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 last update: boa München, Mo. 07.01.2002 - 14:00 
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Mo.07.01.2002      

Es geht aufwärts

Arbeitslosigkeit wird drastisch steigen

Wirtschaftsweiser: Zahl der Erwerbslosen kann auf 4,3 Millionen steigen.
Austrittswelle bei Gewerkschaften.
Zeitung: 2001 wurden rund 1,9 Milliarden Überstunden geleistet.
     DGB-Chef: Durch Abbau der Mehrarbeit könnten mindestens 300.000 Vollzeitjobs
     geschaffen werden. Mit Teilzeitarbeit könnten 250.000 Arbeitsplätze entstehen.
Wirtschaft fordert Nullrunde bei Löhnen.
     Wirtschaftsminister appelliert an Gewerkschaften, sich zu mäßigen.
     IG Metall beharrt auf Lohnforderungen.
Regierung prüft bundesweite Einführung von Kombilöhnen.
Gewerkschaften: Niedriglohnmodelle und Kombilöhne sind kein Allheilmittel
     gegen Arbeitslosigkeit.
Die Bezüge deutscher Vorstände wachsen sprunghaft.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Wirtschaftsweiser: Zahl der Erwerbslosen kann auf 4,3 Millionen steigen

Der Wirtschaftsweise Horst Siebert prognostiziert einen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit: Im Januar könne die Zahl der Erwerbslosen auf 4,3 Millionen steigen, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der "Bild am Sonntag". Die Wirtschaft warnte er vor übereilten Entlassungen. Die Unternehmen sollten jetzt langfristig denken und allein aus eigenem Interesse die Mitarbeiter mit Kurzfristprogrammen halten. Ab 2010 würden sie händeringend nach Arbeitskräften suchen, so Siebert.

Die Zahl der Arbeitslosen hat in Deutschland möglicherweise bereits im Dezember die Marke von vier Millionen übersprungen. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel ging am Donnerstag in einer eigenen Prognose von unbereinigt 4,015 Millionen Arbeitslosen im Dezember aus und damit 226.000 mehr als im November und ein Plus von rund 206.000 im Vergleich zum Dezember 2000.

Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) legt die amtlichen Zahlen zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Dezember am Mittwoch vor. Die unbereinigte Zahl hatte im November mit 3,789 Millionen Arbeitslosen den vierten Monat in Folge über dem Vergleichsmonat des Vorjahres gelegen.

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Austrittswelle bei Gewerkschaften

Die Gewerkschaften haben im Jahr 2001 den Mitgliederschwund trotz verstärkter Werbung nicht stoppen können. Die acht DGB-Gewerkschaften verloren mehr als 200.000 Mitglieder, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse- Agentur (dpa). Die Abgänge konnten nicht von den Eintritten ausgeglichen werden.Ende des Jahres waren noch etwa 7,9 Millionen Menschen in einer DGB-Gewerkschaft organisiert. Das größte Minus - 5,4 Prozent - trägt die IG Bau, die noch 510.000 Mitglieder hat. Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kehrten im ersten halben Jahr ihres Bestehens fast 67.000 Mitglieder den Rücken. Die größte deutsche Gewerkschaft vertrat Ende November 2001 noch 2,83 Millionen Arbeitnehmer. Die größte deutsche Industriegewerkschaft IG Metall verlor 58.000 Mitglieder und hat jetzt noch 2,705 Millionen.

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Zeitung: 2001 wurden rund 1,9 Milliarden Überstunden geleistet.
DGB-Chef: Durch Abbau der Mehrarbeit könnten mindestens 300.000 Vollzeitjobs geschaffen werden. Mit Teilzeitarbeit könnten 250.000 Arbeitsplätze entstehen.

Die Zahl der Überstunden in der Bundesrepublik ist laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Nach Schätzungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes liege die Zahl bei rund 1,9 Milliarden Überstunden - gegenüber 1,85 Milliarden im Jahr 2000, berichtete die Zeitung.

Die Gewerkschaften forderten die Politiker auf, gesetzliche Maßnahmen zur Begrenzung von Überstunden einzuführen. "Ohne eine Novellierung des Arbeitszeitgesetzes sehe ich keinen Fortschritt beim Abbau", sagte der DGB-Tarifexperte Reinhard Dombre der Zeitung zufolge. Demgegenüber sprach sich der BDA dafür aus, an der Vereinbarung vom Sommer 2001 festzuhalten: Darin hatten sich BDA und DGB auf einen freiwilligen Abbau der Überstunden über flexiblere Arbeitszeitmodelle geeinigt.

Bundeswirtschaftsminister Müller sagte gegneüber der "Süddeutschen Zeitung", die Gewerkschaften sollten das Thema Überstunden beim nächsten Treffen des Bündnis für Arbeit ansprechen. Die Zusage der Arbeitgeber, die Zahl der Überstunden zu reduzieren, habe nichts gebracht.

Nach Meinung von DGB-Chef Dieter Schulze könnten allein durch den Abbau ständig anfallender Mehrarbeit mindestens 300.000 Vollzeitjobs geschaffen werden.

