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 last update: boa München, Fr. 18.01.2002 - 14:00 
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Fr.18.01.2002      

Sechzig Jahre nach der Wannseekonferenz:

Immer noch "sehr viel Antisemitismus" in Deutschland

"Klischees und Sündenbocktheorien" sind heute wieder aktuell, beklagt der
     Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, in einem
     Interview mit der Illustrierten Stern. "Immer wieder höre ich, dass wir der
     Grund für Antisemitismus sind", so Spiegel.
Beim Essen mit Düsseldorfer Honoratioren erntet Paul Spiegel den Vorwurf,
      Antisemitismus zu schüren.
Vernichtung mit System: Die Rolle der Wannseekonferenz.
Antisemitismus.Infoarchiv.de
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Zentralrats-Präsident Paul Spiegel beklagt Antisemitismus in Deutschland

Fr. 18.01.02 - Sechzig Jahre nach der Wannsee-Konferenz, auf der die Ermordung der europäischen Juden geplant wurde, sieht der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, noch "sehr viel Antisemitismus, auch sehr viel Fremdenfeindlichkeit" hierzulande. Erst neulich habe er das bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung wieder "ganz krass" erfahren. "Da hat mir einer klipp und klar gesagt: ‚Hören Sie auf, sich ständig einzumischen. Wenn Sie ruhiger wären, gäbe es keinen Antisemitismus!' Das erlebe ich immer häufiger", sagte Spiegel in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern, das in der neuen Ausgabe erscheint. "Immer wieder höre ich, dass wir der Grund für Antisemitismus sind, dass wir diesen Hass durch unsere bloße Existenz erzeugen und dass es am besten wäre, es gäbe keine Juden in Deutschland." Er merke, "dass Klischees und Sündenbocktheorien, unter denen wir Juden seit Jahrtausenden zu leiden haben, heute wieder aktuell sind".

"Wenn mir 1945 jemand gesagt hätte, dass in Deutschland wieder jüdische Friedhöfe geschändet, Synagogen angezündet, Fremde gejagt werden - ich hätte ihn für verrückt erklärt", sagte Paul Spiegel. Doch trotz aller Schwierigkeiten und trotz aller rechter Gewalt werde er nicht sagen, Deutschland sei ein rechtsradikales und antisemitisches Land. "Wir vertrauen dieser Demokratie. Wir sind überzeugt, dass wir hier leben können, und wir wollen hier leben. Wir leben heute nicht mehr, wie viele Juden es noch in den 60er Jahren taten, auf gepackten Koffern", betonte der Präsident des Zentralrates im stern-Gespräch. (Quelle: ots)

Das Stern-Gespräch: "Paul Spiegel über Antisemitismus heute"

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Beim Essen mit Düsseldorfer Honoratioren erntet Paul Spiegel den Vorwurf, Antisemitismus zu schüren.

Fr. 18.01.02 - Zum Gänse-Essen hat die Deutsche Bank im November 2000 ein handverlesenes Publikum auf Düsseldorfs Königsallee eingeladen. Zum Dessert hielt Spiegel auf Einladung der Gastgeber einen Vortrag über jüdisches Leben in Deutschland.

In seinem Vortrag erwähnte Spiegel die Deportation seiner kleinen Schwester und deren Vergasung in Auschwitz. Im Anschluss daran meldete sich ein Düsseldorfer Rechtsanwalt zu Wort. Er sei als 15-jähriger Pimpf in einer Flakbatterie in der Nähe von Auschwitz stationiert gewesen. Von dort aus sei man zum Duschen, Saunen und Entlausen in das Lager Auschwitz gefahren, ohne etwas von Gräueltaten an Juden zu bemerken. Auch sein Vater, später von ihm hierzu befragt, habe ihm versichert, hiervon nie etwas gehört zu haben. Darüber hinaus, fügte der Rechtsanwalt noch an, müsse sich Spiegel fragen lassen, ob er seine Bemühungen um eine Verständigung von Juden und Nichtjuden in Deutschland, der die von jüdischer Seite erhobenen Forderungen nach finanzieller Entschädigung schon genug schadeten, nicht geradezu konterkariere, wenn er die Erinnerung an diese Gräueltaten immer wieder wachrufe.

"Eisige Stille" breitete sich im Raum aus. Spiegels Frau verließ - in Tränen aufgelöst - den Saal. Was Spiegel an diesem Abend besonders erschütterte, war die Reaktion der etwa 70 sonstigen Gänse-Esser, darunter Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin, Universitäts-Rektor Gert Kaiser und Regierungspräsident Jürgen Büssow: "Niemand hat etwa gesagt: ,Wir sind nicht dieser Auffassung. Das hier ist eine Einzelmeinung.' "

Nachdem sich beim Westdeutschen Rundfunk ein Kommentator des Gänse-Essens angenommen hatte, erstatteten Radiohörer Anzeige. Eine Amtsrichterin des Düsseldorfer Landgerichts ermittelt nun, ob die Äußerungen des Rechtsanwalts, den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen und lädt Teilnehmer des Mahles zum Verhör.

Mehr in einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom Dienstag 15.01.02
"Zum Nachtisch meldet ein Rechtsanwalt Zweifel an Auschwitz an",
im Internet abrufbar unter:

http://www.f-r.de/fr/spezial/rechts/t2017200201151074352.htm

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Vernichtung mit System: Die Rolle der Wannseekonferenz

Am 20. Januar 1942 trafen sich unter dem Vorsitz des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich 14 Spitzenbeamte der Ministerialbürokratie und der SS in dem SS-Gästehaus am Wannsee. Hier verhandelten sie über die organisatorische Durchführung der Entscheidung, die Juden Europas in den Osten zu deportieren und zu ermorden.

Anläßlich des 60. Jahrestages der sogenannten Wannsee-Konferenz zeigt das Deutsche Historische Museum Berlin bis zum 9. April 2003 eine Holocaust-Ausstellung. Die aktuelle Ausgabe des Hamburger Magazins "Stern" liefert faktenreiches Hintergrundwissen zur Wannsee-Konferenz und ihrer Rolle im Holocaust :
http://www.stern.de/politik/news/tagesthema/artikel_44599.html

Holocaust-Ausstellung:
http://www.dhm.de/ausstellungen/holocaust/

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Antisemitismus.Infoarchiv.de

Links zum Thema: Antisemitismus und Holocaust und was jeder tun kann um nicht zur schweigenden Mehrheit zu gehören:
http://antisemitismus.infoarchiv.de/

Informationen über das Judentum, Antisemitismus und den Holocaust:
http://www.HaGalil.com
 
 

(Quellen: epd, stern, ots, fr)

 
 

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