fundamentalistisch- islamistischem Hintergrund" ist. Aydin sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Sein Anwalt Michael Murat Sertzös wies die Vorwürfe als "unhaltbar" zurück. Sein Mandant habe in Teheran lediglich bei der Vorbereitung einer Büchermesse helfen wollen, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Das von den Ermittlern sichergestellte Gepäck sei ihm von einem anderen Passagier untergeschoben worden. Aydin sei "eher ängstlich" und "garantiert kein Schläfer-Typ", der zu einem Selbstmordattentat fähig sei. Im Übrigen sei er den Sicherheitsbehörden seit längerem wegen seiner publizistischen Tätigkeit bekannt. Aydin ist Chefredakteur von Ümmet-i-Mohammed, der Zeitung des verfassungsfeindlichen und 1100 Mitglieder starken Kaplan-Verbandes.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt vermutet, dass sich Aydin eventuell über Teheran nach Afghanistan einschleusen wollte, um an den Kampfhandlungen teilzunehmen. Möglich sei, dass er dabei auch den Märtyrertod mit einkalkulierte habe. Allerdings war Aydin im Besitz eines Rückreisetickets nach Deutschland.

Ex-CIA-Chef sieht Verwicklung Iraks in Terroranschläge.
Irak weist Anschuldigungen zurück.

Nach Ansicht des früheren CIA-Direktors James Woolsey ist Irak wahrscheinlich in die Terroranschläge in den USA verwickelt. Woolsey mutmaßt, der irakische Präsident Saddam Hussein könne an den Milzbrand-Anschlägen beteiligt sein. Er glaube, dass die USA in ihrem Kampf gegen den Terrorismus auch den irakischen Staatschef Saddam Hussein konfrontieren würden, sagte er am Montag vor einem Versammlung des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses. Genug Beweise für eine Verurteilung Saddams gebe es allerdings nicht.

Irak hat am Dienstag die Spekulationen zurückgewiesen, an den Milzbrand-Anschlägen in den USA beteiligt zu sein. Der stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis sagte dem Fernsehsender APTN, Bagdad habe mit den Entwicklungen in den USA seit dem 11. September nichts zu tun. Derartige Unterstellungen seien böse und grundlos, sagte Asis. Anthrax-Erreger seien in vielen Ländern entwickelt worden, auch in den USA. Alle in Irak hergestellten Anthrax-Bakterien seien in den 90er Jahren vernichtet worden.

USA: Neue Milzbrand-Fälle.
Furcht vor Anschlägen mit gefährlichen Anthrax-Erregern wächst.

Der Tod von zwei Postbeamten in Washington hat in der US-Hauptstadt die Furcht vor gefährlichen Anthrax-Erregern weiter erhöht. Die Behörden haben zunehmend Schwierigkeiten die Öffentlichkeit zu informieren und gleichzeitig dem Erreger auf der Spur zu bleiben. Seit klar ist, dass der Erreger mit der Post verschickt wird und die Anthrax-Sporen aus versiegelten Briefen nach außen dringen können, fürchten sich immer mehr US-Bürger davor, ihre Briefe zu öffnen. Insbesondere bei den Bediensteten des US Postal Service ist die Empörung über die behörden groß, seit am Wochenende zwei Postbedienstete mit typischen Symptomen der Erkrankung in Washingtoner Krankenhäuser eingeliefert und gestorben waren. Tausende Angestellte und Abgeordnete des Kongresses seien bereits vor Tagen aufgefordert worden, sich auf Anthrax testen zu lassen und vorbeugend mit Antibiotika behandeln zu lassen, während ähnliche Bitten an die Postbediensteten erst nach den Todesfällen ergangen seien. Die verhaltene Reaktion der Behörden kommentierte die New York Times mit der Überschrift: "Eine schnelle Reaktion für Politiker, eine langsame für Postarbeiter."

Spuren von Anthrax-Attacken in den USA weisen auf rechte Milizen hin

Nachdem in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Wochen mehrere Fälle von Milzbrand (Anthrax) in Regierungsinstitutionen und Redaktionen aufgetreten sind, mehren sich die Hinweise auf rechtsextreme Täter im eigenen Land. Nach jüngsten Informationen der Staatlichen Universität von Iowa liegt es nahe, daß die untersuchten Milzbrandbakterien aus US-Labors stammen.