Schulte sagte in der Tageszeitung "Die Welt", Teilzeitarbeit schaffe Jobs und müsse deshalb attraktiver werden. Damit Teilzeitbeschäftigte in 20 Jahren jedoch nicht unter Altersarmut leiden müßten, sei es notwendig, deren Renten aufzustocken. Schulte zeigte sich überzeugt davon, daß der Ausbau der Teilzeitarbeit zu einem Absinken der Arbeitslosigkeit führen würde. Dadurch könne die Bundesanstalt für Arbeit viel Geld sparen, mit dem die reduzierten Rentenansprüche der Teilzeitbeschäftigten aufgebessert werden können. Zugleich entstehe damit ein Anreiz, ein Vollarbeitsverhältnis in eine Teilzeitstelle umzuwandeln.

Mit dem Ausbau der Teilzeitarbeit könnten mindestens 250.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Gleichzeitig müssten die Arbeitgeber aber auch "endlich die organisatorischen Voraussetzungen für Teilzeitarbeit" schaffen, wurde der DGB-Chef zitiert.

Seit Januar 2001 haben die Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit. Dies gilt allerdings nur, wenn das Beschäftigungsverhältnis länger als sechs Monate besteht und das Unternehmen mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt. Auch darf der Unternehmer den Teilzeitanspruch eines Mitarbeiters ablehnen, wenn "betriebliche Gründe" dagegen sprechen.

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Wirtschaft fordert Nullrunde bei Löhnen.
Wirtschaftsminister appelliert an Gewerkschaften sich zu mäßigen.
IG Metall beharrt auf Lohnforderungen.

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Dezember auf etwa vier Millionen Erwerbslose hat eine heftige Kontroverse ausgelöst, wie die Krise am besten überwunden werden kann. Während in den Gewerkschaften der Ruf laut wurde, die Regierung solle ihren Sparkurs lockern, mahnten Wirtschaftsvertreter zum Maßhalten. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung verlangte der Präsident des Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, "eine Nullrunde".

Angesichts der nach wie vor düsteren Konjunkturaussichten hat auch Bundeswirtschaftsminister Werner Müller die Gewerkschaften zur Mäßigung aufgerufen. "Die Abschlüsse des Jahres 2000 wären ein Modell für die kommende Tarifrunde", sagte Müller der "Süddeutschen Zeitung". Dennoch bekräftigte die IG Metall am Donnerstag ihre Lohnforderung von bis zu sieben Prozent. DGB-Chef Dieter Schulte forderte als Ausweg aus der Krise auf dem Arbeitsmarkt die Aufstockung der Renten von Teilzeitbeschäftigten.

Müller machte sich auch dafür stark, Lohnerhöhungen stärker am Erfolg der Unternehmen auszurichten, berichtete die Zeitung. "Erfolgsabhängige Entlohnung ist für die Arbeitnehmer gerechter und hilft Arbeitnehmern und Konjunktur", wird der parteilose Politiker zitiert. IG-Metall-Vizechef Jürgen Peters lehnte differenzierte Tarifverträge im ZDF erneut ab.

Unterdessen unterstrich Peters seine Auffassung, es sei ökonomisch vernünftig, gerade jetzt höhere Löhne und Gehälter zu fordern. Mit mehr Geld in der Tasche würden die Arbeitnehmer mehr kaufen und so die Produktion ankurbeln. Dies würde mehr Beschäftigung bedeuten.

* * *

"Ich denke, dass die Lohnpolitik zu zurückhaltend gewesen ist - in der Hoffnung, darüber mehr Beschäftigung zu schaffen. Aber das hat sich nun doch als ein Irrweg erwiesen. Das zeigen auch die Entwicklungen in anderen Ländern. Wir brauchen 'ne Steigerung der Masseneinkommen, und um das in Gang zu bringen, müssen irgendwelche Gewerkschaften - in dem Fall ist es also die IG Metall - entsprechende Lohnforderungen stellen. Das heißt also, in den Tarifverhandlungen sehen, dass man möglichst viel raus holt."

Prof. Karl-Georg Zinn, TH Aachen, Volkswirtschaftler, in der ARD-Monitor-Sendung vom 20.12.2001
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitraege.phtml?id=375
http://www.wdr.de/tv/monitor/real.phtml?id=375

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Regierung prüft bundesweite Einführung von Kombilöhnen.

Angesichts der Krise auf dem Arbeitsmarkt prüft die Bundesregierung die Subventionierung von Niedriglohnjobs. Mitte Januar sollen erste Vorschläge zur bundesweiten Einführung von Kombilöhnen auf dem Tisch liegen, wie der Sprecher des Arbeitsministeriums, Klaus Vater, am Wochenende sagte. Dabei sollen Lohnzuschüsse Arbeitslosen den Wiedereinstieg in das Erwerbsleben ermöglichen.

Müntefering sagte der "Berliner Morgenpost", die notwendigen Entscheidungen würden noch vor der Bundestagswahl am 22. September getroffen. "Auch Varianten bei den Sozialabgaben und Zuzahlungen für Langzeitarbeitslose spielen eine Rolle", sagte er.

