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Mo. 28.01.2002      

Hinschauen und Handeln

Paul Spiegel vermisst Zivilcourage
im Kampf gegen Rechtsextreme

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland warnt auch davor, die
     Zuwanderungsdebatte zum Thema des Bundestagswahlkampfes zu machen.
     Mit zahlreichen Veranstaltungen wurde am Sonntag in Deutschland der Opfer des
     Nationalsozialismus gedacht. In Jena ist ein ausländischer Wissenschaftler von
     Rechtsextremisten niedergeschlagen worden.
Das Konzentrationslager Auschwitz.
Der Frankfurter Auschwitzprozess und die "Ermittlungen" von Peter Weiss
Die Rolle der Wannseekonferenz im Holocaust.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Paul Spiegel vermisst Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextreme

Mo. 28.01.02 - Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, vermisst in Deutschland Zivilcourage im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Er habe den Eindruck, die Leute schauten weg und schwiegen, wenn es angebracht wäre hinzuschauen und zu handeln. Das sagte Spiegel dem "Tagesspiegel" anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus. Fremdenfeindlichkeit bedrohe nicht nur die Minderheiten in Deutschland, sondern alle, die Demokratie wollten.

In einer Rede vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover hat Spiegel davor gewarnt, die Zuwanderungsdebatte zum Thema des Bundestagswahlkampfes zu machen. Ansonsten dürfe sich niemand darüber wundern, wenn nicht nur an Stammtischen Äußerungen fielen, "die wir alle lieber nicht zu hören hofften", sagte der Zentralrats-Präsident.

Spiegel sprach auf Einladung von Landtagspräsident Rolf Wernstedt (SPD) zum Tag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz, der am Sonntag begangen wurde.

Spiegel beklagte mangelnde Zivilcourage. Anders sei nicht zu erklären, dass sich Rechtsextremismus ausbreite und Menschen auf der Straße gejagt würden. Wenn Politiker mit Vorbildfunktion eine Debatte über deutsche "Leitkultur" begännen, trage dies ebenfalls zur Fremdenfeindlichkeit bei, sagte Spiegel. Neonazis und Rechtsradikale seien nicht nur eine Gefahr für Minderheiten, sondern - wie der Terrorismus - für die Demokratie überhaupt.

Vor Spiegels Rede hatte ein Flugblatt mit antisemitischem Inhalt und einer Bombendrohung im Landtag für Aufregung gesorgt. Die Polizei beschlagnahmte das Schreiben.

Juden und Nicht-Juden in Deutschland sind nach Ansicht des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn, von Normalität im Umgang miteinander immer noch weit entfernt. Dies werde vermutlich für die nächsten beiden Generationen so bleiben, sagte Korn bei der Holocaust-Gedenkfeier im hessischen Landtag. Die Erinnerung an das NS-Verbrechen sei nicht wirklich Teil der deutschen Identität geworden.

Bei zahlreichen Veranstaltungen haben Menschen in ganz Deutschland am Sonntag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der 27. Januar war 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die NS-Opfer erklärt worden. Am 27. Januar 1945 war das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden.

Prominente Politiker, Künstler, Journalisten und weitere Persönlichkeiten haben am Sonntagabend in Potsdam das Dokumentarstück "Die Ermittlung" von Peter Weiss vorgetragen. An der szenischen Lesung auf der Grundlage der Protokolle des Prozesses um die Untaten im NS-Konzentrationslager Auschwitz wirkten unter anderen Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), Landtagspräsident Herbert Knoblich, der Moderator Günther Jauch, ARD-Nachrichtensprecher Jens Riewa und der Countertenor Jochen Kowalski mit.

Der Erlös der Benefizveranstaltung ist für den Aufbau einer Jugendbegegnungsstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen bei Berlin bestimmt.

In der Thüringer Universitätsstadt Jena ist erneut ein ausländischer Wissenschaftler von drei Rechtsextremisten angegriffen worden. Der 32-jährige russische Gastdozent der Friedrich-Schiller-Universität wurde niedergeschlagen und im Gesicht schwer verletzt. Die Polizei geht von einem ausländerfeindlichen Hintergrund aus. Vor einer Woche war bereits ein 38 Jahre alter chinesischer Gastprofessor zusammengeschlagen worden.

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Konzentrationslager Auschwitz

Das ehemalige nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ist das wichtigste Symbol für den Holocaust, den Völkermord an den Juden. In dem zwischen den polnischen Städten Krakau und Kattowitz gelegenen Lager wurden während des Zweiten Weltkrieges eine Million Menschen, zum größten Teil Juden, ermordet. Mit seinen zahlreichen Nebenlagern erstreckte sich das "Interessengebiet KL Auschwitz" über insgesamt 40 Quadratkilometer.

Am 27. April 1940 befahl der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, in der Stadt Oswiecim im besetzten Polen ein Konzentrationslager zu errichten. Knapp zwei Monate später wurden die ersten Häftlinge - 728 polnische Männer - nach Auschwitz gebracht. Danach wurde die Lageranlage in einem früheren Kasernenkomplex immer weiter ausgebaut. Ende 1941 waren 11.500 Häftlinge und 11.000 sowjetische Kriegsgefangene eingesperrt. Seit September 1941 wurden die ersten Häftlinge mit dem Giftgas Zyklon B getötet.