Laut der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "junge welt" vermuten Experten, daß US-Behörden schon Indizien für die Täterschaft von rechtsradikalen Milizen vorliegen [ http://www.jungewelt.de/2001/10-23/001.php ] . In diesem Fall, so die "junge welt", würden die Informationen unter Rücksichtnahme auf die Angriffe gegen die Taliban in Afghanistan vorsätzlich zurückgehalten.

Für wahrscheinlich hält auch der Berliner Politikwissenschaftler Thomas Grumke die Täterschaft von US-amerikanischen Rechtsextremisten. In einem Zeitungsinterview wies Grumke auf die Organisation "Aryan Nation" (Arische Nation) hin. 1995 war ein der Gruppe angehörender Mikrobiologe mit einer Lieferung Pesterreger festgenommen worden. Drei Jahre später hätten US-Behörden Pläne der Bewegung "Christian Identity" (Christliche Identität) aufgedeckt, die Trinkwasserreserven großer Städte mit Zyanid zu vergiften.
 
 


Update: Do.25.10.01, 14:00 Quellen: dpa, ap, rtr, jw, partisan, taz, kriT

USA verblüfft über Widerstandskraft der Taliban

Taliban nach US-Angaben weiter schlagkräftig. USA fliegen weitere Bombenangriffe auf Kandahar und Kabul. Pakistan drängt auf Ende der Militäraktion vor Fastenmonat. Keine Pause der US-Angriffe im Ramadan. UN: USA haben bei Angriffen auf die westafghanische Stadt Herat Streubomben eingesetzt. Britische Hilfsorganisation fordert Stopp von Streubomben. Zwei Drittel der Deutschen für Feuerpause in Afghanistan. Mehrheit gegen Beteiligung deutscher Soldaten in Afghanistan. Gründungsmitglied der Grünen tritt aus Partei aus. Immer mehr Bundeswehrreservisten wollen Kriegsdienst verweigern. Terror-Netzwerk knüpfte auf dem Balkan unter den Augen von USA und NATO seine Fäden.

Das US-Verteidigungsministerium hat sich nach mehr als zweiwöchigen Luftangriffen verblüfft über die "Hartnäckigkeit" der Taliban. "Ich bin ein wenig überrascht, wie hartnäckig sie sich an der Macht halten", sagte Konteradmiral John Stufflebeem vom Pentagon am Mittwoch. "Sie haben sich als zähe Krieger erwiesen."

Noch vor einer Woche hatte das Pentagon erklärt, die Taliban seien durch die andauernden Bombenangriffe lahm gelegt worden. Stufflebeem deutete nun an, dass es den Taliban noch immer gelinge, ihre Truppen mit neuer Ausrüstung zu versorgen, und sie auf dem Land ihre Panzer noch immer verlegen könnten.

Unterdessen flogen US-Kampfflugzeuge am Mittwochabend und Donnerstagmorgen Angriffe gegen die Taliban-Hochburg Kandahar und die Umgebung von Kabul, berichtete der arabische Fernsehsender Al- Dschasira. Ziel sei auch die Front zwischen Taliban-Truppen und der oppositionellen Nordallianz, die mit den USA verbündet ist, in der Nähe der Hauptstadt gewesen. Mit diesem Angriffen soll die Kampfkraft der Taliban geschwächt werden, um einen Vormarsch der Nordallianz auf Kabul zu begünstigen. Ein Sprecher der Nordallianz machte jedoch klar, dass mit einem solchen Vorstoß zur Zeit nicht zu rechnen sei.

Pakistan drängt auf Ende der Militäraktion vor Fastenmonat

Der pakistanische Staatschef Pervez Musharraf hat die Amerikaner aufgefordert, ihre Angriffe auf Afghanistan vor Beginn des Fastenmonats Ramadan zu beenden, der für die Moslems eine Zeit der religiösen Einkehr und Versöhnung ist.

