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 last update: boa München, Mi. 06.02.2002 - 14:00 
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Mi. 06.02.2002       

Hohes Niveau

Arbeitslosigkeit in Deutschland bei knapp 4,3 Millionen
Insolvenzen von Unternehmen kosten 2002 rund 550.000 Arbeitplätze

Winter und Konjunkturflaute lassen Erwerbslosigkeit in Deutschland
     hochschnellen. Analysten erwarten weitere Verschlechterung.
Zahl der Pleiten erreicht im europäischen Insolvenzen-Ranking
     die Spitzenposition.
Deutsche Arbeitsmarktpolitik benachteiligt Frauen.
Bundesrechnungshof zweifelt Zahl der Arbeitsamt-Vermittlungen an.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Arbeitslosenzahl überschreitet 4-Millionen-Grenze

Mi. 06.02.02 - Der Winter und die schwache Konjunktur haben die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Januar um 326.400 auf 4.289.900 und damit auf ein Niveau wie vor zwei Jahren steigen lassen. Damals hatte die Zahl der Arbeitslosen 4,293 Millionen betragen. Verglichen zum Vorjahr registrierte die Bundesanstalt für Arbeit 196 700 mehr Erwerbslose als vor einem Jahr. Der Januar brachte damit im Jahresvergleich den größten Anstieg der Arbeitslosigkeit seit Dezember 1997. Die Arbeitslosenquote stieg im Januar auf 10,4 Prozent. Der Präsident der Bundesanstalt, Bernhard Jagoda, sagte, die Konjunkturschwäche habe sich am Arbeitsmarkt niedergeschlagen.

Analysten sahen sich in ersten Reaktionen durch die Zahlen in ihren Erwartungen bestätigt. Peter Meister von der BHF-Bank sagte, der Winter habe die Arbeitslosenzahl nach oben getrieben. "Aber der starke Anstieg der saisonbereinigten Zahl weist darauf hin, dass der Konjunkturabschwung stark auf den Arbeitsmarkt durchschlägt." Stefan Mütze von der Helaba sagte, er erwarte bei der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit eine weitere Verschlechterung, weil noch keine Aufschwungtendenzen eingesetzt hätten. Manuela Preuschl von der Deutschen Bank sagte: "Die Zahl ist keine großartige Überraschung." Vor allem im Bau- und Gaststättengewerbe sowie anderen Außenberufen ruhe die Arbeit im Januar. Sie erwarte eine Trendwende frühestens gegen Jahresende.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist seit Monaten mit Vorwürfen der Opposition konfrontiert, dass es ihm nicht gelungen sei, die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken.

Als eine kurzfristige Maßnahme gegen die steigende Arbeitslosigkeit wollte das Bundeskabinett am Mittwoch die bundesweite Ausdehnung des Mainzer Kombilohn-Modells beschließen. Die Regierung erhofft sich davon bis zu 30.000 neue Beschäftigte. Experten bezweifeln diese Zahl und weisen auf die Risiken hin: Der Kombilohn sei mit höheren Staatsausgaben verbunden, die letztendlich wieder zu einer höheren Steuerbelastung führen könnten. Dadurch könnten positive Effekte wieder zunichte gemacht werden.

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Deutschland bei Pleiten von Firmen und Haushalten Spitze in Europa

2002 kosten Insolvenzen von Unternehmen rund 550.000 Arbeitplätze

Mi. 06.02.02 - In Deutschland werden in diesem Jahr einer Studie zufolge rund 550.000 Arbeitsplätze wegfallen, weil voraussichtlich rund 40.000 Firmen pleite gehen. Bereits im vergangenen Jahr sei die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen um 16 Prozent auf 32.400 gestiegen, was den Verlust von etwa einer halben Million Arbeitsplätze bedeutet habe, teilte der Informationsdienstleister Creditreform am Dienstag in Düsseldorf mit. Die Zahl der Firmenpleiten habe damit 2001 einen neuen Nachkriegsrekord erreicht, sagte Creditreform-Chef Helmut Rödl. Zusammen mit Insolvenzanträgen von privaten Haushalten erwartet Rödl 2002 insgesamt 60.000 Insolvenzen in Deutschland.

2001 sei die Zahl der Insolvenzen von Firmen und Haushalten in Deutschland um knapp 19 Prozent auf insgesamt rund 50.000 Pleiten gestiegen. "Damit hat Deutschland absolut gesehen im europäischen Pleiten-Ranking die Spitzenposition erobert", sagte Rödl. In Europa sei die Zahl der Pleiten 2001 um knapp sechs Prozent auf rund 200.000 gestiegen. Die Zahl der dadurch weggefallenen Arbeitsplätze habe sich von 1,1 Millionen auf 1,4 Millionen erhöht. Im laufenden Jahr erwartet Creditreform in Europa insgesamt 210.000 Insolvenzen.

