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 last update: boa München, Mi. 16.01.2002 - 14:00 
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Mi.16.01.2002      

Pazifisten sollen umdenken

Ludger Volmer (Grüne) hält stärkeres Militär-Engagement Deutschlands für unausweichlich

Volmer, Mitglied der Grünen und Staatsminister im Auswärtigen Amt, fordert von
     den Anhängern des Pazifismus wegen der "neuen Bedrohung" durch den
     internationalen Terrorismus ein Umdenken.
Pazifismus und zehn P.-Unterarten.
Dokumentation: Ludger Volmer - Was bleibt vom Pazifismus
Was ist eigentlich Pazifismus? Zur Klärung eines politischen Begriffs.
Ist der Pazifismus am Ende?
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Volmer: Stärkeres Militär-Engagement Deutschlands unausweichlich

Mi. 16.01..02 - Ein stärkeres militärisches Engagement Deutschlands ist aus Sicht des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, unausweichlich. Die internationale Gemeinschaft erwarte "längst einen deutschen Beitrag, auch militärischer Art, zur Lösung regionaler und globaler Konflikte", schrieb der Grünen-Politiker in einem Beitrag für die "Frankfurter Rundschau" (Ausgabe vom 7.Januar 2001).

Zwar gelte weiterhin, dass Deutschland nicht dominant auftreten dürfe und in internationale Strukturen eingebunden sein müsse. "Aber Verunsicherung und Befremden verursachen die Deutschen auch, wenn sie sich zwar einbinden in internationale Organisationen, die dort getroffenen Entscheidungen aber selber nicht umsetzen wollen, mit Rücksicht auf die verbrecherische Geschichte." So entstehe der Verdacht, sie wollten sich hinter der Geschichte verstecken und anderen die Lasten aufbürden.

Der Staatsminister fordert von den Anhängern des Pazifismus wegen der "neuen Bedrohung" durch den internationalen Terrorismus ein Umdenken. "Ein Pazifismus, der als politische Kraft ernst genommen werden will, darf nicht die Realitäten verdrängen, um ein Weltbild zu retten". Zwar sei das Eintreten gegen Feindbilder eine der vornehmsten Aufgaben des Pazifismus gewesen, so Volmer. "Doch heute gilt: Es gibt nicht nur eingebildete Feindbilder, es gibt auch wirkliche Feinde, Feinde, die nicht in den Kategorien zwischenstaatlicher Konflikte zu fassen sind." Mit extremer verbrecherischer Energie kämpfe eine international vernetzte Nichtregierungsorganisation gegen die moderne globalisierte Welt. Volmers Schlussfolgerung: Pazifismus könne militärische Gewalt als letztmögliches Mittel nicht leugnen. Es gelte, "Verantwortung und Risiken mitzutragen".

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Pazifismus [lat.], grundsätzl.Ablehnung des Krieges
aus relig., eth. oder polit. Gründen.

 

... und zehn P.-Unterarten

"Viele grüne Stammwähler kommen aus den Reihen der Pazifisten. Im Wahljahr 2002 versucht man nun trotz Ja zum Krieg die führende Friedenspartei zu bleiben.

Um diese Quadratur des Kreises zu begünstigen, 'entkernt' Ludger Volmer (in seinem Beitrag für die Frankfurter Rundschau) erst einmal das Wort 'Pazifismus', indem er diesen eindeutigen Begriff in - sage und schreibe - zehn Unterarten zerfleddert: 'Politischer Pazifismus', 'Abstrakt-gesinnungsethischer P.', 'Klassenkämpferischer P.', 'Strenger Ohne-mich-P.', 'Nachkriegs-P.', 'Anti-imperialistischer P.', 'Nuklear-P.', 'P. der 90er Jahre', 'P. der Minimierung der bewaffneten Gewalt', 'Alter P.'."

Aus einem Leserbrief , FR vom 9.02.02
 

"Pazifismus mit ein bisschen Krieg"

"Er (Ludger Volmer) kommt sogar der These von Heiner Geißler bedenklich nah, der auf dem Höhepunkt der Bewegung gegen den Nato-Doppelbeschluss behauptete, der Pazifismus habe Auschwitz erst möglich gemacht, weil er die Verteidigungsbereitschaft der westlichen Demokratien gegenüber Hitler geschwächt habe. Der CDU-Politiker Geißler wollte damals die Friedensbewegung insgesamt diffamieren; er erntete übrigens heftigsten Widerspruch.