Pakistans Regierung fürchtet den wachsenden Druck der Bevölkerung. Denn die Moscheen sind im Ramadan stets besonders gut besucht - in Mekka, Damaskus, Peshawar und anderswo. Und niemand kann derzeit garantieren, dass sich der von den Verbündeten der USA in der islamischen Welt derzeit noch unter Kontrolle gehaltene Hass vieler Moslems auf die Amerikaner dann nicht gewaltsam entlädt.

Der Fastenmonat beginnt in diesem Jahr am 17. November. Das Fasten im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres, gehört zu den fünf Grundpfeilern des Islam. Dabei stehen das Gebet und das Gemeinschaftserlebnis im Mittelpunkt. Zum gemeinsamen Fastenbrechen trifft sich meist die ganze Familie. In den langen Nächten des Ramadan geht es oft fröhlich zu. Die TV-Sender in der arabischen Welt zeigen mehr religiöse Programme und spezielle Unterhaltungssendungen. In diesem Jahr könnte die Ramadan-Atmosphäre allerdings durch die vom arabischen Satellitenkanal El Dschasira ausgestrahlten Bilder von Kriegsopfern in Kabul gestört werden.

Wie die Moslems auf Angriffe einer westlichen Nation auf ein islamisches Land im Ramadan reagieren werden, kann letztlich aber keiner voraussagen. Denn das hat es in jüngster Zeit noch nicht gegeben. Der Zweite Golfkrieg gegen den Irak endete 1991 vor Beginn des Fastenmonats.

Keine Pause der US-Angriffe im Ramadan

Die USA und Großbritannien wollen ihre Luftangriffe auf Afghanistan trotz Bitten von islamischer Seite während des bevorstehenden Fastenmonats Ramadan nicht einstellen. Doch erklärte Außenminister Colin Powell am Mittwoch in Washington, er hoffe auf eine möglichst schnelle Beendigung des Krieges in Afghanistan. Wenn die militärischen Ziele im Kampf gegen den Terrorismus bis dahin erreicht seien, so könne das möglicherweise schon vor der Periode des Ramadans und des Winters sein, sagte Powell auf einer Pressekonferenz des Außenministeriums.

Die US-Regierung sei aber darauf vorbereitet, die Angriffe wenn nötig auch während des Ramadans fortzusetzen, der Mitte November beginnt, erklärte Powell weiter. US-Konteradmiral John Stufflebeem hatte bereits vor Powells Pressekonferenz die vom pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf aufgestellte Forderung nach Beendigung der Angriffe zum Ramadan für unrealistisch erklärt.

Auch der britische Premierminister Tony Blair bekräftigte am Mittwoch, die Offensive gegen das Taliban-Regime werde so lange weitergehen, bis der mutmaßliche Terrorist Osama bin Laden ausgeliefert werde. Blair sagte dem Fernsehsender GMTV, Bin Laden halte sich noch in Afghanistan auf. Die Luftangriffe verhinderten terroristische Anschläge, weil sie Trainingscamps des Terrornetzwerks El Kaida zerstört hätten. Zivile Opfer seien bei den Angriffen unvermeidlich.

UN: USA haben bei Angriffen auf Herat Streubomben eingesetzt

Die USA haben nach Angaben der Vereinten Nationen bei ihren Luftangriffen auf die westafghanische Stadt Herat auch Streubomben eingesetzt. Bewohner des nahe gelegenen Ortes Shakir Qila hätten von Blindgängern in den Straßen berichtet, sagte der Sprecher des UN-Anti-Minenprogramms, Richard Daniel Kelly, am Mittwoch in Islamabad. Bewohner des Ortes wagen sich aus Angst vor nicht explodierten Teilen einer Streubombe nicht mehr vor die Tür.

Die UN hätten von der US-Regierung Informationen darüber eingefordert, wie diese Blindgänger entschärft werden könnten. Jede Streubombe enthalte 200 kleinere, eineinhalb Kilogramm schwere Bomben.

Nach Angaben der Sprecherin des UN-Büros für humanitäre Hilfe in Afghanistan (UNOCHA), Stephanie Bunker, haben die USA neben sonstigen militärischen Einrichtungen in Herat auch ein Militär-Hospital, eine Moschee und ein nahe gelegenes Dorf bombardiert. Über mögliche Opfer machte sie keine Angaben.