Nach der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942, auf der die "Endlösung der Judenfrage" beschlossen worden war, wurde Auschwitz ein Ort der Judenvernichtung.

Täglich trafen mehrere Güterzüge mit jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus ganz Europa in Auschwitz ein. Bei der Ankunft in Viehwaggons wurden die Menschen selektiert, die meisten von ihnen noch am selben Tag mit Zyklon B vergast, der kleinere Teil zur Zwangsarbeit bis zur völligen Erschöpfung abkommandiert. Die große Mehrheit der Zwangsarbeiter überlebte nur wenige Monate. Im Stammlager unternahmen SS-Ärzte grausame Experimente vor allem an Kindern und Frauen.

Insgesamt wurden in Auschwitz von Anfang 1942 bis Ende 1944 wahrscheinlich rund 1,5 Millionen Juden sowie viele tausend Sinti und Roma und Polen umgebracht. Der systematische Massenmord, zu dem auch die Verwertung der Habseligkeiten sowie der Haare und Goldzähne der Opfer gehörte, war Höhepunkt des NS-Rassenwahns. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit.

Der 27. Januar wurde 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum offiziellen deutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt.

Links zum Thema

Widerstand in Auschwitz:
http://www.wsg-hist.uni-linz.ac.at/Auschwitz/HTMLd/Widerstand-III.html

Die Befreiung von Auschwitz:
http://www.spiegel.de/sptv/extra/0,1518,170782,00.html
http://www.forst.uni-muenchen.de/~refo/tradukoj/auschwitz/de/
historia_kl/ wyzwolenie_ok.html

1945 - Auschwitz' Befreiung - Links für Kinder
http://www.kidlane.de/01inhalt/ereignisse/01_januar/27/1945_auschwitz_befreiung/
links.html

Holocaust:
Die Verfolgung und Ermordung der Juden. Links zum Thema:
http://www.schoah.de/links/

Antisemitismus-Infoarchiv:
Links zum Thema: Antisemitismus und Holocaust und was jeder tun kann um nicht zur schweigenden Mehrheit zu gehören:
http://antisemitismus.infoarchiv.de/

Informationen über das Judentum, Antisemitismus und den Holocaust:
http://www.HaGalil.com

Lernen aus der Geschichte:
Projekte zu Nationalsozialismus und Holocaust in Schule und Jugendarbeit.
http://www.holocaust-education.de/

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Der Frankfurter Auschwitzprozess und die "Ermittlungen" von Peter Weiss

Vom Dezember 1963 bis August 1965 fand in Frankfurt unter der offiziellen Bezeichnung "Strafsache gegen Mulka und andere" der Auschwitz- Prozess statt. 22 Angeklagte standen vor Gericht. 359 Zeugen wurden gehört. Unter den Zuschauern befand sich zeitweise auch der Schriftsteller Peter Weiss (1916-1982). Seine Beobachtungen und die täglichen Zeitungsberichte bildeten die Grundlage für sein Theaterstück "Die Ermittlung", eine szenische Dokumentation der Auschwitzprozesse. "Die Ermittlung" besteht aus einer exakt ausgeklügelten Bilderabfolge, die das Häftlingsschicksal von der Rampe bis in die Todeskammer verfolgt. Peter Weiss sagte, dass "Die Ermittlung" von dem handelt, "was in Auschwitz, dem, was in Frankfurt, und dem, was in einen Mann vorgegangen ist, der in Frankfurt war." Das Bühnenstück konfrontiert das Publikum mit den Worten der Täter und mit den Erinnerungen der Opfer. "Die Ermittlung" wurde am 19.Oktober 1965 an fünfzehn ost- und westdeutschen Bühnen gleichzeitig uraufgeführt.

Mehr zum Frankfurter Auschwitz-Prozess, zu Peter Weiss und seiner szenischen Dokumentation "Die Ermittlung" unter:
http://www.lgd.de/projekt/judentum/peter_weiss.htm

Information zum Frankfurter Auschwitz-Prozess unter:
http://www.lgd.de/projekt/judentum/ns-prozesse.htm

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Die Rolle der Wannseekonferenz im Holocaust

Der beispiellose Kampf der Nationalsozialisten gegen die Juden hatte schon lange vor der Machtübernahme am 30. Januar 1933 begonnen. Er steigerte sich parallel zu dem Einfluss und der Unterstützung, die sie erst in Deutschland und während des Zweiten Weltkrieges in Europa erhielten, von Morden zu Deportationen und Massenmorden. Zum systematischen Völkermord wurde der Feldzug, als das Reich große, im Osten eroberte Gebiete beherrschte.

Dennoch gab es in einigen "grundsätzlichen Fragen", wie es im Protokoll von SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hieß, noch Klärungsbedarf, den die Konferenz am 20. Januar 1942 befriedigen sollte. Zu koordinieren war nicht weniger als die "Endlösung der Judenfrage", also die vollständige Vernichtung der Juden...

Weiter unter:
http://de.news.yahoo.com/020117/12/2kpm4.html

Protokoll der Wannseekonferenz:
http://www.ghwk.de/proto.htm

Holocaust:
http://www.schoah.de/

Sechzig Jahre nach der Wannseekonferenz
Immer noch "sehr viel Antisemitismus" in Deutschland
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0201180.htm#top
 
 

(Quellen: ap, dpa, partisan.net, boa-archiv)

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