Anders der Grünen-Politiker Volmer heute. Er will die Traditionen der Friedensbewegung für die Politik der Bundesregierung vereinnahmen. In seiner Argumentation wird der Jugoslawien-Krieg zur Konsequenz aus 'Nie wieder Auschwitz, nie wieder Krieg'. Dem 'neuen politischen Pazifismus', dem Pazifismus mit ein bisschen Krieg, entspricht der "humanitäre Krieg", auch so eine Erfindung der rot-grünen Bundesregierung. "

Aus der Antwort von Wolfgang Gehrcke (FR vom 15.01.02) auf Ludger Volmers Pazifismus-Thesen. Gehrke ist außenpolitischer Sprecher der PDS-Bundestagsfraktion.

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Dokumentation:

Ludger Volmer - Was bleibt vom Pazifismus
Die alten Feindbilder der Kriegsgegner. Warum militärische Mittel nicht ganz verzichtbar sind.

Volmers Pazifismus-Thesen sind im Internet abrufbar unter:
http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/themen/Pazifismus/volmer.html

Volmer hat mit seinem Begriff des "politischen Pazifismus" eine breite Debatte losgetreten die dokumentiert wird unter:
http://www.uni-kassel.de/fb10/frieden/themen/Pazifismus/Debatte/Welcome.html

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Was ist eigentlich Pazifismus?

Zur Klärung eines politischen Begriffs

Das Wort Pazifismus wurde zuerst 1901 von E. Arnaud in der Tageszeitung Indépendance Belge gebraucht. Als Pazifisten sollten die Anhänger der Friedensbewegung bezeichnet werden, die mit individuellen und kollektiven Mitteln, für friedliche, zwischenstaatliche Konfliktaustragung eintreten, mit dem Ziel einer auf Recht gegründeten Völker- und Staatengemeinschaft.

Unter diesem Begriff wurden auch bisherige Teilziele der Friedensbewegung wie internationale Schiedsgerichtsbarkeit, Abrüstung, Zusammenschluß der Nationen Europas und der Welt, Völkerkongreß etc. zusammengefaßt.

Praktischen Gebrauch bot das Wort Pazifismus auch zur Verwendung in mehreren Sprachen; auf dem 10.Weltfriedenskongreß in Glasgow 1901 wurde der Begriff erstmals international Verwendet. Ideengeschichtlich ordnet sich dieser Begriff ein in die bürgerlich-liberalen Emanzipationsbewegungen Ende des 18. Jh. und dem Beginn des 19 Jh. ein.

Weiter unter:
http://www.denk-stein.com/tilt/gruppen/idk/pazifis.htm

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Ist der Pazifismus am Ende?

Von Horst Eberhard Richter

Pazifismus und Friedensbewegung sind ursprünglich synonym gebrauchte Begriffe. In dem Band des Großen Brockhaus, der unmittelbar vor Hitlers Machtantritt erschien, heißt es zum Stichwort Pazifismus: "Friedensbewegung, die Gesamtheit der Bestrebungen zur Ausschaltung des Krieges aus dem internationalen Leben." Weiter wird erläutert: "Sein (des Pazifismus) Endziel ist die Entwicklung von friedlichen Formen der internationalen Auseinandersetzung statt der kriegerischen." "Die praktischen Forderungen des Pazifismus sind in der Hauptsache militärische Abrüstung, die Lösung aller internationalen Streitfälle auf dem Wege der Schiedsgerichtsbarkeit und die Schaffung einer die einzelnen Staaten umfassenden Gesamtorganisation." Jenes Brockhaus-Lexikon nennt aber auch die Gegenströmung zum Pazifismus, die in Deutschland bald die Oberhand gewinnen sollte. Da lautet der Text: "Der Krieg wird hier aus der Natur des Menschen erklärt, er wird als ein Mittel der männlich-heldischen Erziehung und Bewährung für die einzelnen wie besonders für die Nationen gewertet." Im deutschen Volk sei ein neuer Wehrwille erwacht, der bewußt den Pazifismus verwerfe.

Diesen Wehrwillen habe ich dann als Schuljunge aufs eindringlichste vermittelt bekommen. Genau laut Lexikon-Text hieß Pazifismus alsbald soviel wie schändliche Feigheit, Unmännlichkeit und Verantwortungslosigkeit...

Weiter unter:
http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-96/9610602m.htm
 
 

(Quellen: ap, fr)

 
 

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