Das US-Verteidigungsministerium hatte bereits zuvor zugegeben, eine fehlgeleitete Bombe sei nahe einem Altersheim in Herat detoniert. Die Taliban hatten am Montag den Beschuss eines Hospitals in Herat gemeldet und von mehr als 100 getöteten Patienten und Mitarbeitern gesprochen.

Die US-Angriffe auf Afghanistan haben nach Angaben der UNO mindestens 70 Prozent der Bevölkerung in den drei größten Städten des Landes in die Flucht getrieben. Herat im Westen, Dschalalabad im Osten und Kandahar im Süden seien praktisch leer, sagte UNO-Sprecherin Stephanie Bunker am Mittwoch im pakistanischen Islamabad.

Britische Hilfsorganisation fordert Stopp von Streubomben

Die im Namen von Prinzessin Diana gegründete britische Hilfsorganisation hat am Donnerstag die USA aufgefordert, in Afghanistan keine Streubomben mehr einzusetzen. Andrew Purkis, Direktor der Stiftung "Diana, Princess of Wales Memorial", schrieb in einem Brief an die Zeitung "The Times", dass die Bomben oft nicht explodierten und dann noch jahrelang eine Gefahr darstellten. Außerdem gebe es Beweise aus dem Kosovo und dem Golfkrieg, dass die Waffen häufig ihre Ziele verfehlten.

"Dann stellen sie eine langfristige Bedrohung für Zivilisten und Bodentruppen dar", schrieb Purkis weiter. Großbritannien müsse sich bei den anderen Mitgliedern der militärischen Allianz dafür einsetzen, dass Streubomben nicht länger eingesetzt würden. Die Allianz müsse auch die Verantwortung für die Räumung aller nicht explodierten Sprengsätze übernehmen.

Ziel der führenden britischen Anti-Minen-Wohltätigkeitsorganisation ist es, das Bewusstsein für die Bedrohung von Landminen und nicht explodierter Munition zu schärfen. Nach Schätzung der Stiftung liegen beispielsweise 35.000 nicht explodierte Kleinbomben im Kosovo, durch die durchschnittlich ein Zivilist pro Woche getötet wird.

Zwei Drittel der Deutschen für Feuerpause in Afghanistan.
Mehrheit gegen Beteiligung deutscher Soldaten in Afghanistan.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind für eine Feuerpause in Afghanistan. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitung "Die Woche" unterstützen 69 Prozent die Forderung von Grünen und Hilfsorganisationen, die Angriffe gegen das Taliban-Regime und die Terrororganisation von Osama Bin Laden zu unterbrechen, um Flüchtlinge und Hungernde zu versorgen. 55 Prozent treten zudem für einen eigenständigen Kurs der Bundesregierung gegenüber den USA im Kampf gegen den Terror ein.

Nur 41 Prozent der 1.013 Befragten teilen hingegen die Meinung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, Deutschland müsse "uneingeschränkt solidarisch" mit den Vereinigten Staaten sein. 60 Prozent sind der Zeitung zufolge dagegen, dass sich deutsche Soldaten am Bodenkrieg in Afghanistan beteiligen.

Mitbegründerin der Grünen tritt aus Partei aus

Freyja Scholing, neben Herbert Gruhl und Baldur Springmann vor über zwanzig Jahren Mitbegründerin der Grünen, hat ihrer Partei den Rücken gekehrt. Die 88-Jährige, die in Deutsch Evern bei Lüneburg lebt, sagte gestern, Anlass sei die Zustimmung der Grünen zum Militäreinsatz in Afghanistan. "Ich habe mein Parteibuch zurückgegeben. Das hat nichts mehr mit Gewaltfreiheit zu tun, was da läuft", sagte die überzeugte Pazifistin.

Scharf kritisierte Scholing die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Angelika Beer. Beer hatte sich am Mittwoch in Berlin für weitere Militärschläge gegen das Taliban-Regime ausgesprochen. "Die Grünen drehen völlig durch. Man möchte sie gewaltfrei erschlagen", sagte Freyja Scholing. Für sie gelte immer noch Petra Kellys Satz, "waffenlos, aber nicht wehrlos" zu sein.