"Jede fünfte Pleite in Europa trifft einen Baubetrieb", erläuterte Rödl. Deutschland habe in Europa den höchsten Anteil von Insolvenzen im Bausektor. Hier treffe mehr als jede vierte Pleite eine Baufirma. Den höchsten Anteil an Insolvenzen gebe es in Deutschland nach wie vor im Dienstleistungssektor.

Anstoß für die rasant steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen in Deutschland sei die Verschlechterung der konjunkturellen Lage. "Unsere Volkswirtschaft ist aus dem Führerhaus raus und in das Bremserhaus gewechselt", sagte Rödl. Als weitere Gründe für die Pleitewelle in Deutschland nannte er eine schwache Eigenkapitalbasis der Unternehmen, hohe Zahlungsausfälle durch säumige Kunden

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Deutsche Arbeitsmarktpolitik benachteiligt Frauen.

Mi. 06.02.02 - Die deutsche Arbeitsmarktpolitik ignoriert nach einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung das Beschäftigungspotenzial qualifizierter Frauen. Im internationalen Vergleich stehe die Bundesrepublik bei der Vereinbarung von Familie und Beruf weit hinten, geht aus der in Gütersloh veröffentlichten Analyse hervor.

Während in Deutschland nur knapp 58 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter berufstätig seien, gingen in Norwegen 74 Prozent sowie in Dänemark, Schweden und der Schweiz je 72 Prozent einer regelmäßigen Beschäftigung nach.

"Vor allem Mütter mit Kindern unter sechs Jahren sind im internationalen Vergleich erheblich benachteiligt und arbeiten - wenn überhaupt - meist auf Teilzeitbasis", erläuterten die Projektleiter Werner Eichhorst und Eric Thode. Fast ein Drittel aller Frauen mit Kindern im Vorschulalter wünschten eine Vollzeitbeschäftigung.

Als Hauptgrund für die geringe Erwerbstätigkeit der Frauen nannten die Fachleute den Mangel an Einrichtungen für die Kinderbetreuung vor, während und nach der Kindergartenphase.

Besonders katastrophal seien die Beschäftigungsmöglichkeiten für Mütter mit Kindern unter drei Jahren: Hier hätten in Deutschland nur 10 Prozent der Kinder einen Zugang zu öffentlichen Betreuungseinrichtungen. In Dänemark könnten 64 Prozent, in den USA 52 Prozent und in Schweden 48 Prozent der Kleinkinder eine solche Einrichtung besuchen.

Ein weiteres Hindernis sehen die Wissenschaftler im deutschen Steuersystem. "Das Eehegattensplitting muß abgeschaftt werden", fordert Thode. Nur wenn die Eheleute gleich behandelt würden, lohne es sich für Frauen auch eine Arbeit anzunehmen. So hätten Familien mit zwei Verdienern in Deutschland nur 63 Prozent mehr Einkommen als eine Familie mit nur einem Erwerbstätigen. In den Vereinigten Staaten indes beträgt der Zuwachs fast 100 Prozent, in Großbritannien 92 Prozent, in Schweden 83 Prozent und in Frankreich 79 Prozent. Steuerliche Vergünstigungen sollten nicht der Institution Ehe zukommen, schreiben die Wissenschaftler weiter. Vielmehr sollte damit die Kinderbetreuung erleichtert werden.

Nach der Statistik der Bundesanstalt für Arbeit hatten Ende 2001 1,8 Millionen Frauen in Deutschland keine Arbeit. Dies sind 45,5 Prozent aller registrierten Erwerbslosen.

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Bundesrechnungshof zweifelt
Zahl der Arbeitsamt-Vermittlungen an.

Mi. 06.02.02 - Arbeitsämter haben nach Feststellungen des Bundesrechnungshofs möglicherweise weniger Arbeitslose auf freie Stellen vermittelt als die Statistiken ausweisen. Bei entsprechenden Prüfungen in fünf der 181 Arbeitsämtern habe sich herausgestellt, dass dort 70 Prozent der Vermittlungen fehlerhaft gebucht worden seien, berichtete die Bundesanstalt für Arbeit (BA).

Sie beruft sich dabei auf einen Prüfmitteilungs-Entwurf des Bundesrechnungshofs. Der Präsident der Nürnberger Bundesanstalt, Bernhard Jagoda, kündigte daraufhin eine Prüfung der aufgezeigten Einzelfälle an.

Bis Mitte Februar will die Innenrevision der Bundesbehörde außerdem zehn weitere Arbeitsämter auf den Prüfstand stellen. Der Bundesrechnungshof wolle von April an weitere 20 Arbeitsämter prüfen. Vorläufige Prüfergebnisse des Bundesrechnungshof würden bei einem Treffen in der zweiten Februarhälfte erörtert, hieß es.

Der Prüfbericht des Bundesrechnungshofes:
http://de.news.yahoo.com/020205/3/2mkn5.html
 
 

(Quellen: ap, rtr, faz, boa-archiv)

 
 

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