Die Grünen werden nach den Worten der Vorsitzenden ihrer Bundestagsfraktion, Kerstin Müller, kommende Woche ein Reformprogramm beschließen. Dabei gehe es darum, bei Beschäftigungsverhältnissen mit Löhnen zwischen 315 und 850 Euro die Sozialabgaben der Arbeitnehmer zu bezuschussen, sagte Müller der Tageszeitung "Die Welt" Zudem sollten Sozialhilfeempfänger mit einem Einstiegsgeld wieder in Arbeit gebracht werden. Sie sollten "vom Lohn 50 Prozent einbehalten können", schlug die Grünen-Politikerin vor.

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Gewerkschaften: Niedriglohnmodelle und Kombilöhne sind kein Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit.

Nach monatelangem Zögern nimmt die Bundesregierung angesichts von voraussichtlich vier Millionen Arbeitslosen im Dezember und der bevorstehenden Bundestagswahl den Niedriglohnsektor ins Visier. Wie das Arbeitsministerium am Wochenende bestätigte, wird derzeit die bundesweite Subventionierung von Niedriglohnjobs geprüft. Bereits Mitte Januar sollen erste Vorschläge auf dem Tisch liegen.

Bislang hat die Bundesregierung ihre Rechnung ohne die Gewerkschaften gemacht. Denn anders als die Arbeitgeberverbände -und auch die Union und die Grünen - waren die Arbeitnehmervertreter noch nie glühende Verfechter des Kombilohns. Ganz im Gegenteil: Hier werden erhebliche Gefahren gewittert. So hält es die Vizechefin der Gewerkschaft ver.di, Margret Mönig-Raane, für "sehr wahrscheinlich", dass Unternehmen keine zusätzlichen Arbeitnehmer einstellen, sondern mit den Lohnsubventionen lediglich ihre Personalkosten senken würden.

Auch die IG Metall gibt sich skeptisch: "Niedriglohnmodelle oder Kombilohnmodelle sind kein Allheilmittel zum Abbau der Arbeitslosigkeit", sagte IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich. Wichtiger sei, die Konjunktur mit Investitionen anzukurbeln, Überstunden abzubauen und Teilzeitarbeit attraktiver zu machen. Dies gelte insbesondere mit Blick auf die anstehende neue Runde im Bündnis für Arbeit, sagte der Gewerkschaftssprecher. Es stehe zwar noch kein Termin fest, in Planung sei aber ein Treffen Ende Januar oder Anfang Februar.

Auch Bundesarbeitsminister Riester hatte immer wieder betont, angesichts der großen Masse Geringqualifizierter und Langzeitarbeitsloser seien Kombilöhne kein Königsweg zur Lösung der Arbeitsmarktprobleme. Im Dezember hatte sich der Arbeitsminister in einem Interview sogar noch gegen die Ausweitung von Kombilohn-Modellen ausgesprochen.

* * *

"Mit Kombilöhnen, die ja nichts anderes als Lohnsubvention sind, und Niedriglohnsektor wird im Grunde genommen nur die Verarmung forciert. Das heißt, Menschen müssen trotz Arbeit mit immer weniger Einkommen auskommen und sind unter Umständen auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen. "

Erika Biehn, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialhilfeinitiativen (BAGSHI), in einem Interview mit der "Jungen Welt":
http://www.jungewelt.de/2002/01-04/014.php

Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen e.V.
http://www.bag-shi.de/
 
 

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Die Bezüge deutscher Vorstände wachsen sprunghaft

Für Vorstandsmitglieder weltweit agierender, im deutschen Börsenindex Dax enthaltener Unternehmen war 2000 ein Rekordjahr.

Nach einer Studie der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen waren in den Topetagen Barvergütungen und Aktienoptionen in zweistelliger Millionenhöhe keine Ausnahme mehr. So bezog ein einfaches Vorstandsmitglied der Deutschen Bank im Durchschnitt gut elf Millionen Euro, Grundgehalt und Bonus machten rund 70 Prozent diesen Salärs aus. Die Vorstände von Infineon – der Chiphersteller macht in jüngster Zeit eher durch Stellenstreichungen von sich reden – wurden jeweils mit 7,3 Millionen Euro vergütet, so die Studie.

Nach Berechnungen von Kienbaum, die Beratungsgruppe analysiert jährlich über 1600 Unternehmen, stiegen die Bezüge deutscher Manager im vergangenen Jahr um acht bis zehn Prozent. Mit einem Plus von rund 30 Prozent legten die Einkommen der Vorstände in Dax-Unternehmen besonders deutlich zu, sagt Kienbaum-Experte Heinz Evers.
 
 

(Quellen: ap, dpa, rtr, sz, jw)

 
 

Kombilohn schafft kaum Arbeitsplätze
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Forscher sagen permanente Schwäche des Wirtschaftswachstums voraus
Experten: Deutschland bleibt Schlusslicht bei der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa.. Auch Bundesregierung korrigiert Wachstumsprognosen erneut nach unten.
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