Immer mehr Bundeswehrreservisten wollen Kriegsdienst verweigern

Seit den Angriffen auf Afghanistan wollen immer mehr Bundeswehr-Reservisten den Kriegsdienst verweigern berichtete die taz in ihrer Ausgabe vom Dienstag. Darauf deuteten Daten der "Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen" mit Sitz in Bremen hin. Auch bei den Wehrpflichtigen steige die Bereitschaft, den Dienst an der Waffe abzulehnen..

Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2001/10/23/a0064.nf/text.name,askANEWT8.n,0
http://www.zentralstelle-kdv.de
 
 

Terror-Netzwerk knüpfte auf dem Balkan seine Fäden

"Terror-Netzwerk knüpfte auf dem Balkan unter den Augen von USA und NATO seine Fäden", zitiert die junge Welt in ihrer heutigen Ausgabe Nicholas Stavrou, Professor für internationale Beziehungen an der amerikanischen Howard-Universität. Abgesandte bin Ladens sollen schon um 1993 auf dem Balkan im Gefolge von saudischen und ägyptischen Mullahs aufgetaucht sein. Trotz aller Warnungen von Experten vor dem Auftauchen von Anhängern bin Ladens zuerst in Bosnien und später im Kosovo hatte seinerzeit die Clinton-Regierung ihre einseitig gegen Jugoslawien gerichtete Balkan-Politik fortgesetzt. Bedenken prominenter amerikanischer Kongreßabgeordneter und renommierter Zeitungen, die immer wieder vor Bin-Laden-Gruppen auf dem Balkan gewarnt hatten, blieben ungehört.

Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2001/10-25/003.php
 
 


Update: Fr.26.10.01, 14:00 Quellen: dpa, ap, rtr, az, jw

New Scientist: Milzbrand stammt aus US-Labors

US-Rgierung gesteht, Das Problem unterschätzt zu haben. Angeblich liegen Behörden Indizien für Täterschaft von rechtsradikalen Milizen vor.

Es gibt neue Hinweise auf die Hintergründe des Milzbrand-Terrors in den USA: Die Erreger sollen auf Züchtungen in US-Biowaffenlabors zurückgehen. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

US-Behörden gestanden drei Wochen nach dem ersten Milzbrand- Todesfall Fehler ein. Der oberste Amtsarzt David Satcher sagte, es sei ein entschlosseneres Vorgehen nötig gewesen. Postchef John Potter gab zu, dass es keine Garantie für volle Sicherheit geben könne. Die Einstellung des Postbetriebs lehnte er dennoch ab.

Beim siebten Fall von Hautmilzbrand erkrankte eine Mitarbeiterin der Poststelle der "New York Post". Es ist insgesamt die 13. Milzbrand-Erkrankung. Auch ein zweiter Beschäftigter bei der Zeitung könnte sich mit Hautmilzbrand angesteckt haben. Eine Journalistin in Washignton zeigt Symptome von Lungenmilzbrand. Im Gebäude des Senats wurden Milzbrand-Bakterien nun auch in der Nähe eines Aufzugs gefunden. Insgesamt sind drei Menschen an Lungenmilzbrand gestorben.

Die Suche nach den Attentätern stockt. Der Hinweis auf US-Labors jedoch ist vergleichsweise ergiebig. Die verseuchten Briefe enthielten dem "New Scientist" zufolge Erreger vom Typ "Ames". Der Name wurde von einem britischen Labor vergeben, das Milzbrand-Erreger aus dem US-Biowaffenprogramm untersuchte. Das Programm endete 1969, einige Erreger wurden nicht vernichtet. Als Restposten der US-Armee bekamen die Briten den "Ames"-Stamm. Sowjetische oder irakische Erreger wären damit nicht mehr unter Verdacht.

Dass die Milzbrand-Terroristen Quellen in Spitzen-Forschungsanlagen haben müssen, darauf deuten die Erreger im Brief an den linksliberalen Senator Tom Daschle hin. Dieser Brief war bisher der verheerendste, weil sich Erreger über ganze Gebäude verbreiteten und Dutzende Menschen infizierten. Der Grund: Die Erreger waren waffentauglich. Sie waren auf ultraleichte Teilchen montiert, was verhindert, dass sie rasch zu Boden sinken.

Laut der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "junge welt" vermuten Experten, daß US-Behörden schon Indizien für die Täterschaft von rechtsradikalen Milizen vorliegen [ http://www.jungewelt.de/2001/10-23/001.php ] . In diesem Fall, so die "junge welt", würden die Informationen unter Rücksichtnahme auf die Angriffe gegen die Taliban in Afghanistan vorsätzlich zurückgehalten.
 
 

US-Militär: Gegenwehr der Taliban härter als erwartet

USA bombardieren weiter den Norden Afghanistans. Generalstabschef Myers gibt Verwendung von Streubeumben zu. Taliban berichten von zehn Toten bei Beschuss eines Busses. Afghanische Exil-Politiker wollen schnelles Ende der US-Angriffe. US-Verteidigungsminister: Osama bin Laden zu fassen ist schwierig. Kritik an Bombardements auch in der SPD-Fraktion.

US-Kampfflugzeuge haben am späten Donnerstagabend die heftigsten Angriffe auf Kabul seit Tagen geflogen. Sie griffen in zehn Wellen den Flughafen und Ziele im Zentrum der afghanischen Hauptstadt an. Die Flugabwehr der Taliban erwiderte das Feuer, und in den verdunkelten Straßen waren Bewegungen mobiler Flugabwehrwaffen zu hören.

Die Angriffe der USA am Donnerstag galten auch den Frontstellungen der Taliban im Norden des Landes und um den Flughafen von Bagram. Dieser ist zwar in Händen der oppositionellen Nordallianz, kann aber nicht benutzt werden, da die Taliban die umliegenden Berge beherrschen.

Zuvor hatten die USA nach fast dreiwöchigen Luftangriffen erstmals eingestanden, dass die radikal-islamischen Taliban ein hartnäckiger und auf langen Kampf eingerichteter Gegner sind. Die Taliban hätten Vormärsche der Nordallianz in Richtung Kabul sowie auf einen Flugplatz bei Masar-i-Scharif gestoppt, berichtete Konteradmiral John Stufflebeem vom Pentagon. Sie hätten auch damit begonnen, ihre Streitkräfte so zu zerstreuen, dass sie nur schwer aus der Luft anzugreifen seien. "Wir haben es mit einer Landschaft zu tun, mit der sie sich offensichtlich auskennen und die sehr rau ist", sagte Konteradmiral John Stufflebeem

Der US-Nachrichtensender CNN zeigte am Donnerstag Fernsehbilder, nach denen eine Luftabwehrrakete der Taliban zwei amerikanische Kampfjets nur knapp verfehlte. Noch vor einer Woche hatte das Pentagon erklärt, die Kampffähigkeit der Taliban sei durch die andauernden Luftangriffe lahm gelegt worden.

Generalstabschef Myers gibt Verwendung von Streubeumben zu

Angesichts eines UN-Berichts, demzufolge tausende Afghanen wegen nicht explodierter Streubomben ihre Häuser nicht verlassen können, räumte US-Generalstabschef Richard Myers die Verwendung einer "nicht großen Anzahl" von Bomben dieses Typs ein.

Taliban berichten von zehn Toten bei Beschuss eines Busses

Die US-Streitkräfte haben nach Angaben der Taliban am Donnerstag in Kandahar einen vollbesetzten Bus angegriffen und mindestens zehn Zivilisten getötet. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AIP, der Bus sei in Flammen aufgegangen, die Menschen seien verbrannt. Ein pakistanischer Rettungsdienst erklärte, sechs Schwerverletzte seien zur Behandlung in die pakistanische Grenzstadt Chaman gebracht worden.

US-Verteidigungsminister: Osama bin Laden zu fassen ist schwierig

Der amerikanische Verteidigungsministerer Donald Rumsfeld hat in einem Interview der Zeitung "USA Today" (Donnerstagsausgabe) geäußert, es werde "sehr schwierig", den mutmaßlichen Terroristenführer Bin Laden zu ergreifen. "Es ist eine große Welt", erklärte der US-Verteidigungsminister in dem Interview. "Er hat viel Geld und viele Anhänger, die ihn unterstützen. Ich weiß nicht, ob wir erfolgreich sein werden." Zuvor hatte US-Konteradmiral John Stufflebeem erklärt, er sei überrascht über den Widerstand der Taliban. "Sie sind zähe Kämpfer", sagte er.

Inzwischen relativierte Rumsfeld seine Äußerungen. Auf einer Pressekonferenz im Pentagon sagte er am Donnerstag, die Regierung rechne damit, bin Laden zu fassen. Rumsfeld räumte allerdings ein, dass die Suche nach Bin Laden bislang noch nicht den gewünschten Erfolg gehabt habe. "Das ist wie die Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen", sagte er.

Unterdessen wurde ein Einsatz britischer Bodentruppen immer wahrscheinlicher. Der britischen Rundfunksender BBC berichtete, Großbritannien werde rund 1.000 Elitesoldaten für den Kampf in Afghanistan schicken. Sie sollten auf Flugzeugträgern stationiert werden.

Afghanische Exil-Politiker für schnelles Ende der US-Angriffe

Führende afghanische Exil-Politiker haben an die USA appelliert, die Angriffe in Afghanistan möglichst schnell zu beenden. Die in Opposition zu den Taliban stehenden Vertreter afghanischer Eliten riefen zu raschem Handeln auf, um kein politisches Vakuum nach dem Ende des Regimes in Kabul zuzulassen. Bei ihrer zweitägigen Konferenz im pakistanischen Peshawar hatten sie über die politische Zukunft Afghanistans beraten. Die Vertreter der Volksgruppen, Intellektuellen und Geistlichen sprachen sich auch für die Rückkehr des im Exil lebenden früheren Königs Sahir Schah aus.

Kritik an Bombardements auch in der SPD-Fraktion

Die Luftangriffe auf Afghanistan stoßen nicht nur bei den Grünen, sondern inzwischen auch in der SPD zunehmend auf Kritik. Es gebe ein "wachsendes Unbehagen" in der Bundestagsfraktion, wird der Parteilinke Ottmar Schreiner in der "Berliner Morgenpost" (Donnerstagausgabe) zitiert. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die Forderungen nach einer Feuerpause zuvor entschieden zurückgewiesen.

Ein Stopp der Bombardements würde die Auseinandersetzung nur verlängern und brächte den Menschen in Afghanistan "Steine statt Brot", sagte Schröder am Mittwochabend nach einem Gespräch mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und Premierminister Lionel Jospin in Paris. Die militärischen Aktionen der USA seien legitimiert, betonte Schröder.

Schreiner sagte laut "Morgenpost", die Bundesregierung dürfe ihren "enormen Vertrauensvorschub nicht überstrapazieren". Es müsse in absehbarer Zeit sichtbar werden, dass die Ergreifung von Osama bin Laden in die Nähe rückt, sagte Schreiner. Ansonsten werde die Lage schwierig.

Ostdeutsche SPD-Vertreter haben Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) davor gewarnt, parteiinterne Debatten über die US-Angriffe auf Afghanistan zu verhindern. Die SPD-Geschäftsführerin von Sachsen-Anhalt, Susanne Möbbeck, sagte Reuters am Dienstag: "Das Drohen mit Disziplinierungsmaßnahmen wäre kontraproduktiv." Es gebe an der Basis erhebliche Bedenken gegen die Angriffe. Das Thema werde auch auf einem Landesparteitag am 31. Oktober diskutiert.
 
 


Einspruch gegen den Krieg in Afghanistan
Die Friedensbewegung hat sich zurückgemeldet. Zunehmend Proteste gegen Bombardierung Afghanistans. Forderungen nach Einstellung der US-Luftangriffe werden lauter. USA setzen die am 7.Oktober begonnenen Luftangriffe fort. Deutsche Soldaten möglicherweise bald in US-Operationen involviert.[ mehr... ]
 
 

Aktuelle Protest- und Aktionstermine unter:
http://friedenjetzt.ch/deutschland/
http://www.friedenskooperative.de/terroter.htm
http://www.friedensratschlag.de
http://www.gewaltspiraledurchbrechen.de
http://peace.protest.net
http://www.linkeseite.de/Texte/diverses/usatermine.htm
http://sg.groups.yahoo.com/group/infopartisan/message/878
 
 


Online-Petitionen gegen Krieg
Eine hilfreiche Zusammenfassung:
http://www.heise.de/newsticker/data/cgl-19.09.01-001/
 
 

Brücken bauen, Gewalteskalation verhindern!

Erklärungen von Friedensorganisationen zu den Terrorangriffen in den USA
und zum Militärschlag gegen Afghanistan:
http://www.friedenskooperative.de/themen/terror10.htm

Petition aus den USA die sich gegen Rache und Krieg ausspricht
Hier kann unterschrieben werden:
http://www.thePetitionSite.com/takeaction/224622495
 
 

Nobelpreisträger warnen vor Gewaltspirale durch Krieg

Friedens- und Literaturnobelpreisträger aus aller Welt haben sich gegen einen Krieg in Afghanistan ausgesprochen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0109240.htm#nobel
 
 


Spendenkonten für Afghanistan unter:
http://www.diakonie.de
http://www.caritas.de
http://www.unicef.de
http://www.drk.de
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de
 
 



Mo.29.10.01
Ende der US-Militärschläge gegen Afghanistan nicht in Sicht
Bundeskanzler Gerhard Schröder für unbefristete Fortsetzung US-Angriffe. Zahl der zivilen Opfer nimmt weiter zu. Wachsende Kritik an Bombardements. Washington gibt größtes Rüstungsprojekt aller Zeiten in Auftrag... [ mehr... ]

So.07.10.01
Krieg: Die USA haben mit Vergeltungsschlag in Afghanistan begonnen
Die Vereinigten Staaten haben mit dem seit langem erwarteten Militärangriff
gegen Ziele in Afghanistan begonnen...Nachrichten und Hintergrund- Informationen. [ mehr... ]

Nach Terroranschlag auf USA: Jahrelanger Viel-Fronten-Krieg droht
Die USA richten sich auf jahrelangen Krieg ein." Schmutzige" Aktionen, wie das Töten politischer Führer sind nicht ausgeschlossen. Auch der Einsatz taktischer Atomwaffen wird in Erwägung gezogen... Nachrichten und Hintergrund- Informationen [ mehr... ]

Di.11.09.01
Verheerende Terror-Angriffe auf die USA und die Folgen
Nachrichten, Berichte und Hintergrundinformationen. Der beispiellose Terroranschlag auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington, hat in aller Welt Entsetzen und die Angst vor einem globalen Krieg ausgelöst... [ mehr... ]
 
 


WTC-Terror-Attacke und US-Militärschlag gegen Afghanistan
Ursachen, Folgen, Statements

Das KriT-Journal bündelt täglich aktuell zahlreiche Informationen zum Thema.

Mehr unter:
http://krit.de/
 
 


Unabhängige Berichterstattung aus den USA:
Bei Independent Media Center
http://www.indymedia.org

Terrorangriff auf die USA
Chronologie, Fernseh-und Radio-Berichte über die Katastrophe
http://www.wdr.de/online/news2/katastrophe_worldtradecenter/index.phtml

Nachrichten-Ticker zum Thema:
http://de.fc.yahoo.com/t/trade.html

FR-Spezial zum Thema:
http://www.fr-aktuell.de/fr/spezial/terror/index.htm

Erklärungen , Aufrufe aus der Friedensbewegung:
http://www.friedenskooperative.de/themen/terror00.htm

Aktionstermine der Friedensbewegung:
http://www.friedenskooperative.de/terroter.htm

Bundesregierung:
http://www.bundesregierung.de/frameset/index.jsp

Bundeswehr:
http://www.bundeswehr.de/index_.html

Nato:
http://www.nato.int/

US-Botschaft in Berlin:
http://www.us-botschaft.de/d0.htm

Weisses Haus in Washington:
http://www.whitehouse.gov/

Pantagon:
http://www.defenselink.mil/

The Official New York City Website:
http://home.nyc.gov/portal/index.jsp?pageID=nyc_home

Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Afghanistan, AGA:
http://www.bglatzer.de/aga/

Informationen über Taliban
Land und Leute, zur Geschichte sowie zur Kultur (Uni Marburg)
http://stud-www.uni-marburg.de/~Alam/welcome.html

Aktuelle Informationen zum internationalen Terrorismus
Analysen und Links, zusammengestellt vom Hamburger
Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik.
http://www.ifsh.de/terrorism.php
 
 



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